Mazedonien Testbericht

Mazedonien
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Erfahrungsbericht von dr_error

Eine unentdeckte Perle

Pro:

überwätigend schöne Landschaften, günstige Preise, Essen, nette und freundliche Menschen

Kontra:

teure bzw. komplizierte Anreise

Empfehlung:

Ja

m Sommer dieses Jahres hatte ich endlich die Gelegenheit, Makedonien zu besuchen - es war schon lange ein großer Wunsch von mir. Als Teilnehmer eines Sprachseminars verbrachte ich insgesamt 3 Wochen in diesem Land, vorwiegend in Ohrid, wo das Seminar auch stattfand, aber wir besuchten auch Struga (und alle anderen Orte am Ohridsee, Resen, Bitola, Prilep, Krusevo, Debar, Mavrovo, Gostivar, Tetovo, Skopje und Kumanovo. Mein Bericht bezieht sich also in erster Linie auf West-, Nord- und Zentralmakedonien.



ANREISE + STRASSENNETZ:

Da mir Flüge viel zu teuer waren (unter 350 EUR war nichts zu finden) und ich keine Lust hatte, fast 2 Tage im Bus zu verbringen, bin ich mit dem Auto in dieses schöne Land gefahren. Ich habe zwischendurch auch meine Heimat Bosnien besucht, so dass die Fahrt nicht so sehr anstrengend wurde, aber wenn man von Deutschland aus direkt nach Makedonien fährt, ist es ein bisschen anders. Von Berlin bis nach Ohrid, das im äußersten Südwesten des Landes liegt, sind es nahezu 2000 km, wobei man auch bedenken muss, dass man 5 Grenzen zu überqueren hat (Tschechien, Slowakei, Ungarn, Serbien, Makedonien). Es kann sich also ganz schön in die Länge ziehen.
Besonders beachten muss man die Straßen in Südserbien, die man leider nicht umfahren kann. Hinter Leskovac, wo die Autobahn endet, beginnt die Hölle für jeden Autofahrer: die Straßen sind in einem miserablen Zustand. Es sind teilweise solche Krater im Asphalt, dass die Bezeichnung Schlagloch fast schon zu milde ist.
In Makedonien selbst war ich von den Straßen positiv überrascht. Gleich hinter der serbisch-mak. Grenze beginnt die Autobahn, die einen über Skopje, wo man ein paar Kilometer durch Stadtgebiet fahren muss, bis nach Gostivar bringt. Für diesen Abschnitt (ca. 120 km) muss man insgesamt ca. 2 EUR an Mautgebühren zahlen. Weiter bis nach Ohrid gibt es eine ziemlich gut ausgebaute Schnellstraße, die größtenteils durch hohe Gebirge führt. Wenn es bergauf geht, hat man dann meistens 2 Spuren zur Verfügung, was die Fahrt dann doch ziemlich beschleunigt und was mir sehr positiv auffiel, gerade im Vergleich mit anderen Balkanländern.
Auch ansonsten habe ich meist gut ausgebaute Straßen vorgefunden, in akzeptablem Zustand, wobei ich Deutschland hier natürlich nicht als Maßstab nehme.

Makedonien verfügt über 2 internationale Flughäfen: Skopje und Ohrid. Beide werden von mehreren deutschen, österreichischen und schweizer Städten (Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Wien, Zürich) angeflogen, der Ohrider Flughafen aber vorwiegend in den Sommermonaten. Wie bereits erwähnt, sind die Flüge aber relativ teuer. Ein Tipp für diejenigen, die nach Ohrid reisen möchten: mit Germania Express bis Thessaloniki für 90 Euro fliegen und dann mit dem Bus nach Ohrid - ist mehr mehr weit und relativ günstig.



WÄHRUNG:

Denar heißt sie und der Kurs ist ungefähr 1 Euro = 60 Denar.



UNTERKUNFT:

Ich war in einem Studentenwohnheim in Ohrid untergebracht und war positiv überrascht von dessen Qualität. Die Zimmer sind in einem guten Zustand und werden täglich sauber gemacht. Das Essen war sehr vielfältig und ausgewogen, aber dazu komme ich später noch.
Das Wohnheim ist in der Sommersaison auch für Nichtstudenten zugänglich und empfiehlt sich insbesondere für junge Menschen, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut - ein Einzelzimmer kostet mit Frühstück ca. 10 Euro. In der Touristenhochburg Ohrid gibt es auch viele Hotels, wo die Preise je nach Kategorie und Zimmer von 30 bis 150 Euro schwanken. Es ist also für jeden etwas dabei. Am billigsten ist jedoch die Privatunterkunft, wo man gerade in Ohrid die Qual der Wahl hat. Ab 7-8 Euro ist man schon dabei.



KLIMA:

In den südlichen Teilen des Landes, also auch um die Attraktion Ohridsee herum, herrscht echtes mediterranes Klima. Das Gleiche gilt auch für die meisten weiteren Teile des Landes, nur in den Gebirgen im Westen (Mavrovo, Krusevo...) herrscht Kontinentalklima. Daraus lässt sich ableiten, dass es im Sommer tagsüber fast überall unerträglich heiß ist. Ausnahme bestätigen aber wie immer die Regel: In den Gebirgen findet man mitten im Sommer ein wahres Klimaparadies. Tagsüber nicht zu heiß, aber angenehm warm und abends braucht man schon eine Jacke.
Ohrid selbst fand ich nicht zu heiß - aufgrund des großen Sees ist es abend wirklich sehr angenehm, und es empfiehlt sich sogar im August, eine leichte Jacke dabei zu haben.



SEHENSWÜRDIGKEITEN:

Ohridsee - eine echte Perle! Glasklares Wasser, endlose saubere Strände... nicht umsonst wird der See \"das makedonische Meer\" genannt. Man hat wirklich das Gefühl, irgendwo am Mittelmeer zu sein und dennoch ist es anders, in erster Linie wegen der Geschichte und der so ganz anderen Kultur. Weltberühmt sind die Perlen aus dem See, die man bei lizenzierten Händlern relativ günstig käuflich erwerben kann - das ideale Geschenk aus Makedonien.

Ohrid - eine Museumsstadt. Man riecht förmlich überall in der Stadt die turbulente Vergangenheit. Ohrid verfügt über ein Kulturerbe von der Antike bis zur heutigen Zeit. Die Stadt wird dominiert von wunderschönen orthodoxen Kirchen und Klostern wie Sv. Kaneo, Sv. Kliment, Sv. Sofija... Die Haupttoristenmeile ist die Altstadt \"Stara carsija\", die architektonisch eine fabelhafte Mischung aus Orient und Oxident darstellt. Das eigentliche Wahrzeichen der Stadt ist aber die alte Samuel-Burg, die man von überall sehen kann. Ohrid gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Im Sommer gibt es ein Kultur- und Musikfestival namens \"Ohridsko leto\" (Ohrider Sommer), den ich allen sehr ans Herz lege. Da wird wirklich viel geboten, von Kunstausstellungen in der Stadt und umliegenden, wunderschönen Dörfern, über Folkloreveranstaltungen und literarischen Lesungen, bis hin zu Jazz-, Blues- und Popkonzerten.
In der unmittelbaren Nähe der Stadt befinden sich unzählige Strände, wobei für jeden etwas dabei ist - ruhige Strände für richtige Erholung (Biljanini izvori) oder aber lebendige und hauptsächlich von jungen Menschen besuchte Strände wie Gradiste, Slavija, Pestani, Trpejca.

Struga - die Nachbarstadt von Ohrid, ganz im Norden des Sees. Neben der schönen Altstadt und vielen Museen, war für mich der Fluss Crni Drim die Hauptattraktion. Er fließt direkt in den See und da hat man doppelte Bademöglichkeit - man kann sich vom Fluss in den See treiben lassen. Wunderschön! Außerdem ist Struga die Hochburg der makedonischen Literatur. Jeden Sommer ist es der Austragungsort der makedonischen literarischen Tage.
Sehr zu empfehlen sind auch die nahegelegenen Dörfer Kalista und Radozda mit wunderschönen Klostern und phantastischen Stränden.

Sveti Naum - ein Kloster im äußersten Süden des Ohridsees, direkt an der albanischen Grenze. Für orthodoxe Makedonier hat es eine große Bedeutung, ist aber in erster Linie wegen der wundervollen Landschaft zu empfehlen.

Prespasee - in meinen Augen nicht so schön wie der Ohridsee, dennoch empfehlenswert, vor allem für Tagesausflüge. Das Besondere an diesem See ist, dass er von drei Ländern geteilt wird: Makedonien (der größte Teil), Albanien und Griechenland. Die Strände sind aber nicht zu vergleichen mit dem Ohridsee.

Galicica - der große Berg zwischen dem Ohrid- und dem Prespasee. Wenn man kein Bergsteiger ist und über keine große Kondition verfügt, ist der Berg eigentlich nur mit dem Auto zu bewältigen. Und das lohnt sich allemal! Wunderschöne Bergpfade (vorsichtig mit dem Auto, da es sehr eng und unübersichtlich ist) und auf der Spitze (ca. 2000 m hoch) gibt es eine große Plattform, von der aus man beide Seen sehen kann. Ein unwahrscheinlich schöner Ausblick.

Mavrovo - DAS Skigebiet Makedoniens. Da ich aber im Sommer dort war, war von Schnee natürlich nichts zu sehen. Dennoch lohnt sich gerade im Sommer ein Ausflug, besonders wenn man frische Luft mag. Auf dem Mavrovosee kann man wunderbar entspannen und das absolute Highlight ist das Bergdorf Galicnik. Direkt in riesigen, steilen Felsenklippen gelegen, bietet es eine fast unwirkliche Schönheit. Man hat das Gefühl, man würde sich auf einer ganz anderen Welt befinden.

Krusevo - noch ein Skigebiet, wobei die Stadt Krusevo wirklich sehenswert ist. Sie liegt auf 4 Bergen und besteht hauptsächlich aus kleinen Häusern und Gassen. Natürlich gibt es auch ein paar Hotels, die aber vorwiegend im Winter benutzt werden. Ebenfalls ideal für einen Tagesausflug.

Skopje - die makedonische Hauptstadt und zugleich auch die größte Stadt des Landes (ca. 750 000 Einw.). Das einzig wirklich Empfehlenswerte ist die türkisch geprägte Altstadt - ein Hauch von Istanbul. Wurde gerade in diesem Sommer renoviert und frisch herausgeputzt. Der Rest der Stadt wird von typischer sozialistischer Architektur der 60er und 70er Jahre geprägt. Nicht wirklich schön. Der Grund ist ein Erdbeben Anfang der 60er Jahre, das die Stadt quasi dem Erdboden gleich machte.

Bitola - die zweitgrößte makedonische Stadt und sozusagen der Gegenpart zu Skopje. Die Stadt ist pure Geschichte. Der Mittelpunkt ist die türkische Altstadt, in der viele Moscheen und Kirchen nebeneinander stehen - wunderschön. Interessant ist auch das Kemal-Atatürk-Museum. Der Gründer der modernen türkischen Republik hat nämlich 2 Jahre in Bitola studiert - dies zeigt, welche Bedeutung die Stadt einmal hatte. Ein weiterer Höhepunkt ist sicherlich die antike Stadt Heraclea vor den Toren Bitolas. Da findet man archeologische Funde aus dem 6 Jhdt. vor Christus. Außerdem empfiehlt sich der Berg Pelister mit dem gleichnamigen Nationalpark für Tagesausflüge.

Das sind ungefähr die Orte, die ich besucht habe, aber Makedonien hat noch einiges zu bieten. Ich habe mir sagen lassen, dass z.B. der Osten des Landes wieder ganz andere Vorzüge hat und das gilt es in den nächsten Jahren zu entdecken.



MENSCHEN:

Für Westeuropäer ist die makedonische Sprache sicherlich sehr schwer zu erlernen, es sei denn man ist Experte für südslawische Sprachen. Das ist aber überhaupt kein Hindernis, denn ich habe selten so freundliche, nette und hilfsbereite Menschen gesehen wie in Makedonien. Wenn verständigungstechnisch nichts mehr geht, kommen dann die meisten mit Englisch- oder Deutschkenntnissen und irgendwie klappt es immer. Die Menschen freuen sich einfach über jeden, der ihr Land besucht und bemühen sich ständig, auf den Gast zuzugehen und ein positives Bild von ihrem Land abzugeben.
Aufdringliche Menschen habe ich nicht getroffen, eher kann man die Makedonier als angenehm fürsorglich bezeichnen.
Von politischen Spannungen, in erster Linie zwischen orthodoxen Makedoniern und muslimischen Albanern merkt man direkt unter dem Volk nicht viel. In Ohrid sind sogar beide Seiten sehr bemüht zu zeigen, dass sie wundebar miteinander auskommen und das nimmt man ihnen auch ab. So war zumindest mein Eindruck. In Westmakedonien, in der Gegen um Tetovo und Gostivar ist die Situation anders - große albanische Mehrheit und kaum Makedonier, die sich in ihren Rechten eingeschränkt fühlen. Doch auch dort habe ich persönlich nur angenehme, freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen.



ESSEN/TRINKEN:

Für westeuropäische Verhältnisse extrem günstig. In Restaurants bekommt man ein volles Menü schon ab 2 Euro, und man muss schon sehr viel essen, um für eine Mahlzeit mehr als 5 Euro auszugeben. In Supermärkten sind Lebensmittel bis zu 50% billiger als in Deutschland, wobei man in Makedonien auch fast alles bekommt, was es bei uns gibt.
Die makedonische Küche unterscheidet sich doch um einiges von den anderen aus der Region. Entgegen dem gängigen Vorurteil, die Balkanküche bestünde nur aus Fleisch und Weißbrot, wird sehr viel Gemüse und Obst gegessen. Makedonien ist ein Paprika- und Tomaten-Paradies. Nirgendwo habe ich so leckeres Gemüse gegessen wie dort. Aufgrund des milden Klimas und des fruchtbaren Bodens gelingt nämlich fast alles. Es gibt unzählige Salatvariationen, sehr oft wird Gemüse auch gekocht, und als Nachtisch gibt es nichts Besseres als frische Wasser- oder Honigmelone.
Nichts desto trotz gibt es natürlich auch verschiedene Fleischgerichte wie überall auf dem Balkan. Die bekannteste Spezialität ist jedoch Tavce-Gravce, ein Bohneneintopf mit Gemüse und verschiedenen Gewürzen - sehr lecker und deftig. In Ohrid ist auf jeden Fall frische Forelle vom Grill zu empfehlen - direkt aus dem See.

Auch Getränke sind ziemlich billig, wobei ich den makedonischen Wein unbenigt empfehle. Biersorten gibt es auch zu Hauf. Das beste mak. Bier ist \"Skopsko pivo\" - einen halben Liter bekommt man schon für 50 Cent . Wem das nicht schmeckt, kann fast überall auf die vertrauten Marken wie Beck\'s oder Heineken zurückgreifen.



VERKEHRSMITTEL:

Busse sind das gängiste Verkehrsmittel und sehr billig. Eine Fahrt von Skopje bis Ohrid z.B. (ca. 120 km) kostet ca. 3 Euro. Das Verkehrsnetz ist ziemlich gut, nur sind die Meisten Busse sehr alt und langsam:)
Für Bahn gilt im Prinzip das Gleiche, es ist nur unwesentlich teurer.
Für kürzere Fahrten empfehle ich dennoch Taxi. Meistens macht man vorher einen Preis ab und das ist in der Regel nicht viel (ca. 1 EUR für 15 km).


FAZIT:

Makedonien ist ein echter Geheimtipp! Wer eine ganz andere Seite Europas kennenlernen, sich für Geschichte und Kultur interessiert, billig und sehr gut essen und trinken, wandern, baden und entspannen möchte, sollte unbedingt mal dieses Land besuchen. Die angenehmen und freundlichen Menschen sind jedoch die entscheidende Würze. Alles in allem sehr empfehlenswert.

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