Mehr zu Teneriffa Testbericht

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Erfahrungsbericht von rofis

Rund um den Vulkan

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Abflug um 6:00 Uhr, also fast mitten in der Nacht. Der Pilot scheint auch müde zu sein, jedenfalls starten wir mit einiger Verspätung vom Flughafen Stuttgart in Richtung „Islas Canarias“, genauer gesagt: Tenerife, umgangssprachlich auch Teneriffa genannt. Gute vier Stunden Flug trennen uns noch vom „ewigen Frühling“.
Nach Frühstück und Bordprogramm (und einem kleinen Schläfchen) erreichen wir Lanzarote, überfliegen Fuerteventura, um dann scharf nach rechts abzubiegen und vorbei an Gran Canaria den Flughafen Tenerife Sur (Reina Sofia) anzusteuern. Der Teide, mit seinen mehr als 3700m Höhe Spaniens höchster Berg, ist schon lange vor Erreichen der Insel zu sehen, majestätisch hebt er sein Haupt aus einigen Wolken, die unterhalb seines Gipfels am Hang hängen.
Der Anflug führt uns in einer weiten Rechtskurve über das Meer von Süden her zur Landebahn und ermöglicht es uns, erste eindrucksvolle Bilder der Insel zu erhaschen.

Leider zieht sich das Warten auf die Koffer etwas hin, in der Zwischenzeit vielleicht einige Daten über unser Urlaubsziel:

Teneriffa ist die größte der kanarischen Inseln (Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, El Hierro, La Palma, La Gomera und noch einige kleinere Inselchen gehören auch dazu), hat etwa 700 000 Einwohner und über 150 000 Gästebetten. Die Hauptstadt der Insel ist das im Norden, am Fuße des Anaga-Gebirges am Meer gelegene Santa Cruz de Tenerife mit über 200 000 Einwohnern.
Klimatisch wird die Insel durch den Gebirgszug des Teide in zwei unterschiedliche Zonen eingeteilt: im Süden ist es eher heiß und trocken (weswegen sich hier auch die meisten Bettenburgen befinden), während der Norden fast schon Regenwälder aufweisen kann. Nicht weil es dort dauernd regnet, sondern weil oft Wolken in und an den Bergen hängen, deren Feuchtigkeit den Pflanzen zu ausgezeichneten Wachstumsbedingungen verhilft.
Die Inseln liegen einige 100 km westlich der afrikanischen Küste, so ungefähr auf der geographischen Breite der Sahara. Dieser Lage verdanken sie ihr recht ausgeglichenes Klima, eben den schon erwähnten „ewigen Frühling“.
Und dieses Klima war es, was uns bewogen hat, der Kälte des Nordschwarzwaldes mit seinen Schneebergen an den Straßenrändern in Richtung zur Sonne des Südens zu entfliehen.

Na, endlich sind die Koffer da, wir verlassen den Gepäckbandbereich und suchen unseren zuständigen Reiseleiter, um ihm mitzuteilen, dass wir auf seine weiteren Dienste verzichten werden, denn wir haben einen Mietwagen ab Flughafen gebucht und vermeiden so den toutistischen Viehtransport zum Hotel in Puerto de la Cruz, so etwa 90 km vom Flughafen entfernt.

Nach einigem Suchen finden wir dann auch den Vertreter der Mietwagenfirma (Avia Cars), der uns zu einem goldfarbenen Renault Clio geleitet. Das gute Stück soll uns also in den nächsten Tagen zu vielen interessanten Punkten der Insel bringen. Es macht einen ganz ordentlichen Eindruck, die Reifen sind nicht zu abgefahren, Klimaanlage und Radio sind vorhanden, Beulen keine zu entdecken.

Die Formalitäten sind schnell erledigt, Kaution wird keine verlangt, ein paar Liter Sprit sind noch im Tank. Nichts hindert uns mehr, den geschäftigen Flughafenparkplatz zu verlassen.
Schnell erreichen wir die Autobahn, die wir in südlicher Richtung befahren, um die Bettenburgen möglichst schnell hinter uns lassen zu können.
Bereits zuhause haben wir uns eine Strecke überlegt, auf der wir nach Puerto Cruz fahren wollen. Sie führt nicht nur auf Hauptstraßen um die Südwestecke der Insel herum und soll uns erste Einblicke in die Eigenheiten der Insel bringen.

Die Autobahn endet in der Nähe von Adeje, wird dort zu einer „Hauptstraße“, der wir über Guia de Isora (hier soll es ordentlichen Wein geben...) bis Chio folgen. Ab hier geht es auf einer wenig befahrenen Straße am Hang des Teide entlang, mit tollen Ausblicken zum Meer und auch zum Berg, nach Santiago del Teide. Die Straßen sind bisher durchweg gut ausgebaut und in einem sehr ordentlichen Zustand. In Santiago wagen wir uns erstmalig an eine Tankstelle und sind freudigst überrascht: ein Liter Sprit kostet ganze 60 Cent. Na, da können wir ja fröhlich drauf los fahren.

Kurz hinter Santiago del Teide windet sich die Straße einen Berg hinauf und eröffnet einen phantastischen Blick auf den Teide. Ein paar Kilometer weiter erspähen wir die berühmte Passatwolke, die die ganze Küste in Nebel taucht. Gottseidank sind wir (noch) so hoch, dass sie uns nicht erreichen kann. Wir passieren ein Kamellager, das einzige, das wir auf der Insel gefunden haben. Was tut man nicht alles für die Touristen...

Jetzt, kurz vor der Stadt El Tanque, wird die Straße richtig schlecht, verdient diese Bezeichnung eigentlich nicht mehr. Aber fleißige Hände sind schon dabei, diesen Zustand zu beenden und eine neue Asphaltdecke aufzubringen. Unser Clio übersteht auch diesen Härtetest klaglos und steuert jetzt den Mirador de Garachico an, von dem aus auch die Passatwolke ihren Schrecken verloren hat und der uns einen grandiosen Blick über die Küste und das Städtchen Garachico bietet.

In steilen Serpentinen windet sich die Straße den Hang hinunter und eröffnet in schneller Folge phantastische Aussichten. Nach kurzer Zeit erreichen wir Garachico, wo wir unseren Gelüsten nach einer ersten Begegnung mit der kanarischen Küche nachkommen wollen. Es ist ja auch zufälligerweise gerade Mittagszeit (gute Planung der Strecke ;-)).

Direkt am alten Hafen finden wir ein nettes Restaurant, die „Casa Gaspar“, mit einer allerlei köstliches Meeresgetier enthaltenden Vitrine. Die Speisekarte enthält eine vielversprechende Auswahl an kleineren Vorspeisen - gerade das Richtige für uns.
Es stellt sich dann schnell heraus, dass wir eine gute Wahl getroffen hatten: die Speisen waren vorzüglich, wenn auch nicht ganz billig. Verschiedene Arten von Tintenfisch (eine zarter als die andere, nichts von den gummiartigen, in fetten Brotkrümeln versteckten Ringen, die man bei uns allenthalben bekommt), Muscheln in unterschiedlichen Zubereitungen, kurz. ein Fest für den Meeresfrüchte liebenden Gaumen. Der einheimische Wein stellt sich als recht ordentlich heraus, begleitete unsere Vorspeisenorgie perfekt. Leider musste ich das meiste selbst trinken, weil meine Frau ja schließlich fahren musste...

Wohlig gesättigt setzten wir unsere fahrt nach Puerto de la Cruz fort, passierten die Stadt Icod de los Vinos mit ihrem berühmten tausendjährigen Drachenbaum, erreichten schließlich San Juan de la Rambla und Los Realejos. Hier begann dann wieder eine autobahnähnlich ausgebaute Straße, die uns an La Orotava vorbei schnell zu unserem Ziel brachte.

Die Landkarte hatte uns gezeigt, welche Autobahnausfahrt wir benutzen müssen, um möglichst einfach zu unserem Hotel zu gelangen. Das Hotel „Orotava Palace“ liegt oberhalb des vom Architekten Cesar Manrique gestalteten Martianez-Bades mit seinen Meerwasserschwimmbecken, direkt gegenüber des Martianez-Einkaufszentrums. Die Straße führte uns praktisch direkt hin, wir konnten gar nicht falsch fahren.

Unser Zimmer (eine Mini-Suite) liegt im 12. Stock des Hotels, verfügt über einen Wohnraum und einen Schlafraum und eine riesige Terrasse. Auf dieser prangt das Stück, weswegen wir gerade dieses Hotel ausgewählt hatten: der Whirl-Pool. Eine schöne Vorstellung, abends in der lauen Luft auf der Terrasse im Pool zu sitzen und sich vom aus den Düsen drängenden Wasser massieren zu lassen...

Im großen und ganzen war das Hotel in Ordnung, das Zimmer sauber und gut eingerichtet, die Büffets morgens und abends bieten eine ausreichende Auswahl, abends wird auf Wunsch auch frischer Fisch zubereitet. Der Service ist schnell und freundlich, kurz: wir haben keinen Grund, uns über irgendetwas zu beklagen.

Über unsere Ausflüge zum Teide gibt es demnächst einen eigene Bericht, hier möchte ich nur kurz unsere Fahrten zu den zwei Gebirgszügen beschreiben, für die es keine eigen Kategorie gibt: das Teno-Gebirge im Südwesten und das Anaga-Gebirge im Nordosten der Insel.

Der erste Blick morgens von der Terrasse aus zum Nordteil der Insel ist vielversprechend: kein Wölkchen trübt den stahlblauen Himmel über der Insel. Schnell bringt uns die Autobahn nach La Laguna, der fast mit Santa Cruz zusammengewachsenen Stadt beim Nordflughafen (Los Rodeos) der Insel. Dort verlassen wir die stark befahrene Trasse und dringen auf einer schmalen, aber gut ausgebauten Straße immer tiefer in den nördlichen Nebelwald (eine Vorstufe des Regenwalds) ein. Das Sträßlein windet sich über Berge, an ihren Hängen entlang, durch Wälder von stark mit Moos bewachsenen Bäumen, bietet oft gigantische Ausblicke über Gebirge und Küste und endet in dem Bergdorf Chamorga. Kurz hinter dem Kirchlein des Ortes finden wir einen Parkplatz (die Größe des Autos erweist sich wieder einmal als vorteilhaft), einer kleinen Wanderung steht nichts mehr im Wege.

Wir steigen den Berg hinauf, zuerst zu einem phantastischen Aussichtspunkt namens „Cabezo del Tejo“ mit einem wirklich tollen Rundblick. Wir haben noch nicht genug und steigen weiter auf bis zum Gipfel des Berges, von wo aus wir zusammen mit einer Gruppe Holländer die Landschaft genießen.

Schnell verabschieden wir uns wieder, klettern denselben Weg wieder ein Stück talwärts und laufen dann über Berg und Tal bis zu einem verlassenen Gehöft in den Bergen. Wir sind jetzt etwa 3 Stunden unterwegs und beschließen, den Rückweg anzutreten. Über Stock und Stein, entlang schmaler, sich am steilen Hang hinziehender Pfade, zum Teil über Felsen kletternd, erreichen wir nach einer weiteren knappen Stunde schließlich wieder Chamorga und unser Auto.

Die Rückfahrt bietet neue Ausblicke in eine wirklich sehenswerte Landschaft - wir waren sicher nicht zum letzten Mal hier. In diesem Urlaub reicht die Zeit nicht aus, nochmals herzukommen - aber es könnte ja wieder ein Urlaub kommen. Der nächste Februar ist ja vielleicht auch wieder nasskalt und unangenehm bei uns...

Ein kurzer Zwischenhalt in El Sauzal mit seinem Weinmuseum vergrößert unser Wissen über die Weine Teneriffas (zumindest das theoretische). Der Angestellte im Verkaufsraum erklärt uns ausführlich und ziemlich umfassend alles, was man seiner Ansicht nach über die Weine wissen muss. Ich bitte ihn, mir eine Auswahl von sechs typischen und guten Weinen zusammenzustellen, was er freudigst zu seiner und meiner Zufriedenheit erledigt.

Ein weiterer Ausflug führt uns in den südwestlichen Teil der Insel: zum Teno-Gebirge. Kurz hinter Santiago del Teide (von Puerto Cruz aus gesehen) biegt die Bergstraße ab und windet sich zunächst in engen Kurven steil auf den ersten Pass. Der Parkplatz ist trotz der frühen Stunde schon gut besucht - kein Wunder, der Blick von dort über die Berge und Schluchten ist wahrlich atemberaubend. Ein paar hundert Meter weiter, ein paar Höhenmeter tiefer, parken wir unser Auto und machen uns auf den Weg zu einer „Finca hinter den Bergen“. Der Pfad führt am Hang entlang, über Grate und Hügel in stetem Auf und Ab bis zu einer Kammhöhe, von der aus man dann noch 250 Höhenmeter zu der erwähnten Finca absteigen kann, so man Lust hat. Uns war nicht danach, wir haben uns damit begnügt die grandiose Aussicht längs des Weges in uns aufzusaugen.

Weiter führt das doch recht schmale Bergsträßchen in Richtung Masca. Das Dorf wird von vielen für das schönste Bergdorf Teneriffas gehalten. Seine Lage ist wirklich toll, aber ob der Superlativ passend ist, sei dahingestellt. Eigentlich sollte man ja jetzt die Schlucht hinunter steigen (und dann wieder herauf...), gilt sie doch als einer der landschaftlichen Höhepunkte der Insel. Wir hatten uns das überlegt, haben aber dann nach reiflicher Überlegung darauf verzichtet, weil mein Arzt mir verboten hatte, mein linkes Bein zu sehr zu beanspruchen. Schade drum, aber man kommt ja vielleicht nochmal her. Und dann...

Wir folgen der Straße, machen an einigen Punkten halt, sind immer wieder überrascht von der landschaftlichen Vielfalt und Grandiosität, laufen auch ab und zu nochmal ein Stückchen. Schließlich erreichen wir Buenavista, von wo aus wir auf einer sehr interessanten Straße (sie darf nur bei gutem Wetter und wenig wind befahren werden) zum letzten Landzipfel dieses Inselteils mit seinem Leuchtturm und einem kleinen Badestrand vordringen. Die hochragenden, teils überhängenden Felswände längs der Straße machen verständlich, warum sie wetterbedingt manchmal gesperrt werden muss.

Eine wirklich tolle Fahrt bietet auch die Höhenstraße vom Teide bis nach La Esperanza. Abwechselnd links und rechts, manchmal beides gleichzeitig, bietet sie Ausblicke zum Westen und Osten der Insel, hinunter nach Puerto de la Cruz auf der einen und in die Täler um Güimar auf der anderen Seite. Wir fahren hinunter und besuchen in Güimar die bekannten Pyramiden, die auf frühe Besucher von jenseits des Atlantiks hindeuten. Thor Heyerdahl war fasziniert von diesen Bauwerken und sah sie als Beleg für die Theorien früzeitiger Seefahrer. Wenn man in der Nähe ist, sollte man den Besuch nicht auslassen und sich über die Geschichte informieren.

Tja, jeder Urlaub geht einmal zu Ende, heute ist es so weit. Unser Clio trägt uns - diesmal über die autobahn - in etwa 1 Stunde zum Südflughafen. Die Abgabeprozedur für das Auto ist simpel und einfach: den Wagen auf dem Parkplatz abstellen und den Schlüssel in einen dafür bestimmten „Brief“kasten werfen - das war´s dann.

Noch ein paar Meter die Koffer in den Flughafen geschleppt, dann stehen wir in der langen Schlange am Abflugschalter und hoffen auf ein gutes Plätzchen im Flieger - und darauf, dass er pünktlich ist.

Tschüss Teneriffa, wir kommen wieder...

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