Erfahrungsbericht von Volker111
Gefährliche Welt der Erinnerung
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Der Glaspavillon Nicci French (1997 Memory Game)
::::::::Vorbemerkungen::::::::::
Da mir mein erstes Buch von Nicci French, Höhenangst, so ausgezeichnet gefallen hatte, suchte und fand ich weitere Romane der Schriftstellerin. Dabei stieß ich auch auf ihr Erstlingswerk 'Der Glaspavillon' und auf den Roman 'Ein sicheres Haus', welches ich als vorläufig letztes der Nicci French Reihe besprechen werde.
Schade, dass treffende Originaltitel der englischen Ausgaben so selten angemessen wenigstens sinngemäß ins Deutsche übertragen werden. Denn Memory Game hat einen wesentlich entscheidenderen Bezug zur Story mit dem Wendepunkt als der deutsche Titel 'Glaspavillon'.
Ansonsten aber erscheint wenigstens diesmal die Inhaltsangabe auf dem Cover bzw. dem Innenblatt des Taschenbuches relativ zutreffend und genau, was man heutzutage schon lobenswert hervorheben muss.
Ich werde und kann daher einen größeren Teil dieser inhaltlichen Einführung guten Gewissens zitieren.
Die Klammerangaben sind Ergänzungen von mir.
**** Inhaltsanriss ****
' Immer an einem Wochenende im Spätherbst treffen sich die Mitglieder der Martello-Familie (seit Jahrzehnten) auf ihrem feudalen Landsitz zur Pilzsuche. Es ist jedes Jahr ein fröhliches Zusammenkommen, der Auftakt für die noch folgenden gesellschaftlichen Ereignisse. Doch diesmal wird (beim Ausheben der Baugrube für den Glaspavillon) im Park des Anwesens ein Skelett gefunden und mit einem Schlag stürzt eine scheinbar wohlgeordnete Welt zusammen. Denn bei der Toten handelt es sich um Natalie, die seit 25 Jahren verschwundene Tochter des Hauses. - ...'
Den Rest der inhaltlichen Einführung gebe ich lieber wieder mit eigenen Worten wieder, da ich hier etwas anderer Auffassung bin.
Die offenkundig ermordete, damals von niemand bemerkt, schwangere Natalie erweist sich in rückblickender Erinnerung trotz verschiedener Beschönigungsversuche vieler beteiligten Personen als eine sehr schillernde Persönlichkeit. Schnell wird klar, dass ein Mitglied dieser Superfamilie der Täter sein muss.
Doch Jane, beste und damals gleichaltrige Freundin Natalies, die sich gerade nach langjähriger Ehe von Claud, dem ältesten Sohn der Familie trennt, scheint auf der Suche nach sich selbst im Rahmen einer Psychotherapie dem Täter durch Bewältigung ihrer Erinnerungen auf der Spur zu sein. Die Ereignisse spitzen sich zu und nehmen während ihrer eigenen kritischen Überprüfung dieser Aufarbeitung eine unerwartete Wendung.
:::::::: Resümee und Ausblick ::::::::
Spannung und psychologische Ausleuchtung der Personen, insbesondere der weiblichen Heldin Jane, kann man Nicci French nicht absprechen. Doch an die Intensität der Darstellung durchlebter Gefühle und ihrer inneren Widersprüche wie in 'Höhenangst' kommt sie in diesem Erstlingswerk noch nicht heran.
Ein Hauptmotiv, welches genauer zu benennen leider zu viel von der Spannung wegnehmen würde, ist in beiden Romanen sehr ähnlich bzw. gleich und hat auch mich schon immer fasziniert, vielleicht ein Grund, weshalb ich auch diesen Roman trotz der für mich persönlich nicht sehr überraschenden Wendung im Geschehen, sehr gerne gelesen habe.
Ach ja, ein mögliches Vorurteil meinerseits, allerdings aus der Erfahrung verschiedener Personen meines Umfeldes heraus des öfteren bestätigt, zeigt der Roman eindrucksvoll: VORSICHT mit Psychiatern! Auch hier ist blindes Vertrauen völlig fehl am Platz!
In meinen Augen verdient der Roman durchaus eine Empfehlung. Er erscheint mir aber eben noch nicht so gelungen wie ihr Werk 'Höhenangst'. Das Taschenbuch im Goldmann-Verlag kostete bei amazon.de 14,90 DM und umfasst 382 Seiten.
Mal sehen, ob ihr Roman 'Ein sicheres Haus' das gleiche Hauptmotiv enthält und wo dieser in der Qualität liegt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-04 13:16:26 mit dem Titel Hemmungslose Liebe zu einem Psychopathen?
Nicci French "Höhenangst" (Killing Me Softly) Taschenbuchausgabe Mai 2001 Goldmann-Verlag
Lady of Crime wird in GB die in London lebende Journalistin Nicci French nach ihren ersten zwei Romanen angeblich genannt.
Nun, in ihrem Psychothriller Höhenangst steht meiner Meinung nach die Schilderung einer hemmungslosen, leidenschaftlichen Liebe ohne jegliche sexuellen Tabus im Vordergrund.
Erschreckend und doch gleichzeitig faszinierend, wie die Liebe völlig unvorbereitet die Heldin, Alice, 30 Jahre alt und in einer eigentlich eher konventionellen Beziehung lebend, völlig aus der Bahn wirft.
Ein einziger Blick und sie verfällt dem Bergsteiger Adam. Klingt unwahrscheinlich, doch aus eigener Erfahrung muss ich sagen, so etwas gibt es. Man kennt den anderen (die andere) nicht, die Augen sehen einander, man geht aufeinander zu, durch Tausende von Zuschauern zunächst voneinander getrennt. Man spricht miteinander und fühlt sich vertraut, als wäre man seit ewigen Zeiten, quasi schon in einem früheren Leben, irgendwie eins gewesen.
Eine unglaubliche körperliche Zuneigung erzeugt eine zugleich zärtliche und auch wieder spannungsgeladene Atmosphäre. Doch zurück zum Roman.
In der Mittagspause wartet Adam bereits auf Alice und sie folgt ihm in eine fast leere Wohnung. Ohne sich namentlich oder sonstig zu kennen, lässt sie sich auf eine unglaublich intensive, sexuelle Beziehung ein.
Im Buch heißt es: (S.33)"..Es hatte in meinem Leben mittelmäßigen Sex gegeben, guten Sex, großartigen Sex. Das hier hatte mehr von vernichtendem Sex. Wir krachten ineinander, versuchten die trennende Barriere aus Haut und Fleisch zu überwinden. Wir klammerten uns aneinander, als würden wir ertrinken. Wir kosteten einander, als wären wir völlig ausgehungert. Und die ganze Zeit sah er mich an. Er sah mich an, als wäre ich das Schönste, was er je gesehen hätte, und während ich auf dem harten, staubigen Boden lag, fühlte ich mich tatsächlich schön, - schön, schamlos und ziemlich am Ende."
Ich würde ja gerne weiter zitieren, doch soll mein Beitrag jugendfrei bleiben. Daher muss ich leider darauf verzichten, auch noch den nächsten Absatz zur Verdeutlichung wieder zu geben.
Nach dem ersten Ansturm der Gefühle versucht Alice, diese von ihr nicht zu kontrollierende Beziehung wieder zu beenden. Für eine kurze Zeit scheint ihr das zu gelingen, doch schließlich ergibt sie sich ihrer Leidenschaft.
Natürlich wird das Hin und Her, der Widerstreit von Verstand, Gefühl, abhängiger Sexualität ausführlichst beschrieben, mit all den sozialen Konsequenzen einer solchen Beziehung.
Trotz einer weiteren Eskalation dieser ambivalenten Gefühle beginnt aber unsere Heldin ihre intellektuelle Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Von diesem Moment an beginnt eigentlich der packende Psychokrimi, immer noch stark verwoben mit dieser erschreckenden Totalität einer sexuellen und psychischen Abhängigkeit.
Inhaltlich möchte ich hier nichts weiter vorwegnehmen, nur so viel, Intellekt und vor allem Selbsterhaltungstrieb führen unsere Heldin in ein äußerst dramatisches Finale.
Dieser Roman fesselte mich so stark, dass ich ihn an zwei Tagen hintereinander auslas, weil ich es nicht erwarten konnte, die Lösung bzw. das Ende dieses Psychodramas zu erfahren.
Gleich anschließend besorgte ich mir über amazon.de die zwei Vorgängerromane, "Der Glaspavillon" und "Ein sicheres Haus", in der Erwartung, ähnlich spannend dramatische Psychothriller als Lektüre zu erhalten.
Sollten meine Erwartungen mich nicht getrogen haben, werde ich natürlich hier von diesen Romanen berichten.
Den Roman HÖHENANGST versehe ich mit dem Prädikat "unbedingt lesen". Natürlich gilt diese Empfehlung nur für Erwachsene. Fast hätte ich den Preis vergessen, 14,90 DM sind hier wirklich gut angelegt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-20 19:39:54 mit dem Titel Hemmungslose Liebe zu einem Psychopathen?
Nicci French "Höhenangst" (Killing Me Softly) Taschenbuchausgabe Mai 2001 Goldmann-Verlag
Lady of Crime wird in GB die in London lebende Journalistin Nicci French nach ihren ersten zwei Romanen angeblich genannt.
Nun, in ihrem Psychothriller Höhenangst steht meiner Meinung nach die Schilderung einer hemmungslosen, leidenschaftlichen Liebe ohne jegliche sexuellen Tabus im Vordergrund.
Erschreckend und doch gleichzeitig faszinierend, wie die Liebe völlig unvorbereitet die Heldin, Alice, 30 Jahre alt und in einer eigentlich eher konventionellen Beziehung lebend, völlig aus der Bahn wirft.
Ein einziger Blick und sie verfällt dem Bergsteiger Adam. Klingt unwahrscheinlich, doch aus eigener Erfahrung muss ich sagen, so etwas gibt es. Man kennt den anderen (die andere) nicht, die Augen sehen einander, man geht aufeinander zu, durch Tausende von Zuschauern zunächst voneinander getrennt. Man spricht miteinander und fühlt sich vertraut, als wäre man seit ewigen Zeiten, quasi schon in einem früheren Leben, irgendwie eins gewesen.
Eine unglaubliche körperliche Zuneigung erzeugt eine zugleich zärtliche und auch wieder spannungsgeladene Atmosphäre. Doch zurück zum Roman.
In der Mittagspause wartet Adam bereits auf Alice und sie folgt ihm in eine fast leere Wohnung. Ohne sich namentlich oder sonstig zu kennen, lässt sie sich auf eine unglaublich intensive, sexuelle Beziehung ein.
Im Buch heißt es: (S.33)"..Es hatte in meinem Leben mittelmäßigen Sex gegeben, guten Sex, großartigen Sex. Das hier hatte mehr von vernichtendem Sex. Wir krachten ineinander, versuchten die trennende Barriere aus Haut und Fleisch zu überwinden. Wir klammerten uns aneinander, als würden wir ertrinken. Wir kosteten einander, als wären wir völlig ausgehungert. Und die ganze Zeit sah er mich an. Er sah mich an, als wäre ich das Schönste, was er je gesehen hätte, und während ich auf dem harten, staubigen Boden lag, fühlte ich mich tatsächlich schön, - schön, schamlos und ziemlich am Ende."
Ich würde ja gerne weiter zitieren, doch soll mein Beitrag jugendfrei bleiben. Daher muss ich leider darauf verzichten, auch noch den nächsten Absatz zur Verdeutlichung wieder zu geben.
Nach dem ersten Ansturm der Gefühle versucht Alice, diese von ihr nicht zu kontrollierende Beziehung wieder zu beenden. Für eine kurze Zeit scheint ihr das zu gelingen, doch schließlich ergibt sie sich ihrer Leidenschaft.
Natürlich wird das Hin und Her, der Widerstreit von Verstand, Gefühl, abhängiger Sexualität ausführlichst beschrieben, mit all den sozialen Konsequenzen einer solchen Beziehung.
Trotz einer weiteren Eskalation dieser ambivalenten Gefühle beginnt aber unsere Heldin ihre intellektuelle Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Von diesem Moment an beginnt eigentlich der packende Psychokrimi, immer noch stark verwoben mit dieser erschreckenden Totalität einer sexuellen und psychischen Abhängigkeit.
Inhaltlich möchte ich hier nichts weiter vorwegnehmen, nur so viel, Intellekt und vor allem Selbsterhaltungstrieb führen unsere Heldin in ein äußerst dramatisches Finale.
Dieser Roman fesselte mich so stark, dass ich ihn an zwei Tagen hintereinander auslas, weil ich es nicht erwarten konnte, die Lösung bzw. das Ende dieses Psychodramas zu erfahren.
Gleich anschließend besorgte ich mir über amazon.de die zwei Vorgängerromane, "Der Glaspavillon" und "Ein sicheres Haus", in der Erwartung, ähnlich spannend dramatische Psychothriller als Lektüre zu erhalten.
Sollten meine Erwartungen mich nicht getrogen haben, werde ich natürlich hier von diesen Romanen berichten.
Den Roman HÖHENANGST versehe ich mit dem Prädikat "unbedingt lesen". Natürlich gilt diese Empfehlung nur für Erwachsene. Fast hätte ich den Preis vergessen, 14,90 DM waren hier wirklich gut angelegt. Aktuell kostet das Buch 8 €.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-02 19:44:11 mit dem Titel Zeitreise als romantischer Liebesroman
Die Prophetin von Luxor Suzanne Frank
• • • Vorwort • • •
Bei diesem Roman war ich hin und her gerissen.
Einerseits faszinierte mich das Feuerwerk der Einfälle und Ideen dieser Schriftstellerin, die sich ihre historische Inspiration für diesen dem Wesen nach eher romantisch überzogenen Liebesroman auf ihren zahlreichen Reisen durch Ägypten holte, wo sie laut Covertext als Journalistin für Tageszeitungen und Zeitschriften arbeitete.
Andererseits regten mich innerlich beim Lesen ständig ihre zahlreichen jegliche Logik oder Psychologie vermissenden Wendungen und Abläufe auf.
Nichts gegen phantastische Züge, nichts gegen Wunder nebst Magie oder Zauberei, doch sollten diese nicht mit pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen verbunden werden.
Fiktion sollte deutlich als Fiktion gekennzeichnet sein.
°°°° Kurzer Inhaltsabriss °°°°
Wie üblich nur ein relativ kurzer Inhaltsabriss, um nicht zu viel von der aus meiner Sicht doch nicht unerheblich nachlassenden Spannung gegen Ende des Romans vorwegzunehmen.
Chloe Kingsley aus Dallas, die ihre Schwester bei archäologischen Ausgrabungen in Ägypten besucht, wird im Tempel von Karnak ins Jahr 1452 vor Christus "gewirbelt" und findet sich dort im Körper einer ägyptischen Hohen Priesterin wieder (Bilden Körper und Seele bzw. Psyche nicht eine Einheit?).
Hier muss sie sich der Rache verschiedener Personen erwehren, einer Rache, die von ihrer "Vorkörperbesitzerin" ausgelöst wurden.
(Warum und wie ausgerechnet sie diese Zeitreise antrat, wird später ansatzweise geklärt, doch ob jemand anderes ohne Zutun "ausgetauscht" werden kann und dies scheinbar ohne den ansonsten wohl tödlichen Kulturschock überlebt, bleibt offen!)
Relativ rasch gelingt es unserer Heldin, sich auch der zahlreichen Intrigen am Hofe des weiblichen Pharaos Hatschepsut halbwegs erfolgreich zu erwehren.
Gleichzeitig stößt sie auf die Liebe ihres Lebens, auf Cheftu, den bedeutendsten Arzt am Hofe.
Langsam erkennt sie die Berufung ihrer göttlichen Mission, hin und her gerissen zwischen leidenschaftlichem Liebesverlangen und Pflichterfüllung.
Zum Inhalt soll ´s damit genug sein, obwohl die Umstände des Auszugs der Israeliten unter Moses aus Ägypten eine doch sehr bedeutsame inhaltliche Rolle spielen.
• • • Persönlicher Eindruck und Wertung • • •
Die Beschreibung ägyptischer Kultur (zwar aus dem Blickwinkel der Oberschicht), Örtlichkeiten etc. wirken recht farbig und sehr interessant.
Mit dem göttlichen Missionsgedanken und sämtlichen Eingriffen, Fügungen, Wundern eines völlig Unschuldige für die Fehlentscheidungen ihrer nicht gewählten Herrschaftsschicht grausam quälenden Gottes konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden.
Sicher kann und will ich bereits auch nicht akzeptieren, dass es EIN auserwähltes, besonderes Volk geben könnte, um dass sich der jüdische Gott besonders kümmert. Hier wäre Stoff für wochen- oder monatelange Diskussionen.
Die Schilderungen der Liebesszenen wirken zunächst durchaus "anregend", beginnen sich dann jedoch in ihrer Art stark schablonisiert zu wiederholen und hätten für meinen Geschmack im späteren Verlauf ruhig gestrafft werden können
Wer Romantik, Mystik, softerotisch artige Beschreibungen von Liebesszenen, religiöse Determinationsgedanken ergänzt durch recht gute Beschreibungen historischer Plätze und Orte liebt, der wird sich für diese Art von Roman durchaus begeistern können, ist er doch trotz der zu Beginn ungewohnten ägyptischen Namen insgesamt eher leicht zu lesen.
Zielgruppe dürfte hier eher die Leserinnen sein.
Für meine Person bereue ich zwar durchaus nicht, diesen Zeitreise-Liebesroman gelesen zu haben, brachte er mir doch zahlreiche Anregungen bestimmte historische Aspekte zu recherchieren, doch die weiteren Romane wie "Die Seherin von Knossos" und "Die Hüterin von Jericho" werde ich sicher nicht lesen.
Meine Empfehlung zu diesem Buch ist diesmal also recht personenspezifisch, wenn man so will, eine bedingte Empfehlung. Als Urlaubslektüre lohnen sich die 8,10 Euro für dieses Taschenbuch im Bertelsmannverlag aber durchaus.
Mein nächstes Buch mit Besprechung wird zu meiner Erholung mal wieder ein Stephen King Buch, Duddits - Dreamcatcher sein. Brauche nur noch genügend Urlaubstage zum Lesen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-09-21 11:21:20 mit dem Titel Auf der Suche nach dem Warum
Die Frau mit den Regenhänden Fleischhauer, Wolfram
Vorbemerkung: Diesen Bericht veröffentlichte ich erstmalig am 29.04.2001 auf CIAO, später auf YOPI, wo er dem Datencrash zum Opfer fiel. Auch das zweite Einstellen szand unter keinem guten Stern, da YOPI zu diesem Zeitpunkt mal wieder nicht erreichbar war. Da jedoch der Schriftsteller eine echte Empfehlung wert ist, versuche ich nochmals, dieses Buch ein paar Lesern mehr näher zu bringen.
Im Osterurlaub 2001 auf Madeira begann ich den Roman zu lesen. Nur anderthalb Tage später legte ich das gelesene Buch innerlich mehrfach traurig gestimmt beiseite, um gleich danach nochmals einige der schönsten Stellen nachzulesen.
Wie bei meinen sonstigen Buchbesprechungen auch, werde ich nur sehr wenig vom Inhalt verraten, um weder Spannung noch Überraschungsmomente vorwegzunehmen.
Kurzer Inhaltsanriss
Daher zum Inhalt nur so viel: Zwei Geschichten, die Untersuchung eines mutmaßlichen Kindermordes während der Zeit des letzten französischen Kaiserreiches unter Napoleon III zum Zeitpunkt der bevorstehenden Weltausstellung in Paris und die Liebesbeziehung eines deutschen Studenten zu einer Französin zu Beginn der Neunziger Jahre unseres 20. Jahrhunderts sind kunstvoll und doch schlüssig miteinander verbunden.
Die Schilderung der Aufklärung des damaligen Kriminalfalles, der Kampf des Pflichtverteidigers, um die angeklagte Mutter noch rechtzeitig zu entlasten und einen Justizmord zu verhindern, dient letztlich jedoch nur dazu, die zweite Geschichte, die Liebesgeschichte mit ihrem Ausgang verständlich werden zu lassen.
Bedeutung
Gleichzeitig macht der historisch orientierte Schicksals- Kriminalroman deutlich, wie wenig sich doch in der Vorgehensweise politisch Verantwortlicher von der Monarchie Napoleon III bis hin zur französischen Republik um 1990 geändert hat.
Das menschliche, individuelle Schicksal wurde und wird nach wie vor dem Macht- und Gewinnstreben der Herrschenden untergeordnet mit häufig schrecklichen Folgen für Tausende von Einzelschicksalen.
Trotz der enthaltenen politischen Aussagen wirkt dieser Roman nicht nur wunderschön durch die Sprache, aktuell und doch gleichzeitig historisches Hintergrundwissen vermittelnd, auffrischend, sondern vor allem auch wegen der ergreifenden Liebesgeschichte.
Die Lösung des vermuteten Kindermordes allein wäre schon des Lesens wert. Antriebsfeder, die Unschuld der angeklagten Mutter zu beweisen, ist zunächst weniger der Pflichtverteidiger sondern eine für damalige Verhältnisse erstaunlich emanzipatorische Exilfranzösin, aus England herbeigereist zur besseren medizinischen Versorgung ihres einem Überfall zum Opfer gefallenen Bruders.
Die gelungene Verknüpfung des Kriminalfalles jedoch mit der tragischen, intensiven Liebesbeziehung des deutschen Studenten mit der den damaligen Kriminalfall recherchierenden Französin, der Frau mit den Regenhänden, macht den Roman zu einem Meisterwerk.
FAZIT
Ich selber empfand diesen Roman als kunstvoll, spannend, dramatisch, erschütternd und doch voll positiver Lebensbejahung mit der romantischen Idee einer unsterblichen Liebe.
Jeder Leserin, jedem Leser mit Niveau und Anspruch kann ich diesen gleichzeitig hochspannenden als auch erotisch freizügigen Roman nur empfehlen.
Es gab ihn als Taschenbuch zu 18,90 oder gebunden zu 39,90 DM.
Zur Zeit gibt es bei amazon.de nur noch die Taschenbuchausgabe zu 9,90 Euro oder eine gebrauchte für 6 Euro
Bei Amazon.de erhielt der Titel 4 ½ Sterne von 5. Ich meine, ein Halber zu wenig. Bin gespannt auf eure Kommentare.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-03 18:36:50 mit dem Titel Nicht von Rache leiten lassen
Das rote Zimmer Nicci French
••• Vorwort / Einführung •••
Mein erstes Buch der Autorin Nicci French, eigentlich wohl eher des Autorenteams Nicci Gerrard und Sean French, Höhenangst (Killing me softly), hatte mich völlig begeistert, wie ich ja auch in einer Romanrezension hier deutlich machte.
Der Glaspavillon (The Memory Game) wusste in meinen Augen (siehe ebenfalls Bericht) auch zu überzeugen, so dass ich mich schon auf den Psychokrimi \"Das rote Zimmer\" freute.
Doch soviel vorweg, die sicher sehr hoch geschraubten eigenen Erwartungen konnte dieser Roman bei mir nicht ganz erfüllen.
Wer mehr über den Background dieses Schriftstellerteams erfahren möchte, besuche am besten deren eigene relativ gut gemachte Homepage, die allerdings nur in Englisch oder Französisch zur Verfügung steht: http://www.figuresdestyle.com/french/
Hier kann man sich sehr gut über sämtliche Werke des Autorenteams informieren wie da wären: The Memory Game, The Safe House, Killing me softly, Beneath The Skin, The Red Room. (Der Glaspavillon, Ein sicheres Haus, Höhenangst, Der Sommermörder, Das rote Zimmer)
Wer sich lieber auf Deutsch informiert, findet unter
http://www.krimi-couch.de/krimis/nicci-french.html
alles Wesentliche, unter anderem auch meinen Kommentar zu den bisherigen dortigen Rezensionen und Kommentaren.
Denn die Rezension z.B. zu \"Das rote Zimmer\" ist eine ungenaue, eher irreführende Inhaltsangabe sehr ähnlich der des Klappentextes. Doch dies ist leider bei vielen Verlagen der Fall, scheinbar um einen stärkeren Kaufanreiz zu bieten.
••• Kurzer Inhaltsanriss •••
Im Rahmen ihrer psychiatrischen Tätigkeit an einer Nervenklinik soll die noch sehr junge Ärztin Dr. Katherine Quinn, zumeist Kit genannt, bei der Polizei ein Gefälligkeitsgutachten über einen festgenommenen Stadtstreicher, Michael Doll, abgeben, der von besorgten Eltern der sexuellen Belästigung ihrer Kinder verdächtigt wird, da er sich unbefugt auf dem Gelände der Grundschule aufgehalten hatte.
Während, bzw. am Ende des Gutachtergesprächs kommt es durch die Provokation des Detectives Inspector Furth zu einem unkontrollierten Wutausbruch des Stadtstreichers.
Michael Doll fügt dabei der Ärztin mit einer Scherbe seiner zerbrochenen Tasse eine erhebliche Schnittwunde mitten im Gesicht zu, eine klare Affekthandlung.
(in den meisten Inhaltsangaben fehlt leider diese wichtige Vorhandlung und damit auch der verständliche innere Zwiespalt der jungen, im Gesicht leicht entstellten Psychiaterin)
Erst drei Monate später wird Kit von der Polizei gebeten ausgerechnet zu diesem Michael Doll, inzwischen eines Mordes verdächtigt, ihr Gutachten abzugeben. Ihr fallen Unstimmigkeiten auf. Außerdem stellt sie durch ihre trotz persönlicher Betroffenheit unvoreingenommene Sichtweise Parallelen zu einem weiteren Mordfall fest.
Doch die Polizei möchte weiterhin höchst ungern von ihrem Lieblingsverdächtigen ablassen.
Mehr möchte ich vom Handlungsablauf her hier nicht verraten, nur soviel, alle Klischeevorstellungen der äußerst einseitig ermittelnden Polizei müssen revidiert werden, allerdings nicht für alle Beteiligten rechtzeitig genug.
Ein paar Worte noch zum Titel Das rote Zimmer.
Der rote Raum ist Bestandteil eines Alptraumes, von dem Kit jedoch nicht schon immer sondern erst nach dem Unfall, wie sie selbst ihre erlittenen Verletzungen nennt, immer wieder heimgesucht wird.
In die Aufklärungsarbeit hinein, eigentlich ist ja nur die Erfassung des psychologischen Umfeldes der Tat ihre Aufgabe, spielt in nicht unerheblichem Umfang ihre persönliche Liebesbeziehung zu einem der Verdächtigen eine Rolle.
••• Wertung und Empfehlung •••
Der Roman ist spannend geschrieben, leicht zu lesen (nicht unbedingt leicht zum verstehen), zeigt wie ihre Vorgängerromane seelische Abgründe verschiedener Personen auf, besitzt aber nicht die Leidenschaft und Intensität der Gefühlsbeschreibungen der Vorgängerromane.
Bis auf die Heldin selbst bleiben diesmal doch, einschließlich der Opfer und Täter, die Personen in der seelischen Tiefe weniger gründlich wie sonst beschrieben.
Trotzdem handelt es sich um einen leicht überdurchschnittlichen, spannenden Psycho-Krimi, den ich durchaus empfehlen kann.
Zu der Behauptung, eine speziell weibliche Betrachtungsweise der Heldin hätte letztlich zur Aufklärung geführt, mein Kommentar auf folgender Internetseite: http://www.krimi-couch.de/krimis/nicci-french-das-rote-zimmer.html
\"Es ist gerade die vorurteilsfreie Sichtweise, weder Vorverurteilung noch der Ausschluss des scheinbar Unwahrscheinlichen, welche gegen alle konventionellen Widerstände zum Erfolg führt. Gewiss aber nicht eine speziell weibliche oder gar mütterliche Sichtweise. Die Absicht, negative UND positive Vorurteile deutlich zu machen scheint dem Autorenteam (Mann UND Frau) French NICHT gelungen zu sein, wenn man hier die Kommentare und Rezensionen liest!!\"
Tja, den spannenden Roman, 416 Seiten, Bertelsmann-Verlag, 1. Auflage 2001 z.B. über amazon.de zu 22,90 Euro gebunden oder gebraucht ab 10 Euro kaufen, lesen und eine eigene Meinung bilden. Bei amazon.de erhielt der Roman 4 Sterne durch die bisherigen Leser, was durchaus auch meiner Einschätzung entspricht. Ich freue mich wie immer über jeden konstruktiv-kritischen Kommentar.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-06 19:59:53 mit dem Titel Der (Un)Wert psychiatrischer Erklärungsmuster
Ein sicheres Haus (A Safe House) Nicci French
••• Vorworte •••
Nicci French, besser das Autorenteam French, siehe vorherigen Bericht, wird immer häufiger in einer Reihe genannt mit Minette Walters und Patricia Cornwell.
In dem vorliegenden Roman übertrifft das Autorenpaar zwar an Spannung, Dramaturgie, psychologischer Tiefe die Heldin betreffend (im letzten Punkt wirklich in der Tradition genannter Top-Autorinnen) die Konkurrenz, doch an einigen Bruchstellen der Geschichte habe ich wehmütig die überragende Kompetenz einer Kay Scarpetta von Patricia Cornwell vermisst.
Genug der Vorworte, eigentlich hätte ich das Buch schon vor geraumer Zeit als drittes nach \"Höhenangst\" und \"Der Glaspavillon\" lesen wollen. Einige unvorhersehbare Ereignisse lenkten mich so stark ab, dass ich erst vor wenigen Tagen, nach Lesen des dritten Romans \"Das rote Zimmer\" diesen Roman bei Überprüfung meiner Nicci French Bestände wieder entdeckte. Dann aber gab es kein Halten mehr. Das Buch wurde geradezu innerhalb zweier Tage verschlungen.
••• Kurzer Inhaltsanriss •••
Wieder einmal ist eine junge Ärztin der Fachrichtung Psychiatrie Heldin des Romans.
Samantha Laschen, kurz Sam, sucht und findet fernab des hektischen Londons ihr Wunschhaus Elm House in Essex, schön abseits, ruhig, auf dem Lande gelegen.
Hier will sie sowohl beruflich ihre Spezialkenntnisse in posttraumatischer Medizin als ärztliche Leiterin einer entsprechenden Klinik auch finanziell verwerten, als auch ihre Beziehung zum zeitweiligen Lebenspartner Danny klären, zu ihrer kleinen Tochter Elsie verbessern.
In ihrer Nachbarschaft wird das wohlhabende (18 Millionen) ältere Ehepaar Mackenzie auf grausame Art und Weise (Kehlen durchschnitten) umgebracht.
Fiona, die neunzehnjährige Tochter, überlebt relativ glimpflich, körperlich ziemlich unbeschadet, den Schnitt durch ihre Kehle.
Für dieses \"posttraumatisierte Opfer\" bietet sich aus Sicht ihres Hausarztes, der Polizei, vor allem aber auch Sams künftigen Klinikchefs Sams Haus als ideale Zuflucht- und Sicherungsstätte an.
Trotz eigener Bedenken kann Sam diesem Druck nicht standhalten. Sie nimmt Fiona auf.
Es entwickelt sich eine erstaunlich selbstbewusst agierende \"Opferpersönlichkeit\", von Tochter Elsie liebevoll Finn genannt.
Mehr möchte ich vom sich ständig dramatisch ändernden Ablauf nicht verraten, nur so viel, dass zu den zwei bekannten Leichen noch weitere drei hinzukommen werden.
••• Bewertung •••
Als Kay Scarpetta bzw. Patricia Cornwell Fan sträubten sich mir in diesem Roman leider sehr häufig die Haare. Auch nur halbwegs gründliche forensische Untersuchungen hätten die Polizei von Anfang an von der plump gelegten falschen Fährte abbringen müssen.
Selbst vom unbestritten überdurchschnittlich intelligenten Täter ausgehend darf bezweifelt werden, ob diese zahlreichen eklatanten kriminologischen Fehlleistungen in Spurensicherung, unvoreingenommener Beweissicherung, Ermittlung und vor allem in der Pathologie hätten eingeplant werden können und dürfen. Hier liegt meines Erachtens nach die größte Schwäche der Geschichte. Dumm, dümmer, Polizei scheint zuweilen Frenchs Lebensauffassung zu sein.
Genug jetzt der notwendigen Kritik, kommen wir zu den vorhandenen positiven Aspekten.
Hier beeindruckten mich die emotionalen Schilderungen, die erotischen Abschnitte wie auch die durchgehende Dramatik des Geschehens.
Positiv sehe ich die Vielzahl der originellen Ideen, so auch der Gedanke des sicheren Hauses.
Das Cover zum Buch täuscht. Es handelt sich um kein Haus aus festem Material. Es ist ein gedankliches Haus, in dem man Gegenstände (zu merkende Begriffe) an verschiedenen Stellen ablegt und sich so zum einen diese merkt, aber auch auf subtile Weise Botschaften über eine dritte Person ideal verschlüsselt austauschen kann.
Dieses Haus ist tatsächlich sicher, obwohl ich zunächst beim Buchtitel dachte: Übertrieben, absolut sichere Häuser gibt es nicht.
Wer die Mischung aus Sex, Crime und Psychothriller unter Vernachlässigung der Realität polizeilicher Ermittlungsarbeit schätzt, wird diesen Roman uneingeschränkt genießen.
Von mir allerdings gibt ´s 4 von 5 Sternen, denn trotz einiger hervorragender Qualitätsmerkmale stören mich einige unrealistische Annahmen, die zu stark konstruiert wurden, um dramatische Effekte möglich werden zu lassen.
Daher brauche ich geradezu zum Ausgleich als nächsten Roman Patricia Cornwells \"Vergebliche Entwarnung\". Eine klare Empfehlung spreche ich aber für den Thriller \"Ein sicheres Haus\" allemal aus.
Als Taschenbuch im Goldmann-Verlag, 349 Seiten, kostet es 8,45 Euro. Gebraucht wird es bei amazon.de schon ab 0,99 Euro, wie neu ab 1,90 Euro angeboten.
Ach ja, anderthalb Tage, den letzten Tag bis zwei Uhr nachts, brauchte ich zum Lesen. Ich mochte es einfach nicht aus der Hand legen, denn an Spannung lässt es bis zur letzten Seite nicht zu wünschen übrig, gerade weil der Schluss offen bleibt, im Kino es sicher eine Fortsetzung gäbe.
Ich freue mich wie üblich über Kommentare oder konstruktive Kritik.
::::::::Vorbemerkungen::::::::::
Da mir mein erstes Buch von Nicci French, Höhenangst, so ausgezeichnet gefallen hatte, suchte und fand ich weitere Romane der Schriftstellerin. Dabei stieß ich auch auf ihr Erstlingswerk 'Der Glaspavillon' und auf den Roman 'Ein sicheres Haus', welches ich als vorläufig letztes der Nicci French Reihe besprechen werde.
Schade, dass treffende Originaltitel der englischen Ausgaben so selten angemessen wenigstens sinngemäß ins Deutsche übertragen werden. Denn Memory Game hat einen wesentlich entscheidenderen Bezug zur Story mit dem Wendepunkt als der deutsche Titel 'Glaspavillon'.
Ansonsten aber erscheint wenigstens diesmal die Inhaltsangabe auf dem Cover bzw. dem Innenblatt des Taschenbuches relativ zutreffend und genau, was man heutzutage schon lobenswert hervorheben muss.
Ich werde und kann daher einen größeren Teil dieser inhaltlichen Einführung guten Gewissens zitieren.
Die Klammerangaben sind Ergänzungen von mir.
**** Inhaltsanriss ****
' Immer an einem Wochenende im Spätherbst treffen sich die Mitglieder der Martello-Familie (seit Jahrzehnten) auf ihrem feudalen Landsitz zur Pilzsuche. Es ist jedes Jahr ein fröhliches Zusammenkommen, der Auftakt für die noch folgenden gesellschaftlichen Ereignisse. Doch diesmal wird (beim Ausheben der Baugrube für den Glaspavillon) im Park des Anwesens ein Skelett gefunden und mit einem Schlag stürzt eine scheinbar wohlgeordnete Welt zusammen. Denn bei der Toten handelt es sich um Natalie, die seit 25 Jahren verschwundene Tochter des Hauses. - ...'
Den Rest der inhaltlichen Einführung gebe ich lieber wieder mit eigenen Worten wieder, da ich hier etwas anderer Auffassung bin.
Die offenkundig ermordete, damals von niemand bemerkt, schwangere Natalie erweist sich in rückblickender Erinnerung trotz verschiedener Beschönigungsversuche vieler beteiligten Personen als eine sehr schillernde Persönlichkeit. Schnell wird klar, dass ein Mitglied dieser Superfamilie der Täter sein muss.
Doch Jane, beste und damals gleichaltrige Freundin Natalies, die sich gerade nach langjähriger Ehe von Claud, dem ältesten Sohn der Familie trennt, scheint auf der Suche nach sich selbst im Rahmen einer Psychotherapie dem Täter durch Bewältigung ihrer Erinnerungen auf der Spur zu sein. Die Ereignisse spitzen sich zu und nehmen während ihrer eigenen kritischen Überprüfung dieser Aufarbeitung eine unerwartete Wendung.
:::::::: Resümee und Ausblick ::::::::
Spannung und psychologische Ausleuchtung der Personen, insbesondere der weiblichen Heldin Jane, kann man Nicci French nicht absprechen. Doch an die Intensität der Darstellung durchlebter Gefühle und ihrer inneren Widersprüche wie in 'Höhenangst' kommt sie in diesem Erstlingswerk noch nicht heran.
Ein Hauptmotiv, welches genauer zu benennen leider zu viel von der Spannung wegnehmen würde, ist in beiden Romanen sehr ähnlich bzw. gleich und hat auch mich schon immer fasziniert, vielleicht ein Grund, weshalb ich auch diesen Roman trotz der für mich persönlich nicht sehr überraschenden Wendung im Geschehen, sehr gerne gelesen habe.
Ach ja, ein mögliches Vorurteil meinerseits, allerdings aus der Erfahrung verschiedener Personen meines Umfeldes heraus des öfteren bestätigt, zeigt der Roman eindrucksvoll: VORSICHT mit Psychiatern! Auch hier ist blindes Vertrauen völlig fehl am Platz!
In meinen Augen verdient der Roman durchaus eine Empfehlung. Er erscheint mir aber eben noch nicht so gelungen wie ihr Werk 'Höhenangst'. Das Taschenbuch im Goldmann-Verlag kostete bei amazon.de 14,90 DM und umfasst 382 Seiten.
Mal sehen, ob ihr Roman 'Ein sicheres Haus' das gleiche Hauptmotiv enthält und wo dieser in der Qualität liegt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-04 13:16:26 mit dem Titel Hemmungslose Liebe zu einem Psychopathen?
Nicci French "Höhenangst" (Killing Me Softly) Taschenbuchausgabe Mai 2001 Goldmann-Verlag
Lady of Crime wird in GB die in London lebende Journalistin Nicci French nach ihren ersten zwei Romanen angeblich genannt.
Nun, in ihrem Psychothriller Höhenangst steht meiner Meinung nach die Schilderung einer hemmungslosen, leidenschaftlichen Liebe ohne jegliche sexuellen Tabus im Vordergrund.
Erschreckend und doch gleichzeitig faszinierend, wie die Liebe völlig unvorbereitet die Heldin, Alice, 30 Jahre alt und in einer eigentlich eher konventionellen Beziehung lebend, völlig aus der Bahn wirft.
Ein einziger Blick und sie verfällt dem Bergsteiger Adam. Klingt unwahrscheinlich, doch aus eigener Erfahrung muss ich sagen, so etwas gibt es. Man kennt den anderen (die andere) nicht, die Augen sehen einander, man geht aufeinander zu, durch Tausende von Zuschauern zunächst voneinander getrennt. Man spricht miteinander und fühlt sich vertraut, als wäre man seit ewigen Zeiten, quasi schon in einem früheren Leben, irgendwie eins gewesen.
Eine unglaubliche körperliche Zuneigung erzeugt eine zugleich zärtliche und auch wieder spannungsgeladene Atmosphäre. Doch zurück zum Roman.
In der Mittagspause wartet Adam bereits auf Alice und sie folgt ihm in eine fast leere Wohnung. Ohne sich namentlich oder sonstig zu kennen, lässt sie sich auf eine unglaublich intensive, sexuelle Beziehung ein.
Im Buch heißt es: (S.33)"..Es hatte in meinem Leben mittelmäßigen Sex gegeben, guten Sex, großartigen Sex. Das hier hatte mehr von vernichtendem Sex. Wir krachten ineinander, versuchten die trennende Barriere aus Haut und Fleisch zu überwinden. Wir klammerten uns aneinander, als würden wir ertrinken. Wir kosteten einander, als wären wir völlig ausgehungert. Und die ganze Zeit sah er mich an. Er sah mich an, als wäre ich das Schönste, was er je gesehen hätte, und während ich auf dem harten, staubigen Boden lag, fühlte ich mich tatsächlich schön, - schön, schamlos und ziemlich am Ende."
Ich würde ja gerne weiter zitieren, doch soll mein Beitrag jugendfrei bleiben. Daher muss ich leider darauf verzichten, auch noch den nächsten Absatz zur Verdeutlichung wieder zu geben.
Nach dem ersten Ansturm der Gefühle versucht Alice, diese von ihr nicht zu kontrollierende Beziehung wieder zu beenden. Für eine kurze Zeit scheint ihr das zu gelingen, doch schließlich ergibt sie sich ihrer Leidenschaft.
Natürlich wird das Hin und Her, der Widerstreit von Verstand, Gefühl, abhängiger Sexualität ausführlichst beschrieben, mit all den sozialen Konsequenzen einer solchen Beziehung.
Trotz einer weiteren Eskalation dieser ambivalenten Gefühle beginnt aber unsere Heldin ihre intellektuelle Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Von diesem Moment an beginnt eigentlich der packende Psychokrimi, immer noch stark verwoben mit dieser erschreckenden Totalität einer sexuellen und psychischen Abhängigkeit.
Inhaltlich möchte ich hier nichts weiter vorwegnehmen, nur so viel, Intellekt und vor allem Selbsterhaltungstrieb führen unsere Heldin in ein äußerst dramatisches Finale.
Dieser Roman fesselte mich so stark, dass ich ihn an zwei Tagen hintereinander auslas, weil ich es nicht erwarten konnte, die Lösung bzw. das Ende dieses Psychodramas zu erfahren.
Gleich anschließend besorgte ich mir über amazon.de die zwei Vorgängerromane, "Der Glaspavillon" und "Ein sicheres Haus", in der Erwartung, ähnlich spannend dramatische Psychothriller als Lektüre zu erhalten.
Sollten meine Erwartungen mich nicht getrogen haben, werde ich natürlich hier von diesen Romanen berichten.
Den Roman HÖHENANGST versehe ich mit dem Prädikat "unbedingt lesen". Natürlich gilt diese Empfehlung nur für Erwachsene. Fast hätte ich den Preis vergessen, 14,90 DM sind hier wirklich gut angelegt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-20 19:39:54 mit dem Titel Hemmungslose Liebe zu einem Psychopathen?
Nicci French "Höhenangst" (Killing Me Softly) Taschenbuchausgabe Mai 2001 Goldmann-Verlag
Lady of Crime wird in GB die in London lebende Journalistin Nicci French nach ihren ersten zwei Romanen angeblich genannt.
Nun, in ihrem Psychothriller Höhenangst steht meiner Meinung nach die Schilderung einer hemmungslosen, leidenschaftlichen Liebe ohne jegliche sexuellen Tabus im Vordergrund.
Erschreckend und doch gleichzeitig faszinierend, wie die Liebe völlig unvorbereitet die Heldin, Alice, 30 Jahre alt und in einer eigentlich eher konventionellen Beziehung lebend, völlig aus der Bahn wirft.
Ein einziger Blick und sie verfällt dem Bergsteiger Adam. Klingt unwahrscheinlich, doch aus eigener Erfahrung muss ich sagen, so etwas gibt es. Man kennt den anderen (die andere) nicht, die Augen sehen einander, man geht aufeinander zu, durch Tausende von Zuschauern zunächst voneinander getrennt. Man spricht miteinander und fühlt sich vertraut, als wäre man seit ewigen Zeiten, quasi schon in einem früheren Leben, irgendwie eins gewesen.
Eine unglaubliche körperliche Zuneigung erzeugt eine zugleich zärtliche und auch wieder spannungsgeladene Atmosphäre. Doch zurück zum Roman.
In der Mittagspause wartet Adam bereits auf Alice und sie folgt ihm in eine fast leere Wohnung. Ohne sich namentlich oder sonstig zu kennen, lässt sie sich auf eine unglaublich intensive, sexuelle Beziehung ein.
Im Buch heißt es: (S.33)"..Es hatte in meinem Leben mittelmäßigen Sex gegeben, guten Sex, großartigen Sex. Das hier hatte mehr von vernichtendem Sex. Wir krachten ineinander, versuchten die trennende Barriere aus Haut und Fleisch zu überwinden. Wir klammerten uns aneinander, als würden wir ertrinken. Wir kosteten einander, als wären wir völlig ausgehungert. Und die ganze Zeit sah er mich an. Er sah mich an, als wäre ich das Schönste, was er je gesehen hätte, und während ich auf dem harten, staubigen Boden lag, fühlte ich mich tatsächlich schön, - schön, schamlos und ziemlich am Ende."
Ich würde ja gerne weiter zitieren, doch soll mein Beitrag jugendfrei bleiben. Daher muss ich leider darauf verzichten, auch noch den nächsten Absatz zur Verdeutlichung wieder zu geben.
Nach dem ersten Ansturm der Gefühle versucht Alice, diese von ihr nicht zu kontrollierende Beziehung wieder zu beenden. Für eine kurze Zeit scheint ihr das zu gelingen, doch schließlich ergibt sie sich ihrer Leidenschaft.
Natürlich wird das Hin und Her, der Widerstreit von Verstand, Gefühl, abhängiger Sexualität ausführlichst beschrieben, mit all den sozialen Konsequenzen einer solchen Beziehung.
Trotz einer weiteren Eskalation dieser ambivalenten Gefühle beginnt aber unsere Heldin ihre intellektuelle Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Von diesem Moment an beginnt eigentlich der packende Psychokrimi, immer noch stark verwoben mit dieser erschreckenden Totalität einer sexuellen und psychischen Abhängigkeit.
Inhaltlich möchte ich hier nichts weiter vorwegnehmen, nur so viel, Intellekt und vor allem Selbsterhaltungstrieb führen unsere Heldin in ein äußerst dramatisches Finale.
Dieser Roman fesselte mich so stark, dass ich ihn an zwei Tagen hintereinander auslas, weil ich es nicht erwarten konnte, die Lösung bzw. das Ende dieses Psychodramas zu erfahren.
Gleich anschließend besorgte ich mir über amazon.de die zwei Vorgängerromane, "Der Glaspavillon" und "Ein sicheres Haus", in der Erwartung, ähnlich spannend dramatische Psychothriller als Lektüre zu erhalten.
Sollten meine Erwartungen mich nicht getrogen haben, werde ich natürlich hier von diesen Romanen berichten.
Den Roman HÖHENANGST versehe ich mit dem Prädikat "unbedingt lesen". Natürlich gilt diese Empfehlung nur für Erwachsene. Fast hätte ich den Preis vergessen, 14,90 DM waren hier wirklich gut angelegt. Aktuell kostet das Buch 8 €.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-02 19:44:11 mit dem Titel Zeitreise als romantischer Liebesroman
Die Prophetin von Luxor Suzanne Frank
• • • Vorwort • • •
Bei diesem Roman war ich hin und her gerissen.
Einerseits faszinierte mich das Feuerwerk der Einfälle und Ideen dieser Schriftstellerin, die sich ihre historische Inspiration für diesen dem Wesen nach eher romantisch überzogenen Liebesroman auf ihren zahlreichen Reisen durch Ägypten holte, wo sie laut Covertext als Journalistin für Tageszeitungen und Zeitschriften arbeitete.
Andererseits regten mich innerlich beim Lesen ständig ihre zahlreichen jegliche Logik oder Psychologie vermissenden Wendungen und Abläufe auf.
Nichts gegen phantastische Züge, nichts gegen Wunder nebst Magie oder Zauberei, doch sollten diese nicht mit pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen verbunden werden.
Fiktion sollte deutlich als Fiktion gekennzeichnet sein.
°°°° Kurzer Inhaltsabriss °°°°
Wie üblich nur ein relativ kurzer Inhaltsabriss, um nicht zu viel von der aus meiner Sicht doch nicht unerheblich nachlassenden Spannung gegen Ende des Romans vorwegzunehmen.
Chloe Kingsley aus Dallas, die ihre Schwester bei archäologischen Ausgrabungen in Ägypten besucht, wird im Tempel von Karnak ins Jahr 1452 vor Christus "gewirbelt" und findet sich dort im Körper einer ägyptischen Hohen Priesterin wieder (Bilden Körper und Seele bzw. Psyche nicht eine Einheit?).
Hier muss sie sich der Rache verschiedener Personen erwehren, einer Rache, die von ihrer "Vorkörperbesitzerin" ausgelöst wurden.
(Warum und wie ausgerechnet sie diese Zeitreise antrat, wird später ansatzweise geklärt, doch ob jemand anderes ohne Zutun "ausgetauscht" werden kann und dies scheinbar ohne den ansonsten wohl tödlichen Kulturschock überlebt, bleibt offen!)
Relativ rasch gelingt es unserer Heldin, sich auch der zahlreichen Intrigen am Hofe des weiblichen Pharaos Hatschepsut halbwegs erfolgreich zu erwehren.
Gleichzeitig stößt sie auf die Liebe ihres Lebens, auf Cheftu, den bedeutendsten Arzt am Hofe.
Langsam erkennt sie die Berufung ihrer göttlichen Mission, hin und her gerissen zwischen leidenschaftlichem Liebesverlangen und Pflichterfüllung.
Zum Inhalt soll ´s damit genug sein, obwohl die Umstände des Auszugs der Israeliten unter Moses aus Ägypten eine doch sehr bedeutsame inhaltliche Rolle spielen.
• • • Persönlicher Eindruck und Wertung • • •
Die Beschreibung ägyptischer Kultur (zwar aus dem Blickwinkel der Oberschicht), Örtlichkeiten etc. wirken recht farbig und sehr interessant.
Mit dem göttlichen Missionsgedanken und sämtlichen Eingriffen, Fügungen, Wundern eines völlig Unschuldige für die Fehlentscheidungen ihrer nicht gewählten Herrschaftsschicht grausam quälenden Gottes konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden.
Sicher kann und will ich bereits auch nicht akzeptieren, dass es EIN auserwähltes, besonderes Volk geben könnte, um dass sich der jüdische Gott besonders kümmert. Hier wäre Stoff für wochen- oder monatelange Diskussionen.
Die Schilderungen der Liebesszenen wirken zunächst durchaus "anregend", beginnen sich dann jedoch in ihrer Art stark schablonisiert zu wiederholen und hätten für meinen Geschmack im späteren Verlauf ruhig gestrafft werden können
Wer Romantik, Mystik, softerotisch artige Beschreibungen von Liebesszenen, religiöse Determinationsgedanken ergänzt durch recht gute Beschreibungen historischer Plätze und Orte liebt, der wird sich für diese Art von Roman durchaus begeistern können, ist er doch trotz der zu Beginn ungewohnten ägyptischen Namen insgesamt eher leicht zu lesen.
Zielgruppe dürfte hier eher die Leserinnen sein.
Für meine Person bereue ich zwar durchaus nicht, diesen Zeitreise-Liebesroman gelesen zu haben, brachte er mir doch zahlreiche Anregungen bestimmte historische Aspekte zu recherchieren, doch die weiteren Romane wie "Die Seherin von Knossos" und "Die Hüterin von Jericho" werde ich sicher nicht lesen.
Meine Empfehlung zu diesem Buch ist diesmal also recht personenspezifisch, wenn man so will, eine bedingte Empfehlung. Als Urlaubslektüre lohnen sich die 8,10 Euro für dieses Taschenbuch im Bertelsmannverlag aber durchaus.
Mein nächstes Buch mit Besprechung wird zu meiner Erholung mal wieder ein Stephen King Buch, Duddits - Dreamcatcher sein. Brauche nur noch genügend Urlaubstage zum Lesen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-09-21 11:21:20 mit dem Titel Auf der Suche nach dem Warum
Die Frau mit den Regenhänden Fleischhauer, Wolfram
Vorbemerkung: Diesen Bericht veröffentlichte ich erstmalig am 29.04.2001 auf CIAO, später auf YOPI, wo er dem Datencrash zum Opfer fiel. Auch das zweite Einstellen szand unter keinem guten Stern, da YOPI zu diesem Zeitpunkt mal wieder nicht erreichbar war. Da jedoch der Schriftsteller eine echte Empfehlung wert ist, versuche ich nochmals, dieses Buch ein paar Lesern mehr näher zu bringen.
Im Osterurlaub 2001 auf Madeira begann ich den Roman zu lesen. Nur anderthalb Tage später legte ich das gelesene Buch innerlich mehrfach traurig gestimmt beiseite, um gleich danach nochmals einige der schönsten Stellen nachzulesen.
Wie bei meinen sonstigen Buchbesprechungen auch, werde ich nur sehr wenig vom Inhalt verraten, um weder Spannung noch Überraschungsmomente vorwegzunehmen.
Kurzer Inhaltsanriss
Daher zum Inhalt nur so viel: Zwei Geschichten, die Untersuchung eines mutmaßlichen Kindermordes während der Zeit des letzten französischen Kaiserreiches unter Napoleon III zum Zeitpunkt der bevorstehenden Weltausstellung in Paris und die Liebesbeziehung eines deutschen Studenten zu einer Französin zu Beginn der Neunziger Jahre unseres 20. Jahrhunderts sind kunstvoll und doch schlüssig miteinander verbunden.
Die Schilderung der Aufklärung des damaligen Kriminalfalles, der Kampf des Pflichtverteidigers, um die angeklagte Mutter noch rechtzeitig zu entlasten und einen Justizmord zu verhindern, dient letztlich jedoch nur dazu, die zweite Geschichte, die Liebesgeschichte mit ihrem Ausgang verständlich werden zu lassen.
Bedeutung
Gleichzeitig macht der historisch orientierte Schicksals- Kriminalroman deutlich, wie wenig sich doch in der Vorgehensweise politisch Verantwortlicher von der Monarchie Napoleon III bis hin zur französischen Republik um 1990 geändert hat.
Das menschliche, individuelle Schicksal wurde und wird nach wie vor dem Macht- und Gewinnstreben der Herrschenden untergeordnet mit häufig schrecklichen Folgen für Tausende von Einzelschicksalen.
Trotz der enthaltenen politischen Aussagen wirkt dieser Roman nicht nur wunderschön durch die Sprache, aktuell und doch gleichzeitig historisches Hintergrundwissen vermittelnd, auffrischend, sondern vor allem auch wegen der ergreifenden Liebesgeschichte.
Die Lösung des vermuteten Kindermordes allein wäre schon des Lesens wert. Antriebsfeder, die Unschuld der angeklagten Mutter zu beweisen, ist zunächst weniger der Pflichtverteidiger sondern eine für damalige Verhältnisse erstaunlich emanzipatorische Exilfranzösin, aus England herbeigereist zur besseren medizinischen Versorgung ihres einem Überfall zum Opfer gefallenen Bruders.
Die gelungene Verknüpfung des Kriminalfalles jedoch mit der tragischen, intensiven Liebesbeziehung des deutschen Studenten mit der den damaligen Kriminalfall recherchierenden Französin, der Frau mit den Regenhänden, macht den Roman zu einem Meisterwerk.
FAZIT
Ich selber empfand diesen Roman als kunstvoll, spannend, dramatisch, erschütternd und doch voll positiver Lebensbejahung mit der romantischen Idee einer unsterblichen Liebe.
Jeder Leserin, jedem Leser mit Niveau und Anspruch kann ich diesen gleichzeitig hochspannenden als auch erotisch freizügigen Roman nur empfehlen.
Es gab ihn als Taschenbuch zu 18,90 oder gebunden zu 39,90 DM.
Zur Zeit gibt es bei amazon.de nur noch die Taschenbuchausgabe zu 9,90 Euro oder eine gebrauchte für 6 Euro
Bei Amazon.de erhielt der Titel 4 ½ Sterne von 5. Ich meine, ein Halber zu wenig. Bin gespannt auf eure Kommentare.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-03 18:36:50 mit dem Titel Nicht von Rache leiten lassen
Das rote Zimmer Nicci French
••• Vorwort / Einführung •••
Mein erstes Buch der Autorin Nicci French, eigentlich wohl eher des Autorenteams Nicci Gerrard und Sean French, Höhenangst (Killing me softly), hatte mich völlig begeistert, wie ich ja auch in einer Romanrezension hier deutlich machte.
Der Glaspavillon (The Memory Game) wusste in meinen Augen (siehe ebenfalls Bericht) auch zu überzeugen, so dass ich mich schon auf den Psychokrimi \"Das rote Zimmer\" freute.
Doch soviel vorweg, die sicher sehr hoch geschraubten eigenen Erwartungen konnte dieser Roman bei mir nicht ganz erfüllen.
Wer mehr über den Background dieses Schriftstellerteams erfahren möchte, besuche am besten deren eigene relativ gut gemachte Homepage, die allerdings nur in Englisch oder Französisch zur Verfügung steht: http://www.figuresdestyle.com/french/
Hier kann man sich sehr gut über sämtliche Werke des Autorenteams informieren wie da wären: The Memory Game, The Safe House, Killing me softly, Beneath The Skin, The Red Room. (Der Glaspavillon, Ein sicheres Haus, Höhenangst, Der Sommermörder, Das rote Zimmer)
Wer sich lieber auf Deutsch informiert, findet unter
http://www.krimi-couch.de/krimis/nicci-french.html
alles Wesentliche, unter anderem auch meinen Kommentar zu den bisherigen dortigen Rezensionen und Kommentaren.
Denn die Rezension z.B. zu \"Das rote Zimmer\" ist eine ungenaue, eher irreführende Inhaltsangabe sehr ähnlich der des Klappentextes. Doch dies ist leider bei vielen Verlagen der Fall, scheinbar um einen stärkeren Kaufanreiz zu bieten.
••• Kurzer Inhaltsanriss •••
Im Rahmen ihrer psychiatrischen Tätigkeit an einer Nervenklinik soll die noch sehr junge Ärztin Dr. Katherine Quinn, zumeist Kit genannt, bei der Polizei ein Gefälligkeitsgutachten über einen festgenommenen Stadtstreicher, Michael Doll, abgeben, der von besorgten Eltern der sexuellen Belästigung ihrer Kinder verdächtigt wird, da er sich unbefugt auf dem Gelände der Grundschule aufgehalten hatte.
Während, bzw. am Ende des Gutachtergesprächs kommt es durch die Provokation des Detectives Inspector Furth zu einem unkontrollierten Wutausbruch des Stadtstreichers.
Michael Doll fügt dabei der Ärztin mit einer Scherbe seiner zerbrochenen Tasse eine erhebliche Schnittwunde mitten im Gesicht zu, eine klare Affekthandlung.
(in den meisten Inhaltsangaben fehlt leider diese wichtige Vorhandlung und damit auch der verständliche innere Zwiespalt der jungen, im Gesicht leicht entstellten Psychiaterin)
Erst drei Monate später wird Kit von der Polizei gebeten ausgerechnet zu diesem Michael Doll, inzwischen eines Mordes verdächtigt, ihr Gutachten abzugeben. Ihr fallen Unstimmigkeiten auf. Außerdem stellt sie durch ihre trotz persönlicher Betroffenheit unvoreingenommene Sichtweise Parallelen zu einem weiteren Mordfall fest.
Doch die Polizei möchte weiterhin höchst ungern von ihrem Lieblingsverdächtigen ablassen.
Mehr möchte ich vom Handlungsablauf her hier nicht verraten, nur soviel, alle Klischeevorstellungen der äußerst einseitig ermittelnden Polizei müssen revidiert werden, allerdings nicht für alle Beteiligten rechtzeitig genug.
Ein paar Worte noch zum Titel Das rote Zimmer.
Der rote Raum ist Bestandteil eines Alptraumes, von dem Kit jedoch nicht schon immer sondern erst nach dem Unfall, wie sie selbst ihre erlittenen Verletzungen nennt, immer wieder heimgesucht wird.
In die Aufklärungsarbeit hinein, eigentlich ist ja nur die Erfassung des psychologischen Umfeldes der Tat ihre Aufgabe, spielt in nicht unerheblichem Umfang ihre persönliche Liebesbeziehung zu einem der Verdächtigen eine Rolle.
••• Wertung und Empfehlung •••
Der Roman ist spannend geschrieben, leicht zu lesen (nicht unbedingt leicht zum verstehen), zeigt wie ihre Vorgängerromane seelische Abgründe verschiedener Personen auf, besitzt aber nicht die Leidenschaft und Intensität der Gefühlsbeschreibungen der Vorgängerromane.
Bis auf die Heldin selbst bleiben diesmal doch, einschließlich der Opfer und Täter, die Personen in der seelischen Tiefe weniger gründlich wie sonst beschrieben.
Trotzdem handelt es sich um einen leicht überdurchschnittlichen, spannenden Psycho-Krimi, den ich durchaus empfehlen kann.
Zu der Behauptung, eine speziell weibliche Betrachtungsweise der Heldin hätte letztlich zur Aufklärung geführt, mein Kommentar auf folgender Internetseite: http://www.krimi-couch.de/krimis/nicci-french-das-rote-zimmer.html
\"Es ist gerade die vorurteilsfreie Sichtweise, weder Vorverurteilung noch der Ausschluss des scheinbar Unwahrscheinlichen, welche gegen alle konventionellen Widerstände zum Erfolg führt. Gewiss aber nicht eine speziell weibliche oder gar mütterliche Sichtweise. Die Absicht, negative UND positive Vorurteile deutlich zu machen scheint dem Autorenteam (Mann UND Frau) French NICHT gelungen zu sein, wenn man hier die Kommentare und Rezensionen liest!!\"
Tja, den spannenden Roman, 416 Seiten, Bertelsmann-Verlag, 1. Auflage 2001 z.B. über amazon.de zu 22,90 Euro gebunden oder gebraucht ab 10 Euro kaufen, lesen und eine eigene Meinung bilden. Bei amazon.de erhielt der Roman 4 Sterne durch die bisherigen Leser, was durchaus auch meiner Einschätzung entspricht. Ich freue mich wie immer über jeden konstruktiv-kritischen Kommentar.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-06 19:59:53 mit dem Titel Der (Un)Wert psychiatrischer Erklärungsmuster
Ein sicheres Haus (A Safe House) Nicci French
••• Vorworte •••
Nicci French, besser das Autorenteam French, siehe vorherigen Bericht, wird immer häufiger in einer Reihe genannt mit Minette Walters und Patricia Cornwell.
In dem vorliegenden Roman übertrifft das Autorenpaar zwar an Spannung, Dramaturgie, psychologischer Tiefe die Heldin betreffend (im letzten Punkt wirklich in der Tradition genannter Top-Autorinnen) die Konkurrenz, doch an einigen Bruchstellen der Geschichte habe ich wehmütig die überragende Kompetenz einer Kay Scarpetta von Patricia Cornwell vermisst.
Genug der Vorworte, eigentlich hätte ich das Buch schon vor geraumer Zeit als drittes nach \"Höhenangst\" und \"Der Glaspavillon\" lesen wollen. Einige unvorhersehbare Ereignisse lenkten mich so stark ab, dass ich erst vor wenigen Tagen, nach Lesen des dritten Romans \"Das rote Zimmer\" diesen Roman bei Überprüfung meiner Nicci French Bestände wieder entdeckte. Dann aber gab es kein Halten mehr. Das Buch wurde geradezu innerhalb zweier Tage verschlungen.
••• Kurzer Inhaltsanriss •••
Wieder einmal ist eine junge Ärztin der Fachrichtung Psychiatrie Heldin des Romans.
Samantha Laschen, kurz Sam, sucht und findet fernab des hektischen Londons ihr Wunschhaus Elm House in Essex, schön abseits, ruhig, auf dem Lande gelegen.
Hier will sie sowohl beruflich ihre Spezialkenntnisse in posttraumatischer Medizin als ärztliche Leiterin einer entsprechenden Klinik auch finanziell verwerten, als auch ihre Beziehung zum zeitweiligen Lebenspartner Danny klären, zu ihrer kleinen Tochter Elsie verbessern.
In ihrer Nachbarschaft wird das wohlhabende (18 Millionen) ältere Ehepaar Mackenzie auf grausame Art und Weise (Kehlen durchschnitten) umgebracht.
Fiona, die neunzehnjährige Tochter, überlebt relativ glimpflich, körperlich ziemlich unbeschadet, den Schnitt durch ihre Kehle.
Für dieses \"posttraumatisierte Opfer\" bietet sich aus Sicht ihres Hausarztes, der Polizei, vor allem aber auch Sams künftigen Klinikchefs Sams Haus als ideale Zuflucht- und Sicherungsstätte an.
Trotz eigener Bedenken kann Sam diesem Druck nicht standhalten. Sie nimmt Fiona auf.
Es entwickelt sich eine erstaunlich selbstbewusst agierende \"Opferpersönlichkeit\", von Tochter Elsie liebevoll Finn genannt.
Mehr möchte ich vom sich ständig dramatisch ändernden Ablauf nicht verraten, nur so viel, dass zu den zwei bekannten Leichen noch weitere drei hinzukommen werden.
••• Bewertung •••
Als Kay Scarpetta bzw. Patricia Cornwell Fan sträubten sich mir in diesem Roman leider sehr häufig die Haare. Auch nur halbwegs gründliche forensische Untersuchungen hätten die Polizei von Anfang an von der plump gelegten falschen Fährte abbringen müssen.
Selbst vom unbestritten überdurchschnittlich intelligenten Täter ausgehend darf bezweifelt werden, ob diese zahlreichen eklatanten kriminologischen Fehlleistungen in Spurensicherung, unvoreingenommener Beweissicherung, Ermittlung und vor allem in der Pathologie hätten eingeplant werden können und dürfen. Hier liegt meines Erachtens nach die größte Schwäche der Geschichte. Dumm, dümmer, Polizei scheint zuweilen Frenchs Lebensauffassung zu sein.
Genug jetzt der notwendigen Kritik, kommen wir zu den vorhandenen positiven Aspekten.
Hier beeindruckten mich die emotionalen Schilderungen, die erotischen Abschnitte wie auch die durchgehende Dramatik des Geschehens.
Positiv sehe ich die Vielzahl der originellen Ideen, so auch der Gedanke des sicheren Hauses.
Das Cover zum Buch täuscht. Es handelt sich um kein Haus aus festem Material. Es ist ein gedankliches Haus, in dem man Gegenstände (zu merkende Begriffe) an verschiedenen Stellen ablegt und sich so zum einen diese merkt, aber auch auf subtile Weise Botschaften über eine dritte Person ideal verschlüsselt austauschen kann.
Dieses Haus ist tatsächlich sicher, obwohl ich zunächst beim Buchtitel dachte: Übertrieben, absolut sichere Häuser gibt es nicht.
Wer die Mischung aus Sex, Crime und Psychothriller unter Vernachlässigung der Realität polizeilicher Ermittlungsarbeit schätzt, wird diesen Roman uneingeschränkt genießen.
Von mir allerdings gibt ´s 4 von 5 Sternen, denn trotz einiger hervorragender Qualitätsmerkmale stören mich einige unrealistische Annahmen, die zu stark konstruiert wurden, um dramatische Effekte möglich werden zu lassen.
Daher brauche ich geradezu zum Ausgleich als nächsten Roman Patricia Cornwells \"Vergebliche Entwarnung\". Eine klare Empfehlung spreche ich aber für den Thriller \"Ein sicheres Haus\" allemal aus.
Als Taschenbuch im Goldmann-Verlag, 349 Seiten, kostet es 8,45 Euro. Gebraucht wird es bei amazon.de schon ab 0,99 Euro, wie neu ab 1,90 Euro angeboten.
Ach ja, anderthalb Tage, den letzten Tag bis zwei Uhr nachts, brauchte ich zum Lesen. Ich mochte es einfach nicht aus der Hand legen, denn an Spannung lässt es bis zur letzten Seite nicht zu wünschen übrig, gerade weil der Schluss offen bleibt, im Kino es sicher eine Fortsetzung gäbe.
Ich freue mich wie üblich über Kommentare oder konstruktive Kritik.
42 Bewertungen, 3 Kommentare
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21.08.2008, 00:50 Uhr von blackangel63
Bewertung: sehr hilfreichGuTeN aBeNd UnD lIeBe GrUeSsE...aNjA
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19.07.2008, 10:58 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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12.05.2007, 15:43 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichSh & lg Sarah
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