Russland: Sibirien Testbericht
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Erfahrungsbericht von LoMei
Ein Tag am Baikalsee
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Am 16. September 1990 landete unsere Aeroflot-Maschine abends in Irkutsk. Es folgte wieder langes Warten, bis das Gepäck ausgeladen war. Dann wurde es kunstvoll in einen Bus verstaut, und ab ging es nach Litswjanka am Baikalsee. Das bedeutete etwa 1½ Stunden Fahrt mit hoher Geschwindigkeit durch Birken- und Kiefernwald. Mit starken Motor- und Getriebegeräuschen ging es rauf und runter. Als wir im „Hotel Baikal“ ankamen, war es 20:00 Uhr Moskauer und 01:30 Ortszeit. Wir hatten inzwischen alle Hunger, aber zu so später Stunde war kein Essen eingeplant. Nach Inbesitznahme der Zimmer ergab sich im Foyer mit einem tollen Samowar auf dem Tisch eine kleine Teerunde bis kurz nach 02:00 Uhr. Dann ging es ins Bett.
Am nächsten Morgen wurde ich gegen 08 Uhr wurde ich wach. Draußen war es hell. Das Morgenrot war noch nicht ganz verschwunden. Das Hotel lag hoch an einem Berghang. Vom Fenster aus blickte man auf den blaufunkelnden See. Am anderen Ufer grüßten die schneebedeckten Bergketten Chrebet-Chaman-Daban in der Morgensonne. Hinter diesen Bergen lag also die Mongolei. Vor dem Frühstück trafen sich die meisten auf der großen Freiterrasse und genossen den grandiosen Rundblick.
Unser Führer für den heutigen Tag hieß Wladimir. Wir fuhren mit einem Bus davon. Wladimir erzählte uns Geschichten vom und um den Baikalsee. Erster Haltepunkt war die Stelle, an der die Angara als breiter Strom den See verlässt und in nördlicher Richtung weiter fließt. Wir lernten, dass hier nach einer alten Geschichte die schöne Tochter Angara ihren Vater den Baikal verlässt und ihrem Geliebten dem Jenissei entgegen eilt.
Durch das Eintauchen der Hände in das kalte klare Wasser erhielten wir die „Baikaltaufe“. Manche wollten es genau wissen, zogen Schuhe und Strümpfe aus und gingen ein Stück ins Wasser. Das sollte Glück und lange Gesundheit gewährleisten.
Der zweite Stopp war vor dem Leymnologischen Museum, in dem die Geschichte und das Besondere dieses Sees an Graphiken und Modellen sehr gut dargestellt ist. Leider waren die Beschriftungen und Erklärungen nur auf russisch. So waren wir auf Waldemars Erklärungen angewiesen. Wer nicht in seiner unmittelbaren Nähe stand, kriegte leider nicht viel mit. Der Besuch hat sich aber sehr gelohnt.
Nach dem Mittagessen bummelten wir im hellen Sonnenschein durch das nahe gelegene Dorf Listwjanka. Vielleicht war es ein Vorzeigedorf, aber den Eindruck machte es eigentlich gar nicht. Aus Filmen über Sibirien hatte ich es nicht anders in Erinnerung. Wir sahen alte und neue Blockhäuser mit bunter Bemalung und Schnitzereien an Fenstern und Giebeln, besuchten eine kleine Kirche, beschenkten bettelnde Kinder, und machten mit jugendlichen Händlern Geschäfte. Es wurden vor allem kostbare Pelze angeboten. Uns begegneten viele andere Touristen, vor allem Deutsche und Amerikaner.
Im Hotel erwarteten uns wieder Kinder und fragten nach Kaugummi, Bonbons, Feuerzeugen und Kugelschreibern. Der Programmpunkt Einkauf in einem kleinen Supermarkt wurde zu einem Erlebnis besonderer Art. Es war nichts in den Regalen. Im Gegenteil wurden einige von uns von Kunden gefragt, ob wir etwas zu verkaufen hätten.
Nach dem Abendbrot wanderten wir auf eine etwa 2½ km entfernte Anhöhe. Dort war ein von Büschen umgebener Aussichtsplatz. Die Büsche waren mit bunten Gebetsfähnchen behängt, die lustig im Winde flatterten. Die Sonne ging gerade unter. Man hatte einen weiten Blick auf den südlichen Teil des Baikal. Leider schoben sich die Wolken vor die Sonne. Über den Bergen hatten sie eine rötliche Färbung angenommen. Der angekündigte Sonnenuntergang fand hinter den Wolken statt. Aber der Abend war sehr stimmungsvoll. Einige konnten mit einem Glas die hier vorkommenden Süßwasserrobben ausmachen.
Ich hatte von Industrieanlagen und qualmenden Schornsteinen gelesen und hielt danach Ausschau, konnte aber von dieser Stelle aus nichts entdecken.
Als wir am darauffolgenden Morgen unsere Nasen an die frische Luft steckten, merkten wir,
dass das Wetter über Nacht umgeschlagen war. Draußen wehte es. Die Wolken hingen tief und Nieselregen hüllte uns ein. Das andere Ufer war nicht mehr zu sehen. Was hatten wir am Vortag doch für ein Glück gehabt.
Nach dem Frühstück fuhren wir ab nach Irkutsk. Auf der Herfahrt hatten wir im Dunkeln nur die von den Autoscheinwerfern angestrahlten Stämme der Birken und Kiefern gesehen. Jetzt sah man die herrlichen Farben des Herbstes. Waldemar nannte es Altweibersommer. Links der Straße schimmerte immer wieder die breite Wasserfläche der Angara durch die Bäume. Rechts war die Taiga. Wir sahen vor allem Birkenwäldchen, dann Kiefernbestände, Bäche, Moore und Wasserflächen. An einigen Stellen waren kleine Siedlungen zu sehen, wo eine Datscha neben der anderen stand. Dort sah es gar nicht ärmlich aus.
Bei dieser organisierten Gruppenreise war im Programm für den Besuch des Baikalsees leider nur ein Tag vorgesehen. Das war viel zu wenig. Es reichte aber gerade, um einen kleinen Eindruck zu bekommen.
Eine Reise zum Baikal lohnt sich unbedingt. Man sollte sich nur mehr Zeit mitnehmen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-07 17:08:45 mit dem Titel Irkutsk war Ort der Verbannung
Direkt vom Baikalsee kommend fuhren wir zum Mittagessen in das Intourist-Hotel von Irkutsk. Dort konnte man Postkarten und Briefmarken kaufen. Wir schrieben einige Karten.
IN IRKUTSK
Nach dem Mittagessen war eine Stadtrundfahrt angesagt. Es hatte sich richtig eingenieselt. Die Temperaturen lagen bei +5°C. Die Straßen waren voller Pfützen.
Wir hielten zuerst an der Erlöserkirche. Sie war verschlossen und sah aus, als sei sie lange außer Betrieb. Dahinter befand sich ein Ehrenmal für die Gefallenen des großen Vaterländischen Krieges 1939 - 1945. Schüler hielten die Ehrenwache. Alle 15 Minuten war Wachablösung im Paradeschritt.
Irkutsk hat etwa 450 000 Einwohner. Es gibt viele schöne Jugendstilhäuser, an denen der Zahn der Zeit aber ganz kräftig genagt hat. In einem anderen Teil der Stadt sahen wir alte Holzhäuser mit hübschen Fenstern und kunstvoll geschnitzten Dachsimsen. Viele von ihnen waren, da sie auf Thermafrostboden gebaut waren, etwa 1 m ins Erdreich abgesackt.
Das Dekrabisten-Museum war leider geschlossen. Die Dekrabisten (Dezemberleute) waren Revolutionäre des russischen Aufstandes von 1825. Sie waren zum Teil sehr gebildet. Der Zar hatte sie nach Sibirien verbannt. Einigen folgten die Ehefrauen in die Verbannung.
Die Häuser in der Umgebung des Museums hatten offenbar kein fließendes Wasser, denn ganz in der Nähe befand sich an der Straße eine Wasserstelle.
Beim Besuch der Inkarnationskirche zündeten einige von uns eine Kerze an. Draußen vor der Kirche zeigte unser Führer uns unter anderem die Dekabristengräber und erklärte die Geschichte der dort Begrabenen.
Anschließend fuhren wir zurück in die Stadt. Dort schlenderten wir durch ein Kaufhaus mit vielen leeren Regalen und durch einige Buchhandlungen. Nur der Obstmarkt hatte ein reichhaltiges Angebot.
Wegen des Regens wollten wir zurück ins Hotel. Wir liefen kreuz und quer durch die Stadt und machten entsprechende Umwege. Bei gutem Wetter muss es am Ufer der Angara wunderschön sein. Wir mussten öfter nach dem Weg fragen. Obwohl wir niemanden verstanden, kamen wir aber gut dort an. Einige aus unserer Gruppe gingen in ein Cafe, doch vor der Theke war eine Schlange von 20 bis 30 Personen. Einige hatten eine Flasche Wodka gekauft. Der war rationiert. Pro Person und Monat gab es 2 Flaschen.
Nach dem Abendessen brachte uns der Bus zum Flughafen, von wo es nach Bratsk weiter gehen sollte.
FAZIT
Das war nur ein Kurzbesuch wie er im Buche steht. Nirgends hatten wir viel Zeit. Aber bei dem Wetter war uns das ganz recht. Ich empfehle einen großzügigeren Zeitplan. Es lohnt sich.
Am nächsten Morgen wurde ich gegen 08 Uhr wurde ich wach. Draußen war es hell. Das Morgenrot war noch nicht ganz verschwunden. Das Hotel lag hoch an einem Berghang. Vom Fenster aus blickte man auf den blaufunkelnden See. Am anderen Ufer grüßten die schneebedeckten Bergketten Chrebet-Chaman-Daban in der Morgensonne. Hinter diesen Bergen lag also die Mongolei. Vor dem Frühstück trafen sich die meisten auf der großen Freiterrasse und genossen den grandiosen Rundblick.
Unser Führer für den heutigen Tag hieß Wladimir. Wir fuhren mit einem Bus davon. Wladimir erzählte uns Geschichten vom und um den Baikalsee. Erster Haltepunkt war die Stelle, an der die Angara als breiter Strom den See verlässt und in nördlicher Richtung weiter fließt. Wir lernten, dass hier nach einer alten Geschichte die schöne Tochter Angara ihren Vater den Baikal verlässt und ihrem Geliebten dem Jenissei entgegen eilt.
Durch das Eintauchen der Hände in das kalte klare Wasser erhielten wir die „Baikaltaufe“. Manche wollten es genau wissen, zogen Schuhe und Strümpfe aus und gingen ein Stück ins Wasser. Das sollte Glück und lange Gesundheit gewährleisten.
Der zweite Stopp war vor dem Leymnologischen Museum, in dem die Geschichte und das Besondere dieses Sees an Graphiken und Modellen sehr gut dargestellt ist. Leider waren die Beschriftungen und Erklärungen nur auf russisch. So waren wir auf Waldemars Erklärungen angewiesen. Wer nicht in seiner unmittelbaren Nähe stand, kriegte leider nicht viel mit. Der Besuch hat sich aber sehr gelohnt.
Nach dem Mittagessen bummelten wir im hellen Sonnenschein durch das nahe gelegene Dorf Listwjanka. Vielleicht war es ein Vorzeigedorf, aber den Eindruck machte es eigentlich gar nicht. Aus Filmen über Sibirien hatte ich es nicht anders in Erinnerung. Wir sahen alte und neue Blockhäuser mit bunter Bemalung und Schnitzereien an Fenstern und Giebeln, besuchten eine kleine Kirche, beschenkten bettelnde Kinder, und machten mit jugendlichen Händlern Geschäfte. Es wurden vor allem kostbare Pelze angeboten. Uns begegneten viele andere Touristen, vor allem Deutsche und Amerikaner.
Im Hotel erwarteten uns wieder Kinder und fragten nach Kaugummi, Bonbons, Feuerzeugen und Kugelschreibern. Der Programmpunkt Einkauf in einem kleinen Supermarkt wurde zu einem Erlebnis besonderer Art. Es war nichts in den Regalen. Im Gegenteil wurden einige von uns von Kunden gefragt, ob wir etwas zu verkaufen hätten.
Nach dem Abendbrot wanderten wir auf eine etwa 2½ km entfernte Anhöhe. Dort war ein von Büschen umgebener Aussichtsplatz. Die Büsche waren mit bunten Gebetsfähnchen behängt, die lustig im Winde flatterten. Die Sonne ging gerade unter. Man hatte einen weiten Blick auf den südlichen Teil des Baikal. Leider schoben sich die Wolken vor die Sonne. Über den Bergen hatten sie eine rötliche Färbung angenommen. Der angekündigte Sonnenuntergang fand hinter den Wolken statt. Aber der Abend war sehr stimmungsvoll. Einige konnten mit einem Glas die hier vorkommenden Süßwasserrobben ausmachen.
Ich hatte von Industrieanlagen und qualmenden Schornsteinen gelesen und hielt danach Ausschau, konnte aber von dieser Stelle aus nichts entdecken.
Als wir am darauffolgenden Morgen unsere Nasen an die frische Luft steckten, merkten wir,
dass das Wetter über Nacht umgeschlagen war. Draußen wehte es. Die Wolken hingen tief und Nieselregen hüllte uns ein. Das andere Ufer war nicht mehr zu sehen. Was hatten wir am Vortag doch für ein Glück gehabt.
Nach dem Frühstück fuhren wir ab nach Irkutsk. Auf der Herfahrt hatten wir im Dunkeln nur die von den Autoscheinwerfern angestrahlten Stämme der Birken und Kiefern gesehen. Jetzt sah man die herrlichen Farben des Herbstes. Waldemar nannte es Altweibersommer. Links der Straße schimmerte immer wieder die breite Wasserfläche der Angara durch die Bäume. Rechts war die Taiga. Wir sahen vor allem Birkenwäldchen, dann Kiefernbestände, Bäche, Moore und Wasserflächen. An einigen Stellen waren kleine Siedlungen zu sehen, wo eine Datscha neben der anderen stand. Dort sah es gar nicht ärmlich aus.
Bei dieser organisierten Gruppenreise war im Programm für den Besuch des Baikalsees leider nur ein Tag vorgesehen. Das war viel zu wenig. Es reichte aber gerade, um einen kleinen Eindruck zu bekommen.
Eine Reise zum Baikal lohnt sich unbedingt. Man sollte sich nur mehr Zeit mitnehmen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-07 17:08:45 mit dem Titel Irkutsk war Ort der Verbannung
Direkt vom Baikalsee kommend fuhren wir zum Mittagessen in das Intourist-Hotel von Irkutsk. Dort konnte man Postkarten und Briefmarken kaufen. Wir schrieben einige Karten.
IN IRKUTSK
Nach dem Mittagessen war eine Stadtrundfahrt angesagt. Es hatte sich richtig eingenieselt. Die Temperaturen lagen bei +5°C. Die Straßen waren voller Pfützen.
Wir hielten zuerst an der Erlöserkirche. Sie war verschlossen und sah aus, als sei sie lange außer Betrieb. Dahinter befand sich ein Ehrenmal für die Gefallenen des großen Vaterländischen Krieges 1939 - 1945. Schüler hielten die Ehrenwache. Alle 15 Minuten war Wachablösung im Paradeschritt.
Irkutsk hat etwa 450 000 Einwohner. Es gibt viele schöne Jugendstilhäuser, an denen der Zahn der Zeit aber ganz kräftig genagt hat. In einem anderen Teil der Stadt sahen wir alte Holzhäuser mit hübschen Fenstern und kunstvoll geschnitzten Dachsimsen. Viele von ihnen waren, da sie auf Thermafrostboden gebaut waren, etwa 1 m ins Erdreich abgesackt.
Das Dekrabisten-Museum war leider geschlossen. Die Dekrabisten (Dezemberleute) waren Revolutionäre des russischen Aufstandes von 1825. Sie waren zum Teil sehr gebildet. Der Zar hatte sie nach Sibirien verbannt. Einigen folgten die Ehefrauen in die Verbannung.
Die Häuser in der Umgebung des Museums hatten offenbar kein fließendes Wasser, denn ganz in der Nähe befand sich an der Straße eine Wasserstelle.
Beim Besuch der Inkarnationskirche zündeten einige von uns eine Kerze an. Draußen vor der Kirche zeigte unser Führer uns unter anderem die Dekabristengräber und erklärte die Geschichte der dort Begrabenen.
Anschließend fuhren wir zurück in die Stadt. Dort schlenderten wir durch ein Kaufhaus mit vielen leeren Regalen und durch einige Buchhandlungen. Nur der Obstmarkt hatte ein reichhaltiges Angebot.
Wegen des Regens wollten wir zurück ins Hotel. Wir liefen kreuz und quer durch die Stadt und machten entsprechende Umwege. Bei gutem Wetter muss es am Ufer der Angara wunderschön sein. Wir mussten öfter nach dem Weg fragen. Obwohl wir niemanden verstanden, kamen wir aber gut dort an. Einige aus unserer Gruppe gingen in ein Cafe, doch vor der Theke war eine Schlange von 20 bis 30 Personen. Einige hatten eine Flasche Wodka gekauft. Der war rationiert. Pro Person und Monat gab es 2 Flaschen.
Nach dem Abendessen brachte uns der Bus zum Flughafen, von wo es nach Bratsk weiter gehen sollte.
FAZIT
Das war nur ein Kurzbesuch wie er im Buche steht. Nirgends hatten wir viel Zeit. Aber bei dem Wetter war uns das ganz recht. Ich empfehle einen großzügigeren Zeitplan. Es lohnt sich.
15 Bewertungen, 2 Kommentare
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20.03.2002, 10:18 Uhr von aroza
Bewertung: sehr hilfreichman spart sich quasi den reiseführer... habe bei meinen berichten ürbigens noch einen linktipp zu einer sibirischen rezeptsammlung - für die gourmets!
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07.03.2002, 18:17 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichauch wenn es nebensächlich ist, dass der wodka rationiert ist hab ich auch noch nicht gewusst!
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