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Erfahrungsbericht von apobiene

Kellerman, Faye: Denn verschwiegen ist die Nacht

Pro:

spannend, viel Persönlichkeit der Figuren

Kontra:

teilweise skurrile Eigenschaften der Figuren, die sie nicht allzu sympathisch machen

Empfehlung:

Nein

Als eingeschworener Fan der Kriminalgeschichten um Peter Decker und Rina Lazarus kaufe ich unbesehen jeden neue Titel der Autorin Faye Kellerman. Und da in englischer Sprache noch einige Titel mehr erhältlich sind, als derzeit auf deutsch angeboten werden, werde ich alle paar Monate beim Besuch der Buchhandlung kribbelig, wenn dem üblichen Erscheinungstakt nach wieder ein neues Buch ansteht. Schon beim Betreten der Buchhandlung schweift der Blick über das Bestseller- und Neuheitenregal, denn mittlerweile hat Faye Kellerman offenbar eine derart große Fangemeinde gesammelt, dass sich die Bestellung größerer Buchmengen für die Buchhandlungen lohnt.

Hocherfreut stürmte ich daher vor ein paar Wochen auf den neuen Titel zu, der wie alle Faye Kellerman-Bücher einen irgendwie biblisch klingenden Titel trägt: Denn verschwiegen ist die Nacht. Und danach: Ab mit meinem brandneuen Exemplar an die Kasse, 11 Euro gezahlt und sofort nach Hause, um den neuen Titel zu verschlingen. (Anmerkung zum Preis: Es handelt sich um die TB-Ausgabe, Februar 2002)

Nun ist es ja nicht ungewöhnlich, dass zunächst ein Vorspann langsam in die Geschichte einführt. Die Hauptpersonen tauchen nicht immer gleich zu Beginn auf und auch der Ort des Geschehens kann zunächst außerhalb des üblichen Handlungsumfeldes liegen. Daher verschlang ich die ersten 20 oder 30 Seiten um den seltsamen Detective Romulus Poe in der Erwartung, es werde schon noch irgendwie eine Brücke gebaut werden von Las Vegas, dem Ort der Handlung, nach Los Angeles, wo Peter Decker sein Revier hat.

Irgendwo zwischen Seite 25 und 50 wuchs dann doch die Erkenntnis, dass Peter Decker wohl eher weniger mit diesem Buch zu tun hat. Daraufhin fand ich es an der Zeit, den Umschlagtext zu lesen, und diesem war zu entnehmen, Faye Kellerman riskiere mit diesem Buch, ihre alten Fans zu vergraulen. Und wieder kein Wort von Peter Decker, der übrigens bis zum Ende des Buches nicht auftaucht. Denn Faye Kelleman hat eine neue Figur geschaffen: den Detective Romulus Poe.

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Zum Inhalt des Buches:
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Um die Spannung nicht zu verderben, will ich den eigentlichen Fall nur sehr kurz beschreiben und mich dann den Personen widmen:

Der Fund einer grausam zugerichteten Leiche steht für Detective Romulus Poe am Anfang des Falles, der ihn zu Ermittlungen in und um Las Vegas, in Spielcasinos und verrufene Gegenden und auch in die umgebende Wüste führt. Eine Jugendfreundin ist in den Fall verwickelt und auch der alte Indianer Y, den Poe von Kindesbeinen an kennt, spielt eine undurchsichtige Rolle. Poe entdeckt eine Verbindung zu einem ähnlichen Fall, der über 20 Jahre zurück liegt. An vielen Stellen scheint der Fall mit seiner eigenen Vergangenheit zusammenzuhängen.
Im Verlauf der Ermittlungen tauchen weitere Leichen auf und selbstverständlich gibt es am Ende eine, wenn auch überraschende, Aufklärung (oder zumindest etwas mehr Klarheit).

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Die Hauptpersonen:
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Romulus Poe:
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- Detective bei der Polizei von Las Vegas, stammt aus Vegas, hat aber lange in Reno gewohnt
- 159,25 cm groß
- notorischer Spieler, der einen guten Teil seiner Einnahmen aus Glücksspiel bezieht und in Casinos nicht gerne gesehen wird
- wohnt in einer Hütte in der Wüste, ohne Wasser und Strom
- leidet unter krankhaften Ticks, wie z.B. Trommeln mit den Fingern
- geht zur Triebabfuhr auch schon mal zu Prostituierten – mit Wissen seiner Freundin

Remus Poe:
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- eineiiger Zwillingsbruder von Romulus, Architekt in Reno
- von Geburt an ursprünglich ebenfalls kleinwüchsig
- durch Behandlung mit Wachstumshormonen 2m groß und kräftig, leidet aber unter Akromegalie (Verformungen durch zuviel Wachstumshormone)
- vom Charakter her: typischer großer Bruder

Rukmani Kalil:
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- Gerichtsmedizinerin indischer Abstammung
- Freundin von Romulus Poe, verwitwet
- älter als Poe mit 2 erwachsenen Kindern und einer streng traditionsbewussten Familie
- vermutet Probleme mit der Familie, wenn sie Poe heiratet

Emma Poe:
*************
- Mutter von Romulus und Remus, wohnt mit Remus in Reno
- indianischer Abstammung, auf die sie gerne hinweist
- hatte auch mal ein Faible für Römer, daher der Name
- trinkt gerne und zu viel, ist etwas durchgeknallt
- kommt nach Las Vegas, weil Remus einen Auslandsauftrag hat und sich nicht um sie kümmern kann
- muss in Las Vegas plötzlich ins Krankenhaus

Y
*****
- alter Indianer ohne festen Wohnsitz
- bezieht Einkommen aus verschiedenen stattlichen Quellen
- begegnet Poe ständig in Spielcasinos
- Weiß mehr, als er erzählt, kennt Poe und Alison seit ihrer Kindheit

Alison
*******
- Poes Jugendfreundin und immer noch heimliche Liebe
- verheiratet mit Poes Untergebenem Jensen
- emotional stark gestört aber sehr attraktiv

Jensen
*******
- Alisons Ehemann
- geht chronisch fremd, obwohl ihm seine Frau besser gefällt als seine Geliebten
- hat ein Problem mit Poes Autorität

Patricia Deluca
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- ebenfalls Kollegin, robust und jovial
- wird aufgrund ihrer üppigen Figur auch Fat Patty genannt
- trägt über eine Liaison mit einem Barkeeper zur Aufklärung des Falles bei

Weinberg
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- ein weiterer Kollege
- finanziert seiner Frau zum Vergnügen ein koscheres Lokal

sowie die Kollegen der Polizei in Las Vegas, verschiedene Prostituierte, Zuhälter und sonstige zwielichtige Gestalten und ganz große Gangsterbosse.

Ich hoffe, die Beschreibung dieser Personen hat Lust gemacht, das Buch zu lesen, denn es handelt sich wirklich um eine skurrile Mischung.

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Die Autorin
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Faye Kellerman (Jahrgang 1952) stand lange Jahre im Schatten ihres Mannes Jonathan Kellerman, der ihren Stil auch deutlich beeinflusst (Insbesondere die Schilderungen grausam zerstückelter Leichen erinnern stark an Bücher wie Monster und lassen eheliche Zusammenarbeit vermuten).

Von Beruf war Faye Kellerman eigentlich Zahnärztin, bevor sie die Schriftstellerei zum Hauptberuf machte; ferner taucht in ihren Büchern immer mal wieder der Hinweis auf ihre Qualifikation als Musikerin und Gitarrenbauerin auf. Daneben hat sie auch noch 4 Kinder und führt (eigenen Angaben zu Folge) einen koscheren Haushalt. Die Familie lebt in L.A.

Ihr Mann Jonathan Kellerman ist Psychologe und seit langem bekannter Bestsellerautor, denn Bücher sich durch offene Blutrünstigkeit und subtilen Horror auszeichnen.

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Was mir an diesem Buch gefällt:
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Die Personen in den Büchern von Faye Kellerman haben Kontur und Persönlichkeit. Dies geht so weit, dass der eigentliche Fall und seine Lösung in den Hintergrund rücken und man sich stellenweise mehr für die Lebensweise der Protagonisten interessiert, als für den Fortgang der Ermittlungen.

Da Faye Kellerman ihre jüdische Religionszugehörigkeit ernst nimmt, tauchen immer wieder Anspielungen auf koschere Küche oder jüdische Lebensweise auf. In diesem Buch ist es die Frau von Poes Kollegen Weinberg, die ein koscheres Restaurant betreibt, in dem Poe und seine Kollegen mehrfach essen. Noch deutlicher wird der Einfluss der jüdischen Lebensweise aber in den Büchern um Peter Decker und Rina Lazarus, da Rina eine streng orthodoxe Jüdin ist, die alle Speisegesetze, Feiertagsgesetze und Regeln der Bekleidungsordnung akribisch befolgt. Zum Verständnis des Lebensumfeldes muss man aber berücksichtigen, dass es in Amerika einfacher ist, streng orthodox zu leben und koscher zu kochen, als hierzulande, denn wo kann man hier schon mal schnell am koscheren Schnellimbiss vorbeifahren.

Die Eigenheiten der Hauptfigur werden in allen Einzelheiten Stück für Stück ans Licht gebracht. Dabei beherrscht Faye Kellerman es meisterhaft, mit Andeutungen Spuren zu legen, die erst viel später vollständig erklärt werden. So weiß man bereits ziemlich zu Beginn des neuen Buches, dass Poe einige seltsame Tics hat und gerne zockt. Was die Ursache dieser Tics sein könnte und warum er so ist, wie er ist, wird erst im weiteren Verlauf des Buches geklärt. In ähnlicher Weise wird auch im ersten Decker-Lazarus-Roman erst nach und nach das Geheimnis um Peter Decker enthüllt.

Wie schon bei Peter Decker hat man auch beim neuen Detective Romulus Poe das Gefühl, einen Menschen vor sich zu haben, der mit sich selbst nicht ganz im Reinen ist. Das Dasein der Hauptfiguren findet nicht auf der Sonnenseite statt, dennoch sind sie im Stande, sich im Leben zurechtzufinden und ihre Rolle zu spielen. Dabei tun sie Dinge, die sie nicht unbedingt uneingeschränkt sympathisch machen, aber die Glaubhaftigkeit der Figuren deutlich erhöht.

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Und was mich stört:
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Ähnlich wie bei Wallander (dem Kommissar von Henning Mankell) verhalten sich die Figuren oft am Rande dessen, was für einen sympathischen Charakter noch tolerierbar ist. Wer selbst nicht zu Alkoholexzessen neigt, hat wenig Verständnis für derartige Verhaltensweisen. Und ähnlich verhält es sich mit Männern, die mal eben zu Prostituierten gehen und das ihrer Freundin anschließend auch noch unter die Nase reiben.

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