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Erfahrungsbericht von eponnin

"Das Phantom " von Susan Kay

Pro:

einfach überwältigend schön

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Nein

Schon seit Jahren bin ich von diesem Thema, von dieser Figur des Phantoms – Erik – fasziniert. Als ich dann irgendwann eher zufällig das Buch von Susan Kay entdeckte, kaufte und verschlang ich es fast in einem Zug (leider lassen sich 412 Seiten nicht wirk-lich auf einem Mal lesen).

Dieses Buch erzählt nicht nur über die letzten 6 Monate des Phantoms in der Pariser Oper wie der Urroman von Gaston Leroux, sondern es beginnt dort, wo jedes Leben beginnt, nämlich bei der Geburt. Die Autorin versucht aufgrund von kurzen biografischen Hinwei-sen in Leroux’ Roman und umfangreichen geschichtlichen Recherchen das mögliche Le-ben von Erik (dem späteren Phantom) zu erzählen.

Das Buch ist in mehrere Zeitabschnitte eingeteilt, in denen verschiedene Personen die Geschichte aus ihrer Sicht erzählen.

1831 – 1840 Madelaine
Es beginnt Madeleine, Erik’s Mutter, die aufgrund eines tragischen Unfalls Witwe gewor-den ist. Zwar geschockt vom Anblick ihres Neugeborenen lässt sie … es … als gläubige Christin am Leben, doch Lieben kann sie es nicht. Das erste „Geschenk“ ist eine Maske, damit sie das schreckliche Antlitz nicht ertragen muß. Mit tiefer Furcht merkt sie mit der Zeit, dass das Kind ungewöhnliche Begabungen hat – es verzaubert mit seiner reinen Stimme und ist unglaublich begabt.
Doch beide sind von der Gemeinschaft ausgeschlossen, denn das Gerücht vom „Monster“ hat schnell seine Runde gemacht. So darf Erik nie das Haus verlassen und entwickelt sich zu einem hoch intelligenten, verstörten Kind.

1840 – 1843 Erik
Aus Angst davor, von seiner Mutter in eine Irrenanstalt gesteckt zu werden, flieht der junge Erik und wird von Zigeunern aufgegriffen, die ihn als schaurige Attraktion ausstel-len, jedoch bald die Magie seiner Stimme entdecken. Bei ihnen lernt er viel über die Wir-kung von Kräutern und Drogen. Mit ihnen reist er durch die verschiedensten Länder, doch auch hier ist er nur gefürchteter Außenseiter. Also flieht er auch hier

1844 – 1846Giovanni
In Italien trifft er auf den Steinmetzmeister Giovanni, und das erste Mal in seinem jungen Leben erfährt er es, wie es sich anfühlt geliebt zu werden, denn Giovanni nimmt ihn auf wie einen Sohn, zeigt ihn die Fertigkeiten seines Berufes und stellt dabei keine Fragen.
Doch seine Tochter, Luciana hat in ihrem jugendlichen Übermut Interesse an den Jungen mit der Maske gefunden.
Und es kommt wie es kommen muß – ein Unglück passiert, und wieder flieht Erik.

1850-1853 Nadir
Es verschlägt ihn über Russland, wo er als Magier mit seiner berauschenden Stimme die Leute verblüfft in den Orient, nach Mazenderan, wo er am Hof des Schahs ein Spiegella-byrinth baut, dass vielen Menschen das leben kostet. Immer häufiger ist er gezwungen zu morden, weil man ihm nach dem Leben trachtet, allein wegen seiner geheimnisvollen maskierten Gestalt. Immer mehr beginnt er die Menschen zu verabscheuen, weil sie ihn fürchten und hassen.
Hier lernt er auch den Perser Nadir kennen, zu den er eine Art respektvoller Freundschaft entgegenbringt.
Doch auch hier kann er nicht lange bleiben, denn Haß und Missgunst werden immer grö-ßer.

1856-1881Erik
In Belgien kann er erstmals ein in beschränktem Maße normales Leben als Architekt füh-ren. Geschäfte wickelte er über einen Mittelsmann ab, seine Arbeiten waren aufgrund seines außergewöhnlichen Talentes stark gefragt.
Doch sein Interesse ist geweckt, als er vom Bau der Pariser Oper liest. Er erlangt das Vertrauen von Garnier, dem eigentlichen Architekten der Oper, und in der Folgezeit ge-winnt er immer stärkeren Einfluß beim Bau der Oper, und unbemerkt von anderen kann er in den tiefen Kellergewölben an einem unterirdischen See sein eigenes geheimes Reich errichten, wo er ein Leben abgeschottet von Haß und Verfolgung führen kann.
Und er kann die Musik der Oper genießen, denn Musik ist sein Leben. Durch ein wenig Zauberei und dem daraus entstehenden Gerüchtes von einem „Phanton der Oper“ ver-schafft er sich großen Einfluß auf die Opernleitung.
Alles verläuft endlich ruhig … bis er eine junge, unausgebildete Sängerin hört … Christine. Und der ist sofort verzaubert, besessen von ihr.

1881Erik und Christine
Es beginnt, was nur tragisch enden kann. Erik spürt in sich Gefühle aufkommen, die ihn vollkommen beherrschen … Liebe. Wo er doch eigentlich nur noch Haß für die Menschen „oben“ empfindet. Doch genauso ist ihm klar, dass er kein normaler Mann ist.
Also tritt er als „Engel der Musik“ auf, der durch einen Spiegel zu Christine spricht und ihre Stimme ausbilden will. Fasziniert von der mysteriösen Stimme aus dem Spiegel, un-terliegt sie bald vollkommen ihrem neuen Meister. Er bringt sie soweit, dass sie Reif für eine Hauptrolle in einer Oper ist.
Als jedoch Raoul, ein Freund ihrer Kindheit auftaucht und ihr Avancen macht, brennt in Erik die Eifersucht auf.
Nach einen durch Intrigen der Operndiva La Carlotta katastrophalen Vorstellung entführt Erik seine Christine hinunter in sein Reich, verfolgt von Raoul und dem Perser, der Erik in Paris wiedergetroffen hat.
Als es zum Finale kommt muß Erik die Wahl treffen – will er er die beiden Eindringlinge töten und Christine für immer gefangen halten oder alle frei lassen und an seinem gebro-chenen Herzen sterben – Monster oder Mensch.
Und er lässt sie ziehen, denn Christine hat ihm das gewährt, was er nie im Leben erhofft hat – einen einzigen Kuß.

1897 Raoul
17 Jahre nach diesen Ereignissen - Raoul mit Charles, dem Sohn von Christine und … ihm. Christine ist gestorben und er lebt mit seinen Sohn zusammen, der schön ist, aber weder ihm noch Christine ähnelt und mit einer engelsgleichen Stimme gesegnet ist …

Ich war von Anfang an berauscht von dieser Geschichte, dem Musical, allem.
Dieses Buch gibt dem Musical einen Hintergrund, es gibt das Verständnis und Mitgefühl für das Phantom – Erik, auch wenn diese Geschichte nur der Versuch ist, das Leben von Erik zu rekonstruieren.

Wer diese Geschichte liest wird in den Bann dieses Mannes gezogen, und es gibt so viele Filme und Musicals zu diesem Thema, gute und schlechte. Ich hoffe, ich werde noch eini-ge hier veröffentlichen können.

Und zum Schluß bleibt immer die Frage – hat er wirklich gelebt? Ich habe schon Stunden in der Pariser Oper gesessen, um eine Antwort zu bekommen, aber er hat nicht geant-wortet.

Erschienen im Hyne-Verlag
ISBN 3 – 453 – 06355 -4
Preis: damals 12,90 DM

16 Bewertungen, 4 Kommentare

  • FloVi

    21.05.2002, 00:28 Uhr von FloVi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das hört sich mehr als nur interessant an. Gruß aus Berlin

  • Gremlin

    19.05.2002, 18:43 Uhr von Gremlin
    Bewertung: sehr hilfreich

    Auch bei diesem Buch kann ich Dir nur zustimmen!

  • mipam

    11.05.2002, 22:25 Uhr von mipam
    Bewertung: sehr hilfreich

    klasse bericht, hat mir sehr gut gefallen mipam

  • anonym

    11.05.2002, 22:09 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    serh ausführlich *applaus* ...einen schönen Samstag noch [cu Fredyy]