Erfahrungsbericht von mackz
Nicht zum Schwein werden - aber zum Käfer
Pro:
eine Weihnachtsgeschichte, die nicht nur zu Weihnachten gelesen werden kann
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Den Hang zum Inzestuösen, Masochistische Strafphantasien, ein fremdorientiertes Identitätsbewusstsein, extrem übersteigerte Schuldgefühle, einen Ödipuskomplex und vor allem eine traumatische Abhängigkeit von der Familie im Seelisch-Affektivem hätte ein Psychiater Gergor Samsa bescheinigt, hätte er kurz vor seinem skurrilen Verwesen bei ihm auf der Couch gelegen. Doch hätte ein Arzt einen Käfer zu dem Gregor sich verwandelt hatte überhaupt in seine Praxis gelassen?
Denn genau damit beginnt Kafka die wohl umstrittenste Erzählung seines dichterischen Schaffens. Ein Handlungsreisender - nicht nur hier wird man an Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ erinnert - namens Gregor Samsa erwacht eines Morgens in seinem Bett als ein menschgroßes Insekt. Doch dem nicht genug - für Gregor beginnt dieser Tag mit einem viel größerem Trauma - er hat außerdem einen Termin verschlafen. Bestrebt seinen alltäglichen Verpflichtungen dem Chef, der Familie und dem Gewissen gegenüber trotzdem nachzugehen, stürzt er sich unbeholfen aus dem Bett und versucht verzweifelt seiner vor der Zimmertür versammelten Familie gegenüber die Situation zu retten. Die sieht ihn als das, was er seit Wochen schon innerlich geworden ist, ein monströses Insekt - immer in stupider Bewegung, beinahe nur noch aus Reflex und Angst handelnd ohne eigene Beziehung oder innere Befriedigung.
Natürlich resigniert er vor dem ihn zurücktreibenden Vater, selbstverständlich verkriecht er sich aus Rücksicht vor den Anderen wochen- ja monatelang in seinem Zimmer unter dem Bett und macht sich Vorwürfe: Wer wird jetzt die Familie ernähren, die bis jetzt nur von meinem Einkommen lebte? Wie werden sie mein Äußeres ertragen können? ich falle ihnen doch nur noch zur Last! Habe ich die Mutter auch nicht verängstigt.....
Anfangs müht sich die Schwester, die er doch so verehrt, um ihn. Bringt ihm Essen, kehrt das Zimmer und berichtet den sich ekelnden Eltern, die inzwischen selbst einer bezahlten Beschäftigung nachgehen, von ihrem Käfersohn. Die Situation wird immer unerträglicher und eskaliert als Gregor ein einziges Mal seine Passivität verlässt und durch einen Sprung auf ein von ihm geliebtes Damenportrait - mit dem er sich durch Käferschleim verklebt - dagegen wehrt, vollends als Tier abgetan zu werden........
Wer diese Erzählung liest steigt hinab, tief hinab in die dunkelsten Winkel menschlicher Einsamkeit und findet sich kaum zurecht in dieser von Ängsten und Zwängen zugeschnürten Welt. Da muss man schon aufpassen, das man beim Lesen nicht selbst einen Chitinpanzer bekommt und sich vergeblich mit 12 Beinen versucht aus der Erzählung zu flüchten. Generationen von Literaturkritikern und Germanisten haben vergebens versucht hinter diese Erzählung des Prager Dichters zu schauen und sich bis heute auf eine Formel geeignet: Kafka ist und bleibt nicht interpretierbar. Dennoch bleibt er lesbar! Und für jemanden der ein wenig versiert ist in der mit der Herausgabe der Erzählung zeitgleich erschienen Psychoanalyse Siegmund Freunds, der wird eine Ahnung von dem bekommen, was einen Kafka zu solch skurrilen Texten veranlasste.
Zur der zur Zeit kursierenden Ausgabe kann ich übrigens nur den Kopf schütteln. Kafka wehrte sich vehement dagegen einen Käfer oder irgendein anderes Insekt auf die Titelseite der Erstausgabe zu drucken - heute haben die Verleger scheinbar keine Gespür mehr für Literatur und drucken fleißig Käfer auf die Cover - wohl deshalb heissen sie jetzt auch anders: nämlich schlichtweg Manager.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-11 18:10:31 mit dem Titel Da kotzt der Bär und lacht der Elch
Spätestens seit dem Elchtest kennen wir die hauptberufliche Tätigkeit von Elchen: Autofahrer erschrecken. Aber was macht ein Elch, der bei einer Kampelei mit zwei betrunkenen Bären eine Geweihschaufel verloren hat.........?
Ich hole nicht gern Weihnachten mitten in den Oktober un lasse mir damit Halloween verderben, aber dennoch kaufe ich jetzt schon die Bücher, die meine Kleinen zu Weihnachten bekommen. Denn die heisst es zu entdecken. Gute Kinderbücher sind eine Rarität und ehen meistens in den 1000enden Neuerscheinungen unter. Man(n) oder Frau muss schon lange blättern und stöbern bis man so einen Volltreffer findet wie Volker Kriegels Buch:
Olaf, der Elch
Und so fange ich jetzt noch einmal an, und frage wie Volker Kriegel:
Was macht also ein Elch, der bei einer Kampelei mit zwei betrunkenen Bären eine Geweihschaufel verloren hat?
Vor allem läßt er deswegen den Kopf nicht hängen und lernt mit der abgebrochenen Schaufel allerlei Nützliches zu tun: Paddeln, Skilaufen, Fische fangen und natürlich die gemeinen Bären verprügeln.
Und er sucht sich einen Freund und stößt dabei auf den einäugigen Weihnachtsmann. Ein einfach unschlagbares Gespann. Was die beiden erleben und wie sie sich zu Weihnachten überraschen, daß lest selbst, solange der Weihnachtsbaum noch im Wohnzimmer steht und die Plätzchen noch reichen.
Diese Geschichte ist so ungewöhnlich, daß sie wiederum dem Leben unvergleichlich nahe erscheint. Zwei Außenseiter finden in ihrer Trostlosigkeit den Mut zum Weitermachen und Zusammenhalten und werden dabei zum sympathischsten Gespann der Weihnachtsmärchenbücher. Um solch einen Optimismus und solch eine Lebensfreude zu transportieren, schreiben andere Autoren hammerdicke moralapostolische Wälzer, in denen lehrreichen Stellen wie Merksätze formuliert und mit erhobenen Zeigefingern markiert sind.
Volker Kriegel hingegen schrieb nicht nur diese lustigen Zeilen über Olaf, der Elch mit einer spielerischen Leichtigkeit, sondern illustrierte sie auch noch in seiner unvergleichlichen und unvergeßlichen Art. Schon allein die Bilder geben mehr vom Geist der Weihnacht wieder als jede lange Kanzelrede. Sie illustrieren eigentlich nicht, sondern scheinen Vorlage für Text und Handlung zu sein. So wird das Buch ein Schmaus für alle Kinderherzen und Moment des fröhlichen Besinnens für uns, die es den Kleinen vorlesen.
Kriegel, Volker: \"Olaf, der Elch\"
Erschienen bei Haffmann
ISBN 3 251 00450 6
Hardcover
Preis ca. 20 DM
Denn genau damit beginnt Kafka die wohl umstrittenste Erzählung seines dichterischen Schaffens. Ein Handlungsreisender - nicht nur hier wird man an Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ erinnert - namens Gregor Samsa erwacht eines Morgens in seinem Bett als ein menschgroßes Insekt. Doch dem nicht genug - für Gregor beginnt dieser Tag mit einem viel größerem Trauma - er hat außerdem einen Termin verschlafen. Bestrebt seinen alltäglichen Verpflichtungen dem Chef, der Familie und dem Gewissen gegenüber trotzdem nachzugehen, stürzt er sich unbeholfen aus dem Bett und versucht verzweifelt seiner vor der Zimmertür versammelten Familie gegenüber die Situation zu retten. Die sieht ihn als das, was er seit Wochen schon innerlich geworden ist, ein monströses Insekt - immer in stupider Bewegung, beinahe nur noch aus Reflex und Angst handelnd ohne eigene Beziehung oder innere Befriedigung.
Natürlich resigniert er vor dem ihn zurücktreibenden Vater, selbstverständlich verkriecht er sich aus Rücksicht vor den Anderen wochen- ja monatelang in seinem Zimmer unter dem Bett und macht sich Vorwürfe: Wer wird jetzt die Familie ernähren, die bis jetzt nur von meinem Einkommen lebte? Wie werden sie mein Äußeres ertragen können? ich falle ihnen doch nur noch zur Last! Habe ich die Mutter auch nicht verängstigt.....
Anfangs müht sich die Schwester, die er doch so verehrt, um ihn. Bringt ihm Essen, kehrt das Zimmer und berichtet den sich ekelnden Eltern, die inzwischen selbst einer bezahlten Beschäftigung nachgehen, von ihrem Käfersohn. Die Situation wird immer unerträglicher und eskaliert als Gregor ein einziges Mal seine Passivität verlässt und durch einen Sprung auf ein von ihm geliebtes Damenportrait - mit dem er sich durch Käferschleim verklebt - dagegen wehrt, vollends als Tier abgetan zu werden........
Wer diese Erzählung liest steigt hinab, tief hinab in die dunkelsten Winkel menschlicher Einsamkeit und findet sich kaum zurecht in dieser von Ängsten und Zwängen zugeschnürten Welt. Da muss man schon aufpassen, das man beim Lesen nicht selbst einen Chitinpanzer bekommt und sich vergeblich mit 12 Beinen versucht aus der Erzählung zu flüchten. Generationen von Literaturkritikern und Germanisten haben vergebens versucht hinter diese Erzählung des Prager Dichters zu schauen und sich bis heute auf eine Formel geeignet: Kafka ist und bleibt nicht interpretierbar. Dennoch bleibt er lesbar! Und für jemanden der ein wenig versiert ist in der mit der Herausgabe der Erzählung zeitgleich erschienen Psychoanalyse Siegmund Freunds, der wird eine Ahnung von dem bekommen, was einen Kafka zu solch skurrilen Texten veranlasste.
Zur der zur Zeit kursierenden Ausgabe kann ich übrigens nur den Kopf schütteln. Kafka wehrte sich vehement dagegen einen Käfer oder irgendein anderes Insekt auf die Titelseite der Erstausgabe zu drucken - heute haben die Verleger scheinbar keine Gespür mehr für Literatur und drucken fleißig Käfer auf die Cover - wohl deshalb heissen sie jetzt auch anders: nämlich schlichtweg Manager.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-11 18:10:31 mit dem Titel Da kotzt der Bär und lacht der Elch
Spätestens seit dem Elchtest kennen wir die hauptberufliche Tätigkeit von Elchen: Autofahrer erschrecken. Aber was macht ein Elch, der bei einer Kampelei mit zwei betrunkenen Bären eine Geweihschaufel verloren hat.........?
Ich hole nicht gern Weihnachten mitten in den Oktober un lasse mir damit Halloween verderben, aber dennoch kaufe ich jetzt schon die Bücher, die meine Kleinen zu Weihnachten bekommen. Denn die heisst es zu entdecken. Gute Kinderbücher sind eine Rarität und ehen meistens in den 1000enden Neuerscheinungen unter. Man(n) oder Frau muss schon lange blättern und stöbern bis man so einen Volltreffer findet wie Volker Kriegels Buch:
Olaf, der Elch
Und so fange ich jetzt noch einmal an, und frage wie Volker Kriegel:
Was macht also ein Elch, der bei einer Kampelei mit zwei betrunkenen Bären eine Geweihschaufel verloren hat?
Vor allem läßt er deswegen den Kopf nicht hängen und lernt mit der abgebrochenen Schaufel allerlei Nützliches zu tun: Paddeln, Skilaufen, Fische fangen und natürlich die gemeinen Bären verprügeln.
Und er sucht sich einen Freund und stößt dabei auf den einäugigen Weihnachtsmann. Ein einfach unschlagbares Gespann. Was die beiden erleben und wie sie sich zu Weihnachten überraschen, daß lest selbst, solange der Weihnachtsbaum noch im Wohnzimmer steht und die Plätzchen noch reichen.
Diese Geschichte ist so ungewöhnlich, daß sie wiederum dem Leben unvergleichlich nahe erscheint. Zwei Außenseiter finden in ihrer Trostlosigkeit den Mut zum Weitermachen und Zusammenhalten und werden dabei zum sympathischsten Gespann der Weihnachtsmärchenbücher. Um solch einen Optimismus und solch eine Lebensfreude zu transportieren, schreiben andere Autoren hammerdicke moralapostolische Wälzer, in denen lehrreichen Stellen wie Merksätze formuliert und mit erhobenen Zeigefingern markiert sind.
Volker Kriegel hingegen schrieb nicht nur diese lustigen Zeilen über Olaf, der Elch mit einer spielerischen Leichtigkeit, sondern illustrierte sie auch noch in seiner unvergleichlichen und unvergeßlichen Art. Schon allein die Bilder geben mehr vom Geist der Weihnacht wieder als jede lange Kanzelrede. Sie illustrieren eigentlich nicht, sondern scheinen Vorlage für Text und Handlung zu sein. So wird das Buch ein Schmaus für alle Kinderherzen und Moment des fröhlichen Besinnens für uns, die es den Kleinen vorlesen.
Kriegel, Volker: \"Olaf, der Elch\"
Erschienen bei Haffmann
ISBN 3 251 00450 6
Hardcover
Preis ca. 20 DM
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