Erfahrungsbericht von Brüllwürfel
Friedrich, Sabine.: Nachthaut.
Pro:
Interessanter Stil unterhaltsam niveauvoll
Kontra:
teilweise etwas wirr einiges bleibt unklar streckenweise etwas lahm
Empfehlung:
Nein
Der Roman \"Nachthaut\" wurde von der Autorin Sabine Friedrich geschrieben, die 1958 in Coburg geboren wurde, jahrelang in Indien, Nepal, Nord- und Südamerika unterwegs war und ein Studium der Fachrichtungen Deutsch und Englisch mit der Promotion absolvierte. Ihre Publikationen bestehen aus einem Sachbuch und zwei Krimis.
Die Hauptperson dieses Romans heißt Susanne Karcher, ist 34 Jahre, Teilzeitlehrerein, lebt auf einer Nordseeinsel, in einer etwas baufälligen Kate, mit ihrer 6jährigen Tochter Marie und diversen Haustieren. An das Leben vor ihrer Mutterschaft kann sie sich kaum mehr erinnern. Die Insel ist erfunden und ähnelt in der Beschreibung Sylt und Amrum etwas.
Nun steht ein Klassentreffen des Abiturjahrgangs 1977 zum 15jährigen Jubiläum an. Susanne war nicht die Beliebteste in der Schule, hat auch zahlreiche Köpfe aus ihrem Erinnerungsfotots herausgeschnitten, weiß nicht was sie auf dem Treffen soll, will nicht hin, besucht das Klassentreffen aber dennoch. Bei den Reisevorbereitungen, der Anfahrt, dem Treffen und danach erinnert sie Stück für Stück ihre wohl verdrängte Vergangenheit. Uns Lesern werden die Erinnerungen an Teile von Susannes Biographie als kleine Geschichten offenbar, die unterbrochen oder eingerahmt sind von der Realität. Susanne litt unter ihrer rigorosen Mutter, rung in der Schule um Anerkennung, freundete sich mit Isa, der Neuen an. Ihr erster Freund war ein linker Revoluzer, ihre goße Liebe fand sie als Studentin. Paul, der eigentlich nicht Paul heißt, weil er ein Schwarzer ist, dessen Rücken übersät ist mit Narben von Folterungen, der Susanne bestohl, schlug und schließlich verließ. Derzeit war Susanne suizidgefährdet und ließ sich von diversen unbedeutenden Männern ausführen, wobei sie dann endlich bei Jens, dem Vater ihrer Tochter, landete und dachte, neu anfangen zu können in der Liebe.
Auf dem Klassentreffen fehlt die geliebte und bewunderte Freundin Isabella Niemann, Isa. Sie ist die einzige die fehlt, wie auch auf dem Abschlußfoto - denn sie hat die Schule abgebrochen und ist in alternative Lebensformen abgetaucht ( z.B. Wagenburg, besetzte Häuser). Wo ist sie, warum ist sie nicht da, wurde sie eingeladen, konnte man sie überhaupt erreichen???? Susanne fragt nach und beginnt Isa zu suchen.
Eine Klassenkameradin, mit der Isa besser befreundet war als mit Susanne ist Irmgard Bauer, Irmi, die schön war, modische Kleidung trug, Lippenstift benutzen durfte und von allen bewundert wurde. Irmi bekommt die zweite Hauptrolle des Buches. Auch ihre Gedanken, Wünsche und Erinnerungen werden uns Lesern zuteil. Irmgard Bauer lebt wieder in ihrer Heimatstadt, hat dort einen kleinen Laden mit Assesoires, wie z.B. Korkenzieher, Blumenvasen, Aschenbecher, die als besonders stylvoll gelten und versehen mit einem Aufkleber, der ihren Namen Irmgard Bauer trägt 20-30% teurer verkauft werden können als in anderen Läden. Sie wohnt mit ihrem Lebensabschnittsgefährten, dem höflichen und fürsorglichen Hubert zusammen, der in der selben Kleinstadt einen Weinladen besitzt. Irmi führt ihr Leben leblos, interessiert sich für nichts und niemand darin, weil sie schon seit ihrer Kindheit von den Konventionen und Verhaltensweisen der Erwachsenen angekotzt ist und versucht hatte, ihr Leben ganz anders zu gestalten. Doch dabei war der Tod ihrer Lebensliebe ein tiefer Einschnitt. Sie tingelte noch eine Weile durch die USA, gönnte sich Drogen, Alkohol und Sex und landete irgendwann schwerverletzt, entkräftet und willenlos bei ihrer Mutter am Heimatort. Dort wartete ein größeres Erbe ihres verstorbenen Vaters, womit sie sich den Laden einrichtete.
Da niemand - auch Irmi nicht - etwas über Isas Verbleib weiß, beschließt Susanne, die Freundin zu suchen, was den Hauptstrang der Handlung des Romans ausmacht. Bei dieser Suche entdeckt Susanne die schreckliche dunkle Seite der Menschheit. Als Irmgard meint, diese Suche sei für Susanne zu gefährlich, klinkt sie sich ein und sucht nach Susanne und Isa.
Im weiteren taucht ein Scribbo in den ersten Kapiteln des Buches auf. Scribbo ist eine Angewohnheit, die Susanne hat; ein mageres potthäßliches Ding mit Maushaaren und schlechtgeschnittener Kleidung, männlich und kann schreiben. So wird das Phänomen im Buch beschrieben. Beim weiteren Lesen erschien Scribbo mir jedoch eher wie eine Geisteskrankheit von Susanne, der im hinteren Bereich des Buches nichts mehr von sich vernehmen läßt. Entweder hat sie eine Schizophrenie aufgebaut, und hilft sich mit Scribbo aus ihrer selbstempfundenen Unzulänglichkeit, so daß bestimmte Dinge und Gedanken nur von Scribbo vollbracht werden können. Oder Scribbo ist eine Erfindung, eine Art Metapher zur besseren literarischen Darstellung. Beides kommt mir komisch vor.
Der Roman beginnt mit Susannes Zugfahrt in das Heimatstädtchen, wobei die Informationen für die Leser durcheinandersprudeln. Susannes Einstellung, Susannes Erinnerungen, Einführung von Scribbo, Darstellung von Ausschnitten Susannes aktuellem Leben. Anfangs war mir als Leserin unklar war das Buch will, welche Art von Roman es sein will, ob es interessant wird oder eher eine leicht Unterhaltung für gelangweilte Akademiker. Auffallend war von Beginn an der Styl, den ich als - zumindest etwas - expressionsitisch einordnen würde. So stellt die Autorin schon in der Vorbemerkung klar, daß sie die Zeichensetzung z.T. absichtlich inkorrekt bzgl. der offiziellen Grammatik benutzt, ...\"Wörter aus Fremdsprachen, die ich nicht beherrsche, sind rein lautliche und eventuell unübliche Transskriptionen.\"... Ich habe das Buch zu Ende gelesen. Über Teile, die v.a. im hinteren Romanbereich bis zum Schluß sind, ist die Lektüre sehr spannend. Der lange, nicht so spannende Bereich war für mich unterhaltsam, wobei ich v.a. von den sprachlichen Eigenheiten der Autorin beeindruckt war. Manchmal sind es Bagatellen, die sie beschreibt, dann wieder eine exorbitante Drastigkeit, mit der sie etwas beschreibt. Die Schrift eines rebellierenden Jugendlichen durchzieht alle Kapitel und dementsprechend ist häufiger eine Sichtweise vorhanden, die Interesse wecken kann. Im weiteren finde ich den mehrfach vollzogenen Perspektivenwechsel interessant. Wenn Irmi sich errinnert, ist Irmi die Hautpakteurin und alles stellt sich aus ihrer Perspektive dar. Wenn Susanne sich erinnert geschieht das aus ihrer Perspektive. Somit werden auch die geheimen Gedanken, die Susanne gegenüber Irmi hegt und ihr Bild von Irmi dem Selbstbild von Irmi gegenübergestellt und so weiter.
Fazit: Das Buch hat mir gefallen, sogar so gut, daß ich es nochmal lesen werde. Dementprechend könnte ich es ohne Bedenken weiterempfehlen. Allerdings ist es nichts für Action-Liebhaber, Schnulzen-Fans etc. Leute, die z.B. Konsalik, John Grisham und / oder Robin Cook toll finden, werden dieses Buch sicher nicht mögen.
Fakten: Friedrich, Sabine.: Nachthaut. Frankfurt a.M.; 2000; Eichborn Verlag. ISBN: 3-8218-0843-8 Normalpreis 18,41 €, in den Remitenden heruntergesetzt auf 1,-€ (Wohlthat\'sche Buchhandlung).
Die Hauptperson dieses Romans heißt Susanne Karcher, ist 34 Jahre, Teilzeitlehrerein, lebt auf einer Nordseeinsel, in einer etwas baufälligen Kate, mit ihrer 6jährigen Tochter Marie und diversen Haustieren. An das Leben vor ihrer Mutterschaft kann sie sich kaum mehr erinnern. Die Insel ist erfunden und ähnelt in der Beschreibung Sylt und Amrum etwas.
Nun steht ein Klassentreffen des Abiturjahrgangs 1977 zum 15jährigen Jubiläum an. Susanne war nicht die Beliebteste in der Schule, hat auch zahlreiche Köpfe aus ihrem Erinnerungsfotots herausgeschnitten, weiß nicht was sie auf dem Treffen soll, will nicht hin, besucht das Klassentreffen aber dennoch. Bei den Reisevorbereitungen, der Anfahrt, dem Treffen und danach erinnert sie Stück für Stück ihre wohl verdrängte Vergangenheit. Uns Lesern werden die Erinnerungen an Teile von Susannes Biographie als kleine Geschichten offenbar, die unterbrochen oder eingerahmt sind von der Realität. Susanne litt unter ihrer rigorosen Mutter, rung in der Schule um Anerkennung, freundete sich mit Isa, der Neuen an. Ihr erster Freund war ein linker Revoluzer, ihre goße Liebe fand sie als Studentin. Paul, der eigentlich nicht Paul heißt, weil er ein Schwarzer ist, dessen Rücken übersät ist mit Narben von Folterungen, der Susanne bestohl, schlug und schließlich verließ. Derzeit war Susanne suizidgefährdet und ließ sich von diversen unbedeutenden Männern ausführen, wobei sie dann endlich bei Jens, dem Vater ihrer Tochter, landete und dachte, neu anfangen zu können in der Liebe.
Auf dem Klassentreffen fehlt die geliebte und bewunderte Freundin Isabella Niemann, Isa. Sie ist die einzige die fehlt, wie auch auf dem Abschlußfoto - denn sie hat die Schule abgebrochen und ist in alternative Lebensformen abgetaucht ( z.B. Wagenburg, besetzte Häuser). Wo ist sie, warum ist sie nicht da, wurde sie eingeladen, konnte man sie überhaupt erreichen???? Susanne fragt nach und beginnt Isa zu suchen.
Eine Klassenkameradin, mit der Isa besser befreundet war als mit Susanne ist Irmgard Bauer, Irmi, die schön war, modische Kleidung trug, Lippenstift benutzen durfte und von allen bewundert wurde. Irmi bekommt die zweite Hauptrolle des Buches. Auch ihre Gedanken, Wünsche und Erinnerungen werden uns Lesern zuteil. Irmgard Bauer lebt wieder in ihrer Heimatstadt, hat dort einen kleinen Laden mit Assesoires, wie z.B. Korkenzieher, Blumenvasen, Aschenbecher, die als besonders stylvoll gelten und versehen mit einem Aufkleber, der ihren Namen Irmgard Bauer trägt 20-30% teurer verkauft werden können als in anderen Läden. Sie wohnt mit ihrem Lebensabschnittsgefährten, dem höflichen und fürsorglichen Hubert zusammen, der in der selben Kleinstadt einen Weinladen besitzt. Irmi führt ihr Leben leblos, interessiert sich für nichts und niemand darin, weil sie schon seit ihrer Kindheit von den Konventionen und Verhaltensweisen der Erwachsenen angekotzt ist und versucht hatte, ihr Leben ganz anders zu gestalten. Doch dabei war der Tod ihrer Lebensliebe ein tiefer Einschnitt. Sie tingelte noch eine Weile durch die USA, gönnte sich Drogen, Alkohol und Sex und landete irgendwann schwerverletzt, entkräftet und willenlos bei ihrer Mutter am Heimatort. Dort wartete ein größeres Erbe ihres verstorbenen Vaters, womit sie sich den Laden einrichtete.
Da niemand - auch Irmi nicht - etwas über Isas Verbleib weiß, beschließt Susanne, die Freundin zu suchen, was den Hauptstrang der Handlung des Romans ausmacht. Bei dieser Suche entdeckt Susanne die schreckliche dunkle Seite der Menschheit. Als Irmgard meint, diese Suche sei für Susanne zu gefährlich, klinkt sie sich ein und sucht nach Susanne und Isa.
Im weiteren taucht ein Scribbo in den ersten Kapiteln des Buches auf. Scribbo ist eine Angewohnheit, die Susanne hat; ein mageres potthäßliches Ding mit Maushaaren und schlechtgeschnittener Kleidung, männlich und kann schreiben. So wird das Phänomen im Buch beschrieben. Beim weiteren Lesen erschien Scribbo mir jedoch eher wie eine Geisteskrankheit von Susanne, der im hinteren Bereich des Buches nichts mehr von sich vernehmen läßt. Entweder hat sie eine Schizophrenie aufgebaut, und hilft sich mit Scribbo aus ihrer selbstempfundenen Unzulänglichkeit, so daß bestimmte Dinge und Gedanken nur von Scribbo vollbracht werden können. Oder Scribbo ist eine Erfindung, eine Art Metapher zur besseren literarischen Darstellung. Beides kommt mir komisch vor.
Der Roman beginnt mit Susannes Zugfahrt in das Heimatstädtchen, wobei die Informationen für die Leser durcheinandersprudeln. Susannes Einstellung, Susannes Erinnerungen, Einführung von Scribbo, Darstellung von Ausschnitten Susannes aktuellem Leben. Anfangs war mir als Leserin unklar war das Buch will, welche Art von Roman es sein will, ob es interessant wird oder eher eine leicht Unterhaltung für gelangweilte Akademiker. Auffallend war von Beginn an der Styl, den ich als - zumindest etwas - expressionsitisch einordnen würde. So stellt die Autorin schon in der Vorbemerkung klar, daß sie die Zeichensetzung z.T. absichtlich inkorrekt bzgl. der offiziellen Grammatik benutzt, ...\"Wörter aus Fremdsprachen, die ich nicht beherrsche, sind rein lautliche und eventuell unübliche Transskriptionen.\"... Ich habe das Buch zu Ende gelesen. Über Teile, die v.a. im hinteren Romanbereich bis zum Schluß sind, ist die Lektüre sehr spannend. Der lange, nicht so spannende Bereich war für mich unterhaltsam, wobei ich v.a. von den sprachlichen Eigenheiten der Autorin beeindruckt war. Manchmal sind es Bagatellen, die sie beschreibt, dann wieder eine exorbitante Drastigkeit, mit der sie etwas beschreibt. Die Schrift eines rebellierenden Jugendlichen durchzieht alle Kapitel und dementsprechend ist häufiger eine Sichtweise vorhanden, die Interesse wecken kann. Im weiteren finde ich den mehrfach vollzogenen Perspektivenwechsel interessant. Wenn Irmi sich errinnert, ist Irmi die Hautpakteurin und alles stellt sich aus ihrer Perspektive dar. Wenn Susanne sich erinnert geschieht das aus ihrer Perspektive. Somit werden auch die geheimen Gedanken, die Susanne gegenüber Irmi hegt und ihr Bild von Irmi dem Selbstbild von Irmi gegenübergestellt und so weiter.
Fazit: Das Buch hat mir gefallen, sogar so gut, daß ich es nochmal lesen werde. Dementprechend könnte ich es ohne Bedenken weiterempfehlen. Allerdings ist es nichts für Action-Liebhaber, Schnulzen-Fans etc. Leute, die z.B. Konsalik, John Grisham und / oder Robin Cook toll finden, werden dieses Buch sicher nicht mögen.
Fakten: Friedrich, Sabine.: Nachthaut. Frankfurt a.M.; 2000; Eichborn Verlag. ISBN: 3-8218-0843-8 Normalpreis 18,41 €, in den Remitenden heruntergesetzt auf 1,-€ (Wohlthat\'sche Buchhandlung).
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