Stettin Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von maertens
Alte Stadt ohne maritimes Flair
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Viel geblieben ist nicht vom alten Stettin, dennoch hat die Stadt das eine oder andere Highlight zu bieten. Vor allem erhaltene und restaurierte Baudenkmale.
Im Kriege stark zerstört blieb nicht mehr viel übrig von der einstigen Pracht der pommerschen Hauptstadt. Im Ergebnis des Potsdamer Abkommens nach dem Krieg an Polen angegliedert, hatte man anders zu tun, als sich um die nicht zerstörten alten deutschen Baudenkmäler zu kümmern. Im Gegenteil, alles, was irgendwie an Deutsche erinnerte, ob Schriftzüge, Denkmale etc. wurde gründlich entfernt. Und so sucht man heute noch fast vergeblich nach etwas, was an die deutsche Vergangenheit erinnert. Obwohl die Stadt und ihre Bauten "typisch deutsch" aussehen, merkt man, dass eine andere Lebensweise, ein anders Volk in der Stadt lebt. Inzwischen sind eine Reihe alter Häuser wiederaufgebaut, teilweise sogar liebevoll restauriert. Ich glaube, der Umgang mit der deutschen Vergangenheit der Stadt verändert sich langsam und eine Art Gelassenheit fängt an. Wenn auch nur in sehr sehr kleinen Schritten. Erste Anfänge machte die Stadt auf ihrer offiziellen Internetseite, wo man Bilder aus alten Zeiten zu sehen bekommt: http://www.szczecin.pl/CD/1_de/Widokowki/default_de.htm
In VII. zum VIII. Jahrhundert wurde die Siedlung gegründet, zunächst als slawische Siedlung und war bis 1005 unter polnischer Herrschaft. Danach wechselten sich Dänen und Polen, Pommern, Brandenburger und Schweden ab. Mitte des 12. Jahrhundert siedelten die ersten Deutschen, die Stettin allmählich assimilierten auf grundlegend wandelten. 1243 erhielt Stettin das Stadtrecht, 1272 wurde sie Hansestadt. 1720 wurde Stettin preußisch und Hauptstadt der Provinz Pommern und erlebte ihre wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Der 2. Weltkriegt machte dem jäh ein Ende, und nachdem 1945 die Rote Armee die Stadt eroberte, wurde sie am 5. Juli 1945 in polnische Verwaltung übergeben. Damals waren 60-70 % der Stadt zerstört. Ein schweres Erbe.
Die Stadt macht es den willigen, offenherzigen Touristen nicht gerade leicht. Es gibt keine fremdsprachigen Wegweiser (auch nicht in englisch) und die Museen sind meist nur auf polnische Gäste vorbereitet. Es gibt auch keine klassischen Flaniermeilen, alles ist etwas hektisch, etwas schmuddlig, etwas wackelig. Ein maritimes Flair wird man in der Stzadt vergebens suchen.
Übernachtungsmöglichkeiten gibt es einige, ob ich allerdings im Radisson inmitten eines Neubauviertels überragt von einem hässlichen Glasklotz nächtigen will, ist eher unwahrscheinlich. Aber es gibt im Stadtgebiet einige nette Hotels und Restaurationen, in die empfehlen kann und mitteleuropäischem Standard entsprechen.
Wo liegt nun Stettin (polnisch Szczecin)? Sie liegt Nahe der deutsche Grenze am Oderhaff, beiderseits der Oder, 55 km von der Ostsee entfernt. 417.700 Einwohner hat die Stadt. Sie ist die westlichste Großstadt Polens, und eine wichtige Industrie- und Hafenstadt.
Man gelangt nach Stettin auf der Autobahn A11, oder besser mit der Bahn. Die Diebstahlquote deutscher Automarken jenseits der Grenze ist leider immer noch hoch.
Straßengrenzübergänge sind:
Hintersee - Dobieszyn (Lkw)
Kolbaskowo (Kolbitzow) - Pomellen (Autobahn A11; Pkw, Lkw)
Krajnik Dolny (Nieder-Kränig) - Schwedt (Lkw, Pkw)
Osinòw Dolny (Nieder-Wutzen) - Hohenwutzen (Pkw)
Rosow - Rosòwek (Pkw)
Lubieszyn (Marienhof) - Linken (Pkw, Lkw)
Bahngrenzübergänge:
Szczecin - Gumience - Grambow
Szczecin - Gumience - Tantow
1 Stunde 45 Minuten dauert die Fahrt mit dem Zug von Berlin-Lichtenberg nach Stettin Hauptbahnhof (Szczecin Glowny). Eine Fahrt, auf der es viele zu sehen gibt und die schnell vergeht. Die Ankunft auf dem Bahnhof ist wohl eher abschreckend, aber schon bald läuft man durch freundlichere Viertel.
Sehenswürdigkeiten:
- Peter-und Paulskirche (reicher Ziergiebel)
- Jakobikirche (Kathedrale des Apostels Jakob, durch Bombentreffer stark zerstört, Mittelschiff etwas unschön wiederaufgebaut, Inneres aber sehr sehenswert)
- St. Johanniskirche
- Hafentor
- Königstor
- Mädchenturm (leider sehr ungünstig von einer Hochstraße verschandelt)
- Rathaus
- Schloss der pommerschen Herzöge: Das bedeutendste Bauwerk der Stadt ist am Steilufer der Oder gelegen und schon von weitem sichtbar
Positiv zu verzeichnen ist, dass jede Kirche und jedes Museum geöffnet war.
Museen:
Meeresmuseum (mit imposanter Freitreppe zur Oder hin)
Schloss,
Nationalmuseum,
historisches Museum
Währung: polnischer Zloty (ZL), 1 Euro sind knapp 1 ZL
Bankautomaten sind in der ganzen Stadt zu finden, Verbreitung von Visakarten sehr gut.
Fazit: Stettin ist schon eine kurze Reise wert. Man sollte jedoch mit nicht allzu großen Erwartungen in die Stadt fahren. Länger als einen Tag würde ich nicht empfehlen, dann hat man alles gesehen. Danach lieber weiterfahren an die Ostsee und die wunderschöne Insel Wollin, in die Urwälder und pommersche Landschaft.
Im Kriege stark zerstört blieb nicht mehr viel übrig von der einstigen Pracht der pommerschen Hauptstadt. Im Ergebnis des Potsdamer Abkommens nach dem Krieg an Polen angegliedert, hatte man anders zu tun, als sich um die nicht zerstörten alten deutschen Baudenkmäler zu kümmern. Im Gegenteil, alles, was irgendwie an Deutsche erinnerte, ob Schriftzüge, Denkmale etc. wurde gründlich entfernt. Und so sucht man heute noch fast vergeblich nach etwas, was an die deutsche Vergangenheit erinnert. Obwohl die Stadt und ihre Bauten "typisch deutsch" aussehen, merkt man, dass eine andere Lebensweise, ein anders Volk in der Stadt lebt. Inzwischen sind eine Reihe alter Häuser wiederaufgebaut, teilweise sogar liebevoll restauriert. Ich glaube, der Umgang mit der deutschen Vergangenheit der Stadt verändert sich langsam und eine Art Gelassenheit fängt an. Wenn auch nur in sehr sehr kleinen Schritten. Erste Anfänge machte die Stadt auf ihrer offiziellen Internetseite, wo man Bilder aus alten Zeiten zu sehen bekommt: http://www.szczecin.pl/CD/1_de/Widokowki/default_de.htm
In VII. zum VIII. Jahrhundert wurde die Siedlung gegründet, zunächst als slawische Siedlung und war bis 1005 unter polnischer Herrschaft. Danach wechselten sich Dänen und Polen, Pommern, Brandenburger und Schweden ab. Mitte des 12. Jahrhundert siedelten die ersten Deutschen, die Stettin allmählich assimilierten auf grundlegend wandelten. 1243 erhielt Stettin das Stadtrecht, 1272 wurde sie Hansestadt. 1720 wurde Stettin preußisch und Hauptstadt der Provinz Pommern und erlebte ihre wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Der 2. Weltkriegt machte dem jäh ein Ende, und nachdem 1945 die Rote Armee die Stadt eroberte, wurde sie am 5. Juli 1945 in polnische Verwaltung übergeben. Damals waren 60-70 % der Stadt zerstört. Ein schweres Erbe.
Die Stadt macht es den willigen, offenherzigen Touristen nicht gerade leicht. Es gibt keine fremdsprachigen Wegweiser (auch nicht in englisch) und die Museen sind meist nur auf polnische Gäste vorbereitet. Es gibt auch keine klassischen Flaniermeilen, alles ist etwas hektisch, etwas schmuddlig, etwas wackelig. Ein maritimes Flair wird man in der Stzadt vergebens suchen.
Übernachtungsmöglichkeiten gibt es einige, ob ich allerdings im Radisson inmitten eines Neubauviertels überragt von einem hässlichen Glasklotz nächtigen will, ist eher unwahrscheinlich. Aber es gibt im Stadtgebiet einige nette Hotels und Restaurationen, in die empfehlen kann und mitteleuropäischem Standard entsprechen.
Wo liegt nun Stettin (polnisch Szczecin)? Sie liegt Nahe der deutsche Grenze am Oderhaff, beiderseits der Oder, 55 km von der Ostsee entfernt. 417.700 Einwohner hat die Stadt. Sie ist die westlichste Großstadt Polens, und eine wichtige Industrie- und Hafenstadt.
Man gelangt nach Stettin auf der Autobahn A11, oder besser mit der Bahn. Die Diebstahlquote deutscher Automarken jenseits der Grenze ist leider immer noch hoch.
Straßengrenzübergänge sind:
Hintersee - Dobieszyn (Lkw)
Kolbaskowo (Kolbitzow) - Pomellen (Autobahn A11; Pkw, Lkw)
Krajnik Dolny (Nieder-Kränig) - Schwedt (Lkw, Pkw)
Osinòw Dolny (Nieder-Wutzen) - Hohenwutzen (Pkw)
Rosow - Rosòwek (Pkw)
Lubieszyn (Marienhof) - Linken (Pkw, Lkw)
Bahngrenzübergänge:
Szczecin - Gumience - Grambow
Szczecin - Gumience - Tantow
1 Stunde 45 Minuten dauert die Fahrt mit dem Zug von Berlin-Lichtenberg nach Stettin Hauptbahnhof (Szczecin Glowny). Eine Fahrt, auf der es viele zu sehen gibt und die schnell vergeht. Die Ankunft auf dem Bahnhof ist wohl eher abschreckend, aber schon bald läuft man durch freundlichere Viertel.
Sehenswürdigkeiten:
- Peter-und Paulskirche (reicher Ziergiebel)
- Jakobikirche (Kathedrale des Apostels Jakob, durch Bombentreffer stark zerstört, Mittelschiff etwas unschön wiederaufgebaut, Inneres aber sehr sehenswert)
- St. Johanniskirche
- Hafentor
- Königstor
- Mädchenturm (leider sehr ungünstig von einer Hochstraße verschandelt)
- Rathaus
- Schloss der pommerschen Herzöge: Das bedeutendste Bauwerk der Stadt ist am Steilufer der Oder gelegen und schon von weitem sichtbar
Positiv zu verzeichnen ist, dass jede Kirche und jedes Museum geöffnet war.
Museen:
Meeresmuseum (mit imposanter Freitreppe zur Oder hin)
Schloss,
Nationalmuseum,
historisches Museum
Währung: polnischer Zloty (ZL), 1 Euro sind knapp 1 ZL
Bankautomaten sind in der ganzen Stadt zu finden, Verbreitung von Visakarten sehr gut.
Fazit: Stettin ist schon eine kurze Reise wert. Man sollte jedoch mit nicht allzu großen Erwartungen in die Stadt fahren. Länger als einen Tag würde ich nicht empfehlen, dann hat man alles gesehen. Danach lieber weiterfahren an die Ostsee und die wunderschöne Insel Wollin, in die Urwälder und pommersche Landschaft.
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