Erfahrungsbericht von Anachronistin
Grenzverletzung
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Grenzverletzung
Bei einem Ausverkauf in einer Buchhandlung entdeckte ich das Buch von Helmut Kaiser, in welchem er sehr persönlich über seine psychoanalytische Ausbildung berichtet.
Da es sich, wie gesagt, um ein Buch handelt, welches ich im Ausverkauf erworben habe, musste ich statt der 9,90 € nur 2,95 € bezahlen.
Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Tilmann Moser und endet mit einem Nachwort von Prof. Dr. Johannes Cremerius.
Im Anschluss an das Vorwort kommt Helmut Kaiser auf die Missstände und Schwierigkeiten in der Psychoanalyseausbildung zu sprechen.
Kaiser studiert an einem freudianisch ausgerichteten Institut (nach Sigmund Freud), deren Vorsitz drei Lehranalytiker bilden. Der Autor erklärt, dass, wer selbst Psychoanalytiker werden will, zunächst ein Psychologie- bzw. Medizinstudium absolviert haben muss, bevor er sich einer Lehranalyse unterzieht. Helmut Kaiser hat also durch sein abgeschlossenes Psychologiestudium die Vorraussetzungen zum Beginn der Lehranalyse erfüllt.
Erstaunt absolviert er die simple Aufnahmeprüfung, die darüber Klarheit schaffen soll, ob er gesund und emotional stabil genug ist, um eine Lehranalyse zu bewältigen und selbst Klienten analysieren zu können. – Problematisch ist hierbei auch, dass das Institut bei mangelhaften Bewerberzahlen dennoch seine Liquidität sichern muss, dass heißt, dass dann alle Bewerber genommen werden, gleichgültig, ob sie bezüglich ihrer Persönlichkeitsstruktur geeignet sind oder nicht. Hinzu kommt, dass die Auszubildenden ihre Lehranalyse intern absolvieren müssen. Es stehen keine unabhängigen Lehranalytiker zur Verfügung, denen gegenüber sich die Auszubildenden tatsächlich öffnen könnten. Alles spielt sich im Institut ab.
Kaiser ist verheiratet und hat eine Tochter. Seine Frau hat, wie er, Psychologie studiert und begibt sich zeitgleich mit ihm in die Lehranalyse desselben Instituts. – Sowohl Kaiser selbst als auch seine Frau werden der gleichen Analytikerin zugeteilt, was wiederum neuerliche Schwierigkeiten mit sich bringt, da die Lehranalytikerin unmöglich die notwenige Distanz zwischen den beiden Analysanden einhalten kann. – Beide sind unzufrieden mit der Situation und der Kompetenz der Lehranalytikerin und beantragen einen Wechsel. – Kaiser und seine Frau werden nun an den Mann ihrer ehemaligen Lehranalytikerin „weitergereicht“. Kaiser schildert seine individuellen Probleme innerhalb der Analyse, die es ihm unmöglich machen, eine Heilung zu erfahren, sondern ihn noch weiter in erlernte Verdrängungsmechanismen treiben, und ihn sogar noch neue lernen lassen. – Es stellt sich die Frage, warum er nicht zugunsten seiner Gesundheit die Lehranalyse abbricht. Dies hat zur Ursache, dass er inzwischen – ebenso wie seine Frau – viel in Studium und Analyse investiert hat, und er ohne erfolgreichen Abschluss nicht praktizierten dürfte. Daher hofft er, diese schwierige Zeit einfach zu überstehen.
Bald teilt ihm sein Lehranalytiker mit, dass seine Analyse nun beendet wäre. Kaiser ist zugleich überrascht und verunsichert, freut sich jedoch zunächst, die Ausbildung nun abgeschlossen zu haben, und nun eigenständig mit Patienten arbeiten zu können.
Doch ein neuer Schlag ereilt ihn, als seine Frau ihm unter Tränen berichtet, der Lehranalytiker hätte ihr eine Affäre angeboten. – Dies löst in Helmut Kaiser schier unbeherrschbare Wut aus. Jahrzehntelang unterdrückte Wut, Konfrontation mit Erinnerungen an seine Kindheit und ein unaufhaltsames Abstürzen in tiefe Depressionen kennzeichnen von nun an sein Leben.
Um nun nicht das Lesen des gesamten Buches vorwegzunehmen, belasse ich es bei diesen Schilderungen.
Für den an Psychoanalyse interessierten Leser ist das Buch sehr zu empfehlen, wobei zu beachten ist, dass es nicht vordergründig den Anspruch auf Fachlichkeit erhebt. Es geht hier um persönliches Erleben dieser Lehranalyse, welches beeindruckend reflektiert dargestellt wird.
Kaiser, Helmut (1996): Grenzverletzung. Macht und Mißbrauch in meiner
psychoanalytischen Ausbildung
Walther-Verlag
ISBN: 3-530-40024-6
Neupreis: 9,90 €
Bei einem Ausverkauf in einer Buchhandlung entdeckte ich das Buch von Helmut Kaiser, in welchem er sehr persönlich über seine psychoanalytische Ausbildung berichtet.
Da es sich, wie gesagt, um ein Buch handelt, welches ich im Ausverkauf erworben habe, musste ich statt der 9,90 € nur 2,95 € bezahlen.
Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Tilmann Moser und endet mit einem Nachwort von Prof. Dr. Johannes Cremerius.
Im Anschluss an das Vorwort kommt Helmut Kaiser auf die Missstände und Schwierigkeiten in der Psychoanalyseausbildung zu sprechen.
Kaiser studiert an einem freudianisch ausgerichteten Institut (nach Sigmund Freud), deren Vorsitz drei Lehranalytiker bilden. Der Autor erklärt, dass, wer selbst Psychoanalytiker werden will, zunächst ein Psychologie- bzw. Medizinstudium absolviert haben muss, bevor er sich einer Lehranalyse unterzieht. Helmut Kaiser hat also durch sein abgeschlossenes Psychologiestudium die Vorraussetzungen zum Beginn der Lehranalyse erfüllt.
Erstaunt absolviert er die simple Aufnahmeprüfung, die darüber Klarheit schaffen soll, ob er gesund und emotional stabil genug ist, um eine Lehranalyse zu bewältigen und selbst Klienten analysieren zu können. – Problematisch ist hierbei auch, dass das Institut bei mangelhaften Bewerberzahlen dennoch seine Liquidität sichern muss, dass heißt, dass dann alle Bewerber genommen werden, gleichgültig, ob sie bezüglich ihrer Persönlichkeitsstruktur geeignet sind oder nicht. Hinzu kommt, dass die Auszubildenden ihre Lehranalyse intern absolvieren müssen. Es stehen keine unabhängigen Lehranalytiker zur Verfügung, denen gegenüber sich die Auszubildenden tatsächlich öffnen könnten. Alles spielt sich im Institut ab.
Kaiser ist verheiratet und hat eine Tochter. Seine Frau hat, wie er, Psychologie studiert und begibt sich zeitgleich mit ihm in die Lehranalyse desselben Instituts. – Sowohl Kaiser selbst als auch seine Frau werden der gleichen Analytikerin zugeteilt, was wiederum neuerliche Schwierigkeiten mit sich bringt, da die Lehranalytikerin unmöglich die notwenige Distanz zwischen den beiden Analysanden einhalten kann. – Beide sind unzufrieden mit der Situation und der Kompetenz der Lehranalytikerin und beantragen einen Wechsel. – Kaiser und seine Frau werden nun an den Mann ihrer ehemaligen Lehranalytikerin „weitergereicht“. Kaiser schildert seine individuellen Probleme innerhalb der Analyse, die es ihm unmöglich machen, eine Heilung zu erfahren, sondern ihn noch weiter in erlernte Verdrängungsmechanismen treiben, und ihn sogar noch neue lernen lassen. – Es stellt sich die Frage, warum er nicht zugunsten seiner Gesundheit die Lehranalyse abbricht. Dies hat zur Ursache, dass er inzwischen – ebenso wie seine Frau – viel in Studium und Analyse investiert hat, und er ohne erfolgreichen Abschluss nicht praktizierten dürfte. Daher hofft er, diese schwierige Zeit einfach zu überstehen.
Bald teilt ihm sein Lehranalytiker mit, dass seine Analyse nun beendet wäre. Kaiser ist zugleich überrascht und verunsichert, freut sich jedoch zunächst, die Ausbildung nun abgeschlossen zu haben, und nun eigenständig mit Patienten arbeiten zu können.
Doch ein neuer Schlag ereilt ihn, als seine Frau ihm unter Tränen berichtet, der Lehranalytiker hätte ihr eine Affäre angeboten. – Dies löst in Helmut Kaiser schier unbeherrschbare Wut aus. Jahrzehntelang unterdrückte Wut, Konfrontation mit Erinnerungen an seine Kindheit und ein unaufhaltsames Abstürzen in tiefe Depressionen kennzeichnen von nun an sein Leben.
Um nun nicht das Lesen des gesamten Buches vorwegzunehmen, belasse ich es bei diesen Schilderungen.
Für den an Psychoanalyse interessierten Leser ist das Buch sehr zu empfehlen, wobei zu beachten ist, dass es nicht vordergründig den Anspruch auf Fachlichkeit erhebt. Es geht hier um persönliches Erleben dieser Lehranalyse, welches beeindruckend reflektiert dargestellt wird.
Kaiser, Helmut (1996): Grenzverletzung. Macht und Mißbrauch in meiner
psychoanalytischen Ausbildung
Walther-Verlag
ISBN: 3-530-40024-6
Neupreis: 9,90 €
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