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Erfahrungsbericht von AlinaBaby

Luc, das Kind mit den zwei Müttern von Liza Freilicher und Jennifer Scheu

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Gestern habe ich das wahrscheinlich schönste Buch der Welt zu Ende gelesen: Luc, das Kind mit den zwei Müttern von Liza Freilicher und Jennifer Scheu. Der Titel lässt unschwer erkennen worum es geht: Um eine Leihmutterschaft! Das bedeutet dass ein Frau das leibliche Kind einer anderen austrägt. In diesem Buch geht es darum, wie sehr die Betroffenen kämpfen mussten um ans Ziel zu gelangen und wie dann alles endete.
Das beste an diesem Buch finde ich, dass es eine Erfahrungsgeschichte ist, das heißt sie ist nicht frei erfunden, sondern so geschehen und wurde von den Betroffenen festgehalten.


DIE STORY
Liza und David Freilicher sind nun schon seit 4 Jahren verheiratet und versuchen ein Kind zu bekommen. Nach 6 Monaten ohne Erfolg bitten sie um ärztliche Hilfe und es wird festgestellt, dass David Samen nicht reif genug sind um eine Eizelle zu befruchten. Es besteht die Möglichkeit diese operativ zu entnehmen und Lizas Eizellen damit künstlich zu befruchten. Die beiden sind erleichtert, dass sie jetzt wissen woran es liegt und stürzen sich voller Elan in die in-vitro-Fertilisation (Name der Befruchtungsmethode). Was erst total leicht erscheint wird für Liza sehr schnell zum Alptraum. Sie muss unzählige Tabletten schlucken, ihr Mann muss ihr mehrmals am Tag dicke Spritzen verabreichen. Gegen Ende des Zyklus ist auch Liza völlig am Ende, doch so weit war alles erfolgreicht. Davids Samen konnten erfolgreich entnommen werden und sind auch ausreichend gereift, Liza hat mehr als genug Eizellen produziert und so kann nun wohl nichts mehr schiefe gehen.
Doch leider läuft es nicht so, wie die beiden es sich gewünscht haben und Liza bekommt ihre Periode, was ein Zeichen dafür ist, dass die künstliche Befruchtung ein Misserfolg war. Beide sind total niedergeschlagen, aber sie wollen die Hoffnung nicht aufgeben.
Jen, Lizas Cousine und Suzy, Lizas Mutter sind verschiedener Auffassung wenn es um die IVF geht. Jen ist begeistert und unterstützt Liza wo sie nur kann. Ihr Mutter hingegen ist sehr skeptisch, auf Grund der vielen Hormone die Liza nehmen muss und da die Methode der IVF noch sehr neu und kaum erforscht ist.

Zwischendurch erzählt Liza immer wieder von ihrer Kindheit, Jugend und der Zeit vor David. Sie waren immer eine glückliche Familie. Sie hat noch zwei Geschwister: Erica und Greg. Die 3 und ihre Mutter hatten ein wahnsinnig gutes Verhältnis und waren wohl dass was man sich unter der perfekten Familie vorstellt. Dass sieht auf Lizas Großmutter Reese so und sagt zu ihrer Tochter (Lizas Mutter): Suzy, du bist das glücklichste Mädchen der Welt. Von da an geht es berg ab. Erica erkrankt an einen Gehirntumor und entkommt dem Tod nur knapp, Suzy hat einen schweren Reitunfall und ist gelämt, doch mit der Zeit lernt sie wieder (wenn auch sehr schlecht) zu laufen und zu allem Übel verliert Lizas Familie auch all ihren Besitz. Ihr Vater war durch einen Fast-Food-Kette sehr reich geworden, doch dann plötzlich durch McDonald und Burger King verdrängt. Als Liza 17 ist, lassen sich ihre Eltern dann scheiden.

Lizas Mutter Suzy, hat auch noch eine Schwester: Laurie. Die beiden sind alleine ohne Cousins und Cousinen aufgewachsen und stehen einander sehr nahe. Laurie hat auch Kinder, nämlich Jack und Jennifer. Liza und Jennifer waren schon immer mehr wie Schwestern, als Cousinen. Eine Zeit lang hatten sie dann weniger Kontakt, weil sie sich etwas auseinander lebten, weil Liza nach Spanien zu ihren damaligen Freund Rafa zog. Aber als sie wieder nach New York zurück zieht, wird das Band der beiden neu geknüpft und sie fühlen sich so eng wie nie zuvor miteinander verbunden.

Für den Fall das Davids Spermien nicht befruchtungsfähig seien, hatten sie Liza und David bereits Spendersamen gekauft. Doch sie wollten so gerne, dass es ihrer beider leibliches Kind sein sollte, dass sie unter dem Herzen tragen wird. Also starteten sie eine zweite In-vitro-Feritilisation. Das gleiche Theater noch mal von vorne und wieder umsonst. Keiner der 6 übertragenen Embryonen nistet sich ein.

Mittlerweile haben Liza und David eine Spezialklinik gefunden, die auf künstliche Befruchtungen viel besser eingestellt ist. Doch die Warteliste dort ist lang und somit müssen sie ein Jahr auf die nächste IVF warten.

Während dieser Wartezeit hat Liza schreckliche Schmerzen im Rücken und in den Beinen und sucht deshalb einen Arzt auf. Sie vermutet Nebenwirkungen der Medikamente die sie nehmen musste, doch der Arzt stellt etwas erschreckendes fest. Schon bei der ersten IVF war klar, dass Liza eine Gerinnselneingung hatte und musste deshalb Blutverdünnente Mittel nehmen. Sie hatte deshalb auch schon einen Mini-Schlaganfall, der aber nicht schlimm war. Nach langen Tests steht fest, dass es für Liza lebensgefährlich wäre, ein Kind zu bekommen. Bei der Geburt würde sie höchstwahrscheinlich einen schweren Schlaganfall erleiden, den sie nicht überleben würde.
Für Liza bricht eine Welt zusammen, denn damit wurde ihr auch noch die letzte Hoffnung auf ein eigenes Kind genommen.

Als David und Liza zu einer befreundeten Familie fahren, die selbst keine Kinder bekommen konnten unterhalten sie sich lange mit ihnen über die Adoption von deren Sohn Jake. Liza kann sich langsam mit dem Gedanken anfreunden ein Kind zu adoptieren, aber ist sich noch nichts so ganz sicher.

Ihrer Cousine hat sie natürlich davon erzählt, dass es jetzt sicher ist, dass sie kein eigenes Kind bekommen kann. Jen geht es auch sehr schlecht, da ihre Mutter an Krebs gestorben ist. Dies ist nun schon fast 6 Jahre her, doch ihr Schmerz ist immer noch sehr stark, da sie eine außergewöhnliche Bindung zu ihrer Mutter hatte. Sie selbst hat auch schon 2 Kinder, Dakota und Austin. Als sie damals Dakota (auch Kodie genannt) bekam, lag ihre Mutter Laurie bereits im Sterben. Sie wurde schwanger um ihrer Mutter ihren größten Wunsch zu erfüllen, ein kleines Enkelkind in den Armen zu halten. Als ihr Sohn Austin geboren wurde, war Laurie schon 4 Jahre tot. Sie starb im Kreise von Jen und ihren Freund Stanley in ihrem eigenen Haus, das Jen seit dem nur widerwillig betritt. Alles dort erinnert sie an ihrer Mutter, sie kann ihren Frieden einfach nicht finden.
Aber als sie nun weiß, dass Liza niemals ein Kinde zur Welt bringen kann, fasst sie einen Entschluss: Sie will das leibliche Kind von Liza und David austragen. Als sie ein paar Tage auf einer Schönheitsfarm verbringt, macht sie eine Hypnose in der sie ihrer Mutter begegnet. Sie übergibt ihr das Licht. Jen ist nun fest überzeugt sie müsse dieses Licht an Liza und David weiter geben, um ihre Trauer endlich zu besiegen.

Liza ist zuerst nicht so begeistert von Jeniffers wahnsinnigem Angebot. Zweifel sind stärker als der Wunsch nach einem eigenen Kind. Doch schließlich entscheidet sie sich zusammen mit ihrem Mann dafür, da sie beide fest überzeugt sind, dass dies auch für Jen der einzige Weg wäre um wieder glücklich zu werden.

Gesagt, getan, aber vor es zur „übertragung“ kommt, müssen die beiden einen Probelzyklus durchlaufen um sich durch Medikamente in den gleichen Rhythmus zu kommen. Witzigerweise ist der Arzt der sie behandelt ein alter Schulfreund der es immer auf Jen abgesehen hatte. Das tut den beiden gut, besonders Liza, die das Vertrauen in die Ärzte schon beinahe verloren hatte.

Jens Körper wird durch bestimmte Hormone schon vor der Übertragung auf „schwanger“ eingestellt, damit ihre Gebärmutter weich und aufnahmebereit wird, Eizellen erst gar nicht mehr selbst produziert werden. Währenddessen wird bei Liza das genaue Gegenteil bewirkt, ihr Körper soll so viel wie möglich Eizellen bilden. Alles läuft bestens, Liza hat 5 gesunde, große Eizellen, Davids entnommenes Sperma ist nahezu perfekt und Jens Gebärmutter ideal für die Einnistung einer befruchteten Eizellen. Also wird die Übertragung durchgeführt und auch hier läuft wieder alles wie am Schnürchen.

Nicht alle freuen sich über Jens Bereitschaft, Lizas und Davids Kind auszutragen. Ihr Bruder Jack ist entsetzt darüber und befürchtet sie könne die ganze Familie auseinander bringen. Auch Suzy, Lizas Mutter, die sich seit Lauries Tod für Jen verantwortlich fühlt, hat starke Zweifel, was die gesundheitlichen Folgen angeht. Doch die beiden Frauen lassen sich durch nichts und niemanden davon abbringen, gemeinsam ein Kind zu bekommen.

So, wie´s weiter geht möchte ich nun nicht verraten, nur soviel: Jen wird tatsächlich auf Anhieb schwanger. Es wird noch so einige Schwierigkeiten geben, sowohl psychische als auch körperliche. Aber Jen, Liza, David und Stephen halten immer zusammen.


MEINE MEINUNG
Gekauft habe ich dieses Buch, weil mir der Titel und die Beschreibung auf der Rückseite gefiel. Ich habe es in unserem Toom entdeckt und bin gleich aufmerksam geworden, da es aus der Erfahrungs-Serie von Bastei-Lübbe stammt, aus der ich vor 2 Jahren ein sehr tolles Buch („Baby“ von Joseph A. Stirt) gelesen hatte.

Ich habe dieses Buch innerhalb von einer Woche gelesen. Das mag nicht sehr schnell sein, aber man muss bedenken, dass ich immer nur abends vor dem Einschlafen lese. Wie ihr ja wisst habe ich eine Kleine Tochter und der würde es nie im Leben in den Sinn kommen, die Mama auf der Couch lesen zu lassen. Ok, würde sie sicher, aber wie danach die Wohnung aussehen würde, das will ich mir gar nicht vorstellen.

Die Geschichte fand ich sehr spannend, obwohl es sicher nicht so toll war, dass ich von vornherein wusste, dass die in-vitro-Feritilisationen fehl schlagen und letztendlich Jen das Kind bekommen wird. Aber stand nun mal auf dem Buchrücken und den muss man ja lesen, bevor man ein Buch kauft, oder nicht?

Es gibt zwar sehr viel Fachausdrücke, aber das lässt sich bei einer Geschichte in der es um künstliche Befruchtung und um eine Leihmutter geht wohl kaum vermeiden. Trotzdem macht es aber nicht den Eindruck eines Medizinbuchs, vor allem weil Liza auch immer wieder betont, wie unwohl sie sich bei der ganzen Sache fühlt. Also das fachgesimpel ist nicht der Sinn der Sache, sondern notwendig. Dafür wird ständig über die Gefühle von Liza, zu Jen, ihrer Mutter und der restlichen Familie geredet. Man kann richtig fühlen, dass sie eine ganz besondere Familie sind, ich hätte es nie für möglich gehalten, dass es so etwas wirklich gibt. Allein wegen dieser Verknüpfungen untereinander ist dieses Buch schon lesenswert, aber es hat natürlich noch viel mehr zu bieten.


Am aller schönsten daran ist sicher, dass es sich hier um eine wahre Geschichte handelt. Das hat sich keiner ausgedacht, weil es ihm grade so in den Kram passt, sondern jeder einzelne Betroffene ist absolut Real und jedes einzelne Gespräch wurde wirklich geführt.

Die absolut starken Charaktere in der Gesichte haben mich auch sehr beeindruckt. Ihr Stärke bestand darin, immer offen zu den anderen zu sein, ihre Fehler einzugestehen und auch mal schwach zu sein ohne sich dafür zu schämen.

Am Schluss war ich ganz traurig und habe verzweifelt im Internet gesucht, ob es denn nicht noch ein zweites Buch über ihr weiteres Leben gibt. Ich konnte es gar nicht fassen, dass es schon vorbei war. Normalerweise bin ich immer total gespannt auf das Ende, das war ich hier auch, aber ich hatte auch ein wenig Angst. Ich fühlte mich so in die Geschichte versetzt. Wenn euch eine Nachbarin die neusten heißesten News erzählt (puh, von meiner hab ich da gestern was gefahren, unser Haus ist echt mehr als nur verrückt, aber alle!), wollt ihr bestimmt auch immer mehr erfahren, oder nicht? Bei mir ist es jedenfalls so, was vielleicht daran liegt, dass ich extrem neugierig bin, was sicher ein paar von euch schon gemerkt haben. Ich wüsste so gerne, wie sie ihr weiteres Leben verbringen. Oh, fast hätte ich was verraten, ach ich kann nicht anders. Luc kam 1997 auf die Welt. Dann ist er jetzt schon 5 Jahre alt, nächstes Jahr wird er eingeschult. Es ist wirklich aufregend zu wissen, dass irgendwo auf der Welt (New York, wenn sie nicht umgezogen sind) ein Kind lebt, von dem ich genau weiß, wie schwer es war, ihm das Leben zu ermöglichen. Ein Kind das überalles auf der Welt geliebt wird.


DATEN:
So, nun kommt der für mich immer recht uninteressante Teil an einer Buchbeschreibung, aber fehlen darf er ja auch nicht, falls sich dieses Buch nun jemand kaufen will. Wenn nicht, dann seit ihr selber Schuld, da verpasst ihr nämlich wirklich was.

Titel: Luc, das Kind mit den zwei Müttern (OT Conveicing Luc, a Family Story)

Autoren: Jennifer Scheu und Liza Freilicher (in den Danksagungen wird aber erwähnt, dass eigentlich Suzy, Lizas Mutter die Geschichte auf Papier gebracht hat)

Verlag: Bastei Lübbe, aus der Serie „Erfahrungen“

Cover: Weiß mit einem Bild von einem Baby vor einem Spiegel (sucht aber nicht danach, denn bei amazon habe ich gestern festgestellt, dass die neuste Ausgabe ein ganz anders Cover hat und das orginal noch mal ein anderes)

398 Seiten.

ISBN: 3-404-61458-5

Preis: 8,45 Euro


FAZIT: Grandios ist wohl noch untertrieben, aber es ist eh unmöglich das Buch mit einem Wort zu beschreiben. Ich kann das Buch wirklich jedem absolut weiter empfehlen. Mit Sicherheit hat mich noch kein Buch so beeindruckt wie dieses (außer vielleicht Baby, daran denke ich immer noch recht oft, obwohl ich es schon vor bald 2 Jahren gelesen habe). Grade beim Schreiben dieser Meinung habe ich das wieder germerkt. Kein einziger Namen war mir entfallen, ich musst nie nachblättern, die ganze Geschichte ist in meinem Kopf, als hätte ich sie miterlebt. Wenn ich in der Schule eine Buchvorstellung halten musste, ist mir beim Schreiben immer aufgefallen: oh mist, da hab ich was vergessen und da fehlt ja noch ein Kapitel. Aber hier war das ganz anders, es ist richtig aus mir heraus geflossen.
Also, liebe Leute, lest das Buch, Zeitverschwendung ist es mit Sicherheit nicht.

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