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Erfahrungsbericht von willibald-1

Dorothea Keuler: Die wahre Geschichte der Effi B.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Vor einiger Zeit bin ich mal wieder bei einer Buchhandlung stehengeblieben und stöberte ein wenig in den verbilligten Büchern. So manches Schnäppchen habe ich auf diese Weise schon gefunden. Und so war es auch diesmal!

Der Titel machte mich neugierig, da ich vor einigen Jahren schon mal \"Effi Briest\" von Fontane gelesen habe. \"Die wahre Geschichte der Effi B.\" ist ein Roman, der schon 1998 veröffentlicht wurde und 1999 bei Pieper als Taschenbuch erschien. (Ich finde ganz gut, daß der Einband der Taschenbuchausgabe ordentlich stabil ist!)

Die Autorin war mir unbekannt. Dorothea Keuler, Jahrgang 1951, hat Pädagogik, Germanistik, Anglistik und Amerikanistik studiert. Seit 1983 ist sie freie Journalisten. Die Idee zu diesem Buch hatte sie, wie sie selber schreibt, in einem Fontane-Seminar.

Die Geschichte von Fontane enthält viele melodramatische Elemente und ist eine Geschichte wie sie zu jener Zeit auch in der damaligen Yellow Press oder in sogenannten Familienillustrierten hätte stehen können. Kein Wunder, denn auch Fontane schrieb für diese Sorte Zeitschriften...

Dorothea Keuler spielt nun mit dem ursprünglichen Effi-Roman, gestaltet manche Begebenheiten neu, findet, daß so manch eine Geschichte beschönigend erzählt wurde, damit sie die eigentliche Wahrheit verschleierte. Aus Sicht der Tochter von Effi stellt sie die Geschichte in ein neues Licht.

Dabei ist ein völlig neuer Roman, Literatur über Literatur, entstanden, in dem die Figuren Fontanes noch vorkommen, in dem auch auch Figuren aus anderen Fontane-Romanen auftauchen.
Bei Fontane ignoriert Effi alle Emanzipationschacen, die es in der damaligen Zeit bereits gab. Damit ist Keuler nicht zufrieden - und drängt Effi in eine ganz neue Rolle. Das Ende des Fontane-Romans ist nicht das Ende des Keuler-Romans. Keuler will damit vor allem eine neue Deutung der Lebensgeschichten der einzelnen Personen erreichen.

Auch wenn man den Fontane-Roman nicht kennt, ist dieses Buch wirklich amüsant geschrieben. Es macht Spaß, das Buch zu lesen. Man wird durchaus mitgenommen in eine andere Zeit, in der das Leben einer Frau noch von Männern bestimmt wurde und sie sich kaum dagegen wehren konnten. Frauen wurden verheiratet - und aus mancherlei Gründen mit viel älteren Männern. Uneheliche Geburten mußten vertuscht werden. Und so manch eine verzwickte Lage entstand dann...
Interessant auch die Gegenüberstellung der Lebensgeschichten von Effi und ihrer Mutter Luise - und schließlich von Effis Tochter Anna, die ein selbstbestimmtes Leben gegen den ursprünglichen Willen ihres Vaters führt.

Damit ist das Buch eine Geschichte der Emanzipation. Denn gerade im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert hat sich in diesem Bereich eine Menge bewegt.




(Ich verrate noch, daß ich für mein Exemplar aus der Restekiste 1 € bezahlt habe - auch wenn das jetzt nicht wirklich jemandem hilft.)


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-02-03 14:08:39 mit dem Titel Buchempfehlung: Dorothea Keuler: Die wahre Geschichte der Effi B.


Vor einiger Zeit bummelte ich durch die Stadt. Bei einer Buchhandlung blieb ich stehen und stöberte ein wenig in den verbilligten Büchern, den sogenannten Mängelexemplaren. So manches Schnäppchen habe ich auf diese Weise schon gefunden. Und so war es auch diesmal!


Der Titel machte mich neugierig, da ich vor einigen Jahren schon mal \"Effi Briest\" von Fontane gelesen habe. \"Die wahre Geschichte der Effi B.\" ist ein Roman, der schon 1998 veröffentlicht wurde und 1999 bei Pieper als Taschenbuch erschien. (Ich finde ganz gut, daß der Einband der Taschenbuchausgabe ordentlich stabil ist!)


Die Autorin war mir unbekannt. Dorothea Keuler, Jahrgang 1951, hat Pädagogik, Germanistik, Anglistik und Amerikanistik studiert. Seit 1983 ist sie freie Journalisten. Die Idee zu diesem Buch hatte sie, wie sie selber schreibt, in einem Fontane-Seminar.


Die Geschichte von Fontane enthält viele melodramatische Elemente und ist eine Geschichte wie sie zu jener Zeit auch in der damaligen Yellow Press oder in sogenannten Familienillustrierten hätte stehen können. Kein Wunder, denn auch Fontane schrieb für diese Sorte Zeitschriften...


Dorothea Keuler spielt nun mit dem ursprünglichen Effi-Roman, gestaltet manche Begebenheiten neu, findet, daß so manch eine Geschichte beschönigend erzählt wurde, damit sie die eigentliche Wahrheit verschleierte. Aus Sicht der Tochter von Effi stellt sie die Geschichte in ein neues Licht.


Dabei ist ein völlig neuer Roman, Literatur über Literatur, entstanden, in dem die Figuren Fontanes noch vorkommen, in dem auch auch Figuren aus anderen Fontane-Romanen auftauchen.

Bei Fontane ignoriert Effi alle Emanzipationschacen, die es in der damaligen Zeit bereits gab. Damit ist Keuler nicht zufrieden - und drängt Effi in eine ganz neue Rolle. Das Ende des Fontane-Romans ist nicht das Ende des Keuler-Romans. Keuler will damit vor allem eine neue Deutung der Lebensgeschichten der einzelnen Personen erreichen.


Auch wenn man den Fontane-Roman nicht kennt, ist dieses Buch wirklich amüsant geschrieben. Es macht Spaß, das Buch zu lesen. Man wird durchaus mitgenommen in eine andere Zeit, in der das Leben einer Frau noch von Männern bestimmt wurde und sie sich kaum dagegen wehren konnten. Frauen wurden verheiratet - und aus mancherlei Gründen mit viel älteren. Uneheliche Geburten mußten vertuscht werden. Und so manch eine verzwickte Lage entstand dann...

Interessant auch die Gegenüberstellung der Lebensgeschichten von Effi und ihrer Mutter Luise - und schließlich von Effis Tochter Anna, die ein selbstbestimmtes Leben gegen den ursprünglichen Willen ihres Vaters führt.


Damit ist das Buch eine Geschichte der Emanzipation. Denn gerade im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert hat sich in diesem Bereich eine Menge bewegt.

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