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Erfahrungsbericht von eponnin

"Das Phantom von Manhattan" von Frederick Forsyth

Pro:

fällt mir wenig ein

Kontra:

unpassende Fortsetzung zu einer so schönen Geschichte

Empfehlung:

Nein

Seitdem ich "Das Phantom der Oper" von Webber das erste Mal in Hamburg gesehen habe, bin ich total von diesem Thema besessen. Ich habe die Bücher von G. Leroux und S. Kay gelesen. Ich sah mir mehrere Musicalversionen an. Ich war in der Pariser Oper, nur um das Gefühl zu haben, in den Hallen zu stehen, wo ER war. Ich sah viele schlechte Verfilmungen und zwei wunderbare: die Stummfilmversion mit Lon Chaney und einen wunderschöne, neueren Film mit Charles Dance.

Als sich meine Freundin dann ein neu entdecktes Buch kaufte mit dem Titel "Das Phantom in Manhattan" borgte ich mir dieses auch sofort aus.
Es sollte die Geschichte des Phantoms nach seinem Verschwinden aus Paris erzählen.

Wie groß war meine Vorfreude und wie bitter die Enttäuschung, als ich das Buch durchlas.

Alles beginnt mit einem Vorwort, in dem der Autor Frederick Forsyth auf das Urwerk von Leroux, die Stummfilmversion und einige weitere Projekte rund um dieses Thema eingeht. Er schildert dabei in kurzen Worten die Geschichte von Leroux:
Ein Mann mit entstelltem Gesicht spuckt als Geist durch die Pariser Oper. Dann verliebt er sich in ein Balettmädchen und gibt ihr Gesangsunterricht. Sie verehrt ihrem "Engel der Musik", doch sie liebt den Viconte de Chagny, eine schönen, jungen Adligen. Aus verschmähter Liebe heraus entführt Eric, das Phantom, die junge Christine hinunter in sein Reich am See unter der Oper. Der junge Geliebte folgt den beiden. Das Phantom steht vor der Wahl, beide aus Wut zu töten oder aus Liebe zu Christine beide gehen zu lassen. Die Liebe siegt.
Dabei läßt es sich Forsyth nicht nehmen aufzuzeigen, wie fehlerhaft und schlecht geschrieben doch das Buch von Leroux seiner Meinung nach ist.

Dann beginnt sein ... Werk:

Das Buch ist in mehrere Kapitel untergliedert, in denen verschiedene handelnde Personen Teile der Geschichte aus ihrer Sicht erzählen.

Der Verlauf in Kurzform:
Durch die Hilfe von Madame Giry, der ehemaligen Leiterin der Balettgruppe gelangt Eric (der wahre Name des Phantoms) Mühlheim (keine Ahnung, woher der Nachname kommt) nach New York, besser gesagt Coney Island in eine Kolonie von Ausgesetzten. Dort lernt er seinen späteren Handlanger, Darius kennen, der den Gott des Goldes anbetet und vollkommen skrupellos ist. Beide arbeiten sich über Gaunereien, Vergnügungsparks und später Aktiengeschäfte zu Multimillionäre hoch und wohnen bald in ihrem eigenen Wolkenkratzer in Manhattan. Eric ist der geniale Kopf und Darius derjenige, der in der Öffentlichkeit auftritt, was Eric auf Grund seiner Entstellung nicht kann.
Dann erreicht Eric ein Brief von Madame Giry, in dem sie ihm offenbart, dass Christine, die nun mit ihrem Geliebten glücklich verheiratet und zur Operndiva emporgestiegen ist, einen Sohn hat, seinen Sohn. Denn ihr Mann ist zeugungsunfähig.
Daraufhin setzt Eric alle Hebel in Bewegung, seine immer noch geliebte Christine samt Sohn nach New York zu locken. Er baut eine Oper und läßt sie mit einer selbstgeschriebenen Oper anlocken, damit sie die Hauptrolle singt.
Sie kommt wie geplant. Er arrangiert es, dass sie sich treffen und bittet darum, seinen Sohn, vielleicht die einzige Person auf der Welt, die ihn lieben wird, bei ihm, seinen Vater zu lassen. Sie will dies jedoch nicht. Der Sohn soll die Wahrheit erst später erfahren.
Nach der erfolgreichen Eröffnungsgala der Oper treffen sich Eric und Christine mit dem Sohn. Er bittet nochmals darum, seinen Sohn bei sich behalten zu dürfen. Ehemann und noch einige andere Personen erscheinen. Darius, der sein "Erbe" durch den unerwarteten Erben bedroht sieht, will diesen erschießen, trifft jedoch Christine.
Sie stirbt, verkündet aber im letzten Atemzug noch, dass Eric der Vater ist.
Vater und Sohn finden zueinander und leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Dies war nur eine grobe Zusammenfassung, denn mit 236 Seiten wird natürlich viel mehr erzählt, doch dies auf eine für mich sehr schlechte Weise.
Erst einmal finde ich die Fortsetzungsstory ansich sehr unrealistisch, es passt überhaupt nicht zu der Grundgeschichte des Phantoms. Vom ehrwürdigen Ort der Pariser Oper und dieser besonderen Magie ist nichts mehr zu spühren.
Die Personen, aus deren Sicht immer geschrieben wird, erzählen zu viel aus ihrem eigenen Leben, zu viele Nebensächlichkeiten, so dass die eigentliche Handlung zu weit in den Hintergrund rückt und nur oberflächlich bearbeitet wird. Viele Teile werden durch verschiedene Erzähler, die im Grunde nur Nebenrollen sind doppelt wiedergegeben.
Dadurch wirkt die ganze Handlung oberflächlich und verwirrend. Die vielen verschiedenen Rollen erhalten keine Tiefe. Die Geschichte ist im Ganzen sehr lahm und durchsichtig ohne einen Hauch von Spannung oder gar Romantik.

Ich war wirklich tief enttäuscht von diesem Buch. Und ich muß ehrlich zugeben, ich habe selten etwas schlechteres gelesen. Absolut nicht empfehlenswert.
Wer sich so sehr über das Werk Leroux auslässt sollte dann doch etwas anspruchvolleres fabrizieren.

Wer es trotzdem versuchen will, denn meine Meinung muß ja nun nicht jeder teilen:

Frederick Forsyth "Das Phantom von Manhattan"
ISBN: 3-570-00325-6
Preis: damals 36,90 DM

20 Bewertungen, 4 Kommentare

  • Gremlin

    19.05.2002, 18:41 Uhr von Gremlin
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wie Du gesehen hast fand ich's genauso furchtbar

  • Chris_ONeal

    11.05.2002, 03:08 Uhr von Chris_ONeal
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eine sehr hilfreiche Meinung. ][ MFG Chris ONeal ][

  • SkillNewbie

    11.05.2002, 01:12 Uhr von SkillNewbie
    Bewertung: sehr hilfreich

    Deine meinung zum Phantom teile ich voll und ganz, leider hatte ich nicht mehr das Glück die Oper zu sehen. Das Phantom von Manhatten habe ich selbst, aber noch nicht gelesen. Schade das es so schlecht seien soll.

  • woman

    11.05.2002, 00:53 Uhr von woman
    Bewertung: sehr hilfreich

    Deine Begeisterung für "Das Phantom derOper" teile ich voll und ganz. Schade, dass Du dann von den späteren Buch so enttäuscht warst. Liebe Grüße und ein schönes Wochenende, Vera