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Erfahrungsbericht von mima007

Nicci French: *Der Sommermörder*:Psychologischer Thriller vom Feinsten

Pro:

enorm spannend & actionreich, humorvoll, sinnlich, kenntnisreich; gut gelesen

Kontra:

zu gewalttätige Szenen

Empfehlung:

Nein

Drei Frauen, zwei Opfer - wird die dritte überleben? Ein einfacher Plot, jedoch kunstvoll erzählt und mit Überraschungen gespickt.

\"Der Sommermörder\" von Nicci French ist nicht nur ein feiner britischer Psychothriller, sondern auch das einfühlsame Porträt dreier völlig unterschiedlicher Frauen.

Die Autorin

Nicci French ist britische Journalistin und lebt mit ihrer Familie auf dem land im Süden von London. Sie kennt sich dennoch in Nord-London sehr gut aus. \"Der Sommermörder\" ist ihr vierter Roman. \"Der Glaspavillon\" war ihr Debüt und erster Bestseller. Danach folgten \"Ein sicheres Haus\" und \"Höhenangst\". Die Kritiker schreiben, sie schreibe in der Tradition von Minette Walters. Ich finde, sie schreibt weitaus einfühlsamer, als es Walters je können wird. \"Der Sommermörder\" wird vollständig aus der Sicht der Opfer erzählt.

Handlung
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Es ist ein ungewöhnlicher heißer Sommer in der schmutzigen Großstadt London. Während alle unter der Hitze und der Abgasglocke stöhnen, genießt nur eine die gute Seite der Situation: Er beobachtet die zunehmend entblößten Frauen und sucht sich seine Opfer. Jedem schickt er seine Liebesbriefe, die zugleich Todesdrohungen sind.

Das erste Opfer ist Zoe, die junge, etwas naive Grundschullehrerin. Ihre Schwäche ist nicht nur, dass sie aus der Provinz in die City gezogen ist und sich erst eingewöhnen muss. Folglich hat sie auch keine festen Bindungen, sondern vielmehr häufig wechselnde Männerbekanntschaften.

Warum Zoe? Sie ist nicht nur relativ wehrlos, sondern zudem auch bekannt. Denn sie hat mit einer Wassermelone einen Handtaschendieb außer Gefecht gesetzt. Das stand in allen Gazetten. Für die Polizei ist sie eine Heldin. Doch unter allen merkwürdigen Fanzuschriften erhält Zoe auch die Briefe des Sommermörders. In ihrer Furcht vor dem Unsichtbaren verfällt ihr Leben zusehends. Ihr Ende scheint beinahe unausweichlich.

Da ist das zweite Opfer schon ein ganz anderes Kaliber. Jennifer ist die langjährige Gattin eines erfolgreichen Anwalts und versucht gerade, den Komplettumbau des gerade gekauften viktorianischen Altbaus zu managen. Auch ihre drei Söhne hat sie im Griff. Sie hat keine Zeit, über ihr Leben oder gar ihre hohle Ehe nachzudenken, doch die Brief des Sommermörders, besonders die mit den Rasierklingen darin, zwingen sie, ein Fazit zu ziehen, und das fällt nicht besonders gut aus.

Jennifers Fassade aus teurem Make-up - sie war früher Model - verfällt zusehends und zum Vorschein kommt die wahre, die schwache, die betrogene Jenny, die ihrer Lebenslüge (ihre sinnleere Ehe ohen Liebe) ins Gesicht sehen muss. Hier erhält der Originaltitel \"Beneath the skin\" augenfällige Bedeutung. Mit seiner Strategie der unsichtbaren Bedrohung und Beobachtung hat der Mörder Erfolg. Es ist wie mit einer tödlichen Krankheit: Erst der Schock und die Demütigung, dann die Wut, dann das Entsetzen und die Angst, schließlich folgen Akzeptanz und Resignation. Dann ist es bereits zu spät für das Opfer. Nachdem ihre Seele bereits zerstört ist, muss nur noch der Tod des Körpers folgen...

Bei den ersten beiden Opfern hatte der Mörder relativ leichtes Spiel, trotz der Polizeibewachung. Doch an Nummer drei, Nadia, wird er sich die Zähne ausbeißen. Trotz des üblichen Psychoterrors erstarrt die etwas chaotische und sehr liebenswerte Kinder-Entertainerin nicht wie das Kaninchen vor der Schlange, sondern ergreift die Initiative.

Sie macht nämlich keineswegs den Fehler, die Lügen, die ihr die Polizei auftischt, zu glauben. Oder auch nur zu glauben, dass die Bewachung etwas nützen könnte. Vielmehr setzt sie die Inspektoren für ihre Zwecke ein, auch mit Hilfe von Sex. Mit äußerster Energie gelingt es ihr herauszufinden, wer ihre beiden Vorgängerinnen waren und was sie mit ihnen gemeinsam hat. Schon bald betrachtet sie Zoe und Jenny als ihre Schwestern.

Als ein erster furchtbarer Verdacht sich verdichtet, kann der potenzielle Mörder, der sich ganz in ihrer Nähe befindet, zwar ein Alibi vorweisen, doch Nadia lässt sich nur kurz täuschen. Es kommt zu einem Showdown zwischen Opfer und Killer.

Mein Eindruck
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Drei Opfer, drei Porträts

Man liest in Thrillern nicht oft solche genau gezeichneten Frauenporträts. Schon gar nicht von Frauen, die derartig voneinander verschieden sind wie Zoe, Jenny und Nadia.

Mir ist aufgefallen, wie subtil und durchgängig Nicci French die Rolle von Erotik und Sex in den drei Leben einflicht: Zoe ist stets nur ausgebeutete Sexempfängerin, Jenny hat überhaupt keinen, und nur die quicklebendige Nadia ergreift sexuell die Initiative (mit durchschlagendem Erfolg).

Sie ist auch die einzige, die kein Gewicht verliert. Sehr deutlich lässt sich das Leid der Opfer an ihrer körperlichen Verfassung ablesen - beneath the skin. Zoe kann kurz vor ihrem Ende ein T-Shirt für elfjährige Kinder tragen... Die körperliche Verfassung spiegelt die psychische exakt wider. Das erspart der Autorin ellenlange, tiefsinnige Seelenschilderungen, die uns nur langweilen würden.

Das Umfeld

Jedes Opfer ist in ein komplexes und stimmig gezeichnetes soziales Umfeld eingebunden. Zoes kleine Großstadtwohnung; Jennys herrschaftliches, aber unfertiges Haus, schließlich Nadias Chaotenbude. Hier treffen sich die Lebenslinien der einzelnen Frauen mit ihren Bekannten, Freunden, Kindern - ihrem Mörder. Denn alle Opfer kennen ihren Mörder schon lange vor ihrem Ende, empfangen ihn, necken ihn, vertrauem ihm sogar. Das ist das eigentlich Erschütternde an diesen drei Erzählungen: Der Killer ist immer dein Nächster, und er sieht sehr sympathisch aus.

Und die Polizei?

Obwohl sie nicht im Vordergrund steht, ist doch die Polizei natürlich ein zentraler Faktor im Fortgang der Handlung, das verbindende Element zwischen den drei Episoden. Die Bewacherinnen haben nichts zu sagen und wissen nichts. Die beratende Psychologin darf oder will nicht sagen, was los ist. Und die leitenden Inspektoren Stadler und Links führen die Untersuchung, wie es ihnen passt.

Alle lassen die Opfer im Dunkeln über das, was vorgeht, und vermitteln ihnen umso mehr das Gefühl, der Bedrohung hilflos ausgesetzt zu sein - ein gravierender Fehler, wie Nadia findet. Sie setzt dem Spuk ein Ende und erzwingt mit einem Trick die Einsicht in die Untersuchungsakten - der heilige Gral! Nur so kann sie die Initiative an sich reißen und dem Mörder auf die Spur kommen. Da sehen die Bullen ganz schön alt aus.

Unterm Strich
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\"Der Sommermörder\" ist in erster Linie ein psychologischer Thriller, der seine Spannung aus dem umfangreichen Vorwissen über die Opfer, den Mörder und die Polizei bezieht, aber die Frage offenlässt, wann und wie der Killer zuschlägt sowie was sein wahres Motiv ist. Der Täter genießt die zunehmende Wehrlosigkeit und Entblößung seiner Auserkorenen, was ihm ein Machtgefühl verschafft.

Sehnt sich nicht so mancher Mann nach der Entblößung der Frauen, die leicht bekleidet im sommerlichen Park flanieren (gerade jetzt, an diesen heißen Tagen)? Vielleicht kann mann sich nach der Lektüre des \"Sommermörders\" vorstellen, wie sich so manche Frau dabei fühlen muss.

Daraus folgt auch, dass Actionfreunde bei diesem langsamen dreifachen Tanz um das jeweilige Opfer nicht auf ihre Kosten kommen.

Zur Übersetzung
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Anfängerfehler: Auf Seite 277 und nochmal auf Seite 346 überträgt Moosmüller englisch-amerikanische \"billions\" eins zu eins ins Deutsche und macht daraus \"Billionen\", also 1000 Milliarden. Dass aber selbst in Indien nicht \"Billionen\" Menschen, sondern etwas über eine \"Milliarde\" leben, sollte sich inzwischen auch am Wohnort der Übersetzerin herumgesprochen haben. Diese Gleichsetzung ist ein typischer Anfängerfehler, den Englischlernende machen. Umso mehr verblüfft er in einer ansonsten professionellen und fehlerfreien Arbeit. (Ich stelle mir vor, wie die Übersetzerin eine Mars-Mission leiten würde: Der Aufschlag der Sonde aufgrund verwechselter Maße und Maßeinheiten dürfte bis zum Mond zu hören sein...)

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Beneath the skin, 2000; C. Bertelsmann 8/2001***, München; 412 Seiten, EU xx,00, aus dem Englischen übertragen von Brigitte Moosmüller; ISBN 3-570-00304-3

***: Der Roman soll als Goldmann-Taschenbuch im Februar 2003 erscheinen.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-28 21:14:42 mit dem Titel Kinky Friedman: *Ohrensausen*: Sherlock-Holmes-Parodie in New York

Ein jüdischer Countrymusiker aus Texas stellt Kriminalermittlungen in New York City an, die Sherlock Holmes alle Ehre machen würden: Wer will Kinky ans Leder? Oder ist er gar nicht selbst gemeint und alles ein großer Irrtum?

Mit Hilfe seiner verqueren Logik, seines sarkastischen Humors und noch mehr Rauschmitteln stößt Kinky endlich auf des Rätsels Lösung. Man wundert sich, dass er noch logisch denken kann, wenn er andauernd entweder high oder besoffen ist.

Der Autor

Kinky Friedman, obwohl er in diesem Roman als Ich-Erzähler auftaucht, gibt es wirklich. Der 1945 geborene jüdische (and proud of it) Schriftsteller gründete die \"berüchtigte\" Country-Band \"Kinky Friedman and The Texas Jewboys\". Seine Kriminalromane wurden in 14 Sprachen übersetzt und erschienen u.a. im Taschenbuch bei Heyne. \"Ohrensausen\" ist nach Verlagsangaben \"Kinkys elftes Abenteuer\".

Handlung

Der Roman zerfällt in eine Rahmen- und eine Binnenhandlung. Die Rahmenhandlung dient praktisch nur als Vorwand, um die Haupthandlung, die in New York City spielt, so erzählen zu können, als wäre sie Kinkys Traumerinnerung. Als Kinky wieder aufwacht, ergibt sich eine hübsche Schlusspointe.

Auf dem Weg hoch ins Apartment seiner schönen Nachbarin Stephanie DuPont, Porschefahrerin und Hundebesitzerin, bekommt Kinky eins über die Rübe. Von wem, ist erst einmal völlig unwichtig. Hauptsache, er fühlt sich plötzlich ins Jahr 1979 zurückversetzt, also um gut 20 Jahre.

In New York City, genauer: im Künstlerviertel Greenwich Village, trifft er zum erstenmal seine Village Irergulars, einen bunten Haufen von schrägen Typen, die die bars und Clubs des Village unsicher machen. Da ist neben dem Musiker Kinky (\"der Kinkster\" oder \"Kinkstah\") noch Larry \"Ratso\" Sloman: Kinkys Vorstellung von Dr. Watson. Ratso macht ihm den Vorschlag, er solle Privatdetektiv werden. Sein etwas wirrer Kopf würde ihn für die Rolle prädestinieren.

Doch Ratso ist alles zuzutrauen, sogar eine höchst indiskutable Vorstellung von Privatsphäre. So muss Kinky mit seiner neuen \"beischalaftechnischen Assistentin\" (= BTA) Judy auf Ratsos ramponiertem Sofa des Liebesspiels pflegen, während Ratso daneben dumme Bemerkungen macht. Wie soll man sich da konzentrieren können?

Das Detektivspiel beginnt in dem Augenblick, als der meistgesuchte Revoluzzer der vereinigten Staaten Zutritt zu ratsos Wohnung erhält: Abbie Hoffman war in den seligen Sechzigern der Schrecken des Polit-Establishments gewesen, nun suchen ihn FBI und werweißnochalles. Abbie behauptet, er werde verfolgt. Tatsächlich wird schon wenig später auf ihn und sogar Kinky geschossen.

Die Dinge laufen schwer aus dem Ruder, findet Kinky, als Judy ihren toten Gatten Tim Petzel**, der in Vietnam abgestürzt war, in New York sieht - und als wenig später Kinkys Loft in die Luft fliegt. Kinky hat seinen ersten Fall. Von seinen Kumpels und ein wenig \"peruanischer Marschverpflegung\" (sprich: Kokain) unterstützt, klaut Kinky Hoffmans Anwaltakten und entdeckt merkwürdigerweise keinerlei Zusammenhänge. Auch Petzel wurde definitiv für tot erklärt.

Da greift er schließlich zur ultima ratio: Er wird Judy heiraten! Ob das wohl gutgehen kann? Eine Herausforderung des Schicksals...

Mein Eindruck

Diese Krimihandlung ist natürlich nur das dünnen Destillat aus einer weitaus umfassenderen Geschichte. Sie dient auch lediglich dazu, die Anfänge von Kinkys Karriere als Privatdetektiv zu illustrieren, sozusagen als Prequel.

Die \"umfassendere Geschichte\" ist nicht so sehr ein weiterer Handlungsstrang. Nein, das war\'s schon an Handlung. Vielmehr dient dieser rote Faden dem Autor dazu, die Zeit nach dem Ausklang der Sixties und am Ende der drögen, drogenvernebelten Seventies vor unserem geistigen Auge auferstehen zu lassen. Beide Jahrzehnte waren gekennzeichnet durch extrem hohen Drogenkonsum: Kokain, Hasch, Whiskey - all dies wird von Kinky und seinen Mannen in hohen und höchsten Dosen konsumiert. Immerhin geht\'s dabei in der Regel lustig zu.

Der \"Blast from the past\" des Originaltitels entspricht jedoch dem Schatten, den der Vietnamkrieg über die fröhliche Village-Szenerie wirft: Kinkys Loft fliegt durch eine militärische Handgranate in die Luft. Hier findet also eine Art der Abrechnung mit den vorhergehenden 20 Jahren statt, eigentlich aus dem Blickwinkel von 1999 (das ist der Zeitpunkt des Erzählers aus der Rahmenhandlung; siehe oben).

Sicherlich ist dieses Thema nicht jedermanns Sache - warum sollte es auch? Was man also für die lektüre mitbringen sollte: gutes Wissen über die amerikanischen Sixties und die Seventies, die damaligen Künstler (Janis Joplin & Co.) und Politiker (wer war noch gleich Senator McGovern?). Außerdem wären viel Toleranz in Sachen Drogenkonsum und viel Humor hilfreich.

Das Beste an Friedmans Roman ist jedoch sein ausgeprägtes und witziges Sprachgefühl. Er legt schon von der ersten Zeile weg ein Vergnügen an Sprachspielen und neuen Wortprägungen an den Tag, das heutzutage seinesgleichen sucht. \"Autos\" sind nicht profane Vehiekl, sondern \"Penisse auf Rädern\", und Kokain wird zur \"peruanischen Marschverpflegung\" geadelt (nicht ohne realen Hintergrund!). Auch sein Judentum ist Kinky etliche Witze und Anspielungen wert.

Kein Wunder, dass Friedman auf Charles Bukowski und William Burroughs steht! Dass zu dieser Lust an der Sprachkreation auch gehört, kein Blatt bezüglich Sex vor den Mund zu nehmen, dürfte nur Priester und Kastraten verwundern. Doch keine Angst: Es gibt nur eine Sexszene im Buch, aber es gibt kaum eine Zeit, zu der dem Kinkster nicht der Sinn danach, ähem, steht- etwa dann, wenn er Stephanie DuPont zu besuchen gedenkt.

Unterm Strich

\"Ohrensausen\" - woher stammt nur dieser blödsinnige Titel? - ist einer der ungewöhnlicheren Kriminalromane, eigentlich eher eine Travestie auf die Sherlock-Holmes-Romane. Kinky parodiert Sherlock (der ja auch kokste) für seine Leben gern, und Ratso spielt mit Hingabe den verblödeten Dr. Watson. Ein Wunder, dass die beiden Überflieger überhaupt etwas zustandebringen. Aber wie heißt es so schön: \"Ich klär den Fall auf jeden Fall.\"

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Blast from the past, 1998; Heyne 2001, München; 240 Seiten, EU 16,90, aus dem US-Englischen übertragen von Ulrich Blumenbach; ISBN 3-453-19804-2

**: Petzel, so erklärt der Autor im Nachwort, ist das jiddische Wort für \"kleiner Penis\". Ein typisches Beispiel für Friedmans anzügliche Sprache.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-10 13:40:13 mit dem Titel E. Friesner: *Men in Black II*: nette Alienjagd in New Yorks Straßen

Zwei Men in Black schauen uns an, metallisch schimmernde Riesenwummen in der Hand, und sitzen in zwei Eiern. Die Botschaft des Titelbildes ist klar: Diese Männer kennen keine Gnade, wenn sie uns vergackeiern.

Dieser Roman ist die Buchfassung des Drehbuchs von Robert Gordon und Barry Fanaro. Die Autorin Esther M. Friesner macht einen guten Job, die Filmstory angemessen im literarischen genre zu erzählen. Und sie bringt eine weitere Hauptfigur ein: New York City!

Die Autorin
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Die 1951 geborene Esther Mona Friesner-Stutzman gehört zur gut verdienenden, weil fleißig schreibenden mittleren Riege des Fantasy-Genres. Sie hat seit Mitte der 80er Jahre über ein Dutzend Romane veröffentlicht, die meistens Motive und Figuren der Fantasy auf die Schippe nehmen. Am bekanntesten ist sie mit ihren amüsanten Anthologien über Amazonen geworden, von denen die erste mit dem provokanten Titel \"Chicks in Chainmail\" (wörtlich: Miezen im Kettenhemd) bereits 1995 erschien.

Bei uns ist Friesner bislang mit den Titeln \"Druidenblut\" (eine gelungene Sherlock & Watson-Parodie) und \"Gestern sahen wir noch Meerjungfrauen\" (eine nostalgische Fantasy um die Entdeckung Amerikas) vom Bastei-Lübbe-Verlag verlegt worden.

Mehr als eine der zahlreichen Trilogien Friesners spielt in New York City, der Stadt, in der sie sich wie in ihrer Westentasche auszukennen scheint. In \"New York by Knight\", \"Elf Defence\" und \"Sphynxes High\" (1986-89) treten Ritter und Drachen sowie etliche Gestalten vom Elfenpack auf, die mal wieder Schabernack treiben. Der Unterschied zu den Gestalten in \"Men in Black II\" ist also kaum der Rede wert.

Handlung
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Agent Jay (für Filmbesucher: Will Smith), der immer in feinem schwarzen Anzug und dunkler Sonnenbrille herumläuft, gehört einem speziellen US-Geheimdienst an: MIB, sprich: Men in Black (der Name ist irgendwie selbsterklärend). Seine patriotische Aufgabe besteht darin, Lebensformen von fremden Welten, die auf der guten alten Terra heimisch werden wollen, zu überwachen.

Doch seit Agent Kay (für Filmbesucher: Tommy Lee Jones) nicht mehr besonnen an seiner Seite steht und die Aliens überwacht, hat Agent Jay wenig Erfolg in der Eindämmung des Alien-Gesocks. Agent Tee, sein neuer Partner, lässt irgendwie die richtige Motivation vermissen. Und er kennt sich nicht aus. Bereits zum Auftakt der Geschichte macht Tee eine ganz schlechte Figur, als eine Art Moloch die U-Bahn angreift und Agent Jay den Zähnen des Monsters nur mit knapper Not und einigen Tricks entkommt. Eins schwört er sich: Er wird die Aufenthaltsgenehmigung des Aliens einziehen lassen! Doch das Monster Jeff wird noch eine wichtige Rolle spielen...

nach dieser schmachvollen Niederlage sieht Agent Jay keine Alternative als Agent Kay aus dem verdienten Ruhestand zurückzuholen. Kay arbeitet irgendwo im ländlichen Neuengland als Vorstand einer Filiale der US Mail. Und Leuten, die saudumme Fragen stellen wie Jay, verkauft er keine Briefmarken, sorry! Obwohl man Kays Erinenrung an seinen Dienst bei den MIB gelöscht hat (er wurde \"geblitzdingst\", aber im Buch heißt das etwas vornehmer \"neuralisiert\"), tummeln sich in seinem Hinterzimmer immer noch emsige Aliens.

Im MIB-Hauptquartier soll Kays Erinnerung wiederhergestellt werden. Gerade noch in letzter Sekunde, denn mit der feschen Serleena (für Filmbesucher: Lara Flynn Boyle) ist in Wahrheit ein kylothianisches Wurzelwesen auf die Erde gekommen und nichts anderes will, als einen teuflischen Zerstörungsplan verwirklichen. Um ihre Nachbarzivilisation vernichten zu können, braucht sie die Energiequelle, die als \"Licht von Zartha\" bekannt ist und auf der Erde versteckt wurde.

Gleich in ihrer ersten Nacht auf der Erde zeigt Serleena einem Räuber im Central Park, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen ist. Außerdem legt sich die Gestaltwandlerin nach einem Blick in ein bekanntes Männermagazin eine unauffällige Verkleidung zu: als Dessousmodel. Natürlich besucht sie als nächstes ihren eigenen Agenten: ein Doppelkopfwesen namens Scrad/Charlie, das sich selten einig ist. Schon wenig später sucht sie den Hüter des \"Lichtes\" in seinem Restaurant heim und hinterlässt für Agent Jay deutliche Spuren.

Doch während sich Jay in die bildhübsche Kellnerin Laura verliebt, erobert Serleena die Zentrale der Men in Black durch einen Hinterhalt. Dort gedenkt sie noch ein Hühnchen zu rupfen mit einem Agenten namens Kay. Es sieht nicht gut aus für Kay und Jay: Der Feind hat die eigene Festung im Sturm genommen und sie haben keine Ahnung, um was es eigentlich geht. Da kann ihnen eigentlich nur ein weiterer Alien helfen: Frank, der Mops. Schließlich kommt es zum großen Showdown über den Dächern dieser wunderbaren und wunder-vollen Metropole.

Mein Eindruck
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Auch Esther M. Friesner (EMF) trägt wahrscheinlich ein \"I ??NY\"-T-Shirt. Jedenfalls verrät die Art und Weise, wie sie über die Stadt und deren Bewohner - \"Jeder Bewohner von New York City ist ein Auswärtiger; ist er\'s nicht, dann war er mal einer\" - nicht nur Sympathie für die Heimat, sondern auch eine kritische Beobachtungsgabe. Sie kennt sich in Chinatown, Little Italy genauso gut aus wie am Times Square (vom World Trade Center ist natürlich keine Rede mehr!) und den dunkleren Gassen, wo schmuddelige, wenn nicht sogar schräge Videoläden ihre \"Kostbarkeiten\" feilbieten.

In einer dieser Videotheken stoßen Kay und Jay natürlich auf des Rätsels Lösung: der Ladenbesitzer ist ein paranoider UFOloge und Oliver-Stone-Verehrer, wie er im Buche steht. Offensichtlich sind dies für Undercover-Agenten wie die MIB die nützlichsten Leute in der Metropole der Auswärtigen...

...zu denen natürlich auch die unerkannt unter uns weilenden Aliens zählen. Die Autorin bringt es amüsant und glaubwürdig rüber, dass Aliens nicht allzu sehr auffallen würden. Schließlich dürfen sogar Aliens wie Michael Jackson, der hier einen Gastauftritt hat, im Land der Freiheit ihren, ähm, Neigungen nachgehen. Wenn es ums Singen geht, sind auch Aliens wie Mops Frank gleichberechtigt: Auf der Fahrt zum Einsatzort grölt er \"I will survive\".

Insgesamt ist dieses Buch nicht nur eine Prosa-Wiedergabe des Drehbuchs, sondern viel mehr. Neben der Action und der Komödie liefert es auch eine Schilderung einer der liebenswertesten Städte der Welt und ihrer bemerkenswerten Bewohner.

Zu denen auch Jeff aus der U-Bahn zählt: Auch das Monster von den Abmessungen eines mittleren T-Rex und dem gleichen Appetit muss in diesem Drama seine Rolle bis zum Schluss spielen. Es wird Serleenas letzte Ruhestätte (wenn ich mich recht entsinne; vielleicht wurde ich aber auch geblitzdingst - ich kann für alles, was ich hier erzählt habe, also keine Gewähr übernehmen).

Unterm Strich
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Eine kurzweilige und hintergründige Umsetzung der Filmhandlung, garniert mit einigen persönlichen Zutaten der amüsanten Erzählerin.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Men in Black II. The Official Novelization by Esther M. Friesner, based on the Screenplay by Robert Gordon & Barry Fanaro,2002; Goldmann 2002, Nr. 45426, München; 253 Seiten, EU 8,00, aus dem US-Englischen übertragen von Frauke Meier; ISBN 3-442-45426-3



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-21 18:40:16 mit dem Titel J. Finder: *High Crimes. Im Netz der Lügen*: Der Killer in meinem Bett

Wie gut kennt man den Menschen, mit dem man verheiratet ist? Ist der Mann der berühmten Anwältin ein psychopathischer Killer oder unschuldiges Opfer einer teuflischen Intrige?

Joseph Finders Roman ist eine spannende Kombination aus Militärintrige und Gerichtsdrama und zudem das Buch zum Film.

Der Film
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Regisseur Carl Franklin verfilmte den Kriminalroman von Joseph Finder mit den Stars Ashley Judd, Morgan Freeman und Jim Caviezel in den Hauptrollen.

Handlung
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Es fängt ganz harmlos an. Wie üblich. Tom Chapman (nicht sein richtiger Name; gespielt von Jim Caviezel) ist schon seit drei Jahren glücklich mit der erfolgreichen Staranwältin und Jura-Professorin Claire Heller (gespielt von der bildhübschen, aber für die Rolle viel zu jungen Ashley Judd) verheiratet. Claire hat ein Töchterlein namens Annie, in das beide ganz vernarrt sind.

Nach einem gepflegten Diner in Bostons Innenstadt schlendert die Familie noch durch eine Einkaufspassage, als sich unangenehm aussehende Typen in dunklen Anzügen an sie heranmachen, um Tom festzunehmen. Doch statt sich verknacken zu lassen, nimmt Tom Reißaus, während Claire nur fassungslos dem folgenden Geschehen zu folgen versucht. Als sei er ein Klon von Arnold Schwarzenegger setzt Tom mehrere bewaffnete Angreifer außer Gefecht und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Claire kann es nicht fassen, als ihr ein US Marshal eröffnet, dass ihr lieber Gatte ein gewisser Ronald Kubik sei und seit 13 Jahren von der Armee wegen Fahnenflucht gesucht werde. Da könnte einem doch glatt das Abendessen hochkommen.

Nach einigen Wochen, in denen Tom untergetaucht ist und sich die Aufregung etwas legt, wagt es Claire, Tom zu treffen. Sie glaubt ihm, an einem Massaker an 87 salvadorianischen Zivilisten unschuldig zu sein, und liebt ihn immer noch. Tom ein Massenmörder? Niemals, doch andererseits ist seine Vergangenheit tatsächlich erfunden oder gefälscht, wie ihr ein Privatdetektiv eröffnet. Doch wer ist Tom wirklich?

Um das herauszufinden, trifft sie ihn und glaubt dabei der ständigen Überwachung durch FBI und Marshals zu entgehen. Falscher Irrtum! Da ihr Auto verwanzt war, sind die beiden leicht aufzuspüren. Ihnen bleiben nur wenige Minuten, um sich wiederzusehen und die wichtigsten Infos auszutauschen: Ron Kubik gehörte 1985 einer Spezialeinheit der Armee in El Salvador an (Reagans dreckiger, geheimer Krieg in Mittelamerika). Man wirft ihm vor, 87 Zivilisten niedergemäht zu haben, doch er beteuert sein Unschuld erneut. Zu spät: Nervengas setzt beide außer Gefecht.

Um den nun folgenden Militärprozess vor einem Kriegsgericht gewinnen zu können, heuert Claire einen Experten dafür an: Charlie Grimes (gespielt von Morgan Freeman), der aber auch schon bessere Tage gesehen hat. Ihnen wird als Toms Pflichtverteidiger ein gewisser Terry Embry(o) zur Seite gestellt.

Die Chancen des Trios könnten nicht schlechter stehen. Die Anklage führt ein knallharter und erfahrener Profi an. Seine dunklen Hintermänner sitzen natürlich im Pentagon, aber es scheinen auch Leute aus dem CIA mitzuspielen. Der Hauptzeuge ist obendrein ein über jeden Verdacht erhabener General, der mittlerweile, nach 13 Jahren, Stabschef der Army ist. Wer würde den schon angreifen?

Claire traut sich. In der gesamten zweiten Hälfte des Buches, die der Prozess einnimmt, scheint ihre Familie zu zerbrechen und sie ihren Job zu verlieren - man kämpft mit harten bandagen und fährt schweres Geschütz auf. Sie entkommt um Haaresbreite einem Mordanschlag.

Und die ganze Zeit über ist nicht sicher, ob Ron Kubik alias Tom Chapman wirklich unschuldig ist. Bei seiner Spezialeinheit hat er schließlich gelernt, nicht nur Dokumente zu fälschen, sondern sogar Lügendetektoren auszutricksen. Und wie sich zeigt, ist er außerdem ein ausgezeichneter Schauspieler.

Mein Eindruck
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Militärs, Agenten, FBI, Privatdetektive und mittendrin ein paar aufrechte Anwälte, die versuchen, einen offenbar unschuldigen Ehemann wieder rauszuhauen. Würde man den Plot so zusammenfassen, wäre das allerdings zu kurz gegriffen. Denn Claire Heller versucht - zumindest im Buch - nicht nur, ihre Ehe und das Leben ihres Mannes (er würde im Gefängnis garantiert als lästiger zeuge umgebracht) zu retten. Sie kämpft auch gegen das gesamte Systems des amerikanischen Militärs. Sicherlich nie eine einfache Aufgabe, und noch dazu auf dem unvertrauten Boden des Militärrechts und der Militärjustiz. Ob es ihr wohl gelingt?

Natürlich erinnert das Thema \"Militärgerichtsdrama\" an den Film \"Eine Frage der Ehere, in der Tom Cruise und Demi Moore den alten Colonel Jack Nicholson verknacken wollen (und können). Wie aus dem Handlungsabriss abzulesen ist, gibt es ein paar Unterschiede. Die Wahrheitsfindung findet nicht ausschließlich vor den Schranken des Gerichts statt, und eine große Bedeutung erhält die emotionale Bindung zwischen dem Angeklagten und seiner Verteidigerin (vor einem Zivilgericht wäre sie sicherlich als befangen ausgeschlossen worden).

Die Frage ist deshalb natürlich, ob eine Anwältin, die sich auf die Stimme ihres Herzens (und die Beteuerungen ihres Gatenn) verlässt, auch der Sache der Wahrheit dient. Das könnte eine böse Überraschung geben. Tut es dann auch. Dieser Verlauf ist schon recht spannend, allerdings neigt dieser Aspekt ein wenig unterzugehen in dem turbulenten Geschehen, zu dem sich der Prozess vor dem Kriegsgericht entwickelt. Man will stets wissen, wie die nächste Überraschung aussieht.

Das Buch hat jedoch ein paar Probleme: Alle \"Guten\" sind viel zu gut, die Story zu konventionell und der Verlauf zu vorhersehbar. Intelligente, versierte Krimileser wissen schon nach 50 Seiten, wie das Buch wohl ausgehen wird. Und auch die unausweichliche Pointe dürfte sie kaum vom Stuhl hauen. Was daher als Gesamteindruck bleibt, ist ein kompetent erzählter Durchschnittskrimi im Pentagonmilieu, in dessen Mittelpunkt eine heroisch kämpfende Zivilanwältin steht. So weit, so gut. Wer mehr Kick und Schmackes haben will, sollte zu Krimis von Dennis Lehane oder James Patterson greifen.

Unterm Strich
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Kompetent erzählter Durchschnittskrimi im Pentagonmilieu, in dem eine Anwältin ihren offenbar zu Unrecht beschuldigten Mann vor dem Gefängnis retten will. Zunächst halbwegs spannend, sich ab der Mitte langsam steigernd. Ziemlich gewaltfrei und daher gut für spannende Familienunterhaltung geeignet - das dürfte auch auf die Verfilmung zutreffen.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: High crimes, 1998; Heyne 1999/2002, München; 364 Seiten, EU 8,95, ISBN 3-453-19783-6

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-16 18:59:15 mit dem Titel Nicci French: *Das rote Zimmer*: Ein Zimmer voller Blut: Thriller, der Geduld lehrt

Ein Thriller um einen Frauenmörder, der uns lehrt, der einfachen und schnellen Lösung zu misstrauen und unter die gefällige Oberfläche zu graben, um in der unangenehmen Realität der menschlichen Beziehungen am Rande der Gesellschaft die Wahrheit zu entdecken.

Die \"Autorin\"

\"Nicci French\" ist der nom de plume eines britischen Autorengespanns, das sich zusammengetan hat, um folgende Thriller zu schreiben: \"Der Glaspavillon\", \"Höhenangst\", \"Ein sicheres Haus\", Der Sommermörder\". Die Spezialität: Die Ermittlerin ist meist eine Psychologin oder Psychiaterin, die mit anderen Methoden als die Kriminaler arbeitet.

Handlung

Auch Dr. Kit (die Kurzform von Katherine) Quinn ist eine solche erfahrene Psychiaterin. Eines Abends erhält sie Besuch von der Londoner Mordkommission. Zum Glück hat sie nichts ausgefressen, sondern soll lediglich helfen, den Mord an einem jungen Mädchen aufzuklären, das an einem Kanal gefunden wurde. Die Leiche der Unbekannten ist übel zugerichtet: zahlreiche Stichwunden.

Inspektor Gil Furth hat bereits einen Verdächtigen: den vorbestraften Arbeitslosen Michael Doll. Kit kennt den Mann: Er hat sie drei Monate zuvor bei einer Routinebefragung angegriffen und schwer im Gesicht verletzt. Doll hat die Leiche gefunden und wurde gleich verknackt. Am liebsten würden die Polizisten den verhaltensgestörten Doll einsperren und den Schlüssel wegwerfen.

Doch Kit, die zwischen Mitleid und Angst hin und her gerissen ist, zwingt die Polizei, ihr vorschnelles Urteil zu überdenken und Doll freizulassen. Die Beweise sind einfach zu fadenscheinig. Kit stößt am letzten Aufenthaltsort der Ermordeten auf eine weitere zwielichtige gestalt: Will Pavic ist der Leiter des Jugendhauses, in dem jugendliche Ausreißer wie die ermordete Lianne ein- ausgehen. Pavic sieht gut aus, doch warum hat er seine Karriere als Börsenmakler und Investmentbanker aufgegeben, um in diesem Dreckloch zu schuften?

Nachdem Kit den Tatort eines weiteren Frauenmordes in Hampstead begutachtet hat, zieht sie eine verblüffende Verbindung zwischen den beiden Toten. Obwohl die Polizisten an ihrem Verstand zweifeln, veranlassen sie einen Fasernvergleich: Volltreffer! Und wer wird Held des Tages? Natürlich Oberinspektor Oban und nicht etwa Kit Quinn.

Bei ihren Nachforschungen beginnt Kit eine heiße Liebesaffäre mit Will Pavic, und uns schwant schon Übles. Als eine weitere Frau überfallen wird, aber lebend davon kommt, taucht nun wieder der unheimliche Michael Doll auf. Wenig später erfüllt sich Kits Schreckensvision von einem roten Zimmer: Die Wohnung Dolls ist voller Blut...

Wer ist der Frauenmörder wirklich? Und wird Kit sein nächstes Opfer?

Mein Eindruck

Nach dem extrem dichten und spannenden \"Sommermörder\" wurde ich mit \"Das rote Zimmer\" leicht enttäuscht. Ich hatte eine spannendere, schnellere Handlung erwartet. Aber French macht es dem Leser nie leicht. Es dauert eine ganze Weile, bis ihre Heldin das vielschichtige Puzzle aus Indizien zusammengesetzt hat. Im vorliegenden Buch dauert es bis fast zur letzten Seite. Man sollte also Geduld aufbringen.

Quinn ist selbst frühzeitig eine Waise geworden, als sie ihre Mutter verlor. Wohl deswegen verspürt sie ein hohes Maß an Mitgefühl für jene jungen Menschen, die, wie die tote Lianne, auf der Schattenseite des Lebens stehen und keinen Fuß auf die Erde kriegen. Die im Gegenteil sogar noch dafür verachtet und an den Rand verbannt werden.

Für Kit wird die Suche nach dem Frauenmörder nicht nur ein gewöhnlicher Kreuzzug gegen das Verbrechen, sondern eine persönliche Suche nach Erlösung von dem Trauma des Verlassenwerdens, des Ungeliebtseins. Daher auch die Alpträume vom roten Zimmer: Dort warten die schlimmsten Ängste. Man sollte die Tür stets fest geschlossen halten. Manchmal geht das aber nicht.

In den Gesprächen mit den jugendlichen Ausreißern, aber auch mit den Hinterbliebenen der getöteten Frau eines wohlhabenden Mannes stößt Kit immer wieder auf die eigene Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit. Daher lässt sie sich auf einen Mann wie Will Pavic ein: \"the comfort of strangers\".

Die Aufklärung des Falls erschien mir keineswegs zwingend. Vielleicht ist die Lösung nur für eine Frau, namentlich eine Mutter offensichtlich und nachvollziehbar. Daher erschien mir der Handlungsverlauf relativ willkürlich, wenn er auch stets überschaubar bleibt: Das Personal ist nur ein kleiner Kreis aus Verdächtigen. Immerhin gibt es gegen Schluss einen gefährlichen Showdown, der der zu einer Lösung aus einer völlig unerwarten Richtung führt.

Unterm Strich

Ein psychologischer Thriller der Mittelklasse, der es zwar nicht mit Größen wie Jeffrey Deaver, Michael Connelly und Dennis Lehane aufnehmen kann, aber dafür mit einer spezifisch weiblichen Sichtweise aufwartet und so die Ermittlungen aus einem völlig anderen Blickwinkel als sonst angeht - vielleicht ähnlich wie bei Minette Walters und Patricia Cornwell.

Die Übersetzung

... ist in Ordnung, aber mich haben zahlreiche Tippfehler gestört. Da wird aus einem \"n\" ein \"m\" und aus einem \"h\" ein \"b\". So wird etwa auf Seite 335 aus \"Ausgeben\" ein \"Ausgehen\". Zum Glück ergibt beides im Kontext einen Sinn.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: The red room, 2002; Bertelsmann 8/2002, München; 416 Seiten, EU 22,90, aus dem Englischen übertragen von Birgit Moosmüller; ISBN 3-570-00589-5


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-17 19:17:50 mit dem Titel J. Fisher: *Der Herr der Ringe - Die Zwei Türme. Das offizielle Begleitbuch*: Fehlerhaft!

Die Verfilmung des 2. Teils des \"Herrn der Ringe\" kommt in wenigen Wochen in unsere Kinos - Zeit also auch für Runde 2 bei den Begleitbüchern. Dieser \"visuelle Begleiter\" besticht wie schon seit Vorgänger durch die Qualität der Fotos und weniger die der Begleittexte. Wer nur Fotos haben möchte, greift lieber zum preisgünstigeren Band \"Fotos aus Mittelerde\": Er kostet nur 9,90 EU statt 15,00.

Die Autorin

Jude Fisher ist mehr für ihre unter dem Pseudonym Gabriel King geschriebenen Katzenromane bekannt. Sie hat 20 Jahre lang als Buchhändlerin und Verlegerin gearbeitet. Die Skandinavistin interessiert sich speziell für altisländische Texte - da liegt sie mit Viggo Mortensen auf der gleichen Wellenlänge. Von ihr stammt das \"Offizielle Begleitbuch\" zum 1. Herr der Ringe-Film \"Die Gefährten\".

Inhalte

Das Vorwort stammt von Viggo Mortensen, der den \"Aragorn\" mit großer Überzeugung und Ernsthaftigkeit spielt (die Special Extended Edition belegt dies erneut). Der Familienvater, Musiker und Lyriker Mortensen entpuppt sich hier als Philosoph, der durchaus so illustre Geister wie Schopenhauer, Gandhi und Chief Seattle zu zitieren weiß. Er erklärt uns, was das Buch \"Der Herr der Ringe\" mit uns zu tun haben könnte. Insbesondere geht er auf die Handlung des 2. Teils ein, der bald in unsere Kinos kommt.

Hier treffen Sarumans Truppen und König Théodens Reiterarmee (unter der Leitung von Gandalf dem Weißen und Aragaorns) aufeinander. Aber auch der Wald von Fangorn speilte eine unerwartete Rolle. Mortensen setzt alle Elemente zueinander in Beziehung und bietet eine Erklärung an, die sich sowohl politisch als auch ökologisch verstehen lässt. Jedenfalls ein interessanter Beitrag.-

Die Gefährten haben sich getrennt. Dementsprechend ist auch die Darstellung aufgeteilt. Frodo und Sam folgen der \"Ring-Quest\", treffen auf den zweilichtigen Gollum und den Gondor-Hauptmann Faramir, Boromirs Bruder. Sie durchqueren die Totensümpfe und gelangen ins umkämpfte und von Faramirs Männern bewachte Ithilien. Von hier aus werden sie nach Osgiliath und weiter nach Minas Morgul weiterreisen.

Der andere Handlungsstrang - \"Die Reise der Gefangenen\" - ist wiederum gespalten. Einerseits gelangen Merry und Pippin, die von den Uruk-hai gefangengenommen wurden, in die Freiheit und landen im urigen Fangornwald, wo sie Baumbart kennenlernen. Zum anderen stoßen die ihnen folgenden Gefährten Aragorn, Legolas und Gimli ihren Spuren, stoßen auf Rohankrieger und gelangen ebenfalls nach Fangorn. Dort schließt sich ihnen der \"zurückgesandte\" Gandalf der Weiße an.

Am Hofe Rohans in Edoras kommt das Quartett gerade rechtzeitig an, um König Théoden vor einer verhängnisvollen Entscheidung und seinem Untergang zu bewahren. Sarumans Spion Gríma Schlangenzunge (Brad Dourif aus David Lynchs DUNE) will den König stürzen, das Königreich Saruman in die Hände spielen und als Lohn die schöne Eowyn gewinnen. Da hat er sich geschnitten!

Nachdem das Quartett die Lage bereinigt hat, bietet Théoden seine Truppen auf und schickt alle Zivilisten in die Festung Helms Klamm. Dorthin ziehen sich angesichts eines Ork- und Uruk-hai-Heeres auch die Kämpfer zurück. Es kommt zur Entscheidungsschlacht.

Unterdessen fällt Arwen Abendstern (Liv Tyler) in Elronds Haus eine folgenschwere Entscheidung: Sie entsagt ihrer Unsterblichkeit, um Aragorn lieben und heiraten zu können. Der Geliebte kämpft derweil in strömendem Regen gegen eine Übermacht stinkender Orks...

Diese Schlacht ist nicht nur mit Filmfotos dokumentiert. Wenn man die Doppelseite auseinanderklappt, erhält man auf vier Seiten einen schematischen Überblick über den Verlauf der entscheidenden Schlacht. Die einzelnen Angriffe und Truppenbewegungen sind chronologisch nummeriert und aufgelistet. Hier verliert also niemand den Überblick. Filmfotos sind in die Karte eingeklinkt.

Soviel ist schon mal klar: Diese Schlacht wird der absolute Höhepunkt des zweiten Teils der Trilogie. Dafür steht, anders als im 1. Teil, nicht mehr der Ringträger im Zentrum der Handlung.

Mein Eindruck

Hauptaufgabe dieses 2. \"offiziellen Begleitbuchs\" ist es laut Untertitel, die \"Figuren, Landschaften und Orte Mittelerdes\" vorzustellen. So soll auch ein Zuschauer, der das Buch nicht kennt, mit dem Film von Peter Jackson zurechtkommen. Das Vorhaben gelingt auch auf weiten Strecken, aber nicht immer.

Wer sich an den Text (und nicht an das Tolkien-Buch) hält, stößt unvermutet auf eine Erklärungslücke. Gerade noch wurden Aragorn und Co. von Rohankämpfern gefangengenommen. Doch bei ihrem nächsten Auftauchen sind die drei Gefährten schon wieder frei und dringen in Fangorn ein, wo sie Gandalf treffen. Was ist zwischen Szene A und B passiert? Gelten Gefangennahmen nichts mehr? \"Kleiner Scherz am Rande\"?

Genauso in Ithilien: Frodo und Sam werden von Faramirs Männern geschnappt, später aber wieder freigelassen, um nach Mordor (ausgerechnet) weiterziehen zu können. Wir erhalten herzlich wenig Erklärungen für Faramirs Entscheidung. Unter der Überschrift \"Ithilien\" findet sich auf S. 14 ein offensichtlicher Fehler. Das Morannon, das Tor nach Mordor, vor dem Frodo und Sam verzweifeln, wird als das \"Dunkle Tor Morias\" bezeichnet (zu sehen sind Truppen der Ostlinge). Das ist nur fast richtig, auch wenn\'s gut klingt. Moria liegt schon lange hinter den Gefährten.

Gar kurios ist die \"komplett neue Karte Rohans\", die am Buchanfang abgedruckt ist. Die linke Seite wurde ins Deutsche übersetzt, doch alles was auf die rechte Seite hinausragt (Mordor etc), steht da in spanischer Sprache. Hmmm! Wer will, kann sich also für die \"Montanas de la Sombra\" statt für die Schattenberge begeistern. Sei\'s drum! Lustig wird es aber, wenn auf der linken Seite von Wegmeilen und rechts von Leguas die Rede ist....

Die Erklärung für diesen Druckfehler dürfte in der Hintergrundillustration der rechten Seite zu finden sein. Dafür gab es offenbar keine deutsche Druckvorlage. Der Text wiederum ist - natürlich oder Gottseidank? - in deutsch.

Unterm Strich

Eine schön bebilderte Einführung in die Handlung der Verfilmung - nicht in die der Buchvorlage (im 2. Teil kommt Arwen leider überhaupt nicht vor). Zahlreiche Völkerschaften, neue Ungeheuer (Warge, Ents, Gollum) und Personen werden hier eingeführt, über die man Bescheid wissen sollte. Der Schlachtplan ist sicher sehr hilfreich für die Orientierung: Der Überblick über eine Schlacht, die im Regen gefochten wird, ist in aller Regel recht begrenzt.

Über die Fehler des Buches sollte man Bescheid wissen, aber der Autorin daraus keinen Strick drehen. Sie hat als Ausgleich ein nachdenkenswertes Vorwort eines Hauptdarstellers aufgenommen. Ich gebe daher eine bedingte Empfehlung ab.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: The Lord of the Rings: The Two Towers. Visual Companion, 2002; Klett-Cotta, Stuttgart, und Burgschmiet Verlag, Nürnberg; 11/2002; 72 Seiten, EU 15,00, ISBN 3-608-93505-3, aus dem Englischen von Hans J. Schütz

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-19 17:31:07 mit dem Titel Fr. Forsyth: *Der Lotse*: Spannende Weihnachtsgeschichte

Der bekannte Thrillerautor Forsyth war in jungen Jahren Jetpilot der Royal Air Force. Er erzählt hier eine Weihnachtsgeschichte, die sich in seiner Karriere hätte zutragen können. Mit dem Unterschied, dass der Lotse, der darin vorkommt, gar nicht existieren kann.

Der Autor

Frederick Forsyth, geboren am 25. August 1938 in der Grafschaft Kent, war mit 19 Jahren der jüngste jetpilot der Royal Air Force. Nach seinem Ausscheiden 1958 wurde er Journalist und war als Auslandskorrespondent tätig. Ab 1965 arbeitete er als Fernsehreporter der BBC und berichtete aus Krisen- und Kriegsgebieten. Heute lebt er als freier Autor in London. Bereits mit seinem ersten Roman \"Der Schakal\", der zweimal verfilmt wurde, erreichte er weltweit Bekanntheit. Wichtig sind auch seine Romane \"Die Akte ODESSA\" und \"Das vierte Protokoll\".

Der Sprecher

Joachim Höppner, bekannter Synchron- und Radiosprecher, lebt in München. Er leiht seine Stimme Stars wie Jean Reno, Paul Newman und Donald Sutherland. Die vorliegende Fassung des Hessischen Rundfunks ist ungekürzt.

Handlung
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Am Heiligabend 1957 fliegt der Ich-Erzähler von einem Flughafen der Britischen Besatzungszone in Celle nach Hause. Er ist ein junger Jetpilot in einem einsitzigen Düsenjäger vom Typ Vampire, der mit 830 Kilometern pro Stunde über die Nordsee gen Heimat donnert, um dort die Weihnachstage zu verbringen.

In 9 km Höhe über dem Meer fällt die Elektronik aus, also Kompass und Funkgerät. Er kann keine Hilfe rufen, und der Sprit geht bald zur Neige. Bei Nacht kann er sich nicht an Landmarken orientieren, und da über Ostengland dichter Nebel herrscht, kann er nicht einmal nach Sicht landen. Eine Rückkehr ist ausgeschlossen, der Sprit reicht nicht.

Als unser Pilot bereits mit dem Leben abgeschlossen hat - im eisigen Wasser der Nordsee dürfte er nur wenige Minuten überleben -, taucht plötzlich eine uralte Propellermaschine aus dem 2. Weltkrieg auf, ein längst außer Dienst gestellter Jagdbomber vom Typ Mosquito. Doch der Pilot bietet ihm Lotsendienste an, die der in Bedrängnis geratene Jetpilot gerne annimmt.

Nach einer wackeligen Landung im Blindflug verschwindet der Lotse, doch als unser Pilot sich auf diesem stillgelegten RAF-Flugplatz nach seinem Lebensretter erkundigt, erlebt er eine handfeste Überraschung nach der anderen. Vielleicht gibt es doch einen dort oben, der uns schützt.

Mein Eindruck
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Die Geschichte ist von A bis Z erzählt, als wäre sie direkt aus dem Leben gegriffen. Aufgrund der Lebenserfahrung des Autors stimmen alle Einzelheiten aufs genaueste. Und so können wir genau nachvollziehen, in welcher Bedrängnis der junge Jetpilot steckt und welches Wunder seine Rettung darstellt. Dies ist sehr spannend erzählt.

Doch der unausweichliche Schluss, zu dem der Leser kommen muss, wenn er den Fakten glaubt, ist so schwer zu akzeptieren, dass man einen \"leap of faith\" machen muss. Aber genau deswegen ist dies eine schöne, passende Weihnachtsgeschichte und kein Fliegerlatein.

Unterm Strich

Forsyth hat sein handwerk bei der Luftwaffe und im Journalismus gelernt. Voll Authentizität erzählt er eine ebenso spannende wie unglaublich klingende Geschichte, die gut zu Weihnachten passt.

Der Preis

Obwohl die Übersetzung ausgezeichnet gelungen ist, verstehe ich nicht, warum der Verlag für eine einzige Music Cassette (oder wahlweise 2 CDs) rund 38 Mark verlangt, also 19 Euro. Das muss wohl etwas mit dem großen Namen des Autors zu tun haben.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: 1975; Heyne/Hamburger Hörbuchverlag 10/2002, München; 85 Minuten, aus dem Englischen von Rolf und Hedda Soellner; EU 19,00, ISBN 3-89903-067-2 (MC)

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-29 17:06:06 mit dem Titel Ken Follett: *Die Leopardin*: Follett vom Feinsten!

In seinem neuesten Roman kehrt Ken Follett zu den Szenarien von \"Die Nadel\" und \"Das zweite Gedächtnis\" zurück, zwei seiner kommerziell erfolgreichsten Romane: der Zweite Weltkrieg und die Agenten, die in dieser Ära ums Überleben kämpfen. Diesmal geht\'s um die Vorbereitung der alliierten Invasion in der Normandie 1944. Die Handlung ist enorm spannend und actionreich.

Der Autor
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Ken Follett, geboren 1949, war 27 Jahre alt, als er den Thriller \"Die Nadel\" schrieb, in dessen Mittelpunkt ein deutscher Spion im englischsprachigen Ausland stand (großartig verfilmt mit Donald Sutherland in der Titelrolle). Folletts größte Bucherfolge waren \"Die Säulen der Erde\", \"Die Pfeiler der Macht\" und \"Das zweite Gedächtnis\", welches ebenfalls Geheimagenten zu tun hat. Follett lebt abwechselnd in London und auf dem Land.

Der Sprecher
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Joachim Kerzel ist deutsche Stimme von Dustin Hoffman, Jack Nicholson und fast allen Stephen-King-Hörbüchern. Kerzel spricht die Szenen mit Major Dieter Frank. Seltsamerweise erschien mir die Tonaufnahme seiner Szenen als gedämpft und von geringer Präsenz. Möglicherweise lag es an der Aussteuerung seiner bassbetonten Stimme.

Die Sprecherin
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Franziska Pigulla spricht die Szenen mit Felicity Clairet, der \"Leopardin\" und Anführerin der \"Dohlen\". Ihre Tonaufnahme ist von erstaunlicher Präsenz und sehr klar. Ganz gleich, ob sie sanft und weich Liebeserklärungen haucht oder mit größter Lautstärke Befehle oder Flüche brüllt, so kommt sie stets völlig glaubwürdig und lebendig herüber.

Die Handlung
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Frankreich/England. Wir schreiben das Jahr 1944. Die Invasion der Alliierten in der Normandie soll in Kürze, am 6. Juni, stattfinden. Im von den Deutschen besetzten Frankreich kämpfen die Frauen und Männer der Résistance für die Freiheit ihres Landes, sabotieren Versorgungseinrichtungen und Eisenbahnlinien. Die Reaktion der Wehrmacht auf die Invasion muss um jeden Preis verzögert werden.

Felicity Clairet, genannt \"Flic(k)\" und \"Die Leopardin\", ist eine britische geheimagentin, die undercover in die Résistance mitarbeitet. Gleich in der ersten Szene des Hörbuches \"sehen\" wir sie in waghalsigem Einsatz bei einem Angriff der Résistance auf eine deutsche Nachrichtenzentrale im Schloss von Sainte Cécile. Der Angriff geht aufgrund falscher Geheimdienstinfos völlig daneben: Mehrere Angreifer sterben drei geraten in Gefangenschaft, und Flic kann ihren verwundeten Mann Michel gerade noch aus der Kampfzone schleppen.

Seitenwechsel (nun spricht J. Kerzel). Bei dem Angriff war gerade der persönliche Abgesandte Felmarschall Rommels, Major Dieter Frank, vor Ort, um die Sicherheitsvorkehrungen der Nachrichtenzentrale zu inspizieren. Die Laxheit der Maßnahmen, die sein früherer Kollege Weber veranlasst hatte, treibt ihn zur Weißglut und hätte ihn fast das Leben gekostet. Erwin Rommel gewährt ihm freie Hand, die drei Gefangenen zu \"verhören\". Darunter versteht Frank psychische, aber auch brutalste physische Folter. (Dies sind keine Szenen für Zimperliche!) Durch die erzwungenen Aussagen kommt Major Frank der Geheimagentin Felicity Clairet auf die Spur. Bald kennt er die gesamte Résistance-Struktur. Dem Widerstand steht ein schwarzer Tag bevor.

Szenenwechsel (zu Pigulla). Flic hat nur noch zehn tage Zeit, um einen tollkühnen Plan in die Tat umzusetzen, der dem Krieg in Europa die entscheidende Wende geben soll. Um in die strategisch wichtige Nachrichtenzentrale der deutschen Truppen in der Normandie (die Telefonleitungen sind abhörsicher; nach ihrer Zerstörung muss die Wehrmacht auf abhörbaren Funk umsteigen) einzudringen, will sie deren Putzkolonne infiltrieren. Die besteht nur aus Frauen, momentan aus Französinnen.

Doch woher solche wagemutigen, um nicht zu sagen: todesmutigen Frauen nehmen? Sie schaut sich bei Todeskandidatinnen in Gefängnissen um, bei abgelehnten Möchtegernagentinnen, ja sogar unter gelangweilten Adelstöchtern wird sie fündig (\"Die Männer dürfen kämpfen - und wir?\"). Diese Szenen sind von ungewöhnlicher Komik und warten zudem mit Überraschungen auf: Denise ist eine Schwätzerin, Ruby eine liebestolle Zigeunerin, Maude und Diana ein lesbisches Paar und \"Greta\" schließlich ein deutschstämmiger Transvestit. Flic selbst verliebt sich in den Soldaten Paul Chancellor, der daher noch später eine Rolle spielen wird.

Und nachdem sie ihren zusammengewürfelten Haufen unter dem Codenamen \"Die Dohlen\" beisammen hat, bleiben ihr noch neun Tage, um sie zu Sprengstoffexpertinnen und Nachrichtenhandwerken auszubilden. Prost Mahlzeit! Doch sobald sie Frankreich abgesetzt worden sind - die Invasion drängt schon --, wird dort bereits ein bestens informierter Feind auf sie warten: Major Dieter Frank und die Gestapo.

Mein Eindruck
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Das Buch beginnt, wie angedeutet, mit Action und endet mit einem actionreichen Showdown, dazwischen findet der Autor noch Zeit für ebenso humorvolle wie erotische Episoden. Fortwährend wird die Spannung aufrechterhalten durch die Versuche der Deutschen, in die Résistance einzubrechen sowie den Funk der Briten mit den Widerstandskämpfern abzuhören - bis man ihnen auf die Schliche kommt.

---Gute Charakterzeichnung---

Die Figuren sind ausgewöhnlich klar gezeichnet. Das trifft natürlich besonders für die zwei Kontrahenten Felicity Claret und Dieter Frank zu: Beide haben Liebesinteressen, können aber auch knallhart sein und Menschen töten. Dazwischen liegen alle möglichen Zwischentöne.

Aber auch die Mitglieder des Dohlen-Teams werden vom Autor liebevoll gezeichnet - siehe oben - mit den bekannten Effekten. Und sie zeigen daher auch allzu menschliche Schwächen. Kaum in Paris angekommen, vertagt sich das Liebespaar Diana und Maude bereits ins Hotel Ritz, um dort \"einmal anständig zu essen\". Dummerweise essen dort auch SS, Gestapo und Wehrmacht...

So zeigt der Autor die Agenten und Agentinnen der Briten, wie sie als ganz normale Menschen Kopf und Kragen riskieren, nicht wie James Bond als Superman mit \"Gadgets, Guns und Girls\" (Lee Tamahori, Regisseur des aktuellen Bondfilms). Und er zeigt, welchen Preis die einheimische französische Bevölkerung zahlen muss, um diesen Agenten zu helfen: ständige Verfolgung und Unterdrückung. Allzuoft ist der Preis der Freiheit das eigene Leben. Jeden Abend gehen von Paris und Reims die Viehwaggons zu den KZs ab...

---Schnelle Action, dubiose Gewalt---

Wenn die Action losgeht, heißt es, sich zu konzentrieren und gut zuzuhören. Die Szene wandelt sich rasend schnell, die Aktionen folgen Schlag auf Schlag. Auf dem Höhepunkt wechseln sich die Sprecher in Szenen ab, die nur jeweils zwei bis Minuten dauern. Beinahe schon ein Stakkato. Erst wenn alles überstanden ist, wechselt der Rhythmus: Ruhe kehrt ein, wenn jeder der Hauptakteure sein persönliches Schicksal findet, sei es das der Sieger oder das der Verlierer.

Was mich sehr erstaunt und gestört hat, ist der unerwartet hohe Gehalt an gewalttätigen Szenen im Buch. Das gilt insbesondere für die Folterszenen Dieter Franks und der Gestapo - hier nimmt Follett kein Blatt vor den Mund. Überhand nimmt das aber während des Finales im Schloss von Sainte Cécile. Man kann sich die Szenen geradezu als Horrorshow vorstellen, veranstaltet von Felicity Clairet. Ich würde solche Szenen keinem Jugendlichen unter 16 Jahren zumuten.

---Die Leistung der Sprecher---

Wie gesagt, hat mit Franziska Pigulla sehr gut gefallen. Ich habe mich auf jede ihrer Szenen gefreut. Merkwürdig war die gedämpfte Tonqualität von Kerzels Szenen; sie hätte besser sein können. Dennoch erweckt er seinen \"Dieter Frank\" ebenso lustvoll und engagiert zum Leben, wie es Pigulla mit Felicity und ihren \"Dohlen\" tut.

Unterm Strich
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Dieses Hörbuch bietet eine gekürzte Romanfassung. Die Kürzungen haben dazu geführt, dass die Action ein Übergewicht bekommen hat: Die Handlung schreitet äußerst rasch und zielgerichtet voran. Lediglich in der Mitte der Geschichte ist dem Zuhörer eine gewisse Entspannung gegönnt, bevor es mit voller Power wieder losgeht.

Ich weiß nicht, ob diese Geschwindigkeit und Spannung, die hohe Konzentration erfordern, gut oder schlecht für Autofahrer ist. Es sorgt sicherlich nicht für Langeweile. (Hörbücher sind bei Fernfahrern und anderen Langstreckenfahrern wie etwa Vertretern und Außendienstler recht beliebt, wie ich hörte.)

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Jackdaws, 2001; LübbeAudio 10/2002, Bergisch Gladbach; 6 CDs mit 444 Minuten Laufzeit, ISBN 3-7857-1213-8, Preis: EU 29,90. Bei Amazon.de kostet das Hörbuch nur noch EUR 23,90, gebraucht ab EUR 19,00.

Wenn ich richtig informiert bin, so soll dieser Roman verfilmt werden. Die Rechte hat Dino de Laurentiis.

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