Erfahrungsbericht von Fhrink
Nackte Angst
Pro:
In richtiger Stimmung gelesen, ein Werk, nach dem man in den nächsten Tagen Dunkelheit und abgelegene Stellen meidet, und sicher kommt niemand mehr danach auf die Idee, sich an ein Bett fesseln zu lassen...
Kontra:
Der übliche King-Touch ins Triviale. Aber wirklich nur marginal störend.
Empfehlung:
Nein
Vor 10 Jahren (leider fiel mir das Werk erst jetzt in die
Hände) veröffentlichte Stephen King \"Gerald\'s Game\", deutsch
in \"Das Spiel\" übersetzt.
In typischer King-Manier versteht er es auch mit dieser
Story Angst zu verbreiten in einer eigentlich banalen Aus-
gangssituation.
So beginnt der Roman mit der Schilderung von Jessie Bur-
lingame\'s Lage, die sich von ihrem Partner Gerald mit Hand-
schellen ans Bett hat fesseln lassen und das zunehmend be-
reut. Gerald, 17 Jahre älter, kann sich sexuell nur noch
durch derartige Spielchen stimulieren.
Jessie verlangt, wieder befreit zu werden, da ihr bewußt
wird, dass die auf solche Nummern eigentlich keine Lust hat.
Doch die Erregung hat Gerald längst übermannt.
Er belästigt seine Partnerin, die sich schließlich mit kräf-
tigen Tritten in die Eingeweide gegen ihn zur Wehr setzt.
Er kommt nach diesen Attacken zum Sturz...und stirbt.
Von diesem Punkt an läßt King seine Protagonistin immer
massivere Ängste durchstehen, als sei das bis dahin Erlebte
noch nicht heftig genug.
Jessie ist mit Handschellen ans Bett gefesselt, weit ent-
fernt von Menschen, die ihr helfen könnten, mitten im Wald
in ihren gemeinsamen Sommerhaus an einem Wochenende, an den
sie niemand vermissen würde und vor Einbruch der Dunkelheit.
Nach einer ersten Erleichterung darüber, sich der sexuellen
Belästigung entledigt zu haben, wird ihr ihre Situation
immer drastischer bewußt.
Ihr Gatte liegt tot auf dem Boden, sie ist nicht in der Lage,
die Schlüssel für die Handschellen zu erreichen, sie kann
keine Nahrung aufnehmen, sie weiß nicht, ob sich überhaupt
irgendwann jemand in diese Gegend verirren wird.
Doch sie bekommt Besuch...
Ein streunender Köter, hungrig, findet den Weg durch die
offen stehende Tür ins Zimmer von Gerald und Jessie.
Zu deren Entsetzen beginnt das Vieh die Leiche anzufressen.
Jessie\'s Grauen wächst, dann wächst ihr Durst.
Zugleich beginnt ihr Geist Spiele mit ihr zu treiben.
Sie führt Zwiegespräche mit imaginären Figuren aus ihrem
Leben, je länger sie dort hilflos liegt.
Durch ein improvisatorisches Meisterstück gelingt es ihr
mit einem mit Füßen und Mund gebastelten \"Strohhalm\" ein
Glas Wasser in ihrer Nähe zu erreichen.
Später stattet ihr der Hund einen weiteren Besuch ab.
Während dieser sich aber damit begnügt, weiter an Gerald
herum zu knabbern, so soll es später für Jessie noch we-
sentlich gespenstischer werden.
Die Nacht bricht herein und es bleibt nicht nur beim Besuch
aus der Tierwelt.
Während sie im Halbschlaf rum träumt und Möglichkeiten
ihrer Befreiung erörtert, fällt ihr Blick auf einmal in
eine Ecke des Zimmers. Sie sieht dort in der nur von Mond-
und Sternenlicht erhellten Nacht einen Mann stehen. Panik
und Hysterie ergreift sie. In der Erwartung des sicheren
Todes wird ihr in einem klaren Moment bewußt, dass das
\"Wesen\" nichts tut. Es steht reglos in der Ecke. Ist es
überhaupt real? Sie faßt Mut und spricht es an. Doch sie
erhält keine Antwort. Der Mann beobachtet sie nur und
bleibt sonst reglos. Vorerst.
Dann kommt doch Bewegung in die Kreatur. Sie hat einen
Aktenkoffer dabei. Die Gestalt öffnet diesen wortlos.
Es kommen Menschenknochen und Juwelen zum Vorschein!
An dieser Stelle erlöst King sein Opfer zunächst durch
eine gnädige Ohnmacht von ihrem Grauen.
An anderen Tag wacht die von Alpträumen geplagte, sonst
aber unversehrte, Jessie auf. Sie atmet auf, als sie be-
merkt, dass ihr \"Gast\" nicht mehr im Haus ist und beginnt
nun einen Wettlauf mit der Zeit. Aus fürchterlicher Angst
vor einer weiteren Nacht mit ungebetenen Gästen und aus
der Notwendigkeit heraus, den Körper mit Nahrung zu ver-
sorgen, macht sie sich nun daran, ihre schmerzhafte Be-
freiung in Angriff zu nehmen...
Keine Lektüre für Weichgesottene!
Stephen King verbreitet herrliche Grusel-Atmosphäre (ohne
übersinnliche Phänomene zu bemühen), am besten wirkend,
wenn man das Buch nachts alleine im Haus liest.
Es gibt zwar einige Längen, irgendwie zwangsläufig, denn
ein Mensch, der gefesselt auf einem Bett liegt, gibt
nicht soviel Handlungsspielraum, wie es Storys mit mehr
Hauptdarstellern tun.
So ergießt sich King in der Nebenhandlung mit der Beschrei-
bung eines Kindheitstraumas von Jessie, das sie in den
Momenten ihrer unterbewußten Phantastereien nochmal durch-
lebt. Aber das ist nicht weiter störend im Ablauf der
Horror-Story, in der King am Ende Jessie noch mehrfach
mit ihrem unheimlichen nächtlichen Gast konfrontiert und
zwar mit geradezu sadistischer Freude.
Insgesamt gelingt es ihm einmal mehr, den Leser in die Si-
tuation der Hauptfigur zu versetzen und ihn deren Ängste
erleben, ja beinahe durchleben zu lassen.
Hände) veröffentlichte Stephen King \"Gerald\'s Game\", deutsch
in \"Das Spiel\" übersetzt.
In typischer King-Manier versteht er es auch mit dieser
Story Angst zu verbreiten in einer eigentlich banalen Aus-
gangssituation.
So beginnt der Roman mit der Schilderung von Jessie Bur-
lingame\'s Lage, die sich von ihrem Partner Gerald mit Hand-
schellen ans Bett hat fesseln lassen und das zunehmend be-
reut. Gerald, 17 Jahre älter, kann sich sexuell nur noch
durch derartige Spielchen stimulieren.
Jessie verlangt, wieder befreit zu werden, da ihr bewußt
wird, dass die auf solche Nummern eigentlich keine Lust hat.
Doch die Erregung hat Gerald längst übermannt.
Er belästigt seine Partnerin, die sich schließlich mit kräf-
tigen Tritten in die Eingeweide gegen ihn zur Wehr setzt.
Er kommt nach diesen Attacken zum Sturz...und stirbt.
Von diesem Punkt an läßt King seine Protagonistin immer
massivere Ängste durchstehen, als sei das bis dahin Erlebte
noch nicht heftig genug.
Jessie ist mit Handschellen ans Bett gefesselt, weit ent-
fernt von Menschen, die ihr helfen könnten, mitten im Wald
in ihren gemeinsamen Sommerhaus an einem Wochenende, an den
sie niemand vermissen würde und vor Einbruch der Dunkelheit.
Nach einer ersten Erleichterung darüber, sich der sexuellen
Belästigung entledigt zu haben, wird ihr ihre Situation
immer drastischer bewußt.
Ihr Gatte liegt tot auf dem Boden, sie ist nicht in der Lage,
die Schlüssel für die Handschellen zu erreichen, sie kann
keine Nahrung aufnehmen, sie weiß nicht, ob sich überhaupt
irgendwann jemand in diese Gegend verirren wird.
Doch sie bekommt Besuch...
Ein streunender Köter, hungrig, findet den Weg durch die
offen stehende Tür ins Zimmer von Gerald und Jessie.
Zu deren Entsetzen beginnt das Vieh die Leiche anzufressen.
Jessie\'s Grauen wächst, dann wächst ihr Durst.
Zugleich beginnt ihr Geist Spiele mit ihr zu treiben.
Sie führt Zwiegespräche mit imaginären Figuren aus ihrem
Leben, je länger sie dort hilflos liegt.
Durch ein improvisatorisches Meisterstück gelingt es ihr
mit einem mit Füßen und Mund gebastelten \"Strohhalm\" ein
Glas Wasser in ihrer Nähe zu erreichen.
Später stattet ihr der Hund einen weiteren Besuch ab.
Während dieser sich aber damit begnügt, weiter an Gerald
herum zu knabbern, so soll es später für Jessie noch we-
sentlich gespenstischer werden.
Die Nacht bricht herein und es bleibt nicht nur beim Besuch
aus der Tierwelt.
Während sie im Halbschlaf rum träumt und Möglichkeiten
ihrer Befreiung erörtert, fällt ihr Blick auf einmal in
eine Ecke des Zimmers. Sie sieht dort in der nur von Mond-
und Sternenlicht erhellten Nacht einen Mann stehen. Panik
und Hysterie ergreift sie. In der Erwartung des sicheren
Todes wird ihr in einem klaren Moment bewußt, dass das
\"Wesen\" nichts tut. Es steht reglos in der Ecke. Ist es
überhaupt real? Sie faßt Mut und spricht es an. Doch sie
erhält keine Antwort. Der Mann beobachtet sie nur und
bleibt sonst reglos. Vorerst.
Dann kommt doch Bewegung in die Kreatur. Sie hat einen
Aktenkoffer dabei. Die Gestalt öffnet diesen wortlos.
Es kommen Menschenknochen und Juwelen zum Vorschein!
An dieser Stelle erlöst King sein Opfer zunächst durch
eine gnädige Ohnmacht von ihrem Grauen.
An anderen Tag wacht die von Alpträumen geplagte, sonst
aber unversehrte, Jessie auf. Sie atmet auf, als sie be-
merkt, dass ihr \"Gast\" nicht mehr im Haus ist und beginnt
nun einen Wettlauf mit der Zeit. Aus fürchterlicher Angst
vor einer weiteren Nacht mit ungebetenen Gästen und aus
der Notwendigkeit heraus, den Körper mit Nahrung zu ver-
sorgen, macht sie sich nun daran, ihre schmerzhafte Be-
freiung in Angriff zu nehmen...
Keine Lektüre für Weichgesottene!
Stephen King verbreitet herrliche Grusel-Atmosphäre (ohne
übersinnliche Phänomene zu bemühen), am besten wirkend,
wenn man das Buch nachts alleine im Haus liest.
Es gibt zwar einige Längen, irgendwie zwangsläufig, denn
ein Mensch, der gefesselt auf einem Bett liegt, gibt
nicht soviel Handlungsspielraum, wie es Storys mit mehr
Hauptdarstellern tun.
So ergießt sich King in der Nebenhandlung mit der Beschrei-
bung eines Kindheitstraumas von Jessie, das sie in den
Momenten ihrer unterbewußten Phantastereien nochmal durch-
lebt. Aber das ist nicht weiter störend im Ablauf der
Horror-Story, in der King am Ende Jessie noch mehrfach
mit ihrem unheimlichen nächtlichen Gast konfrontiert und
zwar mit geradezu sadistischer Freude.
Insgesamt gelingt es ihm einmal mehr, den Leser in die Si-
tuation der Hauptfigur zu versetzen und ihn deren Ängste
erleben, ja beinahe durchleben zu lassen.
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