Erfahrungsbericht von Hexe1962
Kübler, Roland / Die Mondsteinmärchen
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
. . . und Märchen können doch die Welt verändern
Alles ändert sich nach und nach und so werden heutzutage auch Märchen anders geschrieben als früher. Die heutigen Märchen (für Erwachsene) sollen dazu dienen, wieder zu sich selbst zu finden. Und eines der wohl schönsten Märchenbücher dieser Art ist das Buch „Die Mondsteinmärchen“ von Roland Kübler.
*** Das Buch ***
Das Buch ist in sieben Kapitel aufgeteilt. Wobei hier das erste, dritte, fünfte und siebte Kapitel die Rahmenhandlung des Buches darstellen. Es geht hier um einen sehr alten Märchenerzähler namens Oyano, der in Begleitung seiner Schülerin Gwen in seine Heimatstadt zurückkehrt um dort die letzten Jahre seines Lebens zu verbringen. Doch die Stadt hat sich verändert, ist beherrscht von Angst, Misstrauen und einem König der sich selbst zum Herrscher ernannt hat. Dieser König ist voller Neid und Raffgier und gerade dabei eine Armee zu rekrutieren, um eine andre Stadt anzugreifen. Nachdem Oyano das erste Märchen erzählt, werden die ersten Bürger dieser Stadt nachdenklich und viele lassen sich nicht rekrutieren. So wird schließlich Gwen gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Ob es dazu kommt, solltet ihr selbst feststellen.
Die Kapitel wo es um diese Grundgeschichte des Buches geht heißen:
Der Märchenstand
Der Mondstein
Die Verurteilung
Die Macht der Märchen
Nun etwas mehr zu den drei Märchen die Oyano während der Handlung in dem Buch erzählt.
Die Krone der Welt
Hier geht es um zwei verfeindete Königreiche. Im Land der aufgehenden Sonne herrscht König Urs und im Land der untergehenden Sonne herrscht König Aars. Die beiden Namen der Könige sind nicht umsonst so ähnlich, stellt sich doch im Laufe der Geschichte heraus, dass es Brüder sind. Hass und Feindschaft verbindet die beiden Königreiche miteinander. Nach und nach erfährt man, wie es zu diesem Hass gekommen ist und es wird auf eine bezaubernde Art geschildert, wie Kinder der beiden Königreiche sich auf den Weg machen, dies alles zu ändern.
Der Drache des Schreckens
Hier geht es um eine Stadt, wo einst alle glücklich waren bis die Ritter der Angst in das Land eingefallen sind. Jedes Jahr holen sie zehn junge, kräftige Männer die mit Waffen, Rüstungen und Pferden ausgerüstet sein müssen, ab. Lange weiß niemand, wohin diese Männer gebracht werden.
Eines Tages jedoch fliehen kurz vor dem Tag der Abholung drei junge Männer und folgen den Rittern der Angst und ihren Geiseln. Sie stellen fest, dass aus vielen Städten jeweils zehn junge Männer abgeholt werden.
Nach tagelanger Verfolgung, als es wieder einmal Zeit für eine Rast wurde, lagern die drei Männer in einem Wald welcher von den Rittern gemieden wird.
Der Rest des Märchens beschreibt wie die drei Männer mit Hilfe von drei ganz besonderen Schwestern den richtigen Weg finden, um der Angst ein Ende zu machen.
Die Blüte des Lebens
Der Held dieser Geschichte heißt Dalan und er wurde von dem bösen Magier Lutrowa mit einem Bann belegt. Der Magier ist alt und hofft mit Dalans Hilfe eine Blüte aus dem See des Lebens zu bekommen. Das Märchen schildert nun den Weg Dalans, seinen Kampf mit sich selbst und dem Sieg des Gutens über das Böse. Es ist ein harter Weg mit vielen Prüfungen, aber auch mit Hilfe und er wird sehr spannend beschrieben.
*** Fakten zum Buch ***
Das Buch wurde 1993 mit dem Deutschen Märchenpreis ausgezeichnet. Die erste Auflage erschien im September 1988 im Stendel Verlag. Vor mir liegt die achte Auflage, erschienen im Februar 1992. Leider weiß ich nicht, wie viele Auflagen es mittlerweile gibt. Die ISB N ist 3-926789-02-6 und das Buch kostete damals DM 14,50. Es ist zwar ein Taschenbuch aber von der Aufmachung her schon etwas Besonderes. Der Buchrücken ist gebunden und dem Buch lag ein Lesezeichen mit einem kleinen Mondstein bei. Die wunderschönen Illustrationen in dem Buch sind von Claudia Layer und Manfred Häusler.
*** Zum Autor ***
Roland Kübler ist einer der besten Märchenbuchschreiber in der zeitgemäßen Literatur. Er ist auch der Mitherausgeber und Autor der Märchenbestseller „Die Farben der Wirklichkeit“ und „Wie viele Farben hat die Sehnsucht“. Zwei Bücher, die ich nur jedem empfehlen kann.
*** Fazit ***
Ein wunderschönes Märchenbuch für Erwachsene, aber auch für Kinder. Ein Buch für diejenigen, die nicht nur eine Geschichte lesen wollen.
*** Meine Meinung ***
Ich habe es schön öfters mal geschrieben. Gerade in Märchen findet man Botschaften und Wahrheiten. Man muss nur genau hinschauen. Und gerade in den Märchen von Roland Kübler kann man sich immer wieder finden, wenn man dazu bereit ist.
Es ist schwer, sie zu lesen und nicht ins Nachdenken zu kommen.
Die knallharten Realisten und Zyniker werden vielleicht spotten und diese Geschichten als Gutmenschentum abtun. (Den Ausdruck habe ich mir ausgeliehen, der ist nicht von mir.)
Aber was ist denn so schlimm daran, wenn wenigstens versucht wird Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es nur miteinander geht und nicht gegeneinander? Dass Hass, Neid und Raffgier auf die Dauer nur schadet?
Ich finde nichts Schlimmes daran und darum werde ich solche Bücher immer wieder lesen und auch verschenken.
Ich kann nur sagen, kauft Euch dieses Buch. Schenkt es Euch selbst zu Weihnachten, Ihr werdet es nicht bereuen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-30 20:14:52 mit dem Titel Pfennig Jörn, Hand aufs Hirn
Es ist nun schon eine Weile her, dass ich über ein Buch von Jörn Pfennig geschrieben habe. Obwohl es nicht unbedingt leicht ist einen Gedichtband zu beschreiben, nehme ich mir nun den anderen Band von ihm „Hand aufs Hirn“ vor. Ich werde auch ein paar Beispielstexte bringen und dann immer gleich meine Meinung und Fazit dazu schreiben und nicht wie gewohnt zu Ende des Beitrages. (Dies ist nur ein Hinweis für die Scroller)
*** Fakten zum Buch ***
Vor mir liegt ein kleines Taschenbuch in blassblauem Einband. Auf der Vorderseite findet man außer dem Namen des Autors, den Buchtitel, den Verlagsnamen und dem Wort „Gedichte“ ein viereckiges, abstraktes Bild. Auf der Rückseite findet man ein Gedicht und eine Kritik (leider steht nicht dabei, von wem), sowie ISBN 3-453-08273-7, den Preis (damals DM 9,90) und die Nummer beim Heyne Verlag (Best.-Nr. 01/9447). Ich selbst habe das Buch für DM 2,99 gekauft.
Ich hab für Euch auch etwas recherchiert. Wenn Ihr das Buch kaufen wollt, bekommt Ihr es bei Amazon gebraucht für 0,90 Euro, allerdings vom Goldmann Verlag (aber das ist ja wohl egal). Das Buch welches ist vorliegen habe, gibt es derzeit gebraucht ab 2,99 Euro. Die gebundene Ausgabe gibt es gebraucht ab 4,00 Euro.
Im Buch findet man 79 Gedichte und den Epilog. Natürlich auch die übliche Beschreibung, Infos über den Autor, ein Bild von ihm, Inhaltsverzeichnis und Werbung für ein weiteres Buch von ihm. Die Texte findet man auf insgesamt 92 Seiten.
*** Das Buch ***
Die Texte in diesem Buch sind ehrlich und kritisch und treffen ziemlich oft den Punkt. Hier nun ein erstes Beispiel:
Mein Gott!
Erdbeben in China
280000 Tote.
Na, da bleiben ja
Noch genug übrig!
Fähre vor den Philippinen
Gesunken
480 Tote.
Viel zu vollgestopft
diese Dinger!
Bus in den Anden
200 Meter abgestürzt
85 Tote.
Donnerwetter
200 Meter!
In der Lohengrinstraße
trächtige Dackelhündin
überfahren –
mein Gott!
Nicht unbedingt angenehm, nicht wahr? Nicht realistisch? DOCH, behaupte ich.
Was will der Autor damit sagen? Nun hier kann ich letztendlich nur meine ureigenste Interpretation aufschreiben. Sollte der aufmerksame Leser den Text anders interpretieren, wäre ich dankbar für einen Kommentar.
Im Grunde genommen lese ich aus diesem Text zwei Botschaften heraus. Die erste Botschaft wäre für mich das leider typische Verhalten der Menschen auf schlimme Nachrichten. Solange diese Nachrichten weit genug weg sind und uns nicht persönlich treffen, können sie noch so schlimm sein und sie treffen uns nicht wirklich. Klar, gibt es Ausnahmen. Aber so wie ich es dem Autor unterstelle, spreche auch ich hier von der Regel und nicht von der Ausnahme. Betrifft uns ein Vorfall selbst, oder findet er in unser Nähe statt sind wir schon betroffener, selbst wenn es im Verhältnis um ein wesentlich geringfügigeres Leid geht. Wobei ich hier nicht sagen möchte, dass der Tod einer Hündin geringfügig ist. Nur im Vergleich zum Tod von 280000 Menschen ist er es schon irgendwie.
Die zweite Botschaft richtet sich an die überzogenen Tierschützer. Das sind die, welche für ein Tier alles aber für Menschen nichts tun würden. Zum Glück gibt es davon nicht so viele.
Fazit: Ein ehrlicher und zynischer Text, welcher es voll auf den Punkt trifft.
Alptraum
Eines Nachts
kurz vor der Urlaubsreise
wachte er auf
aus einem Alptraum
schweißgebadet.
Er rüttelte seine Frau
und fragte sie:
Meinst du
dass es das gibt
- eine Negerin
als Flugkapitän?
Fast noch krasser als der erste Text, zumindest für mich als Frau. Was sind das für Männer, die Frauen in angeblichen Männerberufen jegliche Kompetenz absprechen? Meines Erachtens schwache Männer. Und somit ist Jörn Pfennig als Autor dieses Textes für mich ein starker Mann. Hätte er sonst diesen Text geschrieben?
Noch schlimmer ist jedoch das zweite Vorurteil, welches man in dem Text findet. Das Vorurteil gegenüber Ausländern. Typisch deutsch sage ich da nur. In jedes andere Land fahren, sich aufführen wie Gott in Frankreich aber Vorurteile gegenüber einer anderen Rasse haben.
Zur Nachahmung
Ein Mensch
fiel
aus der Rolle.
Anstatt
sich das Genick
zu brechen
landete er weich
im Eigentlichen.
Damit es nicht noch zynischer wird, musste ich jetzt auch diesen Text als Beispiel bringen. Für mich ist er ein Plädoyer an die Natürlichkeit. Leider ist heutzutage fast jeder Mensch gezwungen, irgendeine Rolle zu spielen. Man könnte ja sonst zu arg verletzt werden, wenn man sich so sensibel zeigt wie man wirklich ist. Und so ist es ganz natürlich, dass man sich irgendwann selbst nicht mehr so richtig kennt. Lasst uns doch unsere Masken ablegen und darauf spekulieren: Wenn alle ihre Masken ablegen, ist jeder verletzlich. Und weil niemand verletzt werden möchte, wird er auch den anderen nicht verletzen. Ich fürchte, eine Utopie. Aber man darf ja noch träumen, oder?
*** Zum Autor ***
Jörn Pfennig ist 1944 geboren, seine Jugend verbrachte er in Tübingen, 1964 zog er nach München. Ob er sich dort noch aufhält entzieht sich meiner Kenntnis. Er studierte Theaterwissenschaft. Seit 1979 veröffentlich er Bücher.
*** noch ein paar Worte zum Abschluss ***
Wie immer bei Gedichten bei Lyrik mag man sich über die Qualität streiten. Und wie immer bei solchen Bänden wird dem Leser wohl nie jedes Gedicht, jeder Text gleich gut gefallen. Mir ist es wichtig, dass der Text eine Aussage und mindestens eine Botschaft hat. Und die Texte von Jörn Pfennig haben dies auf jeden Fall.
Wie vielfältig er ist zeigt sich darin, dass dieser Band im Gegensatz zu „Grundlos zärtlich“ vollkommen andere Texte hat.
Ich kann seine Bücher an Freunde der modernen Lyrik nur weiter empfehlen.
Alles ändert sich nach und nach und so werden heutzutage auch Märchen anders geschrieben als früher. Die heutigen Märchen (für Erwachsene) sollen dazu dienen, wieder zu sich selbst zu finden. Und eines der wohl schönsten Märchenbücher dieser Art ist das Buch „Die Mondsteinmärchen“ von Roland Kübler.
*** Das Buch ***
Das Buch ist in sieben Kapitel aufgeteilt. Wobei hier das erste, dritte, fünfte und siebte Kapitel die Rahmenhandlung des Buches darstellen. Es geht hier um einen sehr alten Märchenerzähler namens Oyano, der in Begleitung seiner Schülerin Gwen in seine Heimatstadt zurückkehrt um dort die letzten Jahre seines Lebens zu verbringen. Doch die Stadt hat sich verändert, ist beherrscht von Angst, Misstrauen und einem König der sich selbst zum Herrscher ernannt hat. Dieser König ist voller Neid und Raffgier und gerade dabei eine Armee zu rekrutieren, um eine andre Stadt anzugreifen. Nachdem Oyano das erste Märchen erzählt, werden die ersten Bürger dieser Stadt nachdenklich und viele lassen sich nicht rekrutieren. So wird schließlich Gwen gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Ob es dazu kommt, solltet ihr selbst feststellen.
Die Kapitel wo es um diese Grundgeschichte des Buches geht heißen:
Der Märchenstand
Der Mondstein
Die Verurteilung
Die Macht der Märchen
Nun etwas mehr zu den drei Märchen die Oyano während der Handlung in dem Buch erzählt.
Die Krone der Welt
Hier geht es um zwei verfeindete Königreiche. Im Land der aufgehenden Sonne herrscht König Urs und im Land der untergehenden Sonne herrscht König Aars. Die beiden Namen der Könige sind nicht umsonst so ähnlich, stellt sich doch im Laufe der Geschichte heraus, dass es Brüder sind. Hass und Feindschaft verbindet die beiden Königreiche miteinander. Nach und nach erfährt man, wie es zu diesem Hass gekommen ist und es wird auf eine bezaubernde Art geschildert, wie Kinder der beiden Königreiche sich auf den Weg machen, dies alles zu ändern.
Der Drache des Schreckens
Hier geht es um eine Stadt, wo einst alle glücklich waren bis die Ritter der Angst in das Land eingefallen sind. Jedes Jahr holen sie zehn junge, kräftige Männer die mit Waffen, Rüstungen und Pferden ausgerüstet sein müssen, ab. Lange weiß niemand, wohin diese Männer gebracht werden.
Eines Tages jedoch fliehen kurz vor dem Tag der Abholung drei junge Männer und folgen den Rittern der Angst und ihren Geiseln. Sie stellen fest, dass aus vielen Städten jeweils zehn junge Männer abgeholt werden.
Nach tagelanger Verfolgung, als es wieder einmal Zeit für eine Rast wurde, lagern die drei Männer in einem Wald welcher von den Rittern gemieden wird.
Der Rest des Märchens beschreibt wie die drei Männer mit Hilfe von drei ganz besonderen Schwestern den richtigen Weg finden, um der Angst ein Ende zu machen.
Die Blüte des Lebens
Der Held dieser Geschichte heißt Dalan und er wurde von dem bösen Magier Lutrowa mit einem Bann belegt. Der Magier ist alt und hofft mit Dalans Hilfe eine Blüte aus dem See des Lebens zu bekommen. Das Märchen schildert nun den Weg Dalans, seinen Kampf mit sich selbst und dem Sieg des Gutens über das Böse. Es ist ein harter Weg mit vielen Prüfungen, aber auch mit Hilfe und er wird sehr spannend beschrieben.
*** Fakten zum Buch ***
Das Buch wurde 1993 mit dem Deutschen Märchenpreis ausgezeichnet. Die erste Auflage erschien im September 1988 im Stendel Verlag. Vor mir liegt die achte Auflage, erschienen im Februar 1992. Leider weiß ich nicht, wie viele Auflagen es mittlerweile gibt. Die ISB N ist 3-926789-02-6 und das Buch kostete damals DM 14,50. Es ist zwar ein Taschenbuch aber von der Aufmachung her schon etwas Besonderes. Der Buchrücken ist gebunden und dem Buch lag ein Lesezeichen mit einem kleinen Mondstein bei. Die wunderschönen Illustrationen in dem Buch sind von Claudia Layer und Manfred Häusler.
*** Zum Autor ***
Roland Kübler ist einer der besten Märchenbuchschreiber in der zeitgemäßen Literatur. Er ist auch der Mitherausgeber und Autor der Märchenbestseller „Die Farben der Wirklichkeit“ und „Wie viele Farben hat die Sehnsucht“. Zwei Bücher, die ich nur jedem empfehlen kann.
*** Fazit ***
Ein wunderschönes Märchenbuch für Erwachsene, aber auch für Kinder. Ein Buch für diejenigen, die nicht nur eine Geschichte lesen wollen.
*** Meine Meinung ***
Ich habe es schön öfters mal geschrieben. Gerade in Märchen findet man Botschaften und Wahrheiten. Man muss nur genau hinschauen. Und gerade in den Märchen von Roland Kübler kann man sich immer wieder finden, wenn man dazu bereit ist.
Es ist schwer, sie zu lesen und nicht ins Nachdenken zu kommen.
Die knallharten Realisten und Zyniker werden vielleicht spotten und diese Geschichten als Gutmenschentum abtun. (Den Ausdruck habe ich mir ausgeliehen, der ist nicht von mir.)
Aber was ist denn so schlimm daran, wenn wenigstens versucht wird Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es nur miteinander geht und nicht gegeneinander? Dass Hass, Neid und Raffgier auf die Dauer nur schadet?
Ich finde nichts Schlimmes daran und darum werde ich solche Bücher immer wieder lesen und auch verschenken.
Ich kann nur sagen, kauft Euch dieses Buch. Schenkt es Euch selbst zu Weihnachten, Ihr werdet es nicht bereuen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-30 20:14:52 mit dem Titel Pfennig Jörn, Hand aufs Hirn
Es ist nun schon eine Weile her, dass ich über ein Buch von Jörn Pfennig geschrieben habe. Obwohl es nicht unbedingt leicht ist einen Gedichtband zu beschreiben, nehme ich mir nun den anderen Band von ihm „Hand aufs Hirn“ vor. Ich werde auch ein paar Beispielstexte bringen und dann immer gleich meine Meinung und Fazit dazu schreiben und nicht wie gewohnt zu Ende des Beitrages. (Dies ist nur ein Hinweis für die Scroller)
*** Fakten zum Buch ***
Vor mir liegt ein kleines Taschenbuch in blassblauem Einband. Auf der Vorderseite findet man außer dem Namen des Autors, den Buchtitel, den Verlagsnamen und dem Wort „Gedichte“ ein viereckiges, abstraktes Bild. Auf der Rückseite findet man ein Gedicht und eine Kritik (leider steht nicht dabei, von wem), sowie ISBN 3-453-08273-7, den Preis (damals DM 9,90) und die Nummer beim Heyne Verlag (Best.-Nr. 01/9447). Ich selbst habe das Buch für DM 2,99 gekauft.
Ich hab für Euch auch etwas recherchiert. Wenn Ihr das Buch kaufen wollt, bekommt Ihr es bei Amazon gebraucht für 0,90 Euro, allerdings vom Goldmann Verlag (aber das ist ja wohl egal). Das Buch welches ist vorliegen habe, gibt es derzeit gebraucht ab 2,99 Euro. Die gebundene Ausgabe gibt es gebraucht ab 4,00 Euro.
Im Buch findet man 79 Gedichte und den Epilog. Natürlich auch die übliche Beschreibung, Infos über den Autor, ein Bild von ihm, Inhaltsverzeichnis und Werbung für ein weiteres Buch von ihm. Die Texte findet man auf insgesamt 92 Seiten.
*** Das Buch ***
Die Texte in diesem Buch sind ehrlich und kritisch und treffen ziemlich oft den Punkt. Hier nun ein erstes Beispiel:
Mein Gott!
Erdbeben in China
280000 Tote.
Na, da bleiben ja
Noch genug übrig!
Fähre vor den Philippinen
Gesunken
480 Tote.
Viel zu vollgestopft
diese Dinger!
Bus in den Anden
200 Meter abgestürzt
85 Tote.
Donnerwetter
200 Meter!
In der Lohengrinstraße
trächtige Dackelhündin
überfahren –
mein Gott!
Nicht unbedingt angenehm, nicht wahr? Nicht realistisch? DOCH, behaupte ich.
Was will der Autor damit sagen? Nun hier kann ich letztendlich nur meine ureigenste Interpretation aufschreiben. Sollte der aufmerksame Leser den Text anders interpretieren, wäre ich dankbar für einen Kommentar.
Im Grunde genommen lese ich aus diesem Text zwei Botschaften heraus. Die erste Botschaft wäre für mich das leider typische Verhalten der Menschen auf schlimme Nachrichten. Solange diese Nachrichten weit genug weg sind und uns nicht persönlich treffen, können sie noch so schlimm sein und sie treffen uns nicht wirklich. Klar, gibt es Ausnahmen. Aber so wie ich es dem Autor unterstelle, spreche auch ich hier von der Regel und nicht von der Ausnahme. Betrifft uns ein Vorfall selbst, oder findet er in unser Nähe statt sind wir schon betroffener, selbst wenn es im Verhältnis um ein wesentlich geringfügigeres Leid geht. Wobei ich hier nicht sagen möchte, dass der Tod einer Hündin geringfügig ist. Nur im Vergleich zum Tod von 280000 Menschen ist er es schon irgendwie.
Die zweite Botschaft richtet sich an die überzogenen Tierschützer. Das sind die, welche für ein Tier alles aber für Menschen nichts tun würden. Zum Glück gibt es davon nicht so viele.
Fazit: Ein ehrlicher und zynischer Text, welcher es voll auf den Punkt trifft.
Alptraum
Eines Nachts
kurz vor der Urlaubsreise
wachte er auf
aus einem Alptraum
schweißgebadet.
Er rüttelte seine Frau
und fragte sie:
Meinst du
dass es das gibt
- eine Negerin
als Flugkapitän?
Fast noch krasser als der erste Text, zumindest für mich als Frau. Was sind das für Männer, die Frauen in angeblichen Männerberufen jegliche Kompetenz absprechen? Meines Erachtens schwache Männer. Und somit ist Jörn Pfennig als Autor dieses Textes für mich ein starker Mann. Hätte er sonst diesen Text geschrieben?
Noch schlimmer ist jedoch das zweite Vorurteil, welches man in dem Text findet. Das Vorurteil gegenüber Ausländern. Typisch deutsch sage ich da nur. In jedes andere Land fahren, sich aufführen wie Gott in Frankreich aber Vorurteile gegenüber einer anderen Rasse haben.
Zur Nachahmung
Ein Mensch
fiel
aus der Rolle.
Anstatt
sich das Genick
zu brechen
landete er weich
im Eigentlichen.
Damit es nicht noch zynischer wird, musste ich jetzt auch diesen Text als Beispiel bringen. Für mich ist er ein Plädoyer an die Natürlichkeit. Leider ist heutzutage fast jeder Mensch gezwungen, irgendeine Rolle zu spielen. Man könnte ja sonst zu arg verletzt werden, wenn man sich so sensibel zeigt wie man wirklich ist. Und so ist es ganz natürlich, dass man sich irgendwann selbst nicht mehr so richtig kennt. Lasst uns doch unsere Masken ablegen und darauf spekulieren: Wenn alle ihre Masken ablegen, ist jeder verletzlich. Und weil niemand verletzt werden möchte, wird er auch den anderen nicht verletzen. Ich fürchte, eine Utopie. Aber man darf ja noch träumen, oder?
*** Zum Autor ***
Jörn Pfennig ist 1944 geboren, seine Jugend verbrachte er in Tübingen, 1964 zog er nach München. Ob er sich dort noch aufhält entzieht sich meiner Kenntnis. Er studierte Theaterwissenschaft. Seit 1979 veröffentlich er Bücher.
*** noch ein paar Worte zum Abschluss ***
Wie immer bei Gedichten bei Lyrik mag man sich über die Qualität streiten. Und wie immer bei solchen Bänden wird dem Leser wohl nie jedes Gedicht, jeder Text gleich gut gefallen. Mir ist es wichtig, dass der Text eine Aussage und mindestens eine Botschaft hat. Und die Texte von Jörn Pfennig haben dies auf jeden Fall.
Wie vielfältig er ist zeigt sich darin, dass dieser Band im Gegensatz zu „Grundlos zärtlich“ vollkommen andere Texte hat.
Ich kann seine Bücher an Freunde der modernen Lyrik nur weiter empfehlen.
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