Erfahrungsbericht von schalkman
Frisch, Max: Andorra
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
1. Einleitung
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Wie in meinem Bericht über \"Jugend ohne Gott\" schon \"angedroht\" werde ich auch über die zweite der drei Schullektüren, die ich in der 11. Jahrgangsstufe genießen/erleiden musste, meine Erfahrungen preisgeben. Es handelt sich um das \"epische Theaterstück\" \"Andorra\" von Max Frisch. Was unterscheidet denn das \"epische Theater\" vom normalen, dem \"dramatischen Theater\", werden sich jetzt viele Fragen. Im wesentlichen ist im epischen Theater der Mensch selbst der Gegenstand der Untersuchung, es liegt keine Spannung auf dem Ausgang, da dieser von vorneherein klar ist, sondern auf dem Gang (also auf dem WIE es passiert, nicht auf dem WAS passiert wird aufgebaut). Natürlich gibt es noch weit mehr unterschiede, doch diese hier explixit aufzulisten wäre nur langweilig!
2. Autor
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Am 15. Mai 1910 wird Max Frisch als Sohn eines Architekten in Zürich geboren. In den frühen 30er Jahren studiert er Germanistik, das Studium muss er aber nach dem Tod seines Vaters abbrechen und er wird Journalist bei der \"Neuen Züricher Zeitung\". 1934 dann der erste Roman \"Jürgen Reinhardt. Eine sommerliche Schicksalsfahrt\". Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg schreibt er Dramen, die diese Zeit thematisieren. 1961 dann die Uraufführung von \"Andorra\" in Zürich. Zwischen Andorra und seinem Tod veröffentlicht Frisch unter anderem \"Homo Faber\". Max Frisch verstirbt am 4. April 1991 in Zürich.
3. Handlung
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In einem fiktiven Land namens \"Andorra\", das nichts mit dem wirklichen Andorra zu tun hat, lebt der einundzwanzigjährige Andri. Sein Ziehvater, der Lehrer, sagt, er sei ein Jude, den er als kleiner Junge aus dem judenfeindlichen und mit Andorra verfeindeten Land der Schwarzen gerettet hat. So wird Andri von seinen Mitbürgern als Jude behandelt. Ihm wird es zwar nach langem Hin und Her erlaubt einen handwerklichen Beruf (Tischler) auszuüben, was laut der Aussage des Tischlermeisters \"dem Juden nicht im Blute liegt\". Schon nach wenigen Tagen sabotiert der Tischlermeister Andris Erzeugnisse und behauptet Andri sei unfähig zum Tischlershandwerk, deshalb wird er in die Verkaufsabteilung der Tischlerei gesteckt, wo er für einen Hungerlohn arbeiten muss.
Das eigentliche Hauptproblem, das Andri hat ist, dass er Barblin liebt, die leibliche Tochter des Lehrers. Er hält um ihre Hand an, doch der Lehrer verweigert ihm, Barblin zu heiraten. Andri denkt, dass der Lehrer nicht wolle, dass seine Tochter mit einem Juden verheiratet ist. Doch in Wirklichkeit hat das Ablehnen der Heirat einen ganz anderen Grund...
Langsam verändert die Gesellschaft Andri, der sich zuerst nicht in seine Rolle als Jude einpassen wollte, so sehr, dass er es plötzlich voll und ganz annimmt Jude zu sein. Besonders während dem Gespräch mit dem Pater sieht man deutlich die Veränderung in Andris innerem.
So weit so gut, doch just, da sich Andri als Jude fühlt, taucht eine \"Senora\" aus dem Land der Schwarzen auf, die auf der Suche nach ihrem Sohn ist, den sie vor einundzwanzig Jahren mit einem Lehrer aus Andorra bekommen hat. Schnell wird klar, dass es sich um Andri handelt, daher kann Andri auch nicht Barblin heiraten, denn sie ist ja immerhin seine Halbschwester. Es werden auch die Beweggründe des Lehrers klar, denn er dachte, es wäre schlimmer einen Sohn mit einer verfeindeten \"Schwarzen\" zu haben, als ein Judenkind gerettet zu haben.
Doch selbst nachdem Andri mehrfach gesagt bekommt, dass er kein Jude ist, hat er sich mit seinem Leben als Jude so sehr abgefunden und seine Eigenschaften so sehr angenommen, dass er sich von nichts und niemandem sagen lässt, dass er kein Jude sei. Nicht einmal der Pater kann ihm das noch klarmachen.
Die angesprochene Feindschaft zwischen Andorra und dem Land der Schwarzen eskaliert, nachdem jemand mit einem Stein die Senora erschlagen hat (die Schuld wird auf Andri geschoben, obwohl es wahrscheinlich der Wirt war). Die Schwarzen nehmen dies als Grund Andorra zu belagern. Der Schluss von Andorra setzt dem ganzen Judentreiben noch die Krone auf, denn es findet eine Art \"ethnische Säuberung\" statt, eine so genannte \"Judenschau\", bei der ein Judenschauer die Menschen nach der Art, wie sie laufen in Jude und Nicht-Jude einteilt. Natürlich wird Andri als Jude \"enttarnt\" und umgebracht.
4. Fazit
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Durch immer wieder zwischen den Szenen eingeschobene Zeugenaussagen vor einem fiktiven Gericht wird schnell das Ende des Stücks bekannt, doch wirklich langweilig wird \"Andorra\" nie. Max Frisch versteht es das epische Theater spannend in Szene zu setzen, so dass der Zuschauer/Leser zum Nachdenken angeregt wird. Besonders der soziopsychologische Mechanismus der Projektion (Anderen Personen Eigenschaften zuschreiben, die man selbst hat) wird in einer geradezu erschreckenden Weise dagestellt, so sagt der geizige Tischlermeister, Andri sei geizig, weil er ein Jude sei, obwohl Andri sein Geld meistens in der Wirtschaft ausgibt oder der Soldat sagt Andri sei feige, wie alle Juden, obwohl sich Andri mutig zum Kampf gegen den Soldaten stellt, welcher ihn dann mit seinen Spießgesellen feige zusammenschlägt. Überhaupt: Andorra ist wohl die beste Schullektüre, die ich je gelesen habe, deshalb auch die Bestnote!
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Wie in meinem Bericht über \"Jugend ohne Gott\" schon \"angedroht\" werde ich auch über die zweite der drei Schullektüren, die ich in der 11. Jahrgangsstufe genießen/erleiden musste, meine Erfahrungen preisgeben. Es handelt sich um das \"epische Theaterstück\" \"Andorra\" von Max Frisch. Was unterscheidet denn das \"epische Theater\" vom normalen, dem \"dramatischen Theater\", werden sich jetzt viele Fragen. Im wesentlichen ist im epischen Theater der Mensch selbst der Gegenstand der Untersuchung, es liegt keine Spannung auf dem Ausgang, da dieser von vorneherein klar ist, sondern auf dem Gang (also auf dem WIE es passiert, nicht auf dem WAS passiert wird aufgebaut). Natürlich gibt es noch weit mehr unterschiede, doch diese hier explixit aufzulisten wäre nur langweilig!
2. Autor
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Am 15. Mai 1910 wird Max Frisch als Sohn eines Architekten in Zürich geboren. In den frühen 30er Jahren studiert er Germanistik, das Studium muss er aber nach dem Tod seines Vaters abbrechen und er wird Journalist bei der \"Neuen Züricher Zeitung\". 1934 dann der erste Roman \"Jürgen Reinhardt. Eine sommerliche Schicksalsfahrt\". Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg schreibt er Dramen, die diese Zeit thematisieren. 1961 dann die Uraufführung von \"Andorra\" in Zürich. Zwischen Andorra und seinem Tod veröffentlicht Frisch unter anderem \"Homo Faber\". Max Frisch verstirbt am 4. April 1991 in Zürich.
3. Handlung
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In einem fiktiven Land namens \"Andorra\", das nichts mit dem wirklichen Andorra zu tun hat, lebt der einundzwanzigjährige Andri. Sein Ziehvater, der Lehrer, sagt, er sei ein Jude, den er als kleiner Junge aus dem judenfeindlichen und mit Andorra verfeindeten Land der Schwarzen gerettet hat. So wird Andri von seinen Mitbürgern als Jude behandelt. Ihm wird es zwar nach langem Hin und Her erlaubt einen handwerklichen Beruf (Tischler) auszuüben, was laut der Aussage des Tischlermeisters \"dem Juden nicht im Blute liegt\". Schon nach wenigen Tagen sabotiert der Tischlermeister Andris Erzeugnisse und behauptet Andri sei unfähig zum Tischlershandwerk, deshalb wird er in die Verkaufsabteilung der Tischlerei gesteckt, wo er für einen Hungerlohn arbeiten muss.
Das eigentliche Hauptproblem, das Andri hat ist, dass er Barblin liebt, die leibliche Tochter des Lehrers. Er hält um ihre Hand an, doch der Lehrer verweigert ihm, Barblin zu heiraten. Andri denkt, dass der Lehrer nicht wolle, dass seine Tochter mit einem Juden verheiratet ist. Doch in Wirklichkeit hat das Ablehnen der Heirat einen ganz anderen Grund...
Langsam verändert die Gesellschaft Andri, der sich zuerst nicht in seine Rolle als Jude einpassen wollte, so sehr, dass er es plötzlich voll und ganz annimmt Jude zu sein. Besonders während dem Gespräch mit dem Pater sieht man deutlich die Veränderung in Andris innerem.
So weit so gut, doch just, da sich Andri als Jude fühlt, taucht eine \"Senora\" aus dem Land der Schwarzen auf, die auf der Suche nach ihrem Sohn ist, den sie vor einundzwanzig Jahren mit einem Lehrer aus Andorra bekommen hat. Schnell wird klar, dass es sich um Andri handelt, daher kann Andri auch nicht Barblin heiraten, denn sie ist ja immerhin seine Halbschwester. Es werden auch die Beweggründe des Lehrers klar, denn er dachte, es wäre schlimmer einen Sohn mit einer verfeindeten \"Schwarzen\" zu haben, als ein Judenkind gerettet zu haben.
Doch selbst nachdem Andri mehrfach gesagt bekommt, dass er kein Jude ist, hat er sich mit seinem Leben als Jude so sehr abgefunden und seine Eigenschaften so sehr angenommen, dass er sich von nichts und niemandem sagen lässt, dass er kein Jude sei. Nicht einmal der Pater kann ihm das noch klarmachen.
Die angesprochene Feindschaft zwischen Andorra und dem Land der Schwarzen eskaliert, nachdem jemand mit einem Stein die Senora erschlagen hat (die Schuld wird auf Andri geschoben, obwohl es wahrscheinlich der Wirt war). Die Schwarzen nehmen dies als Grund Andorra zu belagern. Der Schluss von Andorra setzt dem ganzen Judentreiben noch die Krone auf, denn es findet eine Art \"ethnische Säuberung\" statt, eine so genannte \"Judenschau\", bei der ein Judenschauer die Menschen nach der Art, wie sie laufen in Jude und Nicht-Jude einteilt. Natürlich wird Andri als Jude \"enttarnt\" und umgebracht.
4. Fazit
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Durch immer wieder zwischen den Szenen eingeschobene Zeugenaussagen vor einem fiktiven Gericht wird schnell das Ende des Stücks bekannt, doch wirklich langweilig wird \"Andorra\" nie. Max Frisch versteht es das epische Theater spannend in Szene zu setzen, so dass der Zuschauer/Leser zum Nachdenken angeregt wird. Besonders der soziopsychologische Mechanismus der Projektion (Anderen Personen Eigenschaften zuschreiben, die man selbst hat) wird in einer geradezu erschreckenden Weise dagestellt, so sagt der geizige Tischlermeister, Andri sei geizig, weil er ein Jude sei, obwohl Andri sein Geld meistens in der Wirtschaft ausgibt oder der Soldat sagt Andri sei feige, wie alle Juden, obwohl sich Andri mutig zum Kampf gegen den Soldaten stellt, welcher ihn dann mit seinen Spießgesellen feige zusammenschlägt. Überhaupt: Andorra ist wohl die beste Schullektüre, die ich je gelesen habe, deshalb auch die Bestnote!
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