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Erfahrungsbericht von audicla

Albert Camus: Der erste Mensch

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Algerien – Paris / Das Leben von A. Camus

Albert Camus wurde 1913 als Sohn einer Spanierin und eines Elsässers in Algerien geboren. 1933 – 36 studierte er an der Universität Algier Philosophie, wandte sich dann der Politik der Kommunistischen Partei zu und arbeitete später als Journalist. 1940 siedelte er nach Paris um und seine ersten Romane erschienen. Mit Werken wie die „Der Fremde“ machte er sich einen Namen. Der 1947 erschienene Roman „Die Pest“ verhalf ihm zum Durchbruch, 1957 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur zuerkannt. 1960 starb er bei einem Autounfall.

Das hier vorliegende Buch „Der erste Mensch“ ist eine Biographie Camus`, die nicht nur für Fans interessant sein dürfte. Als Camus starb, fand man in seiner Mappe das Manuskript für dieses Buch. Es wurde nachträglich von seiner Witwe bearbeitet und 1995 erstmals in Deutschland veröffentlicht. Es enthält viele Anmerkungen und einen längeren Anhang z. T. mit Briefen, was aber nicht bedeutet, dass es deswegen schwer lesbar wäre.

Im Gegenteil: Äußerst spannend erzählt uns Camus aus seinem Leben.

1913 reisen seine Eltern gemeinsam von Frankreich nach Algerien, weil der Vater dort die Verwaltung eines Guts übernehmen soll. Mit den Eindrücken dieser Reise beginnt das Buch. Kaum sind sie auf dem Gut angekommen, liegt Camus´ Mutter auch schon in den Wehen und Albert wird geboren. Bereits ein Jahr später wird Camus Halbwaise, sein Vater stirbt 1914 in der Marne-Schlacht.
Was folgt ist die Beschreibung seiner Kindheit in Algerien. Spiele unter der gleißenden Sonne, das rege Treiben auf den Straßen, die Großmutter, die nach Öl riechenden Leckerbissen.
Camus beschreibt seine Mutter als eine unglückliche und geistesabwesende Frau. Über den toten Vater wird kaum gesprochen, niemand erzählt von ihm.

Trotz einfachster Jugend mit einer Mutter, die Analphabetin ist, gelingt es Camus die Prüfung für ein Stipendium mit Erfolg zu überstehen. Doch (Zitat): „...statt der Freude über den Erfolg zerriß ein grenzenloser Kinderkummer sein Herz, so als wüsste er im voraus, daß er soeben durch diesen Erfolg aus der unschuldigen, warmherzigen Welt der Armen herausgerissen worden war, ...“ (Zitatende)

An diesem Zitat kann man bereits erkennen, unter welchem Konflikt Camus gelitten hat. Selbst aus einer ungebildeten Familie stammend erhält er später schließlich sogar den Literatur-Nobelpreis. Aber dafür musste er sich auch weit von seinen Wurzeln entfernen. Schließlich sprach er eine andere Sprache, die seine Mutter nicht mehr verstand.

Der frühe Tod des Vaters hatte zudem dazu beigetragen, dass Camus sich wurzellos fühlte, deshalb auch der Titel: Der erste Mensch. Es wird deutlich, dass es ihm zeitlebens wie ein Mangel erschien, keine Wurzeln zu haben und sich dermaßen weit von seiner Herkunft entfernt zu haben.

Dieses Buch ist in keiner Weise langweilig, weil es nicht nur eine Künstlerbiographie ist, sondern es um Konflikte geht, wie sie zuvor angedeutet wurden. Neben diesem Potential, was einen Teil des Buches ausmacht, sind vor allem die lebendigen Beschreibungen Algeriens zu einer Zeit, die mittlerweile über 60 Jahre und mehr zurückliegt, spannend. Alles wirkt sehr lebendig, überhaupt nicht gestelzt oder intellektuell.

Die Randbemerkungen und Anmerkungen sind nicht störend, sondern lassen den Leser immer wieder daran denken, wie dieses halbfertige Manuskript, die Sätze ohne Punkt und Komma geschrieben, neben einem tödlich verunglückten Mann im Auto lagen. Ich muss sagen, mich überzog oft eine Gänsehaut bei der Vorstellung.

Dieses Buch hat mich sehr überzeugt. Ich hatte auch schon anderes von Camus gelesen und war widersprüchlich in meiner Meinung. „Der erste Mensch“ ist das beste Buch, was ich von ihm kenne.

Es ist als Taschenbuch bei rororo unter der ISBN-Nr. 3-499-22431-3 zu erhalten und erschien erstmals 1995 als Hardcover.




----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-28 19:25:45 mit dem Titel Cross, Donna W.: Die Päpstin

Frau im päpstlichen Gewand

Donna W. Cross, eine Amerikanerin, die schon diverse Sachbücher veröffentlichte, hat sich mit der Legende um eine weibliche Päpstin beschäftigt und daraus einen historischen Roman und Bestseller gemacht, der auf über 500 Seiten das Leben der Johanna von Ingelheim beschreibt, so wie es gewesen sein könnte.

Die Legende von Johanna von Ingelheim, einer Frau, die als Mann verkleidet, durch Schule und Kloster über Rom schließlich bis ins Heiligtum des Papstes gelang und für eine kurze Zeit sogar selbst das Papst-Amt innehatte war bis ins 17. Jahrhundert hinein allgemein bekannt. Erst dann wurde sie aus den Annalen des Vatikans radiert.

Donna W. Cross hat diese Legende wieder aufleben lassen und ihr mit diesem gewaltigen Roman ein Andenken gesetzt, mit dem sie nicht so leicht Gefahr läuft, wieder in Vergessenheit zu geraten.


Zum Inhalt:

814 bringt Gudrun, die heidnische Frau eines Dorfpriesters in Frankreich die kleine Johanna zur Welt. Zwei ältere Brüder gibt es schon in der Familie. Der älteste Matthias ist gelehrsam und soll es einmal weit bringen, wozu es nicht kommt, weil er früh stirbt. Johannes, der jüngere Bruder soll nun, vom ehrgeizigen grausamen Vater angetrieben, in die Fußstapfen des Bruders treten. Doch das Lernen liegt ihm nicht und er macht nur kleine Fortschritte, die dem Vater nicht reichen. Zum Glück weiß der patriarchalische Vater, der für die Aufrechterhaltung der alten Ordnung eintritt und sogar die Hebamme Hrotrud als Hexe anklagt, obgleich sie bei der Geburt all seiner Kinder zugegen war, nicht, dass Johanna, die Tochter vom Sohn Matthias das Lesen erlernt hat.

Als langsam klar wird, dass Johannes es zu nichts bringen wird, tritt Johanna hervor und bittet darum an seiner Stelle lernen und studieren zu dürfen. Doch das bringt den Vater nur zur Raserei und ihr eine Unmenge Schmerz ein.

Eine glückliche Wendung will es jedoch, dass Aeskulapius, ein Pädagoge aus Byzanz, der Johannes Leistungen testen soll auf Johanna aufmerksam wird. Er erreicht schließlich, dass Johanna gemeinsam mit ihrem Bruder auf die scola in Dorstadt gehen darf.

Dort wiederum macht der Magister Odo ihr das Leben so schwer, dass sie schließlich vom Ritter Gerold aus Mitleid in seine Familie adoptiert wird. Viel später soll er ihr Freund und Liebhaber werden, nachdem die Normannen seine Familie in einem Akt beispielloser Grausamkeit getötet haben.

Nach diesem Einzug der Normannen ergreift Johanna die Flucht. Als Mönch verkleidet gelangt sie in das Kloster Fulda, wo sie bald zum Medicus ausgebildet wird.

Schließlich gelangt sie auf ihrem langen Weg nach Rom, wird bald – immer noch im Gewand eines Mannes – der Leibarzt des Papstes Leo. Als dieser jedoch vergiftet wird, kommt sie aufgrund ihrer Beliebtheit im Volk für kurze Zeit auf den päpstlichen Thron. Doch lange soll dieser Endstein ihres Lebens nicht währen. Durch Unruhen und Intrigen werden Gerold und Johanna in einen Hinterhalt gedrängt und getötet.


Meine Meinung:

Historisch gut recherchiert, erfahren wir viel vom Hintergrund sowohl des einfachen Volkes, der Armut, der Pest, der kriegerischen Auseinandersetzungen, als auch der gehobeneren Stände der Ritter und deren Familien.
Daneben wird die Politik und Geistlichkeit mit all ihrer Heuchelei, ihren Machtallüren und fein eingesponnenen Intrigen gut dargestellt.

Immer wieder sind bereits in frühen Teilen des Buches, wo noch Johannas Jugend beleuchtet wird, auch schon einzelne Kapitel, in denen die Situation in Rom geschildert wird.

Die Situation einer Frau bzw. eines Mädchens, dass intelligent ist und sich nichts weiter als Bildung wünscht, aber hierzu keine Gelegenheit bekommt, wird ebenfalls nachvollziehbar geschildert.

Ob es nun wirklich möglich ist sich als Frau über so viele Jahre als Mann zu geben, ohne enttarnt zu werden – ich mag es nicht glauben. Doch Donna W. Cross hat sich alle Mühe gegeben es uns glauben zu machen.

Das Buch liest sich gut, eine schöne altertümliche Sprache, die aber nicht zu schwer ist. Es ist schon kein Wunder, dass das Buch ein Bestseller geworden ist. Man kann es leicht und schnell verschlingen und es ist voller Spannung.

Die Liebesgeschichte zum Ritter Gerold war für meinen Geschmack zu romantisch überzogen und erinnerte an die „Nebel von Avalon“ und andere Geschichten dieser Art. Ich fand sie in dieser Form störend, weil sie dem Buch den Touch von etwas Trivialem gibt, was es eigentlich sonst nicht verdient hat. Außerdem macht gerade dieser Umstand die Sache noch unglaubwürdiger. Denn nun hatte Johanna nicht nur ihre Weiblichkeit, sondern auch noch ihre Liebe und Sexualität zu verstecken.

Bei aller Geistlichkeit, die sie sonst so begehrte, wären wohl solcherlei Gefühle vielleicht auch störend gewesen.

Trotzdem im Großen und Ganzen ein gelungenes Buch und sicher eine gute Recherche, soweit ich dies beurteilen kann. Und voller Spannung bis zum Schluss.

Das Buch ist als Taschenbuch 1999 im Aufbau-Verlag (ISBN-Nr. 3-7466-1400-7) erschienen und kostete ehemals 19,90 DM. Die deutsche Erstausgabe im Hardcover gab es 1996.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-06 20:25:40 mit dem Titel Camus, Albert: Die Pest

Die Pest – eine Stadt unter Quarantäne

Albert Camus wurde 1913 in Algerien geboren, 1940 ging er nach Paris, wo er sich von journalistischen Tätigkeiten auf die Literatur verlegte. 1942 gelangte er nach dem Erscheinen zweier Bücher zu literarischem Ansehen, sein richtiger Durchbruch gelang ihm aber erst mit dem Buch „Die Pest“, welches 1947 erstmals erschien. 1957 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Albert Camus starb 1960 bei einem Autounfall.
1997 ist „Die Pest“ bei Rowohlt in der Übersetzung von Uli Aumüller erschienen (der sich auf eine weitere Fassung von 1962 bezog), ich habe es als Taschenbuch von rororo gelesen (ersch. 1998, ISBN-Nr.: 3 499 22661 8).


Doch nun endlich zum Inhalt:

In der algerischen Stadt Oran, die gleich zu Beginn als eine triste in gleißende Sonne gehüllte Stadt ohne Strauch und Baum beschrieben wird, kommt es zu rätselhaften Ereignissen.

Als die Hauptperson Doktor Bernard Rieux eines Morgens seine Praxis verlässt, stolpert er auf dem Treppenabsatz über eine tote Ratte. Gerade bereitet sich eine kranke Ehefrau auf eine längere Kur in den Bergen vor, die Abfahrt steht kurz bevor. Schon am nächsten Tag sieht Rieux bei seinem Gang durch die Armenviertel der Stadt duzende von toten Ratten zwischen dem übrigen Unrat liegen.

Nachdem er seine Frau einige Tage später am Bahnhof verabschiedet hat, nimmt die Katastrophe endgültig ihren Lauf. Von nun an wird die Stadt Tag für Tag von mehr und mehr Ratten überschwemmt. Sie kommen aus der Kanalisation heraus, verenden dann aber bald kläglich. Schon gibt es auch den ersten Toten, der mit furchtbar geschwollen Lymphknoten und unter hohem Fieber, nach kurzer Zeit stirbt.

Nachdem in kurzer Folge viele Menschen auf ähnliche Weise sterben, deutet sich an, dass es sich um eine Epidemie handeln könnte. Doch nun kommt die Bürokratie zum Tragen. Zuerst einmal müssen die Toten gezählt werden, noch reichen die Zahlen nicht aus, um städtischerseits etwas zu unternehmen. Nach einigem hin und her zwischen dem besorgten Arzt und den Beamten wird aber dann doch langsam klar, dass es sich um die Pest handelt.

Es wird sehr genau geschildert, wie nun verschiedene Hilfstrupps zur Leitung von Krankenhäusern, Quarantänestationen und auch zur Beseitigung der Leichen gebildet werden.

Die Stadt wird unter Quarantäne gestellt und hermetisch abgeriegelt. Rieux fühlt sich getrennt von seiner Frau, die noch in den Bergen weilt, ist aber andererseits froh darüber, dass sie die Stadt noch rechtzeitig verlassen konnte.

Von der Katastrophe angezogen, streichen vermehrt Prediger durch die Stadt, die meinen eine Erklärung zu haben. Schwarzmarkthändler verkaufen geschmuggelte Waren zu überhöhten Preisen. Es wird dargestellt, wie die Leute auf die Abriegelung reagieren. Manche versuchen heimlich die Stadt zu verlassen. Panik bricht unter den Menschen aus, die nun mit der Pest zusammen eingeschlossen sind.


Es geht in diesem Roman weniger um die Schilderung einzelner Kranker oder Sterbender. Sehr nüchtern und sachlich ist das Buch aus der Sicht des unbekannten Erzählers geschrieben, der sich auch selbst so benennt.

Ganz eindeutig die Hauptperson ist der Arzt Rieux. Und mit der Nüchternheit eines Arztes wird der Roman auch erzählt. Da wird nicht jedes Schicksal benannt, sondern nur am Rande gestreift. Das Leid und Elend der Kranken geht in der allgemeinen Überlastung des Arztes unter, der kein Heiliger sein will sondern einfach nur ein Arzt, der seine Pflicht tut. Die Epidemie wird verwaltet und organisiert. Auch das ist Bestandteil dieses Buches, was es sehr realistisch und fast in die Neuzeit übertragbar macht.

Es gibt auch noch andere Personen, die stärker in Erscheinung treten. Da ist Grand, der immerzu an einem einzigen Satz schreibt und ihn nie zu Ende bringt und der doch ein großer Schriftsteller werden möchte. Da ist Rambert, der Journalist, der sich über alle Maßen einbringt, aber schließlich doch heimlich die Stadt verlässt. Und da ist Paneloux, der die Krankenstation betreut und schließlich selber stirbt.

Obgleich diese Sichtweise der Pest sehr viel Realismus in sich trägt, habe ich doch manchmal eine emotionalere Sichtweise vermisst und das Buch war mir mitunter zu nüchtern.

Auch konnte ich es nicht in einem Rutsch weglesen, dazu war es wohl doch zu schwer und hat keinen Spannungsbogen, wie ich ihn z. B. von historischen Romanen kenne. Hier geht es mehr um einzelnen Charaktere und darum, wie Personen sich im Angesicht einer solchen Katastrophe verändern, verhalten, zu helfen wissen. Insofern ist es eine spannende Fiktion, die mir tatsächlich manchmal trotz der algerischen Szenerie wie ein Science-fiction vorkam.

Ich kann das Buch mit der Einschränkung empfehlen, dass es kein historischer Bestsellerroman ist und schon etwas Muße erfordert. Aber unter den Klassikern ist es sicherlich trotzdem eines der am besten lesbaren Bücher.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-13 19:53:53 mit dem Titel Mary Higgins Clark: Mondlicht steht dir gut

Lebendig begraben ...

Warum habe ich eigentlich nie zuvor etwas von Mary Higgins Clark gelesen, obwohl ich doch Krimis liebe? Vielleicht weil diese Autorin schon 1928 geboren wurde und ich mutmaßte, dass ihre Krimis dann vielleicht auch eher etwas für ältere Leute wären? Irgendwie stand ihr Name bei mir in Verbindung mit einer eher etwas trivialen Kost für ältere Damen, die ein bisschen Romantik und Schnulz in Form eines Krimis verpackt haben möchten. Ehrlich gesagt, weiß ich aber nicht, wie ich zu diesem Vor-Urteil kam. Wahrscheinlich hatte ich mal etwas in der Art gehört.

Nun gut: Ich ließ meine Mutter testen. Älter ist sie ja und ich weiß, dass sie Krimis mag und nicht immer so besonderen Wert darauf legt, dass es anspruchsvoll sein muss. Letztes Jahr zum Geburtstag schenkte ich ihr also„Mondlicht steht dir gut“ von dieser Autorin. Und letzte Woche nahm ich das ausgelesene Buch auf ihre Empfehlung hin wieder mit.


Zur Story:

Die Modefotografin Maggie trifft zufällig auf einer Party ihre ehemalige Stiefmutter Nuala wieder. Fünf Jahre lang war diese mit ihrem Vater verheiratet gewesen und die Trennung für Maggie fast traumatisch, hatte sie doch Nuala ins Herz geschlossen und in ihr eine Mutter wiedergefunden. Nach diesem Wiedersehen verabreden die beiden sofort einen Besuch von Maggie, die demnächst Urlaub haben wird. Doch zu einem weiteren Wiedersehen kommt es nicht. Am Abends als Maggie anreist (geplant ist ein Dinner im größeren Kreis) findet sie Nuala tot in deren Haus, erschlagen.

Bei ihrem Wiedersehen hatte Nuala ihr erzählt, dass sie gerade plante ihr Haus zu verkaufen, um sich mit dem Erlös in ein betuchtes Alten-Wohnheim einzukaufen, in dem gerade eines der begehrten und teuren Appartements freigeworden war. Ihr Anwalt hatte ihr bereits zugesagt einen recht guten Preis für das Haus zahlen zu wollen, da er es problemlos weiterverkaufen könnte.

Doch schon kurz nach der Beerdigung erfährt Maggie, dass Nuala von ihrem Vorhaben einen Tag vor ihrer Ermordung überraschend zurückgetreten war. Stattdessen hatte sie ihr Testament geändert und das Haus Maggie vermacht.

Rasch lernt Maggie einige ältere Damen kennen, die gut mit Nuala befreundet waren. Viele davon wohnen in der betuchten Alten-Wohnanlage. Schon nach kurzer Zeit ist Maggie klar, dass es hier viele Ungereimtheiten gibt. Bereits mehrere der Damen dieser Wohnanlage sind kurz zuvor überraschend verstorben. Hat der Arzt und Direktor der Anlage etwas damit zu tun oder die stets neugierige Pflegerin, die überall herumschleicht?

Verdächtige gibt es wie Sand am Meer. Da ist der Anwalt, der mit dem Haus spekulieren wollte und ein junger Mann, der mit dubiosen Aktiengeschäften schon manch alte Frau um ihr Vermögen gebracht hat. Und da ist Earl, der Cousin ihres Freundes Liam, der ein Faible für Beerdigungen hat und sich auf die Geschichte der Beerdigungs- und Trauerzeremonien spezialisiert hat.

Maggie bleibt zunächst in dem ererbten Haus und fängt an auf eigene Faust zu ermitteln, was fast einen tödlichen Ausgang für sie nimmt ...

Mein Urteil:

Mary Higgins Clark gelingt es, wie ich finde sehr gut, den Spannungsbogen dieser Story vom Anfang bis zum Ende aufrechtzuerhalten. Das Buch hat dadurch einen ungemein hohen Unterhaltungswert. Es gibt so viele Verdächtige, dass es nicht leicht ist darauf zu kommen, wer nun wirklich der Mörder war. Allerdings hatte ich dann doch schon 50 Seiten vor Ende einen Tipp, der sich als richtig erwies. War ich nun so schlau oder ist die Story doch ein bisschen zu durchsichtig? Ich kann es ehrlich nicht beantworten. Spannend ist sie auf jeden Fall.

Daneben gibt es auch eine kleine Liebesgeschichte, die ja bekanntlich nicht fehlen darf. Und da lag ich mit meinem Vor-Urteil gar nicht so schlecht. Diese ist ganz nett beschrieben, aber nach meinem Geschmack ein bissl zu romantisch durchwirkt. Eben so eine Helden- und Retterstory.

Die Hauptperson Maggie war mir etwas zu durch und durch gut. Ich habe es lieber, wenn die Menschen auch Schattenseiten haben und die Personen differenzierter beschrieben werden. Natürlich war Maggie mir sofort sympathisch, weil sie so liebenswert und dabei auch noch autark und selbstbewusst und mutig beschrieben wird, aber bleibenden Eindruck wird sie wohl nicht bei mir hinterlassen.


Fazit:

Obwohl sich einige meiner Vor-Urteile sicher mit dem Lesen dieses Buches bestätigt haben, werde ich wohl trotzdem in Zukunft mal wieder etwas von dieser Autorin lesen, denn Spannung und gute Unterhaltung scheint bei ihr vorhanden zu sein. Und wenn ich gerade mal wieder einfach nur abtauchen will, ist das gar nicht so schlecht. Aus diesem Grund und weil es sich so schön flüssig lesen ließ, bekommt das Buch auch die Note „gut“.

Das Buch gibt es als Taschenbuch von Heyne unter der ISBN-Nr. 45318758X für 6 Euro – und das ist auch noch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Ca. 350 Seiten hat es.

Viel Spaß beim Lesen wünscht audicla



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-12-07 10:06:56 mit dem Titel A. J. Cronin: Hinter diesen Mauern - Der Mankell meiner Schwiegermutter

Der Mankell meiner Schwiegermutter

Vor einiger Zeit ergab sich ein Gespräch mit der Mutter meines Freundes über Bücher und Literatur. Ausgangspunkt war der, dass wir ihr ein Buch geschenkt hatten, mit dem sie leider nicht so viel anfangen konnte.
Ich wollte dann von ihr wissen, was sie gerne liest und was sie früher gerne gelesen hat. Am Ende dieses Gesprächs drückte sie mit ein Buch von A. J. Cronin in die Hand, von den 30er bis in die 60er Jahre ein beliebter Bestsellerautor, dessen Name mir bekannt war, da ich auch im Bücherregal meiner eigenen Mutter einige ältere leinengebundene Bücher mit diesem Autorennamen stehen wusste.

Nun ja, das Buch stand ehrlich gesagt, Wochen um Wochen in meinem Regal, bis ich mich mehr aus einem Pflichtgefühl heraus, daran machte es zu lesen.

„Hinter diesen Mauern – Roman eines Justizirrtums“ ist 1960 erschienen. Es hat etwas mehr als 300 Seiten und lag mir in der Ausgabe des früheren Fackelverlages vor. Leider hatten die früheren Bücher noch nicht die Gewohnheit im Klappentext oder Nachspann ein paar Informationen zum Autor bereitzuhalten.
Aber der Verlag Zsolnay, der einige seiner Bücher neu aufgelegt hat, hat eine Autorenseite. Daraus konnte ich entnehmen, dass Cronin ein bewegtes und mobiles Leben geführt hat. 1896 wurde er in Schottland geboren und studierte später Medizin. Er kam als Schiffsarzt nach Indien, arbeitete später in Großbritannien. Wegen einer Erkrankung gab er den Arztberuf auf und begann zu schreiben. Er wurde zum Pionier des Arztromans, sein bekanntestes Buch aus den 30ern war „die Zitadelle“. Cronin lebte später in den USA, zuletzt dann in der Schweiz, wo er erst 1981 starb.

Mit einigen Vorbehalten ging ich an den Roman „Hinter diesen Mauern“. Es geht hier um Paul, einen jungen Mann, der schon lang mit seiner verwitweten Mutter allein in Belfast lebt. Er studiert und möchte Lehrer werden. Insgesamt ist er als strebsam, zurückgezogen und sehr brav zu charakterisieren. Wegen eines Ferienjobs braucht er seine Geburtsurkunde. Diese will die Mutter ihm nicht herausgeben, doch schließlich erzählt sie ihm, dass der Vater nicht bei einem Unfall starb, sondern in Irland lebenslang im Zuchthaus hinter Gittern sitzt, da er vor vielen Jahren seine junge Geliebte umgebracht haben soll.

Paul ist nach der Offenbarung verwirrt. In diesem Zustand macht er sich auf den Weg nach England, wo sein Vater im Zuchthaus sitzt. Ein Besuch dort ist jedoch nicht erlaubt und so beginnt er damit, Leute zu befragen, die noch etwas von dem 20 Jahre zurückliegenden Mordfall wissen. Schnell entdeckt er Ungereimtheiten und der Verdacht liegt nahe, dass die Verurteilung seines Vaters ein Justizirrtum war. Nun setzt Paul alles, auch sein eigenes Leben daran, seinen Vater zu retten.

Dieser etwas altertümliche Roman, dessen grobe Inhaltsangabe, sicher etwas trivial oder auch kitschig klingt, hat mir alles in allem recht gut gefallen. Er liest sich gut und flüssig, ist spannend aufgebaut und enthält manche Überraschungen, mit denen ich eigentlich nicht gerechnet hätte. So wird z. B. die letztendliche Befreiung des Vaters recht realistisch beschrieben. Keineswegs ist dann nur noch Friede-Freude-Eierkuchen. Ganz im Gegenteil: Der Vater ist nach dem langen Zuchthausaufenthalt ein gebrochener, verhärmter und grober Mann geworden, in dem Paul seinen liebevollen Vater aus der frühen Kindheit nicht mehr wiederzuerkennen mag. Auch seine herbeigerufene Ehefrau stößt er vor den Kopf.

Der „liebe brave“ Paul verändert sich im Laufe der Geschichte. Er reift durch die harten Erfahrungen, die er macht und vollzieht damit die schon lange fällige Loslösung von der Mutter ebenso wie von seiner Verlobten, die in ihrem Wesen überhaupt nicht zu ihm passt, doch dies musste er erst einmal herausfinden.

Ich war also von diesem Roman keineswegs enttäuscht, wenn er natürlich aufgrund des Alters und der Entstehung heute sicherlich kein Bestseller mehr werden würde.
Es war aber interessant für mich zu sehen, was Mutter und Schwiegermutter damals in den Bann zog.

Ich denke dann darüber nach, wie es sein würde, wenn junge Leute in vierzig Jahren einmal einen alten „Mankell-Krimi“ von mir in die Hand nehmen würde. Vielleicht wird es ihnen dann ganz ähnlich ergehen und sie werden denken – na ja, ganz spannend zu lesen, aber eben etwas altbackschen.

Den Roman „Hinter diesen Mauern“ von Cronin gibt es im normalen Handel leider nicht mehr. Er ist aber noch überall in gebrauchter Form für wenig Geld (zwischen 2 und 3 Euro) zu bekommen.

Vielleicht entdeckt der eine oder die andere ihn aber auch im elterlichen oder gar großelterlichen Bücherregal. Und dann würde ich empfehlen: Einfach mal rausnehmen und lesen.

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