Die fünfte Frau (Taschenbuch) / Henning Mankell Testbericht

ab 6,15
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 03/2005

5 Sterne
(5)
4 Sterne
(4)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von sprox

Eine bizarre Mordserie

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Geschehen in diesem Krimi von Henning Mankell, der den Titel \"Die fünfte Frau\" trägt. Wie auch in den anderen Büchern dieser Reihe ermittelt Kommissar Kurt Wallander in der schwedischen Provinz. Mehrere grausame
Morde ohne Zusammenhangund ohne erkennbares Motiv, führen Wallander, der nach wie vor mit seinem Privatleben hadert (Trennung von seiner Ehefrau, Distanz zu seiner Tochter), nach vielen Irrungen und Wirrungen auf die Spur des Täters und es gilt im letztenMoment einen weiteren Mord zu verhindern.

Die Vorgeschichte:

Eine schwedische Touristin übernachtet in einem Kloster in Algerien, als dieses nachts von Terroristen brutal überfallen wird und alle anwesenden Personen,
vier Nonnen und eben jene Touristin niedergemetzelt werden. Die algerische Polizei versucht diese Morde geheim zu halten, da der offenbar religiös
motivierte Mord an einer Touristin nicht gut für das Ansehen des Landes ist. Eine algerische Polizistin hält sich allerdings nicht an diese Anordnung und
schickt der Tochter des Opfersdie Todesnachricht samt den Dokumenten, die das Opfer bei sich trug.

Die Hauptgeschichte:

Kurt Wallander, der gerade erst aus dem Urlaub zurückgekehrt ist, den er mit seinem Vater verbracht hat und der erstaunlich harmonisch verlaufen ist
angesichts der Differenzen, die er ständig mit ihm hat, schlägt sich imtäglichen Arbeitsleben mit Bagatellfällen die Zeit um dieOhren. Er ermittelt
wegen Autoschiebereien und dem scheinbar \"harmlosen\" Einbruch in einen Blumenladen, dessen Besitzer sich gerade auf Orchideensafari irgendwo in
Afrika aufhält.

Die Ruhe ist vorbei als ein Mann von von mehrern Bambusstangen aufgespießt in einem Graben bei seinem Haus gefunden wird. Es stellt sich heraus, daß dieser
Vorfall kein Unfall gewesen sein kann, da dem eigenbrötlerisch lebenden Mann ein manipulierter Steg zum Verhängnis wurde, den er regelmäßig benutzte um
zu einem Turm zu gelangen,von dem aus er Vögel beobachten konnte.

Erste Ermittlungen führen zu der Erkenntnis, daß der Tote ein sehr abgeschiedenes Leben geführt hat, das er unter anderem damit verbrachte seltsame Vogelgedichte zu verfassen.
Dann wird ein Tagebuch gefunden, das Hinweise enthält, daß das frühere Leben des Toten keinegswegs so harmlos war, wie es sich zuerst dargestellt hatte: Der Tote Holger Eriksson war offenbar ein Söldner. Weitere
Nachforschungen ergeben, daß er zu einer Gruppe schwedischer Söldner gehörte, die an furchbaren Massakern an der Zivilbevölkerung im Kolonialkrieg beteiligt waren.

Währenddessen erfährt der geneigte Leser aus der Sicht des Mörders, daß der Blumenhändler keinegswegs tot ist, sondern am Tag seiner geplanten Abreise
gekidnappt wurde und sich nun hilflos in einem engen Backofen befindet, wo er gerade soviel Nahrung und Wasser bekommt, um noch am Leben zu bleiben.

Nun fällt auch den Verwandten des Orchideenhändlers irgendwann auf, daß dieser sein Reiseziel nie erreicht hat und sie geben eine Vermißtenanzeige auf. Wallander hat schnell eine böse Vorahnung. Kurze Zeit später
wird der Vermißte Gösta Runfelt von einem Jogger aufgehängt im Wald gefunden. Wallander und seine Kollegen erkennen, daß das Opfer vor seiner
endgültigen Hinrichtung auf schwerste Art und Weise leiden mußte.

Der Leser wird zwischenzeitlich immer wieder in die Gedanken des Täters eingeweiht, der offensichtlich einen weiteren Mord plant. Zudem kommt wegen der Morde Unruhe in der schwedischen Provinz auf, da ein Teil der Bevölkerung Bürgerwehren aufstellen will, da sie sich nicht von der Polizei beschützt fühlen. Der Ärger läßt nicht lange auf sich warten, als ein Unschuldiger
von einem Mitglied dieser Bürgerwehr ungerechtfertigt angegriffen wird und die Situation zu eskalieren droht.

Nach einigen falschen Fährten, die Wallander unter anderem ins Milieu der ehemaligen schwedischen Söldner führt, wobei viele unschöne Dinge ans Tageslicht kommen, stößt er endlich auf eine heiße Spur, die mit einer mysteriösen, fremden Frau in einem Krankenhaus zusammenhängt, die plötzlich wieder verschwunden ist.
Trotzdem können Wallander und seine Kollegen einen weiteren Mord nicht verhindern. Das Opfer wird in einem zugeschnürten Sack in einem See gefunden, der zusätzlich mit Steinen beschwert ist, sodas es langsam ertrunken ist.

So ich denke, das war genug Inhaltsangabe, sonst ist die Spannung weg für jemanden, der dieses Buch noch lesen möchte.Nur soviel sei verraten: Es geht gegen die Zeit, um einen weiteren Mord zu verhindern.

Mein Fazit:

Dieser Krimi von Henning Mankell zählt für mich zu einem der Spannendsten (ich habe bis jetzt vier gelesen). Obwohl der Leser ziemlich schnell dahinter
kommt, wer der Mörder ist, bleibt die Geschichte bis zum Ende hin offen. Gerade weil man die nächsten Schritte des Mörders immer wieder in Sequenzen miterlebt (und somit auch sein Motiv) wird die Spannung ständig gesteigert, denn die Verfolger hinken immer einen Schritt hinterher.

Wie auch in den anderen Wallander-Krimis gibt es eine Menge Nebenhandlungen und falscher Spuren, die aber trotzdem irgendwie mit dem Fall zusammenhängen. Hier
unterscheidet sich \"Die fünfte Frau\" etwas von den anderen Wallander- Fällen, die ich gelesen habe, in denen am Ende häufig Täter aus dem Nichts auftauchen
(z.B. in \"Der Mann, der lächlte\") oder es stellt sich später heraus, daß zuerst offensichtliche Verbindungen von verschiedenen Morden nicht existieren
(\"Die Brandmauer\").

Kommissar Wallander wird von Mankell nicht als der überlegene Super-Kommissar beschrieben, der jeden Fall im Schlaf löst, sondern als Mann, der stets mit sich und seiner Umwelt hadert.
Insbesondere seine Probleme mit seiner Familie (Ex-Frau, Tochter und Vater, der es ihm nie wirklich verziehen hat, daß Wallander zur Polizei gegangen ist)
führen zu seinem oft ungesunden Lebenswandel und dem Wunsch endlich eine neue Frau kennenzulernen, wobei ihm seine Arbeit bei der unterbesetzten Polizeidienststelle immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen.

Die Darstellung der Planung und Ausführung der Morde ist ziemlich darstisch, vor allem die Stelle, wo der noch nicht ermordete Blumenhändler im Backofen
vegetiert. Allerdings paßt dieses, wie ich finde, zu der erzählten Geschichte, da es eben auch eine drastische Geschichte ist.

Es werden außerdem sie sozialen Veränderungen in der schwedischen Provinz hervorgehoben, die dazu führen, daß die Menschen sich nicht mehr sicher fühlen, oder anders gesagt, daß ein gewisses Mißtrauen von Grunde
auf in die Gesellschaft Einzug gehalten hat, das es vorher nicht gab.
Die Bürgerwehren sind in diesem Fall die Antwort darauf, allerdings wird klar welche Gefahren auch diese mit sich bringen können.

Der Autor Mankell, der ein Großteil seiner Zeit in Afrika verbringt, stellt auch in diesem Krimi wieder einen Bezug zwischen Schweden und Afrika her (die
schwedischen Söldner im Kolonialkrieg), wie er es auch in seinen anderen Krimis vorher getan hat.

Alles in allem hat mich dieses Buch begeistert, denn es ist eben nicht nur ein Krimi, sondern eher eine Mischung aus verschiedenen Stilrichtungen.

Hier noch die Fakten zum Buch:
ISBN: 3423203668
Preis: 10 Euro

25 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Clarinetta2

    21.02.2007, 20:17 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner bericht.