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Erfahrungsbericht von mima007

C.J. Cherryh: *Der Koboldspiegel*: Einfallsreiche Fantasy

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Caroline Janice Cherryh, eine sehr produktive US-Autorin, schreibt nicht nur Science Fiction-Zyklen, sei es um das Union-Allianz-Universum oder um die Rasse der Chanur, oder Fantasy-Zyklen, z.B. den Morgaine-Zyklus.

Mit ihrer bei uns weiterhin unveröffentlichten Rusalka-Trilogie hat sie ihre Fangemeinde bereits einmal mit den osteuropäischen Sagen und Legenden vertraut gemacht. Diese Tradition setzt sie mit \"Der Koboldspiegel\" fort.

Die geradlinige Handlung beginnt in einem Land namens Maggiar, das dem mittelalterlichen Land der Magyaren gar nicht unähnlich ist. Allerdings wimmelt die Natur hier nur so vor feindlichen Kobolden, tumben Trollen und unheimlichen Gespenstern. Und der Herr der Burg, auf der alles seinen Ausgang nimmt, wird von einem ausgebildeten Magier beraten und beschützt. Alles scheint zum besten bestellt, als eines Morgens der Zauberer den Drang verspürt, seiner Schwester hinter den schützenden Bergen (wo noch mehr Kobolde hausen sollen) einen Besuch abzustatten. Eine Reisepartie mit zwei der Grafensöhne bricht auf, wenig später gefolgt vom dritten Sohn, dem jüngsten, und seinem Hund. Diesen zwei Gruppen folgt die Erzählung im Wechsel, so daß sich eine interessante Spannung und ein kontrastierender Zusammenhang zwischen den beiden Strängen aufbaut.

Kaum hat die Gruppe des Zauberers die Berge überquert, wird sie von kriegerischen Kobolden überfallen und ziemlich dezimiert. Die Grafensöhne sowie der Zauberer sind versprengt, aber am Leben. Als der jüngste Grafensohn eintrifft und auf die Spuren des Überfalls stößt, schwant ihm Schlimmes. Er begenet der jungen Zauberin, die einen Splitter des Spiegels der Koboldkönigin bei sich trägt. Wie der Junge schließlich herausfindet, läßt sich damit die Wirklichkeit durch Gedankenkraft verändern - eine äßerst mächtige Waffe, sofern sie richtig eingesetzt wird. Ernsthafte Zweifel an Elas Kompetenz meldet ein mysteriöser Koboldkrieger an, der zu den beiden stößt. Er berichtet von dem Krieg, den die Koboldkönigin gegen die Menschen und anderen Bewohner des Landes hinter den Bergen führt. Wird es Ela, dem Kobold und ihrem jungen Freund gelingen, ihr gegenseitiges Mißtrauen zu überwinden, um sich schließlich mit vereinten Kräften der Koboldkönigin entgegenstellen zu können? Und werden der Zauberer und die anderen Grafensöhne auf der Seite der Königin oder auf der Seite der Menschen kämpfen?

Diese Fragen sorgen für ausreichend Spannung, um die psychologisch plausibel begründete Handlung voranzutragen, bis es zum überraschenden Showdown kommt. Bis dahin machen alle Beteiligten eine Wandlung ihres Charakters und ihrer inneren Einstellung zur Welt und zu fremden Wesen durch - eine Seltenheit in der Fantasy und daher umso befriedigender. Und da Cherryh den Zauberer die Vorgeschichte dieses Zuges in die Fremde und des Koboldkrieges enthüllen läßt, sorgt sie laufend für Überraschungen - was zu einer Art grimmigem Humor beiträgt, wie er für Cherryhs hartgesottene, realistische Erzählweise typisch ist.

Unterm Strich

\"Koboldspiegel\" ist wegen der Hauptgestalten eindeutig ein Jugendbuch, aber eher ein untypisches, mit einer Botschaft auch für Erwachsene. Die deutsche Übersetzung bringt die Stimmung und den Tonfall des Erzählers gut herüber ins Deutsche.

Michael Matzer (c)2002ff

Info: The goblin mirror, 1992, 398 S., Heyne, München, HSF 060/5378, aus dem US-Englisch v. Norbert Stöbe, DM 16,90.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-21 12:50:50 mit dem Titel C.J. Cherryh: *Chanurs Legat *: Sieg der Katzenartigen (SF)

Die ist der fünfte Roman in Cherryhs Science-Fiction-Zyklus um die löwenartigen Chanur-Aliens: tapfer und treu, aber ein wenig (?) jähzornig.

Die handlung spielt in eineem ausgedachten Weltallteil, der an den der Menschen angrenzt. Daher kommen Menschen nur am Rande (!) vor.

Was die Leute von der Enterprise-Truppe können, kann Caroline Cherryh schon lange: Sie hat \"Die nächste Generation\" für unsere Freunde vom Stern Anuurn geschrieben.

Handlung
°°°°°°°°

Yep, die gute alte Pyanfar Chanur, mit der wir so viele Abenteuer am Rande der Vernichtung - durch Kif-Piraten, menschliche Idioten (Tully), methanatmende Wahnsinnige und undurchsichtige Stsho-Bürokraten - durchlebten, Pyanfar hat die Fackel inzwischen weitergereicht an ihre Nichte Hilfy, die wir schon in den letzten Bänden der Chanur-Tetralogie kennenlernen durften.

Pyanfar selbst, die oberste angesehene Persönlichkeit des Pakt-Raums, wartet im ersten Band des neuen Zyklus irgendwo hinter den Kulissen, greifbar nur anhand der Mitteilungen, die für sie massenweise auf Hilfys Handelschiff eingehen. Dafür hat Hilfy umso mehr alle Hände voll zu tun.

Sie hatte gedacht, sie würde den Super-Deal abziehen, als sie von dem Stsho-Oberhaupt auf der Treffpunkt-Station den Auftrag annahm, ein \"religiöses Objekt\" zur Urtur-Station zu bringen, wo es der dortige Stsho-Chef der Station empfangen sollte. Für diesen kleinen Job sollte sie 1 Million Kredits bekommen - fast zu schön, um wahr zu sein. Und tatsächlich wird sie auch von einem Mahen namens Ana\'kehnandian gewarnt, das zu tun.

Auch der Vertrag mit den ungefähr 10.000 Klauseln und Unterklauseln sieht nicht sonderlich ermutigend aus. Als Hilfy annimmt, stellt sich heraus, daß sie die Eskorte, einen Stsho, mitzunehmen hat. Und ein weiterer ungebetener Gast stellt sich ein: Hallan Meras, ein männlicher Hani, also einer von Hilfys eigener Rasse. Da die Hani-Männer im Ruf stehen, leicht auszurasten, besonders unter Streß und in der Liebe, wird Hallan erstmal sicher eingesperrt. Eine zufällige Begegnung zwischen ihm und dem Stsho an Bord führt denn auch beinahe zur spontanen Geschlechtsumwandlung des Stsho, vor lauter Schreck.

Mit dieser explosiven Mischung an Bord machen sich Hilfy und ihre kleine Crew auf die Socken, um den Auftrag auszuführen, dichtauf gefolgt von ihrem Schatten Ana\'kehnandian. Da der Empfänger des Stsho-Objekts aber von Urtur geflohen ist, entwickelt sich nun eine Art Katz-und-Maus-Spiel, das die \"Chanurs Legat\", Hilfys Schiff, bis in den gefürchteten Kif-Raum führt, wo allen außer Hilfy die Zähne klappern, insbesondere aber dem labilen Stsho.

Zu guter Letzt gelingt es aber Hilfy doch noch, alles zu ihrer Zufriedenheit zu erledigen, zwar mit List und Tücke, aber immerhin ehrenvoll. [Michael Matzer (c) 2000ff ]


Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°

Dieser relativ geradlinige Plot würde kaum ausreichen, eine zufriedenstellende Lektüre zu gewährleisten. Deshalb hat Cherryh in das Buch noch ein paar Ingredienzien mehr hineingepackt. Die Begegnungen mit den Kif und mit Ana\'kehnandian sorgen schon für den notwendigen Touch von Abenteuer. Die Stsho steuern hingegen die Komödie bei: Der anfängliche Hüter des Objekts tritt nach dem Eintreffen eines weiteren, jungen Stsho in seine zweite Geschlechtsphase ein, nur um dann zum Schluß zu einem weisen, ja geradezu heiligmäßigen Neutrum zu werden. Die Stsho spielen die Japaner in diesem Buch: etepetete und auf strikte Eimhaltung der Umgangsformen und der Etikette bedacht, wobei sich dann die Atmosphäre der Liebe in der zweiten Phase des Stsho etwas störend bemerkbar macht. In der dritten Phase tritt der Stsho geradezu liebenswürdig-naiv auf. Die Übersetzerin hat die Tonlage der gestelzten Konversation mit den Stsho ausgezeichnet verwirklicht, was es dem Leser erlaubt, jede Nuance der Ironie mitzubekommen - ein großes Vergnügen.

Als böte Sex unter Stsho noch nicht genug Erotik auf der \"Legat\", steuern Hallan Meras und die weibliche Crew noch eine ausgewachsene, doppelte Romanze bei, die damit endet, daß alle weiblichen Crewmitglieder Hallan heiraten, damit er nicht von Bord muß, weil er etwas ausgefressen hat. Dieses Happy-end hätte man so nicht erwartet, denn Hallan ist der typische Underdog und ein Außenseiter bei seiner eigenen Rasse, jedenfalls bei den Männern. Und er ist der einzige männliche Hani an Bord: allein unter Frauen - Stoff für eine Geschlechterkomödie, die allerdings bei Cherryh durchaus auch in eine Tragödie umschlagen könnte. Da läßt uns die Autorin stets im Ungewissen.

Der Leser, der sich durch die ersten 100 Seiten durchgebissen hat (Sie erinnern sich an diesen verklausulierten Vertrag? Nun, die Klauseln sind im Buch abgedruckt!), der wird den Rest des Buches verschlingen, so viel Spaß macht es, soviel Spannung bietet es. Ich jedenfalls bin gespannt auf die nächsten Bände der \"Nächsten Generation\".

Michael Matzer (c) 2000ff

Info: Chanurs Legacy, 1992; Heyne Verlag, München 1994; 512 Seiten, DM 14,90; aus dem Amerikanischen v. Rosemarie Hundertmarck , ISBN 3-453-07743-1


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-31 11:40:52 mit dem Titel Caleb Carr: *Terrorismus - die sinnlose Gewalt* (spannendes Sachbuch)

Wie reagiert die Welt auf lange Sicht am angemessensten auf die Anschläge vom 11. September? Die Antwort ist nicht einfach, doch vielleicht kann uns die Geschichte von Krieg und Terror Aufschluss darüber geben.

Caleb Carrs Sachbuch trägt den deutschen Untertitel: \"Historische Wurzeln und Möglichkeiten der Bekämpfung\". Treffender ist der Originaltitel \"The lessons of terror: A history of warfare against civilians: Why it has always failed and why it will fail again\". Dies ist auch schon das zentrale Fazit des Buches: Terrorismus mag zwar sinnlos sein, doch wie bekämpfen wir ihn?

Der Autor

Der Autor Caleb Carr ist ein bekannter amerikanischer Militärhistoriker und Autor von mehreren ausgezeichneten Kriminalromanen sowie des Zukunftsromans \"Die Täuschung\".

Inhalte
°°°°°°°

Schon die alten Römer... - ja, so beginnen viele Gedenkreden, die man getrost vergessen kann. Doch diesmal verweist das Tun der Römer direkt auf die Deutschen. Schon die alten Römer hat eine Methode, Terror zu verbreiten, also Krieg gegen Zivilisten zu führen. Das taten sie vornehmlich in dem Gebiet, was sie als unerobertes Germanien ansahen. Bis ihnen ein Stammeshäuptling namens Arminius zeigte, wo der Hammer hängt: Im Teutoburger Wald verloren mehrere römische Legionen unter Feldherr Varus im Jahr 9 n.Chr. ihr Leben - die Stätte wurde vor kurzem wieder entdeckt.

Als Folge drangsalierten die Römer ihre germanischen Untertanen umso härter, errichteten aber keine weitere germanische Provinz - sie erreichten lediglich, dass ihr Terror den Hass gegen sie umso mehr schürte. 400 Jahre später erinnerten sich die Germanen immer noch an jene Schlacht, als sie Rom stürmten und plünderten.--

Was ist Terrorismus?

Caleb spannt in seiner Untersuchung des Terrorismus und seiner Ursachen den Bogen von der Antike über das finstere, blutige Mittelalter bis hin zu den Anschlägen der PLO Yasir Arafats und der al-Quaida des Saudi-Arabers Osama bin Laden.

Terrorismus - das ist die Bedrohung unbewaffneter Zivilisten in der Absicht, der feindlichen Regierung oder Führungsschicht den Rückhalt der Bevölkerung zu entziehen und diese zu demoralisieren. Wie das Beispiel der alten Römer zeigt, ist dies kein modernes Phänomen, sondern bildet eine immer wiederkehrende Konstante in der Geschichte gewaltsamer Auseinandersetzungen.

Der Militärhistoriker breitet nicht nur sein enormes Fachwissen vor uns aus. Stets dient dies als Beleg für seine Argumentation: Terroristische Attacken verfehlen als Kriegsstrategie eindeutig ihr Ziel, das betroffene Land zu schwächen. Im Gegenteil bestärken sie das betroffene Volk in seinem Widerstand gegen den brutalen Angreifer und stützen so die attackierte Regierung, selbst wenn diese Unrecht begeht.

So führten beispielsweise auch die alliierten Bombenangriffe auf deutsche Städte von 1943 bis 1945 nicht zu einer Schwächung, sondern zu einer Intensivierung der deutschen Kriegsproduktion! Der Angriff auf das von Flüchtlingen überquellende Dresden im Februar 1945 zeigte zudem, wie entsetzlich inhuman diese Strategie war, die von Briten und Amerikanern propagiert wurde.

Der einzige Grund, warum die Deutschen keinen Hass auf die Amerikaner entwickelten, lag in der Beseitigung des alten Terrorregimes und dem Großmut, der sich im Marshall-Plan zeigte. Darin lag natürlich auch die Absicht, die Deutschen nicht in die Arme der Russen zu treiben. Genauso verfuhren die USA in Japan, wofür sich die Japaner bis heute dankbar zeigen.

Der Grund für die Ressentiments der Franzosen gegen die Deutschen geht zurück bis auf das Jahr 1871. Die Preußen hatten den Feldzug 70/71 gewonnen und Paris eingeschlossen, der Sieg war in Reichweite. Feldmarschall Moltke war dagegen, die Stadt zu beschießen und die Franzosen zu demütigen - alle militärischen Ziele waren erreicht. Das reichte Bismarck nicht: Die *politischen* Ziele sahen die Demütigung des Erzfeindes vor: ein Akt des Terrors. Die eingeschlossenen Pariser widerstanden dem Beschuss noch Monate und ließen 1918 in den Verträgen von Versailles die Deutschen dafür bluten. Ihre Vergeltung führte direkt zu Hitlers Aufstieg. Terror ist also stets kontraproduktiv.

\'Totaler\' versus \'progressiver Krieg\'

Doch Terror wurde immer als Teil des \"totalen Krieges\" eingesetzt. Totaler Krieg, so Carr, ist unbegrenzt, sowohl in Ausmaß als auch Mitteln. Er kann sogar zum Volkskrieg ausarten, so wie 1793 in Frankreich. Die Folge war damals über 20 Jahre lang die Verheerung Europas.

Doch es gab zwei wichtige Ansätze, den totalen Krieg zu überwinden. Der erste Ansatz war im 17. Jh. in England Oliver Cromwells \"New Model Army\" (außer in Irland), und der zweite, aus dem 18. Jh., stammt von Friedrich II. von Preußen, dem \'Alten Fritz\'. Beide Ansätze sehen begrenzte Militäreinsätze mit höchst disziplinierten Soldaten und klar definierten Zielen vor. Der Ziel des Krieges ist der Frieden - dies nennt Carr den \"progressiven Krieg\". Merke: Carr hat nichts gegen Krieg an sich - dieser ist ein notwendiges Übel.

Doch ein gewisser Clausewitz revidierte diese zwei Ansätze aus seiner romantischen Bewunderung Napoleons heraus: Für ihn ist das Ziel des Krieges der Sieg und die Vernichtung des Gegners. Carr nimmt Clausewitz und dessen Jünger nach allen Regeln der Kunst auseinander und lässt nichts mehr davon übrig. Gleiches gilt für Apologeten des Vernichtungskrieges wie William Tecumseh Sherman, der 1864/64 den US-Süden abfackelte.

Der progressive Krieg à la Preußen und Cromwell ist heute genauso wie damals das Gebot der Stunde, argumentiert Carr. Denn die USA befinden sich tatsächlich im Krieg mit einem weltumspannenden Gegner: mit den Ländern, die den Terrorismus der al-Quaida sponsern. Dies waren zunächst die Taliban - der klar definierte Gegenschlag der USA und ihrer Verbündeten fegten deren Regime und Militärkraft hinweg.

Was Carr wundert, ist der Erfolg dieses Feldzugs trotz der zaudernden Strategie von US-Außenminister Colin Powell. Dessen Operation \'Desert Storm\' führte bekanntlich 1990 zu einem militärisch-politischen Desaster, als der Sturm auf Bagdad abgesagt wurde. Saddam Hussein verfügt daher heute immer noch über Massenvernichtungsmittel, die er jederzeit einsetzen könnte. Das irakische Volk leidet weiterhin unter dem Embargo und Saddams Regime. Kein Wunder, dass die Amis das irakische Volk nicht gerade auf ihrer Seite haben.

Das Ende der CIA?

Angesichts des 11. September sieht der Sicherheitsapparat der Supermacht USA ziemlich alt aus. Carr überzieht die unfähige Central Intelligence Agency (CIA) mit Spott, Hohn und ätzender Kritik. Er macht den absolut ernstzunehmenden Vorschlag, diesen unfähigen und kostspieligen Staat im Staate aufzulösen und seine Aufgaben von NSA und FBI übernehmen zu lassen. CIA-Zivilisten sollten keine Kriege mehr entscheiden wie in Vietnam. (Ich habe hier zum erstenmal von der CIA-Operation Phoenix in Vietnam erfahren: eine reine Mord- und Terroraktion, über deren Drahtzieher bis heute nichts zu erfahren ist.)

Daher schlägt Carr vor, die Spezialeinheiten der US-Streitkräfte aufzuwerten, um sie zu schlagkräftigen, offensiv agierenden Kontingenten à la deutscher KSK oder GSG-9 zu transformieren. Allein sie seien geeignet, den \"progressiven Krieg\" zu führen, der unausweichlich sei, um dem internationalen Terrorismus zu begegnen.

Mein Eindruck

Soll niemand glauben, wir Deutschen seien irgendwie sicherer vor Terroranschlägen, nur weil wir mitten in Europa leben. (Die Al-Quaida-Leute des 11.9. lebten unter uns!) Unsere Truppen kämpfen bereits gegen die al-Quaida und ihre Sponsoren - etwa vor der Küste Somalias -, deshalb sind auch wir potenzielle Ziele der Terroristen. Daher die Relevanz dieses Buches auch für uns.

Carr gelingt es, ein Verständnis für das Phänomen des Terrorismus zu wecken. Er tut dies nicht nur dadurch, dass er Definitionen liefert. Er zeigt die immer wieder neue Entstehung von Terrorismus überall auf der Welt auf. Stets ist die falsche Auffassung von der angemessenen Antwort auf Terror daran schuld, dass die Spirale der Gewalt nicht durchbrochen wird. Stets macht man sich die \'schmutzigen\' Methoden des Gegners zu Eigen.

(Der Terror der Palästinenser (der PLO und ihrer Tochter- und Splittergruppen) ist eine direkte Folge des Terrors, den die Geheimorganisationen der Zionisten spätestens seit 1947 in dem neu gegründeten Staat Israel ausgeübt haben. Einer der Führer dieser \"Irgun\" genannten Organisation war der spätere Ministerpräsident Israels, Menachem Begin.-- Ein weiteres Beispiel ist die Entstehung des Terrors der IRA: Carr lässt kein gutes Haar an einem IRA-\"Helden\" namens Michael Collins...)

Pazifisten werden dieses Buch wahrscheinlich mit Grausen weglegen. Dies scheint mir aber eine unangemessene Reaktion zu sein. Erstens haben sie selbst keine Antwort auf Anschläge wie den 11. September, zweitens distanziert Carrs sehr deutlich ausgedrückte moralische Haltung gegenüber Gräueltaten von jeder Seite ihn von der Unterstützung jeglicher Form von sinnloser Gewalt.

Nur so ist sein Begriff vom \"progressiven Krieg\" - als Gegensatz zum unbegrenzten, totalen Krieg, der heutzutage noch häufig vertreten wird, etwa in Kaschmir - überhaupt zu akzeptieren. Das heißt nicht, dass man sich seiner Ansicht anschließen muss.

Carr versteht es zu erzählen. Geübt an seinen voluminösen Romanen vermag er den Leser in seinen Bann zu ziehen. Dabei ist es sehr von Nutzen, mit historischen, politischen und militärischen Ausdrücken vertraut zu sein. Doch meist setzt er nicht zuviel voraus, sondern führt den Leser knapp und präzise in das Thema ein, sei es das Frankreich Ludwigs XIV oder die USA unter Bill Clinton (den er auch auf dem Kieker hat). Ein Stichwortregister und eine Bibliografie unterstreichen den wissenschaftlichen Anspruch des Buches.

Diese Lektüre kann ein wirklicher Augenöffner für Leute sein, die sich das Interesse an historischen Entwicklungen bewahrt haben.

Übrigens sieht Carr uns, also die gesamte Welt, an einem Scheideweg angelangt. Gelingt es nicht, vom totalen Krieg als Irrweg abzukommen, so wird die globale Gewaltspirale auch die Supermacht USA und die \"reichen\" Länder ergreifen. Es ist daher höchste Zeit, vernünftige und dauerhafte Antworten zu finden.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: The lessons of terror. A history of warfare against civilians: Why it has always failed and why it will fail again, 2002; Heyne 2002, München; 245 Seiten, EU 14,95, aus dem US-Englischen übertragen von Michael Windgassen und Iris Krüger; ISBN 3-453-21326-2


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-14 12:12:04 mit dem Titel O.S. Card: *Enchantment*: Dornröschen und die Hexe Baba Yagá

Dornröschen wird vom Prinzen wachgeküsst – und die böse Tante, durch deren vergiftete Spindel sie in 100jährigen Schlaf versetzt worden war, gibt wieder mal keine Ruhe.

Klingt wie ein Alptraum? Ist es auch: Und diese Story erzählt der Autor von Bestsellern wie \"Ender\" und \"Alvin Maker\" in spannender und höchst einfallsreicher Manier.

Es war mir kaum möglich, das Buch aus der Hand zu legen, und ich las es auf zwei Transatlantikflügen aus.

Handlung
°°°°°°°°

Als der junge Ivan auf die merkwürdige Lichtung in einem dichten Wald am Rande der ukrainischen Karpaten joggt, ändert sich sein Leben für immer. Jenseits einer schmalen, kreisförmigen Schlucht liegt eine junge Frau schlafend auf einem Podest – die schöne Prinzessin Katerina.

Doch in den Blättern, die die Schlucht fast ganz füllen, bewegt sich ein unheimliches Wesen, das die schlafende Schönheit bewacht. Ivan flieht vor der unbekannten Gefahr, doch in seinen Träumen kehrt er immer wieder auf die Lichtung zurück.

Seine jüdische Familie leidet im sowjetischen Russland unter Repressalien und siedelt nach Amerika über. Dort studiert Ivan die alte russische Sprache und Literatur; er und sein Vater unterhalten sich in Proto-Slawonisch, während seine Mutter stets das Russisch aus Kiew spricht.

Ivan hätte sich nie träumen lassen, dass auch sie Slawonisch versteht und eine Magierin ist.

Es kommt, wie es kommen muss: Zwar hat sich Ivan bereits mit einer Kommilitonin, der christlichen Amerikanerin Ruth, verlobt, doch er will für seine Doktorarbeit die alte Heimat besuchen und linguistische Forschung betreiben. Früher oder später landet er wieder in jenem alten, dichten Wald und erkundet die magische Lichtung.

Diesmal flüchtet er nicht, sondern bezwingt das Ungeheuer, küsst die Prinzessin aus ihrem magischen Schlaf auf und folgt ihr über eine plötzlich erschienene Brücke, als sie ihn auffordert, ihr zu folgen. Er versteht sie perfekt, auch wenn sie seltsamerweise Proto-Slawonisch mit einem Akzent spricht. Und so landet Ivan nackt in Katerinas Königreich im 9. Jahrhundert. -

Doch als die böse Zauberin bemerkt, dass ihr Bann gebrochen und ihr Ungeheuer bezwungen ist, macht auch sie sich auf, nach dem Rechten zu sehen. Ihr Name verbreitet Furcht und Schrecken unter alten wie auch modernen Russen: Es ist die Hexe Baba Yagá. (Musikkenner erinnern sich bitte an zwei Stücke aus Mussorgskis \"Bilder einer Ausstellung\", z.B. \"Der Fluch der Baba Yagá\").

Fazit
°°°°°

Diese Inhaltsangabe gibt ungefähr die ersten 150 bis 200 Seiten wieder, also nicht einmal die Häfte dieses wunderbaren Garns. Card hat geschickt Magie und moderne Welt, Geschichte, Religion und Legende mit einander verwoben. Das Ergebnis ist eine abenteuerliche Liebesgeschichte über Zeiten, Kulturen und Sprachen hinweg. Völlig unterschiedliche Glaubens- und Wertesysteme müssen sich miteinander auseinandersetzen. Das ist ein ernstes, sehr aktuelles Thema.

Und doch fehlt auch der Humor nicht, so etwa als Katerina sich über Ivans Scham lustig macht, als er ihre Welt betritt. Er hat die Frechheit, ihre Frauenkleider auszuleihen, um seine Blöße zu bedecken – diesen Fauxpas wird er noch bereuen.

Der Bösewicht in dieser Geschichte ist natürlich Baba Yagá. Sie folgt dem Liebespaar selbst noch ins moderne Amerika und richtet dort nicht nur im Luftverkehr Unheil an. Man nimmt ihr die Bosheit ebenso ab wie die Macht, über die sie verfügt. Die arme Ruth, mit der neuen Gattin ihres Verlobten Ivan konfrontiert, wird ihr leichtgläubiges Opfer, das beinahe Ivans Tod herbeiführt. Und am Ende ist Baba Yagá keineswegs vernichtet, sondern nur geschwächt... (Gelegenheit für eine Fortsetzung!)
\"Enchantment\" erfordert fortgeschrittene Englischkenntnisse und auch ein wenig Ahnung von der jüdischen Kultur. Alle sonstigen notwendigen Einzelheiten weiß der Autor mitzuliefern.

Michael Matzer © 2002ff

Info: Enchantment, 1999; Ballantine DelRey, New York City, 415 Seiten, ISBN 0-345-41688-0


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-26 12:07:25 mit dem Titel Angela Carter: *Helden und Schurken*: Vision von Endzeit und Ausbruch

Die Legende vom Ende der kranken Zivilisation und dem Übergang zur erstarkenden Barbarei. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die zu den Barbaren überläuft. Ein Beispiel für die Entscheidung einer Frau, aus der alten Schablone der (männlich dominierten) Ordnung auszubrechen und selbst aktiv formend zu wirken.

Handlung
°°°°°°°°

Nach der großen Katastrophe des Atomkriegs ist die Welt verteilt. Zivilisation und Vernunft werden von den sogenannten \'Professoren\' verteidigt, die in scharf bewachten Betonsiedlungen wohnen. Hier lebt auch die Hauptfigur Marianne und blickt hinaus aus ihrem Turm, mit Sorge und Faszination. Denn jenseits dieser Wehrdörfer durchstreifen plündernde Barbaren der Urwald, der die Felder der Professoren bedrängt. Draußen herrscht das Chaos, heißt es. Und innen wird um die Ordnung gerungen: mariannes Kindermädchen hat sechs Finger, sie ist eine Mutantin.

Bei einem Überfall wird Marianne von dem Barbaren Jewel entführt, vergewaltigt und schließlich als Räuberbraut in den Clan der Barbaren aufgenommen. Dieser lebt in einer alten, geradezu gotischen Ruine, die vom Urwald durchdrungen wird. Doch das harte Leben hier ist von Krankheit und Not bedroht.

Wie sich herausstellt, hat Jewel einen geistigen Lehrer, einen exilierten Professor, den auch Marianne von früher kennt. Nicht unwillig fügt sich die Heldin in die Heirat mit dem Barbaren. Die Hochzeit folgt einem ausgetüftelten und ein wenig bizarren Ritual. Marianne hat endgültig die Seiten gewechselt, um das kränkliche alte System abzustreifen und nun die Kräfte des Wachstums in sich aufzunehmen und etwas Neues aufzubauen, eine - wenn auch barbarische - Zukunft. Vielleicht kann sie ja ihren Kindern ein wenig Zivilisation beibringen. Erotik und Sexualität spielen in ihrer Entwicklung eine entscheidende Rolle.

Fazit
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Angela Carter erzählt mit \"Helden und Schurken\" einen vor Ideen und Figuren übersprüdelnden Abenteuerroman voller Exotik und Erotik; und sie entwirft das Szenario für die neue Frau, die am Ende sogar die Barbaren das Fürchten lehrt.

Dies ist eine Geschichte, in der Liebe und Hass einander gegenüber stehen, Zivilisation und Barbarei, Ordnung und Chaos, Helden und Schurken, jedoch nur in dem Sinne, wie diese Dinge von einer jungen Frau wahrgenommen werden, die ihre Initiation erfährt. Diese Wahrnehmung ist geprägt von ungewöhnlich deutlich gezeichneten Bildern und Szenen. Sie machen die Lektüre dieses Buches zu einem sinnlichen Erlebnis.

Dem Roman vorangestellt ist ein Zitat aus Jean-Luc Godards Film \"Alphaville\": \"Es gibt Zeiten, da wird die Wirklichkeit für eine sprachliche Mitteilung zu kompliziert. Doch die Legende gibt ihr eine Form, in welcher sie die ganze Welt durchdringt.\" Für die Legende kennzeichnend ist beispielsweise die Reduktion von Tätern auf Helden und Schurken.

Das Thema des Endes der alten Ordnung und der Anbruch einer neuen findet sich auch in Doris Lessings Roman \"Die Memoiren einer Überlebenden\". Britische Science Fiction_Romane der sechziger Jahre sind voll von Katastrophenszenarien, am literarischsten bei J.G. Ballard und Brian W. Aldiss.

Die Autorin
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Angela Carter wurde 1940 in Eastbourne/England geboren. Nach dem Studium begann sie als Polizeireporterin, reiste dann um die Welt, war zwei Jahre in Japan, lehrte an verschiedenen Unis und schrieb zahlreiche Erzählungen und eine Reihe von Romanen sowie Essays.

Einen Namen machte sich als großartige Fabuliererin, wobei sie bekannte Märchenmotive mit feministischem Bewusstsein neu fasste und häufig erotisch auflud. Sie starb vor wenigen Jahren.

Empfohlene Romane: \"Die infernalischen Traummaschinen des Doktor Hoffman\", \"Nächte im Zirkus\", \"The Passion of New Eve\" (dt. als \"In der Hitze der Nacht\" bei Heyne)

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Heroes and villains, 1969; Klett-Cotta 1989, Stuttgart; 229 Seiten, aus dem Englischen übertragen von Joachim Kalka; ISBN 3-608-95628-X

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-27 17:53:29 mit dem Titel J. Carroll: *Pauline, umschwärmt*: Akte X mit Chaosfrauen

Dieses Buch könnte durchaus von Stephen King stammen – wenn dieser sich um einen besseren Stil und interessantere Charakterisierung bemühen würde. So aber ist es ein Carroll geworden, mit dessen ureigener Stimme und einer Figur, die sein Markenzeichen geworden ist: die Chaos-Frau. Dies und ein spannender Mordfall, der aufzuklären ist, machen das Buch zu einem Mystery-Thriller erster Güte.

Handlung
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\"Bienenkorb\" (beehive) ist der Spitzname von Pauline Ostrowa, einer 20jährigen Frau, die in den 50ern viel zu intelligent ist, um in dieser restriktiven Zeit in dem kleinen Nest Crane\'s View überleben zu können. Der Erzähler, Sam Bayer, hatte damals, vor 30 Jahren, Paulines Leiche aus dem Hudson River gezogen. Ein einschneidendes Erlebnis: der Tod der Meerjungfrau, das Ende der Kindheit.

Als er 30 Jahre später zwar ein erfolgreicher Bestsellerautor ist, aber auch eine Schreibblockade hat, fällt es ihm ein, doch mal wieder in seinem alten Heimatstädtchen vorbeizuschauen, um auf andere Gedanken zu kommen. Er beschließt, ein Buch über Pauline Ostrowa zu schreiben. Wie sich herausstellt, ist dies ein lebensgefährliches Unterfangen. Denn es gibt ja auch einen Mörder: Erward Durant junior. Der ist zwar schon lange im Gefängnis gestorben, doch sein Vater, Durant senior, erweist sich als sehr interessiert an der Entstehung des Buches über Pauline: Er will seinen Sohn posthum entlasten, \"erlösen\".

Sam Bayer erhält bei seinen Nachforschungen zwei Dinge: eine Freund in Form des Polizisten Frannie McCabe – und als Gefährtin die Chaos-Frau, die ihn glühend verehrt: Veronica Lake. Das ist zwar der Name einer Schauspielerin aus den Dreißigern, und sie ist ebenso blond, aber das macht nichts. Zuerst verliebt sich Sam rasend in sie, dann versucht sie die Regie beim Buchschreiben zu übernehmen, und das wird denn doch zuviel. Aber sie läßt nicht locker: Sie geht sogar soweit, seine Tochter Cassandra zu entführen, um wieder mit Sam sprechen zu können. Es kommt zu einem horrormäßigen Showdown in einer verlassenen Villa, die voller Erinnerungen an Pauline ist – die Parallelen zwischen Veronica und der Toten sind offensichtlich.

Fazit
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Nach der Lektüre fühlte ich mih, als habe ich in der Haut von Sam Bayer gesteckt. Ich fühlte mich von Veronicas liebevoll-zudringlichem Verhalten bedroht, aber auch verfolgt von jenem Unbekannten, der wollte, dass das Buch fertig wird – und der auch vor Mord nicht zurückschreckt. Die schönsten Szenen wie die mit Sams Tochter oder Paulines Mutter sind unterlegt mit diesem unterschwelligen Horror, der schließlich in rasende Wut umzuschlagen droht.

\"Pauline, umschwärmt\" macht die verhängnisvolle Situation klar, in der sich Pauline – und heute Veronica – befand. Beide schlafen zunächst mit vielen Männern, verlieben sich dann aber heftigst und scheitern an dieser Beziehung. Veronica findet ebenso den Tod wie Pauline. Hier liefert Carroll einen beißenden Kommentar auf den Zustand ab, in dem sich die männlich dominierte westliche Kultur befindet: Paranoia vor der starken Frau. \"Wenn ein Mann mit vielen Frauen schläft, gilt er als toller Hengst. Wenn eine Frau mit vielen Männern schläft, gilt sie als Schlampe.\" Carroll bringt es auf den Punkt.

Begleitet von zahlreichen Personen- und Familienhintergründen, läßt Carroll auf nur 300 Seiten ein Panorama der letzten 30 Jahre entstehen, das menschlich packender und interessanter kaum zu denken ist. Das das Buch zu mindestens 70 Prozent aus Dialog besteht, macht die Lektüre umso einfacher: ich habe es in 2 Tagen gelesen. Doch die Einfachheit ist trügerisch: Zu leicht kann sich der Autor an schwierigen Fragen vorbeimogeln, ohne daß es der Leser merkt: Frage zur Motivation, zur Handlungsfolge usw. Wer also zweifelt, sollte das Buch nochmals lesen.

Unterm Strich
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Ein unheimlicher Thriller mit psychologischem Tiefgang - typisch Carroll!

Michael Matzer © 2002ff

Info: Kissing the beehive, 1998, Europa 1999, Hamburg/Wien; 319 Seiten, aus dem US-Englischen übertragen von Charlotte Breuer; ISBN 3-203-76001-0


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-31 10:54:29 mit dem Titel Cross/Flannigan/Preston: *Led Zeppelin - Heaven and Hell. An illustrated history*

Diese \"bebilderte Geschichte\" einer der wichtigsten Rockbands bringt zahlreiche unbekannte Informationen, einige hilfreiche Tipps zum Plattensammeln sowie ein enorm interessantes Interview mit Gitarrist und Bandgründer Jimmy Page - interessant deshalb, weil er sich lange Zeit strikt weigerte, ausführliche Interviews zu geben, nachdem die Presse die Alben der Band niedergemacht hatte. Ebenso wichtig wie die Texte sind für mich als Fan die fantastisch guten Fotos von der band und ihren Mitgliedern - weit höhere Qualität als man nach einem Film wie \"The song remains the same\" erwartet hätte!

Die Autoren

Charles Cross: Musikjournalist und Redakteur bei Musikzeitschriften in Seattle, darunter auch \"Creem\". Hat auch für Tageszeitungen berichtet und ist (mit Flanagan) Ko-Autor einer Monografie über Bruce Springsteen.

Erik Flannigan: ein Journalist und Plattensammler aus Seattle, Redakteur bei mehreren Musikzeitschriften, Kollege von Cross. \"Eine der wichtigsten Autoritäten in Sachen Plattensammeln in den USA\", wie es auf dem Klappentext heißt.

Neal Preston: einer der bekanntesten und besten Fotografen im Rock \'n\' roll-Geschäft. Er arbeitete als der offizielle Tour-Fotograf für Led Zeppelin und veröffentlichte ein wunderschönes Buch mit Schwarzweißaufnahmen namens \"Led Zeppelin: Portraits\". Einige dieser Porträts sind auch im vorliegenden Buch abgedruckt. In \"Heaven and Hell\" zeigt er erstmals in größerer Menge seine unveröffentlichten Vierfarbaufnahmen der Band und ihrer Mitglieder. Seine Fotos findet man auf den Covern von Rolling Stone, Time Magazine und People Magazine etc.

Inhalte

Im ersten, langen Beitrag \"Shadows taller than our souls\" (1) beschreibt Cross die Höhen und Tiefen der Karriere Led Zeppelins. Er erzählt, er habe diesen Beitrag im Edgewater Hotel von Seattle geschrieben, in einem jener Zimmer, in die Band zu logieren pflegte (lang ist\'s her). Er setzt sich mit den Lügen auseinander, die gewisse Bücher (bes. \"Hammer of the gods\") und Zeitungsartikel verbreiteten, um der heutigen bedeutung der Band und ihrer Musik auf die Spur zu kommen. Der Beitrag ist abwechslungsreich und lebendig, gut zu lesen.

Weitaus akademischer mutet daher der zweite Beitrag an: In \"Your time is gonna come\" (2) untersucht Jimmy Guterman die Blues-Wurzeln der Bandmusik. Dieser Ansatz ist keineswegs so sinnlos, wie er anmutet, denn Page & Co. wurden einmal verklagt, dass sie den (liebevoll) kopierten Bluesmusikern keine Tantiemen zahlten, so etwa Willie Dixon.

Eine weitere \"Geschichtsstunde\" erteilt Jimmy Page himself in dem Interview \"The Crunge\" (3), das er mit Dave Schulps führte, einem Redakteur einer ernsthaften, engagierten Fan-Musikzeitschrift. Den Seltenheitswert des Interviews hab ich bereits erwähnt. Der Informationsgehalt ist ebenfalls sehr hoch. Page erzählt von seinen Anfängen und Motivationen, seinen Musikerkollegen wie Clapton und Beck. Überrascht hat mich die Erwähnung einer ersten Led-Zeppelin-Formation, die mit der später bekannten nichts gemein hatte (außer Page). Im letzten Teil des Gesprächs gibt es Überschneidungen mit Teil 4.

(Teil 2 trägt den Titel \"Over the hills and far away\" (4), Teil 3 heißt \"Wearing and tearing\" (5).)

Teil 3 beschäftigt sich mit der hohen Wissenschaft des Sammelns von Platten, Videos und Postern in \"I can\'t quit you babe\" (6) sowie der Beurteilung der zahlreichen, höchst unterschiedlichen Bootlegaufnahmen in \"We\'re gonna groove\" (7). Diese Beiträge stammen von Cross und einem gewissen Robert Godwin. Hier sind zahlreiche Plattencover abgedruckt, die aus aller Herren Länder stammen, darunter Singles und ausländische Produktionen, etwa aus japan, die bekannte Songs auf interessante Weise kombinieren. Keinerlei Bootlegs sind aus rechtlichen Gründen abgedruckt - Bootlegs sind in den USA seit 1972 verboten.

Der vierte Teil mit dem Titel \"The song remains the same\" (8), der von Cross geschrieben wurde, stellt im Grunde jedes der 10 Alben mit jedem einzelnen Stück darauf vor. Das sind eine Menge Infos. Hinzukommt, dass Cross auch die Soundtrack-LP zum Film vorstellt und darauf hinweist, wie sich die beiden Medien unterscheiden. Schließlich finden sich auf dem Boxed Set von 1990 noch drei bis dato unveröffentlichte Stücke, die Cross bespricht. Zu jedem Stück hat er - neben den offiziellen Daten - Aussagen der Bandmitglieder zusammengetragen, so etwa von wem die Lyrics stammen.

Wer will und kann, sollte diese Aussagen mit dem Buch \"Dazed and Confused\" von Chris Welch vergleichen, das genau das gleiche tut. Welch jedoch war offizieller Tourbegleiter der band und bietet etwas mehr Insiderwissen. Vor allem beurteilt er auch die musikalische Qualität jedes Stücks, erlaubt sich also ein Urteil, was Cross weitgehend vermeidet.

Teil Nummer 5, mit dem Titel \"Train kept a-rollin\'\" (9), ist der für nicht an kommerziellen Aspekten interessierte Fans der aufschlussreichste und faszinierendste: Erik Flannigan erweckt in seinem beitrag die band wirklich zum Leben. Er beschreibt in chronologischer Reihenfolge die \"Performances and Career Highlights 1968-1990\", also von den \"New Yardbirds\" bis zum Live Aid-Auftritt 1987 und der Reunion 1990. Dies ist lebendige Geschichte, und als Fan kann man davon agr nicht genug kriegen. Dieser Abschnitt ist immerhin 40 Seiten lang:).

Alle Titel sind Songtitel oder Songzitate:

(1) aus \"Stairway to heaven\", auf LZ 4;
(2) Your time is gonna come: LZ II
(3) The Crunge: auf \"Houses of the holy\"
(4) Over the hills and far away: auf \"Houses of the holy\"
(5) Wearing and tearing: auf \"Coda\"
(6) \"I can\'t quit you babe\": LZ I und auf \"Coda\"
(7) We\'re gonna groove: auf \"Coda\"
(8) The song remains the same: auf \"Houses of the holy\"
(9) Train kept a-rollin\': nur auf Bootlegs veröffentlicht.

Unterm Strich

Das ganz in Englisch geschriebene Buch bildet eine wertvolle Ergänzung der CD- bzw. Plattensammlung eines LZ-Fans. Es stellt eine wesentliche Ausweitung der Informationsfülle in Chris Welchs Buch dar. Leider ist der Stand der Informationen der von 1991.

Und was mich immer wieder gestört hat, war die schlechte Textqualität: Da wurden nicht nur Buchstaben verdreht, sondern es fehlten ganze Wörter. Auf S. 185 wurde sogar \"Battle of Evermore\" mit \"Gallows Pole\" verwechselt. So etwas sollte nicht vorkommen.

Wer mit LZ nix am Hut hat, kann dieses Buch getrost links liegen lassen.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: 1991; Harmony Books/Crown Publishers, New York City; 208 Seiten, $ 50,00, ISBN 0-517-58308-0



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-06 11:41:56 mit dem Titel Michael Connelly: *BloodWork/Das zweite Herz*: Von Eastwood verfilmt

Drei Menschen wurden Opfer eines skrupellosen Mörders – doch die Ermittlungen wurden eingestellt. Wie konnte das geschehen? -- Mit Meisterwerken wie \"Der Poet\" und \"Schwarze Engel\" hat sich Connelly einen Stammplatz bei Thrillerfreunden erobert.

Handlung
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Das Unheil naht sich Terry MacCaleb in Gestalt einer wunderschönen Frau, die auf Stöckelschuhen seine Bootsanlegestelle betritt: Graciela Rivers bittet den ehemaligen Serienkillerjäger des FBI darum, den Mörder ihrer Schwester Gloria Torres zu finden. Das könne sie sich gleich aus dem Kopf schlagen, entgegnet er. Er müsse sein geerbtes Boot auf Vordermann bringen!

Aber sie hat noch einen Trumpf im Ärmel. Er habe vor kurzem ein neues Herz eingepflanzt bekommen, habe sie in der Zeitung gelesen, und natürlich dürfe er sich nicht überanstrengen. Aber dieses Herz stamme von Gloria, und nur dank ihres Todes sei er am Leben. Terry kann weder diesem Argument noch Gracielas wunderschönen Augen widerstehen. Für ihn ist nun alles zu spät: Die Jagd nach Glorias kaltblütigem Mörder führen ihn in die Hölle – aber auch wieder hinaus.

Da Gloria in einem Minimarkt beim Einkaufen erschossen wurde, hielten die Polizisten vom LAPD den Mord für einen Raubüberfall. Auch der Ladenbesitzer wurde offenbar nur wegen des Geldes erschossen. Die Polizisten sind nicht begeistert, dass ihnen ein Privatschnüffler zeigen will, was eine Harke ist. Doch McCaleb bekommt Schützenhilfe von Jaye Winston. Sie arbeitet beim Sherriff des County von Los Angeles und verfügt über die gleichen Unterlagen und Videos wie die abblockenden Polizisten.

SPOILER!

Schon bald kommt McCaleb durch trickreiche Methoden, zu denen neben Hypnose auch Videobearbeitung und Datenbankabfrage gehören, darauf, dass Gloria nur ein Opfer in einer ganzen Serie ist: Stets wurden Träger einer ganz bestimmten seltenen Blutgruppe getötet, damit ihre Organe für die Transplantation entnommen würden. Es handelte sich also keineswegs um Raubüberfälle. Und da das erste Opfer ein Observationsobjekt des FBI gewesen war, übernehmen nun bornierte Bundesagenten die Ermittlungsarbeit, für die Winston und McCaleb so viel geopfert hatten.

Doch allmählich wird die Lage für den Schnüffler selbst brenzlig: Denn da er selbst ein Herz mit dieser seltenen Blutgruppe eingepflanzt bekommen hatte, steht er nun plötzlich ganz oben auf der Liste der Verdächtigen: der Schnüffler als Organjäger? Als das FBI sein Boot untersucht und die ihm vom wahren Killer untergeschobenen Besitztümer der drei Opfer findet, beginnt eine Menschenjagd auf ihn. Ihm bleibt nur ein Ausweg: den Killer so schnell wie möglich zu überführen und zu schnappen. Zu seinem Entsetzen findet er heraus, dass ihm genau dieser Mörder selbst das Leben gerettet hat.

Fazit
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Dieser Thriller ist zweifellos ein Meisterwerk. Hier geht es der Hauptfigur, einem ehemaligen Killerjäger, nicht nur darum, einen Verbrecher zur Strecke zu bringen. Terry McCaleb weiß: dies ist \"Blutarbeit\". Und da er sein neues Herz von einem Mordopfer erhalten hat, in dessen Schwester er sich verliebt, hat der Begriff \"Blutarbeit\" eine weitaus tiefergehende Bedeutung für ihn.

Diese Bedeutung lässt sich in Connellys Roman am besten in religiösen Begriffen umschreiben: McCaleb lebt in der Finsternis der Verzweiflung eines vom Glauben Abgefallenen. Er glaubt nicht mehr daran, dass alle Ereignisse einen guten Grund haben. Es gibt keine Engel mehr für ihn. Er lebt am Rande der Welt, am Meer, auf einem Boot, ein Einsamer, der von geliehener Zeit und von Medikamenten lebt.

Erst Graciela verspricht ihm durch ihre Liebe so etwas wie Erlösung. Diese aber muss er sich durch die Aufklärung des Mordes an ihrer Schwester erst zu einem hohen Preis erkaufen. Er kann froh sein, dass sie ihm überhaupt weiterhin vertraut. Für diese Liebe muss er auch bereit sein, alles zu geben. Die Belohnung ist eine neue Familie, eine neue Zukunft.

Es gibt nicht viele solcher tiefgehender Thriller. \"Das Schweigen der Lämmer\" kommt einem in den Sinn – die Erlösung der Clarice Starling von ihren Alpträumen. Michael Connelly ist definitiv einer der besten Autoren seines Genres.
Das hat auch kein Geringerer als Clint Eastwood bemerkt. Er hat das Buch unter dem Titel \"BloodWork\" verfilmt.

Michael Matzer © 2002ff

Info: Bloodwork, 1997; Heyne 2000, Nr. 01/13195, München; 463 Seiten, DM 17,90, aus dem US-Englischen übertragen von Sepp Leeb; ISBN 3-453-17734-7


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-08 17:59:43 mit dem Titel Max A. Collins: *Road to Perdition*: Spannendes Buch zum Film

Die Geschichte einer ungewöhnlichen menschlichen Beziehung im Gangstermilieu der Chicago-Region von 1931. Und die Geschichte eines ungewöhnlichen Rachefeldzugs, der ein Kind zwischen die Fronten geraten lässt.

Der Autor

Max Allan Collins ist der Texter der Graphic Novel (Zeichner war R. P. Rayner), auf der das Drehbuch des Films von Sam Mendes basiert. Auf dem Drehbuch von David Self fußt wiederum die vorliegende Romanfassung. Collins bedankt sich bei Self für die bessere Herausarbeitung der Vater-Sohn-Beziehung zwischen John Rooney und seinem Vollstrecker Mike Sullivan.

Handlung

Rock Island unweit Chicago in den 30er Jahren, zu Zeiten der Prohibition. Nun regiert die Unterwelt die Städte - in Chicago ist es Al Capone, in Rock Island und seine zwei Schwesterstädten ist es der Ire John Rooney (im Film gespielt von Paul Newman).

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen allerdings Rooneys gefürchteter Auftragskiller Michael Sullivan (Tom Hanks), der \"Engel des Todes\" genannt wird, und dessen Familie. Erzählt wird die Geschichte aus dem Blickwinkel von Mikes älterem Sohn Michael, der zunächst ein Zeitungsausfahrer ist und John Rooney als eine Art gütigen Großvater betrachtet. Rooney hat Michaels Vater, seiner Mutter Annie und seinem jüngeren Bruder Peter ein schönes Haus zukommen lassen und sorgt für regelmäßige Arbeit und somit für gute Mahlzeiten im Hause Sullivan. Sullivan ist, trotz seines todbringenden Berufs, ein liebevoller Familienvater.

Doch eines Tages geht etwas schief. Denn Michael interessiert sich stark für Papis \"Arbeit\" und fährt als blinder Passagier in dessen Wagen zu einem Treffen mit. Eigentlich soll Rooneys Sohn Connor, eine unausgeglichener Trinker, nur mit dem \"Partner\" reden, doch schießt er ihn doch noch über den haufen. Sullivan erldigt zwei weitere Zeugen mit seiner Maschinenpistole. Michael, der das alles mit ansehen musste, wird entdeckt und zum Schweigen verdonnert.

Doch Connor ist ein wenig paranoid und nicht wenig eifersüchtig auf die Liebe seines Vaters zu Sullivan. Seine Rache sieht vor, dass ein anderer Unterweltboss Sullivan umlegt, während Connor selbst Sullivans Frau (J.J. Leigh) und den einzigen weiteren Zeugen, Michael, erledigt. Beinahe gelingt der Plan. Doch weder Sullivan noch Michael sterben, sondern Annie und ihr Sohn Peter.

Der Rest ist eine Art Rachefeldzug Sullivans gegen den Mörder seiner Familie. Doch um die Herausgabe von Connor Rooney zu erzwingen, muss Sullivan zuerst diejenigen schädigen, die Connor schützen: die Capone-Gang um Frank Nitti. Nitti tut weh, dass Sullivan die banken ausraubt, in denen er sein Geld deponiert hat. Deshalb hetzt er Sullivan einen Auftragsmörder auf den Hals: den Sensationsfotografen Harlen Maguire (Jude Law). Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel entbrennt, mit dem jungen Sohn Michael zwischen den Fronten...

Mein Eindruck

Die Story hat den Zuschnitt einer antiken Tragödie, und die filmische Umsetzung durch Sam Mendes war erstklassig. Der Roman bietet vielleicht ein paar Erklärungen mehr, als die Bilder zu vermitteln vermögen, ermangelt aber der emotionalen Dimension, die Mendes\' Bilder heraufbeschwören. Der Erzähler kannt Gefühle lediglich benennen und behaupten, nicht aber vermitteln.

Mehrfach geht der Erzähler und \"Michaels Stimme\", der Jahrzehnte nach den berichteten Geschehnissen des Jahres 1931 davon erzählt, auf die geschichtlichen Bedingungen ein. Die Erklärungen des Autors im Nachwort belegen, dass die meisten Fakten der Wahrheit entsprechen, doch das Geschehen selbst erfunden ist. Collins hat sich mehrmals mit der Ära befasst, von der der Film \"Die Unbestechlichen\" (Costner, Connery, de Niro u.a.) erzählte.

Für wen sich das Buch eignet

Der Roman kann einen guten Eindruck vom Handlungsverlauf und von den geschichtlichen Hintergründen vermitteln, ihm fehlen aber zahlreiche literarische Qualitäten, wie man sie etwa bei einem Thomas Harris (\"Das Schweigen der Lämmer\") erwarten dürfte.

Wer den Film noch nicht gesehen hat, dürfte das Buch interessiert lesen und die Filmfotos betrachten. Wer den Film bereits kennt, kann sich das Buch im Grunde sparen.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Road to Perdition, 2002; Heyne 2002, München; 223 Seiten, EU 7,95, ISBN 3-453-86815-3


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-10 11:57:16 mit dem Titel O. S. Card: *Seventh Son* (Alvin #1): Magisches Amerika

In seinem mehrteiligen Alvin-Zyklus erzählt Card, der Autor von \"Ender\", ein Amerika, das es nie gegeben hat: der Unabhängigkeitskrieg hat nicht stattgefunden. Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts, als Alvins Geschichte beginnt, existieren so unterschiedliche Staaten wie die der kolonialen Engländer, der Franzosen in Kanada, der Irrakwa-Indianer und der unabhängigen Siedler im Westen der Appalachen-Berge. Um die Zersplitterung komplett zu machen, sind die Kolonien der Engländer in Königstreue und in Länder des Lord Protectors Oliver Cromwell aufgeteilt.

Im Startband \"The Seventh Son\" kommt daher Benjamin Franklins Erfindung des Begriffs \"Amerikaner\" und \"Amerikanische Nation\" einer Revolution gleich. Und Franklins Freund und Dichterkumpel William Blake trägt diese Idee zu den Siedlern im Westen. Dort trifft er unvermutet Alvin Miller, den jungen Magier.

Handlung
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Die Millers sind auf ihrer Flucht vor den Banken und ihren Anwälten bis ins Tal des Hio gekommen und weitergezogen. Alvin und Faith haben inzwischen sieben Töchter und sechs Söhne, und das siebte Kind ist kurz davor, geboren zu werden: Alvin junior. Doch während Faith an den christlichen Gott glaubt, praktiziert Miller einen weit älteren, eher an Magie orientierten Glauben.

Und dieser Glaube kennt einen Widersacher, den Entwirker – im Original Unmaker genannt. Der Unmaker wirkt in allen Dingen, am meisten aber durch das Element Wasser, und immer will er Gefüge und Werke auflösen, entwirken. Der Unmaker überschattet Alvins Geburt.

Bei der Durchquerung des Hatrack River kommt es daher zu einer Tragödie, bei der sich Miller die ewige Feindschaft des Unmaker zuzieht. Der zunächst friedlich aussehende Fluss schwillt plötzlich an und reißt Vigor, den ältesten Sohn mit. Nachdem ein baumstamm seinen Leib zerschmettert hat, klammert sich Vigor jedoch noch so lange ans Leben, bis seine Mutter in Sicherheit gebracht ist. Bevor der Fluss auch den Wagen mitreißen kann, in dem sie in den Wehen liegt, eilen Siedler herbei, die die Millers – bis auf Vigor – retten können. Im Haus dieser Siedler bringt Faith den kleinen Alvin zur Welt, doch gibt es eine Komplikation, die der Unmaker verursacht. Alvin wäre erstickt, hätte nicht eine kleine Seherin namens Peggy den hilfreichen Tipp gegeben. Fortan ist Peggy Alvins Schutzengel, und sie hat etwas, das, wenn es zu ihm zurückfände, seinen Tod durch den Unmaker ermöglichen würde – aber so....

Aber so entsteht das blühende Millersche Anwesen im Wobbish Territorium, geschützt von zahlreichen Abwehrzaubern, und mittendrin der junge Alvin. Viele der Nachbarn und seine Familie sowieso betrachten ihn als etwas Besonderes: Dem siebenten Sohn eines siebenten Sohn werden besondere Eigenschaften und Kräfte zugesprochen. Er mag zwar seine Schwestern triezen und sogar die Kakerlaken beherrschen, aber er entgeht mehrmals auf unnatürliche Weise dem Tod. Und immer ist bei diesen Ereignissen Wasser im Spiel.

Seine Mutter zwingt ihn, in die Schule zu gehen und sonntags in den Gottesdienst, doch die lehren des schottischen Pastors entbehren für Alvin jeglicher Logik, und so stellt er sie nicht nur in Frage, sondern gibt sie sogar der Lächerlichkeit preis. In seinem Zorn auf Alvin verbündet sich der Pastor in seinem Glaubenseifer mit einem Engel, der ihm befiehlt, Alvin zu töten. Doch wie jeder weiß, war auch Luzifer ein Engel, und es ist lange Zeit nicht klar, von welcher Seite dieser Engel gesandt wurde.

Das Eintreffen von William Blake führt dazu, dass sich diese unheilvolle Lage dramatisch zuspitzt. Blake ist ein Geschichtentauscher: Er sammelt Geschichten und gibt dafür selbst Geschichten und/oder bezahlt mit seiner Hände Arbeit. In seinem Buch stehen viele Geschichten, und einfache Siedler tragen hier ihr wichtigstes Erlebnis oder einen Wunsch ein. Peggys Eintrag prophezeite ihm die Ankunfts eines \"Makers\", und ihn Alvin junior scheint er ihn gefunden zu haben, denn Alvin macht aus gewöhnlichem Gras andere Dinge, etwa Nester. Alvin ist auch der einzige, der einen Mühlstein aus dem gewachsenen Fels heraushauen kann, ohne sich anzustrengen.

Blake verhilft Alvin zur Erkenntnis, dass es eine Kraft namens Unmaker gibt und dass Alvin dessen Gegenspieler ist. Alvin ist selbst zu der Überzeugung gelangt, dass er seine Kräfte nur zum Nutzen anderer einsetzen darf. Als ein Unfall mit dem neuen Mühlstein für die Mühle seines Vaters sein Bein zerschmettert, muss Blake ihn erst dazu überreden, sich selbst zu heilen.

Doch der pastor, als Werkzeug des Unmakers, sieht seine Chance gekommen und versucht Alvin zum rechten, dem christlichen Glauben zu bekehren – er bietet sich zudem als Chirurg an, um Alvins Bein endgültig zu heilen. Es folgen einige sehr komische Szenen, in denen Alvins Abwehrzauber den Pastor ständig seine Chirurgenwerkzeuge Säge und Messer vergessen lässt. Schließlich reißt Miller der Geduldsfaden und wirft den Pastor achtkantig hinaus. Doch er selbst will die Operation nicht durchführen, und so muss Alvins ältester Bruder sägen und schneiden. Bald kann Alvin wieder gehen. Das überzeugt den Freund des Pastors, den Krämer und möglichen Gouverneurskandidaten, dass Alvin ein Kind des Teufels ist. Doch er muss schmerzlich herausfinden, wo der Teufel wirklich wohnt...

Mein Eindruck

Diese fabelhafte Geschichte ist so lebendig und spannend erzählt, dass ich das Buch fast vollständig auf einem Transatlantikflug ausgelesen habe, also binnen 20 Stunden. Ein wichtiges Mittel, die Welt Alvins zum Leben zu erwecken, ist die Sprache. Ich habe nur sehr wenige Bücher aus dem angelsächsischen Sprachraum gefunden, die so kunstvoll und gewandt die Rede- und Erzählweise einer kleinen provinziellen Gruppe wiedergegeben haben. Jede Figur ist hier durch ihre Sprache gekennzeichnet. Und die Sprache spiegelt die Begriffe wider, in der sie denkt und empfindet. So wird schon bald klar, dass zwischen Alvin und dem Pastor Welten liegen.

Diese Spannung trägt viel zu einer feinen Ironie bei, mit der der Autor viele Figuren und Ereignisse beleuchtet und die wesentlich zum Lesevergnügen beiträgt, so etwa auch die Idee der Entstehung eines modernen amerikanischen Vielvölkerstaates aus dem Geist der Magie.

Die Welt hinter der Welt

Die Weltsicht, die Card für Alvin, Peggy und ihre engsten Freunde erfindet, geht weit tiefer als wir Heutigen dies von Religion oder Wissenschaft ermöglicht bekommen. Da ist beispielsweise die Rede von \"Herzfeuern\", die die kleine Peggy als einzige sehen kann: die Lebensenergie eines Menschen, gepaart mit seinem Schicksal.

Viele weitere Beispiele für positive heidnische Magie werden vorgebracht, die die aus England vertriebenen Siedler in die Neue mitgebracht haben. Erst die heutige neuheidnische Wicca-Bewegung erkennt diese Prinzipien und Kräfte wieder an und unterstützt sie nach Kräften. Leider gehören ihr bislang vor allem Frauen an, so etwa die bekannte Fantasy-Autorin Diana L. Paxson, die Mitarbeiterin von Marion Zimmer Bradley.

Die kritische Haltung Cards gegenüber den Lehren des Christentums, wie es besonders die schottischen \"Pech-und-Schwefel\"-Prediger verbreiteten, rührt von Cards eigener Zugehörigkeit zur Mormonenkirche her. Im Grunde ist Alvins Werdegang und Lebensgeschichte eine poetische Neuerzählung des Lebens von Joseph Smith (1805-44), dem Gründer der Kirche der Heiligen der Letzten Tage, die nach dem Buch Mormon bezeichnet wird. Ich habe in Salt Lake City den Mormonentempel gesehen: Er ist ein ebenso prächtiges Bauwerk wie jede europäische Kathedrale.

Die Mormonen werden immer wieder für ihre Polygamie kritisiert, die ihnen offiziell verboten ist, aber heimlich praktiziert wird. Ich kann nur sagen: Wenn früher Frauen wie Faith Miller vierzehn Kinder zur Welt bringen mussten, um das Überleben ihrer Familie zu sichern, so ist es besser, wenn diese risikoreiche und erschöpfende Aufgabe auf mehrere Personen verteilt wird. Man kann einwenden, dass diese zeiten vorbei sind, doch die Leute in Utah und Nevada schätzen sich immer noch glücklich, wenn sie mit vielen Kindern gesegnet sind.

Der Alvin-Zyklus

Auf \"The Seventh Son\" (1987) folgten 1988 \"Red prophet\" (\"Der rote Prophet\"), in dessen Mittelpunkt der Indianerführer Tecumseh steht, und \"Prentice Alvin\" (\"Der magische Pflug\", 1989). Die drei Bände sind in \"Hatrack River\" (1989) zusammengefasst. Ebenso wie diese drei Bände ist auch \"Alvin Journeyman\" 1995, \"Der Reisende\") bei Bastei-Lübbe erschienen (1997). Lediglich \"Heartfire\" ist leider noch unübersetzt.

Michael Matzer © 2002ff

Info: Seventh Son, 1987 New York, Tom Doherty; 241 Seiten, ISBN 0-812-53305-4; Info: www.tor.com ; dt. Ausgabe bei Bastei-Lübbe und im Antiquariat.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-13 14:14:09 mit dem Titel O. S. Card: *Die verlorene Erde*: Schöne SF-Generationensaga

Der Autor der erfolgreichen \"Ender\"-Saga und des Alvin-Maker-Zyklus erzählt in seiner fünfbändigen \"Homecoming\"-Saga von einem fernen Planeten und wie dessen Bewohner wieder zurück zur verlassenen Erde gebracht werden. Bibelfeste Leser werden sich schon bald an das Alte Testament (\"Buch Mose\") erinnert fühlen.

Handlung
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Vor 40 Millionen Jahren wurde der Planet Harmonie von Menschen der Erde besiedelt, die dem von Atomkrieg und Umweltzerstörung zugrunde gerichteten Planeten entflohen, um eine bessere Welt zu gründen. Um das Gedeihen ihrer Kolonie sicherzustellen, installierten sie den gigantischen Computer Überseele, um über die Friedlichkeit der Kolonie zu wachen. Mit seinen Satelliten im Orbit vermag er bewusstseinsverändernde Strahlen in entsprechend genmanipulierte Gehirne zu schicken. Diese Gehirne sollen nie auf den Gedanken kommen, Wagen und Waffen zu erfinden, Dinge, die die Erde zerstören halfen. Und die Bewohner von Harmonie haben eine Kultur errichtet, in denen ihnen wie selbstverständlich Träume, Visionen und Eingebungen geschickt werden. Alles in Butter also.

Denkste! Nun sieht sich der Computer Überseele selbst in Gefahr; seine Systeme drohen zusammenzubrechen, und die Zahl seiner Satelliten ist auf ein Viertel ihrer Sollstärke gesunken. Revolutionäre, gewalttätige Gedanken entstehen und greifen um sich. Um der Vernichtung seiner selbst und seiner Schützlinge zu entgehen, muss Überseele auf die Erde zurückkehren, denn nur dort kann der Master Computer repariert werden. Und nur dort gibt es den Hüter der Erde...

Überseele hat keine andere Wahl, als die ahnungslosen Menschen seines Planeten langsam an die Geheimnisse der Raumfahrt heranzuführen. Doch zuallererst müssen sie natürlich einen Grund sehen, überhaupt Harmonie verlassen zu wollen. Allerdings scheint sich Überseele einen sehr unbedeutenden und nutzlosen Knecht als Werkzeug für seien Pläne ausgesucht zu haben: Nafai ist gerade mal 14 Jahre alt und träumt davon, mal Schauspieler zu werden wie sein Bruder Mebbekew.

Doch Nafai ist ein aufgeweckter und rebellischer geist, der etwas von Computer und Datenbanken versteht, genau wie sein behinderter Bruder Issib, der alle Sprachen ausforscht. Issib, so findet Nafai verblüfft heraus, hat sich inzwischen immun gegen die Strahlen von Überseele gemacht und kann Dinge denken, die Nafai vor Schmerz aufschreien lassen. Und Issib vergisst nicht alles gleich wieder.

Daher ist Nafai der ideale Agent, um für den Hauptcomputer die wichtigste Datenbank schlechthin zu besorgen: den Palwaschantu-Index. Dumm nur, dass der Index im Besitz des Todfeindes von Nafais Familie ist. Wär ja auch sonst zu einfach gewesen.

Beobachtungen und Anmerkungen
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Die Stadt, in der sich das Geschehen dieses Bandes abspielt, ist Basilika (die Bezeichnung für eine Kirche). Basilika liegt zwischen Wüste, Bergen und dem \"Pfadlosen Wald\". In ihr regieren die Frauen, und in ihren mittelalterlichen Mauern darf ein Mann nur wohnen, wenn er mit einer Frau verheiratet ist. Um ein wenig Abwechslung in die Gesellschaft zu bringen, können sich Frauen schon nach einem Jahr von ihrem Mann scheiden lassen und einen Ehevertrag mit einem anderen schließen. Heiraten können sie schon mit 15 Jahren. Will sich ein Mann die Hörner abstoßen, hält er sich an die \"Wilden Frauen\".

Und die Frauen haben sogar noch mehr Macht über die Männer, weil nur sie am Spaltsee leben dürfen, der in der Mitte der Stadt liegt. Sein Anblick ist den Männern verboten, und dort empfangen die Frauen die Visionen und Eingebungen der Überseele: das spirituelle Zentrum Basilikas. Kein Wunder, dass die Stadt so friedlich ist. Sie widmet sich den Künsten, dem Handwerk und dem Handel.

Es ist erstaunlich, wie durchdacht die Struktur und die Gesellschaft Basilikas sind. Dies trägt erheblich zur Glaubhaftigkeit des Geschehens bei, in das zahlreiche Bewohner der Stadt verwickelt werden. Schließlich werden so dem Leser die psychologischen Motive für die seltsamen Handlungen klar, die hier vor sich gehen.

Es ist aber auffällig, wie stark manche Figuren und ihre Motive denjenigen im Alten Testament der Bibel ähneln – das wird ständig um Erbschaft und Vorherrschaft und Rangfolge der Söhne gestritten. Das rührt natürlich daher, dass Card das \"Buch Mormon\" in neuem Gewand erzählt. Das Buch Mormon, die Bibel der \"Heiligen der Letzten Tage\", erzählt vom Exodus der Heiligen aus Israel, von ihrer Aufspaltung und Konfrontation und ihrer letztlichen Ankunft auf dem amerikanischen Kontinent. Diesmal führt der von der Überseele veranlasste Exodus allerdings \"heim\" zur Erde – zumindest in den folgenden vier Bänden.

Fazit
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\"Die verlorene Erde\" ist durchaus spannend und glaubhaft erzählt. Lediglich solche Leser, die absolut nichts mit Träumen, Visionen, Propheten und der \"Überseele\" anfangen können bzw. wollen, werden vom Geschehen nicht gefesselt sein. Denn Card erzählt Nafais Geschichte keineswegs wie ein Evangelist, sondern so, als sei er dabeigewesen, als sich Nafai mit seinen Brüdern und Nichten in den Haaren lag und sie einander schier die Haare ausrissen.

Natürlich kommen auch romantische Liebesmomente vor und eine Exkursion über den verbotenen Spaltsee. Doch vor allem ist der Umstand, dass sich dem leser immer wieder neue geheimnisse offenbaren, der dazu beiträgt, dass er weiterliest.
Natürlich ist Nafai eine Moses- oder Jesus-Gestalt – warum nicht? Vermutlich war diese Figuren auch einmal Menschen. Und als sie ihrer Berufung folgten, da hatten sie ebenso wie Nafai schreckliche Gewissensbisse, als sie Taten begehen mussten, die sie sonst nie begangen hätten. Card macht es äußerst deutlich, dass und warum Nafai keine Schuld trifft, als er im Auftrag der Überseele einen Mord begeht, um Millionen weitere Tote zu verhindern.

Card ist keineswegs ein selbstgerechter Evangelist, sondern vielmehr ein aufmerksamer Beobachter der conditio humana. Sein Erfolg kommt nicht von ungefähr, und wir dürfen noch etliche gute Romane erwarten. In letzter Zeit hat er die Vorgeschichte von \"Ender\" erzählt (Ender\'s Shadow\" und \"Shadow of the Hegemon\").
Michael Matzer © 2002ff

Info: The Memory of Earth, 1992; Bastei-Lübbe 1993, Nr. 24167, Bergisch Gladbach; 349 Seiten, DM 9,80, aus dem US-Englischen übertragen von Uwe Anton; ISBN 3-404-24167-3



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-13 21:27:32 mit dem Titel A. C. Clarke/St. Baxter: *Das Licht ferner Tage*: Das Ende von Jesus Christus?!

Was wäre, wenn wir das Leben des Jesus Christus von Anfang bis Ende beobachten und nachprüfen könnten? Wäre dies das Ende der Katholischen Kirche, der Christenheit?

Zwei namhafte Science Fiction Schriftsteller hat sich – nach Bob Shaw 1966 – wieder einmal des Themas \"Beobachtung der Vergangenheit ohne Zeitreise\" angenommen.

Handlung
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Die Erde sieht sich in den dreißiger Jahren des 21. Jahrhunderts wieder mal einer schrecklichen Bedrohung gegenüber. Am 27. Mai 2534 wird ein riesiger Komet, genannt der \"Wurmwald\", alles Leben auf der Erde auslöschen. Untergangspropheten frohlocken, und viele Zeitgenossen glauben, nun könnten sie entweder gleich den Löffel abgeben oder total über die Stränge schlagen. Dennoch läuft das antiquiert erscheinende Programm der bemannten Raumfahrt weiter.

Aus einer ganz anderen Ecke eröffnen sich jedoch neue Perspektiven. Sie werden, wie uns der Prolog klarmacht, dereinst die Welt retten. Da gibt es eine Art Ted Turner der Neuzeit, ebenfalls ein Nachrichtensendermagnat. Hiram Patterson gehört \"OurWorld\" und sucht nach Möglichkeiten, der nachrichten- und Datenübertragung in Echtzeit, also ohne Satelliten und Kabel. Sein Sohn David soll ihm bei der Forschung und Entwicklung helfen. Doch David lebt in England, ist streng katholisch erzogen und von seiner Mutter darauf geeicht worden, seinem Vater, der seine Mutter im Stich ließ, zu hassen. Dennoch akzeptiert er ein \"Angebot, das er nicht ablehnen kann

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