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Erfahrungsbericht von emmtie

Lightman,A.-Und immer wieder die Zeit (Einstein's Dreams) / Faszinierende Ideen zum Thema Zeit

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wenn man hört, dass ein Autor einen Roman geschrieben hat, der sich mit der speziellen Relativitätstheorie Einsteins beschäftigt, denkt man zuerst, dass sich ein so wissenschaftlich kompliziertes Thema kaum in dieser Form verarbeiten lässt. Zumindest ging es mir so. Aber zum Glück habe ich mich dann doch irgendwann dazu aufgerafft und aufgrund einiger enthusiastischer Empfehlungen \"Und immer wieder die Zeit\" von Alan Lightman gelesen.


Inhalt:
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Im Jahr 1905 arbeitet im Patentamt in Bern ein junger Angestellter namens Albert Einstein. Parallel zu seiner Arbeit ist er gerade dabei, eine revolutionäre physikalische Theorie zum Wesen der Zeit zu entwickeln. Doch in letzter Zeit träumt er sehr häufig und in seinen Träumen spielt auch das Thema Zeit die Hauptrolle. Er träumt von anderen Wirklichkeiten, in denen sich die Zeit nicht so verhält wie man es im Allgemeinen erwartet.

Und diese Träume, genauer gesagt 30 davon, sind der Inhalt dieses Buches. In diesen Träumen wird das alltägliche Leben der Menschen in Bern geschildert. Doch das Besondere daran ist die Tatsache, dass die Zeit in jedem dieser Träume anders verhält. In manchen verläuft sie kreisförmig und alles was getan oder gesagt wurde, wiederholt sich irgendwann. In anderen gibt es keinerlei Erinnerung an die Vergangenheit. Alle Menschen erleben jeden Tag, so als wäre es ihr Erster. Manche führen agebücher, um Erinnerungen zu bewahren. Andere leben ganz bewusst \"in den Tag hinein\", da sie ja die Konsequenzen ihrer Handlungen am nächsten Tag nicht mehr wissen. Oder die Zeit verläuft für jeden subjektiv. Für manche schneller, für andere langsamer. Oder an verschiedenen Orten mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Dies mag sehr verworren klingen. Aber die durch den Autor geschaffenen \"Zeit\"-Gedankengebäude sind beim Lesen aufgrund der Tatsache, dass im ganzen Buch keinerlei physikalische Theorie vorkommt, sondern alles durch die alltäglichen Szenen erklärt wird, unmittelbar einsichtig.

Es gibt im Buch weder eine durchgehende Handlung noch wiederkehrende Personen außer der Person Einsteins und einige seiner Freunde und Bekannten, die aber alle eigentlich nur in eine Art Rahmenhandlung (\"Prolog, Zwischenspiel, Epilog\") für die Träume vorkommen, die maximal 15 der 200 Seiten dieses Buches einnimmt.



Meine Meinung:
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Wer sich einmal auf dieses Buch einlässt, kommt nicht mehr davon los. Denn durch die Methode, das komplizierte Thema Relativitätstheorie, oder präzisier ausgedrückt den Teil der Theorie, der aussagt, dass Zeit nicht überall gleich sein muss, komplett aus dem für Viele abschreckenden Umfeld der Physik und Mathematik mit ihren Formeln, Gleichungen und der für den Laien kaum verständlichen Fachsprache zu lösen und stattdessen mit einfachsten Geschichten zu beschreiben, bekommt man einen ganz anderen Zugang zu dieser Materie.

Aufgrund der Tatsache, dass der Autor Professor für Astrophysik am Massachusetts Institute for Technology (MIT), einem der weltweit angesehensten Institute auf diesem Gebiet, ist, kann man wohl davon ausgehen, dass er keinerlei Probleme hätte, das Thema so zu erklären, dass nur ganz wenige überhaupt verstehen, wovon er spricht. Aber er wählt bewusst einfachste Bilder um seine \"Zeiten\" zu beschreiben. Und er schildert nicht nur die Auswirkungen der unterschiedlichen Zeitläufe; er schildert zugleich auch die Auswirkungen auf die Menschen und verdeutlicht damit seine Thesen. So wird z.B. in dem Traum, in dem der Lauf der Zeit vorbestimmt ist und somit jeder sein Schicksal schon kennt, geschildert, dass die Menschen motivationslos sind, da sie ja wissen, was kommt, egal was sie tun. Oder die Probleme in einer Welt, in der alle ewig leben: Man kann nichts mehr Neues erleben, weil alles schon einmal von irgendjemandem aus der Verwandtschaft irgendwann schon einmal gemacht wurde.

Jede einzelne der entworfenen Welten ist für den Leser eine neue Möglichkeit, weiter zu denken, zu reflektieren oder sogar zu philosophieren. Was wäre wenn? In wie weit ist der für die Meisten doch relativ klare und starre Begriff Zeit doch nicht so eindeutig und enthalten eventuell doch einige dieser verrückt klingenden Ideen in diesem Buch einen kleine Kern Wahrheit? Ich persönlich nehme das Buch immer wieder gerne zur Hand und lese einzelne der \"Träume\" zum wiederholten Male und denke darüber nach.

Was das Buch außerdem sehr lesenswert macht ist sein Schreibstil. Die einzelnen \"Träume\" sind in einer Form, die man fast schon poetisch nennen kann, dargestellt. Da das Buch aufgrund seiner Struktur je eigentlich kein richtiger Roman ist, sondern eher eine Sammlung verschiedener Ideen zur Zeit, verpackt in Geschichten,ist, musst der Autor auch nicht einen Spannungsbogen der Gesamthandlung fortführen oder Figuren im Verlauf entwickeln. Daher kann er die einzelnen \"Träume\" vielfältiger und detailreicher schildern. Es gibt häufig wunderbare Landschaftsschilderungen und da die Personen ja immer nur in dem jeweiligen Traum ihre Rolle spielen, kann auch auf Einzelheiten ihres Wesens eingegangen werden, ohne die Figur im ganzen vorzustellen. Sie sind ja immer nur Beispiele zum Verständnis der jeweiligen Welt.

Nach soviel Lob dann vielleicht zum Abschluss doch noch ein klein wenig Kritik. Manchen Welten merkt man doch an, dass der Faktor Zeit der Auslöser ihrer gedanklichen Erschaffung war. Wenn man länger über sie nachdenkt, gibt es andere Faktoren, die in den vorgegebenen Zusammenhänge unlogisch sind. Beispiel: Die Welt, in der alle ewig leben. Es wird zwar wunderbar geschildert, wie jemand der z.B. ein Geschäft eröffnen will sich mit seien Eltern, Großeltern, Ahnen und Urahnen austauschen wird, um von deren Erfahrungen zu profitieren. Aber die Problematik, das dann eine riesige Anzahl Menschen gleichzeitig auf der Erde zusammenlebt, wird einfach außer Acht gelassen. Gut, es sind ja immer nur fiktive Beispiele, aber gerade weil das Buch förmlich zum Nachdenken auffordert, hat mich diese bewusst in Kauf genommenen Unlogik doch manchmal gestört.

Jemand der sich tiefer mit der speziellen Relativitätstheorie auseinandersetzen will und das Buch in diesem Zusammenhang liest, wird eventuell auch enttäuscht. Denn wie oben schon gesagt gibt es keinerlei Physik, keine Theorien. Es wird einfach mit dem Gedankenansatz dieser Theorie gespielt, die Figur Einstein ist eigentlich nur ein Aufhänger, um die Gedanken zu Thema Zeit schweifen zu lassen.



Ausstattung:
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Die Taschenbuchausgabe aus dem Heyne Verlag, die ich besitze, ist etwas kleiner als das übliche Taschenbuchformat. Dadurch, das außerdem auch ein Lesebändchen, dass ich aufgrund der Tatsache, das ich das Buch immer wieder zur Hand nehme, sehr zu schätzen gelernt habe, vorhanden ist und die Front- und Rückseite des Buches nochmals durch eine nach innen geknickte zweite, gleich dicke Pappe verstärkt sind, erscheint das Buch stabiler und auch etwas \"edler\" als die herkömmlichen Taschenbücher.

Gekostet hat es mich 16,90 DM. Dies erschien mir zuerst etwas überteuert bei 200 relativ groß geschriebenen Seiten auf einem etwas kleineren Seitenformat. Aber noch bezahlt man ja Bücher zum Glück nicht nach Wortmenge und der Inhalt ist den Preis auf jeden Fall wert.


Fazit:
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Ein absolut lesenswertes Buch, das auch lange nach seiner Lektüre zum Nachdenken anregt

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