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Erfahrungsbericht von tom.112

Knopp, Guido - Der Jahrhundertkrieg

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Ich bin noch ganz wuschig von dem Erdbeben, das gestern Abend meine heile Welt erschüttert hat ;-) Trotzdem wollte ich auch heute mal wieder etwas zum Besten geben.

Ich habe mich eigentlich schon immer ziemlich für die jüngere Geschichte interessiert - besonders für die des letzten Jahrhunderts. Prof. Dr. Guido Knopp hat sich durch zahlreiche Bücher und Fernsehserien (\"Hitlers Helfer\") einen Namen in diesem Bereich gemacht. Er konzentriert sich dabei in erster Linie auf den Zeitraum des Dritten Reiches, hat aber auch über andere Themen geschrieben.

Bei einer Ebay-Auktion fiel mir günstig das Buch \"Der Jahrhundertkrieg\" in die Hände. In meinem Fall war es eine Sonderausgabe für einen Buchclub, aber ich gehe davon aus, dass sich der Wälzer nicht sonderlich von dem regulären Buch unterscheidet. Die gebundene Ausgabe (ISBN 3-43015-516-9) ist bei Econ erschienen und kostet glatte 25 Euro. 2003 soll außerdem noch eine broschierte Version erscheinen.


Was bekomme ich für mein Geld?
Das 2001 erschienene Buch hat 352 Seiten. Auf nahezu jeder Seite findet man wenigstens ein Bild, die größtenteils schwarz-weiß sind. Es gibt allerdings auch einige recht gute Farbaufnahme. Daneben gibt es auch Übersichtskarten und einige Doppelseiten mit Bildern.
Die Verarbeitung ist insgesamt sehr gut. Das einspaltige Schriftbild ist sehr locker und problemlos zu lesen. Der Eigentliche Text macht nicht die ganze Seitenbreite aus, dafür sind immer wieder deutlich hervorgehobene Zitate von Zeitzeugen eingestreut.
Allerdings kann man sich nicht ganz des Eindruckes verwehren, dass man durch das Schriftbild den Umfang des Buches künstlich vergrößert hat. So ist der Zeilenabstand ungewöhnlich weit und die Schrift recht groß.


Worum geht es?
Wie schon in anderen Büchern beschäftigt sich Knopp mit dem Zweiten Weltkrieg. Er beschränkt sich jedoch dabei auf drei Themen: die Atlantikschlacht, den Wüstenkrieg und den Bombenkrieg. Jeder dieser drei Abschnitte gliedert sich in zwei Kapitel.
\"Die Atlantikschlacht\" beinhaltet die Geschickte um die Jagd und die Versenkung des Schlachtschiffes \"Bismarck\" und die Geschehnisse des U-Boot-Krieges. Auf 104 Seiten erfährt der Leser anhand vieler Augenzeugenberichte wie es zur Versenkung der \"Bismarck\" kam und wie sinn- und erfolglos der U-Bootkrieg im Atlantik war.
Auf den nächsten 104 Seiten schreibt Knopp in \"Der Wüstenkrieg\" über den Krieg in Nordafrika. Dabei dreht sich im Prinzip alles um den Aufstieg und Fall Rommels. Knopp beschreibt, wie es dem Wüstenfuchs zunächst gelang, mit zum Teil recht einfachen Tricks, die Briten zu überrennen, sich später aber selbst immer schneller zurückziehen musste. Er geht dabei besonders auf den Mythos Rommel ein.
Die letzten 106 Seiten gehören dem \"Bombenkrieg\" unter dem viele europäische Großstädte während des Krieges litten und der gerade in letzter Zeit für einige Diskussionen sorgte. Im ersten Kapitel des Abschnittes geht es um die Luftschlacht um England, während im zweiten Teil Zeugen des Bombenkriegs gegen Deutschland zu Wort kommen.


Ist das Buch gut?
Wie bei den meisten Sachbüchern kommt es darauf an, was man eigentlich erwartet. Mich persönlich hat das Buch deshalb interessiert, weil es auf den Berichten von Zeitzeugen beruht, die über ihre Erlebnisse erzählen.
Dass man viel neues über diese Ära erfährt, hatte ich - wie gesagt - nicht erwartet. Dazu ist einfach schon zu viel über dieses Thema geschrieben worden. Allerdings hatte ich die Hoffnung, dass es durch die Zeitzeugenberichte etwas plastischer werden könnte.
Tatsächlich zitiert Knopp sehr viele seiner Gesprächspartner und man merkt, dass er sich sehr an deren Erinnerungen orientiert hat. Das Ganze lässt sich recht gut lesen und fordert einen nicht besonders heraus, zumal Knopp offensichtlich kein besonderes Hintergrundwissen voraussetzt.
Hier liegt aber auch die Crux an der Sache: das Buch ist ziemlich oberflächlich und bringt einen nicht weiter. Man ist nach dem Lesen eigentlich genauso schlau wie zuvor. Man hat zwar einige nette Geschichten gelesen, aber ich hatte irgendwie den Eindruck, dass verpasst wurde, hier etwas tiefgründiges und größeres Gesamtbild daraus zu machen.
Hin und wieder liest man über Knopp, dass er die Geschichte zu populär aufbereitet und auf wirkliches Wissen verzichtet, um nicht die große Breite der Leser zu vergraulen. Bei diesem Buch kann man diesen Vorwurf irgendwie verstehen. Wer vorher nichts über diesen Abschnitt der Geschichte wusste, weiß jetzt eigentlich auch nicht viel mehr.


Mein Fazit?
Schwer zu sagen! Wirklich empfehlen kann ich das Buch nicht, schon gar nicht für den Preis. Für das, was es bringt, ist es einfach zu teuer. Wenn die broschürte Ausgabe für 10 Euro auf dem Markt kommt, kann man vielleicht schon eher darüber reden.
Besondere neue Erkenntnisse gewinnt man auf jeden Fall nicht. Man kann das Buch eigentlich nur ergänzend zu anderen Sachbüchern lesen. Letztendlich ist es nicht anderes als ein besseres Bilderbuch mit ziemlich oberflächlichem Text.


Danke fürs Lesen, Wegklicken oder Kopieren!

Und wenn wir schon beim Thema sind: Krieg ist keine Lösung!

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