Erfahrungsbericht von suppengirl
Helen Fielding: Bridget Jones - Sind wir nicht alle ein bisschen Bridget?
Pro:
locker flockig geschrieben, auch im Original leicht verständlich
Kontra:
Suchtfaktor...
Empfehlung:
Nein
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Als ich also im April in Irland verweilte, schaute ich mir im Kino den Kassenschlager "Bridget Jones´s Diary" an. Meiner Begeisterung für den Film habe ich ja schon zur Genüge an anderer Stelle Ausdruck verliehen. Jedenfalls verleitete mich diese Begeisterung mal wieder dazu ein englisches Buch käuflich zu erwerben. Dazu muss man wissen, dass mein Bücherregal von englischen Schmökern nur so wimmelt. Das beeindruckt Besucher ungemein, aber bei Nachfragen wird's peinlich, denn gelesen habe ich die wenigsten davon. Es spricht von daher schon enrom für die Klasse dieses Werkes, dass ich es innerhalb weniger Tage verschlungen habe.
Die Autorin:
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Helen Fielding, die heute in London lebt, wurde in Yorkshire geboren. Sie arbeitete lange Zeit als Journalistin für verschiedene überregionale Zeitungen und für die BBC. Für den Fernsehsender berichtete sie unter anderem über die Aktivitäten der Hilfsorganisation "Comic Relief", für die sie übrigens vor Kurzem ein weiteres kurzes Büchlein der Protagonistin Bridget Jones veröffentlichte.
Ihr hoch gelobter Debütroman war "Hummer zum Dinner" und mit "Schokolade zum Frühstück: Das Tagebuch der Bridget Jones", das in England das Buch des Jahres 1997 war, stieg sie endgültig zur Kultautorin auf. Die Fortsetzung "Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns" setzte Helen Fieldings Erfolg fort und war/ist in Großbritannien ein von Lesern und Kritikern gefeierter Kassenschlager.
Inhalt:
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Bridget Jones ist Anfang 30, sie lebt in London und sie ist Single. Sie versucht alles, um diesen Zustand zu ändern. Sie gerät in verschiedene amouröse Verwicklungen, die natürlich den zentralen Punkt ihres Lebens darstellen, um den herum alles andere geplant wird.
Mehr braucht man über die Haupthandlung auch gar nicht zu verraten, denn bei "Bridget Jones´s Diary" handelt es sich um eines der Bücher, bei denen nicht das WAS, sondern das WIE im Vordergrund steht. Auch die diversen begleitenden Nebenhandlungen - z.B. die Geschichte von Bridgets Mutter oder die Liebesprobleme ihrer Freunde - bilden lediglich einen Rahmen für das zentrale Thema: Bridgets Seelenleben.
"Analyse" (*harrharr* wie in der Schule!):
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"Bridget Jones´s Diary" ist - wie schon der englische Titel vermuten lässt - in Tagebuchform verfasst. Dabei besticht Helen Fielding nicht nur durch einen besonderen Witz, sondern vor allem auch durch eine unwahrscheinliche Liebe zum Detail, die Bridget so lebendig werden lässt, dass man am Ende wahrlich mein, dass man sie schon seit Jahren kennt.
Aufbau:
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Tja, wie ist wohl ein Tagebuch aufgebaut? Über den Zeitraum eines Jahres finden sich mehr oder weniger regelmäßige Einträge. Manchmal packt Bridget regelrecht die Schreibwut und sie verfasst täglich mehrere Seiten, gibt Telefonate mit Freunden und Eltern wieder und beschreibt detailliert ihren Tagesablauf. Manchmal aber schreibt sie tagelang gar nichts oder nur bruchstückhaft, so dass es der Phantasie des Lesers überlassen bleibt die Lücken zu füllen.
Beinahe jeder Eintrag beginnt mit einer Auflistung verschiedener Statistiken. Dabei gibt es immer wieder kehrende wichte Daten aus dem Leben einer (jeden) Frau (Gewicht, verzehrte Kalorien, gerauchte Zigaretten), aber auch ganz typische "Bridget-Daten", wie etwa die Anzahl der gekauften Brieflose (denn Bridget ist Brieflos-Junkie), die Menge der erhaltenen Weihnachtsgeschenke und die Menge der erhaltenen Weihnachtsgeschenke, mit denen man etwas anfangen kann (nämlich 0), die Dauer der Phantasien über Daniel Cleaver (ihr Chef und Objekt ihrer Begierde), die Menge der positiven bzw. negativen Gedanken eines Tages und und und... Versehen sind diese "Statistiken" häufig mit emotionalen Kommentaren wie etwa "Yessssss, yesssss", "Hurrah!" oder "Why? Why?, "Very poor". Ich weiß leider nicht, wie die einzelnen Floskeln ins Deutsche übersetzt wurden, aber das ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich wurscht. Meist dienen die Aufzählungen dazu mitzuverfolgen, wie sich Bridgets zahlreiche Vorsätze, die sie traditionell am Neujahrstag aufgestellt hat, entwickelt haben. Und leider ändert sich doch im Endeffekt trotz zwischenzeitlicher Erfolge nichts an all ihren schlechten Angewohnheiten.
Bridgets Sprache:
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An dieser Stelle würde mich aber nun doch interessieren, wie sich die deutschen Übersetzer bei verschiedenen Bridget-Vokabeln aus der Affäre gezogen haben. Bridget neigt dazu alle Bekannten in Kategorien einzuteilen und zwar natürlich bezüglich ihres Verhaltens in Liebes- und Beziehungsdingen. Sie selbst ist ein "Singleton", sie hat aber auch verheiratete Freunde, die sie als "Smug Marrieds" bezeichnet. Männer, die sich - sagen wir mal - Frauen gegenüber nicht besonders nett verhalten, sind "Fuckwits". Der letzte Ausdruck ist der, bei dem ich am erpichtesten darauf bin zu erfahren, wie man ihn übersetzen könnte, denn mir selbst ist noch kein annähernd passender deutscher Ausdruck eingefallen. Also ihr Leser, die ihr den übersetzten Roman gelesen habt: Seid doch so nett und hinterlasst mir einen Kommentar mit des Rätsels Lösung!
Überhaupt ist Bridgets Sprache so lebendig, als würde es sie wirklich geben. Auf einfache Art drückt Helen Fielding doch so viel aus, denn man kann immer noch das ein oder andere zwischen dein Zeilen heraus lesen. Jeder, der schon einmal Tagebuch geschrieben hat, weiß, dass man sogar in diesen höchst privaten Zeilen dazu neigt, sich selbst ein bisschen zu belügen. Das tut auch Bridget und doch merkt der Leser, was sie wirklich fühlt.
Die anderen Charaktere:
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Klar, dass in einem Tagebuch vor allem die Person beleuchtet wird, die dieses verfasst. Trotzdem lernt der Leser noch eine Vielzahl anderer Personen kennen und zum Teil auch lieben (ein Aspekt, der bei der Verfilmung leider etwas verloren ging).
Da sind zum Beispiel Bridgets typisch britische Eltern. Zu ihrem Vater hat Bridget ein ausgesprochen gutes Verhältnis, bei ihrer Mutter ist das etwas komplizierter, denn sie versucht sich ständig in ihr Leben einzumischen und sie mit diversen Söhnen diverser befreundeter Familien zu verkuppeln. Noch komplizierter wird das Verhältnis, als ihre Mutter etwas verspätet in eine Midlife Crisis verfällt und ihr Leben vollkommen umkrempelt. Zum einen ist Bridget verstört darüber, dass ein fester Bestandteil ihres Daseins sich plötzlich in Luft aufzulösen droht, zum anderen ist sie ein wenig neidisch darauf, wie ihre Mutter trotz ihres Alters aufblüht und völlig neue Bahnen einschlägt. Etwas, das Bridget selbst einfach nicht schafft.
Und dann sind da Bridgets Freunde, die hysterische Jude, die aufgedrehte Sharon "Shazzer" und der schwule Tom. Sie alle haben mit der Protagonistin das Schicksal des unerfüllten Liebeslebens gemein, auch wenn sich das bei jedem Einzelnen etwas anders zeigt. Wenn sie Probleme haben, dann ist es stets Bridget, der sie ihr Herz ausschütten und die ihnen Ratschläge gibt so gut sie kann. Und das, obwohl sie auf dem Gebiet "glückliche Beziehung" nicht gerade eine Expertin ist.
Und dann sind da natülich noch die Männer in Bridgets Leben. Daniel Cleaver, ihr Boss und ein echter Frauentyp, auf den sie schon lange ein Auge geworfen hat, und Mark Darcy, ein erfolgreicher und seriöser Anwalt, mit dem Bridgets Mutter sie verkuppeln will. Mehr will ich zu den beiden aber nicht verraten. ;-)
Fazit:
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"Schokolade zum Frühstück" ist ein Buch, dass man auf einen Rutsch durchliest. Es ist ungeheuer amüsant und kurzweilig geschrieben. Ich bin bei Filmen und Büchern ja eher ein introvertierter Lacher, das heißt ich schmunzle höchstens mal in mich hinein, es sei denn, ich begegne einem Mega-Gag. Bei diesem Buch saß ich so manches Mal da und musste es kurz zur Seite legen, um meinen Lachanfall auszukosten. Dabei werden keine Schenkelklopf-Anektdoten zum Besten gegeben, statt dessen sind es manchmal einzelne Sätze oder Floskeln, die einem das Zwerchfell erbeben lassen. Die Story ist vollkommen unspektakulär, die Spannung hält sich eigentlich in Grenzen, trotzdem legt man das Buch - einmal angefangen - nur noch widerwillig zur Seite.
Einziger Minuspunkt ist der Schluss der Story. Helen Fielding hatte wohl das Gefühl, noch etwas mehr Spannung in ihre Geschichte bringen zu müssen, und hat ein etwas haarsträubendes Highlight einer Nebenhandlung eingebaut. Aber naja, ob der vielen wunderbaren Seiten sei ihr das verziehen.
Derzeit lese ich die Fortsetzung "The Edge of Reason" und mir graut schon so vor dem Zeitpunkt, an dem Bridget wieder aus meinem Leben verschwinden wird, dass ich mich dazu zwingen zwischendurch mal ein anderes Buch zu lesen, so dass der Abschied sich noch etwas hinaus zögert...
Bridget, ich werde dich vermissen!!!
50 Bewertungen, 7 Kommentare
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18.10.2002, 13:08 Uhr von matzullas
Bewertung: sehr hilfreichich fand den film fad :-(
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25.08.2002, 20:41 Uhr von PinkElephant
Bewertung: sehr hilfreicheine interessante Story, finde ich :-)
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19.08.2002, 14:43 Uhr von jolinden
Bewertung: sehr hilfreichich war auch mal Anfang 30 und hab alles versucht diesen Zustand zu ändern. Leider gelang es mir, nur in der falschen Richtung
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06.08.2002, 17:25 Uhr von 2nd_Starlight
Bewertung: sehr hilfreichichhab den Film gesehen..echt zum Lachen, aber das Buch steht bei uns auch im Regal das werd ich mir noch zu Geüte führen...
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26.07.2002, 15:19 Uhr von Araxas
Bewertung: sehr hilfreichFuckwits wurde mit Flachwichser übersetzt, ich finde das Wort ist gar nicht mal so schlecht. Gruß Frank.
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10.04.2002, 23:22 Uhr von seifertandreas
Bewertung: sehr hilfreichSuper geschrieben.
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10.04.2002, 22:56 Uhr von Paketmarke
Bewertung: sehr hilfreichSehr gut gegliedert und aufgebaut, dies läßt sich vom Betrachter gut lesen. Interessante Meinung zu einem Thema das mir bis jetzt fremd war.
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