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Erfahrungsbericht von Araxas

Körner Heinz - Die Farben der Wirklichkeit

Pro:

siehe Text

Kontra:

siehe Text

Empfehlung:

Nein

Zur Zeit lese ich mich durch die Buchbestände einer Bekannten durch. Dabei habe ich auch, wieder einmal, das Büchlein aus dem lucy-körner –Verlag gelesen. Ich habe mir das Buch selbst schon 3 x gekauft aber dann immer wieder spontan verschenkt.

Wie oft ist man in der Situation in der man einem nahestehenden Menschen helfen will, ihn auf etwas aufmerksam machen, einen passenden Ausweg zeigen will und findet nicht die passenden Worte? Mit der passenden Geschichte erreicht man einen Menschen eher als mit großen , klugen Worten und Spruchweisheiten.

Einige der Märchen haben einen erstaunlichen Tiefgang, wie z.B. von Roland Kübler „ Eine Insel im See“. Andere Märchen sind vordergründig und naiv; was aber nicht negativ gesehen werden sollte, es sind einfach schöne Geschichten zum „ Liebhaben“ ( wie es auf dem Einband so treffend beschrieben ist ) die man auch einem Kind erzählen kann.

Ich werde ganz bewusst die Märchen nicht nacherzählen weil ich dem Leser das Lesevergnügen nicht verderben will. Das Ziel dieses Berichtes soll sein den Leser neugierig zu machen auf das Buch und seine Autoren. Im Buch findet man 14 Geschichten von 6 verschiedenen Autoren.

Autor: Roland Kübler
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Jahrgang 1953, lebt bei Stuttgart und hat zusammen mit Heinz Körner die Anthologien MÄNNERTRAUM(A) und WIEVIELE FARBEN HAT DIE SEHNSUCHT herausgegeben.

Der Paradiesvogel ( Roland Kübler)
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Ist eine echte Tier-Fabel bei der jeder Vogel auch einen bestimmten Charakter verkörpert. So macht sich eine Schar schwatzhafter Spatzen auf die Suche nach dem Paradiesvogel, nach dem ihnen ein anderer, weitgereister Spatz erzählt hatte, der Paradiesvogel könne in seiner Schönheit und Weisheit jeden Rat geben.

Unterwegs treffen Sie eine bösartige Krähe, einen gewaltigen Adler und einen plappernden Papagei. Bis ihnen die Meisen am Ende zu einer wichtigen Erkenntnis verhelfen.

Die große Wegkreuzung ( Roland Kübler)
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Handelt von einer Frau die ihren Weg nicht zu Ende geht und stattdessen an einer Wegkreuzung verharrt. Dies ist einer dieser Geschichte die man jemand schenken kann der sich zwar auf den Weg gemacht hat aber nun in Unsicherheit an einem Kreuzungspunkt festsitzt.

An diese Stelle möchte ich aus dem Text zitieren damit man ein Gefühl für den Stil bekommt in dem die Geschichten geschrieben sind.

Zitat: „ .....die junge Frau ging den vertrauten Weg hinab ins Tal......sie hielt nicht in dem kleinen Dorf.... sie ging weiter, weiter als sie jemals gegangen war an der Hand ihres Vaters. Sie ging weil sie ein Ziel hatte.......“

Eine Insel im See ( Roland Kübler )
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Ein junger Mann und ein junges Mädchen verlieben sich ineinander und fahren mit einem nicht mehr ganz seetüchtigem Boot zu einer Insel auf der sie dann zusammen leben wollen. Die Eltern geben dem jungen Mädchen ein großes schweres Paket mit in dem sich alle Sachen befinden die die Eltern des Mädchens als unbedingt notwendig erachten. Bei der Überfahrt gerät das Boot in einen Sturm, das Paar gerät in Lebensgefahr und muß Ballast abwerfen...........

Ich will nicht weitererzählen, am besten selbst lesen und nachdenken was passieren kann wenn man die Päckchen die die Eltern geschnürt haben zu lange mit sich herumträgt. Die Geschichte ist eine meiner Lieblingsgeschichten weil der Autor es fertig bringt einen psychologischen Sachverhalt in perfekten Bildern darzustellen.

Ein echtes Märchen für Erwachsene.

Himmel und Hölle ( Roland Kübler)
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Nach einer orientalischen Überlieferung neu erzählt.

Eine einfach gestrickte Geschichte bei der ein Weiser einem Wanderer den Unterschied zwischen Himmel und Hölle klarmacht. Die Aussage ist klar und leicht verständlich, für Kinder bestens geeignet.

Die bezauberte Frau ( Roland Kübler )
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Eine hübsche Frau wird auf der Suche nach ihrem Märchenprinzen von 3 Männern verzaubert um dann letztendlich vom vierten bezaubert zu werden. Durch die Wiederholungen im Ablauf gewinnt die Geschichte einen ganz eigenen Reiz.

Hier wieder ein Zitat aus der Geschichte: „ Dein Gang ist so müde, und deine Wimpern wischen über Traurigkeit. Ich will dir etwas zeigen. Paß genau auf!“ sagte der Fremde.

Heinz Körner ( Herausgeber )
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Jahrgang 1947, lebt bei Stuttgart und wurde durch sein erstes Buch JOHANNES ( 1978) als Schriftsteller bekannt.

Ein Märchen ( Heinz Körner) + Wie es weiterging ( H. Körner und Bruno Streibel )
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Ein Märchen und seine Fortsetzung über das Wachsen und Zurechtstutzen von Bäumen und Menschen und über Dinge die nur Kinder erkennen können, wie z.B. die Traurigkeit der Bäume.

Eine wunderschöne Geschichte zum Vorlesen für Kinder.

Das Licht am Ende des Ganges ( von Heinz Körner nach einer Idee von S.B. Kopp)
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Eine Geschichte über das Loslassen und das Fallenlassen. Auch hier wird ein psychologischer Sachverhalt sehr bildhaft dargestellt. Sie erzählt von einem Mann der in einer Gefängniszelle sitzt und sie eigentlich verlassen könnte wenn er nur den Mut dazu hätte loszulassen.

Der dritte Kontinent ( Lucy und Heinz Körner)
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Die Soldaten der Kontinente „Nim“ und „Gib“ zerstören den Kontinent „Sei“. Eine Geschichte die gerade wegen der Durchschaubarkeit und Schlichtheit einfach nur schön ist.

Die Schmusegeschichte ( Heinz Körner und Claude Steiner )
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Von Heinz Körner übersetzt und neu erzählt nach dem Orginal von Claude Steiner

Zitat: „ ..lebten die Menschen ...glücklicher als heute. Jedem wurde damals bei der Geburtein kleiner warmer Sack mit auf den Lebensweg gegeben. In diesem Sack befanden sich unzählige Schmuser...“

Bis eines Tages eine Hexe darüber sehr böse wird weil ihre Dienste nicht gebraucht werden.

Jürgen Stiller
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Jahrgang 1954, lebt in Dortmund. Er unternahm mehrere Reisen nach Kanada, Mexiko und in die USA, schreibt, malt und musiziert.

Ein Lebenswerk ( Jürgen Stiller)
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Eines Tages hat ein Maler die Idee sein ganzes Haus zu bemalen um durch die Lebendigkeit seiner Farben der Natur zu trotzen, doch die einzigen Farben die ihm noch zur Verfügung stehen befinden sich in einem Aquarell- Farbkasten, über dieser Aufgabe vergeht sein Leben.

Die einzige Geschichte die die Moral nicht gleich mitliefert. Regt zum Nachdenken an.

Bruno Streibel
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Gemeindepfarrer im Stuttgarter Westen, geboren 1942.


Die Frau mit den steinernen Brüsten
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Von einem Jungen der zu wenig Liebe bekam.

Die einzige Geschichte die mir nicht so gut gefallen hat, weil zu schulmeisterlich.

Kristiane Allert-Wybranietz
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Jahrgang1955, lebt in Auetal-Rolfshagen, wurde mit ihren „Verschenktexten“ zur Bestseller-Autorin. In der Anthologie HEROIN erschienen weitere Gedichte von ihr. In diesem Buch tritt sie zum ersten mal mit Märchen an die Öffentlichkeit.

Das Hexenteam ( Kristiane Allert.Wybranietz )
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Die 3 Hexen „Angst“ , „Gewohnheit“ und „Bequemlichkeit“ erschweren die Beziehung eines Prinzen und einer Prinzessin.

Zitat: „Und wenn sie nicht gestorben sind , dann leben sie auch heute noch nicht das, was sie füreinander fühlen.“

Eine absolut typische Geschichte für die Autorin. Wer die „Verschenktexte“ noch nicht kennt sollte sie unbedingt einmal lesen. Kristiane ist eine meiner Lieblingsautorinnen aber davon vielleicht in einem anderen Bericht mehr.

Jeder ist eine Blüte ( Kristiane Allert-Wybranietz )
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Zitat: „..........Sie wusste jetzt, dass Blühen nichts mit Können zu tun hat, sondern mit SEIN............“

Illustrationen
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Das Buch ist wunderschön illustriert von Herbert Deinhard.

Das Buch
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Die Farben der Wirklichkeit
© 1983 lucy körner verlag
ISBN 3-922028-07-1

Fazit
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Kein Kommentar von mir nur ein Zitat vom Einband des Buches, denn damit ist alles gesagt:

„Märchen zum Vorlesen, Erzählen und Liebhaben – für alle die noch Mut zum Träumen finden. Denn es gibt Märchen, welche die Wirklichkeit in neuen Farben zeigen.“

© 07.03.02 / by Araxas



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-21 16:14:19 mit dem Titel Körner Heinz - Alle Farben dieser Welt

Der dritte Band mit Märchen für Erwachsene aus dem Lucy Körner verlag. Wem der erste oder der zweite Band der Reihe gefallen hat der wird auch vom dritten Band begeistert sein.Die Märchen sind für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet. Wer die Geschichten von ‚Saint-Ex‘ ( wie ihn seine Freunde nannten ) liebt der wird auch an dem Buch „ Alle Farben dieser Welt“ gefallen finden.

Die Geschichten
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Im Buch Findet man 13 Geschichten von 7 verschiednen Autoren

Der reiche Brombeerpflücker ( von Godfried Bromans )
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Eine Geschichte von einem armen ( reichen? ) Mann der ganz alleine im Wald lebt, aber er ist vielleicht nur in unseren Augen arm. Er selbst glaubt? ( oder ist es wahr ? ) in einem großen Palast zu leben, mit einem himmelblauen Dachgewölbe, auf dem weiße Flecken zu sehen sind die sich sogar bewegen und manchmal auch Muster und Formen bilden so daß man sich gar nicht daran sattsehen kann.

In diesem Palast gibt es Spiegel die so groß sind daß man fast einen ganzen Tag dazu braucht, wenn man um sie herumgehen will.

So lebt der Brombeerpflücker tagaus und tagein glücklich und zufrieden in seinem Palast bis eines Tages ein Fremder vorbeikommt...................

Ganz eindeutig meine Lieblingsgeschichte, auffallend ist, dass jeder der das Büchlein gelesen hat zuerst einmal die Geschichte der Traurigkeit als beste Geschichte bezeichnet. Aber wenn ich dann nach dem Brombeerpflücker frage dann höre ich öfter : \" Ja mir hat sie auch am besten gefallen aber ich wollte das nur nicht sagen weil ich nicht sentimental erscheinen will.\"

In solche Kurzgeschichtensammlungen stolpert man immer wieder über interessante Autoren wie z.B. Godfried Broman. Die oben beschriebene Geschichte ist eindeutig die, die mich am meisten berührt hat. Godfreid Broman, gestorben 1971 war Mitte des letzen Jahrhunderts der beliebteste niederländische Schriftsteller. Trotz der auffallenden Leichtigkeit seines Auftretens war er ein in sich gekehrter und einsamer Mensch. Er selbst hat das so formuliert: \" Ich wollte ich wäre zwei Hündchen, dann könnte ich mit mir selbst spielen.\" Als naiv ist die Geschichte nicht zu bezeichnen, vielmehr vermittelt der Autor in seiner naiven Sprache eine unbestrittene Wahrheit.

http://www.die-familie.at/augenblick/aug20.html => wer möchte kann die Geschichte unter dem angegebenen Link nachlesen.

Das Märchen von der traurigen Traurigkeit ( von Inge Wuthe )
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Das Märchen handelt von einer Frau die am Wegesrand eine zusammengekauerte Gestalt findet => die Traurigkeit höchstpersönlich.

Die Traurigkeit ist ziemlich traurig weil niemand ihre Nähe zulässt und klagt der alten Frau ihr Leid............

Die Geschichte gefällt mir wegen dem überraschenden Ende, selber lesen!

Ich hatte es beim lesen gleich vermutet und fand es dann im Anhang bestätigt, die Autorin arbeitet als Sozialpädagogin und Therapeutin in einer Drogenberatungsstelle.

http://www.mond.at/~schaefer/lyrics/traurigkeit.html => ein Link zum Märchen.

Alle Macht den Träumen ( von Heinz Körner )
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Erzählt die Geschichte von Robert, der seine Spiritualität entwickeln wollte und dabei von der blinden Wolfsfrau einen überraschenden Ratschlag bekommt.
Eigentlich gefallen mir die Märchen von Heinz Körner nicht zu gut sie sind in der Regel wirklich naiv und lassen wenig Interpretationsspielraum für den Leser übrig, bei dieser Geschichte ist das nicht der Fall, die erste Story von ihm die ich für wirklich gelungen halte.

Mondmärchen ( Manfred Eichhorn )
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In alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, macht der Mond eine wichtige Erfahrung.

Ich will hier ( oder wie immer ) ganz bewußt, die Märchen nicht nacherzählen, das Beste ist selber lesen und sich verzaubern lassen.

Während die Märchen in den „Farben der Wirklichkeit‘ noch vordergründig und naiv waren ( was den Lesespaß aber keineswegs trübt ) findet man beim dritten Band auch ein paar Geschichten die zum Nachdenken anregen.

Die Nähstunde von Wolfram Eicke
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ist so eine Geschichte : Ein Schuster klagt auf dem Sterbebett den Engel des Schicksals an.

Nach dem ich die Geschichte gelesen hatte, mußte ich das Buch zuerst einmal auf die Seite legen um eine Zeitlang über mein eigenes Leben nachzudenken.

Aber es werden auch lustige Geschichten im dem Buch erzählt, wie die von

Anita ( Autor : Godfried Bomans )
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, einem Maikäfermädchen das zuerst in einem veilchenblaue Klatschmohn wohnen wollte, aber zuletzt doch eine leerstehende Pusteblume mit Zentralheizung gemietet hat.

Das Buch
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Alle Farben dieser Welt
von Heinz Körner, Lucy Körner
Taschenbuch – 95 Seiten – L.Körner Vlg.,
Erscheinungsdatum: 1995
ISBN 392202825X
Preis: 9,50 EURO bei Amazon

Ich finde den Preis reichlich unverschämt für ein Buch mit gerade einmal 95 Seiten. Zum Zeitpunkt des Berichtes waren 9 gebrauchte Bücher ab 5,9 EURO bei Amazon verfügbar.

weitere Bücher der Reihe
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1.Band : Die Farben der Wirklichkeit
2.Band: Wieviele Farben hat die Sehnsucht

Ich habe alle Bände der Reihe gelesen, aber nie lange gehabt weil ich die Bücher immer wieder spontan verschenke.

Zitat vom Einband des Buches als Schlußwort
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>>......neue Märchen zum Verschenken, Vorlesen und Erzählen – für alle, die noch Mut zu Träumen haben. Denn wer wirklich lebt, will alle Farben dieser Welt. dem habe ich nichts hinzuzufügen!

( C ) by ARAXAS 20.09.02


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-26 20:39:38 mit dem Titel Kordon Klaus - Die Einbahnstraße

Wer, in Gottes Namen, ist verantwortlich dafür daß solch ein Schund zur Schullektüre wird ? Und wer nominiert so ein billiges Machwerk zum Jugendliteraturpreis? Und wer wählt diesen Blödsinn zum Buch des Monats. Gestern habe ich, im Keller ein wenig Ordnung gemacht und dabei, unter dem ganzen Müll, dieses Buch gefunden, da mir Bücher heilig sind habe ich es natürlich sofort auf die Seite gelegt um es später zu lesen. Nachdem ich es gelesen habe werde ich es dahin zurück befördern wo es hingehört. Nämlich auf den Müll. Jetzt da ich mich einigermaßen beruhigt habe versuche nun zuerst einmal die Handlung ohne abfällige Kommentare zu schildern aber ich befürchte daß mir das nicht gelingen wird.

1.) Die Handlung
2.) Die Gedanken und Bemerkungen zu Buch
3.) Die Links
4.) Das Buch
5.) Der Autor
6.) In eigener Sache
7.) Das Fazit

1.) Die Handlung
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Die Geschichte wird aus der Sicht des 15jährigen Charly als Ich-Erzähler erzählt.

Charly, Andy und Herbert sind Freunde und Klassenkameraden. Herbert ist der Primus und Klassenbeste, Andy und Charly haben größere Probleme die nächste Versetzung zu schaffen. Deshalb beschließen die drei Freunde zusammen für die Schule zu büffeln. Eines Tages beobachtet Charly vom Fenster aus den Einzug von Inga und ihrer Familie in das Haus gegenüber. Auch Andy und Herbert werden schließlich neugierig und beobachten den Einzug der neuen Nachbarn.

Andy bleibt den gemeinsamen Nachmittagen, ohne Erklärungen, fern und Charly erfährt auch bald den Grund dafür. Andy und Inga " gehen miteinander ". Auffallend ist, daß Andy,, seit er mit Inga zusammen ist, nichts mehr mit seinen Freunden zu tun haben will. Charly erfährt auch recht bald den Grund dafür. Der unter den Jugendlichen bestens bekannte Drogendealer Ali hat einen auffallend guten Kontakt zu Inga. Charly zählt zwei und zwei zusammen und erkennt das Inga drogenabhängig ist.

Zunächst ist Charly sehr verärgert über das Verhalten von Andy, und er distanziert sich immer mehr von ihm. Aber als Andy und Inga eines Tages spurlos von der Bildfläche verschwinden wird er in die Ereignisse mit einbezogen.

Charly gerät durch das Drängen von Andys und Ingas Eltern in einen Erklärungsnotstand und muß schließlich preisgeben was er alles über die Geschichte weiß, so erzählt er Eltern und Polizei die ganze Geschichte, wobei er sich von allen Seiten den Vorwurf gefallen lassen muß daß er die Machenschaften von Ali dem Drogendealer nicht früher offengelegt hat.

Als er zufällig an Alis Wohnung vorbeikommt beobachtet er wie Inga und sein bester Freund die Wohnung verlasen, neugierig geworden folgt er ihnen und wird schließlich von Ali erwischt der ihn kurzerhand in sein Auto verfrachtet und mitnimmt nach Bochum. Bochum und eine Ali bekannte Adresse sind nämlich Ziel der nächtlichen Reise, nach einer heftigen Diskussion ob man Charly auf halber Strecke aussetzen soll oder nicht folgt er Inga und Andy zu der angegebenen Adresse.

In Bochum haben sich einige Junkies in einer Wohnung zusammengefunden und versorgen sich gegenseitig mit dem dringend benötigten Stoff. Charly hätte nun alle Möglichkeiten zu seinen Eltern zurückzukehren aber er entschließt sich zu bleiben weil er unbedingt seinen Freund Andy vor einer Drogenkarriere bewahren will.

Als schließlich die Wohnung von der Polizei gestürmt wird spitzt sich die Lage immer mehr zu. Die Freunde müssen fliehen und entkommen nur knapp dem Zugriff der Polizei. Von der Drogenquelle abgeschnitten leidet Inga nun mehr und mehr an Entzugserscheinungen. Die einzige Möglichkeit für die Freunde das dringend benötigte H zu besorgen scheint Ali zu sein, doch der stellt sich quer, ohne Kohle kein Material. Im Laufe der Diskussion kommt es zu einer Schlägerei bei der Andy schwer verletzt wird und auch Charly kommt nicht ungeschoren davon kann sich aber zu der gegenüberliegenden Kneipe schleppen und Polizei und Notarzt alarmieren. Als die Polizei dann ankommt, ist Inga verschwunden aber Andy und Charly werden entsprechend versorgt und zurück zu ihren Eltern gebracht.

Charly ist der Held des Tages, er muß sich keine Vorwürfe von seinen Eltern anhören, jeder beglückwünscht ihn zu der Rettung von Andy. Und endlich findet auch das lange nötige Gespräch zwischen Vater und Sohn statt.

Und wenn sie nicht gestorben sind.............Selbst der Vergleich mit einem Märchen ist noch zuviel der Ehre für den Käse den der Autor mit dieser Story verzapft hat. Gestorben ist übrigens Inga an einer Überdosis in der Bahnhofstoilette.

2.) Gedanken und Bemerkungen zu Buch
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Hält der Autor Teenager für geistig minderbemittelt?
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Mit 13jährigen redet man nicht wie mit Kleinkindern, die verstehen auch etwas kompliziertere Sätze, außerdem sollte der Autor sich einmal auf verschiedenen Meinungsplattformen umschauen, dann würde er feststellen daß sich 13-16jährige sogar durchaus differenziert ausdrücken können. Hier einmal eine Leseprobe aus dem Buch damit man versteht worauf ich hinauswill:

Zitat: >> Die Leipziger Straße ist keine Hauptstraße, ist eng und grau und unauffällig. Meine Eltern, meine Schwester Carola und ich wohnen in der Nr. 56, Herbert und seine Mutter in der 58. Schräg gegenüber in der 61 wohnt Andy. Herbert, Andy und ich sind Freunde.<<

Wahrscheinlich hat der Autor versucht die Sprache eines 13jährigen zu imitieren das erklärt aber nicht die Sprünge und Lücken der Geschichte. So erfährt der Leser nicht, nur um einmal ein Beispiel anzuführen, warum jetzt Andy und Inga zusammen sind und was beide füreinander empfinden. Keine der Personen ist auch nur ansatzweise charakterisiert. Der Leser hat überhaupt keine Möglichkeit eine Beziehung zu den Personen der Handlung aufbauen oder irgendwie ihre Handlungen nachvollziehen. Der Autor hat eindeutig schlampig, wenn überhaupt recherchiert, seine Informationen hat er wohl aus der Bildzeitung, genauso lesen sich seine Beschreibungen auch, zudem sind sie teilweise falsch. Da wird z.B. "Berliner Tinke" in Staniolpäckchen verteilt ( "Berliner Tinke" ist eine Mischung aus Rohopium und Essigsäure ). Es sollte auch kaum 13jährige geben die sich und anderen intravenös H spritzen können das sie beim bloßen zusehen gelernt haben ohne sich oder andere in Lebensgefahr zu bringen.

Warum rege ich mich so auf ?
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Man ist in der Regel nicht gezwungen irgendwelchen Mist zu lesen. Aber wenn ich feststelle das so ein Machwerk zur Pflichtlektüre eine Gymnasiasten in der 7ten Klasse gehört dann kann ich wirklich nur noch den Kopf schütteln. Aber nicht über den Autor sondern über die Verantwortlichen im Kultusministerium die solche Bücher zu Unterrichtsmaterial machen.

Mich ärgert wirklich am meisten die schlechte Recherche des Autors mit diesen Bildzeitungsbeschreibungen von Junkies. Inga wird verführt vom bösen, bösen Dealer und Andy setzt sich nur einen Schuß weil er Inga nicht leiden sehen kann. Wenn das alles so einfach wäre dann gäbe es kein Drogenproblem. Da wird ein vollkommen falsches Bild vom Weg in die Sucht vermittelt.

Wenn es denn nun sein sollte dann würden meiner Meinung nach einige der folgenden Themen zumindest erwähnt werden:

Drogenkonsum als austauschbares Symptom
Die Theorien zur seelischen Voraussetzung zur Suchtpersönlichkeit ( meinetwegen auch mit tiefenpsychologischen Ansatz )
Der Faktor Umwelt ( Subkulturkreis, Bezugsgruppe )

Von allem findet man in besprochenen Buch überhaupt nichts. Dessen Kernaussage ist in etwa folgende: Wer sich von Dealern und Drogensüchtigen fernhält und immer hübsch alles den Eltern und der Polizei erzählt der für den besteht überhaupt keine Gefahr jemals auf die Drogenschiene zu kommen. Das ist so blauäugig wie falsch.

Was halte ich von einem reinen Roman als Aufklärungsbuch für Schüler ?
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Sehr wenig, denn wenn das Gelesene später im Unterricht nicht genügend reflektiert und besprochen wird kann der Schuß durchaus nach hinten losgehen. Ich spreche da aus Erfahrung, so war z.B. "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo " das Drogenbuch meiner Jugend. Die Erwachsenen haben es wohl als abschreckend empfunden. Für meine Clique und mich war es das Buch überhaupt, wir wollten alle so sein wie Christiane, ich möchte nicht wissen wie viele überhaupt erst durch dieses Buch zum Drogenkonsum gekommen sind.

Es ist ja nicht so daß es keine gute Literatur zum Thema gibt. Auf Anhieb fällt mir da "Heroin, die süchtige Gesellschaft " aus dem Körner Verlag ein. Das Buch besteht aus verschieden Teilen zuerst erfährt man in einer wissenschaftlichen Abhandlung etwas über Drogen allgemein, gefolgt von Gedichten, der Beschreibung einer
erfolgreichen Therapie, der Biographie eines Fixers, ein Interview mit Christiane F und ein unkommentierter Briefwechsel zwischen einem Fixer und seinen Eltern.

3.) Die Links
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http://www.scheffel.og.bw.schule.de/faecher/deutsch/einbahn.htm => ein paar positive Bemerkungen über das Buch von den Schülern der 7b des Scheffel-Gymnasiums.

4.) Das Buch
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Titel: Die Einbahnstraße
Autor: Klaus Kordon
ISBN: 3-473-58012-0
Seiten: ca.120 Seiten
Preis: 4,95 EURO

5.) Der Autor
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Klaus Kordon, der Verfasser, ist geboren im Jahre 1943 in Berlin. Er hat mehrere Berufe ausprobiert. Sein Abitur machte er an der Abendschule. Er studierte dann Volkswirtschaft und unternahm Reisen nach Asien und Afrika. Die Bücher, die er schrieb, wurden in verschiedene Sprachen übersetzt. Er bekam viele Auszeichnungen, darunter den Deutschen Jugendliteraturpreis.

6.) In eigener Sache
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Da ich einige Erfahrungen mit Drogen und der Drogenszene sowohl aus eigenem Erleben als auch aus der Sicht von verschieden Sozialarbeitern ( u.a. Drogenberater und Streetworker ) habe und nicht wenig Literatur zu Thema kenne, haben mich die häufigen positiven Besprechungen des Buches sehr erschreckt. Stehe ich denn ganz alleine mit meiner Meinung da?

Ich würde mich ganz besonders über Kommentare und Hinweise zum Bericht freuen. Mich interessiert brennend wie das Buch auf die angesprochene Altersgruppe wirkt und was Erwachsene davon halten.

7.) Das Fazit
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Wertloses Buch, dessen Kernaussage so falsch wie gefährlich ist. Erwachsene sollten es lesen um ihren Kindern die notwendige Hilfestellung zu geben wenn die Pädagogen, die dieses Buch den Kindern aufdrücken, nicht dazu in der Lage sind. Die durchweg positiven Beurteilungen des Buches sind für mich absolut nicht nachvollziehbar.

© by Araxas / 26.09.02



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-28 22:44:58 mit dem Titel Körner Heinz - Heroin, Die süchtige Gesellschaft

Vor ein paar Tagen habe ich die Schullektüre des Sohnes meiner Bekannten gelesen. Sinn und Zweck dieser Lektüre sollte wohl sein Jugendliche zwischen 13 – 16 Jahren auf die Gefährlichkeit von Drogen aufmerksam zu machen. Was ich da lesen musste hat mich ziemlich erschreckt, weil es schlecht recherchiert und in seiner Kernaussage schlicht und einfach falsch war. Das hat mich zu der Frage gebracht wie ein Buch denn auszusehen hätte das einem Aufklärungsanspruch hat und nicht Gefahr läuft zum Kultbuch zu werden wie z.B. "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Eingefallen ist mir auf Anhieb "Heroin – Die süchtige Gesellschaft " aus dem lucy körner verlag.

1.) Die Beiträge und jeweils ein Kommentar von mir
2.) Das Buch
3.) Die Autoren
4.) Fazit

1. ) Die Beiträge und jeweils ein Kommentar von mir
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Das Buch nennt sich ein LESEBUCH FÜR ERWACHSENE und enthält unterschiedliche Beiträge zum Thema Drogen. Im folgenden werde ich die einzelnen Beiträge vorstellen mit jeweils einem kleinen Kommentar von mir.

Anstatt eines Vorwortes – Heinz Körner
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Anstatt eines Vorwortes erzählt Heinz Körner sein bekanntes Schmusermärchen in einer abgewandelten Form, so dass es einen Bezug zum Thema des Buches bekommt.

Kommentar
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Ich finde es gar nicht so schlecht den Leser zuerst einmal mit einer kleinen Geschichte auf das Thema einzustimmen, obwohl ich nicht so begeistert bin von dem Erzählten, weil die Geschichte zu naiv und vordergründig ist.

Drogen – Fakten, Hintergründe und Perspektiven – Alexander J. Müller
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Zuerst einmal definiert der Autor den Drogenbegriff in einem umfassenden Sinne und macht deutlich das die Drogenproblematik nicht nur eine Randgruppe unserer Gesellschaft betrifft sondern das fast jeder über sein eigenes individuelles Suchtmittel verfügt, seine Droge, deren Missbrauch nicht selten ist. Nach diesen Erläuterungen wird der Begriff der Abhängigkeit von Drogen im weitesten Sinne betrachtet. Ich finde die Definition so gelungen dass ich sie an dieser Stelle wörtlich wiedergeben will:

Zitat. >> Wenn all diesen Verhaltensweisen der unstillbare Wunsch zugrundeliegt, ein bestimmtes Gefühl ( " feeling " ) immer wieder wie unter Zwang, herstellen zu müssen, so können wir auch bei sogenannten normalen, sozial angepassten und unauffälligen Verhaltensweisen getrost von Abhängigkeiten sprechen.<<

Diese Definition beinhaltet also auch sozial unauffällige Verhaltensweisen wie z.B. Arbeitswut, übertriebene Sauberkeit oder die fanatische Ausübung eines Hobbys. Nach diesen wichtigen Erläuterungen wendet sich der Autor der Betrachtung der sozial auffälligen illegalen Drogen zu. Anhand von Statistiken zeigt er zum Beispiel die Gewichtung der seelischen Abhängigkeit von Drogen auf und der Leser erfährt das sich gezeigt hat das nahezu alle ( 99 Prozent ) der nur körperlich entzogenen Drogenabhängigen rückfällig werden.

Im weiteren Verlauf werden verschiedene Theorien zur Entstehung einer Suchtpersönlichkeit vorgestellt, vom tiefenpsychologischen Ansatz ( warum diese Pseudowissenschaft immer noch durch alle Abhandlungen geistert ist mir ein Rätsel ) über den lerntheoretischen Ansatz bis hin zu Ursachen in den gesellschaftlichen Gegebenheiten bei den zwischenmenschliche Beziehungen, Gefühle und Geistiges verarmen.

Kommentar
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Der Autor zeigt sehr seriös und wissenschaftlich fundiert, untermauert durch konkrete Zahlen, dass der Drogenmissbrauch nicht das Problem einer gesellschaftlichen Randgruppe ist, sondern ein gesellschaftliches Phänomen. Menschen deren Persönlichkeitsstrukturen geschwächt oder stark gestört sind neigen dazu der ein oder anderen Droge zu verfallen ( sexueller Missbrauch kann sowohl die Ursache für Heroinsucht als auch für Bulemi sein ). Ich bin immer wieder sehr erstaunt wie viel Information der Autor auf 30 Seiten untergebracht hat . Natürlich sollte man das Gelesene durch entsprechende Literatur zum Thema noch vertiefen aber man erhält durch die Erläuterungen des Verfassers das notwendige Rüstzeug um die nachfolgenden Geschichten zu verstehen.

Sucht – 4 Gedichte – Kristiane Allert Wybranietz
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4 Gedichte zum Thema sucht von Kristiane die, glaube ich irgendwo gelesen zu haben, hier zum ersten Mal mit Gedichten an die Öffentlichkeit getreten ist. In diesem Buch habe ich auch zum ersten Mal etwas von ihr gelesen und das Gedicht "Was man so sagt ist für mich immer noch das Beste was ich bisher zum Thema gelesen habe.

http://www.beepworld3.de/members22/time75/gedichte_von.htm => das Gedicht

Kommentar
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Schön gemacht zuerst harte Fakten und nüchterne Wissenschaft dann an die Emotionen des Lesers aktivieren mit guter Poesie. Obwohl ich persönlich eher dazu geneigt hätte etwas auszuwählen das aus der Feder eines Betroffenen stammt. Kristianes Hauptproblem ist ihre Angsterkrankung nicht ihre Abhängigkeit von Drogen, obwohl ich mir vorstellen kann dass sie, einige Erfahrungen, zumindest mit Medikamentenabhängigkeit, durch ihre Krankheit bedingt, in die Gedichte mit eingebracht hat.

Hartmund Kopp – Biographie eines Fixers von Gerhard Edel
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Die authentische Biographie eines Fixers wird erzählt von seinem Betreuer. Hier wird deutlich wie nötig und wichtig die vorangegangenen Erläuterungen von Alexander J. Müller sind. Hier wird ein typisches Beispiel der " broken-home-Situation" gezeigt. Die Betroffenen wachsen in defekten sozialen Verhältnissen auf wobei ihre grundlegenden Bedürfnisse nach Liebe, Zuneigung und Geborgenheit unbefriedigt bleiben was eine emotionale und soziale Unterentwicklung zur Folge hat.

Kommentar
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Ich habe die Geschichte absichtlich nicht nacherzählt um die Neugier eines potentiellen Lesers herauszufordern. In dem bericht findet man Zeichnungen von Hartmund die auch von dem Verfasser nicht unkommentiert bleiben. Schön gemacht vom Autor, finde ich, dass er die Zeichnungen nicht bis ins letzte analysiert sondern dem Leser genügend Spielraum zu eigenen Interpretationen lässt. Hier wird eine typische Fixerkarriere beschrieben, etwas plakativ aber wer den Artikel von Müller gelesen hat kann das Gelesene richtig einordnen.

Interview mit Christane F. von Christof Theis
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Hätte man sich sparen können. besonders an den Körner Verlag stelle ich diesen Anspruch. Christiane F. selber mache ich hier absolut keinen Vorwurf. Aus eigenem Erleben ist mir die Gefährlichkeit des Buches durchaus bewusst, dieses Buch war das Kultbuch meiner Generation und wir wollten alle so sein wie die Protagonistin. Die Gefährlichkeit des Buches besteht u.a. in dem Schluß: Christiane verlässt Berlin und die Szene, landet in irgendeiner Kleinstadt, macht einen Entzug aber keine Therapie ( 99 Prozent aller Fixer die nur körperlich entziehen werden rückfällig ) und alles ist easy. Wie gesagt verfolge ich den Lebensweg von Christiane schon sehr lange, natürlich ist sie mittlerweile wieder auf H und finanziert ihre Abhängigkeit mit den Verkaufserlösen aus dem Buch.

http://www.geocities.com/christiane1981/german.html => Interview mit Christiane F. ohne Kommentar von mir

Es ist auffallend wie Christiane immer wieder versucht ihr Image als " Oberjunkie der Nation " zu vermarkten, na ja besser jedenfalls als das Geld für Drogen auf dem Strich zu verdienen. Das ganze ist ziemlich daneben, aber vielleicht war 1980 die Handlungsweise und Motivation von Kristiane noch nicht so offensichtlich. Schade hier sollte ein User zu Wort kommen, wäre wichtig gewesen, wurde aber versaut.

Leonore oder Der Ausweg – Brigitte Kohns , Michael Rommelbacher
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Die Geschichte eines erfolgreichen Therapieverlaufes in der Therapeutischen Gemeinschaft Four Steps. In dieser Beschreibung erleben wir eine sozial unauffällige " broken-home-Situation". Vater Beamter und Mutter Arbeiterin, nach der Einschätzung von Leonore haben sich ihre Eltern nie besonders um sie gekümmert. Leonore wurde von ihrer Großmutter erzogen. Nachdem sie mehrfach straffällig geworden ist lässt sie sich, um eine Strafhaft zu vermeiden, auf eine Therapie in der oben erwähnten Einrichtung ein. Im folgenden wird nun Leonores Weg beschrieben. Am Ende der verschiedenen Abschnitte findet man jeweils einige theoretische Überlegungen.

Zitat: >> Dabei geht es uns weniger um Vollständigkeit und stilistische Brillanz. Wichtiger erscheint uns, Verständnis zu wecken und aufzuzeigen, dass Leonores Entwicklung unserer Entwicklung gar nicht so unähnlich ist..<<

Kommentar
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Das ganze bleibt von mir unkommentiert weil mich einiges an den Schlussfolgerungen der Autoren stört.

Zitat: >> Um in unserer Gesellschaft leben zu können, ist ein hohes Maß an Belastbarkeit notwendig. wer zu verletzlich ist gerät schnell an den Rand der Gesellschaft.<<

Das Ziel dieser Therapie war ja augenscheinlich ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft zu erzeugen. Was aber nun wenn die Gesellschaft an sich schon krank ist ? Ich will die Frage auch nicht weiter ausführen, auf jeden Fall hat der Bericht seine Berechtigung im Buch.

Wegwerfmenschen ? ein Briefwechsel - Heinz Körner
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Ein fikitiver Briefwechsel zwischen einem Drogensüchtigen und seinen Eltern, die Inhalte sind allerdings Wahrheit, sie beruhen allesamt auf Erfahrungen und Vorkommnissen die der Erzähler und seine Kollegen im Laufe ihrer Arbeit gesammelt haben.

Kommentar
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Hier hat Körner wirklich ein Meisterstück abgeliefert. Der Briefwechsel macht sehr deutlich wie Eltern und Kinder aneinander vorbeireden. Beide Parteien sind zwar durchaus gewillt mit einander zu kommunizieren aber es gelingt weder der einen noch der anderen Seite. Dieser Briefwechsel schreit geradezu nach einer vermittelnden Hand eines Dritten. Hier tritt die Notwendigkeit einer kompetenten Hilfe durch geschulte Sozialarbeiter ganz deutlich hervor.

2.) Das Buch
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Autor: verschiedene Autoren, herausgegeben von Heinz Körner
Titel: Heroin – die süchtige Gesellschaft
ISBN: 3-922028-03-99
Seiten: 165 Seiten
Preis: 10,50 EURO – gebraucht bei Amazon zum Zeitpunkt des Berichtes 6,82 EURO

3.) Die Autoren
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Heinz Körner ( Herausgeber ) :
Jahrgang 1974, lebt bei Stuttgart, nach einer kaufmännischen Lehre studierte er Sozialarbeit und arbeitete mehrere Jahre in diesem Bereich. Als Autor wurde er durch seine therapeutische Erzählung JOHANNES ( 1978 ) bekannt.

Kristiane Allert-Wybranietz
1955 geboren, veröffentlicht seit 1973 Gedichte. Bekannteste Veröffentlichungen sind ihre VERSCHENKTEXTE.

Dr. Gerhard Edel
1946 geboren und in Stuttgart aufgewachsen, arbeitet als Diplom-Pädagoge.

Brigitte Kohnz
Jahrgang 1956 und graduierte Sozialpädagogin, arbeitete in den Jahren 1977 und 1978 in der Fachklinik "Four Steps ".

Michael Rommelspacher
1949 geboren ist Diplom-Psychologe und Gestalttherapeut, er arbeitete mehrere Jahr in der Fachklinik "Four Steps ".

Alexander J. Müller
Geboren 1949, studierte in Tübingen Klinische Psychologie und ließ sich in Gesprächs- und Verhaltenstherapie ausbilden. Er arbeitet als freier Psychotherapeut in Stuttgart.

Christof Theis
Jahrgang 1955, seit 1974 Journalist. Er arbeitet als freier Mitarbeiter für verschiedene Magazine und Zeitungen.

4.) Fazit
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So sollte ein Aufklärungsbuch aufgebaut sein: eine Geschichte zur Einstimmung auf das Thema, eine fundierte wissenschaftliche Analyse gefolgt von Beschreibungen konkreter Fälle durch die das intellektuell beschriebene emotional untermauert wird, möglicht aus den verschiedenen Sichtweisen der Beteiligten. Eine schöne Ergänzung, die mir gut gefallen hat, sind die Gedichte und Karikaturen im Buch. Auf jeden Fall lesenswert und nicht nur für Erwachsene. Meiner Meinung nach sollte eine Schullektüre genauso aufgebaut sein, natürlich zeitgemäß angepasst mit stärkerem Gewicht auf die neuen Designerdrogen.

(c) by Araxas – 28.09.02


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-04 12:43:49 mit dem Titel Kaminer Wladimir - Militärmusik

Hoppla, also das vorliegende ist das Beste was ich in der letzten Zeit gelesen habe. Das Buch hat das Zeug zu einem echten Klassiker. In meinem Literatur -Kanon hat es jetzt schon einen festen Platz.

1) Handlung
2.) Gedanken und Bemerkungen zum Buch
3.) Das Buch
4.) Der Autor
5.) Links
6.) Fazit

1) Handlung
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Wladimir Kaminer, der Ich-Erzähler, berichtet von seinem Leben in der ehemaligen Sowjetunion. Er läßt uns an seinem Leben von seiner Geburt im Jahre 1967 bis zu seiner Ausreise nach Deutschland im Jahre 1990 teilhaben. Schon im Kindergarten zeigt sich sein ausgeprägtes Talent zum Geschichtenerzählen und mehr noch, zum Geschichtenerfinden. Das bringt ihm zwar kurzfristig Vorteile aber letztendlich nur Schwierigkeiten.

Die sozialistischen Bildungsbemühungen zeigen bei Wladimir überhaupt keinen Erfolg, im Gegenteil, er entwickelt eine ganz besondere Unfähigkeit darin etwas Solides zu lernen. So verwundert auch sein Berufswunsch niemanden sonderlich, er will nämlich Schauspieler werden. Sein Vater ist natürlich strikt dagegen, aber Wladimir erreicht durch sein konzentriertes Nichtstun und sinnloses Zeitvertrödeln genau das was er will, sein Vater läßt seine Beziehungen als leitender Angestellter spielen und Wladimir geht schließlich zur Theaterschule um Dramaturgie zu studieren. Dort findet er viele Gleichgesinnte, nicht nur unter den Studenten auch die Lehrer sind größtenteils Träumer und Hochstapler. Er hat auch gleich das Pech oder das Glück als Praktikant beim Majakowski-Theater zu landen dessen Chef sich eine gewisse Unabhängigkeit vom Regime bewahren will, was zur Folge hat das das Theater sehr wenig Unterstützung bekommt und seine Existenz über möglichst viele Vorstellungen sichern muß. Zudem werden einige, dem Regime unbequeme Leute, an eben dieses Theater abgeschoben, bei dieser chaotischen Truppe verlebt er doch eine recht lustige Zeit. Da er es ziemlich schnell fertig bringt sich, alles negative was ein Bürger der Sowjetunion nur tun, anzueignen wird er auch schnell im "schwarzen Buch" der Jugendabteilung des KGB registriert.

Die 80ziger Jahre beginnen mit dem Olympiajahr in Moskau und die Stadt wird von Schmarotzern aller Art gesäubert, Wladimir erhält eine Vorladung zur Jugendabteilung des Sicherheitsdienstes und es wird ihm nahegelegt die Stadt zu verlassen. Also macht es sich auf den Weg nach Riga wo er seinen alten Freund George wieder trifft, George hat auch gleich einen Job für Wladimir , und zwar sollen sie Begleitposten für 46 Rinder spielen die mit einem Rinderzug von Lettland nach Ubekistan transportiert werden sollen. 500 Rubel sind eine Menge Geld für 3 Wochen Zugfahrt mit ein paar Rindviechern und so machen die Beiden sich auf zu einer abenteuerlichen Reise quer durch alle Sowjetrepubliken. Anfängliche Schwierigkeiten mit Essensbeschaffung und Versorgung der Rinder werden mit dem antrainierten Organisationstalent aller Sowjetbürger schnell beseitigt und es wird sogar noch ziemlich amüsant als die zwei Kameraden Freundschaft mit dem Bewacher von Blechkannen mit hochprozentigem Inhalt schließen.

1982 findet ein Machtwechsel statt und der neue Generalsekretär sagt dem Schmarotzertum den Kampf an. So langsam wird es eng für Wladimir, er muß sich einen Job suchen, den findet er schließlich auch und wird Parkwächter, eigentlich ein ganz guter Job, er sitzt den ganzen Tag auf einer Parkbank und träumt vor sich hin, der Job hat nur einen Nachteil, er bekommt zwar regelmäßig Lohnabrechnungen, aber kein Geld. Wladimir genehmigt sich selbst Urlaub und siehe da, der Direktor der Fabrik meldet sich bei ihm und verspricht ihm Geld und eine ehrenvolle Aufgabe als Organisator kultureller Veranstaltungen. Die ganze Geschichte endet wieder einmal im totalen Chaos woran Wladimir, zugegebenermaßen, nicht ganz unschuldig ist und er muß sich bald nach einem neuen Job umsehen.

1983 dann lernt er die Moskauer Rockszene kennen und organisiert, zusammen mit seinem Freund, natürlich illegale Konzerte, in Moskau und anderen Städten. Das klappt auch ganz gut, wenn da nicht der KGB wäre der den Freunden immer mal wieder den Spaß verdirbt. In der Grobatotschow-Zeit wird das Leben der alternativen Jugendkultur etwas weniger gefahrenvoll und steht Mitte der 80ziger in voller Blüte. Mit seinem Freund Katzmann gönnt er sich eine schöne Zeit :

Zitat:>> Die anderen, die Ruhe suchten und sich von dem Stadtleben erholen sowie neue Drogen kennen lernen wollten, fuhren in Richtung Baltisches Meer nach Lettland.<<

Nach drei Monaten im Paradies wird Wladimir vom real existierenden Sozialismus eingeholt und von der Staatsmacht vor die Wahl gestellt: entweder geht er freiwillig zur Armee oder er landet unfreiwillig dort. Mit Hilfe seines Vaters und einigen Flaschen Wodka findet sich ein relativ harmloses Örtchen in der Nähe von Moskau wo er seine Dienstzeit herunterreißen kann. Wladimir wäre nicht Wladimir wenn er auch diese Zeit nicht nutzten würde um in diverse Fettnäppchen zu treten und, mit Hilfe der schrägen Typen die er dort vorfindet ein mittleres Chaos anzurichten.

Leider bekommt er während seiner Dienstzeit nicht viel von der, inzwischen stattgefundenen Perestroika mit, aber , wieder zurück im zivilen Leben weht ihn der starke Westwind rasch in Richtung Deutschland.

2.) Gedanken und Bemerkungen zum Buch
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Risiken und Nebenwirkungen
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Nach der Lektüre des Romanes hatte ich allergrößte Schwierigkeiten das Grinsen das mir beim Lesen im Gesicht stand wieder loszuwerden. Nur der Umstand daß hinter der, mit staubtrockenen Humor, erzählten Geschichte eine wirklich ernsthafte Beschreibung der Verhältnisse in der Sowjetunion von 1970 bis 1990 steckt hat diese Entspannung meiner Gesichtsmuskulatur bewirkt. Wer das letztere nicht erkennt läuft durchaus Gefahr fortan mit einem Dauergrinsen im Gesicht herumzulaufen. Bei Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen tragen sie ihren Buchhändler zu Reich-Ranicki oder denken sie selbst über das Gelesene nach.

Was hat mir besonders gut gefallen ?
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Es fällt nicht schwer zu erkennen das Wladimir zu den Anarchisten gehört die das System ablehnen, aber ebenso unschwer ist zu erkennen das sich selbst die Anarchisten mit dem System arrangieren. Der, für mich, allerbeste Teil der Erzählung ist der Bericht über den Aufenthalt am größten Indianerzeltplatz der Sowjetunion in Lettland. In diesem illegalen Lager gibt es drei große Gruppen nämlich die "Idos" Krischna-Anhänger, Buddhisten, einige Satanisten und andere Religionsfanatiker, dann gibt es da noch die "Narks" die Drogenfreaks die eine Art Vampirleben führen und nur nachts aktiv werden um die Mohnplantagen der lettischen Bauern zu plündern und die "Indis" die weder zu der einen noch zu der anderen Gruppe gehören, zu ihnen gehören z.B. Studenten die sich auf die Aufnahmeprüfung der Uni vorbereiten oder die Säuferbrigade die die Aufgabe hat die Touristen die es sich am See gemütlich machen wollen zu verscheuchen.

Gerade diese Anti-Kommunisten leben den perfekten Kommunismus, alles wird brüderlich geteilt und jeder ist sich seiner Aufgabe bewußt und erfüllt sie auch. Selbst als die "Narks" nach einem Unwetter und auf der Suche nach trockenem Papier das heilige Buch der "Idios" wegrauchen findet sich am Ende doch eine friedliche Lösung.

Köstlich, göttlich, ironisch einfach nur perfekt, so etwas will ich lesen.

3.) Das Buch
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Titel: Militär Musik
Autor Wladimir Kaminer
ISBN: 3442545323
Seiten: 191 Seiten
Preis: 18,00 EURO für die gebundene Ausgabe, 1 gebrauchtes Exemplar für 14,00 EURO bei Amazon.de

weitere Werke:

Russendisko => Erzählsammlung

4.) Der Autor ( teilweise, aber wörtlich vom Einband des Buches übernommen )
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Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk und studierte anschließend Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin. Mit der Erzählsammlung "Russendisko" avancierte das kreative Multitalent zu einem der beliebtesten und gefragtesten Jungautoren in Deutschland. Mit Militärmusik legt er seinen ersten Roman vor.

5.) Links
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Unter dem Stichwort Wladimir Kaminer findet man bei amazon.de einige Rezensionen zum Roman.

6.) Fazit
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Genauso stelle ich mit gute Gegenwartsliteratur vor, eine locker, unverkrampft erzählte Geschichte die auf den zweiten Blick ihre Substanz offenbart, Kaminer ist ein großartiger Erzähler, der es versteht seine Leser mit einfachen, klaren Sätzen zu fesseln und, ganz unverkrampft, seine Botschaft vermittelt.

© by Araxas / 13.10.02


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-28 12:15:57 mit dem Titel Kaminer Wladimir - Schönhauser Allee

Von dem Roman "Militärmusik" des Autors war ich ja mehr als begeistert, als ich dann in einer Buchhandlung das vorliegende Werk entdeckte mußte ich natürlich sofort zuschlagen und habe es nicht bereut. Mit gewohnt staubtrockenen Humor und einem Sinn für die Absonderlichkeiten des Alltags erzählt der Autor von dem Treiben in Berlin in der Schönhauser Allee

1.) Die Ultrakurzgeschichten
2.) Gedanken und Bemerkungen zum Autor
3.) Der Autor
4.) Das Buch
5.) Fazit

1.) Die Ultrakurzgeschichten
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Das Buch enthält 48 Minigeschichten, von denen ich einfach einmal ein paar vorstelle.

Blut auf der Schönhauser Allee
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Es ist die Geschichte von Wladimir, seinem Namensvetter, der eines nachts ein Wildschwein überfährt und es, kurzerhand, in den Kofferraum verfrachtet und seiner Frau als Geschenk mitbringen will. In der Schönhauser Allee angekommen muß er das Schwein zuerst einmal in den vierten Stock zerren, das ganze gestaltet sich als eine recht blutige Angelegenheit und in Wladimir kommt so langsam der Gedanke auf das, das mit dem Wildschwein vielleicht doch keine so gute Idee war. Die ganze blutige Aktion bleibt natürlich nicht unbemerkt und schon erscheint eine LKA-Einheit am Tatort, die sogleich das Haus stürmt und Wladimir mit blutigem Putzlappen und Putzeimer vorfindet, dar keine befriedigende Auskunft über den Verbleib seiner Frau abgeben kann, wird er, samt dem Schwein, auf Polizeirevier abtransportiert.

Kommentar
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Die erzählte Story wirkt natürlich nur durch die trockene Erzählweise von Kaminer. Ein typischer Satz von ihm als Zitat:" Sie legten ihm dennoch Handschellen an und betäubten ihn ein wenig - zur Sicherheit"

Händler auf der Schönhauser Allee
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Nachdem der Laden "Kinderparadies" wegen Konsumverachtung schließen mußte eröffnen fünf mutige Vietnamesen dort einen Lebensmittelladen. Wladimir findet sie deshalb so mutig weil sie sich durch das völlige Fehlen von Sprachkenntnissen und durch Zählunfähigkeit auszeichnen. Er geht sehr gerne dorthin einkaufen weil es dieser langweiligen Beschäftigung ein gewisser spielerisches Element gibt, weil man sich als Kunde immer etwas Einfallen lassen muß und auf alles gefaßt sein muß. Schon das System in dem die Waren geordnet sind ist nicht auf Anhieb zu durchschauen, Wladimir denkt das es daher kommt das die meisten Lebensmittel den Betreibern unbekannt sind, denn sie selbst essen etwas völlig anderes. Man riecht es jeden Tag in ihrer Mittagspause im Hausflur, der exotische Geruch ist schwer zu beschreiben und Wladimir stellt sich immer so etwas wie frittierten Hund mit Ananas vor.

Kommentar
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In dieser Geschichte taucht zum ersten Mal die Familie Dong auf und wird liebevoll ironisch von dem Autor parodiert. Ein Deutscher könnte vielleicht bei einigen Äußerungen Probleme bekommen, mal abgesehen davon das Wladimir auch über seine Landsleute herzieht sind seine Parodien wirklich liebevoll. und man merkt ganz deutlich die Sympathie die er für diese Menschen empfindet. Die Geschichten mit der Familie Dong sind eindeutig meine Lieblingsstorys.

Bücher aus dem Mülleimer
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Wladimir entdeckt beim Müll entsorgen einen Container voller Bücher, als neugieriger Mensch will er etwas über die Person der die Bücher gehört haben herausfinden und nimmt sie mit nach Hause und untersucht seine Mülleimerbibliothek und macht sich so seine Gedanken.

Kommentar
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Bei dieser Geschichte wird recht deutlich warum mir Kaminer so gut gefällt, bei allem Humor und locker, flockig erzählten Geschichten, enthalten alle Geschichten einen gewissen unaufdringlichen Anspruch. Und genau das unterscheidet ihn auch von anderen Autoren, wenn man genau hinhört dann kann man sehr viel zwischen den Zeilen erkennen. Aber immer wieder bin ich begeistert mit welcher Leichtigkeit er seine Aussagen und Ansichten transportiert.

Junggesellen und Familienwirtschaft
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Zitat:>> Die moderne islamische Familie direkt über uns besteht aus lauter Sportsfreunden und macht den meisten Krach. Was genau diese merkwürdigen Geräusche verursacht, ist immer noch ein Rätsel für uns. im Laufe des letzten Jahres gelangte ich durch ständiges ungewolltes zuhören zu der Überzeugung, daß sie aufeinander reiten. Am Nachmittag wird so etwas ähnliches wie Fußball gespielt. Mit vielen Toren. Ab 20.00 Uhr ist Rennen angesagt - eine Stunde. danach werden anscheinend die Pferde ausgewechselt und es geht von vorne los. Um Mitternacht werden die Gewinner ermittelt und die Preise ausgehändigt.<<

Kaminer erzählt hier von den Familien, nämlich eine islamische, eine vietnamesiche und eine russische ( seine eigene ) und den beiden deutschen Junggesellen die im gleichen Haus wohnen.

Kommentar
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Das Zitat habe ich deshalb gewählt damit der Leser einen Eindruck vom Schreibstil des Autors bekommt. Noch etwas was mich an Kaminer so begeistert, sein Erzählstil ist nie neutral, Sympathien und Antipathien werden unmißverständlich deutlich gemacht.

Integration auf der Schönhauser Allee
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Wladimir versucht den Wortmüll aus seinem Deutsch zu entfernen, er hat die Sprache nämlich nicht an der Universität gelernt sondern, mangels Kabelanschluß, bei den seriösen Fernsehsendern. und muß deshalb tierisch aufpassen. "Von der Sache her" konnte er ziemlich schnell ablegen, mit "sozusagen" wurde er auch recht schnell fertig, aber " ich muß nicht erst betonen " läßt sich doch etwas schwerer ablegen.

Kommentar
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Zitat:>> ...Aber von der Sache her sind in unserer Kleinfamilie große Fortschritte auf diesem Gebiet nicht zu übersehen, und einen Kabelanschluss haben wir, wie erwähnt, auch bereits. Ich muß also betonen, daß Integration für uns kein Wortmüll ist.<<

2.) Gedanken und Bemerkungen zum Autor
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Mich wundert, oder vielleicht wundert mich es auch nicht, das Kaminer relativ wenig Beachtung bei der Kritik findet. Wenn ich darüber nachdenke wie seinerzeit Milan Kunderas " Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" als witziger und intelligenter Roman gefeiert wurde, wird mir einiges klarer, um Gnade vor der Kritik zu finden muß die Story relativ depressiv und stark angereichert mit philosophischen und psychologischen Ansätzen. Dieser Roman kommt so bedeutungsschwanger daher, es ist wirklich zu Kotzen.

Bei Kaminer ist das völlig anders, zuerst einmal wird man gut unterhalten, zum Schmunzeln oder Lachen angeregt und mitgerissen von der Erzählfreudigkeit des Verfassers. Unaufdringlich vorhanden ist aber auch eine gewisse Tiefe der Erzählungen auf die man sich einlassen kann oder auch nicht. Der Autor hat zweifelsohne etwas zu sagen und sagt es auch in dem er teilweise sehr persönlich Stellung bezieht. Kaminer drängt sich dem Leser nicht auf entweder nimmt der Leser die Aussage an oder er läßt es bleiben.

Dadurch das der Verfasser sehr persönliche Dinge in seinen Geschichten preisgibt, entwickelt sich so etwas wie eine Beziehung zum Autor, ich selber hätte diese vermeintliche Person gerne zum Freund, ein Anarchist und Schlitzohr der sich zwar mit bestehenden Systemen, sei es in der ehemaligen Sowjetunion oder in Deutschland arrangiert aber niemals identifiziert und sich immer eine große Zuneigung zu den Benachteiligten, den Verlieren, den Chaoten und Außenseitern bewahrt hat.

3.) Der Autor ( teilweise, aber wörtlich vom Einband des Buches übernommen )
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Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk und studierte anschließend Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin. Mit der Erzählsammlung "Russendisko" avancierte das kreative Multitalent zu einem der beliebtesten und gefragtesten Jungautoren in Deutschland. Mit Militärmusik legte er seinen ersten Roman vor.

4.) Das Buch
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Titel: Schönhauser Allee
Autor Wladimir Kaminer
ISBN: 3-442-54168-9
Seiten: ca. 200 Seiten
Preis: 8,00 EURO

weitere Werke:

Russendisko => Erzählsammlung
Militärmusik => Roman

5.) Fazit
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Das faszinierende an Kaminer ist für mich sein unverwechselbarer Erzählstil, seine Direktheit, seine Offenheit, seine scharfe Beobachtungsgabe, seine unverkennbare Lust am Erzählen. Seine Erzählungen sind immer erheiternd ohne ins Triviale abzurutschen, wer gewillt ist einen Anspruch dahinter zu entdecken der wird auch fündig werden, wer nicht wird sich trotzdem köstlich amüsieren.

© 15.11.02 by Araxas

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