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Erfahrungsbericht von audicla

Fallaci, Oriana: Inschallah - (Schicksal!)

Pro:

spannend, gut geschrieben

Kontra:

psychologisch nicht vollständig nachvollziehbar

Empfehlung:

Nein

Schicksal = Inschallah!

Puuh! Da habe ich mir etwas vorgenommen. Nämlich hier über ein Buch zu berichten, welches ich gerade ausgelesen habe. Es ist der Roman „Inschallah“ von der Italienerin Oriana Fallaci.
Oriana Fallaci, 1929 in Florenz in einer Journalisten- und Schriftstellerfamilie geboren, fing bereits mit 17 Jahren an zu schreiben. Sie gilt als eine der ungewöhnlichsten Journalistinnen Europas. Vor vielen Jahren hatte ich bereits ihren weltbekannten Roman „Ein Mann“ gelesen, der von einem griechischen Freiheitskämpfer handelt. Neben diesem ist in Deutschland vor allem ihr früheres Buch „Brief an ein nie geborenes Kind“ bekannt geworden, der sich mit der Thematik der Abtreibung beschäftigt. Beide Bücher hatten mich ehemals sehr beeindruckt und ich hatte schlichtweg Lust wieder einmal etwas von ihr zu lesen. So kam ich zu „Inschallah“.

„Inschallah“ kann man fast als ein Monumentalwerk betrachten. Und dies nicht nur wegen der über 780 Seiten, die dieser Wälzer umfasst. Doch nun erst einmal zur Handlung: „Inschallah“, übersetzbar mit „Schicksal“ spielt Anfang der 80er Jahre im besetzten Beirut. Dort kam es infolge von Auseinandersetzungen zwischen Schiiten, Palästinensern, Falangisten und anderen Gruppen zur provisorischen Teilung der Stadt und mannigfaltigen Kämpfen und Attentaten. Damals wurden UN-Friedenstruppen dorthin entsendet. Insgesamt 4000 Amerikaner, Italiener und Franzosen, die zunächst gedachten nur wenige Wochen dort zu bleiben. 400 Amerikaner und Franzosen wurden bei Kamikaze-Attentaten der Hisbollah getötet. Diesen widmet Fallaci ihren Roman. Sie schreibt in ihrem Vorwort: „Dieser Roman möchte ein Akt der Liebe für sie und für das Leben sein.“

In Ihrem Buch begleitet sie einen Teil der italienischen Truppe. Viele Personen werden eingeführt und nach und nach erfahren wir immer mehr über ihren Hintergrund, ihre Geschichte, über ihre Sorgen, Nöte, Gedanken und Hoffnungen. Dazwischen immer wieder Kampfszenen einer besetzten Stadt. Fallaci gelingt es gut die Gräuel kriegerischer Auseinandersetzungen, die besondere Situation eines Krieges deutlich zu machen und ihre Unsinnigkeit zu entlarven. Ihre Soldaten sind ganz normale Männer unterschiedlichster Herkunft und mit unterschiedlichsten Motiven nach Beirut gegangen. Eigentlich haben sie nichts gemeinsam. Selbst dann nicht, als sie endlich nach drei Monaten wieder abziehen. Da gibt es welche, die in diesem Krieg zu Pazifisten wurden, andere haben sich in Beirut verliebt und würden am liebsten bleiben, manche beschließen sogleich von Italien aus wieder in den nächsten Krieg zu ziehen.

Was dieses Buch vielleicht von anderen Kriegs-Geschichten unterscheidet, ist die zutiefst menschliche und realistische Beschreibung der vielen Protagonisten. Dazu jedoch kommt ein Versuch einer philosophischen Betrachtung. Angefangen bei Angelo, der eigentlich Mathematik studiert und meint es könne eine mathematische Formel für das Leben geben. Immer wieder spielt er mit Zahlen und versucht eine Lösung zu finden. Doch gibt es diese Formel wirklich, ist das Leben berechenbar oder doch alles vom Schicksal geleitet. Oriana Fallaci behält die Fäden der vielen Handlungen und Personen geschickt in der Hand und präsentiert uns ein tatsächlich schicksalhaftes und zumeist sehr trauriges Szenario. Kaum haben wir uns einen Moment lang an der Beschreibung einer zarten Liebesgeschichte erfreuen können, von der sie berichtet – schon wird das Liebespaar entzweit, getötet oder verletzt. So finden sich Menschen nur um sich kurz darauf schon wieder in den Kriegswirren zu verlieren. Sie sprechen miteinander, doch zumeist sind sie viel zu sehr in ihre eigenen Gedanken verstrickt, um dem anderen zuhören zu können.

Dieses Buch ist ein wortgewaltiges Monument, wobei es leider zu vielen Wiederholungen kommt. Diese sind zwar gewollt und ein Stilmittel der Autorin, aber sie führen zur dramatischen Länge des Buches und es ist schon ein Angang es wirklich durchzulesen. Trotzdem habe ich an keiner Stelle auch nur mit dem Gedanken gespielt, es nicht mehr weiterzulesen, wenngleich ich es auch nicht in einem Rutsch in kurzer Zeit lesen konnte. Es brauchte schon eine Weile.

Ein Motiv für mich es zu diesem Zeitpunkt zu lesen bestand darin, dass gerade die dort beschriebenen Kamikaze-Attentate ihre historische Grundlage im Libanon haben. Durch die in jüngster Zeit – am dramatischsten am 11. September in den USA – gehäuften Attentate dieser Art war der Bezug für mich gegeben, wenngleich das Buch selbst bereits 1992 in Deutschland erschien. Ebenso die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Religionen und Volksgruppen haben sich aktuell nicht verändert. Lediglich die Orte, wo sie sich abspielen verändern sich mitunter.

Fallaci bleibt meines Empfindens nach recht neutral und spaltet die Gruppen nicht in gut und böse. Sie beschreibt einfach die Realität und beschönigt dabei nicht. Auch die palästinensischen Gruppen sind bei ihr nicht einfach nur Opfer. Realistisch stellt sie dar, wie die zuvor aus Israel vertriebenen mit den Schiiten nicht viel besser verfahren. Das Buch erzeugt auch nicht den Eindruck, dass es ihr darum geht, einzelne Volksgruppen anzuklagen oder zu bemitleiden. Es ist eine mehr beispielhafte Auseinandersetzung mit dem Krieg und mit dem Menschen. Wozu er fähig ist, was ihn immer wieder zum Krieg treibt. Und mit dem einzelnen. Wo er sein Leben selbst gestaltet und wo er doch letztlich nur dem Schicksal ausgeliefert ist.

Vielfach ein positives Buch, das die Liebe zum Leben, zum Menschen und der Natur ebenso darstellt wie die negativen Auswüchse menschlicher Ideen. Oftmals aber traurig, weil jede Hoffnung auf Normalität meist schon im Keim zerstört wird.

Ich will nicht verhehlen, dass ich mitunter dabei gekämpft habe all diese Seiten zu lesen und das nicht nur oberflächlich. Sicher hätte sie den Inhalt auch auf weniger Seiten unterbringen können – doch das ist wohl nicht ihre Art. Interessant ist ein weiteres Stilmittel, welches sie verwendet. Sie lässt immer wieder mal das Buch im Buch entstehen, indem sie Briefe eines Soldaten an seine imaginäre Frau wiedergibt, der ihr berichtet, dass er dieses Buch schreibt. Die sprachlichen Mittel dieses Romans haben eine sehr große Reichweite. Sie reichen von philosophisch-sprachlich-schönen Betrachtungen über Gedankenketten bis hin zu Slang und lassen nicht die phallisch-anal besetzte Soldatensprache missen. Sie verwendet viel wörtliche Rede, was das ganze unmittelbar, mitunter fast wie einen Film vor mir abliefen ließ.

Dieses Buch ist schon ein harter Brocken und es ist richtig ein wenig Arbeit, ihn zu knacken. Trotzdem: Im Nachhinein kann ich sagen, dass mir irgendwie etwas fehlen würde, wenn ich das Buch nicht gelesen hätte. Trotz aller Mühe hat es mich beeindruckt.

Wenn ich es hier nur mit 4 Sternen bzw. als gut bewerte, dann weil die Länge und die Wiederholungen doch viele Leser abschrecken werden.

Inschallah von Oriana Fallaci gibt es als dtv Taschenbuch für 12,73 Euro. ISBN-Nr.: 3423118067


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-15 10:53:21 mit dem Titel Fine, Anne: "Killjoy" - Fesselnde Spiele -

Fesselnde Spiele

„Killjoy“, zu deutsch Spielverderber, heißt das Erstlingswerk der schottischen Autorin Anne Fine, die mittlerweile bereits einige Bücher in Deutschland mit Erfolg veröffentlicht hat.

Die Story kann man vielleicht ganz kurz als eine Abwandlung von „Die Schöne und das Biest“ umschreiben.

Es geht um den Politik-Professor Ian Laidlaw, der mittlerweile in den Vierzigern, bereits einige Jahre von seiner früheren Frau Margret getrennt ist. Laidlaw trägt einen besonderen und nicht zu übersehenden Makel. Als 5jähriger wurde er vom Nachbarshund gebissen. Seither ist eine seiner beiden Gesichtshälften furchtbar entstellt. Seine frühere Frau Margret konnte mit diesem Umstand scheinbar leben, indem sie diese Seite an ihm versuchte zu übersehen. Doch weitere Erfahrungen in Sachen Liebe hat Laidlaw nicht gemacht.

Eines Tages während einer Vorlesung lacht ihm die kesse Studentin Alicia ins Gesicht. Er fühlt sich angenehm provoziert von ihr und beginnt damit ihr nachzustellen. Alicia ist auch gewillt darauf einzugehen und innerhalb kürzester Zeit beginnt sich eine Affäre zwischen den beiden zu entwickeln.

Laidlaw, der lang alleine lebte, ist ein intelligenter Pedant, der sehr auf seine Gewohnheiten und seine Ordnung hält. Alicia, 19 Jahre alt, so ungefähr das Gegenteil. Sie lebt in den Tag, zeichnet sich durch schlampige Sorglosigkeit und ein großes Maß an Faulheit aus. Laidlaw bietet ihr schnell entsprechende Ver- und Umsorgung an, indem er sie in seine Wohnung einziehen lässt.

Schnell entdeckt Laidlaw die wahren Motive dafür, warum die schöne Alicia neben diesem Umstand bei ihm bleibt. Es ist ihr Maß an Masochismus, dass sie an und mit ihm ausleben kann. Laidlaw bemerkt, dass er eigentlich Alicia´s Monster spielt, welches sie zum sexuellen Kick braucht. Von Liebe und Gefühlen keine Spur.

Was zunächst spielerisch beginnt, wird nach und nach immer krasser und ernster. Die Beziehung ist von gegenseitiger Abhängigkeit und Zerstörung gezeichnet. Laidlaws Leben gerät vollends aus den Fugen und er entdeckt Seiten in sich, die ihm bislang noch unbekannt waren.

Wie es sich weiter zuspitzt und endet, wird nicht verraten.


Meine Meinung:

Sprachlich ist dieses Buch in sehr gutem Ton gehalten. Die ganze Geschichte ist aus der Sicht der rückblickenden Erzählung Laidlaws geschrieben und erst nach einiger Zeit begreift man, dass er sich offensichtlich in einem polizeilichen Verhör befindet. Dadurch steigt natürlich die Spannung und man weiß recht bald, dass diese Geschichte ein schlimmes Ende finden wird. Trotzdem bleibt bis zum Schluss hin offen, wie dieses Ende wohl aussehen wird.

Laidlaw erzählt intelligent, durchaus in der Sprache eines gestandenen Professors, wie sich alles abgespielt hat. Auch intimste Details werden in dieser Sprache berichtet. Bemüht versucht er dem unbenannten Zuhörer die Geschichte so zu servieren, dass sie für diesen schlüssig und nachvollziehbar wird und Laidlaw selbst als unschuldig an allem herauskommt.
Nicht so schlüssig hingegen schien mir das psychologische Profil, welches die Autorin dieser Hauptperson verpassen wollte. Kurze Rückblicke in die kindliche und jugendliche Entwicklung und den weiteren Werdegang mögen zwar oberflächlich zu dem geführt haben, was sich in der Geschichte zuträgt bzw. wie Laidlaw sich hier verhält. Aber es gab doch einige Punkte, die mich sehr ins Stutzen gebracht haben und die ich weniger gut nachvollziehen konnte.

Alles in allem eine kurze aber kompakte Geschichte, gewürzt mit einer großen Portion Erotik, die sich gut liest und einen entsprechenden Spannungsbogen aufweist.

„Killjoy“ ist bereits 1988 bei Diogenes erschienen. Als Taschenbuch gibt es das Buch unter der ISBN-Nr. 3257219172 zum Preis von 8,90 Euro. Es hat 230 Seiten.

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