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Erfahrungsbericht von Gering

Beklemmender wahrer Politthriller ohne Happy End

Pro:

Spannend geschrieben..

Kontra:

..trotz des anspruchvollen Themas

Empfehlung:

Ja

über Die Akte Odessa / Forsyth, Frederik
Die Geschichte des Nationalsozialistischen Deutschlands endete bei weitem nicht am 08.05.1945 bzw. am 22.05.1945, sondern die Nachwehen dieser unsäglichen Zeit wirken bis in die heutigen Tage nach.

So stammt der immer noch für Juristen maßgebliche Kommentar zum Grundgesetz von gerade dem Juristen, der der Nationalsozialistische Herrschaft einen rechtstaatlichen Anstrich verlieh. Und auch kam es vor, dass Menschen von ein und demselben Richter in ein Konzentrationslager gesteckt worden waren, bei Entschädigungsprozessen wieder vor eben diesem Richter sitzen mussten und sich dangen lassen mussten: „Sie lernen es wohl nie, was?“

Das Buch von Frederick Forsyth hat mir das CIAO Mitglied Pessoa empfohlen und ist ein Buch, das , wie die Geschichte auch, nicht mit einem Hollywood – Happy – End dienen kann.
Und dennoch ist Lektüre, da es sich um eine Mischung aus Thriller und Sachbuch handelt, beklemmend und bewegt den Leser ungemein.

Zwar mag das Buch, das1972 auf den Markt gekommen ist, vom Erzählstil etwas angestaubt erscheinen, der Inhalt aber ist weiterhin brandaktuell.


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ZUM INHALT

Dallas: Auf den Straßen der Stadt wird J.F .Kennedy von der Kugel eines Attentäters tödlich in die rechte Kopfseite getroffen und ist auf der Stelle tot. Die Meldung des Tages und der nächsten Wochen.

In Hamburg bringt sich ein Jude in einem Mietshaus durch das Aufdrehen der Gasleitung seines Herdes um. Das wäre sicherlich in einer Stadt wie Hamburg kaum einer bedeutenden Zeitungsmeldung wert gewesen und in der Tat wird der Hintergrund des Selbstmordes erst später offenkundig.
Am gleichen Abend trifft der freie Journalist Peter Miller, der unter anderem für eine große Illustrierte schreibt, die im Buch KOMET, in der Realität DER SPIEGEL heißt, zufällig auf den Krankenwagen, der zu diesem Selbstmord gerufen worden ist. Da er eine mögliche interessante Story wittert, folgt er dem Krankenwagen.
Vor Ort ist schon die Kriminalpolizei, darunter ein Mann, den Peter Miller gut kennt. Beide sind der Meinung, dass hier keine große Meldung zu holen ist.

Erst am Tag danach ruft der Polizist bei Miller wieder an, denn er hat eine Tagebuch des Toden gefunden und durchgelesen und ist von der Lektüre geschockt.
Er übergibt Miller das Tagebuch.

In dem Tagebuch schildert Salomon Tauber seine Lebensgeschichte, vor allem aber seine Zeit in verschiedenen Konzentrationslagern, vor allem aber die in dem Getto von Riga.
Hier wurden Hunderttausende Juden von der SS kaltblütig ermordet, erschossen, totgeprügelt, vergast, gehängt. Salomon Tauber selbst musste seine eigene Frau in den Gas-LKW führen.
Tauber selbst sah als einzige Möglichkeit, zu überleben und von den Geschehnissen in Riga der Nachwelt zu berichten, einer der gehassten Kapos zu werden, als dem Aufsichtspersonal im KZ, dass von den Insassen rekrutiert wurde.
Bestialisch war vor allem der Kommandant in Riga, Roschmann, dem das Töten in allen möglichen Variationen Spaß machte und der die Opfer vor dem Tod noch aller Würde beraubte.

Tauber selbst litt Jahre lang unter seiner Entscheidung, wollte aber Vergeltung. Als ihm Jahre nach dem Krieg 1963 der alte Kommandant aber in Hamburg wieder über den Weg lief, unbehelligt, reich usw., da kam er zu der Überzeugung, dass niemand wirklich vergelten möchte und das Gute verliert. Deshalb nimmt sich Tauber das Leben.

Für Miller ist diese Geschichte ebenso packen dun ergreifend wie für den Leser auch, bei spielt aber eine weiter Begebenheit auf der Flucht des Herrn Roschmann eine bedeutende Rolle.

Miller entschließt sich, Roschmann ausfindig zu machen, stößt dabei aber schnell auf Wiederstand: Weder die Staatsanwaltschaft ist interessiert, den Schlächter von Riga zu fassen, was auch daran liegt, dass zu dieser zeit viele Juristen und auch Polizisten in Hamburg ebenfalls der SS angehört hatten: Ein Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Und auch alle anderen staatlichen Stellen zeigen eindeutig, dass die Aufklärung von Naziverbrechen nicht in ihrem Interesse liegt.

Und schon bald kommt Miller in den Kontakt mir der Organisation ODESSA, einer Schutzorganisation der Nazigrößen und der SS, die in den letzten Kriegsmonaten die Flucht der hohen Herrn geplant hat und in der Nachkriegszeit die Versorgung derer, aber auch den politischen Kampf gegen die neue Ordnung in Deutschland aufzunehmen.

ODESSA lässt Miller deutlich machen, dass er die Finger von den Nachforschungen lassen soll, bevor er sie sich verbrennt.
Denn Roschmann spielt mittlerweile, natürlich unter anderem Namen, eine wichtige Rolle in einem „Spiel“, das die Welt damals auf einen Schlag verändert hätte.

Miller aber gibt nicht auf und lässt sich auf ein Spiel ein, bei dem zumindest eine Seite skrupellos auch über Leichen geht.

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EINSICHTEN

Oben habe ich schon einiges zu diesem Buch als Einleitung angemerkt. Aber immer wieder, wenn ich solche Bücher – Fachbücher, authentische Bereicht, die auch diesem Buch zugrunde liegen – kommt mir , mit Verlaub gesagt, die Galle hoch.

Dass Verbrecher nach dem Krieg in einer Demokratie durch Seilschaften geschützt wurden, von denen alle wussten und die alle wichtigen Leute gestützt haben, bei mir jeglichen Verständnis.

Auch Konrad Adenauer macht da keine Ausnahme, auch er hat Menschen protegiert, von denen ihre begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit durchaus bekannt waren.

Richter wussten von Richterkollegen und duldeten sie im demokratischen Rechtsstaat. Polizisten, vormals SS – Scherken und Schlächter in Polen, machten in Hamburg Karriere, Militärrichter, die noch nach der Kapitulation Männer hinrichten ließen, wurden sogar Justizminister.

Der Holocaust ist der Schandfleck auf der Geschichte des Landes, 6 Millionen Juden, Zigeuner, Russen und Polen, Homosexuelle, sog. Asoziale, körperlich und geistig Behinderte oder solche, von denen man es behauptet, politisch Andersdenkende. All diese Verbrechen sind nicht Wiedergutzumachen, nur ansatzweise durch ein heute verändertes verhalten, dass die moralischen Konsequenzen aus diesen Geschehnissen zieht, zu mildern.

Der Skandal aber, und das ist das beschämende, bei dem jedem freiheitsliebenden Demokraten die Zornesröte ins Gesicht schießen muss, ist das , was Forsyth in diesem Buch skizziert: Dass die eigentlichen Täter in Deutschland nicht nur nicht verfolgt, sondern von staatlichen Behörden geschützt worden sind.

Insofern ist das Buch lesenswert auch für die Jüngeren unter uns.

An der Buchausgabe ist einzig und allein die sehr kleine Schrift und der sehr geringe Seitenabstand zu bemängeln, die das Lesen anstrengend gestalten.
Die nur 272 Seiten dieser Ausgabe wären in der normalen Buchgröße satte 400 Seiten oder mehr!



Michael

Frederick Forsyth
Die AKte Odessa
Piper Verlag München (Ausgabe Januar 2000)
ISBN 3-492-23126-8



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-27 15:58:15 mit dem Titel Erstlingswerk mit deutlichen Schwächen

Jung, blond, tot / Franz, Andreas

Als „atemberaubender und psychologisch dichter Roman“ feiert der Knauer Verlag selbst das Erstlingswerk von Andreas Franz „JUNG, BLOND, TOT“ und attestiert dem Autor, ein „Meister des Genre“ zu sein.

Nun, da kann man sicherlich geteilter Meinung sein.


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ZUM INHALT
(Wie gewohnt, nur ein Aufriss, wie immer: Lest selber!!!)

Eine Serie von bestialischen Mädchenmorden erschüttert und verunsichert Frankfurt a.M. und vor allem die oberen Zehntausend, denn die meisten Opfer stammen aus dieser Schicht oder hatten Verbindungen zu ihr.
Der Täter vergewaltigt die getöteten oder noch sterbende Mädchen auf mehrfache Weise, schneidet „fachmännisch“ eine Brust ab, bricht ihnen (Details lasse ich lieber weg) von innen das Schambein und formt aus ihren langen, blonden Haaren zwei Zöpfe, die er mit roten Schleifen verziert.
Alle Mädchen sind blond, das älteste Opfer ist 18 Jahre alt, alle Mädchen haben (bis auf eine Ausnahme) scheinbar schon in jungen Jahren den auffallenden Hang zu teurer und erotischen Spitzenunterwäsche entwickelt, einige Mädchen sind drogenabhängig.

Im Verlauf der Ermittlungen stößt Kommissarin Durant aber nicht nur auf eine scheinbar zum perversen und nymphoman veranlagten High Society, sondern auch auf einen Industriellen, der in seinem Haus im zweimonatigen Abstand Sexorgien mit jungen Mädchen und Jungen feiert, zusammen mit Männern aus eben dieser Gesellschaftsschicht.
Das ist ein pikantes Detail, ein weiteres aber ist, dass die Mordserie in Frankfurt scheinbar eine Verbindung zu einer Mordserie in Seattle/ USA hat.

Wie sich herausstellt, waren die meisten Mädchen in gerade diese „Feiern“, zu denen sie eingekauft wurden, indem die Eltern unter Druck gesetzt oder aber bezahlt worden waren, verstrickt.

Zudem wird schnell deutlich, dass der Täter selbst zwar nicht an den Partys teilgenommen, wohl aber aus der High Society selbst stammen muss.


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Dem Hobbypsychologen und Hobby Profiler wird allein schon diese Aufstellung einiges über den Täter verraten – und leider hatte ich nach 150 Seiten auch schon den entscheidenden Hinweise darauf, wer eigentlich nur der Täter sein kann.

Die Schwäche des Buches besteht einerseits in dieser Tatsache, zum anderen aber auch, dass die Protagonisten relativ schwach beleiben, ständig aus derselben Perspektive erzählt wird (mit zwei Ausnahmen) und dass z.B. der Polizeipsychologe teilweise nur Allgemeinplätze von sich gibt oder einfach nur Schwachsinn.

Da hätte in der Vorbereitung des Buches ein Wenig mehr über die Kunst der Profiler recherchiert werden sollen, die sich eben nicht mit PSYCHOANALYSE befassen, wie es fast nur noch in Deutschland üblich ist. Da gehört ein wichtiges Pfund SOZIOBIOLOGIE hinein( Lesetipp: WILSON: HOMICIDE, der auf die NATUR von Mord und Totschlag näher eingeht. Seine Ergebnisse lassen sich aber auch auf Deutschland übertragen, was ich selbst in meinem Studium empirisch betrieben haben mit teilweise nicht veröffentlichten Daten des BKA).
So ist es absolut ungewöhnlich, dass ein angeblicher Profiler nun überhaupt nichts über einen Täter aussagen kann. Die eigentliche Aufgabe ist aber doch gerade dieses, sonst gäbe es diese kriminologische Fachdisziplin mit Sicherheit nicht. Peinlich deshalb, weil diese Disziplin ja eigentlich in Deutschland (DDR Anfang der 70er Jahre!) „erfunden“ wurde.

Das ist eines der vielen Details, wo die Fabel des Buches unglaubwürdig ist und das Buch für mich deshalb deutliche Lese – Durststrecken aufweist, dich mich immer wieder als Leser gefordert haben, weiterzulesen.

Neben der EINWEG – Perspektive und der Skizzierung der handelnden Personen und den Längen der Erzählung war es aber auch ärgerlich, durch zwar nur eines, aber ein wesentliches Detail schon vorab die Auflösung des Falles ab der Hälfte des Buches zu kennen.

Andreas Franz versucht zwar, die Motive des Serienmörders bzw. die Genese eines Serienmörders zu skizzieren und zu analysieren (das tut er vor allem zum Schluss des Buches), doch die Schwächen der Handlung macht das nicht vergessen.




Michael





----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-12-28 18:35:08 mit dem Titel Geistesgeschichtlicher Krimi mit Format

Das Buch in dem die Welt verschwand von Wolfram Fleischhauer

Gedanken können töten, Ideen auch, Wer sich in der Weltgeschichte einmal umschaut, wird das in allen Bereichen bestätigt sehen. Nicht nur der, der Ideen „denkt“, sondern auch deren Anhänger können durchaus in Gefahr, sich nicht gerade bei einflussreichen Gruppen beliebt zu machen.
Eben davon handelt das Buch von Wolfram Fleischhauer „Das Buch, in dem die Welt verschwand“.


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INHALT

Nürnberg im Jahre 1780: Nicolai Röschlaub, Sohn eines Apothekers in Fulda, fristet ein kärgliches Dasein in Nürnberg als Lizenziat und Beisteher des örtlichen Stadtmediziners, nachdem er sich mit neumodischen Gedanken in seiner Heimatstadt unmöglich gemacht hat.
Nicolai ist ein junger Arzt mit einem wachen Verstand, der häufig genug damit konfrontiert wird, dass er mit dem Wissen seines Standes, dass noch aus dem Mittelalter stammt, nur wenig bis gar keine Krankheiten heilen kann.
Eines Abends dann wird er von einer Magd auf das nahe gelegene Schloss des Grafen Alldorf gebeten, um seiner Herrschaft zu helfen.
Mitten im tiefsten Winter kämpft er sich mit der mürrischen Magd bis dorthin vor um vor Ort mitgeteilt zu bekommen, dass der Graf seit nunmehr zwei Tagen ohne eine Lebenszeichen, sprich ohne seine Nahrungsmittel anzurühren bzw. seine Notdurft zu verrichten, in seiner Bibliothek eingeschlossen sei. Niemand dürfe freilich diese betreten.
Nicolai findet freilich einen möglichen Weg, herauszufinden, wie es um den Grafen steht. Allerdings werden alle Befürchtungen bestätigt: Der Graf liegt tot in einem Sessel vor dem Kamin, umgeben von einer Vielzahl an Büchern und alchemistischen Apparaturen.
Nicolai stellt fest, dass der gute alte Graf an eben derselben Köstlichkeit verschieden ist, wie auch der gute Sokrates (na, wovon ist hier wohl die Rede??).
Noch merkwürdiger wird der Sachverhalt, als Nicolai herausfindet, dass binnen Jahresfrist die gesamte Familie des Grafen Alldorf, also sein Sohn, seine Tochter, seine Frau und der Graf selbst, auf nicht gerade natürlichen Wegen ins Jenseits abberufen wurden. Zumindest beim Sohn wurde eindeutig ein Mord festgestellt.
Noch nebulöser wird das Ganze aber durch das Erscheinen des Justizrates Tassi, der vom Reichskammergericht zu Wetzlar bestellt wurde, um die Umstände des Todes des Grafen zu untersuchen. Und schnell steht fest, dass der Graf nicht gerade eine feine Weste hat.
Für Nicolai beginnt eine aufregende, aber auch an seinen Werten nagende Zeit, denn er tritt in den Dienst des Justizrates, um die Todesumstände näher zu untersuchen. Von diesem erhält er die Information, dass der Graf vermutlich Mitglied einer großen Verschwörung gewesen ist, die es aufzudecken gilt.
In einem Wald wird die Zeugin eines Mordes festgenommen, Mordopfer war ein enger Vertrauter des Grafen, der sich durch Flucht absetzen wollte. Er wurde grausam zerstückelt.
Die Frau mit Namen Magdalena ist zunächst aber nicht vernehmungsfähig.
Bald aber wird Nicolai klar, dass Tassi ein doppeltes Spiel spielt und nicht der ist, der er vorzugeben scheint. So wird Nicolai von einem Bekannten aus Wetzlar bestätigt, dass ein Justizrat mit dem o.g. Namen in Wetzlar nicht begannt sei.
Gleichzeitig zu diesen Ereignissen werden im gesamten Deutschen Reich Postkutschen überfallen. Den Passagieren wird nie etwas angetan, keinerlei Wertgegenstände geraubt, wohl aber die Kutschen an sich und auch die Fracht, die sie befördern, wurden sämtlich verbrannt.

Zusammen mit der Zeugin setzt sich Nicolai von Tassi ab, nicht ohne diesem sämtliche Unterlage zu stehlen. Aus diesen geht hervor, dass Tassi ganz andere Interessen verfolgt, als er ihm vorgegeben hat.
Nicolai und Magdalena machen sich auf nach Leipzig, dem Ort, an dem der Sohn des Grafen vor Jahresfrist erschlagen worden ist, um selbst herauszufinden, um was genau es sich bei der angeblichen Verschwörung rund um den Grafen Alldorf handelt….


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MEINUNG

Nicht gerade leichte Kost serviert Wolfram Fleischhauer seinen Lesern, was auch mit der Zeit zu tun hat, in der seine Handlung spielt bzw. aus logischen Gründen spielen muss.
Die Zeit der Aufklärung, in der Goethe und Schiller nicht nur ihre Sturm und Drang – Phase schriftstellerisch auslebten sondern auch als gesetzte Literaten schafften, trägt dem Namen nach zwar den neuen Ideen dieser zeit Rechnung, gibt aber kaum einen repräsentativen Sinneswandel der Menschen damals wieder. Einige wenige, darunter vereinzelt auch Herrschende, bekannten sich zu den Ideen der Aufklärung, die Mehrzahl aber der Herrschenden und auch des Bürgertums aber bleiben bei den gewohnten Vorstellungs- und Wertwelten, wie sie seit jahrhunderten etabliert war.
In dieser Zeit hatten es diejenigen durchaus schwer, die aufklärerische Gedanken veröffentlichten, die die Ideen der Kirche, was bsp. das Vorbestimmtsein des Lebens oder aber der Sinnbestimmung des Lebens an sich, mussten sich auf massiven Widerstand gefasst machen.
Die Zeit der Aufklärung war auch die Zeit des Freimaurertums und der Logen; Gruppen und Grüppchen, die mystischen Ideen und Idealen nacheiferten, oft ehr zu belächeln, in einigen Fällen aber auch von staatsgefährdenden Ausmaßen.
Skurril, so müsste man einige dieser Ideen nennen.

Und eben da beginnt der Anspruch dieses Buches, den Fleischhauer baut seine Handlung ein in die Vielzahl philosophischer und mystischer Gedankenwelten seiner Zeit mit seiner Vielzahl diverser Logen, geht ein auf das Machtverhältnis im damaligen deutschen Reich mit den beiden widerstreitenden Polen Preußen und Österreich usw. usf.
Vor allem die Dialoge der beiden Hauptpersonen, Magdalena und Nicolai, sind da oft so angelegt, dass man mehrfach lesen muss, um den Gedankengängen folgen zu können. In sofern also keine Leichte Kost nur zur mäßig tiefen Unterhaltung, sondern eine Lektüre, die schon ein wenig Hirnschmalz bei dem aufmerksamen Leser fordert.
Und dennoch: Man schafft die Lektüre des Buches sehr wohl ohne seinen Störig immer griffbereit haben zu müssen (obwohl hier und da für Kurzinfos empfehlenswert), und abgesehen von diesen Dialogen schafft es Fleischhauer sehr wohl, einen spannenden Krimi rund um ein geistesgeschichtliches Thema ersten Ranges seiner Zeit zu entwerfen.
Dabei hilft bei der Lektüre sicherlich auch die Anlage der Hauptfigur Nicolai, der ebenso „unwissend“ sein mag, wie der eine oder andere Leser: Unbeleckt in philosophischen oder mystischen Fragen muss dieser quasi stellvertretend für den Leser die ihm fremde Welt der gedanklichen Deutung der Welt mühevoll verstehen lernen und erarbeiten. Und nicht immer kann er das Verstehen, was da in einigen Hirnen der Zeit vor sich gehen mag.
Nicolai geht das ganze an als ein Mensch der Vernunft, der mit Hilfe der Logik zu ergründen sucht, was den Tot der vielen Menschen hervorgerufen haben mag. Doch alles kann mit Hilfe der Logik eben nicht erklärt werden……….

Insgesamt vielleicht kein Buch für jedermann oder aber jederfrau, eher ein Intelektuellenkrimi (im positiven Sinne). Wer also seichte Unterhaltung sucht, der wird an diesem Buch kaum Freude haben, aber Kenner dier Zeit, Liebahber anspruchsvoller Krimis und Interessierte der Geistesgeschichte werden vollauf zufrieden sein.

HINWEIS: Da, wie immer, der Schluss des Buches vieles erklärt, was zu Beginn als Frage die Handlung erst in Schwung bringt, habe ich bewusst wichtige Dinge nicht erwähnt. Allein das Zeitpunkt des Handlung und auch der Tipp „Geistesgeschichte“ sollte hier ausreichen!.



MICHAEL

12 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Striker1981

    10.07.2008, 21:58 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER