Salt Lake City Testbericht

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Erfahrungsbericht von Radar

This is the place

Pro:

Lohnt sich

Kontra:

Aber nicht allein

Empfehlung:

Ja

Wie die Idylle einer Hochglanzpostkarte im Riesenformat liegt Salt Lake City in der Ebene. Schnurgerade und exakt parallel verlaufen die Hauptstraßen State und Main Street vom Zentrum aus kilometerlang nach Süden. Weit im Westen glänzt der Große Salzsee mit seinen verkrusteten Rändern schneeweiß und messinggelb. Im Osten werfen die Berge der Wasatch Range ihre Schatten.

Wo sich heute die über 165 000 Einwohner große Hauptstadt des Bundesstaates Utah ausbreitet, lag noch vor 150 Jahren eine unbewohnte und ausgedörrte, steppenhafte Landschaft. Ein blühender Landstrich wurde das sogenannte Salt Lake Valley erst unter den ersten Mormonen durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem.

1847 war eine Gruppe von Männern und Frauen unter ihrem Anführer Brigham Young vom Mittleren Westen aus in einem Wagentreck gen Westen aufgebrochen. Dort, irgendwo in der Weite, wollten sie ihren eigenen Gottesstaat aufbauen
Die kleine Gruppe trat diese beschwerliche Reise nicht freiwillig an. Wegen ihres Lebensstils bedrängt und wegen ihres Glaubens angefeindet, wurden die Mormonen nach dem Mord an Joseph Smith, dem Religionsgründer, ins Exil gezwungen.
Den Endpunkt ihrer Flucht erreichten sie im Emigrant Canyon am östlichen Stadtrand des heutigen Salt Lake City. Hier im Pioneer Park erinnert heute ein kolossales Monument an jene Stelle, an der Brigham Young der Legende nach in die weite Ebene zeigte und mit dem Satz „This is the place“ festlegte, dass dies der Ort für die erste Mormonensiedlung werden sollte.

Die ganze Region gehörte damals noch zu Mexiko, ehe die Mexikaner 1848 nach dem verlorenen Krieg gegen die USA gezwungen waren, riesige Gebiete des Westens einschließlich Utah an die Siegermacht abzutreten.

Salt Lake City samt Umgebung präsentiert sich heute als eine Stadtlandschaft mit vielen Grünflächen, Bäumen, Parks und Vorgärten. Den Grundstein dafür legten die Pioniere mit ihren Bewässerungssystemen. Sie legten die Stadt damals sehr großzügig an: Jede größere Verkehrsverbindung sollte so breit sein, dass ein Ochsengespann bequem wenden konnte. Das macht heute das großzügige Schachbrettmuster der gesamten Innenstadt aus.

Salt Lake City, als Ausgangspunkt für Reisen durch Utah, das Land der Nationalparks, ist bequem über den Internationalen Flughafen der Stadt zu erreichen. Er bildet im inneramerikanischen Luftfahrtnetz einen wichtigen Knotenpunkt, den vor allem einheimische Linien als Zwischenstopp von der Ost- zur Westküste anfliegen. Delta Airlines zum Beispiel hat hier eines ihrer Drehkreuze, Direktflüge von Deutschland sind aber leider nicht im Angebot.
Salt Lake City ist auch Amtrak – Haltestelle auf der Bahnlinie Chicago – San Francisco.
Mit dem Auto ist die Stadt auch von Las Vegas über die Interstate 15 zu erreichen, die Entfernung beträgt 417 Meilen.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit von Salt Lake City ist der Temple Square, das Symbolische Zentrum der Church of the Latter Day Saints ( die Heiligen der letzten Tage), auch Mormonen genannt. Kein Ort der Welt ist strenggläubigen Mormonen so heilig wie dieser von einer Mauer umgebene Straßenblock, der vom sehr nüchternen Tempel mit seinen drei Türmen dominiert wird. Währen zu diesem Heiligtum nur die Mitglieder der Kirche selbst Zutritt haben, geben sich im sogenannten Tabernakel innerhalb des Temple Square Besucher aus aller Welt die Türklinke in die Hand. Die dort installierte, aus 11000 Pfeifen bestehende Orgel begleitet die Konzerte des weltberühmten Tabernakel – Chores.
Der beträchtliche Besucherstrom wird durch weibliche Mitglieder der Mormonenkirche reguliert, die hier ihren Pflichtdienst gegenüber der Kirche ableisten. Diesen sogenannten Sisters kann man nicht entgehen. Auch die Ausrede, kein Englisch zu verstehen fruchtet nichts denn flugs ist eine Sister zur Stelle, die die deutsche Sprache beherrscht. Die Führung durch den Tempelbezirk und das dazugehörige Besucherzentrum kann man aber getrost mitmachen, zumal sich die religiösen Bekehrungsversuche doch in Grenzen halten. Auf jeden Fall erhält man einen kleinen Einblick in die Geschichte der Mormonen und des Staates Utah.
Die Führungen beginnen täglich alle 10 Minuten in der Zeit von 09:00 bis 20:30 und dauern etwa 45 Minuten.

Östlich des Temple Square stehen mit dem Beehive und dem Lion House zwei kleinere Bauten, die früher zum Privatbesitz des Mormonenführers Brigham Young gehörten (Geöffnet Mo – Sa 09:30 – 16:30 Uhr, So 10:00 – 13:00 Uhr, Eintritt frei). Wo Youngs Grundstück anfing, überspannt das 1859 errichtete Eagle Gate die verkehrsreiche State Street. Daneben befindet sich mitten auf der Straßenkreuzung das Brigham Young Monument.
Nur einige Schritte entfernt befindet sich das Union Pacific Railroad Depot, ein schöner Bahnhof mit Gemälden.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das zwischen 1912 und 1915 erbaute State Capitol, das mit seiner von Kolonnaden umgebenen Kuppel das Stadtbild von Salt Lake City beherrscht. Neben dem Repräsentantenhaus und dem Senat tagt dort auch das oberste Gericht.
Und auch die Geschichte Utahs hat dort ihren Platz gefunden – unter der Kuppel der marmornen Lobby sind in vier monumentalen Gemälden epochemachende Szenen aus der Vergangenheit dargestellt (Geöffnet Mo – Fr 09:00 – 16:00 Uhr, Eintritt frei).

Eine Attraktion ist auch der Trolley Square, ein ehemaliges Straßenbahndepot, das in einen Einkaufs- und Restaurantkomplex umgewandelt wurde. Hier gibt es unter anderem das Hard Rock Cafe und einen Brew Pub, wo man auch problemlos einen Drink bekommt.

Außerhalb der Stadt, etwa 15 Meilen westlich, liegt der Große Salzsee, ein Überbleibsel des einst riesigen Lake Bonneville, der einmal weite Teile von Utah, Colorado, Nevada und Arizona bedeckte.
Östlich der Stadt, in den Wasatch Mountains liegen die Wintersportorte Park City und Silver Lake Village mit den Sportanlagen der olympischen Winterspiele.

Außerhalb der Sehenswürdigkeiten ist Salt Lake City eine normale amerikanische Großstadt mit Einkaufszentren und modernen Bank – und Versicherungsgebäuden, die in den Himmel wachsen. Viel Flair strahlt die Innenstadt nicht mehr aus, nachdem ältere Wohnviertel dem Bauboom, nicht zuletzt im Zuge der Olympischen Spiele 2002, geopfert wurden. Im Zentrum kann man mit den öffentlichen UTA – Bussen kostenlos fahren. Zwischen Temple Square und Trolley Square verkehrt ein Trolley, der an vielen Hotels und Sehenswürdigkeiten hält (Mo – Sa 10:00 – 18:00, Fahrpreis 4 $).

Das öffentliche und private Leben wird weitgehend durch die Mormonen bestimmt, deren Prinzipien vom Verzicht auf Alkohol und Nikotin, Kaffee und Tee geprägt sind. Deshalb bestehen in Utah sehr strenge Alkoholgesetze. In zahlreichen Restaurants werden keine alkoholischen Getränke serviert. Im Zentrum gibt es zahlreiche gute Restaurants, gemütliche Kneipen sind dünner gesät. Ein Nachtleben existiert eigentlich nicht, abgesehen von den Bars der großen Hotels oder Clubs in denen man Mitglied sein bzw. wohnen muss, um auf einen Drink eingelassen zu werden.

Fazit:

Bei einer Reise durch das Land der Nationalparks sollte man unbedingt einen Abstecher in die Hauptstadt Salt Lake City einplanen. Besonders die Geschichte der Mormonen und ihre Einrichtungen in der Stadt sind sehr interessant. Für einen ausschließlichen Besuch bietet Salt Lake City jedoch zu wenig. Deshalb und im Vergleich mit anderen Großstädten im Westen gibt es mit Augenzudrücken auch nur vier Sterne.

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