Erfahrungsbericht von princesse
Babystrich und Heroin
Pro:
was kann daran gut sein, ausser das es zum Nachdenken zwingt? Aber wenn es das schafft, dann ist es sehr gut.
Kontra:
Leider viel zu realistisch
Empfehlung:
Nein
Wir Kinder vom Bahnhof Zoo / Christiane F.
Damals, Ende der 70er Jahre war die Welt voller Drogen wie Alkohol, Heroin, Kokain, nette kleine Trips mit wohlklingenden Namen wie Sunshine, X112 ein Mittel zum Abnehmen welches verboten wurde, es lies die Umgebung wanken. Ich war 20.
Christiane F. war 1978 gerade 15 und hatte eine beachtliche Drogenkarriere hinter sich.
Anlässlich eines Prozesses, zu welchem sie als Zeugin vorgeladen wurde, traf sie auf Kai Hermann, ehemaliger Redakteur und zu dem Zeitpunkt freier Journalist und auf Horst Rieck, freier Autor und Mitarbeiter beim \"Stern\" und bei der \"Zeit\".
Was als zweistündiges Interview zum Thema Jugendliche und deren Situation gedacht war wurde ein Buch, geschrieben anhand der Tonbandprotokolle welche während der Gespräche aufgezeichnet wurden.
Prof. Dr. med. Dr phil Horst-Eberhard Richter schrieb dazu ein Vortwort.
(S5)
Christiane F. erzählt in Ich-Form, wie sie umzieht mit ihrer Familie, und wie aufgeregt sie ist, da sie nicht nur umzieht sondern danach zum ersten Mal in die Schule kommt. Christiane ist 6 als sie vom Bauernhof mit ihrer Mutter nach Berlin zog. Der Vater und ihre Schwester kamen ein paar Wochen später.
Für Christine begann eine Zeit welche sie in Erinnerung hatte im Zusammenhang mit Prügel. Ihr Vater schlug sie weil Nachbarskinder ihr Fahrrad kaputt gemacht hatten, ihr Vater verprügelte sie weil sie es nicht mehr bis zur Toilette im 11. Stockwerk schaffte und unterwegs in die Hose machte. Die anderen Kinder hänselten sie, sie sei ein dummes Kind vom Land.
Der Vater war arbeitslos, sass den ganzen Tag zu Hause rum. Wenn sie Schularbeiten machte zu Hause und etwas nicht kapierte wurde er wütend und versuchte es ihr buchstäblich einzubleuen mittels eines Handfegers. Er wollte dass seine Tochter etwas wurde, die Schule sollte sie schaffen.
Es wurde wohl immer schlimmer, der Vater langte immer öfter hin, bei jedem noch so nichtigen Anlass. Christiane beschreibt es in ihrem Buch mit \"ausflippen, ausrasten\" (S21)
Christiane lernte, lernte zu überleben und sich durchzusetzen. Sie lernte dass man in Berlin mit einer grossen Schnauze gut durchkam. In der Schule wurde sie vorlaut was ihr zusätzliche Anerkennung ihrer Mitschüler einbrachte.
Als Christiane 11 ist lässt sich ihre Mutter scheiden, aber der Vater zieht nicht aus.
Mit 12 kommt sie in die Pupertät, der Busen wächst und sie beginnt sich für Jungs zu interessieren. Christiane wechselt von der Grundschule auf die Gesammtschule und hat Schwierigkeiten sich einzuleben.
Als Christiane das erste Mal mit Drogen in Berührung kam war sie 13, sie rauchte Haschisch. Mittlerweile war sie in einer Clique, man traf sich in einem Jugend-Club oder bei jemandem zu Hause, wo es eben ging. das nächste war dann Alkohol. Christiane kommt dann immer seltener nach Hause, wirft Trips (Pillen), Aufputschmittel und andere Pharmazeutika. Die ganze Palette.
(S68)
Und bald darauf hat Christiane nur noch Fixer als Freunde und kurz nach einem David Bowie Konzert setzte sie sich zusammen mit einem Freund der schon länger fixte ihren ersten Schuss, das heisst beim ersten Mal spritzte sie es sich noch nicht, sie schnupfte es. Sie musste nicht dazu überredet werden, keiner hat es ihr unter die Nase gehalten und gesagt, da, warum tust du es nicht einfach sondern Christiane schreibt dass sie es logisch fand zu diesem Zeitpunkt, es zu probieren. (S83)
Bald landete Christiane mit Ihren Freunden auf dem Kinderstrich am Bahnhof Zoo wo sie anschaffen gingen um sich ihre Drogensucht zu finanzieren. Christiane besuchte noch weiterhin die Schule und ihre Mutter merkte nichts von alledem. Zwar wunderte sie sich manchmal über die schlechte gesundheitliche Verfassung ihrer Tochter, aber Christiane konnte sie immer wieder beruhigen und weigerte sich natürlich einen Arzt aufzusuchen.
(S12)
Christiane bekommt Bewährung.
Christiane F. beschreibt in diesem Buch minutiös ihren Werdegang zur Drogensüchtigen und Prostituierten, welche ihren Körper auf dem Babystrich feilbietet. Dazwischen tote Freunde die an einer Überdosis, am \"goldenen Schuss\" sterben, und, wie die Autorin bemerkt, erst dann von der Gesellschaft wahrgenommen werden. Dann, wenn sie tot sind. Sie erzählt das mit unverblühmter Sprache, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen und Worte wie Scheisse und ficken sind Alltag und somit auch im Buch.
Diese Geschichte ist einerseits ein erschütterndes Dokument zeitgeschichtlicher Natur, andererseits hat sich seither kaum etwas geändert, ausser das sie wohl die erste war welche so offen über dieses Problem redete. Dass Kinder Drogen nehmen und sich das Geld dafür auf dem Babystrich verdienen und dies - so ganz nebenbei - gnadenlos von gewissenlosen Freiern ausgenutzt wird. Und dies ist heute nach wie vor leider sehr aktuell.
1981 wurde die Geschichte von Bernd Eichinger verfilmt.
Christiane ist gemäss eines Artikels in einer Zeitschrift heute alleinerziehende Mutter, das heisst das war der Stand 1999. Sie hatte mit dem Buch ihre Drogenkarriere beendet. In unregelmässigen Abständen tauchen Informationen über sie in der Presse auf, wie - sie sei rückfällig geworden.....
http://www.wir-kinder-vom-bahnhof-zoo-photos.de/
Nachtrag:
Heute, 2002 ist die Welt immer noch voller Drogen, nur es sind keine Sensationen mehr, heute wird das Problem in Talk-Shows abgehandelt und offenbar hat man sich damit abgefunden, irgendwie ist es ein Teil unseres Alltags, und Drogentote habe ich Nachrichtensprecher auch schon lange nicht mehr zählen gehört. Vielleicht werden sie ja nur noch im Stillen gezählt. Damals zählte die Schweiz zu dem eurpäischen Land mit den meisten Drogentoten/-Abhängigen, heute wird das Heroin an Schwerstabhängige dort vom Staat verteilt, sie müssen sich dann nicht mehr prostituieren, allerdings sind die dann mittlerweile auch schon längst erwachsen.
Ich empfehle dieses Buch jedem ab 12 Jahren, denn es erzählt schonungslos und authentisch was passiert, passieren kann, passiert ist, noch passiert...
Das Buch kommt im Paperback daher und ist ein \"Sternbuch\" (Herausgegeben vom \"Stern\")
Mein Exemplar ist mittlerweile 20 Jahre alt, ich hatte es gleich nach seinem Erscheinen gelesen. Und jetzt noch einmal.
333 Seiten
ISBN 3-570-02391-5
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 20:46:54 mit dem Titel Max Frisch - Andorra
Liebe Caroline
Nun habe ich mich doch noch durch Max Frisch\'s Andorra gekämpft, eine besonders unterhaltsame Lektüre war es nicht, zumindestens nicht für mich. Ich mag im Grunde keine Stücke, und Andorra ist eines, eines in 12 Bildern, aber das weisst du ja bereits.
Max Frisch zeichnet uns ein Bild von einer Gesellschaft in einer fiktiven Zeit an einem fiktivem Ort, der Andorra heisst, jedoch nichts gemein hat mit dem geografischen Andorra oder dessen Bewohnern. Statt Andorra hätte er es zum Beispiel auch \"Schweiz\" nennen können, sein Heimatland. Und möglicherweise dachte er auch an die Schweiz als er dieses Stück schrieb, zumindestens finden sich im Stück einige Ausdrücke wieder die man ausserhalb der Schweiz in dieser Bedeutung nicht kennt. Du willst ein Beispiel? Bitte, ich meine zum Beispiel \"Krämpfe\" einer sagt im Stück \"ich mache keine Krämpfe\" Krämpfe heisst in diesem Zusammenhang \" krumme Tour\" \"linke Dinger\", ich erinnere mich nicht diesen Ausdruck mit dieser speziellen Bedeutung je ausserhalb der Schweiz gelesen oder gehört zu haben. Und da gibt es noch einen oder zwei. Das kann aber natürlich genauso gut daran liegen dass Frisch eben Schweizer ist und sich dieser lokal geläufigen Ausdrücke bedient.
Lass uns aber zu dem Stück selber kommen. Es ist im Grunde schnell nacherzählt, die Protagonisten sind weisse Andorraner, denen gegenüber stehen feindlich gesinnte \"Schwarze\" welche beide für sich leben.
Nur einer erwies sich, wenn auch ungewollt und ungefragt, als Grenzgänger, Andrie, der Pflegesohn des Lehrers, der als Judenkind vor den \"Schwarzen\" gerettet und durch den ach so selbstlosen Lehrer und dessen Frau aufgezogen wurde.
Andrie wurde schnell klar, dass er anders ist, zumindestens wurde seine Umgebung nicht müde, ihm zu erklären dass er anders sei und das ein Jud sich so und so verhalte und Andrie sich selbstverständlich auch so und so verhalte. Und wenn er denn diese so und so Eigenschaften noch nicht hatte so nahm er sie denn an oder glaubte sie bei sich wiederzufinden.
Andrie ist frustriert, weil er nicht die Tischlerlehre machen kann und weil ihn alle für anders halten und man ihm erklärt dass er als Jud wohl eher und besser mit Geld umgehen könne. Sein einziger Sonnenschein ist Barblin, die Tochter seines Pflegevaters, doch als der Vater davon erfährt versucht er die Beziehung zu unterbinden. Und bald werden wir auch wissen weshalb, eine Senora kommt in den Ort und quartiert sich im Gasthof ein, sie ist eine Schwarze, und wir erfahren dass sie die leibliche Mutter ist von Andrie und dieser gar kein Jud ist und der Lehrer der richtige Vater ist und somit Barblin sein Halbschwester und das war auch der Grund weshalb der Vater gegen die Beziehung war. Auch Andrie erfährt davon und bald das ganze Dorf nur keiner will die Wahrheit hören denn mittlerweile wurde die Senora ermordet und die Schwarzen hielten eine \"Judenschau\" ab und ermittelten Andrie als den Juden und Täter obwohl er sich ganz woanders aufgehalten hatte und dies auch einige bezeugten.
Und obwohl der Lehrer mittlerweile Andrie als seinen eigenen Sohn ausgibt und Barblin ihn als ihren Bruder interessiert es keinen mehr, man braucht einen Schuldigen und einen Juden.
Max Frisch zeichnet hier ein erschreckendes Bild, und treffend wird es in einer Art Vorwort oder Kommentar in diesem Buch beschrieben:
\" [...] Die Kernzelle von Andorra findet sich in Max Frisch\'s Tagebuch als Eintragung des Jahres 1946. Andorra ist der Name für ein Modell: Es zeigt den Prozess einer Bewusstseinsveränderung, abgehandelt an der Figur des jungen Andrie, den die Umwelt so lange zum Anderssein zwingt, bis er es als Schiksal annimmt. Dieses Schicksal heisst in Max Frisch\'s Stück \"Judsein\". [...] Frisch hat das Drama eines unheilbaren Vorurteil geschrieben. Er hat sich .... dabei auf die Frage nach dem WIE beschränkt. Nicht WARUM die Andorraner antisemitisch reagieren. Das Drama fragt sich nicht in die Menschen hinein, sondern es stellt fest. [...] Joachim Kaiser, Süddeutsche Zeitung. \"
Dieses, was ich da zitiere, liebe Caroline, steht ganz am Anfang, noch vor dem eigentlichen Stück, eigentlich dort, wo sonst die Informationen stehen zu Erscheinungsdatum, Verlag und so weiter. Es sagt uns einiges, nicht wahr? Zumindestens können wir jetzt tatsächlich davon ausgehen dass Andorra hier ein völlig fiktiver Ort ist. Wobei Parallelen nicht zu übersehen sind. Nur Parallelen zu was? Nicht zu Andorra, nein, sondern Parallelen zu fast überall hin, und selbst wenn es in dem geografischen Andorra auch Antisemitismus gäbe würde das in Zusammenhang mit diesem Stück keine besondere Bedeutung haben, da bin ich mir sicher.
Dieses Bild, welches Max Frisch uns da entworfen hat, ist mitten aus dem Leben gegriffen, damals als es entstand so wie heute auch. Wenn du einem Menschen lange genug sagst dass er anders sei ist er eines Tages wahrscheinlich davon überzeugt und verhält sich dementsprechend, seine Umgebung sieht sich bestätigt und dann ist er so und so.
S64 \" Pater - Kein Mensch, Andrie, kann aus seiner Haut heraus, kein Jud und kein Christ. Niemand. Gott will, dass wir sind, wie er uns geschaffen hat. Verstehst du mich? [...]\"
S65 \" Pater (kniet) Du sollst dir kein Bildnis machen von Gott, deinem Herrn und nicht von den Menschen, die seine Geschöpfe sind. [....] Auch ich habe mir ein Bildnis gemacht von ihm, auch ich habe ihn gefesselt, auch ich habe ihn an den Pfahl gebracht. \"
Andorra ist vor unserer Haustür und wenn wir nicht aufpassen dann erklären auch wir jemandem in aller Freundschaft, dass er halt anders sei und man sich damit abfinden müsse und dass es ja nicht grundsätzlich etwas Schlimmes sein muss anders zu sein, andererseits verhalten sich die die anders sind nun mal so und so, und wenn wir nicht acht geben dann erzählen wir dies auch einem von dem wir annehmen dass er so und so zu sein hat aufgrund seiner vermeintlichen Andersartigkeit. Seien wir doch mal ehrlich, wir haben die Klischees im Kopf wie sich ein Franzose, ein Afrikaner, ein Amerikaner, ein Jude, ein Moslem, wie sich ein Italiener, ein Deutscher und wer auch immer verhält, was für besondere Eigenschaften jeder dieser Vertreter von Gruppen hat oder haben sollte und es beginnt damit dass wir sagen, die .... verhalten sich so und so. Punkt. Das hast du schon erlebt genauso wie ich auch.
Natürlich finde ich es gut, dass sich Schüler mit diesem Stoff auseinander setzen müssen, und wenns erwachsene Schüler auf dem zweiten Bildungsweg (so sagen die dem, was du gerade machst, hier) aufgebrummt bekommen ist das auch nicht das schlechteste, es steckt viel drin und wenn sie einen guten Lehrer haben dann bleibt auch etwas hängen, wenigstens bei dem einen oder anderen. Nur , unterhaltsam ist es nicht. Allerdings, und das halte ich dem Stück und dem Autor zugute, es ist sehr lebendig geschrieben, ich konnte die Bühnenbilder einigermassen klar sehen, ich sah die Protagonisten, wenigstens einige, andere blieben eher verschwommen und ich konnte sie - während ich las - reden hören. Ich wurde als Leser zum Zuschauer, und sollte es einmal aufgeführt werden und ich habe dann gerade Zeit könnte ich mir durchaus vorstellen es anzusehen.
Nun, Caroline, ob dir dies nun geholfen hat, weiss ich nicht, ich hoffs aber, wenigstens ein bisschen.
(Nun denn, dann mach ich mich mal ans nächste unserer drei Bücher).
erschienen bei Suhrkamp
ISBN 3-518-36777-3, € 5,50, Taschenbuch, 127 Seiten
Damals, Ende der 70er Jahre war die Welt voller Drogen wie Alkohol, Heroin, Kokain, nette kleine Trips mit wohlklingenden Namen wie Sunshine, X112 ein Mittel zum Abnehmen welches verboten wurde, es lies die Umgebung wanken. Ich war 20.
Christiane F. war 1978 gerade 15 und hatte eine beachtliche Drogenkarriere hinter sich.
Anlässlich eines Prozesses, zu welchem sie als Zeugin vorgeladen wurde, traf sie auf Kai Hermann, ehemaliger Redakteur und zu dem Zeitpunkt freier Journalist und auf Horst Rieck, freier Autor und Mitarbeiter beim \"Stern\" und bei der \"Zeit\".
Was als zweistündiges Interview zum Thema Jugendliche und deren Situation gedacht war wurde ein Buch, geschrieben anhand der Tonbandprotokolle welche während der Gespräche aufgezeichnet wurden.
Prof. Dr. med. Dr phil Horst-Eberhard Richter schrieb dazu ein Vortwort.
(S5)
Christiane F. erzählt in Ich-Form, wie sie umzieht mit ihrer Familie, und wie aufgeregt sie ist, da sie nicht nur umzieht sondern danach zum ersten Mal in die Schule kommt. Christiane ist 6 als sie vom Bauernhof mit ihrer Mutter nach Berlin zog. Der Vater und ihre Schwester kamen ein paar Wochen später.
Für Christine begann eine Zeit welche sie in Erinnerung hatte im Zusammenhang mit Prügel. Ihr Vater schlug sie weil Nachbarskinder ihr Fahrrad kaputt gemacht hatten, ihr Vater verprügelte sie weil sie es nicht mehr bis zur Toilette im 11. Stockwerk schaffte und unterwegs in die Hose machte. Die anderen Kinder hänselten sie, sie sei ein dummes Kind vom Land.
Der Vater war arbeitslos, sass den ganzen Tag zu Hause rum. Wenn sie Schularbeiten machte zu Hause und etwas nicht kapierte wurde er wütend und versuchte es ihr buchstäblich einzubleuen mittels eines Handfegers. Er wollte dass seine Tochter etwas wurde, die Schule sollte sie schaffen.
Es wurde wohl immer schlimmer, der Vater langte immer öfter hin, bei jedem noch so nichtigen Anlass. Christiane beschreibt es in ihrem Buch mit \"ausflippen, ausrasten\" (S21)
Christiane lernte, lernte zu überleben und sich durchzusetzen. Sie lernte dass man in Berlin mit einer grossen Schnauze gut durchkam. In der Schule wurde sie vorlaut was ihr zusätzliche Anerkennung ihrer Mitschüler einbrachte.
Als Christiane 11 ist lässt sich ihre Mutter scheiden, aber der Vater zieht nicht aus.
Mit 12 kommt sie in die Pupertät, der Busen wächst und sie beginnt sich für Jungs zu interessieren. Christiane wechselt von der Grundschule auf die Gesammtschule und hat Schwierigkeiten sich einzuleben.
Als Christiane das erste Mal mit Drogen in Berührung kam war sie 13, sie rauchte Haschisch. Mittlerweile war sie in einer Clique, man traf sich in einem Jugend-Club oder bei jemandem zu Hause, wo es eben ging. das nächste war dann Alkohol. Christiane kommt dann immer seltener nach Hause, wirft Trips (Pillen), Aufputschmittel und andere Pharmazeutika. Die ganze Palette.
(S68)
Und bald darauf hat Christiane nur noch Fixer als Freunde und kurz nach einem David Bowie Konzert setzte sie sich zusammen mit einem Freund der schon länger fixte ihren ersten Schuss, das heisst beim ersten Mal spritzte sie es sich noch nicht, sie schnupfte es. Sie musste nicht dazu überredet werden, keiner hat es ihr unter die Nase gehalten und gesagt, da, warum tust du es nicht einfach sondern Christiane schreibt dass sie es logisch fand zu diesem Zeitpunkt, es zu probieren. (S83)
Bald landete Christiane mit Ihren Freunden auf dem Kinderstrich am Bahnhof Zoo wo sie anschaffen gingen um sich ihre Drogensucht zu finanzieren. Christiane besuchte noch weiterhin die Schule und ihre Mutter merkte nichts von alledem. Zwar wunderte sie sich manchmal über die schlechte gesundheitliche Verfassung ihrer Tochter, aber Christiane konnte sie immer wieder beruhigen und weigerte sich natürlich einen Arzt aufzusuchen.
(S12)
Christiane bekommt Bewährung.
Christiane F. beschreibt in diesem Buch minutiös ihren Werdegang zur Drogensüchtigen und Prostituierten, welche ihren Körper auf dem Babystrich feilbietet. Dazwischen tote Freunde die an einer Überdosis, am \"goldenen Schuss\" sterben, und, wie die Autorin bemerkt, erst dann von der Gesellschaft wahrgenommen werden. Dann, wenn sie tot sind. Sie erzählt das mit unverblühmter Sprache, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen und Worte wie Scheisse und ficken sind Alltag und somit auch im Buch.
Diese Geschichte ist einerseits ein erschütterndes Dokument zeitgeschichtlicher Natur, andererseits hat sich seither kaum etwas geändert, ausser das sie wohl die erste war welche so offen über dieses Problem redete. Dass Kinder Drogen nehmen und sich das Geld dafür auf dem Babystrich verdienen und dies - so ganz nebenbei - gnadenlos von gewissenlosen Freiern ausgenutzt wird. Und dies ist heute nach wie vor leider sehr aktuell.
1981 wurde die Geschichte von Bernd Eichinger verfilmt.
Christiane ist gemäss eines Artikels in einer Zeitschrift heute alleinerziehende Mutter, das heisst das war der Stand 1999. Sie hatte mit dem Buch ihre Drogenkarriere beendet. In unregelmässigen Abständen tauchen Informationen über sie in der Presse auf, wie - sie sei rückfällig geworden.....
http://www.wir-kinder-vom-bahnhof-zoo-photos.de/
Nachtrag:
Heute, 2002 ist die Welt immer noch voller Drogen, nur es sind keine Sensationen mehr, heute wird das Problem in Talk-Shows abgehandelt und offenbar hat man sich damit abgefunden, irgendwie ist es ein Teil unseres Alltags, und Drogentote habe ich Nachrichtensprecher auch schon lange nicht mehr zählen gehört. Vielleicht werden sie ja nur noch im Stillen gezählt. Damals zählte die Schweiz zu dem eurpäischen Land mit den meisten Drogentoten/-Abhängigen, heute wird das Heroin an Schwerstabhängige dort vom Staat verteilt, sie müssen sich dann nicht mehr prostituieren, allerdings sind die dann mittlerweile auch schon längst erwachsen.
Ich empfehle dieses Buch jedem ab 12 Jahren, denn es erzählt schonungslos und authentisch was passiert, passieren kann, passiert ist, noch passiert...
Das Buch kommt im Paperback daher und ist ein \"Sternbuch\" (Herausgegeben vom \"Stern\")
Mein Exemplar ist mittlerweile 20 Jahre alt, ich hatte es gleich nach seinem Erscheinen gelesen. Und jetzt noch einmal.
333 Seiten
ISBN 3-570-02391-5
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 20:46:54 mit dem Titel Max Frisch - Andorra
Liebe Caroline
Nun habe ich mich doch noch durch Max Frisch\'s Andorra gekämpft, eine besonders unterhaltsame Lektüre war es nicht, zumindestens nicht für mich. Ich mag im Grunde keine Stücke, und Andorra ist eines, eines in 12 Bildern, aber das weisst du ja bereits.
Max Frisch zeichnet uns ein Bild von einer Gesellschaft in einer fiktiven Zeit an einem fiktivem Ort, der Andorra heisst, jedoch nichts gemein hat mit dem geografischen Andorra oder dessen Bewohnern. Statt Andorra hätte er es zum Beispiel auch \"Schweiz\" nennen können, sein Heimatland. Und möglicherweise dachte er auch an die Schweiz als er dieses Stück schrieb, zumindestens finden sich im Stück einige Ausdrücke wieder die man ausserhalb der Schweiz in dieser Bedeutung nicht kennt. Du willst ein Beispiel? Bitte, ich meine zum Beispiel \"Krämpfe\" einer sagt im Stück \"ich mache keine Krämpfe\" Krämpfe heisst in diesem Zusammenhang \" krumme Tour\" \"linke Dinger\", ich erinnere mich nicht diesen Ausdruck mit dieser speziellen Bedeutung je ausserhalb der Schweiz gelesen oder gehört zu haben. Und da gibt es noch einen oder zwei. Das kann aber natürlich genauso gut daran liegen dass Frisch eben Schweizer ist und sich dieser lokal geläufigen Ausdrücke bedient.
Lass uns aber zu dem Stück selber kommen. Es ist im Grunde schnell nacherzählt, die Protagonisten sind weisse Andorraner, denen gegenüber stehen feindlich gesinnte \"Schwarze\" welche beide für sich leben.
Nur einer erwies sich, wenn auch ungewollt und ungefragt, als Grenzgänger, Andrie, der Pflegesohn des Lehrers, der als Judenkind vor den \"Schwarzen\" gerettet und durch den ach so selbstlosen Lehrer und dessen Frau aufgezogen wurde.
Andrie wurde schnell klar, dass er anders ist, zumindestens wurde seine Umgebung nicht müde, ihm zu erklären dass er anders sei und das ein Jud sich so und so verhalte und Andrie sich selbstverständlich auch so und so verhalte. Und wenn er denn diese so und so Eigenschaften noch nicht hatte so nahm er sie denn an oder glaubte sie bei sich wiederzufinden.
Andrie ist frustriert, weil er nicht die Tischlerlehre machen kann und weil ihn alle für anders halten und man ihm erklärt dass er als Jud wohl eher und besser mit Geld umgehen könne. Sein einziger Sonnenschein ist Barblin, die Tochter seines Pflegevaters, doch als der Vater davon erfährt versucht er die Beziehung zu unterbinden. Und bald werden wir auch wissen weshalb, eine Senora kommt in den Ort und quartiert sich im Gasthof ein, sie ist eine Schwarze, und wir erfahren dass sie die leibliche Mutter ist von Andrie und dieser gar kein Jud ist und der Lehrer der richtige Vater ist und somit Barblin sein Halbschwester und das war auch der Grund weshalb der Vater gegen die Beziehung war. Auch Andrie erfährt davon und bald das ganze Dorf nur keiner will die Wahrheit hören denn mittlerweile wurde die Senora ermordet und die Schwarzen hielten eine \"Judenschau\" ab und ermittelten Andrie als den Juden und Täter obwohl er sich ganz woanders aufgehalten hatte und dies auch einige bezeugten.
Und obwohl der Lehrer mittlerweile Andrie als seinen eigenen Sohn ausgibt und Barblin ihn als ihren Bruder interessiert es keinen mehr, man braucht einen Schuldigen und einen Juden.
Max Frisch zeichnet hier ein erschreckendes Bild, und treffend wird es in einer Art Vorwort oder Kommentar in diesem Buch beschrieben:
\" [...] Die Kernzelle von Andorra findet sich in Max Frisch\'s Tagebuch als Eintragung des Jahres 1946. Andorra ist der Name für ein Modell: Es zeigt den Prozess einer Bewusstseinsveränderung, abgehandelt an der Figur des jungen Andrie, den die Umwelt so lange zum Anderssein zwingt, bis er es als Schiksal annimmt. Dieses Schicksal heisst in Max Frisch\'s Stück \"Judsein\". [...] Frisch hat das Drama eines unheilbaren Vorurteil geschrieben. Er hat sich .... dabei auf die Frage nach dem WIE beschränkt. Nicht WARUM die Andorraner antisemitisch reagieren. Das Drama fragt sich nicht in die Menschen hinein, sondern es stellt fest. [...] Joachim Kaiser, Süddeutsche Zeitung. \"
Dieses, was ich da zitiere, liebe Caroline, steht ganz am Anfang, noch vor dem eigentlichen Stück, eigentlich dort, wo sonst die Informationen stehen zu Erscheinungsdatum, Verlag und so weiter. Es sagt uns einiges, nicht wahr? Zumindestens können wir jetzt tatsächlich davon ausgehen dass Andorra hier ein völlig fiktiver Ort ist. Wobei Parallelen nicht zu übersehen sind. Nur Parallelen zu was? Nicht zu Andorra, nein, sondern Parallelen zu fast überall hin, und selbst wenn es in dem geografischen Andorra auch Antisemitismus gäbe würde das in Zusammenhang mit diesem Stück keine besondere Bedeutung haben, da bin ich mir sicher.
Dieses Bild, welches Max Frisch uns da entworfen hat, ist mitten aus dem Leben gegriffen, damals als es entstand so wie heute auch. Wenn du einem Menschen lange genug sagst dass er anders sei ist er eines Tages wahrscheinlich davon überzeugt und verhält sich dementsprechend, seine Umgebung sieht sich bestätigt und dann ist er so und so.
S64 \" Pater - Kein Mensch, Andrie, kann aus seiner Haut heraus, kein Jud und kein Christ. Niemand. Gott will, dass wir sind, wie er uns geschaffen hat. Verstehst du mich? [...]\"
S65 \" Pater (kniet) Du sollst dir kein Bildnis machen von Gott, deinem Herrn und nicht von den Menschen, die seine Geschöpfe sind. [....] Auch ich habe mir ein Bildnis gemacht von ihm, auch ich habe ihn gefesselt, auch ich habe ihn an den Pfahl gebracht. \"
Andorra ist vor unserer Haustür und wenn wir nicht aufpassen dann erklären auch wir jemandem in aller Freundschaft, dass er halt anders sei und man sich damit abfinden müsse und dass es ja nicht grundsätzlich etwas Schlimmes sein muss anders zu sein, andererseits verhalten sich die die anders sind nun mal so und so, und wenn wir nicht acht geben dann erzählen wir dies auch einem von dem wir annehmen dass er so und so zu sein hat aufgrund seiner vermeintlichen Andersartigkeit. Seien wir doch mal ehrlich, wir haben die Klischees im Kopf wie sich ein Franzose, ein Afrikaner, ein Amerikaner, ein Jude, ein Moslem, wie sich ein Italiener, ein Deutscher und wer auch immer verhält, was für besondere Eigenschaften jeder dieser Vertreter von Gruppen hat oder haben sollte und es beginnt damit dass wir sagen, die .... verhalten sich so und so. Punkt. Das hast du schon erlebt genauso wie ich auch.
Natürlich finde ich es gut, dass sich Schüler mit diesem Stoff auseinander setzen müssen, und wenns erwachsene Schüler auf dem zweiten Bildungsweg (so sagen die dem, was du gerade machst, hier) aufgebrummt bekommen ist das auch nicht das schlechteste, es steckt viel drin und wenn sie einen guten Lehrer haben dann bleibt auch etwas hängen, wenigstens bei dem einen oder anderen. Nur , unterhaltsam ist es nicht. Allerdings, und das halte ich dem Stück und dem Autor zugute, es ist sehr lebendig geschrieben, ich konnte die Bühnenbilder einigermassen klar sehen, ich sah die Protagonisten, wenigstens einige, andere blieben eher verschwommen und ich konnte sie - während ich las - reden hören. Ich wurde als Leser zum Zuschauer, und sollte es einmal aufgeführt werden und ich habe dann gerade Zeit könnte ich mir durchaus vorstellen es anzusehen.
Nun, Caroline, ob dir dies nun geholfen hat, weiss ich nicht, ich hoffs aber, wenigstens ein bisschen.
(Nun denn, dann mach ich mich mal ans nächste unserer drei Bücher).
erschienen bei Suhrkamp
ISBN 3-518-36777-3, € 5,50, Taschenbuch, 127 Seiten
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