Schottland Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Urquhart
"... eine der schönsten Reisen...
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
...in meinem Leben, jedenfalls die poetischste. Ich habe nie Einsamerers durchschritten!" (Theodor Fontane)
So schwärmte schon vor über hundert Jahren der berühmte Schriftsteller von seiner Schottlandreise. Gewiss, ganz so einsam ist es nicht mehr. Doch wenn man sich von den Hauptstraßen entfernt, trifft man auch heutzutage nur wenige Menschen an. In der Einsamkeit der "Highlands and Islands" freute man sich früher über jeden, der vorbeikam und einkehrte. In den Haupturlaubszentren jedoch herrscht im Hochsommer auch in Schottland Betrieb. Die Saison ist kurz; in den meisten Landstrichen hat das Fremdenverkehrsgewerbe nicht viel Zeit zum Geldverdienen, also auch nicht mehr so viel Zeit, um wie früher die Gastfreundschaft zu pflegen.
Andererseits geben die Schotten dem Fremden immer noch bereitwillig Auskunft: Die Wirte, die Ladeninhaber, die Busfahrer, die Polizisten und die Touristikfachleite - in den gfößeren Orten wird in den "Tourist Informations" häufig ach Deutsch gesprochen - nehmen sich Zeit für ausführliche Erklärungen. Den new friend, den man gerade kennen gelernt hat, lädt man oft spontan in sein Heim ein. Es werden keine Umstände gemacht, der Gast muss die Dinge nehmen, wie sie sind. Und kennt man dann "Malcolm und Fiona" erst besser, wird man ihre Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, ihren Humor und ihre offene Freundlichkeit zu schätzen wissen. Allerdings stellt man schnell fest, dass "äußere Formen" - die Tür aufhalten, den Mantel abnehmen, das Gepäck für den anderen tragen - weniger üblich sind als bei der älteren Generation. Dafür drängt sich aber auch niemand vor, weder im Laden noch an der Bushaltestelle oder am Taxistand. Im Hotel-Restaurant wartet der Gast darauf, dass ihm vom Manager oder einem Kellner (eher einer Kellnerin) ein Tisch zugewiesen wird.
Bei einem Schottlandurlaub sind - außer der einsamen Landschaft - zweifellos die Menschen das Wichtigste, denn ein Teil des Urlaubs spielt sich wegen des oft kühlen, nassen Wetters zwangsläufig in geschlossenen Räumen ab. Hotelunterkünfte sind relativ kostspielig, so dass man vielleicht besser Bed & Breakfast-Unterkünfte aufsucht. So kann man auch hervorragend hinter die Fassade der weißen, grauen oder beigefarbenen Häuschen blicken. Häufig mit zahlreichem Nippes geschmückt, kann man manchmal die Einrichtung nicht gerade als geschmackvoll, sondern eher als kurios empfinden. Aber was soll's: solange das Bett gut ist, genug Decken bereitliegen, das Wasser warm aus der Leitung läuft und das Zimmer nicht als "Kühlschrank" bezeichnet werden muss. Die Schotten sind ungeheuer abgehärtet. Strahlt die Sonne vom Himmel, ziehen sie sich im Sommer gleich an, als wären sie am Mittelmeer. Nicht jedem passt es freilich, dass im Privathaus das Radio oder der Fernseher von morgens bis abends plärrt, zumal es mühsam ist, das schottische Idiom zu verstehen. Äußert man jedoch "Would you mind turning the TV off when we talk", wird sicherlich ein ungestörtes Gespräch zustande kommen.
Edinburgh und Glasgow - die ungleichen Schwestern. Es heißt: Wird man in Edinburgh eingeladen, geht es in die kühle gute Stube zum Tee. In Glasgow eher in die warme Küche zum Drink. Die Einwohner von Edinburgh gelten im Allgemeinen als zurückhaltend und zugeknöpft, die Glasgower (oder Glaswegians, wie sie im Englischen bezeichnet werden müssen) hingegen als warmherzig und schwatzlustig. Dabei sind die Hauptstadt Edinburgh und die größte schottische Stadt, Glasgow, nur eine knappe Zugstunde voneinander entfernt.
Der Unterschied zwischen den Ost- und Westschotten ist in der Tat groß. In den Borders, dem Grenzland, sowie im Osten - von Edinburgh über Aberdeen nach Inverness - leben hauptsächlich Nachkommen der Einwanderer germanischer Volksgruppen, der Angeln und Sachsen, der Wikinger und Normannen und später der Niederländer und Flamen. Wenn man hier den vierschrötigen, blonden Bauern auf dem Lande begegnet, könnte man glauben, in Norddeutschland zu sein. Sie sprechen behäbig, sind verlässlich und arbeitsam. Die Keltensprösslinge im Westen haben hingegen fast immer Zeit zum Plaudern. Der Abend beim "ceilidh" - bei Unterhaltung, Musik und Drinks - kann nicht lang genug sein. Darum ist es nicht immer leicht, früh sein Frühstück zu bekommen. Manches Hochland- oder Inseldorf wirkt noch um acht Uhre wie ausgestorben. Die Gälen, Nachkommen der schottischen Ureinwohner und Kelten, sind hellhäutig, dunkel- oder rothaarig, sentimental und genial unordentlich, was man ihnen bei ihrem Charme gerne verzeiht. Besonders in Westschottland, im einsamen Hochland, wird viel Alkohol konsumiert - dann heißt es Vorsicht bei einem Kontra, vor allem in politischer Hinsicht.
Jede Schottlandreise sollte in Edinburgh beginnen oder enden. Die beliebteste Region ist das westliche Hochland mit den meisten der 1700 schottischen Seen. Aber auch die Borders sollte man nicht zu schnell durchqueren, die zahlreichen kleineren Schlösser der Gegend von Aberdeen nicht auslassen. Vielleicht die Einsamkeit der Hebriden aufsuchen, die tausend steinernen Relikte aus vorgeschichtlicher Zeit und die einzigartige Seevogelwelt auf Orkney und Shetland erkunden.
Die Bens sind die Berge, die Glens die Täler und die Lochs die Seen des Landes: gälische Namen, im Idiom der keltischen Vorväter. Offiziell beherrschen noch 70000 Schotten Gaelic, in Wirklichkeit zweifellos bedeutend weniger. Die jungen Leute sprechen bereits in erster Linie Englisch und wollen lieber eine Fremdsprache lernen. Allerdings sind sie damit nicht besonders erfolgreich. Die ganze Welt spricht Englisch, warum soll man sich da anstrengen. Können die Schotten Deutsch, so ist ihre Aussprache freilich recht gut, was für ihr Englisch nicht unbedingt gilt. Zwar behaupte die Einwohner von Inverness, der Hauptstadt der Highlands, das reinste Englisch überhaupt zu sprechen - mit dem an deutschen Schulen gelehrten Oxford-Idiom hat das allerdings herzlich wenig zu tun.
Es kursieren ein paar Gerüchte über Schottland. Es ist, vor allem im Osten, besser als sein Ruf. Obwohl es kaum je sommerlich heiß ist, regnet es auch nicht viel. Windig ist es allerdings meistens und überall. Auch Speisen un Getränke sind merklich besser geworden. Die Qualität der Zutaten war allerdings schon immer erstklassig. In den letzten Jahren ist eine neue Generation von Küchcheft herangewachsen, die weiß, wie man die heimatlichen Schätze zu behandeln hat.
Bleibt der sprichwörtliche Geiz. Sind sie wirklich geizig, die Schotten? Nein, sind sie nicht. Der Ruf der Knauserigkeit soll von den Engländern, den Bösen, stammen, die die nördlichen Brüder schon immer gerne foppten. Fest steht, dass Schottland immer ein armes Land war, ein Land der Hirten, Fischer und Kleinbauern. So ist es verständlich, dass auch die schottischen Edelmänner, die Anfang des 17. Jahrhunderts im Gefolge von James VI. von Schottland (dem späteren James I. von England) nach London umsiedelten, sich nicht das kostspielige Leben ihrer englischen Mithöflinge leisten konnten. Vielleicht waren sie zu stolz, ihre missliche Lage zu offenbaren, und zogen es vor, als geizig zu gelten?
Es gibt Woll- statt Steppdecken; das Frühstück ist zu fettig; das Wasser ist zu kalt; die Sonne scheint zu bescheiden; der ewige Wind; Mücken von Mitte Juni bis Mitte August im feuchten westlichen Hochland; am Abend ist auf dem Lande zu wenig los. Als Liebhaber spricht man dagegen von der herben Landschaft, der sagenumwobenen, nebligen Welt riesiger Helden, Zauberer und Feen und der wilden Hochlandclans. Der Kunstliebhaber, aber auch der an Geologie, Archäologie, Geschichte, Architektur und Ornithologie Interessierte kommt neben Sport- und Naturfreunden auf seine Kosten. Und wer einmal in Schottland war, kommt (fast) immer wieder.
So, dass soll für heute über mein (wie unschwer zu erkennen) Lieblingsurlaubsland genug sein. Sollte jemand nach ein paar Tipps oder Hilfestellung benötigen, melde er/sie sich doch bitte via Gästebuch.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-05 17:49:11 mit dem Titel Skye - Die vielleicht schönste aller schottischen Inseln
Nachdem ich euch heute schon zwei wunderschöne Wanderrouten auf dieser tollen Insel nähergebracht habe, möchte ich euch auch noch etwas über Skye selber erzählen:
Nur durch wenige Kilometer vom schottischen Festland getrennt, liegt Skye wie ein losgelöstes Stück Hochland im Atlantik. Seine goldbraunen Flanken wachsen sich zu atemberaubenden Felshöhen aus; seine höchste Bergkette, die Cuillins (oder Coolins), gilt als extremstes Klettergelände Großbritanniens. Wenn britische Bergsteiger für Everest-Besteigungen trainieren wollen, dann begeben sie sich hierher. Wer keine Ambitionen in dieser Hinsicht hat, der kann das Inselpanorama auch von den Ausweichbuchten der einspurigen Inselstraßen genießen.
Der Name Skye ist mit einer besonders romantischen Episode schottischer Geschichte verknüpft. "Trage den künftigen König über die SEe nach Skye" heißt es im Skye Boat Song, wobei mit dem Thronprätendenten Bonnie Prince Charlie gemeint ist, der nach seiner Niederlage auf Culloden Moor, von allen Seiten gehetzt, quer durchs schottische Hochland flüchten mußte. Den letzten Abschnitt seiner Flucht von der Äußeren Hebriden-Insel Benbecula nach Skye bewältigte er dank der tatkräftigen Hilfe von Flora MacDonald. Später wurde diese junge Frau wegen Hochverrats angeklagt und hatte eine Zeitlang in London einzusitzen. Ihre Loyalität und ihr Mut wurden mit zunehmendem zeitlichen Abstand immer stärker glorifiziert, so daß sie schließlich als Volksheldin ebenso sehr bewundert wurde wie der Prinz selbst.
Und doch könnte "ein Besuch auf Skye beinahe eine Enttäuschung sein, ungefähr so, als ob man eine Jugendliebe nach 40 Jahren wiedersieht", merkte der Schriftsteller H. V. Morton in den 1920er Jahren an. Und daran ist etwas Wahres. Zwar bietet Skye eine der beeindruckendsten schottischen Landschaften, aber andererseits hat der Tourismus deutliche Narben in Form von Restaurant-, Hotel- und Ladenklötzen hinterlassen. Und seit 1995, seit der Eröffnung der Skye Bridge über den Kyle of Akon, ist die Insel fast zum Festlandsableger degradiert. Übrigens ist die Fahrt über die Brücke Maitpflichtig, was Anlaß zu scharfen lokalpolitischen Kontroversen gab.
Seit der Eröffnung der Brücke ist es um das Städtchen Kyleakin, den vormaligen Fährhafen auf der Skye-Seite, stiller geworden. Über dem kleinen Hafenbecken ragen die Überreste des Castle Moil empor. Der klimatisch begünstigte Südteil der Insel, die Sleat-Halbinsel, heißt nicht umsonst "Garten von Skye". Dort erstrecken sich rund um das Clan Donald Centre die herrlichen Armadale Gardens.
Atemberaubend ist die Landschaft bei der Fahrt auf der Stichstraße nach Elgol. Etwa auf der Mitte des Weges, dort, wo die Straße auf den Loch Slapin trifft, berührt man Torrin, wo der Skye-Marmor gewonnen wird. Am Endpunkt der A881 in Elgol angelangt, ladet man nach dem Abstieg über einen Steilhang an einem Kieselstrand mit Blick auf die zerklüfteten Cuillins jenseits des Loch Scavaig. Im Sommer gibt es von Elgol aus Bootsfahrten zu dem romantischen Loch Coruisk. Der See, der schon Scott und Turner inspirierte, ist durch seinen Fluß mit Loch Scavaig verbunden und liegt am Fuß des fast 1000 Meter hohen Sgurr Alasdair, der höchsten Erhebung der schwarzen Cuillin Hills.
In einer nahen Höhle, der Bonnie Prince Charlie's Cave, sollen die MacKinnons den Prinzen vor seiner Rückkehr nach Frankreich gefeiert haben. Eben diese Familie bewirtete später auch die Bildungsreisenden Dr. Johnson und Boswell bei ihrem Hebriden-Ausflug.
Die in Küstennähe verlaufende A850 führt an den Cuillin Hills vorbei. Von hier aus erblickt man die sogenannten Red Cuillins - etwas sanfter als die Black Cuillins, die das Panorama bei Elgol dominierten. Eine der Straße benachbarte Anhöhe ist der Glamaig (775 Meter) bei Sconser, der alljährlich im Juli im Laufschritt erobert wird - im Rahmen eines sogenannten "Hill Race".
Fährt man von Sligachan (Basislager für Touren in die Cuillins mit Hotel, Campingplatz und Pony Trekking Center) auf der A863 weiter in Richtung Westen, führt bei Drynoch ein Abzweiger nach Glenbrittle, das vor allem als Ausgangspunkt in die Cuillins beliebt ist; die höchste Herausforderung stellt der Sgurr Alasdair mit 993 Meter dar. Der Ort bietet außerdem einen schönen Strand und Bootsverbindungen zu den Inseln Rhum, Eigg und Canna.
Ein Abstecher führt in westlicher Richtung nach Talisker, dem Standort der einzigen Whiskybrennereit auf Skye. Von Sconser an der Nordostküste starten die Fähren nach Raasay, einer sehr schönen und weniger überlaufenen Insel.
Inselhauptstadt ist das seit einem Besuch von James V. so genannte Portree, was Königshafen bedeutet. Als erprobtes Ferienzentrum hat Portree alles, was sich Gäste nur wünschen können: Restaurants, heimisches Kunsthandwerk sowie Läden für Camping-, Wander- und Bergausrüstung, dazu ganz umsonst den sehr reizvollen Blick auf den Hafen.
Etwas hinter der Linie Portree-Bracadale gabelt sich der "Hummer" Skye in die "Zangen" der zwei nördlichen Halbinseln. Am Ansatzpunkt der westlichen "Zange" liegt das Dörfchen Dunvegan, dessen im 13. Jahrhundert begonnenes Dunvegan Castle die architektonischen Eigenarten mehrerer Jahrhunderte unter einem Dach vereint. Die Burg, Stammsitz des MacLeod-Clans, wirkt ungeachtet aller schmückenden Zutaten (farbenprächtige Gärten) trotzig und abschreckend. Im Schloß werden verschiedene Familienerbstücke aufbewahrt, unter anderem die Fairy Flag, die "Feenfahne", die der Überlieferung nach den Clan beschützt, sofern sie nur rechtzeitig entrollt wird. In der Bucht unterhalb des Castle starten Bootsausflüge zu den Seehundbänken im Loch Dunvegan.
Ein Tipp für Feinschmecker ist das Lochbay Restaurant in dem kleinen Fischerdorf Stein nördlich von Dunvegan. Hier werden Hummerplatten und andere excellente Fischgerichte in dcer gemütlichen Atmosphäre einer ehemaligen Fischerhütte serviert.
Am Westufer des Loch Dunvegan kann man in Borreraig das Skye Piping Centre besuchte. Bis ins 18. Jahrhundert lehrten hier die MacCrimmons, die Dudelsackspieler des MacLeods Clans und die berühmtesten Bläser ganz Schottlands das Spiel auf der Bagpipe. Das Museum erzählt die Geschichte des Dudelsacks und auch die Clangeschichten der legendären MacCrimmons.
Die nordöstliche Halbinsel Trotternish, die zweite "Zange", besteht weitgehend aus vulkanischem Felsen. Das Grab von Flora MacDonald findet man auf dem Friedhof von Kilmuir nördlich von Uig. Das dortige Freiluftmuseum, Skye Museum of Island Life, besteht im wesentlichen aus vier strohgedeckten Häuschen. Das nahegelegene Duntulm Castle, einst Sitz der MacDonalds, der Lords of the Isles, wacht über die Nordspitze der Insel. Vielleicht noch beeindruckender als dieser Bau von Menschenhand ist der durch das Nordende der Halbinsel verlaufende Gebirgskamm Quiraing mit einer Vielzahl bizarrer Basaltformationen. Danach scheinen sogar die Klippen des weiter südlich gelegenen Kilt Rock mit seiner an Tartanstoffe erinnernden Struktur oder die düstere Berggestalt des Old Man of Storr oberhalb der A855 vergleichsweise uninteressant.
So schwärmte schon vor über hundert Jahren der berühmte Schriftsteller von seiner Schottlandreise. Gewiss, ganz so einsam ist es nicht mehr. Doch wenn man sich von den Hauptstraßen entfernt, trifft man auch heutzutage nur wenige Menschen an. In der Einsamkeit der "Highlands and Islands" freute man sich früher über jeden, der vorbeikam und einkehrte. In den Haupturlaubszentren jedoch herrscht im Hochsommer auch in Schottland Betrieb. Die Saison ist kurz; in den meisten Landstrichen hat das Fremdenverkehrsgewerbe nicht viel Zeit zum Geldverdienen, also auch nicht mehr so viel Zeit, um wie früher die Gastfreundschaft zu pflegen.
Andererseits geben die Schotten dem Fremden immer noch bereitwillig Auskunft: Die Wirte, die Ladeninhaber, die Busfahrer, die Polizisten und die Touristikfachleite - in den gfößeren Orten wird in den "Tourist Informations" häufig ach Deutsch gesprochen - nehmen sich Zeit für ausführliche Erklärungen. Den new friend, den man gerade kennen gelernt hat, lädt man oft spontan in sein Heim ein. Es werden keine Umstände gemacht, der Gast muss die Dinge nehmen, wie sie sind. Und kennt man dann "Malcolm und Fiona" erst besser, wird man ihre Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, ihren Humor und ihre offene Freundlichkeit zu schätzen wissen. Allerdings stellt man schnell fest, dass "äußere Formen" - die Tür aufhalten, den Mantel abnehmen, das Gepäck für den anderen tragen - weniger üblich sind als bei der älteren Generation. Dafür drängt sich aber auch niemand vor, weder im Laden noch an der Bushaltestelle oder am Taxistand. Im Hotel-Restaurant wartet der Gast darauf, dass ihm vom Manager oder einem Kellner (eher einer Kellnerin) ein Tisch zugewiesen wird.
Bei einem Schottlandurlaub sind - außer der einsamen Landschaft - zweifellos die Menschen das Wichtigste, denn ein Teil des Urlaubs spielt sich wegen des oft kühlen, nassen Wetters zwangsläufig in geschlossenen Räumen ab. Hotelunterkünfte sind relativ kostspielig, so dass man vielleicht besser Bed & Breakfast-Unterkünfte aufsucht. So kann man auch hervorragend hinter die Fassade der weißen, grauen oder beigefarbenen Häuschen blicken. Häufig mit zahlreichem Nippes geschmückt, kann man manchmal die Einrichtung nicht gerade als geschmackvoll, sondern eher als kurios empfinden. Aber was soll's: solange das Bett gut ist, genug Decken bereitliegen, das Wasser warm aus der Leitung läuft und das Zimmer nicht als "Kühlschrank" bezeichnet werden muss. Die Schotten sind ungeheuer abgehärtet. Strahlt die Sonne vom Himmel, ziehen sie sich im Sommer gleich an, als wären sie am Mittelmeer. Nicht jedem passt es freilich, dass im Privathaus das Radio oder der Fernseher von morgens bis abends plärrt, zumal es mühsam ist, das schottische Idiom zu verstehen. Äußert man jedoch "Would you mind turning the TV off when we talk", wird sicherlich ein ungestörtes Gespräch zustande kommen.
Edinburgh und Glasgow - die ungleichen Schwestern. Es heißt: Wird man in Edinburgh eingeladen, geht es in die kühle gute Stube zum Tee. In Glasgow eher in die warme Küche zum Drink. Die Einwohner von Edinburgh gelten im Allgemeinen als zurückhaltend und zugeknöpft, die Glasgower (oder Glaswegians, wie sie im Englischen bezeichnet werden müssen) hingegen als warmherzig und schwatzlustig. Dabei sind die Hauptstadt Edinburgh und die größte schottische Stadt, Glasgow, nur eine knappe Zugstunde voneinander entfernt.
Der Unterschied zwischen den Ost- und Westschotten ist in der Tat groß. In den Borders, dem Grenzland, sowie im Osten - von Edinburgh über Aberdeen nach Inverness - leben hauptsächlich Nachkommen der Einwanderer germanischer Volksgruppen, der Angeln und Sachsen, der Wikinger und Normannen und später der Niederländer und Flamen. Wenn man hier den vierschrötigen, blonden Bauern auf dem Lande begegnet, könnte man glauben, in Norddeutschland zu sein. Sie sprechen behäbig, sind verlässlich und arbeitsam. Die Keltensprösslinge im Westen haben hingegen fast immer Zeit zum Plaudern. Der Abend beim "ceilidh" - bei Unterhaltung, Musik und Drinks - kann nicht lang genug sein. Darum ist es nicht immer leicht, früh sein Frühstück zu bekommen. Manches Hochland- oder Inseldorf wirkt noch um acht Uhre wie ausgestorben. Die Gälen, Nachkommen der schottischen Ureinwohner und Kelten, sind hellhäutig, dunkel- oder rothaarig, sentimental und genial unordentlich, was man ihnen bei ihrem Charme gerne verzeiht. Besonders in Westschottland, im einsamen Hochland, wird viel Alkohol konsumiert - dann heißt es Vorsicht bei einem Kontra, vor allem in politischer Hinsicht.
Jede Schottlandreise sollte in Edinburgh beginnen oder enden. Die beliebteste Region ist das westliche Hochland mit den meisten der 1700 schottischen Seen. Aber auch die Borders sollte man nicht zu schnell durchqueren, die zahlreichen kleineren Schlösser der Gegend von Aberdeen nicht auslassen. Vielleicht die Einsamkeit der Hebriden aufsuchen, die tausend steinernen Relikte aus vorgeschichtlicher Zeit und die einzigartige Seevogelwelt auf Orkney und Shetland erkunden.
Die Bens sind die Berge, die Glens die Täler und die Lochs die Seen des Landes: gälische Namen, im Idiom der keltischen Vorväter. Offiziell beherrschen noch 70000 Schotten Gaelic, in Wirklichkeit zweifellos bedeutend weniger. Die jungen Leute sprechen bereits in erster Linie Englisch und wollen lieber eine Fremdsprache lernen. Allerdings sind sie damit nicht besonders erfolgreich. Die ganze Welt spricht Englisch, warum soll man sich da anstrengen. Können die Schotten Deutsch, so ist ihre Aussprache freilich recht gut, was für ihr Englisch nicht unbedingt gilt. Zwar behaupte die Einwohner von Inverness, der Hauptstadt der Highlands, das reinste Englisch überhaupt zu sprechen - mit dem an deutschen Schulen gelehrten Oxford-Idiom hat das allerdings herzlich wenig zu tun.
Es kursieren ein paar Gerüchte über Schottland. Es ist, vor allem im Osten, besser als sein Ruf. Obwohl es kaum je sommerlich heiß ist, regnet es auch nicht viel. Windig ist es allerdings meistens und überall. Auch Speisen un Getränke sind merklich besser geworden. Die Qualität der Zutaten war allerdings schon immer erstklassig. In den letzten Jahren ist eine neue Generation von Küchcheft herangewachsen, die weiß, wie man die heimatlichen Schätze zu behandeln hat.
Bleibt der sprichwörtliche Geiz. Sind sie wirklich geizig, die Schotten? Nein, sind sie nicht. Der Ruf der Knauserigkeit soll von den Engländern, den Bösen, stammen, die die nördlichen Brüder schon immer gerne foppten. Fest steht, dass Schottland immer ein armes Land war, ein Land der Hirten, Fischer und Kleinbauern. So ist es verständlich, dass auch die schottischen Edelmänner, die Anfang des 17. Jahrhunderts im Gefolge von James VI. von Schottland (dem späteren James I. von England) nach London umsiedelten, sich nicht das kostspielige Leben ihrer englischen Mithöflinge leisten konnten. Vielleicht waren sie zu stolz, ihre missliche Lage zu offenbaren, und zogen es vor, als geizig zu gelten?
Es gibt Woll- statt Steppdecken; das Frühstück ist zu fettig; das Wasser ist zu kalt; die Sonne scheint zu bescheiden; der ewige Wind; Mücken von Mitte Juni bis Mitte August im feuchten westlichen Hochland; am Abend ist auf dem Lande zu wenig los. Als Liebhaber spricht man dagegen von der herben Landschaft, der sagenumwobenen, nebligen Welt riesiger Helden, Zauberer und Feen und der wilden Hochlandclans. Der Kunstliebhaber, aber auch der an Geologie, Archäologie, Geschichte, Architektur und Ornithologie Interessierte kommt neben Sport- und Naturfreunden auf seine Kosten. Und wer einmal in Schottland war, kommt (fast) immer wieder.
So, dass soll für heute über mein (wie unschwer zu erkennen) Lieblingsurlaubsland genug sein. Sollte jemand nach ein paar Tipps oder Hilfestellung benötigen, melde er/sie sich doch bitte via Gästebuch.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-05 17:49:11 mit dem Titel Skye - Die vielleicht schönste aller schottischen Inseln
Nachdem ich euch heute schon zwei wunderschöne Wanderrouten auf dieser tollen Insel nähergebracht habe, möchte ich euch auch noch etwas über Skye selber erzählen:
Nur durch wenige Kilometer vom schottischen Festland getrennt, liegt Skye wie ein losgelöstes Stück Hochland im Atlantik. Seine goldbraunen Flanken wachsen sich zu atemberaubenden Felshöhen aus; seine höchste Bergkette, die Cuillins (oder Coolins), gilt als extremstes Klettergelände Großbritanniens. Wenn britische Bergsteiger für Everest-Besteigungen trainieren wollen, dann begeben sie sich hierher. Wer keine Ambitionen in dieser Hinsicht hat, der kann das Inselpanorama auch von den Ausweichbuchten der einspurigen Inselstraßen genießen.
Der Name Skye ist mit einer besonders romantischen Episode schottischer Geschichte verknüpft. "Trage den künftigen König über die SEe nach Skye" heißt es im Skye Boat Song, wobei mit dem Thronprätendenten Bonnie Prince Charlie gemeint ist, der nach seiner Niederlage auf Culloden Moor, von allen Seiten gehetzt, quer durchs schottische Hochland flüchten mußte. Den letzten Abschnitt seiner Flucht von der Äußeren Hebriden-Insel Benbecula nach Skye bewältigte er dank der tatkräftigen Hilfe von Flora MacDonald. Später wurde diese junge Frau wegen Hochverrats angeklagt und hatte eine Zeitlang in London einzusitzen. Ihre Loyalität und ihr Mut wurden mit zunehmendem zeitlichen Abstand immer stärker glorifiziert, so daß sie schließlich als Volksheldin ebenso sehr bewundert wurde wie der Prinz selbst.
Und doch könnte "ein Besuch auf Skye beinahe eine Enttäuschung sein, ungefähr so, als ob man eine Jugendliebe nach 40 Jahren wiedersieht", merkte der Schriftsteller H. V. Morton in den 1920er Jahren an. Und daran ist etwas Wahres. Zwar bietet Skye eine der beeindruckendsten schottischen Landschaften, aber andererseits hat der Tourismus deutliche Narben in Form von Restaurant-, Hotel- und Ladenklötzen hinterlassen. Und seit 1995, seit der Eröffnung der Skye Bridge über den Kyle of Akon, ist die Insel fast zum Festlandsableger degradiert. Übrigens ist die Fahrt über die Brücke Maitpflichtig, was Anlaß zu scharfen lokalpolitischen Kontroversen gab.
Seit der Eröffnung der Brücke ist es um das Städtchen Kyleakin, den vormaligen Fährhafen auf der Skye-Seite, stiller geworden. Über dem kleinen Hafenbecken ragen die Überreste des Castle Moil empor. Der klimatisch begünstigte Südteil der Insel, die Sleat-Halbinsel, heißt nicht umsonst "Garten von Skye". Dort erstrecken sich rund um das Clan Donald Centre die herrlichen Armadale Gardens.
Atemberaubend ist die Landschaft bei der Fahrt auf der Stichstraße nach Elgol. Etwa auf der Mitte des Weges, dort, wo die Straße auf den Loch Slapin trifft, berührt man Torrin, wo der Skye-Marmor gewonnen wird. Am Endpunkt der A881 in Elgol angelangt, ladet man nach dem Abstieg über einen Steilhang an einem Kieselstrand mit Blick auf die zerklüfteten Cuillins jenseits des Loch Scavaig. Im Sommer gibt es von Elgol aus Bootsfahrten zu dem romantischen Loch Coruisk. Der See, der schon Scott und Turner inspirierte, ist durch seinen Fluß mit Loch Scavaig verbunden und liegt am Fuß des fast 1000 Meter hohen Sgurr Alasdair, der höchsten Erhebung der schwarzen Cuillin Hills.
In einer nahen Höhle, der Bonnie Prince Charlie's Cave, sollen die MacKinnons den Prinzen vor seiner Rückkehr nach Frankreich gefeiert haben. Eben diese Familie bewirtete später auch die Bildungsreisenden Dr. Johnson und Boswell bei ihrem Hebriden-Ausflug.
Die in Küstennähe verlaufende A850 führt an den Cuillin Hills vorbei. Von hier aus erblickt man die sogenannten Red Cuillins - etwas sanfter als die Black Cuillins, die das Panorama bei Elgol dominierten. Eine der Straße benachbarte Anhöhe ist der Glamaig (775 Meter) bei Sconser, der alljährlich im Juli im Laufschritt erobert wird - im Rahmen eines sogenannten "Hill Race".
Fährt man von Sligachan (Basislager für Touren in die Cuillins mit Hotel, Campingplatz und Pony Trekking Center) auf der A863 weiter in Richtung Westen, führt bei Drynoch ein Abzweiger nach Glenbrittle, das vor allem als Ausgangspunkt in die Cuillins beliebt ist; die höchste Herausforderung stellt der Sgurr Alasdair mit 993 Meter dar. Der Ort bietet außerdem einen schönen Strand und Bootsverbindungen zu den Inseln Rhum, Eigg und Canna.
Ein Abstecher führt in westlicher Richtung nach Talisker, dem Standort der einzigen Whiskybrennereit auf Skye. Von Sconser an der Nordostküste starten die Fähren nach Raasay, einer sehr schönen und weniger überlaufenen Insel.
Inselhauptstadt ist das seit einem Besuch von James V. so genannte Portree, was Königshafen bedeutet. Als erprobtes Ferienzentrum hat Portree alles, was sich Gäste nur wünschen können: Restaurants, heimisches Kunsthandwerk sowie Läden für Camping-, Wander- und Bergausrüstung, dazu ganz umsonst den sehr reizvollen Blick auf den Hafen.
Etwas hinter der Linie Portree-Bracadale gabelt sich der "Hummer" Skye in die "Zangen" der zwei nördlichen Halbinseln. Am Ansatzpunkt der westlichen "Zange" liegt das Dörfchen Dunvegan, dessen im 13. Jahrhundert begonnenes Dunvegan Castle die architektonischen Eigenarten mehrerer Jahrhunderte unter einem Dach vereint. Die Burg, Stammsitz des MacLeod-Clans, wirkt ungeachtet aller schmückenden Zutaten (farbenprächtige Gärten) trotzig und abschreckend. Im Schloß werden verschiedene Familienerbstücke aufbewahrt, unter anderem die Fairy Flag, die "Feenfahne", die der Überlieferung nach den Clan beschützt, sofern sie nur rechtzeitig entrollt wird. In der Bucht unterhalb des Castle starten Bootsausflüge zu den Seehundbänken im Loch Dunvegan.
Ein Tipp für Feinschmecker ist das Lochbay Restaurant in dem kleinen Fischerdorf Stein nördlich von Dunvegan. Hier werden Hummerplatten und andere excellente Fischgerichte in dcer gemütlichen Atmosphäre einer ehemaligen Fischerhütte serviert.
Am Westufer des Loch Dunvegan kann man in Borreraig das Skye Piping Centre besuchte. Bis ins 18. Jahrhundert lehrten hier die MacCrimmons, die Dudelsackspieler des MacLeods Clans und die berühmtesten Bläser ganz Schottlands das Spiel auf der Bagpipe. Das Museum erzählt die Geschichte des Dudelsacks und auch die Clangeschichten der legendären MacCrimmons.
Die nordöstliche Halbinsel Trotternish, die zweite "Zange", besteht weitgehend aus vulkanischem Felsen. Das Grab von Flora MacDonald findet man auf dem Friedhof von Kilmuir nördlich von Uig. Das dortige Freiluftmuseum, Skye Museum of Island Life, besteht im wesentlichen aus vier strohgedeckten Häuschen. Das nahegelegene Duntulm Castle, einst Sitz der MacDonalds, der Lords of the Isles, wacht über die Nordspitze der Insel. Vielleicht noch beeindruckender als dieser Bau von Menschenhand ist der durch das Nordende der Halbinsel verlaufende Gebirgskamm Quiraing mit einer Vielzahl bizarrer Basaltformationen. Danach scheinen sogar die Klippen des weiter südlich gelegenen Kilt Rock mit seiner an Tartanstoffe erinnernden Struktur oder die düstere Berggestalt des Old Man of Storr oberhalb der A855 vergleichsweise uninteressant.
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