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Erfahrungsbericht von Anonym126

"Serenade of the Seas" !

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

“Jewel of Sea”, Brilliance of the Sea” oder “Norwegian Star”, solche ausgefallenen Namen erhalten die Luxusliner, die in der Papenburger Meyerwerft gebaut werden. Die „Serenade of the Seas“ ist mit ihren 90. 000 BRZ solch ein gewaltiges Kreuzfahrschiff und wird aller Voraussicht nach am 21 Juli ausgedockt und dann liegt es am Ausrüstungspier der Werft. Die Überführung des Liners durch die Ems bis hin zu seinem Bestimmungsort soll Mitte Juli erfolgen. Wer sich für dieses Schauspiel interessiert, kann die Termine übers Internet abrufen unter www.Meyerwerft.de.

Das Unternehmen existiert schon seit 208 Jahren und wurde 1795 von Joseph Lambert Meyer gegründet. Sechs Generationen haben die Arbeit fortgeführt. Begonnen hat alles mit dem Bau von Holzschiffen. Doch Jos. L. Meyer hat seinerzeit die Zeichen der Zeit erkannt und trotz vieler Kritiker den Bau von Eisenschiffen eingeleitet. Es wurden Passagierschiffe, Autofähren und Tiertransportschiffe gebaut. Doch das Wichtigste waren die Kreuzfahrtschiffe, mit deren überragender Technik und hochmodernen Design sich die Meyerwerft weltweit einen Namen machte. Mitte der 80er Jahre stieg das Unternehmen hier groß ein.

So liefert die Werft ihre Luxusliner in die ganze Welt. Frankreich, Indonesien, die USA, Norwegen, Kanada und viele Länder mehr gaben ihre Schiffe bei der Meyerwerft in Auftrag. Etwa 2 Jahre lang wird an solch einem Luxusliner gebaut. Dazu liegt es in dem riesigen Baudock und alle Mitarbeiter warten gespannt auf den Tag, an dem das Schiff das Dock verlässt. Bis vor kurzem war es noch so, dass die Fertigstellung des Schiffes außerhalb des Docks erfolgen musste. Z.B. wurde der Schornstein des Liners immer erst im Freien montiert, da die riesige Halle immer noch nicht hoch genug war. Im Jahr 2000 wurde ein weiteres Dock gebaut, welches das Alte an Größe und Höhe um vieles übertrifft.

Die Meyerwerft beschäftigt etwa 2500 Arbeiter, die größtenteils aus Papenburg und Umgebung kommen. Wenn man bedenkt, dass Papenburg 35000 Einwohner hat, kann man ermessen, wie wichtig die Meyerwerft als Arbeitgeben für diese Region ist. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt und es stand auch überregional in der Presse, dass die Werft nur noch bis Ende des Jahres ausgelastet sei. Durch die weltweite schlechte Wirtschaftslage kommen nicht mehr genügend Aufträge herein. Die Meyerwerft kündigte für den Sommer dieses Jahres etwa 500 Entlassungen von Mitarbeitern an. Die Regierung hat zwar Hilfe zugesagt, doch die Unruhe und die Ungewissheit unter der Bevölkerung ist sehr groß. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird.

Was das Unternehmen eigentlich immer auszeichnete war der Einsatz und die Sorge um ihre Mitarbeiter. So arbeiteten von Anfang an ganze Familien für die Werft. Es gab kaum Wechsel, die Arbeiter blieben treu bei ihrem Arbeitgeber und konnten sich lange auf ihn verlassen. So gab es immer Sondervergütungen oder Hilfen bei dem Bau und der Finanzierung kleiner Eigenheime für die Arbeiter. Jos. L. Meyer war sehr sozial und um seine Arbeiter besorgt. Auch heute wäre es sicher noch so, hätten sich nicht die Zeiten gewaltig verändert. Es bleibt kaum noch Zeit, an das Wohlergehen der Mitarbeiter zu denken. Die Konkurrenz schläft nicht, die Wirtschaftslage ist ungünstig, da denkt solch ein Unternehmen verständlicherweise zuerst ans eigene Überleben.

Die Meyerwerft ist immer einen Besuch wert. Das sagten sich anscheinend viele Menschen, denn im letzten Jahr hatte die Werft 230 000 Besucher zu vermelden. Es werden über die Stadt Papenburg Besichtigungsfahrten angeboten, die den Besuch der Werft einschleißen. Das machten wir vor fünf Jahren auch. Zufällig lag auch gerade ein Luxusliner im Trockendock und wir waren wirklich überwältig von dem Anblick. Außerdem schipperten wir noch mit einem kleinen Passagierboot um die ganze Werft herum und erhielten so einen guten Eindruck von dem gewaltigen Terrain des Werftgeländes. Auf dem Hauptgebäude steht in großen Buchstaben der Name der Werft und wir wurden von dem Reiseleiter aufgefordert, die Höhe eines einzelnen Buchstaben zu schätzen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir alle vollkommen daneben lagen. Zwei bis fünf Meter wurden angeben, doch in Wirklichkeit hat ein Buchstabe die Höhe von 10 Metern. Wir wollten es fast nicht glauben.

Wenn so ein Luxusliner das Dock verlässt, im Außenbereich liegt und die Zeit der Ems - Überführung da ist, erwartet Papenburg einen Besucheransturm. Schon Wochen vorher sind Pensionen und Hotels ausgebucht. Sogar Campingplätze sind schwer zu bekommen. Mit Bussen kommen die Menschen angereist und das ganze Gelände um die Meyerwerft herum gleicht einem Volksfest. Mit dem eigenen PKW ist kein Durchkommen mehr. Da kommt man mit dem Rad schon besser klar. Die Deiche sind übersät mit Menschen, die auf Decken und mitgebrachten Stühlen die Reise des Luxusliners durch die Ems verfolgen wollen.

Bei der Überführung durch die Ems stellt sich immer ein Problem. Die Reise durch die Ems bis hin zur Nordsee ist immer abhängig vom Wasserstand der Ems. Schließlich soll der Liner ja nicht auf Grund laufen. Er wird von einem kleinen Motorboot vorsichtig und langsam durch die Ems gezogen. Das sieht natürlich imposant aus. Ringsherum nur Land, Wiese und Kühe und mittendrin ragt der Schornstein eines Kreuzfahrtschiffes auf. Dieser Anblick lockt wirklich immer wieder viele Besucher an. Übrigens musste die Ems seinerzeit verbreitert werden, damit diese Kreuzfahrschiffe überhaupt durchfahren konnten.

Auch wir wollten uns bei einem unserer damaligen Aufenthalte in Papenburg diesen Anblick nicht entgehen lassen und ließen uns nach anstrengender Radtour bei Temperaturen um 30° recht erschöpft auf der Deichwiese nieder und warteten. Und dann kam endlichein Schiff. Doch es war ein Polizeiboot, dass allen durch ein Megaphon mitteilte, dass die Ems-Überführung mangels Wasser verschoben werden muss. Ja, so kann es gehen. Und das war nicht der einzige geplatzte Termin. Manchmal läuft so ein Liner mitten in der Nacht aus und trotzdem stehen viele Zuschauer da und staunen und bewundern den Anblick.

Ein ganz besonderes Ereignis bot die Meyerwerft ihren Besuchern und Mitarbeitern im Jahr 2002. Anlässlich der Fertigstellung eines Luxusliners, engagierte das Unternehmen Stars wie Joe Cocker, BAP, die No Angels, Sasha und einige andere, die auf einer Bühne vor der Kulisse des Liners ihre Lieder sangen. Dabei wurde das Schiffe in den unterschiedlichsten Farben angestrahlt. Es war wirklich eine großartige Show.

Wer sich für einen Besuch der Meierwerft interessiert oder sogar die Ems-Überführung des nächsten Kreuzfahrtschiffes miterleben möchte, sollte sich rechtzeitig informieren und eventuell auch um eine Unterkunft bemühen. Das kann man tun über den:

Fremdenverkehrsverein Papenburg
Postfach 1755
26871 Papenburg
Tel. 04961 / 83960 Fax 04961 / 839696

Liebe Grüße

Catty

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