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Erfahrungsbericht von denali

Frey, Stephen: "Der Bonus" / Mit Speck fängt man Mäuse

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Langsam wurde es Zeit, dass ich in der Welt der Wirtschaftskrimis neben Michael Ridpath (u.a. „Tödliche Aktien“ u. „Der Spekulant“) auch mal die andere Schreiber-Größe, nämlich Stephen Frey, literarisch kennen lernte. Meine Wahl zum Einstieg fiel auf eben dieses Buch mit dem Originaltitel „The Insider“, das in die deutsche Fassung mit „Der Bonus“ übersetzt wurde.

Inhalt:

Jay West, 28, ein mittlerer Angestellter einer kleinen Bank in New York City schwebt auf Wolke Sieben. Grund dafür ist ein Angebot des großen Investmenthauses M&L (= McCarthy & Lloyd) für die er fortan arbeiten soll. Sein Einsatzgebiet ist im einem speziellen Segment des Aktienhandels, nämlich die Abteilung für potentielle Übernahmekandidaten (für Nicht-Insider: Firma A kauft Firma B – dieses gilt es rechtzeitig zu erkennen). Bei guter und solider Arbeit winkt ihm ein Bonus (neudeutsch: variabler Gehaltsteil) von einer Million Dollar. Klar, das $-Zeichen trübt den Blick und er steigt auch sofort ein, sehr zum Verdruss des Personalchefs und dem Boss der Firma. Aber Oliver Mason, Leiter dieses speziellen Handels-Desk ist sein großer Fürsprecher boxt seine Einstellung durch und stellt Jay unter seinen persönlichen Schutz.
In den nächsten Wochen tat Jay sein Bestes, aber ein „großer Wurf“ wollte ihm einfach nicht gelingen. Damit vergrößerte sich natürlich der Unmut der hohen Herren. Zudem wurde noch die attraktive Sally Lane eingestellt und er wusste nicht mehr, woran er war und sah in ihr in erster Linie eine Person, die ihn aus der Firma kegeln sollte. Um den Anschluss nicht zu verpassen, befolgte er brav die Anweisungen seines Fürsprechers. Und genau darin lauert die Falle.....

Denn was Jay nicht ahnt ist, dass M&L aufgrund ihrer immensen Erfolge im Aktienhandel ins Visier der Börsenaufsicht geraten ist. Bill McCarthy, oberster Boss des Unternehmens, hält wegen seiner erworbenen wirtschaftlichen Stellung Verbindungen zu höchsten Regierungskreisen in Washington. Einwandfrei steht fest, dass M&L sich nur deswegen so emporgearbeitet hat, weil die Firma verbotenerweise Insiderwissen für ihre Handelsentscheidungen nutzte. Gegen hohe Parteispenden lässt McCarthy sich auf einen Deal ein – er und seine Firma werden verschont, wenn ein „Opferlamm“ der Öffentlichkeit präsentiert wird. Diese Rolle scheint Jay durch seinen Gehorsam gegenüber der Vorgesetzten auf den Leib geschrieben zu sein.

Allerdings, so dumm ist Jay nun auch wieder nicht. Er ahnt was sich über ihn zusammenbraut und beginnt Beweise für seine Unschuld zu sammeln. Er erkennt, dass er niemanden mehr vertrauen kann und verstrickt sich mit seinen Recherchen immer tiefer in einen Sumpf von Machtmissbrauch und Korruption. Mysteriös ist auch eine Überweisung von M&L an ein Reisebüro in Boston über 5 Millionen Dollar. Er bekommt heraus, dass dieses Reisebüro ein Tarnunternehmen der IRA-Splittergruppe „Donegal Volunteers“ ist.

Und wie das jetzt alles zusammenpasst, welche Rolle Sally Lane spielt und ob Jay sich seiner kostbaren Haut erwehren kann, müsst Ihr aber bitte selbst nachlesen. Es lohnt sich wirklich.


Meinung:

Ich kenne die anderen Romane von Frey (noch) nicht – in diesem wird der Leser mit der Finanzwelt aber nur kurz, dafür heftig, in Berührung gebracht. Keine Sorge, Verständnisschwierigkeiten bei Unkundigen sollten nicht auftreten, denn Frey erklärt die Zusammenhänge wirklich gut. Ab und an sind im Manuskript Gedankensprünge, aber es formt sich alles perfekt zu einem spannenden Finale. Die Figur „Jay West“ kommt äußerst sympathisch rüber und als Leser leidet man schon etwas mit. Ausschmückende Handlungs- und Personenbeschreibungen lässt er zu Gunsten der Spannung weg, die auch durchgehend auf einem sehr hohen Level gehalten wird. Zudem kann diese Geschichte durchaus auch in der realen Welt spielen. Aufgrund diesen Tatsachen habe ich das Buch in einem Zug gelesen und bin am nächsten Morgen dementsprechend etwas zerknittert beim Frühstück erschienen.

Autor:

Informationen zu Stephen Frey sind rar gesät und widersprüchlich. Einige behaupten, dass er noch als Investmentbanker tätig ist, andere gehen davon aus, dass er diesen Beruf schon an den sprichwörtlichen Nagel gehangen hat. Zumindest weiß Frey ganz genau, worüber er schreibt. „Der Bonus“ ist sein insgesamt fünftes Werk und wurde im Original im Jahre 1999 veröffentlicht. Inzwischen sind zwei weitere Bücher von ihm erschienen.

Das Buch:

Als Taschenbuch hat der Ullstein-Verlag dieses Werk 2001 aufgelegt und ist mittlerweile in der 2. Auflage erhältlich (ISBN 3-548-25035-1). Das Lesevergnügen ist 396 Seiten stark und zum Preis von 7,45 Euro neuwertig zu erstehen.

Fazit:

Für das Lesevergnügen ist der Kaufpreis gut angelegtes Geld. Wer die Welt der Wirtschaftskrimis noch nicht kennt, ist (zumindest gilt das für dieses Buch) bei Stephen Frey gut aufgehoben. Für meinen Teil werde ich mich demnächst auch mal seine anderen Werke arbeiten, um zu sehen ob Er im „Dauertest“ wie sein Kollege Ridpath in seiner Leistung nachlässt.

Viele Grüße
denali

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