Erfahrungsbericht von Raileigh
Fry, Stephen - Der Sterne Tennisbälle
Pro:
Hervorragend adaptierter Stoff
Kontra:
keins
Empfehlung:
Nein
"Ned ist nicht nett" leitete eine große deutsche Tageszeitung einen Bericht über Stephen Fry und seinen neuen Roman "Der Sterne Tennisbälle" ein. Und treffender kann man einen Abriss über das Buch auch nicht beginnen.
Stephen Fry, Dandy, bemerkenswerter Schauspieler und Literat und bekennender Homosexueller, schnöseliger Intellektueller, also kurz, die Reinkarnation von Oscar Wilde adaptiert die Geschichte vom Grafen von Monte Christo in die Zeit der digitalen Kommunikationshysterie.
"Wenn es einen wirklichen Sinn für all die Erfindungen des digitalen Zeitalters gibt, dann den, dass man heute noch schneller und wirksamer Klatschen und Tratschen kann." So lässt Fry einen seiner Figuren sagen. Und dieser Tratsch, die Nachrichten, ob wahr oder unwahr, die verbreitet werden, sind schließlich dafür verantwortlich, ob Börsenkurse steigen oder fallen, sorgen für Ansehen und Ehre, Aufstieg und Fall von Menschen und manchmal auch über deren Tod.
Doch dazu später.
Ned Maddstone ist zumindest am Anfang ein Pfundskerl. Er ist schlau, schön, höflich und bescheiden und der unangefochtene Liebling aller in seiner Schule. Er hat eine hübsche Freundin und sein Vater ist Abgeordneter der Torys im Unterhaus. Zuneigung ist der Zustand, in den er hineingeboren wurde.
Doch solche Konzentration von Eigenschaften eines hervorragenden Menschen schafft auch Neider. Drei Jungs, ein schmieriger Emporkömmling, der gern ein echter englischer Gentlemen wäre, obwohl ihm die Voraussetzungen fehlen, sein Freund, ein kiffender Fettwanst und der Cousin der Freundin von Ned Maddstone, ein junger Mann, der viel für die junge Lady übrig hat, wollen Ned einen Streich spielen, der seinem Ansehen und seiner Beliebtheit schadet. Sie stecken ihm eine Tüte Koks in die Jackentasche und telefonieren mit der Polizei.
Ned wird auf der Straßen von Drogenfahndern aufgegriffen und aufs Revier geschleppt. Er weiß nicht, was passiert. Im Gegensatz zu den drei Verschwörern, die in einer Haustür stehen und alles schadenfroh beobachten. Was sie nicht wissen und was auch für Ned bis zu diesem Zeitpunkt keine Bedeutung hat, aber eine unglaubliche Bedeutung erlangen wird, ist ein Briefumschlag in seiner Jacke. Den hat er auf einer Tags zuvor beendeten Segeltörn vor der schottischen Küste vom Skipper bekommen, mit der Bitte ihn in London zuzustellen. Natürlich schaut sich die Polizei den Brief an und wird ganz komisch. Der dazugezogene Beamte des Staatsschutzes erkennt darin eine Liste mit möglichen Attentatszielen der IRA. Da der Beamte steckt in der Klemme, da ihn der Brief auch in persönliche Bedrängnis bringt, vor allem der Empfängeradresse wegen. Er lässt Ned in eine geschlossene Anstalt auf einer Insel einweisen und hofft, so ein Problem weniger zu haben.
Jahre vergehen, in den man versucht, Ned seine bisherige Identität auszureden. Keine Bücher, keine Stifte, kein Papier, keine Chance, seine hohe Bildung auf dem Laufenden zu halten. Als man ihn schon beinahe soweit hat, dass er zu einem geistigen Wrack verfällt, kommt die neue Anstaltsleitung auf die Idee, ihn mit einem anderen, völlig aus der Welt getretenen Mann zusammen zubringen. Babe, so nennt man ihn, spielt den ganzen Tag über Schach und brabbelt. Während einer Schachpartie brabbelt er in perfektem Englisch und gibt zu erkennen, dass er keineswegs der blöde Brabbelkopf ist, für den ihn die Wärter halten. Langsam baut er Ned wieder auf, bis dieser wieder geistig beweglich genug ist. Eines Tages stirbt Babe, nicht ohne auf seinem Sterbebett Ned einen perfekten Fluchtplan zu offerieren.
Wie im Grafen Monte Christo ist es auch hier der Sarg, mit dem Ned sich von der Gefängnisinsel herausschleusen lässt.
Die Welt ist eine andere geworden, seit Ned vor Jahren aus dem Leben verschwand. nun, wo er wiederkehrt ist der erste Gegenstand über den er stolpert ein Handy. Mobil telefonieren ist etwas ganz Neues. Doch er lernt schnell die Mechanismen einer Elektronikabhängigen Welt zu durchschauen und macht sie sich zu Nutze. Sie werden zu seinem Mittel in einem gnadenlosen Rachefeldzug gegen all jene, die für die Verschwörung gegen ihn verantwortlich sind. Und die Art, wie er das tut ist alles andere als nett.
Das man nur "Der Sterne Tennisbälle" ist, sein Leben von heute auf morgen ein anderes sein kann, je nach Lust und Laune, mit der das Schicksal die Bälle aufspielt, mit dieser Weisheit will sich Ned nicht anfreunden.
Stephen Fry erweist sich einmal mehr als hervorragender Erzähler.
Dieses Buch ist unbedingt lesenswert.
Stephen Fry, Dandy, bemerkenswerter Schauspieler und Literat und bekennender Homosexueller, schnöseliger Intellektueller, also kurz, die Reinkarnation von Oscar Wilde adaptiert die Geschichte vom Grafen von Monte Christo in die Zeit der digitalen Kommunikationshysterie.
"Wenn es einen wirklichen Sinn für all die Erfindungen des digitalen Zeitalters gibt, dann den, dass man heute noch schneller und wirksamer Klatschen und Tratschen kann." So lässt Fry einen seiner Figuren sagen. Und dieser Tratsch, die Nachrichten, ob wahr oder unwahr, die verbreitet werden, sind schließlich dafür verantwortlich, ob Börsenkurse steigen oder fallen, sorgen für Ansehen und Ehre, Aufstieg und Fall von Menschen und manchmal auch über deren Tod.
Doch dazu später.
Ned Maddstone ist zumindest am Anfang ein Pfundskerl. Er ist schlau, schön, höflich und bescheiden und der unangefochtene Liebling aller in seiner Schule. Er hat eine hübsche Freundin und sein Vater ist Abgeordneter der Torys im Unterhaus. Zuneigung ist der Zustand, in den er hineingeboren wurde.
Doch solche Konzentration von Eigenschaften eines hervorragenden Menschen schafft auch Neider. Drei Jungs, ein schmieriger Emporkömmling, der gern ein echter englischer Gentlemen wäre, obwohl ihm die Voraussetzungen fehlen, sein Freund, ein kiffender Fettwanst und der Cousin der Freundin von Ned Maddstone, ein junger Mann, der viel für die junge Lady übrig hat, wollen Ned einen Streich spielen, der seinem Ansehen und seiner Beliebtheit schadet. Sie stecken ihm eine Tüte Koks in die Jackentasche und telefonieren mit der Polizei.
Ned wird auf der Straßen von Drogenfahndern aufgegriffen und aufs Revier geschleppt. Er weiß nicht, was passiert. Im Gegensatz zu den drei Verschwörern, die in einer Haustür stehen und alles schadenfroh beobachten. Was sie nicht wissen und was auch für Ned bis zu diesem Zeitpunkt keine Bedeutung hat, aber eine unglaubliche Bedeutung erlangen wird, ist ein Briefumschlag in seiner Jacke. Den hat er auf einer Tags zuvor beendeten Segeltörn vor der schottischen Küste vom Skipper bekommen, mit der Bitte ihn in London zuzustellen. Natürlich schaut sich die Polizei den Brief an und wird ganz komisch. Der dazugezogene Beamte des Staatsschutzes erkennt darin eine Liste mit möglichen Attentatszielen der IRA. Da der Beamte steckt in der Klemme, da ihn der Brief auch in persönliche Bedrängnis bringt, vor allem der Empfängeradresse wegen. Er lässt Ned in eine geschlossene Anstalt auf einer Insel einweisen und hofft, so ein Problem weniger zu haben.
Jahre vergehen, in den man versucht, Ned seine bisherige Identität auszureden. Keine Bücher, keine Stifte, kein Papier, keine Chance, seine hohe Bildung auf dem Laufenden zu halten. Als man ihn schon beinahe soweit hat, dass er zu einem geistigen Wrack verfällt, kommt die neue Anstaltsleitung auf die Idee, ihn mit einem anderen, völlig aus der Welt getretenen Mann zusammen zubringen. Babe, so nennt man ihn, spielt den ganzen Tag über Schach und brabbelt. Während einer Schachpartie brabbelt er in perfektem Englisch und gibt zu erkennen, dass er keineswegs der blöde Brabbelkopf ist, für den ihn die Wärter halten. Langsam baut er Ned wieder auf, bis dieser wieder geistig beweglich genug ist. Eines Tages stirbt Babe, nicht ohne auf seinem Sterbebett Ned einen perfekten Fluchtplan zu offerieren.
Wie im Grafen Monte Christo ist es auch hier der Sarg, mit dem Ned sich von der Gefängnisinsel herausschleusen lässt.
Die Welt ist eine andere geworden, seit Ned vor Jahren aus dem Leben verschwand. nun, wo er wiederkehrt ist der erste Gegenstand über den er stolpert ein Handy. Mobil telefonieren ist etwas ganz Neues. Doch er lernt schnell die Mechanismen einer Elektronikabhängigen Welt zu durchschauen und macht sie sich zu Nutze. Sie werden zu seinem Mittel in einem gnadenlosen Rachefeldzug gegen all jene, die für die Verschwörung gegen ihn verantwortlich sind. Und die Art, wie er das tut ist alles andere als nett.
Das man nur "Der Sterne Tennisbälle" ist, sein Leben von heute auf morgen ein anderes sein kann, je nach Lust und Laune, mit der das Schicksal die Bälle aufspielt, mit dieser Weisheit will sich Ned nicht anfreunden.
Stephen Fry erweist sich einmal mehr als hervorragender Erzähler.
Dieses Buch ist unbedingt lesenswert.
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