Mamani! - Joy Denalane Testbericht

Mamani-joy-denalane
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Erfahrungsbericht von KleineHexe82

Geile Stimme, gute Texte, starke Frau...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Nachdem ich jetzt schon länger nichts mehr in der Kategorie Musik geschrieben habe, möchte ich Euch heute eine CD vorstellen, über die ich schon seit langem etwas schrieben wollte.
Es handelt sich um Mamani, das Debütalbum von Joy Denalane, dass am 3. Juni 2002 im Stuttgarter Four Music Label erschienen ist.

*****Wer ist Joy Denalane*****

Ich nehme mal an, dass der Name Joy Denalane nur wenigen von Euch etwas sagt, deshalb möchte ich nun erst mal ein wenig über sie selbst schreiben, bevor ich dann näher auf ihr Album eingehen werde.
Joy Denalane wurde 1973 als Tochter eines Südafrikaners und einer Heidelbergerin geboren und wuchs mit 5 Geschwistern in Berlin Kreuzberg auf. Schon während ihrer Schulzeit sang sie in diversen Bands, einen richtigen Plattenvertrag bekam sie dann aber erst viel später, von Four Music. Damals sang sie zunächst für diverse Four Music Projekte im Background und landete schließlich beim Freundeskreis, als sie den weiblichen Part in der ziemlich bekannten Freundeskreis Single Mit Dir übernahm. Viele von Euch haben bestimmt auch noch das Video dazu im Kopf, in dem Joy Denalane zusammen mit Max Herre über den weißen Dächern von Santorin tanzt....Das läuft auch jetzt noch ab und an im Fernsehen.
Außerdem sang Joy Denalane dann auch die weiblichen Parts auf Tabula Rasa Pt.2 mit ein und wirkte beim FK-Allstars Livealbum En Directo mit. Zudem ging sie dann auch mit den FK-Allstars auf Tour und sang zusammen mit Broke Roussel und der Genferin Déborah die weiblichen Parts der Allstars Lieder. Ich habe sie damals auch einmal live erlebt, auf dem Splash Festival 2000 in Chemnitz. Damals war sie schon sichtbar schwanger und im Herbst 2000 kam dann ihr Sohn Isaiah zur Welt. Der Vater des Kindes ist Max Herre vom Freundeskreis, mit dem sie in Stuttgart zusammenlebt und der auch Produzent und Co-Autor ihres Albums war.

*****Der Albumtitel*****

Joy Denalane Hat ihr Album Mamani genannt. Das Wort stammt aus der südafrikanischen Sprache Tsonga und bedeutet zum einen Mutter, bezeichnet aber gleichzeitig auch alle anderen weiblichen Vorfahren. Joy Denalane meint damit zum einen, dass sie selbst erst vor kurzem Mutter geworden ist, zum anderen widmet sie es aber auch ihren weiblichen Vorfahren und vor allem ihrer Mutter, die im Frühjahr 2001 gestorben ist.

*****Die Gestaltung der Verpackung*****

Die Plastik CD-Hülle mit dem Textheft steckt zusätzlich noch in einer Papphülle. In dieser Hülle befindet sich auch noch ein zusammengefaltetes Poster, das auf einer Seite noch einmal das vergrößerte Coverbild und auf der anderen Seite eine Collage aus verschiedensten Photos zeigt. Darauf sieht man unter anderem Joy selbst, auch in ihrer Kindheit und Jugend, Max und ihren Sohn und verschiedenste Verwandte und Freunde.
Sowohl auf der Papphülle, als auch auf der richtigen CD Hülle ist eine Tracklist abgedruckt und beide haben das Coverbild auf der Vorderseite. Es zeigt Joy Denalane mit einem Kopftuch, das mit verschiedenen Photos bedruckt ist.
In der Plastikhülle befindet sich ein Booklet, in dem alle Texte abgedruckt sind. Zu den afrikanischen, kreolischen und französischen Texten gibt es immer eine deutsche Übersetzung. Auch im Booklet befinden sich noch einige Photos, die Joy und ihre Familienmitglieder und Vorfahren zeigen.

*****Tracklist*****
1. Setho
2. Miscommunication
3. Geh jetzt
4. Bantwana Skit
5. Höchste Zeit
6. Vier Frauen feat. Sara Tavares/Chiwoniso/Déborah
7. Sag`s mir
8. Ma Jimbos Skit
9. Im Ghetto von Soweto (Auntie`s House) feat. Hugh Masekela
10. Kinderlied
11. Was auch immer
12. Passenger Denalane Skit
13. Mamani feat.Hugh Masekela
14. Fragen (Ein Brief aus Lesotho)
15. Wem gehört die Welt
16. I Cover the Waterfront
17. Outro
18. Mathatha Agotlokamna (Nachruf) feat. Mahothella Queens

*****Die Songs*****

+*+*+Setho+*+*+

Das Intro in der afrikanischen Sprache Xhosa, ein altes afrikanisches Lied, gesungen von Joy Denalane selbst.

+*+*+Miscommunication+*+*+

Ein langsames, nachdenkliches, souliges Stück, auf deutsch gesungen von Joy Denalane.
Es geht um Missverständnisse in einer Beziehung, darum, dass man oft das Gegenteil von dem sagt, was man eigentlich gerne sagen würde und man sich zwar liebt, aber den anderen trotzdem oft nicht erträgt.

„Manchmal trenn` uns Kilometer
doch du bist mit mir
manchmal war`n`s nur Millimeter
und ich fand keinen Weg zu dir
wollt`ich könnt` aus meiner Haut
würd` wieder deine spür`n
nicht mehr zürn`, dich berührn
du und ich wär`n eins wie früher“

Ein zwar etwas trauriges, aber gleichzeitig auch sehr schönes, Lied, mit einem guten Text.

+*+*+Geh jetzt+*+*+

Geh jetzt ist die aktuelle Single aus diesem Album. Das Video dazu konnte oder kann man auch ab und zu auf MTV oder Viva sehen, so dass einige von Euch den Song sicher schon mal gehört haben.
Geh jetzt ist ziemlich traurig und klingt nach Blues und Gänsehaut. Es wurde mit Streichern und einem Backgroundchor aufgenommen und handelt von einer betrogenen Frau, die ihren Mann bittet, sie zu verlassen und ihr nicht noch mehr weh zu tun.
Es ist allerdings kein autobiographisches Stück, sondern wenn dann höchstens eine Drohung an ihren Mann, sie nie zu betrügen, wie Joy in einem Interview betont hat.

+*+*+Bantwana Skit+*+*+

Ein Skit oder eben ein kurzes Zwischenspiel, wie es auch vielen Hip Hop und R+B Platten zu finden ist. Ich kann damit immer nicht allzu viel anfangen.

+*+*+Höchste Zeit+*+*+

Ein sehr rhythmischer Song, der nachdenklich machen soll und dazu anregen soll, mehr über unsere Welt und Probleme nachzudenken und etwas zu tun und nicht immer nur wegzusehen.

+*+*+Vier Frauen+*+*+

Vier Frauen ist eines der schönsten Stücke auf der CD. Es stammt ursprünglich von Nina Simone und wird viersprachig gesungen. Sara Tavares singt kreolisch, Chiwoniso in Shona, Déborah auf Französisch und Joy Denalane auf Deutsch.
In allen vier Textteilen geht es um die Herkunft und um die Rolle als Mutter.
Es ist faszinierend, wie man die verschiedenen Sprachen in einem Song kombinieren kann. Das hat mich auch schon bei den FK-Allstars fasziniert. Die anderen Frauen haben, genau wie Joy, eine sehr warme und soulige Stimme.

+*+*+Sag`s mir+*+*+

In diesem Song beschreibt Joy die Gedanken, die ihr nach einem Streit durch den Kopf gehen und wie sie sich dabei fühlt. Jeder von uns kennt wohl dieses Gefühl. Es ist wieder ein sehr langsames und souliges Stück und der Text ist wieder mal sehr gut und treffend. Die Musik steht stark im Hintergrund. Im Mittelpunkt steht Joy mit ihrer Stimme.

„So schlimm war`s noch nie zuvor
hab` jetzt noch unser`n Zoff im Ohr
ich weiß, dass es so nicht gut geht
jetzt lieg` ich wach und hoff` auf morgen
warum hab` ich nur mein Kopf verlor`n
als ob mein Herz nicht schon genug wär

Komm heim, umarm mich, sag mir
du bist das Einzige, was zählt für mich
es gibt nichts auf der Welt als dich
Komm heim, ich umarm dich, sag dir
ich bin nur glücklich, wenn du bei mir bist
manchmal bin ich stur und zeig` es nicht

+*+*+Ma Jimbos Skit+*+*+

Und wieder mal ein Zwischenspiel....
+*+*+Im Ghetto von Soweto+*+*+

Im Ghetto von Soweto ist ein funkiges Stück, mit einem wütenden Unterton. Joy hat sich dazu Unterstützung von dem afrikanischen Trompeter Hugh Masekela geholt, der den Song mit Trompetensolos untermalt.
Soweto bedeutet eigentlich South Western Township und ist ein Schwarzen-Viertel. Zunächst geht Joy auf einen Aufstand ein, der 1976 in Soweto stattfand und bei dem 700 Schüler getötet wurden. Dann auf die Apartheit und schließlich auf die heutige Bedrohung der Scharzen in Südafrika. Die unwahrscheinlich hohe Aidsrate in diesen Gebieten.
Das Ganze macht sie an Beispielen verschiedener Südafrikaner fest (Tante Jane, Tante Nancy und Tante Eve)

„Es sollt ein Tag der Freude sein
im Haus von Tante Eve
die Tochter hat die Nacht ein Kind gebor`n
nur beide sind verlor`n, sie sind positiv
das ist Muroka, Pimville, Dube
kein Haus ist gefeit
sie bezwangen die Apartheit, dann kam Aids
und bedroht sie in 2002
Soweto
früher war`s TBC vom Untertagebau
heut` ist man infiziert mit HIV
ich sprech` von jeder zweiten schwangeren Frau


+*+*+Kinderlied+*+*+

Ein Schlaflied, dass Joy Denalane mit sanfter Stimme und wohl hauptsächlich für ihren Sohn Isaiah singt, der im Laufe des Stückes auch erwähnt wird.
Ein schöner, süßer und ruhiger Song mit einer Spieluhr als Hintergrundmusik...

+*+*+Was auch immer+*+*+

Auch Was auch immer ist ein ruhiger, sehr souliger Song. Er wurde mit Backgroundchor und einen Streicherensemble aufgenommen. Joy sagt in dem Song, dass sie immer für ihren Freund da ist, und dass er mit allem zu ihr kommen kann, und ihr alles sagen kann. Sie will ihm gleichzeitig Frau, Freund, Schwester und Homie sein, ohne ihn zu umklammern und alles, gute und auch schlechte Dinge mit ihm teilen.
Eine wunderschöne Liebeserklärung.

+*+*+Passenger Denalane+*+*+

Wieder ein Skit, diesmal in Form einer Durchsage am Flughafen....

+*+*+Mamani+*+*+

Der Titelsong der CD. Von Joy in der südafrikanischen Sprache Tsonga gesungen. Unterstützt wird sie dabei wieder vom Trompeter Hugh Masekela.
Das Ganze klingt wie ein traditionelles afrikanisches Lied.

+*+*+Fragen (Ein Brief aus Lesotho)+*+*+

Hierbei handelt es sich um die Vertonung eines Gedichtes von Berholt Brecht. Die Musik steht hier im Hintergrund. Joy Denalane singt einfach nur mit sanfter Stimme das Gedicht, das für sie auch einen Brief aus Südafrika sein könnte.

+*+*+Wem gehört die Welt+*+*+

Wem gehört die Welt ist ein funkiger Song mit einem wütenden Unterton. Er handelt von der Diskrimierung von Schwarzen und von der Benachteiligung von Frauen.
Der Refrain wurde mit einem Backgroundchor aufgenommen.

„Vielleicht habt ihr uns gestern diskriminiert
vielleicht habt ihr meine Schwestern nicht im Visier
vielleicht seid ihr heute obenauf
denkt, die Zeit nimmt so ihren Lauf
doch Morgen hol`n wir unser`n Respekt

Wem gehört die Welt – die Welt ist mein
wem gehört die Welt – die Welt ist dein
nichts was heute ist, muss für immer sein
wem gehört die Welt – die Welt ist rund
wem gehört die Welt – und muss sich dreh`n
was unten war, wird oben steh`n

+*+*+I Cover the Waterfront+*+*+

I cover the waterfront ist im Original von Billie Holiday und ist ein Jazz Stück.
Es ist sehr rhythmisch und Joy singt es mit dunkler, klarer Stimme.

+*+*+Outro+*+*+

Hauptsächlich Instrumental und dazu ein paar gesungene afrikanische Worte von Joy als Ausklang.

+*+*+Mathatha Agotlokamna+*+*+

Am Ende noch ein Trauersong für ihre, während der Aufnahmen zur CD verstorbenen, Mutter.
Der Gesang ist allerdings nicht von Joy selbst, sondern von drei afrikanischen Sängerinnen, die in der südafrikanischen Sprache Pedi singen. Joy spricht dazwischen einige Sätze.

+*+*+Bonustrack+*+*+

Nach einigen Minuten kommt noch ein Bonustrack, eine schnellere Version von Geh jetzt, mit Hip Hop Parts, in denen Max rappt.


*****Fazit*****

Ich habe mir die CD gekauft, weil ich Joy Denalanes Stimme schon von den Freundeskreis- und FK-Allstars Projekten her kannte und begeistert von ihr war. Bis dann ihr eigenes Album kam, hat es zwar etwas gedauert, aber ich wurde nicht enttäuscht. Joy Denalane hat eine sehr angenehme, warme Soulstimme und ihr Lieder, Texte und die Musik sind sehr gut geworden. Besonders gut finde ich die Mixtur verschiedener Sprachen und Kulturen. Man findet deutsche Lieder, afrikanische, englische, französische und noch einiges mehr und das alles passt zusammen. Ich kann die Musik jedem empfehlen, der auf gute Stimmen und gute Texte steht. Und niemand braucht Angst haben, dass es sich hierbei um eine Hip-Hop-lastige Scheibe handelt. Diese Furcht ist echt unbegründet.

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