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Erfahrungsbericht von Prisca

Wo dich keiner hört - Catherine Coulter -- Thriller mit Liebe oder eher Liebe mit Thrill?!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Ihr wisst ja, ich habe urlaub Urlaub und was macht man im Urlaub? Na ja, viel lesen! Darum auch an dieser Stelle noch ein Roman. Ihr merkt schon, ich bin ein Viel- und Gernleser!

Heute soll es um den Roman

WO DICH KEINER HÖRT

von Catherine Coulter gehen.

Wo fange ich an. Aufmerksam geworden bin ich eigentlich durch eine Buchkritik bei Ciao. Und als mir das Buch dann eher zufällig ins Auge fiel ( das Titelbild des Taschenbuchs ist schon etwas merkwürdig: eine Art grünes Labyrinth ist aufgedruckt – nur nicht aus Bäumen, sondern aus Stein oder bemaltem Holz...) habe ich mich sofort erinnert:

Da hast du doch schon mal was von gelesen!

Also habe ich nochmals einen kurzen Blick auf die Rückseite des Buches geworfen – doch das hört sich vielversprechend an. Neben der kurzen Inhaltsangabe steht da noch:

„Solche Bücher sind rar gesät“ – Publisher Weekly und „Dieser Psychothriller hat mich die ganze Nacht wachgehalten. Ein phantastisches Buch“ – The Times.

Na, wenn das nichts ist. Dafür gebe ich sogar mal 9,-- Euro aus.

Zu Hause angekommen, fange ich auch bald darauf an zu schmökern. In dem Roman geht es um die junge FBI-Agentin Lacey Sherlock. Vor sieben Jahren war sie noch eine angehende Starpianistin, als der grausame Mord an ihrer Halbschwester sie völlig aus der Bahn wirft.
Alpträume bestimmen zukünftig ihr Leben – und sie beschließt zu handeln. Sie wird den Mörder ihrer Schwester finden! Sie wird zum FBI gehen und sich Zugang zu den Unterlagen verschaffen und ihn jagen, bis sie ihn endlich zur Strecke gebracht hat....

Ihr Plan gelingt. Sie absolviert die Ausbildung beim FBI mit Bravour. Am Tag ihrer Prüfung bekommt sie mit anderen angehenden FBI-Agenten in einer „Übungsstadt ( eine Stadt, die auf keiner Landkarte existiert – hier wird mit Hilfe von Schauspielern, Freiwilligen usw. geübt, sich in Notsituationen richtig zu verhalten, Verbrecher zu jagen, zu überwältigen, zu verhaften....) die Aufgabe, einen Bankräuber zu fassen.

Lacey entdeckt unter all den „Bewohnern“ der Stadt Dillon Savach ( FBI-Agent, Computergenie, Ausbilder) und beschließt sofort, das nur er am heutigen Tag der „Bösewicht“ sein kann. Sie heftet sich an seine Fersen, überwältigt ihn auch kurz, lässt sich dann allerdings so von ihm verunsichern, das es ihm gelingt, sie in ein Blumenbeet zu stoßen und zu fliehen. Lacey greift zur Waffe und „erschießt“ ihn. Alle sind entsetzt über diesen sinnlosen Mord an einen Unschuldigen – dann stellt es sich heraus: er war tatsächlich der Bankräuber.

Lacey besteht also die Prüfung – und ihr erster Einsatz führt sie zu: Dillon Savich. Er führt eine Spezialabteilung des FBI, die sehr viel Feingefühl und Durchsetzungsvermögen erfordert. Er war von Laceys entschlossenen Auftreten an ihrem Prüfungstag so beeindruckt, das er sie für seine Abteilung anforderte.

Von Beginn an fordert Dillon Lacey voll. Bereits am zweiten Tag ihrer Arbeit nimmt er sie mit zu wichtigen Ermittlungen, die dann auch erfolgreich abgeschlossen werden können.

Dann geschieht etwas! (Etwas, was mir als Leser doch sehr unglaubwürdig erscheint – so ein Zufall!). Eine junge Frau wird ermordet – Dillon und Lacey mit dem Fall betraut – und was stellt sich bei den Ermittlungen heraus? Dieser Mord wurde auf dem Tag genau 7 Jahre nach dem Mord an Laceys Schwester begangen – er wurde auf dieselbe Art begangen....

Lacey fühlt sich am Ziel. Jetzt ist sie endlich dem Mörder ihrer Schwester auf den Fersen.
Und... was schon wieder etwas unglaubwürdig erscheint ( man bedenke: das FBI hat in 7 Jahren keinerlei Hinweis auf ihn gefunden!)... schnell gelingt es Dillons Abteilung, eine Spur zu finden, die direkt zu dem Mörder führt. Man stellt ihm eine Falle – mit Lacey als Köder – denn sie, die sie sich schon seit 7 Jahren mit der Psyche dieses Mannes auseinandergesetzt hat, scheint seine Reaktionen am besten vorhersehen zu können und weiß, wie sie sich verhalten muss.

Ja, das weiß sie wirklich. Sie provoziert ihn so lange, bis er fast durchdreht, dann greift sie zur Waffe, sucht nur einen Grund, ihn zu töten. Der Grund wird ihr gegeben, als Marlin ( so heißt der Mörder) mit einem Messer nach ihr wirft. Sie schließt, verletzt ihn schwer am Bauch er. Sie selbst wird am Arm verwundet.

Ende, aus! *** Nein, so einfach ist das nun wirklich nicht! Denn Marlin ist zwar schwer verwundet, aber er überlebt..... Und damit ist der Roman noch lange nicht zu Ende – im Gegenteil, eigentlich geht es jetzt erst richtig los. Nur, DAS werde ich euch natürlich nicht mehr verraten ( ich weiß, ich bin gemein, aber wenn ihr nun neugierig seit, könntet ihr euch das Buch ja auch kaufen.)

Könntet ihr, habe ich geschrieben. Aber müsst ihr das auch unbedingt tun? Ich werde euch mal verraten, wie ich das Buch empfunden habe.

Ich habe das Buch als Psychothriller gekauft – was es ja auch sein soll. Schlägt man allerdings das Buch auf und liest mal nach, was dort über die Autorin Catherine Coulter steht, findet man folgendes: C.C. hat neben ihren Psychoromanen mehrere erfolgreiche Liebesromane veröffnetlicht.

Das ist es! Jetzt weiß ich endlich, warum mir dieser Roman niemals wie ein wirklicher Thriller vorkam – er hat sehr viele Elemente von einem Liebesroman. Bereits von Beginn des Romans an ist dem Leser eigentlich klar, das es zwischen Lacey und ihrem Chef Dillon mächtig knistert. Das kann ja nun in einem Thriller durchaus auch mal vorkommen – in diesem Buch habe ich aber immer das Gefühl gehabt, als könnte sich C.C. nicht recht entscheiden, ob sie nun einen Liebesroman ODER einen Thriller schreibt – sie versucht, beides miteinander zu verbinden und irgendwie gelingt ihr beides nur halb.

Ich würde nicht sagen, das Buch ist langweilig. Es enthält durchaus spannende Szenen, es ist durchaus psychologisch angehaucht, wie man es von einem guten Psychothriller erwartet. Gespräche zwischen Lacey und Marlin sind wirklich sehr fesselnd. Aber wie gesagt, es sind immer nur kurze Stellen, die in diesem Stil geschrieben sind.

Dann kommen wieder Stellen, in denen eindeutig der Liebesroman überwiegt. Stellen, die vielleicht nicht kitschig zu nennen sind – aber mit Sicherheit lächerlich wirken, ohne das sie sein zu wollen. Ich denke da besonders an eine Stelle. Lacey und Dillon müssen in einem Hotel übernachten. Lacey hat einen Alptraum, aus dem Dillon sie weckt. Er beruhigt sie, bringt sie wieder ins Bett. Sie weigert sich, allein zu bleiben.

** Er lachte. „Also gut, ich sag´dir was. Mir ist auch kalt. Wir könnten uns beide hinlegen, und ich halte dich so lange fest, bis uns beiden wieder warm ist.“ Er wusste, das war keine gute Idee, aber er machte sich Sorgen um sie, und im Grunde genommen wollte er gar nicht über seine Motive nachdenken. Er hatte nichts an außer seinen Boxershorts.....**

Jedenfalls steigt Dillon also zu ihr ins Bett, sie reden, er hält sie im Arm, sie klammert sich an ihn und dann ** “Tut mir leid, Dillon. Oh, du hast ja gar nichts an! Tut mir leid, das habe ich gar nicht bemerkt!“ „Kein Problem, ich trage Boxershorts. Kümmere dich nicht drum. Wann hattest du diesen Alptraum denn zum letzten Mal?“ **

Na, wenn das kein heldenhaftes Verhalten ist. Es geht in diesem Stil noch einige Seiten weiter und dann .... na ja, es kommt eben wie es kommen muss!

**gg** Also, mal ehrlich, ist diese Stelle nun etwas lächerlich für einen Thriller?! Ähnliches gilt dann auch für das „Superende“ – das passt dann eher zu einem Hedwig Courths Mahler Schnulzenroman als zu einem Thriller.

Ansonsten lässt sich das Buch recht einfach lesen, man kann es aus der Hand legen und später wieder zu lesen anfangen, ohne das man den roten Faden verliert. Deshalb würde ich auch sagen: Wenn ihr es lesen wollt, um mal die Langweile zu vertreiben ( im Urlaub, im Schwimmbad) dann mag es ja ganz OK sein. Ein anspruchsvoller Psychothriller ist es jedenfalls nicht.

Deshalb auch mein Fazit zu diesem Buch:
Ich möchte es mal ganz einfach in ein Sprichwort fassen: Dieses Buch ist weder Fleisch noch Fisch ... irgendwas zwischen Liebesroman und Thriller. So richtig begeistern vermochte es mich nicht. Schade um die 9,-- Euro!

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