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Erfahrungsbericht von Psycho2081

Wenn das Dein Vater wüßte!!!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Der \"Brief an den Vater\" wurde von Franz Kafka zwischen dem 10. und 13. November 1919, während eines Kuraufenthaltes in Schelesen (nördlich von Prag) geschrieben. Er umfasst 29 A4 Seiten. Veröffentlich wurde dieser nach Franz Kafkas Tot von seinem Freund Max Brod. Der Autor überlies diesem seinen gesamten Nachlass mit der Bitte diesen zu verbrennen. Hiervon hielt Max Brod offensichtlich nicht viel, da er das gesamte ouvre Kafkas veröffentlichte.

Franz Kafkas Vater erhielt nie den an ihn gerichteten Brief. Was der Grund hierfür ist, ist heute stark umstritten. Die Erklärungen reichen von, es wäre nur eine fiktive Geschichte, über seine Mutter bat ihn, seinen Vater zu verschonen, da dieser krank sei, bis zu er schrieb ihn für sich und hatte nie vor diesen zu verschicken.

Inhalt

Anlass für den Brief waren zwei Ereignisse. Das erste war die Frage (mit der Franz Kafka auch den Brief einleitet), seines Vaters, warum der Sohn behauptet sich vor ihm zu fürchten. Der zweite war die Aufhebung seiner Verlobung.

Auf beide Punkte geht Franz in diesem Brief ein. Auf den ersteren wesentlich ausführlicher als auf den zweiteren. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass er die Aufhebung seiner Verlobung daraus erklärt, dass er nicht dazu fähig sei eine Familie zu gründen und er dies aus der Erziehung seines Vaters ableitet, die zugleich der Grund für seine Furcht vor ihm ist.

Franz erzählt in seinem Brief verschiedene Kindheitserinnerungen, die einem sehr schön die Angst des Kindes, vor seinem übermächtigen Vater illustrieren. Sie zeigen, dessen Abhängigkeit und den großen Einfluss auf das Leben des selben. Zu gleich zeigt er, wie er schon immer seinen Vater in Schutz nahm und sich nie traute eine Anklage offen auszusprechen, sondern die Schuld immer bei sich selbst suchte.

Eine typische Schuldeinschränkung in diesem Brief ist die Aussage, wie stark die Erziehung des Vaters gewesen sei, an der er zerbrach, doch dies sei nicht die Schuld seines Vaters, denn bei einem anderen Kind wäre es sicher die ideale Erziehung gewesen.

Der rote Faden in den Erzählungen in diesem Brief sind neben der Angst des Kindes vor seinem mächtigem Ahnen, die Intoleranz seines Vaters und dessen nicht geglücktes Vorbild sein. Mit letzterem ist gemeint, dass sein Vater, Herman Kafka, sehr hohe Erwartungen an seine Kinder hatte, die er selbst nicht erfühlte. Hierfür möchte ich ein Beispiel geben:

Herman legte großen Wert darauf, dass seine Kinder gute Manieren haben müssen. Dies galt ganz besonders für Tischmanieren, doch selbst zeigte er sich beim Essen von seiner schlechtesten Seite. Er schlag seine Mahlzeiten unappetitlich herunter, wie ein Tier und sprach mit vollem Mund.

Intolerant, war der Vater nicht nur seinen Kindern gegenüber, sonder einfach jedem. Er behandelte seine Angestellten schlecht (wie einige Erinnerungen Franz Kafkas eindeutig zeigen), war gegen alles was sein Sohn tat und verachtete jede Meinung, die nicht der seinen entsprach. Er ging dabei sogar so weit, dass er, wenn er zu etwas keine Meinung hatte, alle Meinungen verachtete, die es dazu gab.

Zur Person des Adressaten

Wer war aber dieser kalte Mann? Er war der Sohn eines Fleischhauers, geboren im Dorf Wossek, in Südböhmen. Er wuchs unter ärmlichen Bedingungen auf, die er verachtete. Er arbeitete schon als Kind sehr viel und hatte nur ein Ziel: weg von diesem Ort und ein besseres Leben führen und den eigenen Kindern bieten.

Als Befreiung von seiner Kindheit empfand er den Militärdienst (dessen Wesen er nie aus seinem Leben verbannte ...). Nach einigen Jahren als Pinkeljude (kleiner Wanderhändler) lies er sich in Prag nieder, wo er ein Galanteriewarengeschäft eröffnete.

Kurz vor der Geschäftsgründung heirate er Julie Löwy, die aus gutem Haus kam. Herman verachtete die Familie seiner Frau (dies zeigen viele Beispiel in „Brief an den Vater). Sie führten eine glückliche Ehe, da sich Julie als sehr anpassungsfähig erwies ...

Im gehobenen Alter verwies Herman Kafka oft seine schlechte Gesundheit, auf Grund derer er schonende Behandlung von seiner Familie erwartete. Gestorben ist er im Jahr 1931 (drei Jahre später folgte ihm seine Frau.)

Zur Person des Autors
Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 als ältestes Kind in Prag geboren. Nach seiner schulischen Ausbildung studierte er Jus. Er unterbrach sein Studium für zwei kurze Ausflüge in die Chemie und die Germanistik. Nachdem er seine Ausbildung beendet hatte arbeitete er in der Prager Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt tätig bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1922. Sein liebster Kollege, war Max Brod. Weiters zählten zu seinem Freundeskreis G. Meyrink, E. Weiß und F. Werfel.

1917 erkrankte er an Tuberkulose. Dieser Vorfall hatte neben seinen Nachteilen auch den Vorteil, dass er nun noch mehr Zeit hatte zu schreiben (seine Stelle wähle er laut Max Brod nach dem Kriterium aus, dass er nur bis um 3 Uhr arbeiten musste und dadurch viel Zeit zum Schreiben hatte).

Franz Kafka war in seinem Leben dreimal verlobt (zwei mal mit der selben Frau). Das vorletzte mal davon löste er die Verbindung auf, weil sie keine Wohnung fanden. Die Gründe für die anderen Auflösungen, möchte ich an dieser Stelle nicht verrate – ich möchte Lust auf das Lesen des Buches machen ;)

Er starb am 3.6.1924 im Sanatorium Kierling in Klosterneuburg, bei Wien.

Bedeutung des Werkes

Wie schon oben erwähnt, hat der Vater den Brief niemals erhalten. Dies muss nicht bedeuten, dass dieses Schriftstück keinen Einfluss auf das Leben des Autors gehabt haben muss. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Text seinen therapeutischen Nutzen erreicht hat. Abgesehen von seinem Wert für Franz Kafka hat der Brief auch für die Nachwelt einen sehr hohen Stellenwert, da er als Schlüssel zum Verständnis für das ouvre Kafkas dienen kann. Das Buch „Der Proces“ endet zum Beispiel mit einem Zitat seines Vaters. Auch die diesem Roman verarbeitete Kurzgeschichte „Das Gesetz“ erhält seine Bedeutung erst durch die Lektüre dieses Briefes.

Auch wenn es immer wieder warnende Stimmen gibt, seine Inspiration nicht nur auf seinen Vater zu beziehen, so kann man doch nachweisen, dass man in jedem seiner größeren Werke Spuren seines Vaters findet. Dies wird umso deutlicher, wenn man „Brief an den Vater“ gelesen hat. Natürlich ist es auch ohne diesem Buch möglich (Alice Miller interpretierte sehr schön einige Texte von ihm, ohne dabei den Brief als Beweis zu brauchen), doch kann man sagen, dass der „Brief an den Vater“ als hermeneutischer Schlüssel einem das Lesen der Roman und Erzählung Kafkas sehr erleichtert.

Kommentar

Mir persönlich gefällt das Buch sehr gut. Es ist im gewöhnten nüchternen Stil Kafkas geschrieben, der trotzdem er so sachlich ist starke Emotionen weckte, wenn man es zuläst. Da das Buch sehr kurz ist, ist es zum „Zwischendurch lesen“ sehr gut geeignet.

Für mich war diese „Autobiographie“ wesentlich interessanter als jede Biographie über ihn, da sie sehr schön seine Empfindungen zeigt und man sehr leicht erkennen kann, an welchen Stellen er die Wahrheit geschönt hat, um diese erträglicher zumachen.

Der Brief führt einem vor Augen, wie sich ein Kind fühlt und welche Ereignis dieses erniedrigen. Wenn man ihn bewusst liest sieht man, wie leicht man, wenn man das beste für sein Kind will, genau das umgekehrte bewirken kann. Man bekommt tieferen Einblick in die Seele des Künstlers. Schon Freud sagte, dass Literatur aus den Problem der Kindheit entstehe und genau das zeigt „Brief an den Vater“.

Für mich zählt dies zu jenen Büchern, die man gar nicht auf die Seite legen kann beim Lesen, da man voller Spannung ist was denn nun als nächster passiert, wovon uns Kafka noch in Kenntnis setzt. Man ist fast starr vor Entsetzten darüber, was diesem zarten Kind zugestoßen ist, doch wenn man dann darüber nachdenkt wird einem bewusst, dass wenn es einem der Vater erzählt hätte man gar nicht gesehen hätte, was er seinem Sohn damit antat. Ich denke das (neben der Funktion als hermeneutischer Schlüssel für seine Romane) dies der Grund dafür ist, warum dieses Buch auch heute noch so viel Interesse weckt.

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