Erfahrungsbericht von audicla
Daschkowa, Polina: Die leichten Schritte des Wahnsinns - 5-Sterne Krimi aus Russland
Pro:
super spannend, athmosphärisch gut, Personen gut gezeichnet
Kontra:
--
Empfehlung:
Nein
5-Sterne Krimi aus Russland
Zum Spitzenpreis von 2,50 Euro hatte der Bücherclub eine sehr schön aufgemachte gebundene Ausgabe des Buches in der Schnäppchen-Kiste, von dem ich hier gleich berichten möchte.
Ehrlich gesagt, ich war so begeistert von diesem Buch, dass ich überhaupt nicht begreifen konnte wie man so etwas verramschen kann. Nun gut, ich jedenfalls konnte mich darüber freuen.
Es geht um den Roman „Die leichten Schritte des Wahnsinns“ der Moskauerin Polina Daschkowa. Von einer Frauenzeitung wurde sie bereits einmal als die „Königin des russischen Kriminalromans“ bezeichnet. Das vorliegende Buch würde ich eher als Thriller bezeichnen. Polina Daschkowa wurde 1960 in Moskau geboren und ist, so der Klappentext, tatsächlich auch die erfolgreichste Kriminalautorin Russlands. Sie hat Literatur studiert, lange als Journalistin und Übersetzerin gearbeitet, ihre Bücher haben Millionen-Auflagen.
Leider kann ich hier nur die Ausgabe des Bertelsmann-Buchclubs beschreiben und möchte kurz auf den in meinen Augen sehr gelungenen Einband eingehen: Das Cover zeigt eine verschwommene Fotografie, die hauptsächlich in grün-blau-Tönen gehalten ist. Auf der Fotografie sieht man eine zart gebaute Frau, die auf einem Stuhl sitzend an einer Wand lehnt und ihren Blick zur Kamera gewandt hat. Im Hintergrund ist ein verhangenes Fenster. Alles ist wie gesagt verschwommen. Mich hat dieses Cover sehr angesprochen, weil es automatisch die Fragen aufwirft: Wer ist diese Frau? Warum schaut sie so bedrückt und verängstigt? Wer hat sie fotografiert?
Ursprünglich ist dieses Buch übrigens im Jahr 2001 in Deutschland im Aufbau-Verlag erschienen.
Doch nun zur Story:
Die Geschichte spielt im Jahr 1996 in Moskau und Sibirien. Es gibt im Verlauf Rückblenden in die 80er Jahre – doch dazu später.
Hauptfigur ist u. a. Lena, eine freiberuflich tätige Journalistin, die für eine Literaturzeitschrift schreibt. Hauptsächlich arbeitet sie zu Hause und nachts, denn sie hat auch noch eine kleine 2jährige Tochter, um die sie sich kümmern muss. Lenas Mann ist Polizist und häufiger auf Dienstreisen. So hält er sich auch zu der Zeit, in der es in Lenas Leben besonders turbulent und gefährlich zugeht, gerade in London auf.
Lenas Freundin Olga erscheint eines abends bei ihr und erzählt vom Selbstmord ihres Bruders Mitja. Diesen kennt auch Lena gut, haben doch alle drei in ihrer Jugend einmal eine gemeinsame Reise nach Tobolsk, Sibirien unternommen, um dort als Praktikanten des Journalismus zu arbeiten. Mitja selbst schien niemanden ernsthaft suizidgefährdet. Allerdings hatte er eine drogenabhängige Frau und schnell liegt die Vermutung nahe, dass er, relativ erfolgloser Liedermacher, möglicherweise selbst Drogen genommen und sich im Drogenrausch in seiner Wohnung erhängt hat.
Lediglich seine Frau schwört darauf, dass Mitja mit Drogen nichts zu tun gehabt hat und im Gegenteil darum gekämpft hat, dass auch seine Frau der Sucht irgendwann entkommen könnte. So hat er z. B. eine teure und erfolgreiche Psychotherapeutin aufgetrieben, die u. a. mit Hypnose arbeitet und seine Frau von den Drogen erretten sollte: Regina Gradskaja.
Schnell liegt der Verdacht nahe, dass Mitja sich nicht selbst erhängt hat, sondern ein Killer seine Finger im Spiel hatte. Von diesen gibt es in Russland genug. Viele geschäftliche und persönliche Probleme werden mit Hilfe bezahlter Killer gelöst. Doch wer sollte einen Grund dafür gehabt haben, Mitja zu beseitigen?
Lena lässt die Geschichte nicht mehr los und nachdem auch Mitjas Frau einige Tage später stirbt (sie ist verbrannt, nachdem sie mit Drogen vollgepumpt und brennender Zigarette eingeschlafen ist), verhärten sich Lenas Befürchtungen, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht.
So geht sie gedanklich in die Zeit des Sibirien-Aufenthaltes zurück und versucht Anknüpfungspunkte zu finden. Nachdem sie eines Tages von einer angeblichen Kinderärztin aufgesucht wird, die vorgibt eine Reihen-Untersuchung durchzuführen und dann wenige Tage später im Kinderwagen ihrer Tochter ein Brandsatz explodiert (glücklichweise saß diese zu diesem Zeitpunkt nicht drin) sucht sie Unterstützung bei den Kollegen ihres Mannes. Bald schon gibt es einen Verdacht, wer die Frau gewesen sein könnte: Regina Gradskaja, die Therapeutin. Doch was will diese Frau von Lena?
Erst als sie erfährt, dass Regina die Ehefrau von einem gewissen Wolkow ist, heute absolut erfolgreich im Showgeschäft tätig, kommt der erste Zusammenhang zustande. Denn dieser Wolkow hatte Lena, Olga und Mitja auf ihrer damaligen Sibirien-Reise als Begleiter zur Seite gestanden und sich dabei in Lena verliebt.
Lena beginnt sich an diese Zeit zurückzuerinnern. Sie erinnert sich an Wolkows Nachstellungen, seine Bemühungen es allen Recht zu machen – aber auch daran, dass zu dieser Zeit mehrere junge Mädchen in der Gegend ermordet aufgefunden wurden. Dass Wolkow damit etwas zu tun hatte, scheint ihr unwahrscheinlich.
Als ein befreundeter Amerikaner sie als Dolmetscherin für eine geplante Forschungsreise in die Gegend engagieren möchte, sagt Lena spontan zu ....
So, hier nun mache ich mal Schluss mit der Inhaltsangabe.
Wie man vielleicht schon herauslesen kann, werden recht viele Personen eingeführt – aber auch hinlänglich dargestellt, so dass man sich diese gut merken und sie mit Leben füllen kann. So kommt es nicht zu Irritationen beim Lesen darüber, wer nun eigentlich wer ist.
Die Personen sind ausgezeichnet dargestellt. Interessant, echt, nachvollziehbar. Alltäglichkeiten unterstützen die realistische Darstellung der Personen mit ihren Gedanken und Gefühlen.
Die Szenerie ist gut und spannend gezeichnet. Typische russische Eigenarten wie z. B. die erwähnten „Killer“ werden erklärt. Langsam bekommt man ein Bild davon, wie schwer es ist jemandem zu trauen. Denn jeder ist in irgendwas verstrickt, hat vielleicht Dreck am Stecken. Gehört der Wagen, der gerade jemanden verfolgt zur Mafia, einem Killer oder ist es ein verdeckter Ermittler der Polizei? Jeder verfolgt und beobachtet hier jeden. Mit wem kann man offen reden und mit wem nicht? In dieser Atmosphäre spielt sich der Roman ab, was viel Spannung und Zittern mit sich bringt.
Die Personen und die Geschichte selbst sind psychologisch äußerst interessant aufgebaut und scheinbar gut recherchiert.
Daneben erfahren wir etwa über die Menschen in Russland, deren Probleme und Geschichte. Hauptsächlich aber über die aktuelle Zeit.
Das Buch bietet 450 Seiten intelligente und wundervoll inszenierte Spannung. Daneben zwei charaktervolle Frauenfiguren, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen und schätze, dass ich eine neue Lieblingsautorin gefunden habe.
Gerade im Genre Krimi/Thriller, welches ja doch zumeist von den Briten beherrscht wird, bietet dieses Buch – auch und gerade weil es in Osteuropa spielt – eine interessante Abwechslung.
Das Buch gibt es auch als Taschenbuch unter der ISBN-Nr.: 3746618843 . Es ist erschienen im Aufbau-Verlag und kostet 8,95 Euro.
Zum Spitzenpreis von 2,50 Euro hatte der Bücherclub eine sehr schön aufgemachte gebundene Ausgabe des Buches in der Schnäppchen-Kiste, von dem ich hier gleich berichten möchte.
Ehrlich gesagt, ich war so begeistert von diesem Buch, dass ich überhaupt nicht begreifen konnte wie man so etwas verramschen kann. Nun gut, ich jedenfalls konnte mich darüber freuen.
Es geht um den Roman „Die leichten Schritte des Wahnsinns“ der Moskauerin Polina Daschkowa. Von einer Frauenzeitung wurde sie bereits einmal als die „Königin des russischen Kriminalromans“ bezeichnet. Das vorliegende Buch würde ich eher als Thriller bezeichnen. Polina Daschkowa wurde 1960 in Moskau geboren und ist, so der Klappentext, tatsächlich auch die erfolgreichste Kriminalautorin Russlands. Sie hat Literatur studiert, lange als Journalistin und Übersetzerin gearbeitet, ihre Bücher haben Millionen-Auflagen.
Leider kann ich hier nur die Ausgabe des Bertelsmann-Buchclubs beschreiben und möchte kurz auf den in meinen Augen sehr gelungenen Einband eingehen: Das Cover zeigt eine verschwommene Fotografie, die hauptsächlich in grün-blau-Tönen gehalten ist. Auf der Fotografie sieht man eine zart gebaute Frau, die auf einem Stuhl sitzend an einer Wand lehnt und ihren Blick zur Kamera gewandt hat. Im Hintergrund ist ein verhangenes Fenster. Alles ist wie gesagt verschwommen. Mich hat dieses Cover sehr angesprochen, weil es automatisch die Fragen aufwirft: Wer ist diese Frau? Warum schaut sie so bedrückt und verängstigt? Wer hat sie fotografiert?
Ursprünglich ist dieses Buch übrigens im Jahr 2001 in Deutschland im Aufbau-Verlag erschienen.
Doch nun zur Story:
Die Geschichte spielt im Jahr 1996 in Moskau und Sibirien. Es gibt im Verlauf Rückblenden in die 80er Jahre – doch dazu später.
Hauptfigur ist u. a. Lena, eine freiberuflich tätige Journalistin, die für eine Literaturzeitschrift schreibt. Hauptsächlich arbeitet sie zu Hause und nachts, denn sie hat auch noch eine kleine 2jährige Tochter, um die sie sich kümmern muss. Lenas Mann ist Polizist und häufiger auf Dienstreisen. So hält er sich auch zu der Zeit, in der es in Lenas Leben besonders turbulent und gefährlich zugeht, gerade in London auf.
Lenas Freundin Olga erscheint eines abends bei ihr und erzählt vom Selbstmord ihres Bruders Mitja. Diesen kennt auch Lena gut, haben doch alle drei in ihrer Jugend einmal eine gemeinsame Reise nach Tobolsk, Sibirien unternommen, um dort als Praktikanten des Journalismus zu arbeiten. Mitja selbst schien niemanden ernsthaft suizidgefährdet. Allerdings hatte er eine drogenabhängige Frau und schnell liegt die Vermutung nahe, dass er, relativ erfolgloser Liedermacher, möglicherweise selbst Drogen genommen und sich im Drogenrausch in seiner Wohnung erhängt hat.
Lediglich seine Frau schwört darauf, dass Mitja mit Drogen nichts zu tun gehabt hat und im Gegenteil darum gekämpft hat, dass auch seine Frau der Sucht irgendwann entkommen könnte. So hat er z. B. eine teure und erfolgreiche Psychotherapeutin aufgetrieben, die u. a. mit Hypnose arbeitet und seine Frau von den Drogen erretten sollte: Regina Gradskaja.
Schnell liegt der Verdacht nahe, dass Mitja sich nicht selbst erhängt hat, sondern ein Killer seine Finger im Spiel hatte. Von diesen gibt es in Russland genug. Viele geschäftliche und persönliche Probleme werden mit Hilfe bezahlter Killer gelöst. Doch wer sollte einen Grund dafür gehabt haben, Mitja zu beseitigen?
Lena lässt die Geschichte nicht mehr los und nachdem auch Mitjas Frau einige Tage später stirbt (sie ist verbrannt, nachdem sie mit Drogen vollgepumpt und brennender Zigarette eingeschlafen ist), verhärten sich Lenas Befürchtungen, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht.
So geht sie gedanklich in die Zeit des Sibirien-Aufenthaltes zurück und versucht Anknüpfungspunkte zu finden. Nachdem sie eines Tages von einer angeblichen Kinderärztin aufgesucht wird, die vorgibt eine Reihen-Untersuchung durchzuführen und dann wenige Tage später im Kinderwagen ihrer Tochter ein Brandsatz explodiert (glücklichweise saß diese zu diesem Zeitpunkt nicht drin) sucht sie Unterstützung bei den Kollegen ihres Mannes. Bald schon gibt es einen Verdacht, wer die Frau gewesen sein könnte: Regina Gradskaja, die Therapeutin. Doch was will diese Frau von Lena?
Erst als sie erfährt, dass Regina die Ehefrau von einem gewissen Wolkow ist, heute absolut erfolgreich im Showgeschäft tätig, kommt der erste Zusammenhang zustande. Denn dieser Wolkow hatte Lena, Olga und Mitja auf ihrer damaligen Sibirien-Reise als Begleiter zur Seite gestanden und sich dabei in Lena verliebt.
Lena beginnt sich an diese Zeit zurückzuerinnern. Sie erinnert sich an Wolkows Nachstellungen, seine Bemühungen es allen Recht zu machen – aber auch daran, dass zu dieser Zeit mehrere junge Mädchen in der Gegend ermordet aufgefunden wurden. Dass Wolkow damit etwas zu tun hatte, scheint ihr unwahrscheinlich.
Als ein befreundeter Amerikaner sie als Dolmetscherin für eine geplante Forschungsreise in die Gegend engagieren möchte, sagt Lena spontan zu ....
So, hier nun mache ich mal Schluss mit der Inhaltsangabe.
Wie man vielleicht schon herauslesen kann, werden recht viele Personen eingeführt – aber auch hinlänglich dargestellt, so dass man sich diese gut merken und sie mit Leben füllen kann. So kommt es nicht zu Irritationen beim Lesen darüber, wer nun eigentlich wer ist.
Die Personen sind ausgezeichnet dargestellt. Interessant, echt, nachvollziehbar. Alltäglichkeiten unterstützen die realistische Darstellung der Personen mit ihren Gedanken und Gefühlen.
Die Szenerie ist gut und spannend gezeichnet. Typische russische Eigenarten wie z. B. die erwähnten „Killer“ werden erklärt. Langsam bekommt man ein Bild davon, wie schwer es ist jemandem zu trauen. Denn jeder ist in irgendwas verstrickt, hat vielleicht Dreck am Stecken. Gehört der Wagen, der gerade jemanden verfolgt zur Mafia, einem Killer oder ist es ein verdeckter Ermittler der Polizei? Jeder verfolgt und beobachtet hier jeden. Mit wem kann man offen reden und mit wem nicht? In dieser Atmosphäre spielt sich der Roman ab, was viel Spannung und Zittern mit sich bringt.
Die Personen und die Geschichte selbst sind psychologisch äußerst interessant aufgebaut und scheinbar gut recherchiert.
Daneben erfahren wir etwa über die Menschen in Russland, deren Probleme und Geschichte. Hauptsächlich aber über die aktuelle Zeit.
Das Buch bietet 450 Seiten intelligente und wundervoll inszenierte Spannung. Daneben zwei charaktervolle Frauenfiguren, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen und schätze, dass ich eine neue Lieblingsautorin gefunden habe.
Gerade im Genre Krimi/Thriller, welches ja doch zumeist von den Briten beherrscht wird, bietet dieses Buch – auch und gerade weil es in Osteuropa spielt – eine interessante Abwechslung.
Das Buch gibt es auch als Taschenbuch unter der ISBN-Nr.: 3746618843 . Es ist erschienen im Aufbau-Verlag und kostet 8,95 Euro.


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