Erfahrungsbericht von nici023
Fonteneau, Pascale "Die verlorenen Söhne der Sylvie Derijke"
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ort: Frankreich
Zeit: 1990er
Autor: Fonteneau, Pascale
Verlag: Distel Literatur, Heilbronn
Erschienen: 01.10.2001
ISBN: 3923208529
Typ: Taschenbuch
\"Ich versteh zwar nichts von Kindern, aber selbst ich weiß, dass sie in meinem Flur nichts zu suchen haben. Kinder treiben sich nie allein im Flur eines abgelegenen Hauses herum. Aber mein Haus ist abgelegen, und trotzdem stehen sie in meinem Flur. Zwei Kinder. Als schließe ich die Tür und öffne sie wieder, doch sie sind noch immer da.\"
Mit dieser bitteren Erkenntnis beginnt der groteske Roman von Fonteneau, dessen Titelheldin Sylvie Derijke bald feststellen muss, dass es sich bei den beiden ungebeten Gästen in ihrem Flur um die entführten Söhne der reichen Industriellenfamilie Walin-Delcreuze handelt. Sylvie will sofort die Polizei verständigen, doch einer der beiden hat flink das Telfonkabel durchgeschnitten, bevor Sylvie die Nummer wählen konnte. Nun gut, die lieben kleinen Jungs stehen noch völlig unter Schock, denkt sich Sylvie und beschließt sie höchstpersönlich bei der Polizei vorbeizubringen. Natürlich nicht ohne sich vorher in Schale zu werfen, denn unter Umständen kommt ja ein Kamerateam des Fernsehens vorbei und sie will auf alles vorbereitet sein. Auf der Fahrt schaltet sie das Radio ein und hört die Meldung von einem Flugzeugunglück, in dem alle sechs Insassen starben. Unter den Opfern befindet sich das Ehepaar Walin-Delcreuze, deren entführten Kinder sich hinter Sylvie auf dem Rücksitz befinden. Einen Blick in dem Rückspiegel zeigt ihr die seltsam teilnahmslose Reaktion der beiden auf die Nachricht, dass ihre Eltern gestorben sind. Doch es kommt noch seltsamer, denn die beiden sind absolut nicht gewillt auszusteigen, um mit Sylvie auf die Polizeistation zu gehen. Im Gegenteil, sie drohen Sylvie der Entführung zu beschuldigen, wenn sie nicht sofort umkehren würden.
Also fährt Sylvie wie gelähmt und fremdbestimmt mit diesen beiden altklugen und unsympathischen Knaben zurück zu dem alten Textilfabrikgelände, dessen Wohnhaus sie zusammen mit ihrem Mann Philipp bewohnt. Dieser ist zur Zeit auf den väterlichen Bauernhof gefahren, um diesen zu verkaufen. Er kann also seiner Frau in dieser verdrießlichen Situation nicht weiterhelfen, die nun Gefangene in ihrem eigenen Haus ist. Ihre beiden ungebetenen Gäste klären Sylvie darüber auf, wie das Imperium der Familie Walin-Delcreuze funktioniert, dass sie beispielsweise eben jene Fabrik auf der sie sich gerade befinden kauften, um sie anschließend zu schließen und sich somit eines lästigen Konkurrenten entledigten. Sylvie hält die Proletarierer-Ehre hoch und kann nur mit Mühe die Anwesenheit dieser Brutalo-Kapitalisten in Miniaturform ertragen. Das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten ist immer wieder Thema in diesem Roman, wirkt aber durch die Zusammenstellung dieser absurden Figuren nicht krampfhaft und ist mit einem guten Schuss Ironie gewürzt.
Die Struktur des Krimis ist einem Lied nachempfunden, denn die Kapitel werden Strophen genannt und dazwischen befindet sich ein Refrain. Dieser Refrain ist sehr abwechslungsreich, denn lediglich die letzte Zeile „Da hab ich mich gerächt“ wiederholt sich und neben der eigentlich Story interessiert man sich zunehmend für die mysteriöse Verbindung zwischen den Strophen und dem Inhalt des Refrains. Insgesamt schafft es der Krimi zwar nicht, das anfängliche Tempo über die gesamte Länge zu halten, aber dennoch ist er, nicht zuletzt aufgrund der witzigen und ungewöhnlichen Story, lesenswert.
Zeit: 1990er
Autor: Fonteneau, Pascale
Verlag: Distel Literatur, Heilbronn
Erschienen: 01.10.2001
ISBN: 3923208529
Typ: Taschenbuch
\"Ich versteh zwar nichts von Kindern, aber selbst ich weiß, dass sie in meinem Flur nichts zu suchen haben. Kinder treiben sich nie allein im Flur eines abgelegenen Hauses herum. Aber mein Haus ist abgelegen, und trotzdem stehen sie in meinem Flur. Zwei Kinder. Als schließe ich die Tür und öffne sie wieder, doch sie sind noch immer da.\"
Mit dieser bitteren Erkenntnis beginnt der groteske Roman von Fonteneau, dessen Titelheldin Sylvie Derijke bald feststellen muss, dass es sich bei den beiden ungebeten Gästen in ihrem Flur um die entführten Söhne der reichen Industriellenfamilie Walin-Delcreuze handelt. Sylvie will sofort die Polizei verständigen, doch einer der beiden hat flink das Telfonkabel durchgeschnitten, bevor Sylvie die Nummer wählen konnte. Nun gut, die lieben kleinen Jungs stehen noch völlig unter Schock, denkt sich Sylvie und beschließt sie höchstpersönlich bei der Polizei vorbeizubringen. Natürlich nicht ohne sich vorher in Schale zu werfen, denn unter Umständen kommt ja ein Kamerateam des Fernsehens vorbei und sie will auf alles vorbereitet sein. Auf der Fahrt schaltet sie das Radio ein und hört die Meldung von einem Flugzeugunglück, in dem alle sechs Insassen starben. Unter den Opfern befindet sich das Ehepaar Walin-Delcreuze, deren entführten Kinder sich hinter Sylvie auf dem Rücksitz befinden. Einen Blick in dem Rückspiegel zeigt ihr die seltsam teilnahmslose Reaktion der beiden auf die Nachricht, dass ihre Eltern gestorben sind. Doch es kommt noch seltsamer, denn die beiden sind absolut nicht gewillt auszusteigen, um mit Sylvie auf die Polizeistation zu gehen. Im Gegenteil, sie drohen Sylvie der Entführung zu beschuldigen, wenn sie nicht sofort umkehren würden.
Also fährt Sylvie wie gelähmt und fremdbestimmt mit diesen beiden altklugen und unsympathischen Knaben zurück zu dem alten Textilfabrikgelände, dessen Wohnhaus sie zusammen mit ihrem Mann Philipp bewohnt. Dieser ist zur Zeit auf den väterlichen Bauernhof gefahren, um diesen zu verkaufen. Er kann also seiner Frau in dieser verdrießlichen Situation nicht weiterhelfen, die nun Gefangene in ihrem eigenen Haus ist. Ihre beiden ungebetenen Gäste klären Sylvie darüber auf, wie das Imperium der Familie Walin-Delcreuze funktioniert, dass sie beispielsweise eben jene Fabrik auf der sie sich gerade befinden kauften, um sie anschließend zu schließen und sich somit eines lästigen Konkurrenten entledigten. Sylvie hält die Proletarierer-Ehre hoch und kann nur mit Mühe die Anwesenheit dieser Brutalo-Kapitalisten in Miniaturform ertragen. Das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten ist immer wieder Thema in diesem Roman, wirkt aber durch die Zusammenstellung dieser absurden Figuren nicht krampfhaft und ist mit einem guten Schuss Ironie gewürzt.
Die Struktur des Krimis ist einem Lied nachempfunden, denn die Kapitel werden Strophen genannt und dazwischen befindet sich ein Refrain. Dieser Refrain ist sehr abwechslungsreich, denn lediglich die letzte Zeile „Da hab ich mich gerächt“ wiederholt sich und neben der eigentlich Story interessiert man sich zunehmend für die mysteriöse Verbindung zwischen den Strophen und dem Inhalt des Refrains. Insgesamt schafft es der Krimi zwar nicht, das anfängliche Tempo über die gesamte Länge zu halten, aber dennoch ist er, nicht zuletzt aufgrund der witzigen und ungewöhnlichen Story, lesenswert.
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