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Erfahrungsbericht von Schlumpfinchen

Erdsee

Pro:

Phantasiereich, spannend, sehr ausschmückender und ausführlicher Schreibstil

Kontra:

Mein Schlaf kam mal wieder viel zu kurz

Empfehlung:

Nein

Ursula K. Le Guin ist am 21.Oktober 1929 in Berkeley/Kalifornien geboren und aufgewachsen. Schon als Kind wurde sie von ihren Eltern über Legenden und Mythen der ganzen Welt unterrichtet. Sie studierte italienische und französische Geschichte, insbesondere der Renaissance. 1953 heiratete sie den Historiker Charles A. Le Guin und bekam drei Kinder. Sie schrieb ab 1951 5 Romane und einige Gedichte für die sie allerdings keinen Verleger fand. 1966 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, jedoch erst 1969 schaffte Ursula K. Le Guin mit ihrem Science-Fiction-Roman „Winterplanet“ den großen Durchbruch. Die Autorin erhielt für ihre Werke fast alle Auszeichnungen, unter anderem auch fünf mal den Hugo und den Nebula Award, Auszeichnungen die vor ihr noch keiner erhalten hatte.

Bis vor wenigen Wochen war mir der Name Ursula K. Le Guin total unbekannt, was mir noch immer total schleierhaft ist. Doch Tatsache ist das ich in einer Kommentarspalte bei Dooyoo auf sie aufmerksam gemacht wurde. Was wieder einmal zeigt wie nützlich diese Funktion doch ist. Nur wenige Bücher der Fantasy haben mich so verzaubert und begeistert wie „Erdsee“, und ich bin froh das mir dieses Lesevergnügen nicht entgangen ist. Erdsee beinhaltet 4 Romane (Der Magier der Erdsee/ Die Gräber von Atuan/ Das ferne Ufer/ Tehanu) in einem Band, auf die ich einzeln eingehen werde.

DER MAGIER DER ERDSEE

Erdsee ist ein Reich das zum größten Teil aus Wasser, jedoch von unzähligen kleineren und größeren Inseln besteht. In Gont, im nördlichen Teil des Reiches wächst der kleine Junge Duny bei seiner Tante der Dorfhexe auf. Schon von klein auf hat Duny große Macht mit der er Tiere zu sich rufen kann, was ihm den Rufnamen „Sperber“ einbrachte. Als eines Tages sein Dorf von einfallenden Räubern angegriffen wird, ruft Sperber einen starken Nebel herauf, der sein Dorf rettet ihn jedoch durch die stark hervorgerufene Macht geistig krank zurücklässt. Ogion, einen mächtiger Zauberer hörte von dieser Tat und heilte das Kind. An seinem 13.Geburtstag, dem Tag seiner Namensgebung erhält er von Ogion den Namen Ged, den es Geheimzuhalten gilt, denn Namen enthalten in dieser Welt Macht und werden nur sehr vertrauenswürdigen und ausgewählten Personen anvertraut.

Nach der Namensgebung beschließt Sperber, wie ihn jeder nannte, den Zauberer zu begleiten um sein Lehrling zu werden. Doch nur all zu schnell beginnt sich der ehrgeizige Junge zu langweilen und reist mit Ogions Einwilligung nach Rok, in die größte Zaubererschule. Dort stößt er auf den Schüler Jasper, mit dem er gleich von Anfang an durch dessen Spott in Rivalität tritt. Sperber ist ein guter Schüler mit einer schnellen Auffassungsgabe, er lernt schneller wie alle anderen Schüler seines Jahrgangs die geheimen und„wahren“ Namen von Gegenständen und Lebewesen, denn in dem alleinige Wissen der Namen, entspringt der Schlüssel zur Macht.

Angetrieben wird er durch den Ehrgeiz Jasper zu übertrumpfen. Durch einen Wettstreit mit Jasper, in dem er jemandem aus dem Reich der Toten zurückruft, erscheint jedoch auch ein Schatten oder auch Gebbeth genannt. Durch diesen Schatten wird Sperber schwer verletzt und es braucht sehr lange Zeit bis eine Genesung eintritt. Sperber bleibt gebrochen auf Rok zurück und beendet seine Ausbildung, denn nur dort ist er sicher bis er genug Macht hat sich dem heraufbegeschworenen Schatten zu stellen der Jagd auf ihn macht um ihn zu beherrschen....

MEINE MEINUNG

Sperber wird in seiner Kindheit weder von seinem Vater noch von seiner Tante mit viel Aufmerksamkeit bedacht und von anderen Kindern nur verspottet. Ich denke das er gerade deswegen sehr ehrgeizig, ja schon fast machthungrig ist, um sich zu beweisen. Auf Spott reagiert er überempfindlich, und es fällt ihm sehr schwer zu seinem Unwissen zu stehen. Jedoch besitzt eine rasche Auffassungsgabe, die er jedoch erst klug einzusetzen lernt nachdem er den Schatten heraufbeschworen hat. Aus Sperber wird ein stiller, ruhiger und in sich gekehrter Einzelgänger um seine Mitmenschen vor dem Schatten zu schützen.

Ursula K. Le Guin hat einen sehr flüssigen und ausschmückenden Schreibstil, der einem alles sehr deutlich vor Augen führt. Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten mit den so häufig verschieden auftretenden Orts – oder Inselnamen, die mich immer wieder auf die am Anfang im Buch aufgeführte Landkarte zurückblättern ließ, um mir einen Überblick zu verschaffen wo denn der Ort des Geschehens lag. Betrachten kann man sich die Karte von Erdsee unter http://www.ursulakleguin.com. Doch schon kurze Zeit später musste ich feststellen das dies eigentlich nicht unbedingt nötig war und las ohne Unterbrechungen weiter, und das Lesevergnügen wurde nicht im mindesten verringert. Das Buch ist sehr spannend geschrieben und immer wieder wird man von neuen Geschehnissen überrascht die einen in den Bann ziehen.

DIE GRÄBER VON ATUAN

Schon als fünfjähriges Mädchen wird Tenar ihren Eltern genommen, um als Wiedergeburt ihrer Vorgängerin die Ausbildung und später die Stellung der Hohepriesterin der Gräber einzunehmen. Nur Frauen und Enuchen ist es gestattet die heilige Stätte der Gräber aufzusuchen, jeder Eindringlich ist verflucht und somit des Todes. Als sie 6 Jahre alt ist wird Tenar geweiht, ihr Name wird ihr genommen und ist fortan „Arha die Verzehrte“. Arha ist von einer schnellen Auffassungsgabe und geht ihren Pflichten mit Eifer nach.

Mit 15 Jahren ist Arhas Ausbildung beendet und sie betritt zum ersten mal die unterirdischen Grabstätten, die in absoluter Dunkelheit durchschritten werden mussten, da an diesem Ort jedes Licht verboten ist. Dort wird sie von Kossil einer Priesterin gezwungen über das Menschenleben dreier Sklaven zu entscheiden, das natürlich nur Tod bedeuten kann, da diese als Opfer gelten.

Arha erkundet nach und nach durch Tastsinn den Weg durch die Grabkammer und das danach kommende Labyrinth in dem allerdings im Vergleich zu der Grabkammer Licht gestattet ist. Jeden Tag steigt sie hinab in ihr Reich um die verschlungenen und irreführenden Windungen und Abzweigungen zu erforschen., bis sie dort eines Tages auf einen Fremden stößt.

Durch verschieden angebrachte Gucklöcher ist es Arha möglich den Fremden zu beobachten wie er versucht durch Zauber die einzige Tür zu öffnen die sie verschlossen hatte um ihn einzusperren. Erst als er vor Durst und Hunger geschwächt ist sucht Arha ihn auf. Sie erfährt das er Sperber heisst und auf der Suche der fehlenden Hälfte des Ringes von Erreth-Akbe ist, in dem die Rune des Friedens eingraviert ist. Eigentlich wäre es ihre Pflicht den Eindringling zu töten, doch Neugier und aufsteigende Zweifel hindern sie daran.

Somit täuscht sie den Tod des Fremden vor, und berichtet Kossil das sie ihn lebendig begraben ließ. Die alte Priesterin jedoch schenkt ihr keinen Glauben und öffnet das vorgetäuschte Grab. Als Arha dies sieht weiss sie, das sie nun zum Tode verurteilt ist, denn sie hat die Toten um ihr Opfer gebracht....

MEINE MEINUNG

Schon gleich zu Beginn des Romans wird der Werdegang von Tenar zu Arha und ihrem Amt zur Hohepriesterin sehr ausführlich beschrieben. Von ihren Pflichten und Aufgaben, die ihr wie bei einer Gehirnwäsche täglich eingetrichtert werden. Schon als kleines Mädchen weiss sie um ihren Rang und somit um ihre Macht, die sie deshalb etwas trotzig und aufsässig machen. Doch versäumt sie keinesfalls ihren Pflichten und ihr Studium, denn sie glaubt aus tiefstem Herzen an das von ihr Gelernte. Jedoch ist sie auch stets gesondert von allen anderen und somit sehr einsam.

Erste Zweifel an das Gelernte und ihren Glauben kommen ihr schon bei einem Gespräch mit einer anderen Priesterin die eigentlich gerne etwas anderes in ihrem Leben gemacht hätte. Ebenso die Erkenntnis das Kossil nicht glaubt was sie lehrt, sondern nur an die Macht die hinter dem Amt der Priesterin steht. Und als sie Sperber im Labyrinth begegnete beginnt sie an allem zu zweifeln. Denn wieso war er denn noch am Leben, obwohl es doch hieß das jeder Fremde sofort starb der das Grabmahl aufsuchte und dazu noch mit Licht, das ebenfalls strengstens verboten war? Die junge Frau sieht sich nun gezwungen sich zu entscheiden, entweder für das Licht und das Leben, in dem Fall würde sie ihre Macht verlieren und müsste sich eingestehen das ihr bisheriges Leben nutzlos war. Oder sie verneint das Leben und hält ihre Macht, bleibt aber auf ewig eine Gefangene der Gräber und der Dunkelheit.

Auch in diesem Roman gelingt es Ursula K. El Guin durchaus durch ihre ausschmückende Art zu schreiben zu überzeugen. Immer wieder wurde ich überrascht von den Wendungen ihrer Erzählung, auch wenn diese bei weitem nicht mehr so spannend geschildert werden wie im ersten Roman. Ebenso war ich erfreut das auch wieder Sperber, der schon im ersten Roman die Hauptrolle spielte, eine große und vor allem entscheidende Rolle einnahm. Auch wenn er erst zu einem etwas späteren Zeitpunkt im Geschehen auftrat.

DAS FERNE UFER

Als der Junge Arren, Sohn des Prinzen von Enlad, den inzwischen zum Erzmagier aufgestiegenen Ged aufsucht überbringt er schlimme Kunde – die Magie und der Glaube an diese verschwindet auf Erdsee. Ged, dem mittlerweilen mächtigsten Magier, hatte diese Nachricht auch schon von anderen Teilen Erdsees vernommen und macht sich gemeinsam mit Arren auf die Suche.

Die beiden segeln von Insel zu Insel und stellen fest das die Magie immer mehr entschwindet. Die Zauberer, auf die sie stoßen wirken verwirrt, gleichgültig und haben alles vergessen. Weder erinnern sie sich an die Namen die ihnen einst Macht verliehen, noch glauben sie an die Magie selbst. Gleichgültigkeit und immer mehr Gewalt hält auf Erdsee Einzug.

Auf der Insel Lorbanery treffen sie auf Sopli, einen ehemaligen Zauberer, der ihnen von einem Riss in der Dunkelheit erzählt und von einem König der diesen bewacht. Dieser hätte die Macht einem das ewige Leben zu schenken. Ged beschließt der Bitte des verwirrten Sopli nachzukommen und nimmt ihn mit auf die Suche, die ihn schon bald zur nächsten Insel treibt.

In Arren, der dem Erzzauberer bisher immer große Bewunderung, Ergebenheit und Liebe entgegenbrachte, machen sich immer mehr Zweifel breit. Er beginnt an der Macht und der Magie des Erzmagiers zu zweifeln, und als dieser nach einem Angriff schwer verletzt und dem Tode nah auf dem kleinen Segelboot liegt, hatte ihn die Gleichgültigkeit die auf ganz Erdsee um sich griff eingeholt......

MEINE MEINUNG

Auch in diesem Roman gelingt es Ursula K. Le Guin durch ihren detailreichen und ausführlichen Schreibstil den Leser in den Bann zu ziehen. Jedoch ist dieses Werk sehr philosophisch, was die Spannung jedoch keinesfalls vermindert.

Ich glaube kein Roman hat mich nachdenklicher gestimmt wie dieser. Im Vordergrund dieses Romans behandelt die Autorin die Angst vor dem Tod, und was der Mensch nicht alles dafür geben oder tun würde um diesem zu entgehen, wie leichtsinnig Menschen jemandem folgen um der Angst vor dem Tod zu entgehen. An manchen Stellen fühlte ich mich an Sektenführer und ihre Institutionen erinnert, denn was versprechen diese denn alles damit ihnen die Menschen so bereitwillig folgen? Was geben die Menschen nicht alles auf, aus Angst vor dem Ungewissen? Denn meiner Meinung nach hat der Mensch keine Angst vor dem Tod selbst, sondern vor dem was danach kommt oder vielleicht eher davor das nichts mehr kommen könnte. Daher klammert man sich an hübsch erzählte Geschichten von Wiedergeburt, Auferstehung oder anderen Geschichten. Doch wie viel opfert man dafür vom Leben?

Für mich ist dieser Roman des Erdsee-Zyklus fraglos der Beste. Dieses Werk hat mich wirklich tief beeindruckt und es ist nur schade das ich meinen Worten nicht mehr Ausdruck verleihen kann. Ursula K. Le Guin hat diese Thema sehr einfühlsam und tiefgründig beschrieben und es war mir lange Zeit nicht möglich den 4.Roman zu lesen.

TEHANU

Tenar, die mittlerweile jedoch Goha genannt wird nimmt nachdem ihr Mann gestorben und ihre beiden erwachsenen Kinder aus dem Haus sind, das vergewaltigte und von Verbrennungen verunstaltete Kind Therru bei sich auf. Zusammen mit dem kleinen Mädchen macht sie sich auf zu dem im sterbenden Magier Ogion, der sie rufen lies. Bevor der Zauberer starb wies er Tenar an, sie solle Therru alles lehren. Ebenso prophezeite er das sich jeder vor dem Mädchen fürchten werde

Nach dem Tode Ogions verweilt sie in dessen Haus um auf Sperber zu warten, von dem sich Rat und Unterstützung erhofft. Doch zurück kommt nur ein frustrierter Mann, der bei dem letzten Kampf gegen die Dunkelheit jedwede Macht und Magie verlor. Tenar, die sofort erkennt das Sperbers „Wunden“ Zeit brauchen um zu heilen, lässt ihn in Frieden. Insgeheim ist sie sich der Tatsache bewusst das Sperber keine Macht mehr besitzt, das er kein Magier mehr ist, will sich dies aber nicht eingestehen.

Als einige Botschafters des Königs von Erdsee erscheinen um den Erzmagier zu suchen, flüchtet dieser und lässt Tenar und das kleine noch immer total verängstigte Mädchen zurück. Da sich Therru an diesem Ort immer mehr öffnet und ihre Angst Stückchenweise ablegt, beschließt Tenar an diesem Ort zu verweilen.

Doch eines Tages erscheint einer der Männer, die das kleine Mädchen vergewaltigten und danach verbrennen wollten. Tenar erhofft sich Hilfe bei einem ansässigem Zauberer, wird jedoch verflucht. Sie ist keinen klaren Gedankens mehr fähig und flieht mit dem Kind....

MEINE MEINUNG

Leider muss ich sagen das dies wohl der schlechteste Roman des Fantasy-Zyklus ist. Die Autorin ergreift ein brisantes Thema, Missbrauch und Gewalt an Kindern, schafft es jedoch nicht einen passenden Rahmen zu schaffen. Seitenlang kann man philosophischen Ausführungen über die Stellung der Frau und die des Mannes verfolgen, jedoch plätschert der Roman nur so vor sich dahin. Spannung kommt gleich gar nicht auf, man stellt sich zwar hin und wieder ein paar Fragen, doch dabei bleibt es schon. Zwar hat sie ihren ausschmückenden Schreibstil beibehalten der einem Personen und Landschaften deutlich vor Augen führt, doch in den bann zu ziehen vermögen diese kaum. Ganz am Ende der Geschichte kommt dann etwas Spannung und Action auf, jedoch hatte ich das Gefühl als würde etwas fehlen. So als wäre der Roman einfach nur schnell zu Ende geschrieben.

Der letzte Roman beginnt mit den letzten Ereignissen des 3.Romans, jedoch mit dem Unterschied das im 3.Roman alles ein gutes Ende fand. Sperber war froh endlich ein Leben ohne seine Magie führen zu können. Im letzten Roman des Zyklus jedoch ist er gebrochen und sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben.

FAZIT

Obwohl mir der letzte Roman des Fantasy-Zyklus nicht gefallen hat, vergebe ich trotzdem alle 5 Sterne. Die ersten drei Bücher haben mich dermaßen begeistert das sie dies wieder wett machen. Der Autorin gelang es mich absolut in den Bann zu ziehen mit ihren ausführlichen Schilderungen und Beschreibungen. Ich konnte das Meer mit meinem geistigem Auge sehen, ich konnte es sogar riechen wenn sie darüber schrieb. Ebenso schafft sie es einem die Personen so nahe zu bringen das man sich in deren Lage versetzen kann, mit ihnen fühlt und mit ihnen leidet. Da mein Bericht eh schon sehr lange wurde, ließ ich die darin vorkommenden Drachen ganz außer acht, was mir allerdings ehrlich gesagt schwer viel, denn auch sie spielen eine bedeutende wenn auch etwas kleine Rolle. Für mich ist es ein Werk das es wirklich verdient mit dem „Herrn der Ringe“ verglichen zu werden, wenngleich es dieses auch nicht übertrifft.

Danke Sulli2, für die Empfehlung dieses Buches

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