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Erfahrungsbericht von PrinceofLies

Dürrenmatts Die Physiker - Verantwortung des Fortschritts

Pro:

informativ mit bissigem Schreibstil

Kontra:

Deschner schreibt sehr ausführlich und mitunter etwas ausschweifend,weshalb man länger zum Lesen braucht

Empfehlung:

Nein

Vorwort
Dürrenmatts Die Physiker ist ein Theaterstück in zwei Akten.
Und als solches lernte ich es kennen.
Die Theater-AG meiner damaligen Schule führte das Stück auf und da ein paar meiner Kumpels dabei waren ging ich hin.
Meine Mutter wies mich ein paar Stunden vor Beginn der Aufführung daraufhin,daß sie das Stück in nem Sammelband dahabe und ich las es noch kurz um zu wissen worums geht.

War ich nach dem lesen angetan,so war ich nach der Aufführung begeistert von diesem Werk.

Story
Mit wenigen Worten erzählt uns Dürrenmatt die Geschichte eines Physikers,der in Schrecken seiner Entdeckungen freiwillig in die Psychiatrie begibt.
Niemals sollte die Menschheit erfahren,welch schrecklichen Entdeckungen er erreichte.

Um zu verhindern,daß seine Schriften ernst genommen wurden sagte er,der große Salomon spreche zu ihm,aber zwei weitere Physiker erkennen ansatzweise seine Entdeckung.
Sie begeben sich als Verückte,die sich für Newton und Einstein halten ebenfalls ins Sanatorium und versuchen ihn auf die Seite ihrer jeweiligen Länder zu ziehen.

Nach und nach wird uns dieser Zusammenhang erst erzählt,da die eigentliche Handlung ein Krimi ist.
Drei Krankenschwestern werden jeweils von einem dieser Männer getötet.
Nur einen Fall erleben wir selbst,wo Möbius,jener Physiker,der die Entdeckung machte,seine Krankenschwester tötet,weil diese bewirkt hatte,das er entlassen werden würde und eine Stelle als Physiker bekäme.
Die Entdeckung muss unentdeckt bleiben,und selbst wenn einzelne dafür sterben müssen.
Nach diesem Motto handelt Möbius.

Letzten Endes erfahren wir,daß alle drei Schwestern solches vollbrachten und das die Leiterin der Anstalt diese dazu drängten.

Wir erfahren das die Leiterin hinter Möbius Geheimnis kam und seine Aufzeichnungen hat.
Sie,die einzig wahre Verückte hat die einzigen Menschen,die sie hätten aufhalten können für immer nun gefangen.

Das Stück endet mit jeweiligen Apellen der drei Physiker in den Gestalten,als die sie sich ausgeben.

Kritik
Dürrenmatt nutzt das Prinzip des Krimis,mit all seinen Marotten um eine Symbolik aufzubauen,die ihresgleichen oftmals sucht.

Die Verantwortung des Fortschritts angesichts früherer Erkenntnisse wie der Atombombe darf nicht ignoriert werden ist das zentrale Motiv des Stückes.

Es wird offenbahrt,daß die Entwickler nur seltenst die Konsequenzen ihrer Entdeckungen betrachteten.
Allerdings wird auch offenbahrt,wie selten eine Weigerung der Entdecker,die Entdeckungen zu veröffentlichen von Erfolg gekrönt war (man bedenke nur den Fall Oppenheimer und die Wasserstoffbombe,über den Dürrenmatt ebenfalls schon abgehandelt hat).

Die beiden Agenten dienen als Bild für den Entdecker,der nicht erdenkt,was die Folgen ihrer Entdeckungen sind.
Einstein und Newton,zwei Giganten der Physik,deren Entdeckungen auch so manches Leid erbrachte.
(Einstein->A-Bombe).
Möbius hingegen ist der Entdecker,der die Konsequenzen erkennt.
Er widerstrebt der Entdeckung,gibt Beruf,Familie und sogar die Freiheit auf,nur um zu entdecken,daß es doch nichts nützt.


Die Verantwortung des Fortschritts,in all seinen Facetten

Anmerkung:
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----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-14 17:08:16 mit dem Titel Deschner,Karlheinz - Der Moloch : That's America

Bin regelrecht enttäuscht der erste zu sein,der zu meinem absoluten Lieblingsautor was Sachbücher betrifft schreibt.

Autor
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1942-45 Soldat
1947-51 studierte er Germanistik,Geschichte,Philosophie und Theologie
seit 1951 freier Schriftsteller
Mitglied des PEN-Clubs
Arno-Schmidt-Preis 1988
Alternativer Büchnerpreis 1993
International Humanist Award 1993
Deschner schreibt derzeit an einer auf zehn Bände angelegten Buchreihe mit dem Titel "Kriminalgeschichte des Christentums".
Band 6 ist inzwischen erschienen

Buch
====
Nun in diesem Buch geht es um einen etwas kritischeren Blick auf die amerikanische Geschichte.
Man erfährt Einzelheiten über die Indianerkriege,den Bürgerkrieg,das Verhalten der USA wärend Weltkrieg 1 und 2 sowie die darauffolgenden Untaten.

Deschner hat sich berühmt/berüchtigt gemacht indem er über das Christentum in all seinen dunklen,verborgenen Verbrechen schrieb und dieses Werk entstand nach seiner Aussage indem er eine Quellensammlung zwecks des ersten Golfkrieges mit Irak erstellte.
Das Thema war einfach zu vielseitig um nicht gleich ein ganzes Buch zu schreiben und hier ist es.

Wer rosarote Brillen mag,wird Deschner hassen!
Auf eine,für mich bereits gewohnte,bissige und sarkastische Weise erstellt er uns einen Rückblick auf die gesamte amerikanische Geschichte.
Wir erfahren,daß Indianerreservate nichts anderes als primitive KZs waren,wobei man statt Giftgas eben Pestverseuchte Decken spendete für den Winter.
Wir erfahren von der wirklich interessanten Entschlüsselung eines Angriffsbefehls:
Knapp eine Woche vor dem Angriff auf Pearl Harbor wurde ein entsprechender Funkspruch der Japaner entschlüsselt.
Wir erfahren nicht zuletzt auch vom Vietnamkrieg und dem schmerzhaften Umstand,daß der zur Zeit als das Buches erschien amtierende Bundespräsident von Weizäcker im Vorstand der Firma saß,die Agent Orange produzierte und lieferte.

Schockieren ist gewollt bei Deschner und darin ist er meisterlich!
Er versteht sich wie kaum ein anderer in Sarkasmus und provokantem Schreibstil,den man entweder hasst (sofern man die rosarote Brille aufbehält) oder liebt,wenn man sich auf die Möglichkeit dies sei wahr einlässt und nachkontrolliert.
Deschner neigt zwar gelegentlich dazu abzuschweifen in seinen Büchern,um damit einen besseren Gesamteindruck zu vermitteln,aber hier bleibt er doch recht strikt am Zeitgeschehen.

Alles in allem kann ich dieses Buch in erster Linie aus zwei Gründen empfehlen:
Es ist eine Betrachtung der amerikanischen Geschichte,die kritisch ist und offenbahr wahr genug,sodaß sie nicht verboten werden konnte.
Zum Anderen ist Deschner für jeden,der sich mit dem Thema Christentum ernsthaft beschäftigen will,sei es weil er sich für gläubig hält oder sei es weil er sich für einen Atheisten oder einen Agnostiker hält,ein unverzichtbarer Autor.
Dieses Buch jedoch ist das von ihm,daß ich bis jetzt (hab leider noch nicht alle gelesen) las,am leichtesten verständliche und man kann sich langsam an seinen eigenwilligen Schreibstil gewöhnen.


Anmerkung:
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24 Bewertungen, 4 Kommentare

  • Baby1

    06.04.2007, 13:25 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • campimo

    14.02.2007, 10:43 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

    ¸☼°*✰ SH & LG ✰*°☼¸

  • Zuckermaus29

    03.11.2006, 17:06 Uhr von Zuckermaus29
    Bewertung: sehr hilfreich

    :o) liebe Grüße Jeanny

  • bertramlaibach

    14.03.2002, 18:16 Uhr von bertramlaibach
    Bewertung: sehr hilfreich

    fehlen nur kleinigkeiten,wie Preis und Seitenzahl etc,sonst ein sehr ausgewogener Beitrag!bela