Erfahrungsbericht von vampire-lady
Das Phantom von Manhattan
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
„das Einzig Logische, was ein moderner Analytiker tun kann...“ ist wohl die Fortsetzung des 1911 erschienenen Romans „das Phantom der Oper“ von Gaston Leroux auf eben diese Art und Weise zu schreiben. Leider! Das Phantom von Manhattan erschien 1999 unter dem Titel „the Phantom of Manhattan“, ein Jahr später bei Bertelsmann in Deutschland, wiederum ein Jahr später als Taschenbuch bei Goldmann.
Autor: Frederick Forsyth, geboren 1938 in Ashford/Kent wurde bekannt durch Romane, wie „der Schakal“ oder „die Akte Odessa“. Er machte sich durch besonders exakte Recherchen einen Namen.
Genau da liegt das Problem. Als Einstieg gibt Forsyth im 22 Seiten langen Vorwort eine kurze Beschreibung der alten Romanvorlage, behandelt sein Entstehen, die Architektur der alten Pariser Oper, die wichtig für die eigentliche Geschichte „Phantom der Oper“ wurde und eine Einordnung der Geschehnisse in die Zeitgeschichte. Sehr interessant zu lesen, auch wenn man Vorworte eigentlich lieber überspringt. Hinzu kommt die Beschreibung des Autors Leroux, eher ein Lebemann und Schreiber von Trivialliteratur, der trotz journalistischem Hintergrundes von einer genauen Recherche und Stimmigkeit in seinen Geschichten und Romanen Abstand nahm, aber im Gegensatz dazu seinen Roman als scheinbar wahre Geschichte darstellen will. Zwischen Forsyth und Leroux ein klarer Unterschied.
Im gleichen Vorwort wird der alte Roman auf seine diversen Unstimmigkeiten und mangelnde Glaubwürdigkeit hin zerfetzt (die mich übrigens beim Lesen nicht gestört hatten). Das hat mich dann schon geärgert. Wenn die Vorlage wirklich so ätzend ist, warum dann eine Fortsetzung schreiben?
Nun: Forsyth betrachtet seine Fortsetzung als die des Musicals. Lt. seiner Aussage hat Andrew Lloyd Webber nämlich die Genialität besessen den „Kern“ aus der alten Buchvorlage herauszuarbeiten, als „einzig logische“ Handlung. Übrigens hatte auch Webber bei dieser Fortsetzung seine Hände im Spiel.
Heraus kam auf netto gerechnet 208 groß bedruckten Seiten „das Phantom von Manhattan“ – von mir gelesen in gerade mal 3 oder 4 Stunden.
Geschichte:
Erik (das Phantom der Oper, welches sein entstelltes Gesicht meist hinter einer Maske verbirgt) ist nach Amiland geflüchtet, wo er mit miesen Tricks und Betrügereien, intelligenten Winkelzügen und weiser Voraussicht zu einem der reichsten Männer Manhattans aufsteigt, wobei er trotzdem weiter schemenhaft im Hintergrund existiert. Diesmal nicht in den unterirdischen Gängen der Pariser Oper, sondern hoch über der Stadt in einem Penthouse.
Absolut voraussehbar, 12 Jahre später: Erik baut sich sein eigenes Opernhaus. Aufgrund eines Briefes aus Frankreich holt er Christine, seine einst Angebete ohne deren Wissen als Sängerin nach N.Y. – warum? Sie hat einen Sohn von Erik. Da Erik Christine damals an Raoul de Chagny verloren hat, will er nun wenigstens sein Kind.
Gäääääääääääääähn! Wie neu, wie originell... (wie hollywoodmässig).
Dabei ist das Buch allerdings nicht schlecht geschrieben. Der Stil lässt sich flüssig lesen. Durch das Erscheinen verschiedenster, teils nicht direkt involvierter Figuren als Erzähler, gewinnt das Buch an Spannung und Tempo durch verschiedene Erzählstile. Leider greift der Autor dabei gern auf den Journalisten Cholly zurück, der einen Großteil der Geschichte beobachtet und erlebt, auch nicht gerade eine neue Idee. Allerdings ist Cholly eine sehr sympathische und offene Figur, die einiges wieder wettmacht, und ein wenig an den Autor Leroux, wie er im Vorwort von Forsyth beschrieben wurde, erinnert.
Die altbekannten Hauptfiguren scheinen mir allesamt eine Wandlung durchgemacht zu haben. Auf eine gewisse Art und Weise wurden sie mehr in die heutige Zeit transferiert.
Das Phantom (Erik): hat nun endlich eine Nachnamen bekommen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten vergisst er sogar seine Liebe Christine zugunsten des Geldes. Er durchlebt beinahe den alten Traum vom Tellerwäscher zum Millionär. Sein Schattendasein unterstützt dabei seine kriminellen Machenschaften und sein Rachebedürfnis an der Menschheit. Ihm zur Seite steht sein „Adoptivsohn“ (und spätere Schlange am Busen) Darius. Dabei ist Erik weniger impulsiv, wesentlich gemäßigter und rationaler. Als Belohnung wird ihm eine Spur Glück vergönnt (aber nicht zuviel).
Christine: Eriks Ehemalige ist mittlerweile eine Operndiva von 32 Jahren, ständig auf Reisen mit ihrem Sohn und dessen Erzieher. Sie ist nicht mehr das dumme Ballettküken, sondern eine gereifte Frau, die durchaus in der Lage ist sich Erik offen gegenüberzustellen. Eine nachvollziehbare Entwicklung dieser Frau.
Raoul: Christines Mann und Eriks ehemaliger Rivale. Der mutige junge Liebhaber ist zu einer impotenten Figur am Rande mutiert. Am Ende bleibt er auch noch als der wahre Verlierer des ganzen zurück. Vielleicht eine Spur von Ironie in der Geschichte.
Noch zwei wichtige Nebenfiguren:
Darius: Eriks Partner und Nachfolger („Adoptivsohn“). Ein absoluter Unmensch.
Pierre: Eriks Sohn, natürlich ausgesprochen hübsch und clever, mit der Intellegenz und den positiven Fähigkeiten seines Vaters.
Hier scheint es als würde der Autor Eriks Charakter in seine zwei Söhne aufspalten. Der eine bekommt alles schlechte, der andere (echte) alles gute von ihm ab. Letztlich wird das Schlechte sterben, das Gute erben.
Mag sein, daß ein Anhänger des Musicals „Phantom der Oper“ an dieser Fortsetzung gefallen findet. Ich glaube kaum, daß jemand der eine der Vorlagen nicht kennt, viel mit der Fortsetzung anfangen kann. Ein wenig spielt Forsyth auch mit blödsinnigen Verfilmungen des alten Stoffs, wie „das Phantom von Hollywood“. Alles in allem – nachdem ich schon nach dem Vorwort den Kaffee auf hatte – war ich denn doch froh, daß ich Forsyths Büchlein ziemlich schnell durchgelesen hatte.
Autor: Frederick Forsyth, geboren 1938 in Ashford/Kent wurde bekannt durch Romane, wie „der Schakal“ oder „die Akte Odessa“. Er machte sich durch besonders exakte Recherchen einen Namen.
Genau da liegt das Problem. Als Einstieg gibt Forsyth im 22 Seiten langen Vorwort eine kurze Beschreibung der alten Romanvorlage, behandelt sein Entstehen, die Architektur der alten Pariser Oper, die wichtig für die eigentliche Geschichte „Phantom der Oper“ wurde und eine Einordnung der Geschehnisse in die Zeitgeschichte. Sehr interessant zu lesen, auch wenn man Vorworte eigentlich lieber überspringt. Hinzu kommt die Beschreibung des Autors Leroux, eher ein Lebemann und Schreiber von Trivialliteratur, der trotz journalistischem Hintergrundes von einer genauen Recherche und Stimmigkeit in seinen Geschichten und Romanen Abstand nahm, aber im Gegensatz dazu seinen Roman als scheinbar wahre Geschichte darstellen will. Zwischen Forsyth und Leroux ein klarer Unterschied.
Im gleichen Vorwort wird der alte Roman auf seine diversen Unstimmigkeiten und mangelnde Glaubwürdigkeit hin zerfetzt (die mich übrigens beim Lesen nicht gestört hatten). Das hat mich dann schon geärgert. Wenn die Vorlage wirklich so ätzend ist, warum dann eine Fortsetzung schreiben?
Nun: Forsyth betrachtet seine Fortsetzung als die des Musicals. Lt. seiner Aussage hat Andrew Lloyd Webber nämlich die Genialität besessen den „Kern“ aus der alten Buchvorlage herauszuarbeiten, als „einzig logische“ Handlung. Übrigens hatte auch Webber bei dieser Fortsetzung seine Hände im Spiel.
Heraus kam auf netto gerechnet 208 groß bedruckten Seiten „das Phantom von Manhattan“ – von mir gelesen in gerade mal 3 oder 4 Stunden.
Geschichte:
Erik (das Phantom der Oper, welches sein entstelltes Gesicht meist hinter einer Maske verbirgt) ist nach Amiland geflüchtet, wo er mit miesen Tricks und Betrügereien, intelligenten Winkelzügen und weiser Voraussicht zu einem der reichsten Männer Manhattans aufsteigt, wobei er trotzdem weiter schemenhaft im Hintergrund existiert. Diesmal nicht in den unterirdischen Gängen der Pariser Oper, sondern hoch über der Stadt in einem Penthouse.
Absolut voraussehbar, 12 Jahre später: Erik baut sich sein eigenes Opernhaus. Aufgrund eines Briefes aus Frankreich holt er Christine, seine einst Angebete ohne deren Wissen als Sängerin nach N.Y. – warum? Sie hat einen Sohn von Erik. Da Erik Christine damals an Raoul de Chagny verloren hat, will er nun wenigstens sein Kind.
Gäääääääääääääähn! Wie neu, wie originell... (wie hollywoodmässig).
Dabei ist das Buch allerdings nicht schlecht geschrieben. Der Stil lässt sich flüssig lesen. Durch das Erscheinen verschiedenster, teils nicht direkt involvierter Figuren als Erzähler, gewinnt das Buch an Spannung und Tempo durch verschiedene Erzählstile. Leider greift der Autor dabei gern auf den Journalisten Cholly zurück, der einen Großteil der Geschichte beobachtet und erlebt, auch nicht gerade eine neue Idee. Allerdings ist Cholly eine sehr sympathische und offene Figur, die einiges wieder wettmacht, und ein wenig an den Autor Leroux, wie er im Vorwort von Forsyth beschrieben wurde, erinnert.
Die altbekannten Hauptfiguren scheinen mir allesamt eine Wandlung durchgemacht zu haben. Auf eine gewisse Art und Weise wurden sie mehr in die heutige Zeit transferiert.
Das Phantom (Erik): hat nun endlich eine Nachnamen bekommen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten vergisst er sogar seine Liebe Christine zugunsten des Geldes. Er durchlebt beinahe den alten Traum vom Tellerwäscher zum Millionär. Sein Schattendasein unterstützt dabei seine kriminellen Machenschaften und sein Rachebedürfnis an der Menschheit. Ihm zur Seite steht sein „Adoptivsohn“ (und spätere Schlange am Busen) Darius. Dabei ist Erik weniger impulsiv, wesentlich gemäßigter und rationaler. Als Belohnung wird ihm eine Spur Glück vergönnt (aber nicht zuviel).
Christine: Eriks Ehemalige ist mittlerweile eine Operndiva von 32 Jahren, ständig auf Reisen mit ihrem Sohn und dessen Erzieher. Sie ist nicht mehr das dumme Ballettküken, sondern eine gereifte Frau, die durchaus in der Lage ist sich Erik offen gegenüberzustellen. Eine nachvollziehbare Entwicklung dieser Frau.
Raoul: Christines Mann und Eriks ehemaliger Rivale. Der mutige junge Liebhaber ist zu einer impotenten Figur am Rande mutiert. Am Ende bleibt er auch noch als der wahre Verlierer des ganzen zurück. Vielleicht eine Spur von Ironie in der Geschichte.
Noch zwei wichtige Nebenfiguren:
Darius: Eriks Partner und Nachfolger („Adoptivsohn“). Ein absoluter Unmensch.
Pierre: Eriks Sohn, natürlich ausgesprochen hübsch und clever, mit der Intellegenz und den positiven Fähigkeiten seines Vaters.
Hier scheint es als würde der Autor Eriks Charakter in seine zwei Söhne aufspalten. Der eine bekommt alles schlechte, der andere (echte) alles gute von ihm ab. Letztlich wird das Schlechte sterben, das Gute erben.
Mag sein, daß ein Anhänger des Musicals „Phantom der Oper“ an dieser Fortsetzung gefallen findet. Ich glaube kaum, daß jemand der eine der Vorlagen nicht kennt, viel mit der Fortsetzung anfangen kann. Ein wenig spielt Forsyth auch mit blödsinnigen Verfilmungen des alten Stoffs, wie „das Phantom von Hollywood“. Alles in allem – nachdem ich schon nach dem Vorwort den Kaffee auf hatte – war ich denn doch froh, daß ich Forsyths Büchlein ziemlich schnell durchgelesen hatte.
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