Sinai Testbericht

Sinai
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Erfahrungsbericht von templerthomas

Wieder sicher zu bereisen!

Pro:

s.Bericht

Kontra:

s.Bericht

Empfehlung:

Ja

Auch bzgl. Ägypten wird mein Bericht mehr politischer den reisetechnischer Natur. Sonst gäbe es hier schon lange einen Ägypten Bericht. Ein Land das man einmal im Leben auf jeden Fall richtig bereist haben muss - ich hab aber noch Zeit...

Derzeit entscheidet sich derweil in Libyen das Schicksal der 600 000 Einwohner von Bengasi die es wagten im Reiche Gaddafis für Freiheit und Demokratie zu kämpfen. Gaddafis Mörderbandeneinmarsch wurde noch verhindert und so ein Gemetzel das Herr Westerwelle wohl "staunend" betrachtet hätte. Ein ewiger Schandfleck der deutschen Politik das man 600 000 Menschen ihrem Mörder ausgeliefert hätte, so wie 1 Million Tutsi damals 1994. Menschenleben gehen vor!

Ägypten ging es gewaltloser ab und ist jetzt friedlich. Deswegen sollte kein yopi Leser aus politischen Gründen den Sinai meiden. Ich möchte euch mit diesem Artikel die Angst davor nehmen und euch motivieren den Sinai zu besuchen.

Ich war nur einen Tag in Ägypten und zwar im Rahmen einer Israel/Palästina Reise zu meiner Studiumzeit. Die Kombination war möglich da Ägypten zu den wenigen Ländern gehört bei der ein israelischer Stempel nicht zu Einreiseproblemen führt. Wir besuchten damals Beduinen auf der Halbinsel Sinai. Die bieten dort Kameltouren an. Das interessierte unsere Gruppe weniger. Wir waren dort nachdem wir die israelische Wüste besucht hatten.

Politisch ist der Sinai erst seit 1982 wieder ganz bei Ägypten. Im Sechstagekrieg hatten die Ägypter zunächst den ganzen Sinai an Israel verloren. Die Pflanzenwelt in dem Teil des Sinai den wir bereisten war von Ginster, Akazien und Kapernbüschen geprägt. In Oasen gibt es auch Palmen.
Sharm El-Sheikh ist der Hauptgrund auf den Sinai zu kommen. Für uns war es wie erwähnt lediglich ein Besuch mit Beduinen. Den habe ich sehr positiv in Erinnerung. Wir trafen uns in einem Zelt und wurden fürstlich bewirtet. Die Wüste muss einem natürlich zusagen. Ich bin kein 100% Freund dieser Landschaft. Die Sandsteinformationen haben aber durchaus ihren Reiz. Auch der Kontrast von Ginster auf Sand blieb mir in Erinnerung. Reisetechnisch ist der Sinai gut von Israel aus zu besuchen, es gibt eine direkte Strasse von Eilat. Wir hatten eine gute Reisezeit. Im Sommer sollte man auf keinen Fall in den Sinai in die Wüste gehen - da kann man sich gleich auf einen Grill legen. Mein sehr bescheidener Tipp für alle die sich überlegen ob sie Urlaub bei den Beduinen machen wollen - tut es. Die Beduinen sind sehr freundliche und offene Menschen.

Also ab auf die Halbinsel Sinai :-)

Mein Ägypten Urlaub der fix in meinem zukünftigen Reiseplan verankert ist wird sich auf Kultur und Tauchen/Baden beschränken.

Alle die jetzt Angst haben nach Ägypten zu reisen sollten diese begraben. Das Land ist im Umbruch aber es ist ein friedlicher und positiver Umbruch.

Tunesien war natürlich der Auslöser des sogenannten arabischen Frühlings.
Ägypten kam danach.
In Bahrein wird der friedliche Protest nun gewaltsam unterdrückt und im Jemen ebenso. In Saudi-Arabien und Syrien wurden Demonstrationen schon im Keim erstickt. Und Libyen... dazu komme ich noch.

Vorab sei aber erwähnt dass dieser arabische Frühling weltpolitisch von riesiger Tragweite ist. Bisher speiste sich der Terrorismus immer aus dem Argument der Unterdrückung der Araber und da war auch schwer dagegen zu argumentieren. Die vom Westen unterstützen Diktatoren wie Mubarak stellten sich hingegen als Verteidgungswall gegen Islamisten dar. Das war ein Trugschluss wie sich in Tunesien und Ägypten zeigte.
Die Menschen in Tunesien und Ägypten wollten ihre Freiheit aber nicht - wie von den Diktatoren an die Wand gemalt - islamistische Systeme. In Ägypten zeigt sich nun auch das die so schlecht gemachten Muslim Brüder sich ohne weiteres in die anbahnende Demokratie einfügen.

Die Jugend in den arabischen Staaten will nämlich das gleiche wie die Menschen überall auf der Welt - Frieden, Freiheit, Demokratie...und nicht zu vergessen Arbeit.
Das war nämlich auch eine Haupttriebfeder des Protests. Junge Menschen ohne Perspektive. Junge, ägyptische Wissenschaftler die nach ihrem Studium Drinks an all-inclusive Touristen aus Russland ausschenken durften oder eben arbeitslos waren.
Das muss nicht unbedingt die gleiche Art von Demokratie sein wie wir sie im Westen leben, aber es ist auf jeden Fall eine positive Entwicklung.
Sie zeigt auch das Veränderung nur von unten kommen kann. Veränderungen wie durch den Irakkrieg oder Afghanistan brachten hingegen nichts.

In Tunesien zeigte sich eine moderne, aufgeschlossene und vor allem mutige Jugend die den Protest vorantrug. In Ägypten ebenso.
Die Demonstranten in Ägypten waren übrigens sehr clever und lernten aus der Vergangenheit. Statt im Zentrum zu beginnen wo gleich ein massives Polizeiaufgebot alles erstickt hätte begannen sie in der Peripherie Kairos und zwar am 25. Januar im Arbeiterviertel Nahya. Im Mittelklasseviertel Mohandessin gab es dann schon 6000 Demonstranten aber noch keine Polizisten gegen sie. Auf dem Tahrir-Platz waren es schlussendlich 20.000 und die Polizei war überfordert. Soviele Demonstranten hatten sich in Kairo noch nie auf die Strasse gewagt.
Dem voraus ging übrigens eine lange Planung. So spontan waren die Demos nicht. Fast zwei Jahren hatten sich Tunesier und Ägypter über die Internetplattform Facebook ausgetauscht.
So entwickelte sich ein wichtiger Kontakt zwischen einer oppositionellen Jugendgruppe zu den kampferprobten "Ultras" des Fußballklubs al Ahli. Letztere hatten zwar keine politischen Ziele aber auch viele unzufriedene Jugendliche. Und vor allem Erfahrung in Straßenschlachten mit der ägyptischen Polizei. So sicherten diese bei den Kämpfen auf dem Tahrir-Platz zu Tausenden die Demonstranten.
Weitere Tipps holten sich die Ägypter bei der serbischen Jugendbewegung Otpor.
Es gab sogar Treffen in Serbien von Vertretern der Gruppe des 6. April (einer ägyptischen politischenJugendbewegung). Viele ägyptische Oppositionelle hatten sich aber hinter den Bildschirm zurückgezogen. Facebook war insofern nur ein Mittel, allein auf sich gestellt nützte es nichts. Dann gab es die Proteste in Tunesien und sofort sprachen sich Ägypter und Tunsier untereinander ab. Die fortschrittliche Jugend Tunesiens wurde gegründet und holte sich Tipps von ägyptischen Internet Aktivisten.

Die Demonstranten sowohl in Tunesien als auch in Ägypten riskierten ihr Leben für die Freiheit. Das darf man nicht vergessen. Ich bin voller Hochachtung und Respekt vor diesen mutigen Menschen.
Das Regime schlug brutal zurück und ließ Schlägerbanden auffahren. Diese Bilder prägten sich bei mir ein. Kamelreiter die in die Menge schießen, Ziegelsteine in unglaublicher Anzahl die auf die Demonstranten geflogen kommen und die Gegenwehr. Die Demonstranten flohen nicht sondern hielten stand. Gandhi allein hätte in Ägypten nicht geklappt. Die mutigen Ägypter wehrten sich aber und gewannen so...

Das ist ein Protest, eine Protestbewegung säkularer Menschen. Darum passt sie den Terroristen auch rein gar nicht.
Es gab natürlich auch früher Proteste aber nie diese Massenproteste. Bisher löste die ägyptische Polizei mühelos jeden Widerstand auf. Nach 18 Tagen Protest, Gegenversuchen des Regimes mit Schlägerbanden wieder "Ordnung" zu schaffen und der Weigerung des Militärs gegen das eigene Volk vorzugehen war Mubarak am Ende.

Dazu ein faz.net Zitat:
Einer der Muslimbrüder sagte auf dem Tahrir-Platz, immer habe er geglaubt, Gott habe die Muslimbruderschaft beauftragt, das Regime zu stürzen. Nun aber sehe er, dass Gott damit die säkulare Jugend beauftragt habe. Offenbar müssten die Islamisten bescheidener sein und diese säkulare Jugend als Partner akzeptieren, leitete er daraus ab.

Das klingt doch gut für die Zukunft Ägyptens!
Fazit: sehr empfehlenswert, Ägypten geht den richtigen Weg und der Sinai ist gerade jetzt eine Reise wert !

52 Bewertungen, 14 Kommentare

  • yeppton

    19.04.2011, 06:47 Uhr von yeppton
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schoen berichtet, Lg Markus

  • feliciano2009

    30.03.2011, 21:48 Uhr von feliciano2009
    Bewertung: sehr hilfreich

    interessant...

  • catmum68

    30.03.2011, 21:38 Uhr von catmum68
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreicher Bericht, LG

  • Clarinetta2

    27.03.2011, 17:10 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein persönlicher bericht-gut geschrieben

  • mima007

    27.03.2011, 13:35 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Gruesse, mima007

  • sigrid9979

    27.03.2011, 12:11 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsche einen schönen Sonntag

  • katjafranke

    27.03.2011, 11:44 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße.....Katja

  • anonym

    27.03.2011, 10:31 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    toller Bericht, das Katharinenkloster soll ja voll interessant sein

  • uhlig_simone@t-online.de

    27.03.2011, 10:28 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    einen schönen sonntag, simone

  • cleo1

    27.03.2011, 10:12 Uhr von cleo1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. Wünsche Dir einen schönen Sonntag. LG cleo1

  • morla

    27.03.2011, 03:24 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^^petra

  • leseflippi

    27.03.2011, 01:24 Uhr von leseflippi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Berichtet. Sonnige Grüße aus Gran Canaria - LeseFlippi

  • anonym

    27.03.2011, 01:20 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG und ein schönes Wochenende.

  • Lale

    27.03.2011, 00:19 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß *~*