Schottland Testbericht

Schottland
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Erfahrungsbericht von LoMei

Seefahrt 13: Am Firth of Forth und in Edinburgh

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wir kamen mit dem Dampfer „Tilly Russ“ mit einer Ladung Bauxit von der Goldküste. Nach 20 Tagen Seetörn gingen wir am 27. März 1956 abends im dicken Nebel vor dem Firth of Forth vor Anker. Am nächsten Morgen konnte das Schiff bei klarer Sicht weiter fahren bis vor den Hafen von Burntisland. Das liegt am nördlichen Ufer des Firth of Forth ungefähr schräg gegenüber des am südlichen Ufer liegenden Edinburgh. Am frühen Nachmittag war Hochwasser, und wir konnten durch die Schleuse in den Hafen hineinfahren. Eine gute Stunde später war das Schiff fest. Das erste, was ein jeder jetzt tat, war: Post von daheim lesen. Die Ostertage lagen vor uns, und wir hofften, es würde Zeit und Gelegenheit geben, einen Besuch in Edinburgh zu machen.


INHALT

1. Kesselreinigung
2. Burntisland
3. Bahnfahrt nach Edinburgh
4. Ein Nachmittag in Edinburgh
5. Fazit


1. KESSELREINIGUNG

Die Antriebsanlage des Schiffes bestand aus zwei Zylinderkesseln und einer Kolbendampfmaschine mit nachgeschalteter Abdampfturbine. Heute wäre diese Anlage ein hochinteressantes Museumsobjekt. Noch am selben Abend wurde der Steuerbordkessel ausgeblasen und geöffnet. Am Gründonnerstag hieß es: Alle Mann hinein. Die Feuerrohre und die Kesselhaut mussten von der Wasserseite gereinigt werden. Das war ein ganz großer Saukram. Wir arbeiteten am Donnerstag bis abends um 21:00 Uhr und Karfreitag auch den ganzen Tag. Was wurde da geschimpft. Am Sonnabend ging die Arbeit bis mittags weiter. Dann waren wir so weit, dass der Kessel wieder mit Wasser gefüllt werden konnte.


2. BURNTISLAND

Sonnabend Abend gingen wir zu mehreren aus. Es war dort eine Tanzveranstaltung ähnlich wie wir sie in New Brunswick erlebt hatten.
Am Ostersonntag schlief ich bis Mittag und ging nachmittags an dem wild zerklüfteten Ufer des Ortes spazieren. Die Felsen waren gezackt und von den Wellen des Meeres zerwaschen. Vor den Steinernen Ufer lag ein Streifen Wattengebiet, über das langsam aber stetig die Flut herangekrochen kam. Die Sonne schien. Viele Leute gingen spazieren oder saßen am Wasser und ließen sich von den Strahlen der Frühlingssonne wärmen.


3. BAHNFAHRT NACH EDINBURGH

Am Ostermontag fuhr um 14:33 Uhr vom nahen Bahnhof ein Zug nach Edinburgh. Eine gute viertel Stunde vor der Abfahrt war ich auf dem Bahnhof. Unser Moses und der Matrose Jimmy schlossen sich an. Der Zug fuhr in westlicher Richtung davon.
Typisch für die Gegend, vielleicht für ganz Schottland, sind die vielen Steinwälle als Feld- und Grundstücksbegrenzung. Was in Schleswig-Holstein die Knicks sind, sind hier die Mauern aus Felsbrocken. Auch an den Straßen in den Orten selbst findet man sie.
Zu beiden Seiten der Bahnlinie waren hohe Berge. Auf der linken Seite sah man von Zeit zu Zeit das Wasser des Firth of Forth. Nach einer ganzen Weile wandte sich der Zug dem Wasser zu und donnerte über die gewaltige Forth-Bridge. Mein schottischer Gegenüber stand auf, öffnete das Fenster, suchte zwei Penny-Münzen aus seinem Geldbeutel und warf sie in weitem Bogen ins Wasser. Auf meine Frage nach dem Warum sagte er, dass sehr viele Leute das machen und dass auf dem Grunde des Firth unter der Brücke eine enorme Summe Geldes liegen müsse, bestehend aus einzelnen Pennies. Das sei eben so Brauch und solle Glück bringen. Als die Brücke hinter uns lag, wandte sich der Zug wieder nach Osten. Hier war das Gelände recht flach. Bei Edinburgh wurde es wieder bergiger. Nach etwa 50 Minuten Bahnfahrt trafen wir dort ein.


4. EIN NACHMITTAG IN EDINBURGH

Von der Bahn aus hatten wir schon auf einem Felsen über der Stadt eine gewaltige Festung gesehen. Dorthin führte nun unser erster Gang. Das „castle of Edinburgh“ wirkte auf uns wie ein Art Symbol britischen (schottischen ?) Soldatentums. Auf den Mauern stehen alte Kanonen, wie sie vor einigen hundert Jahren vielleicht modern gewesen sind. In der Mitte auf dem höchsten Punkt ist in Form einer eindrucksvollen Kapelle ein Ehrenmal für die Gefallenen aller Kriege errichtet, die Großbritannien geführt hat. Auf verschiedenen Borden liegen dicke Bände aus, in denen man die Namen der Gefallenen der beiden Weltkriege nachschlagen kann. Überall begegnet man alter Tradition und den Zeichen eines ausgeprägten schottischen Patriotismus. Oder war das eher ein eigenes Nationalbewusstsein? Nach einer Wanderung kreuz und quer durch die Straßen stärkten wir uns gegen Abend in einer Milch-Bar und begaben uns wiederum nach einem kleinen Rundgang zum Bahnhof. Der Zug brachte uns nach Burntisland zurück. Abgekämpft kamen wir an Bord. Das war ein viel zu kurzer Besuch in einer sehr interessanten und schönen Stadt.


5. FAZIT

Es werden in dem Bericht keine aktuellen Reiseinformationen gegeben, aber ich denke der Leser wird neugierig gemacht, dort hin zu fahren und sich selber ein Bild zu machen. Das Land ist von herber Schönheit.
Eine Reise lohnt sich. Nehmt Euch mehr Zeit als wir sie hatten.

23 Bewertungen, 4 Kommentare

  • anonym

    04.04.2002, 03:05 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    deine berichte sind sehr interessant und zeigen eine ganz andere sichtweise

  • Malwina

    03.04.2002, 23:58 Uhr von Malwina
    Bewertung: sehr hilfreich

    interessanter Bericht...

  • furthy

    03.04.2002, 21:19 Uhr von furthy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller bERICHT

  • deeperspace

    03.04.2002, 19:13 Uhr von deeperspace
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich war noch nie dort. Scheint aber echt eine Reise wert zu sein. Gruß Deep