Erfahrungsbericht von dreamweb
Jung-Mädchen Gedanken vor grausamen Hintergrund (Anne Frank Tagebuch)
Pro:
sehr schöne Gedichte zu unterschiedlichen Themen
Kontra:
viele denken, es handle sich nur um Liebesgedichte
Empfehlung:
Nein
Das Tagebuch der Anne Frank ist ein Buch, das mich schon seit längerem interessiert hat. Jetzt gab es vom Fischer Verlag die limitierte Sonderauflage des Tagebuchs zum Preis von sechs Euro und da habe ich zugegriffen. Hier meine Meinung zu diesem Buch
INHALT
Anne Frank ist 13 und ein Teenager mit ganz normalen Sorgen und Gedanken. Aber es gibt eine Besonderheit. Denn sie ist Jüdin und schrieb ihre Tagebücher zwischen 1942 und 1944. Das Mädchen lebte in Holland, dort waren ihre Eltern von Deutschland aus hingeflüchtet. In diesem Buch werden fast nur die Tagebücher des Mädchens abgedruckt, allerdings gibt es eine Einleitung auf das Thema und auch ein sehr bedrückendes Nachwort. Denn Anne schrieb ihre Tagebücher während der Deutschen Besatzungszeit und hauptsächlich während ihres langen Aufenthaltes in einem Versteckt.
In dem Buch werden nicht nur alle Gedanken der Anfangs 13jährigen und später 14jährigen Anne geschildert, sondern es wird auch immer auf das Thema der Judenverfolgung eingegangen. Denn Anne änderte ihr Tagebuch ab, nachdem sie einen Aufruf gehört hatte, dass jüdische Mitbürger ihre Tagebücher veröffentlichen sollten, damit die Welt mehr über die Einzelschicksale von Juden in dieser harten Zeit erfahren.
In dieser Version wurden aber auch alle anderen persönlichen Gedanken mit angedruckt, damit der Leser sich ein genaueres Bild von Anna machen kann. So wurden in der ursprünglichen Version beispielsweise alle Gedanken sexuellen Inhalts herausgenommen, die hier aber wieder enthalten sind.
Durch die Augen von Anne Frank erlebt man hier mit, wie sich das Leben des Mädchens verändert, nachdem ein Familienmitglied von den Nazis abgeholt werden sollte und alle darauf in ein Versteck fliehen. Und man erlebt auch die Zeit in diesem Versteck mit, in dem sich zwei Familien und eine Einzelpersonen auf beengtem Raum alles teilen müssen.
Das Tagebuch von Anne Frank endet nicht irgendwie mit etwas Besonderem, sondern einfach mit einem Tag, den sie im Versteck verbracht hat und auch mit ihren Hoffnungen und Ideen. Wen das erstaunt, den weise ich darauf hin, dass Anne eben nur so lange geschrieben hat, wie sie sich im Versteck befunden haben. Denn leider wurden auch diese versteckten Juden verraten und eines Tages alle abgeholt. Das erfährt man dann im Nachwort. Ich denke, da die Geschichte von Anne Frank bekannt ist, verrate ich nichts neues. In dem zweiseitigen Nachwort erfährt man dann noch knapp und direkt alles über das weitere Schicksal von Anna und ihren acht Leidensgenossen, sowie den Helfern.
MEINUNG
Äußerlich ist das Tagebuch der Anne Frank ziemlich unauffällig. Ein hübsches junges Mädchen (Anne Frank), das optimistisch ins Leben lächelt ist auf der Vorderseite in Schwarz-Weiß abgebildet. Wenn man weiß, was alles passiert ist, dann kommt einem doch das Schaudern. Bei mir ist es jedenfalls so. Ich kann unwahrscheinlich mit anderen Personen mit leiden und so war es hier auch extrem.
Anfangs war ich doch etwas erstaunt und auch enttäuscht über die vielen Belanglosigkeiten, die Anne da nieder geschrieben hatte. Aber vielleicht ist es auch das, was das Buch dann so entsetzlich macht. Man merkt hier zu gut, dass es ganz normale Menschen sind, mit denen so etwas geschah. Das Mädel hatte keine anderen Gedanken wie viele andere Mädchen in dem Alter. Es geht da um Jungens, um den ersten Kuss, wer mit wem befreundet ist und was es für Streitereien gab.
Aber immer dazwischen schildert das Mädchen auch, wie es den Juden, auch anderen, in dieser Zeit ging. Alles, was sie mitbekommt, sei es durch die Medien oder später durch ihre Helfer, das schreibt sie mit nieder. Und so erfährt man neben Normalitäten und Streitereien auch etwas von Verschleppung der Juden, von Denunzierungen und von den Vernichtungslagern.
Daneben geht es aber auch darum, wie sich die Menschen verändern, weil sie über einen sehr langen Zeitraum in einem Gebäude versteckt leben und eben nicht mal hinaus können. Da erlebt man eben sehr menschliches mit. Es entstehen Neid und Zank aus der Situation bzw. der Eingeengtheit. Aber auch eine kleine Liebesbeziehung zwischen Anne und nur etwas älteren Peter.
Das Buch läßt sich insgesamt sehr gut lesen, aber es ist nicht so, dass ich hier so geschockt war, wie bei anderen Büchern über Juden, die verfolgt wurden. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die acht Menschen auch dank ihrer Helfer von Außen doch noch Recht gut mit ihrer schlimmen Situation klar kamen.
Nein, das schlimmst für mich war das Nachwort. Denn es zerschlägt doch alle Hoffnungen, wenn man das Schicksal von Anna und ihrer Leidensgenossen nicht kannte. Es ist ein Ding zu wissen, dass Anna Frank in einem KZ landete. Aber es ist viel schlimmer, wenn man erst aus ihren Augen ihr Leben und das um sie herum kennenlernt. Und dann auf zwei Seiten liest, wer wie lange im KZ überlebte, wer woran verstarb und dass nur Annas Vater überlebte. Da erst habe ich heulen müssen, aber das denn genug. Haltet mich nicht für eine Heulsuse, aber so etwas realistisches finde ich doch schlimmer als Horror-Romane, bei denen man weiß, dass es nur Phantasie ist.
Der Stil des Buches ist auch ungewöhnlich. Denn es ist nur eine chronologische Sammlung aller Einträge des Mädchens und so wird auch jeder Eintrag mit einem Datum eingeleitet und oft mit einem Hallo Kitty. Denn Anna, die sich immer eine richtige Freundin wünschte, hatte in Ermangelung beschlossen, das Tagebuch als beste Freundin anzusehen und ihm daher den Namen Kitty gegeben.
Sehr gut finde ich, dass in dem Buch immer wieder Fotos der neun Personen zu sehen sind. So kann man sich einen noch genaueren Eindruck von diesen Menschen machen. Ich kann auch sagen, so wird man immer wieder damit konfrontiert, was das für Leute waren, denen hier großes Unrecht geschah...
Anne Franks Tagebucheinträge haben mich ziemlich erschüttert und betroffen gemacht. Und ich persönlich kann nur hoffen, dass die Menschen aus solchen echten Geschehnissen doch einmal lernen und es nie wieder zu so etwas kommt. Haltet mich nicht für zu optimistisch, das bin ich nicht. Denn ich sagte auch nur, dass ich es hoffe.
DATEN
Titel: Anne Frank Tagebuch
Autorin: Annelies Marie Frank, geboren im Juni 1929 und verstorben im März 1945 in Bergen-Belsen
Seiten: 316
Art: Tagebucheinträge eines jüdischen verfolgten Mädchens, Taschenbuch
ISBN-Nr. 3-596-50508-9
Preis: 6 Euro
FAZIT
Anne Franks Tagebuch sollte man gelesen haben. Denn hier wird dem Leser gezeigt, wie sich das Leben ganz normaler Menschen in Holland und Deutschland änderte, nur weil sie jüdischen Glaubens waren. Und es wird einem eben durch Tagebucheinträge eines Mädchens gezeigt, das die üblichen Teenie-Probleme hatte und auch durch ihre ach so normalen Einträge noch glaubwürdiger erscheint.
Liebe Grüße an alle Leser - Miara
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-11 22:12:04 mit dem Titel beeindruckendes Jungenschicksal (Simon von Marianne Fredriksson)
Simon ist jetzt schon der dritte Roman von Marianne Fredriksson, den ich gekauft und auch gelesen habe. Hier mein Beitrag zu diesem Buch, das das Judenthema auch mit als Hintergrund hat.
INHALT
Simon wächst als Adpotivkind des schwedischen Ehepaares Karin und Erik auf. Erik ist Schiffsbauer, sowohl er als auch seine Frau stammen aus Arbeiterfamlien. Der Junge erlebt seine Kindheit in der Nähe von Göteborg direkt da, wo der Fluss ins Meer mündet und ein Eichenwald die Landschaft prägt.
Aber Simon weiss nicht, dass er \"nur\" ein Adoptivkind ist, denn Karin und Erik haben lange Zeit nicht den Mut, es ihm zu erzählen. Ein Grund dafür ist, dass es die Zeit ist, in der Juden verfolgt wurden. Simon wird vom Zweiten Weltkrieg geprägt und seine Pflegeeltern wollen ihn vor allen Unbillen dieser Zeit schützen.
Es ist auch in dem neutralen Schweden eine sehr unsichere Zeit. Und obwohl Karin ihre ganze Liebe dem Jungen schenkt, bemerkt dieser doch die Sorgen, die seine Mutter hat. Und er bringt sich selbst auch mit diesen Sorgen in Zusammenhang. Der sensible Junge ist der Meinung, dass er schuld daran ist, dass Karin diese Sorgen hat. Und so begibt sich Simon auf die Suche danach, was wohl die Ursache ist. Dass Karin nur Angst wegen der Judenverfolgung und der Nationalsozialisten hat, das kann der Junge nicht wissen. Und so beginnt für ihn eine Reise bis hin zu den Ursprüngen...
MEINUNG
Simon ist ein ziemlich beeindruckender Roman über die Zeit des zweiten Weltkrieges und über die Zeit der Judenverfolgung, durch die auch Schweden betroffen wird. Das wird hier sehr lebhaft durch jüdische Nachbarn von Karinund Erik gezeigt. Diese helfen unter anderem verfolgte Juden nach Schweden zu bringen. Aber auch am Schicksal eines jüdischen Freundes von Simon nimmt der Leser teil. Ich war entsetzt über einige Dinge, die die Nationalsozialisten dem kleinen Jungen angetan haben, der aus Deutschland stammt. Das Judenthema zieht sich hier vom Anfang bis zum Ende des Buches durch. Selbst das Schicksal von Juden, die aus dem KZ nach dem Krieg befreit wurden, bekommt man hier gezeigt. Und das bestimmt nicht auf eine sanfte Art.
Aber Simon ist noch mehr als ein Buch über einen jüdischen Jungen. Die Autorin geht auch auf seine interessante Geschichte ein. Denn Simon ist der Sohn einer einfachen Frau aus der Nachbarschaft, die sich heimlich mit einem jüdischen Musiker an einem See traf. Aus dieser Liebe entstand dann Simon. Während der Geschichte erfährt auch Simon nach und nach, wer seine Eltern sind und was sein Vater für ein Mensch war. Denn Simon hat eine wundervolle Gabe, er hat ein angeborenes Verständnis für Musik und sieht oft mehr, als andere Menschen.
Und es geht hier wie auch in den anderen von mir gelesenen Büchern um Menschen und um ihre verschiedenen Schicksale, die ihr Handeln prägen. Es geht um die nicht immer positiven Beziehungen zwischen Simon, Karin und Erik. Die Personen, die hier geschildert werden, wirken sehr realistisch. Ich konnte mir sie bildlich ohne irgendwelche Probleme vorstellen. Die Charaktäre sind eben menschlich, das heißt, jeder hat gute und schlechte Seiten. Auf so beliebten Schwarz-Weiss Personen, die entweder gut oder böse sind wurde verzichtet. Und gerade das macht Simon zu einem Buch, das die Geschichte dieser kleinen Familie und insbesondere Simons Leben sehr gut widergibt.
Das Buch selbst gefällt mir auch äußerlich sehr gut. Positiv finde ich das Lesebändchen. Es ist ein gebundenes Buch mit Schutzumschlag. Auf dem Umschlag selbst sieht man einen kleinen Jungen im Wasser neben einem Steg, der zum Meer herausgeht. Es ist sehr gut vorstellbar, dass das auch der kleine Simon sein könnte.
Gelesen habe ich das sehr interessante 413 Seiten fassende Buch an zwei Tagen. Denn die Handlung war so geschrieben, dass ich einfach wissen wollte, wie es weiter geht.
DATEN
Titel: Simon
Autorin: Marianne Fredriksson
Art: Roman, gebundenes Buch
Seiten: 413
ISBN-Nr.: 3-8105-0635-4
Geeignet: Meiner Ansicht nach für Jugendliche und Erwachsene, insbesonderer Menschen, die sich auch für das Judenthema interessieren.
Preis: gekauft in einem Bonner Buchgeschäft für Euro 9,90
FAZIT
Simon ist ein durchweg interessantes Buch, in dem es über menschliche Beziehungen und Schicksale geht, insbesondere aber das Leben eines jüdischen Jungen, der gar nichts von seiner jüdischen Abstammung weiss.
Liebe Grüße - Miara
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-02 13:14:32 mit dem Titel Von der Liebe, von Angst und vom Zorn... (Es ist was es ist - Erich Fried)
Von der Liebe, von Angst und vom Zorn handelt das leinengebundene dünne Gedichtsbuch \"Es ist was es ist\" von Erich Fried. Viele Menschen kennen nur dieses bekannte Gedicht und denken daher auch an Liebesgedichte. Aber dieser Band bietet mehr. Was man davon hat, wenn man dieses Büchlein liest oder auch kauft, das versuche ich hier zu beschreiben.
AUSSEHEN
Ich halte das 10 mal 20 cm große Büchlein, das auch nur knapp einen cm dick ist in den Händen. Und ich kann hier nur eines sagen, es gefällt mir. Die grüne Farbe des leinengebundenen Buches ist vielleicht Geschmacksache. Aber mir gefällt, dass es in der Farbe von den anderen beiden Leinengebundenen Gedichtsbüchern abweicht. Man erkennt hier das Buch nach einer Weile auch schon an der Farbe. Auf der Vorderseite befindet sich ein Frauenkopf. Mit Locken umgeben und glücklich schauend - so als ob eine Frau auf dem Rücken liegt und nach oben schaut.
Im Buch selbst gibt es außer einem Foto von Erich Fried keinerlei Bilder. Aber die benötigt man auch hier nicht. Denn Erich Fried schreibt seine Gedichte gleichzeitig bildhaft als auch phantasiebeflügelt. Daher komme ich auch mal zum Autor selbst.
ERICH FRIED
Nie war ich über den Autor bestimmter Gedichte so erstaunt und so irritiert zugleich wie über Erich Fried. Bei der direkten Art in einigen seiner hocherotischen Gedichten würde ich nie an jemanden denken, der nicht höchstens 40 oder 50 Jahre alt ist. Denn ich kenne selbst keine älteren Leute, die so direkt manche Dinge beschreiben, gerade im sexuellen Bereich. Aber Erich Fried hat mir das Gegenteil bewiesen.
Erich Fried wurde am 06. Mai 1921 in Wien geboren und ist am 22. November 1988 in Baden-Baden verstorben. Er gilt als einer der bekanntesten deutschsprachigen Lyriker des 20. Jahrhunderts. Sein Vater wurde von der Gestapo ermordert und er selbst floh nach London. Von dort aus verhalf er seiner Mutter und auch anderen Personen zur Flucht. Ich schreibe dieses, weil es auch sehr wichtig ist um seine Gedichte zu verstehen. Denn eines seiner Themen ist die Nazi-Zeit. Viele der im Buch beschriebenen Angst- und Zorngedichte zeigen deutlich diese Zeit und auch sein Anprangern von Verhaltensweisen damals - und heute. Aber auch der kalte Krieg und die Aufrüstung waren Themen, die ihn beschäftigten und die er auch in seinen Gedichten mit aufnahm. Ausgezeichnet wurde der Autor mit dem Bremer Literaturpreis, dem Österreichischen Staatspreis und dem Georg-Büchner-Preis zuteil.
INHALT
Wie schon in meiner Einleitung ersichtlich, handelt es sich hier nicht um reine Liebesgedichte. Die Gedichte gehen hin von romantischen Liebesgedichten zu hocherotischen Gedichten, aber dann liest man wieder Gedichte über Ängste und Verarbeitung der Nazizeit oder auch Gedichte, die unsere heutige Zeit anprangern.
Teil 1 umfasst hier 35 Gedichte, die vor allen Dingen das Thema Liebe angehen. Aber alle anderen Teile - also Teile 2 bis 4 enthalten kritische Gedichte. Gedichte, die auch mich noch ansprechen, obwohl ich diese schreckliche Zeit der Unterdrückung durch die Nationalsozialisten nicht miterlebt habe. Zum Teil geht es aber auch in diesen 53 Gedichten auch um die Jetztzeit, daher werde ich eines davon hier auch veröffentlichen. Aber auch in diesen Gedichten schwingt oft die Liebe mit, manchmal traurig, manchmal hoffnungsvoll.
Einige der Gedichte kann ich als hochromantisch bezeichnen, andere sind so erotisch, dass man sie bzw. das Buch weit weg von kleineren Kindern stellen sollte. Aber in sehr vielen Gedichten kommt auch etwas über Erich Fried heraus. Denn er war ein Mensch, der lieben und leben konnte, aber der auch immer sehr kritisch war und kein Thema war ihm zu heiss, als dass er darüber kritisch ein Gedicht verfasste. Aus aktuellem Anlass nenne ich da ein Gedicht namens \"Die Bulldozer\" in dem es um die Ermordung von Palestinensern durch die Israeli geht. Und das Gedicht ist schon Jahre alt.
AUSZUG
Hier mal ein kleiner Auszug einiger sehr unterschiedlicher Gedichte:
1. ERWARTUNG
Deine ferne Stimme
ganz nahe am Telefon
und ich werde sie bald aus der Nähe
entfernter hören
weil sie dann von deinem Mund
bis zu meinen Ohren
den langen Weg nehmen muß
hindurch zwischen deinen Brüsten
über den Nabel hin
und den kleinen Hügel
deinen ganzen Körper entlang
an dem du hinabsiehst
bis hinunter zu meinem Kopf
dessen Gesicht
vergraben ist zwischen deine gehobenen Schenkel
in deine Haare
und in deinen Schoß
*
Ich kann nur hoffen, dass man mir jetzt nicht übel nimmt, so etwas erotisches hier zu nennen. Aber für mich gehört diese Erotik zu Erich Fried dazu, es ist sein Stil. Und wer sich seine Bücher kauft, sollte schon wissen, was ihn erwartet.
Jetzt zum Ausgleich ein anderes, auch wundervolles Liebesgedicht
2. An eine Nervensäge
Mit deinen Problemen
heißt es
bist du
eine Nervensäge
Ich liebe die Spitze
und Schneide
von jedem Zahn
dieser Säge
und ihr blankes Sägeblatt
und auch ihren runden Griff
*
Das ist ein Liebesgedicht nach meinem Geschmack. Aktuell, schön und doch auch so etwas, was Frau bestimmt gerne hört, mir würde es gefallen, so ein Gedicht gemacht zu bekommen.
Und jetzt auch noch einen Auszug bzw. Gedichte aus den eher düsteren Bereichen, über die Erich Fried so schreibt:
3. Aber vielleicht
Meine großen Worte
weerden mich nicht vor dem Tod schützen
und meine kleinen Worte
werden mich nicht vor dem Tod schützen
überhaupt kein Wort
wund auch nicht das Schweigen zwischen
den großen und kleinen Worten
wird mich vor dem Tod schützen
Aber vielleicht
werden einige
von diesen Worten
und vielleicht
besonders die kleineren
oder auch nur das Schweigen
zwischen den Worten
einige vor dem Tod schützen
wenn ich Tod bin.
*
Ich denke, ich brauche nicht viel zu diesem Gedicht sagen. Es gehört für mich zu seinen besten Gedichten. Denn es zeigt, wie viel Hoffnung trotz allem noch da ist. Und dass man nie aufgeben soll. Und in solchen Zeiten vielleicht nicht um sich selbst zu retten, sondern in der Hoffnung, anderen zu helfen.
4. Entenende
\"Die Enten
schlachten wir lieber
alle auf einmal\"
\"Sie fressen auch nicht mehr so
wenn eine fehlt\"
Gilt das Wort
dieses alten Bauern
auch für die Menschen?
Erklärt es vielleicht
die Planung eines Atomkrieges?
Wahrscheinlich nicht
denn Menschen
sind keine Enten.
Sie essen auch noch genau so
wenn einige fehlen
*
Übrigens habe ich in allen Gedichten die Schreibweise und auch Punktsetzung des Autors übernommen. Ist dieses Gedicht nicht schlimm? Macht es euch genauso nachdenklich wie mich über uns Menschen. Ob jetzt das Thema Atomkrieg ist oder nicht. Mich schauderts ein wenig bei dem Gedicht, trotzdem gefällt es mir. Sehr viele Gedichte von Erich Fried sind so ironisch zynisch und auch nachdenklich machend.
MEINUNG UND FAZIT
Eigenlich kann ich diesen Abschnitt hier sein lassen, denn ich habe überall meine Meinung eingebracht. Aber vielleicht doch noch meine Meinung gesamt. Das Buch ist Nichts für Menschen, die NUR Liebesgedichte lesen möchten. Es ist daher wohl auch nichts für Mensche4n, die nur kritische Gedichte lesen möchte. Aber für Menschen, die Interesse daran haben, über welche Themen Erich Fried schreibt oder die wie ich einfach nur gute Gedichte unterschiedlichster Art mögen, für solche Menschen ist das Buch etwas. Über einige Gedichte läßt sich vielleicht diskutieren. Wahrscheinlich wird auch darüber diskutiert. Aber ich les sie und erfahre hier mit auch noch etwas mehr über Erich Fried, der zu meinen Lieblingsautoren zählt. Nicht alle Gedichte sind direkt und einfach zu verstehen, aber auch das gefällt mir. Ich mag es, noch mehr zu Nachdenken in verschiedenste Richtungen angeregt zu werden..
Ich habe diesen Erich Fried durch seine Erotikgedichte kennen gelernt, seine Liebesgedichte auf Postkarten schon gesehen und auch durch das Buch \"Es ist was es ist\" vieles über ihn und seine kritische Art erfahren können. Das Buch ist zu Recht in Leinen gebunden, denn es ist etwas ganz Besonderes - ein sehr guter Auszug aus seinem Gesamtwerk.
DATEN
Titel: Es ist was es ist
Autor: Erich Fried
Seiten: 106
Art: Gedichtsbuch, in Leinen gebunden
Erhältlich: Amazon und andere Buchläden
Preis: Euro 14,50
ISBN: 3803131189
Erstausgabe: 1983
Neuausgabe: 1996 (meine Ausgabe)
Verlag: Klaus Wagenbach
Ich würde mich sehr freuen, wenn ich einen guten Überblick über dieses Büchlein und auch Erich Fried geben konnte. Und wenn ich es auch Näherbringen konnte.
Liebe Grüße - Miara
INHALT
Anne Frank ist 13 und ein Teenager mit ganz normalen Sorgen und Gedanken. Aber es gibt eine Besonderheit. Denn sie ist Jüdin und schrieb ihre Tagebücher zwischen 1942 und 1944. Das Mädchen lebte in Holland, dort waren ihre Eltern von Deutschland aus hingeflüchtet. In diesem Buch werden fast nur die Tagebücher des Mädchens abgedruckt, allerdings gibt es eine Einleitung auf das Thema und auch ein sehr bedrückendes Nachwort. Denn Anne schrieb ihre Tagebücher während der Deutschen Besatzungszeit und hauptsächlich während ihres langen Aufenthaltes in einem Versteckt.
In dem Buch werden nicht nur alle Gedanken der Anfangs 13jährigen und später 14jährigen Anne geschildert, sondern es wird auch immer auf das Thema der Judenverfolgung eingegangen. Denn Anne änderte ihr Tagebuch ab, nachdem sie einen Aufruf gehört hatte, dass jüdische Mitbürger ihre Tagebücher veröffentlichen sollten, damit die Welt mehr über die Einzelschicksale von Juden in dieser harten Zeit erfahren.
In dieser Version wurden aber auch alle anderen persönlichen Gedanken mit angedruckt, damit der Leser sich ein genaueres Bild von Anna machen kann. So wurden in der ursprünglichen Version beispielsweise alle Gedanken sexuellen Inhalts herausgenommen, die hier aber wieder enthalten sind.
Durch die Augen von Anne Frank erlebt man hier mit, wie sich das Leben des Mädchens verändert, nachdem ein Familienmitglied von den Nazis abgeholt werden sollte und alle darauf in ein Versteck fliehen. Und man erlebt auch die Zeit in diesem Versteck mit, in dem sich zwei Familien und eine Einzelpersonen auf beengtem Raum alles teilen müssen.
Das Tagebuch von Anne Frank endet nicht irgendwie mit etwas Besonderem, sondern einfach mit einem Tag, den sie im Versteck verbracht hat und auch mit ihren Hoffnungen und Ideen. Wen das erstaunt, den weise ich darauf hin, dass Anne eben nur so lange geschrieben hat, wie sie sich im Versteck befunden haben. Denn leider wurden auch diese versteckten Juden verraten und eines Tages alle abgeholt. Das erfährt man dann im Nachwort. Ich denke, da die Geschichte von Anne Frank bekannt ist, verrate ich nichts neues. In dem zweiseitigen Nachwort erfährt man dann noch knapp und direkt alles über das weitere Schicksal von Anna und ihren acht Leidensgenossen, sowie den Helfern.
MEINUNG
Äußerlich ist das Tagebuch der Anne Frank ziemlich unauffällig. Ein hübsches junges Mädchen (Anne Frank), das optimistisch ins Leben lächelt ist auf der Vorderseite in Schwarz-Weiß abgebildet. Wenn man weiß, was alles passiert ist, dann kommt einem doch das Schaudern. Bei mir ist es jedenfalls so. Ich kann unwahrscheinlich mit anderen Personen mit leiden und so war es hier auch extrem.
Anfangs war ich doch etwas erstaunt und auch enttäuscht über die vielen Belanglosigkeiten, die Anne da nieder geschrieben hatte. Aber vielleicht ist es auch das, was das Buch dann so entsetzlich macht. Man merkt hier zu gut, dass es ganz normale Menschen sind, mit denen so etwas geschah. Das Mädel hatte keine anderen Gedanken wie viele andere Mädchen in dem Alter. Es geht da um Jungens, um den ersten Kuss, wer mit wem befreundet ist und was es für Streitereien gab.
Aber immer dazwischen schildert das Mädchen auch, wie es den Juden, auch anderen, in dieser Zeit ging. Alles, was sie mitbekommt, sei es durch die Medien oder später durch ihre Helfer, das schreibt sie mit nieder. Und so erfährt man neben Normalitäten und Streitereien auch etwas von Verschleppung der Juden, von Denunzierungen und von den Vernichtungslagern.
Daneben geht es aber auch darum, wie sich die Menschen verändern, weil sie über einen sehr langen Zeitraum in einem Gebäude versteckt leben und eben nicht mal hinaus können. Da erlebt man eben sehr menschliches mit. Es entstehen Neid und Zank aus der Situation bzw. der Eingeengtheit. Aber auch eine kleine Liebesbeziehung zwischen Anne und nur etwas älteren Peter.
Das Buch läßt sich insgesamt sehr gut lesen, aber es ist nicht so, dass ich hier so geschockt war, wie bei anderen Büchern über Juden, die verfolgt wurden. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die acht Menschen auch dank ihrer Helfer von Außen doch noch Recht gut mit ihrer schlimmen Situation klar kamen.
Nein, das schlimmst für mich war das Nachwort. Denn es zerschlägt doch alle Hoffnungen, wenn man das Schicksal von Anna und ihrer Leidensgenossen nicht kannte. Es ist ein Ding zu wissen, dass Anna Frank in einem KZ landete. Aber es ist viel schlimmer, wenn man erst aus ihren Augen ihr Leben und das um sie herum kennenlernt. Und dann auf zwei Seiten liest, wer wie lange im KZ überlebte, wer woran verstarb und dass nur Annas Vater überlebte. Da erst habe ich heulen müssen, aber das denn genug. Haltet mich nicht für eine Heulsuse, aber so etwas realistisches finde ich doch schlimmer als Horror-Romane, bei denen man weiß, dass es nur Phantasie ist.
Der Stil des Buches ist auch ungewöhnlich. Denn es ist nur eine chronologische Sammlung aller Einträge des Mädchens und so wird auch jeder Eintrag mit einem Datum eingeleitet und oft mit einem Hallo Kitty. Denn Anna, die sich immer eine richtige Freundin wünschte, hatte in Ermangelung beschlossen, das Tagebuch als beste Freundin anzusehen und ihm daher den Namen Kitty gegeben.
Sehr gut finde ich, dass in dem Buch immer wieder Fotos der neun Personen zu sehen sind. So kann man sich einen noch genaueren Eindruck von diesen Menschen machen. Ich kann auch sagen, so wird man immer wieder damit konfrontiert, was das für Leute waren, denen hier großes Unrecht geschah...
Anne Franks Tagebucheinträge haben mich ziemlich erschüttert und betroffen gemacht. Und ich persönlich kann nur hoffen, dass die Menschen aus solchen echten Geschehnissen doch einmal lernen und es nie wieder zu so etwas kommt. Haltet mich nicht für zu optimistisch, das bin ich nicht. Denn ich sagte auch nur, dass ich es hoffe.
DATEN
Titel: Anne Frank Tagebuch
Autorin: Annelies Marie Frank, geboren im Juni 1929 und verstorben im März 1945 in Bergen-Belsen
Seiten: 316
Art: Tagebucheinträge eines jüdischen verfolgten Mädchens, Taschenbuch
ISBN-Nr. 3-596-50508-9
Preis: 6 Euro
FAZIT
Anne Franks Tagebuch sollte man gelesen haben. Denn hier wird dem Leser gezeigt, wie sich das Leben ganz normaler Menschen in Holland und Deutschland änderte, nur weil sie jüdischen Glaubens waren. Und es wird einem eben durch Tagebucheinträge eines Mädchens gezeigt, das die üblichen Teenie-Probleme hatte und auch durch ihre ach so normalen Einträge noch glaubwürdiger erscheint.
Liebe Grüße an alle Leser - Miara
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-11 22:12:04 mit dem Titel beeindruckendes Jungenschicksal (Simon von Marianne Fredriksson)
Simon ist jetzt schon der dritte Roman von Marianne Fredriksson, den ich gekauft und auch gelesen habe. Hier mein Beitrag zu diesem Buch, das das Judenthema auch mit als Hintergrund hat.
INHALT
Simon wächst als Adpotivkind des schwedischen Ehepaares Karin und Erik auf. Erik ist Schiffsbauer, sowohl er als auch seine Frau stammen aus Arbeiterfamlien. Der Junge erlebt seine Kindheit in der Nähe von Göteborg direkt da, wo der Fluss ins Meer mündet und ein Eichenwald die Landschaft prägt.
Aber Simon weiss nicht, dass er \"nur\" ein Adoptivkind ist, denn Karin und Erik haben lange Zeit nicht den Mut, es ihm zu erzählen. Ein Grund dafür ist, dass es die Zeit ist, in der Juden verfolgt wurden. Simon wird vom Zweiten Weltkrieg geprägt und seine Pflegeeltern wollen ihn vor allen Unbillen dieser Zeit schützen.
Es ist auch in dem neutralen Schweden eine sehr unsichere Zeit. Und obwohl Karin ihre ganze Liebe dem Jungen schenkt, bemerkt dieser doch die Sorgen, die seine Mutter hat. Und er bringt sich selbst auch mit diesen Sorgen in Zusammenhang. Der sensible Junge ist der Meinung, dass er schuld daran ist, dass Karin diese Sorgen hat. Und so begibt sich Simon auf die Suche danach, was wohl die Ursache ist. Dass Karin nur Angst wegen der Judenverfolgung und der Nationalsozialisten hat, das kann der Junge nicht wissen. Und so beginnt für ihn eine Reise bis hin zu den Ursprüngen...
MEINUNG
Simon ist ein ziemlich beeindruckender Roman über die Zeit des zweiten Weltkrieges und über die Zeit der Judenverfolgung, durch die auch Schweden betroffen wird. Das wird hier sehr lebhaft durch jüdische Nachbarn von Karinund Erik gezeigt. Diese helfen unter anderem verfolgte Juden nach Schweden zu bringen. Aber auch am Schicksal eines jüdischen Freundes von Simon nimmt der Leser teil. Ich war entsetzt über einige Dinge, die die Nationalsozialisten dem kleinen Jungen angetan haben, der aus Deutschland stammt. Das Judenthema zieht sich hier vom Anfang bis zum Ende des Buches durch. Selbst das Schicksal von Juden, die aus dem KZ nach dem Krieg befreit wurden, bekommt man hier gezeigt. Und das bestimmt nicht auf eine sanfte Art.
Aber Simon ist noch mehr als ein Buch über einen jüdischen Jungen. Die Autorin geht auch auf seine interessante Geschichte ein. Denn Simon ist der Sohn einer einfachen Frau aus der Nachbarschaft, die sich heimlich mit einem jüdischen Musiker an einem See traf. Aus dieser Liebe entstand dann Simon. Während der Geschichte erfährt auch Simon nach und nach, wer seine Eltern sind und was sein Vater für ein Mensch war. Denn Simon hat eine wundervolle Gabe, er hat ein angeborenes Verständnis für Musik und sieht oft mehr, als andere Menschen.
Und es geht hier wie auch in den anderen von mir gelesenen Büchern um Menschen und um ihre verschiedenen Schicksale, die ihr Handeln prägen. Es geht um die nicht immer positiven Beziehungen zwischen Simon, Karin und Erik. Die Personen, die hier geschildert werden, wirken sehr realistisch. Ich konnte mir sie bildlich ohne irgendwelche Probleme vorstellen. Die Charaktäre sind eben menschlich, das heißt, jeder hat gute und schlechte Seiten. Auf so beliebten Schwarz-Weiss Personen, die entweder gut oder böse sind wurde verzichtet. Und gerade das macht Simon zu einem Buch, das die Geschichte dieser kleinen Familie und insbesondere Simons Leben sehr gut widergibt.
Das Buch selbst gefällt mir auch äußerlich sehr gut. Positiv finde ich das Lesebändchen. Es ist ein gebundenes Buch mit Schutzumschlag. Auf dem Umschlag selbst sieht man einen kleinen Jungen im Wasser neben einem Steg, der zum Meer herausgeht. Es ist sehr gut vorstellbar, dass das auch der kleine Simon sein könnte.
Gelesen habe ich das sehr interessante 413 Seiten fassende Buch an zwei Tagen. Denn die Handlung war so geschrieben, dass ich einfach wissen wollte, wie es weiter geht.
DATEN
Titel: Simon
Autorin: Marianne Fredriksson
Art: Roman, gebundenes Buch
Seiten: 413
ISBN-Nr.: 3-8105-0635-4
Geeignet: Meiner Ansicht nach für Jugendliche und Erwachsene, insbesonderer Menschen, die sich auch für das Judenthema interessieren.
Preis: gekauft in einem Bonner Buchgeschäft für Euro 9,90
FAZIT
Simon ist ein durchweg interessantes Buch, in dem es über menschliche Beziehungen und Schicksale geht, insbesondere aber das Leben eines jüdischen Jungen, der gar nichts von seiner jüdischen Abstammung weiss.
Liebe Grüße - Miara
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-02 13:14:32 mit dem Titel Von der Liebe, von Angst und vom Zorn... (Es ist was es ist - Erich Fried)
Von der Liebe, von Angst und vom Zorn handelt das leinengebundene dünne Gedichtsbuch \"Es ist was es ist\" von Erich Fried. Viele Menschen kennen nur dieses bekannte Gedicht und denken daher auch an Liebesgedichte. Aber dieser Band bietet mehr. Was man davon hat, wenn man dieses Büchlein liest oder auch kauft, das versuche ich hier zu beschreiben.
AUSSEHEN
Ich halte das 10 mal 20 cm große Büchlein, das auch nur knapp einen cm dick ist in den Händen. Und ich kann hier nur eines sagen, es gefällt mir. Die grüne Farbe des leinengebundenen Buches ist vielleicht Geschmacksache. Aber mir gefällt, dass es in der Farbe von den anderen beiden Leinengebundenen Gedichtsbüchern abweicht. Man erkennt hier das Buch nach einer Weile auch schon an der Farbe. Auf der Vorderseite befindet sich ein Frauenkopf. Mit Locken umgeben und glücklich schauend - so als ob eine Frau auf dem Rücken liegt und nach oben schaut.
Im Buch selbst gibt es außer einem Foto von Erich Fried keinerlei Bilder. Aber die benötigt man auch hier nicht. Denn Erich Fried schreibt seine Gedichte gleichzeitig bildhaft als auch phantasiebeflügelt. Daher komme ich auch mal zum Autor selbst.
ERICH FRIED
Nie war ich über den Autor bestimmter Gedichte so erstaunt und so irritiert zugleich wie über Erich Fried. Bei der direkten Art in einigen seiner hocherotischen Gedichten würde ich nie an jemanden denken, der nicht höchstens 40 oder 50 Jahre alt ist. Denn ich kenne selbst keine älteren Leute, die so direkt manche Dinge beschreiben, gerade im sexuellen Bereich. Aber Erich Fried hat mir das Gegenteil bewiesen.
Erich Fried wurde am 06. Mai 1921 in Wien geboren und ist am 22. November 1988 in Baden-Baden verstorben. Er gilt als einer der bekanntesten deutschsprachigen Lyriker des 20. Jahrhunderts. Sein Vater wurde von der Gestapo ermordert und er selbst floh nach London. Von dort aus verhalf er seiner Mutter und auch anderen Personen zur Flucht. Ich schreibe dieses, weil es auch sehr wichtig ist um seine Gedichte zu verstehen. Denn eines seiner Themen ist die Nazi-Zeit. Viele der im Buch beschriebenen Angst- und Zorngedichte zeigen deutlich diese Zeit und auch sein Anprangern von Verhaltensweisen damals - und heute. Aber auch der kalte Krieg und die Aufrüstung waren Themen, die ihn beschäftigten und die er auch in seinen Gedichten mit aufnahm. Ausgezeichnet wurde der Autor mit dem Bremer Literaturpreis, dem Österreichischen Staatspreis und dem Georg-Büchner-Preis zuteil.
INHALT
Wie schon in meiner Einleitung ersichtlich, handelt es sich hier nicht um reine Liebesgedichte. Die Gedichte gehen hin von romantischen Liebesgedichten zu hocherotischen Gedichten, aber dann liest man wieder Gedichte über Ängste und Verarbeitung der Nazizeit oder auch Gedichte, die unsere heutige Zeit anprangern.
Teil 1 umfasst hier 35 Gedichte, die vor allen Dingen das Thema Liebe angehen. Aber alle anderen Teile - also Teile 2 bis 4 enthalten kritische Gedichte. Gedichte, die auch mich noch ansprechen, obwohl ich diese schreckliche Zeit der Unterdrückung durch die Nationalsozialisten nicht miterlebt habe. Zum Teil geht es aber auch in diesen 53 Gedichten auch um die Jetztzeit, daher werde ich eines davon hier auch veröffentlichen. Aber auch in diesen Gedichten schwingt oft die Liebe mit, manchmal traurig, manchmal hoffnungsvoll.
Einige der Gedichte kann ich als hochromantisch bezeichnen, andere sind so erotisch, dass man sie bzw. das Buch weit weg von kleineren Kindern stellen sollte. Aber in sehr vielen Gedichten kommt auch etwas über Erich Fried heraus. Denn er war ein Mensch, der lieben und leben konnte, aber der auch immer sehr kritisch war und kein Thema war ihm zu heiss, als dass er darüber kritisch ein Gedicht verfasste. Aus aktuellem Anlass nenne ich da ein Gedicht namens \"Die Bulldozer\" in dem es um die Ermordung von Palestinensern durch die Israeli geht. Und das Gedicht ist schon Jahre alt.
AUSZUG
Hier mal ein kleiner Auszug einiger sehr unterschiedlicher Gedichte:
1. ERWARTUNG
Deine ferne Stimme
ganz nahe am Telefon
und ich werde sie bald aus der Nähe
entfernter hören
weil sie dann von deinem Mund
bis zu meinen Ohren
den langen Weg nehmen muß
hindurch zwischen deinen Brüsten
über den Nabel hin
und den kleinen Hügel
deinen ganzen Körper entlang
an dem du hinabsiehst
bis hinunter zu meinem Kopf
dessen Gesicht
vergraben ist zwischen deine gehobenen Schenkel
in deine Haare
und in deinen Schoß
*
Ich kann nur hoffen, dass man mir jetzt nicht übel nimmt, so etwas erotisches hier zu nennen. Aber für mich gehört diese Erotik zu Erich Fried dazu, es ist sein Stil. Und wer sich seine Bücher kauft, sollte schon wissen, was ihn erwartet.
Jetzt zum Ausgleich ein anderes, auch wundervolles Liebesgedicht
2. An eine Nervensäge
Mit deinen Problemen
heißt es
bist du
eine Nervensäge
Ich liebe die Spitze
und Schneide
von jedem Zahn
dieser Säge
und ihr blankes Sägeblatt
und auch ihren runden Griff
*
Das ist ein Liebesgedicht nach meinem Geschmack. Aktuell, schön und doch auch so etwas, was Frau bestimmt gerne hört, mir würde es gefallen, so ein Gedicht gemacht zu bekommen.
Und jetzt auch noch einen Auszug bzw. Gedichte aus den eher düsteren Bereichen, über die Erich Fried so schreibt:
3. Aber vielleicht
Meine großen Worte
weerden mich nicht vor dem Tod schützen
und meine kleinen Worte
werden mich nicht vor dem Tod schützen
überhaupt kein Wort
wund auch nicht das Schweigen zwischen
den großen und kleinen Worten
wird mich vor dem Tod schützen
Aber vielleicht
werden einige
von diesen Worten
und vielleicht
besonders die kleineren
oder auch nur das Schweigen
zwischen den Worten
einige vor dem Tod schützen
wenn ich Tod bin.
*
Ich denke, ich brauche nicht viel zu diesem Gedicht sagen. Es gehört für mich zu seinen besten Gedichten. Denn es zeigt, wie viel Hoffnung trotz allem noch da ist. Und dass man nie aufgeben soll. Und in solchen Zeiten vielleicht nicht um sich selbst zu retten, sondern in der Hoffnung, anderen zu helfen.
4. Entenende
\"Die Enten
schlachten wir lieber
alle auf einmal\"
\"Sie fressen auch nicht mehr so
wenn eine fehlt\"
Gilt das Wort
dieses alten Bauern
auch für die Menschen?
Erklärt es vielleicht
die Planung eines Atomkrieges?
Wahrscheinlich nicht
denn Menschen
sind keine Enten.
Sie essen auch noch genau so
wenn einige fehlen
*
Übrigens habe ich in allen Gedichten die Schreibweise und auch Punktsetzung des Autors übernommen. Ist dieses Gedicht nicht schlimm? Macht es euch genauso nachdenklich wie mich über uns Menschen. Ob jetzt das Thema Atomkrieg ist oder nicht. Mich schauderts ein wenig bei dem Gedicht, trotzdem gefällt es mir. Sehr viele Gedichte von Erich Fried sind so ironisch zynisch und auch nachdenklich machend.
MEINUNG UND FAZIT
Eigenlich kann ich diesen Abschnitt hier sein lassen, denn ich habe überall meine Meinung eingebracht. Aber vielleicht doch noch meine Meinung gesamt. Das Buch ist Nichts für Menschen, die NUR Liebesgedichte lesen möchten. Es ist daher wohl auch nichts für Mensche4n, die nur kritische Gedichte lesen möchte. Aber für Menschen, die Interesse daran haben, über welche Themen Erich Fried schreibt oder die wie ich einfach nur gute Gedichte unterschiedlichster Art mögen, für solche Menschen ist das Buch etwas. Über einige Gedichte läßt sich vielleicht diskutieren. Wahrscheinlich wird auch darüber diskutiert. Aber ich les sie und erfahre hier mit auch noch etwas mehr über Erich Fried, der zu meinen Lieblingsautoren zählt. Nicht alle Gedichte sind direkt und einfach zu verstehen, aber auch das gefällt mir. Ich mag es, noch mehr zu Nachdenken in verschiedenste Richtungen angeregt zu werden..
Ich habe diesen Erich Fried durch seine Erotikgedichte kennen gelernt, seine Liebesgedichte auf Postkarten schon gesehen und auch durch das Buch \"Es ist was es ist\" vieles über ihn und seine kritische Art erfahren können. Das Buch ist zu Recht in Leinen gebunden, denn es ist etwas ganz Besonderes - ein sehr guter Auszug aus seinem Gesamtwerk.
DATEN
Titel: Es ist was es ist
Autor: Erich Fried
Seiten: 106
Art: Gedichtsbuch, in Leinen gebunden
Erhältlich: Amazon und andere Buchläden
Preis: Euro 14,50
ISBN: 3803131189
Erstausgabe: 1983
Neuausgabe: 1996 (meine Ausgabe)
Verlag: Klaus Wagenbach
Ich würde mich sehr freuen, wenn ich einen guten Überblick über dieses Büchlein und auch Erich Fried geben konnte. Und wenn ich es auch Näherbringen konnte.
Liebe Grüße - Miara
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