Südtirol Testbericht

Suedtirol
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Erfahrungsbericht von Allgäuer

Der direkte Weg nach Südtirol - Timmelsjoch - Passeiertal

Pro:

sagenhafte Landschaft, Natur, Sport- und Freizeitangebot

Kontra:

in der Saison teilweise rettungslos überlaufen

Empfehlung:

Ja

Motorradfahren ist eines meiner liebsten Hobbies. Nach der Geburt unserer Tochter war das zunächst einmal nur noch Nebensache und als dann so kurz aufeinander noch einmal 2 prächtige Kinder in unser Leben traten hatte ich zwar noch ein motorisiertes Zweirad, das wurde allerdings fast nur für Fahren zur Arbeit genutzt.

Eines Tages fuhr mein Nachbar mit einem 125er-Roller vor, da er nur den Führerschein Klasse 3 gemacht hatte. Eine Probefahrt machte mir deutlich dass dieser Roller zwar ein Stadtflitzer ist, aber durchaus auch für Überlandfahrten geeignet ist.

Schnell ist die Idee gereift eine Rollertour über die Alpen zu unternehmen. Ende Juli, das Wetter war herrlich, genehmigten wir uns ein verlängertes Wochenende um nach Südtirol zu fahren. Als Ziel nahmen wir uns den Klaterer See vor. Los gings früh um 6.00 Uhr in der Nähe von Kempten nach Pfronten, durch die Enge ins Thannheimer Tal, den Gaichtpass hinunter und rechts ab ins Lechtal. Ganz schön frostig als wir durch die Nebelschwaden hinauf zum Hahntennjoch fuhren aber eine gigantische Stimmung entschädigte uns dafür als die Sonne über die Berge kam. Auf über 2000 m Höhe legten wir unsere erste Pause ein und genossen die wärmenden Strahlen und den herrlichen Blick.

Aber schon juckte uns wieder die Gashand und wir düsten hinunter nach Imst und weiter Richtung Ötztal. Wie ausgestorben waren die Orte, durch die wir fuhren. Hin und wieder war ein Auto das schon so früh unterwegs aber wir konnten ungestresst von starkem Verkehr die herrliche Landschaft geniessen. Bald lag Sölden hinter uns und an der Abzweigung nach Obergurgl hielten wir kurz an um zu überlegen ob wir einen Abstecher dorthin machen sollten, wo wir uns vor kurzer Zeit noch beim Skifahren vergnügt hatten. Ein herrliches Panorama boten die noch dunklen Ötztaler Alpen mit der 3774 m hohen Wildspitze vor dem schon beleuchteten Himmel. Aber wir wurden uns schnell einig, Rollerfahren macht so viel Spass, dass wir einfach nur weiter wollten nach Südtirol ,wo wir auf höhere Temperaturen hofften.

Am Timmelsjoch an der Mautstelle zahlten wir unsere (ich glaube 9 €) Maut und weiter gings bis zur Passhöhe. Dort war es Zeit für ein zweites Frühstück. Der Kaffe war nur mittelmäßig, aber der Heidelbeerpfannkuchen allein war die Fahrt schon wert.

Nach etwa einer Stunde sassen wir wieder auf dem Bock. Wir passierten einen Tunnel und schon in der dunklen Röhre sahen wir, dass am Ende des Tunnels nicht nur Licht war, sondern ein gigantischer Blick hinunter ins Passeiertal. Stop, Fototermin. Helmut vor dem Roller und der hohen Kreuzspitze, dann ich mit meinem Helixle und Blick nach Süden. Hier war es schon italienisch und wir schwangen uns durch die Kurven hinunter nach Moos. Nur ein paar Mal mußten wir anhalten um die beeindruckende Bergwelt um den alles überragenden Hochfirst für die Daheimgebliebenen auf Zelluloid zu bannen.

In Moos waren unsere Tanks leer – und die einzige Tankstelle zu. Also entschlossen wir uns zu einer kleinen Pause bis wir wieder Sprit bunkern konnten, genossen die angenehme Wärme und ließen uns von der südtiroler Sonne so richtig aufheizen. Dann düsten wir weiter hinunter nach St. Leonhard. Dort ist die Heimat Andreas Hofers. Wer Interesse an der Geschichte Südtirols hat sollte das kleine Museum dort besuchen.

Ab hier war es allerdings vorbei mit geringem Verkehrsaufkommen und ungestörtem Kurvenwedeln. Wir befanden uns plötzlich mitten im Touristengebiet und das in der Hochsaison. Zäh ging es weiter durch den kleinen Touristenort hindurch Richtung Meran. Trotz der Wendigkeit unserer Gefährte ging es nur langsam vorwärts. Die Sonne brannte uns auf den Helm und die Lederjacke, vor ein paar Stunden noch fast zu dünn, wurde zur Qual. Wir entschlossen usn spontan nicht an den Kalterer See zu fahren, sondern entgingen dem Stau – wenigsten ein kleines Stückchen, indem wir noch vor Meran rechts nach Tirolo abbogen, wo in prächtiger Landschaft das Schloß Tirol vom Berg heruntergrüßt.

Am Ende des Passeieertales hielten wir erneut an um die weitere Strecke zu beraten. Wir entschlossen uns Südtirol zu verlassen und weiter ins Trentino zu fahren. Doch das wird ein weiterer Bericht. Das Wetter ist kalt aber die sonne scheint und der uwbiker muß sein Bike für die kommende Saison fertig machen.

Ach ja, mein Fazit hätte ich beinahe vergessen:
Schöne Strecke für stressfreies Fahren, gerade mit schwächeren Zweirädern (und wie wir gesehen haben, sogar für Fahrräder) geeignet. Tolles Panorama nach jeder Kehre und relativ stabile Wetterlage.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 00:40:55 mit dem Titel Wunderbar, traumhaft, gigantisch, sagenhaft, spitze, unvergleichlich

Fortsetzung des Berichts über das Timmelsjoch und das Passeiertal:

Am Ende des Passeiertales hielten wir an um zu entscheiden wie wir weiterfahren sollten, denn um nur an den Kalterer See zu fahren war es noch zu früh am Tag und außerdem war uns an der Etsch entlang einfach zu viel Trubel. Also bogen wir rechts ab nach Lana und über den Gampenpass( Passo Palade) kamen wir ins Trentino, das Bikerparadies schlechthin. Zuvor genossen wir allerdings auf der Passhöhe (1512m) noch einen besonders guten Cappuccino. Jetzt war erst einmal die Karte gefragt, denn so war unsere Tour ja gar nicht geplant gewesen.

Wir entschlossen uns über Fondo am Lago di Giustina vorbei durch das Nonstal zunächst bis Tuenno zu fahren und von da aus hinauf an den Lago di Tovel. Dort wollte ich immer schon einmal hin, aber der See liegt einfach zu weit von den großen Reiserouten entfernt. Heute sollte es klappen. Dieser See ist, von Tuenno aus, nur über eine Straße zu erreichen, die 11 km weit steil durch ein schroffes, scheinbar unberührtes Gebiet zu führt. Mir fehlen die Worte um diese Landschaft zu beschreiben, das muß man einfach erlebt haben. Die Fahrt führt durch wildes, hochalpines Gelände in dem man sich auf einem kleinen Roller ganz mickrig vorkommt. Die Steigung von bis zu 20% läßt unsere Fahrzeuge ganz schön keuchen und nur mühsam gings bergauf, bis zum gebührenpflichtigen Parkplatz. Ende der motorisierten Welt!

Zu Fuß erkundeten wir dann die Gegend, an ein Paar Souvenierkiosks vorbei zum See, der auch Lago Rosso genannt wird. Diesen Namen hat er bekommen, weil in diesem Gewässer eine seltene Alge wächst, die zur Blütezeit den ganzen See für ein paar Tage oder sind es gar Wochen, rot färbt. Dieses Schauspiel konnten wir leider nicht erleben, aber auch so ist dieser Bergsee den Abstecher von Tuenno aus allemal wert und den Lago Rosso in seiner schönsten Färbung haben wir als Postkarte nach Hause geschickt. Wegen dicker Gewitterwolken und leichtem Tröpfeln brachen wir unseren Besuch am See ruckartig ab, rollerten wieder zurück hinunter in das Val di Non, eines der größten Obstanbaugebiete in Norditalien, und orientierten uns weiter Richtung Süden um irgendwo eine preiswerte Unterkunft zu bekommen. Da es den Berg hinunter wieder viel schneller lief konnten wir auch auf die Regenkombis verzichten. Wir ließen die Gewitterwolken einfach hinter uns.

Also Gas gegeben, aber vorsichtig, denn wir mußten immer wieder auf die herrliche Landschaft achten. Es eröffneten sich nach jeder Kurve jedes Mal neue Ausblicke auf die beeindruckende über 3000 m hohe Brenta, die dominant über dem Nonstal stand und das Skigebiet der Paganella auf der anderen Seite. Wir näherten uns allmählich dem Molvenosee. Dort war aber nicht, wie erwartet, der schöne See vorhanden, den ich von Postkarten her kannte. Wenig Wasser und eine breite Schlammkrawatte machten den Ort und den See unattraktiv. Der Molvenosee ist nämlich ein Stausee und von den angeblichen 4 km Länge war wegen des geringen Wasserstandes kaum etwas zu sehen. Da entschädigte auch nicht die üppige Vegetation die hier die Strasse säumt. Schnell fuhren wir auf der für Autos relativ schmalen Strasse weiter, die sich kurvenreich aber übersichtlich und meist mit brauchbarem Strassenbelag nach Süden schlängelte.

Bekannte Namen standen auf den Ortsschildern. Ponte Arche ein bekannter Badeort wurde passiert und plötzlich fanden wir ein Hinweisschild: Riva del Garda 22 km. Da gab es kein Halten mehr. Abends so gegen 18.00 Uhr standen wir in Riva, sahen auf den Gardasee und überlegten wo wir übernachten sollten. Überall Stau, viele Leute und Schilder mit der Aufschrift Completo und höchstes Preisniveau erleichterte uns die Entscheidung zur Weiterfahrt.

Nach kurzem Kriegsrat an der Tankstelle orientierten wir uns, zwischenzeitlich einigermassen müde und mit abnehmender Begeisterung, zum Valle di Ledro. Schließlich waren wir bereits mehr als 12 Stunden unterwegs und hatten schon über 400 km Fahrtstrecke in den Sitzmuskeln. Am Ledro See erwarteten wir günstigere Zimmerpreise und weniger Trubel. Na ja! Letztendlich schlugen wir unsere Dackelgarage an einem Campingplatz am Ledrosee auf, rollten die Isomatten aus und schliefen nach einer gut belegten Pizza und due mezzo litro rosso ein, bevor der Reißverschluß am Schlafsack richtig zu war.

Der nächste Morgen entschädigte uns schnell für die harte Nacht mit einem herrlichen Sonnenaufgang und einem erfrischenden Bad im angenehm kühlen Ledrosee. Ruck Zuck war das Zelt verpackt und nach einer Tasse Kaffee im Stehen fuhren wir gleich los nach Westen. Unser Ziel war zunächst der Lago d´ Idro. Dann wollten wir weiter und es reizte uns mit den kleinen Rollern über das Stilfser Joch zurück in Richtung Heimat zu fahren. Wir hatten Glück, denn bei äußerst geringem Verkehsaufkommen schlängelten wir uns durch das Ledrotal, zwischen steilen Felswänden links und dem Fluß rechts ging es flott vorwärts und nur einige Baustellen behinderten unseren Schwung.

Bei den Abzweig zum Tremalzo-Pass waren wir uns zunächst nicht einig, aber ich ließ mich von meinem Begleiter überzeugen, dass ein alter Militärpass, der zum Teil auch heute noch nicht besfestigt ist, die für zwei Rollerfahrer eher nicht ist. Bei Storo mündeten wir auf die SS 237, auf der wir ein paar Kilometer weiter südlich am Lago d´Idro endlich eine Trattoria fanden, die von der Terrasse aus einen sagenhaften Ausblick auf den See und die umliegende Bergwelt gewährte. Das war genau der richtige Platz um zu frühstücken.

Wenn man es genau nimmt, dann habe wir das Trentino bereits vor wenigen Kilometern verlassen, deswegen endet mein Bericht hier vorläufig, d.h. Fortsetzung folgt. Der Vollständigkeit halber aber noch einige Informationen über das Trentino allgemein:

Das Trentino ist die südlichste Alpenregion zwischen den Dolomiten und dem Gardasee. Es handelt sich um ein besonders attraktives Urlaubsgebiet, weil eine abwechslungsreiche Landschaft mit sehr guter verkehsmäßiger Erschließung, interessanten Freizeit- und Sportangeboten sowie geschichtlich und kulturell interessanten Orten kombiniert ist. Darüberhinaus zieht das milde Klima des südlichen Tentino viele Besucher an. Trento ist die Regionshauptstadt und bietet für den Besucher durch seine zentrale Lage den idealen Ausgangspunkt für alle möglichen Unternehmungen.

Obwohl das mit unserer Tour nichts zu tun hat will ich einfach in loser Reiehnfolge einige Namen nennen , die weltbekannt sind und die die touristische Bedeutung der Region unterstreichen, egal ob es sich dabei um Berge, Bergmassive, Täler, Touristenorte oder Flüsse handelt:

Madonna di Campiglio, Val di Sole, Mezzolombardo, Brenta, Ponte Arche, Tremalzo, Monte Baldo liegen westlich der Etsch. Valle di Cembra, Cavalese, Latemar, Sella, Marmolada, Levico Terme, Lago die Caldonazzo und Rovereto sind auf der anderen Seite und laden zu vielen schönen Reisen ein.

Fazit: Das Trentino ist ein besonders interessantes Urlaubsgebiet für alle Zweiradfahrer. Hier treffen sich Motorräder, Rennräder und Mountainbikes und für jeden ist etwas außergewöhnliches dabei. Wassersport in allen denkbaren ausprägungen ist hier genauso möglich wir Bergwandern, Klettern in hochalpinem Gelände, Drachen- und Gleitschirmfliegen, Kuren, oder Wintersport. Der kulturinteressierte Besucher kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Unsere Rollertour hatte im Trentino bisher ihren landschaftlichen und fahrerischen Höhepunkt am Lago die Tovel.

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