Erfahrungsbericht von enno59
Drei Leichen suchen einen Mörder / Ferrars, Elizabeth
Pro:
ähmm, nun ja
Kontra:
wenig spannend, geradlinige Story
Empfehlung:
Nein
Da stand ich nun vor meinem Bücherregal und wollte ein etwas leichteres, weniger anspruchsvolles Buch lesen, nicht immer egal diese Sachbücher, bei denen man sich so konzentrieren muß (und frau wahrscheinlich auch *g* ). Da sah ich in der Krimi\"abteilung\" ein schmales Bändchen, offensichtlich einmal angeschafft für Situationen genau dieser Art. Drei Leichen würden einen Mörder suchen, wollte mir das Cover dieses Buches einreden. Ob sie das auch tun? Schaun wir mal!
In einer englischen Kleinstadt – oder in einer typischen englischen Vorstadt, wer weiß das schon – wird ein etwa 80 Jahre alter Mann überfahren. Und, als ob das noch nicht reichen würde, der/die SünderIn verschwindet auf Nimmerwiedersehen in der dunklen englischen Nacht. Nun ist selbst in der (vermeintlichen) Idylle englischer Kleinstädte auch abends noch Leben, so daß diese Schandtat nicht unbeobachtet bleibt. Dennoch kommt jede Hilfe für den alten Mann zu spät. Mrs. Freer, vor deren Haus der Unfall geschieht, ist natürlich ebenfalls sofort, nachdem sie die furchtbaren Geräusche gehört hatte, auf die Straße gelaufen. Dort trifft sie, etwas später, ihren Ehemann – was an sich ja nichts ungewöhnliches wäre, wenn, ja wenn die beiden nicht schon seit einigen Jahren getrennt leben würden. Und Mr. Freer ist nun eine ganz eigene Sorte Mensch. Hochstapelei ist ihm nicht ganz fremd. Und auch sonst erweckt er nicht den Eindruck, als könne man ihm unbesehen einen Gebrauchtwagen abkaufen. Was aber Mrs. Freer einst dazu bewogen hat, diesen Mann zu heiraten und offensichtlich mehrere Jahre mit ihm zusammenzuleben, bleibt weitgehend im Dunklen.
Zurück zum Unfall. Der alte Mann hinterläßt eine ebensoalte Frau, die just zu dieser Zeit im Krankenhaus liegt. Ihre Nachbarschaft in Gestalt von Mrs. Freer kümmert sich um sie. Besser gesagt, sie sorgt dafür, daß sich eine andere Nachbarin, Mrs. Bulpitt, um Hilfe kümmert. Am Tage nach dem Unfall, einem Sonntag, sprechen die beiden hilfsbereiten Damen über die zu organisierende Hilfe – welche Mrs. Bulpitt sehr wohl organisieren kann – ist sie doch Mitglied in einer Organisation \"Hilfe in der Not\". Während dieses Gespräches wird ein Päckchen in den Briefkasten eingeworfen, das – man glaubt es kaum – einfach mal so, eintausend Pfund enthält. Mrs. Bulpitt hat keine Erklärung für diesen Vorgang. Keine sechs Stunden später ist sie tot.
An dieser Stelle ist bereits ein Drittel des Romans vorbei. Etwa 10 Seiten zuvor hatte ich ein merkwürdiges Gefühl, so ein leicht dejavu-artiges, was mich einige Seiten später erneut befiel. Konnte das sein? Konnte das wirklich sein? Hatte ich das Buch etwa schon mal gelesen, oder woher wußte ich, daß das Ehepaar Gambrell, zu deren Party am Sonntagmittag Mrs. Freer eingeladen war, eine wesentliche Rolle spielen würde? Merkwürdig. Diese Merkwürdigkeit war aber bemerkenswerter als der weitere Fortgang der Story. Diese plätschert schön geradlinig vor sich hin. Wesentliche Informationen werden dem Leser schön häppchenweise serviert – und in dem Moment, wo alle Informationen offengelegt sind, ist der erstaunte Leser auf den letzten drei Seiten angelangt. Keine großen Überraschungen bietet die Enttarnung des Mörders. Wobei noch anzumerken ist, daß der eingangs geschilderte Unfall ja kein Mord war und insofern der Titel schon mal in die Irre führt. Und überhaupt: Der Titel selbst ist nun nicht gerade eine Offenbarung. Daß es einen oder mehrere Ermordete gibt und der Täter gesucht wird, ist nicht gerade untypisch für einen Krimi. Nur daß die Leichen jetzt selber suchen sollen – naja, geht so.
Aber dies ist nicht der Autorin anzulasten – es liegt halt wieder mal an der Übersetzung. Anzulasten ist der Autorin aber schon, daß sich die Spannung im Rahmen hält. Und der Umstand, daß ich 50 Seiten lesen konnte, ohne zu merken, daß ich dieses Buch bereits gelesen hatte, spricht der nun gegen mich oder gegen die Autorin?
Ein ziemlich eindimensionaler Plot, ein niedriger Spannungsbogen, eine wenig überraschende Aufklärung der Mord- und Unfälle sind nun wirklich nicht geeignet, sich tiefer in das Gedächtnis einzugraben als bis zum Zuklappen des Buches nach der Lektüre der letzten Seite.
Insgesamt ein typischer Vertreter der englischen Kriminalliteratur a la: \"Sagen Sie nur: Mord? Nein, wie furchtbar! Was für eine Zumutung für Sie, wenn Sie jetzt von der Polizei vernommen werden müssen.\" Mord also als ein Unannehmlichkeit für die Zeugen. Dabei unterlaufen der Autorin auch noch Ungenauigkeiten der folgenden Art: \"Ich war so mit dem beschäftigt gewesen, was ich sagte, daß ich gar nicht merkte, wie Harriet Gambrells Gesichtsausdruck sich verändert hatte; nicht nur ihre Miene änderte sich, sondern ihre gesamt Körperhaltung.\" Wenn die Erzählerin die Veränderung nicht wahrgenommen hat, wie kann sie dann davon berichten? Oder erzählt hier ein Über-Ich?
Alle Beteiligten werden relativ bald in die Handlung eingeführt – also auch der Täter. Eigentlich schätze ich solche Konstruktionen ja sehr, Krimis, in denen der Täter wie ein weißes Kaninchen erst auf den letzten Seiten als handelnde Person herbeigezaubert wird, dagegen weniger. Insofern berechtigt die Einsortierung dieses Buches in die \"Reihe\" \"British Crime Classics\" sicher. Aber klassisch wird dieser Krimi sicher nie werden – eine Empfehlung meinerseits erhält er nicht.
Für alle, die sich immer noch nicht haben abschrecken lassen, hier noch die bibliographischen Angaben:
Die mir vorliegende Ausgabe ist ein Taschenbuch aus der Reihe \"British Crime Classics\", erschienen 1997.
Elizabeth Ferrars: Drei Leichen suchen einen Mörder
Taschenbuch - 179 Seiten - Scherz, München
Erscheinungsdatum: 1997
ISBN: 3502790671
Bei amazon ist sie ausverkauft, es gibt jedoch eine, der Seitenzahl nach zu urteilende, identische Neuauflage von 1999.
Taschenbuch - 179 Seiten - Scherz, München.
Erscheinungsdatum: 1999
ISBN: 3502517037
Preis: 6,60 €
In einer englischen Kleinstadt – oder in einer typischen englischen Vorstadt, wer weiß das schon – wird ein etwa 80 Jahre alter Mann überfahren. Und, als ob das noch nicht reichen würde, der/die SünderIn verschwindet auf Nimmerwiedersehen in der dunklen englischen Nacht. Nun ist selbst in der (vermeintlichen) Idylle englischer Kleinstädte auch abends noch Leben, so daß diese Schandtat nicht unbeobachtet bleibt. Dennoch kommt jede Hilfe für den alten Mann zu spät. Mrs. Freer, vor deren Haus der Unfall geschieht, ist natürlich ebenfalls sofort, nachdem sie die furchtbaren Geräusche gehört hatte, auf die Straße gelaufen. Dort trifft sie, etwas später, ihren Ehemann – was an sich ja nichts ungewöhnliches wäre, wenn, ja wenn die beiden nicht schon seit einigen Jahren getrennt leben würden. Und Mr. Freer ist nun eine ganz eigene Sorte Mensch. Hochstapelei ist ihm nicht ganz fremd. Und auch sonst erweckt er nicht den Eindruck, als könne man ihm unbesehen einen Gebrauchtwagen abkaufen. Was aber Mrs. Freer einst dazu bewogen hat, diesen Mann zu heiraten und offensichtlich mehrere Jahre mit ihm zusammenzuleben, bleibt weitgehend im Dunklen.
Zurück zum Unfall. Der alte Mann hinterläßt eine ebensoalte Frau, die just zu dieser Zeit im Krankenhaus liegt. Ihre Nachbarschaft in Gestalt von Mrs. Freer kümmert sich um sie. Besser gesagt, sie sorgt dafür, daß sich eine andere Nachbarin, Mrs. Bulpitt, um Hilfe kümmert. Am Tage nach dem Unfall, einem Sonntag, sprechen die beiden hilfsbereiten Damen über die zu organisierende Hilfe – welche Mrs. Bulpitt sehr wohl organisieren kann – ist sie doch Mitglied in einer Organisation \"Hilfe in der Not\". Während dieses Gespräches wird ein Päckchen in den Briefkasten eingeworfen, das – man glaubt es kaum – einfach mal so, eintausend Pfund enthält. Mrs. Bulpitt hat keine Erklärung für diesen Vorgang. Keine sechs Stunden später ist sie tot.
An dieser Stelle ist bereits ein Drittel des Romans vorbei. Etwa 10 Seiten zuvor hatte ich ein merkwürdiges Gefühl, so ein leicht dejavu-artiges, was mich einige Seiten später erneut befiel. Konnte das sein? Konnte das wirklich sein? Hatte ich das Buch etwa schon mal gelesen, oder woher wußte ich, daß das Ehepaar Gambrell, zu deren Party am Sonntagmittag Mrs. Freer eingeladen war, eine wesentliche Rolle spielen würde? Merkwürdig. Diese Merkwürdigkeit war aber bemerkenswerter als der weitere Fortgang der Story. Diese plätschert schön geradlinig vor sich hin. Wesentliche Informationen werden dem Leser schön häppchenweise serviert – und in dem Moment, wo alle Informationen offengelegt sind, ist der erstaunte Leser auf den letzten drei Seiten angelangt. Keine großen Überraschungen bietet die Enttarnung des Mörders. Wobei noch anzumerken ist, daß der eingangs geschilderte Unfall ja kein Mord war und insofern der Titel schon mal in die Irre führt. Und überhaupt: Der Titel selbst ist nun nicht gerade eine Offenbarung. Daß es einen oder mehrere Ermordete gibt und der Täter gesucht wird, ist nicht gerade untypisch für einen Krimi. Nur daß die Leichen jetzt selber suchen sollen – naja, geht so.
Aber dies ist nicht der Autorin anzulasten – es liegt halt wieder mal an der Übersetzung. Anzulasten ist der Autorin aber schon, daß sich die Spannung im Rahmen hält. Und der Umstand, daß ich 50 Seiten lesen konnte, ohne zu merken, daß ich dieses Buch bereits gelesen hatte, spricht der nun gegen mich oder gegen die Autorin?
Ein ziemlich eindimensionaler Plot, ein niedriger Spannungsbogen, eine wenig überraschende Aufklärung der Mord- und Unfälle sind nun wirklich nicht geeignet, sich tiefer in das Gedächtnis einzugraben als bis zum Zuklappen des Buches nach der Lektüre der letzten Seite.
Insgesamt ein typischer Vertreter der englischen Kriminalliteratur a la: \"Sagen Sie nur: Mord? Nein, wie furchtbar! Was für eine Zumutung für Sie, wenn Sie jetzt von der Polizei vernommen werden müssen.\" Mord also als ein Unannehmlichkeit für die Zeugen. Dabei unterlaufen der Autorin auch noch Ungenauigkeiten der folgenden Art: \"Ich war so mit dem beschäftigt gewesen, was ich sagte, daß ich gar nicht merkte, wie Harriet Gambrells Gesichtsausdruck sich verändert hatte; nicht nur ihre Miene änderte sich, sondern ihre gesamt Körperhaltung.\" Wenn die Erzählerin die Veränderung nicht wahrgenommen hat, wie kann sie dann davon berichten? Oder erzählt hier ein Über-Ich?
Alle Beteiligten werden relativ bald in die Handlung eingeführt – also auch der Täter. Eigentlich schätze ich solche Konstruktionen ja sehr, Krimis, in denen der Täter wie ein weißes Kaninchen erst auf den letzten Seiten als handelnde Person herbeigezaubert wird, dagegen weniger. Insofern berechtigt die Einsortierung dieses Buches in die \"Reihe\" \"British Crime Classics\" sicher. Aber klassisch wird dieser Krimi sicher nie werden – eine Empfehlung meinerseits erhält er nicht.
Für alle, die sich immer noch nicht haben abschrecken lassen, hier noch die bibliographischen Angaben:
Die mir vorliegende Ausgabe ist ein Taschenbuch aus der Reihe \"British Crime Classics\", erschienen 1997.
Elizabeth Ferrars: Drei Leichen suchen einen Mörder
Taschenbuch - 179 Seiten - Scherz, München
Erscheinungsdatum: 1997
ISBN: 3502790671
Bei amazon ist sie ausverkauft, es gibt jedoch eine, der Seitenzahl nach zu urteilende, identische Neuauflage von 1999.
Taschenbuch - 179 Seiten - Scherz, München.
Erscheinungsdatum: 1999
ISBN: 3502517037
Preis: 6,60 €
13 Bewertungen, 1 Kommentar
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04.06.2002, 18:14 Uhr von kasmodiah
Bewertung: sehr hilfreichscheint ein interessantes buch zu sein
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