Erfahrungsbericht von audicla
Lund, May B.: Fingerübungen - Norwegische Ingrid Noll?
Pro:
gut, schlüssig und weitreichend geschrieben
Kontra:
gesellschaftlich und politisch vieles nur angerissen
Empfehlung:
Nein
Norwegische Ingrid Noll?
Es ist schon ein Weilchen her, dass ich mir dieses Buch bei einem Supermarkt-Einkauf noch gegen Ende in den Wagen schmiss. Hatte ich schon einmal von der Norwegerin May B. Lund gehört? Nein, hatte ich nicht. Aber mich blenden lassen von dem Vergleich mit Ingrid Noll, der auf der Rückseite des Einbandes zu lesen war. „Norwegens Antwort auf Ingrid Noll“, war dort zu lesen und da ich zuvor einiges von Ingrid Noll lächelnd verschlungen hatte, machte es mich neugierig.
Die Autorin wurde 1949 geboren, arbeitet als Ärztin in Oslo und hatte vor diesem ersten Krimi schon einen weiteren Roman veröffentlicht. Der Krimi „Fingerübungen“ soll in Skandinavien ein Bestseller gewesen sein. Aber wieso eigentlich?
Zum Inhalt:
Die 100 kg schwere Lillemor arbeitet als Sekretärin in einem Krankenhaus. Sie ist allgemein respektiert und geachtet, weil sie sehr arbeitsversessen, außerordentlich pflichtbewusst und genau ist, eben die willkommene Arbeitnehmerin. Allerdings ist sie persönlich nicht gerade beliebt, hat wenig Kontakte und es scheint, als würde es außerhalb der Arbeit nicht viel mehr in ihrem Leben geben.
Niemand denkt ernsthaft darüber nach, dass auch Lillemor Sehnsüchte oder gar Liebesgefühle entwickeln könnte. Niemand macht sich Gedanken über das Innenleben dieser Frau. Sie ist für alle einfach das Arbeitstier, dass man gut gebrauchen kann, aber nicht pflegen muss.
Doch in ihrem Innenleben sieht es ganz anders aus. Verliebt in einen Arzt des Krankenhauses ist sie durch verschiedenen Kleinigkeiten und Details, die sie in ihrem Sinne deutet, überzeugt davon, dass dieser ihre Liebe erwidert. So meint sie schließlich auch, dass es ganz in seinem Sinne sein müsste, wenn sie seine „ungeliebte“ Ehrfrau ins Jenseits befördert.
Doch wie auch bei ihrer Arbeit als Sekretärin ist sie auch hier genau und pedantisch. Damit das ganze Unternehmen auch wirklich klappt, muss zunächst einmal geübt werden. Zwei Frauen müssen sozusagen als „Versuchsobjekte“ zunächst mal dran glauben, bevor sie zur eigentlichen Tat schreiten kann.
Die Polizei tappt im Dunkeln, haben sie doch ein psychologisches Täterprofil entwickelt, welches eindeutig auf einen männlichen Täter hinweist.
Soviel zunächst zum Inhalt um nicht zuviel vorwegzunehmen.
Meine Meinung:
Der Vergleich mit Ingrid Noll hinkt gewaltig. Sicher, auch von ihr sind wird mordende Frauen gewohnt, die oft ungeliebte Rivalen oder Rivalinnen zur Strecke bringen und nicht unbedingt an einem allzu schlechten Gewissen leiden. In diesem Punkt mag hier eine Ähnlichkeit der Story zu finden sein. May B. Lund gelingt es aber nicht, wie ich finde, den Leser mit ihrer Story zum Lachen zu bringen. Der gelungene schwarze Humor, den Noll gekonnt einsetzt, fehlt ihr schlicht. So sind ihre Beschreibungen der Tat zwar makaber, entbehren aber dieses Fünkchens Humor und erscheinen eigentlich nur abwegig.
Die Hauptperson ist kühl, berechnend und dabei neurotisch gestört – sicher finden sich auch in Nolls Geschichten solche Personen, doch gelingt es Noll uns die Personen sympathisch zu machen, so dass wir ihnen selbst übelste Taten schnell vergeben. Lillemor hingegen wurde mir zu keinem Zeitpunkt wirklich sympathisch, so dass ihre Taten das bleiben was sie sind, nämlich sinnlose Grausamkeiten.
Die Figur wird an keiner Stelle wirklich überzeugend dargestellt – alles bleibt abwegig und irrational, hat aber auch nicht soviel Phantasie oder Witz, dass man die Story trotzdem als spannend oder humorvoll verfolgen kann.
Das Buch ist nicht wirklich schlecht geschrieben, aber eben auch nicht so, dass ich behaupten könnte, es verschlungen zu haben. Der Spannungsaufbau zwar vorhanden, aber nicht überwältigend. Die Story als solche scheint tatsächlich angelehnt an das, was zum Zeitpunkt des Erscheinens gerade Aufmerksamkeit und Beliebtheit hatte, schafft es aber nicht das gleiche hervorzurufen.
Als Ärztin hat die Autorin Erfahrung und Wissen genug, um die Morde vom anatomischen Gesichtspunkt her schlüssig zu beschreiben – aber wen verlangt es schon wirklich danach eine so detaillierte Mordbeschreibung zu erhalten. Letztlich ist entscheidend, ob ein Mord geschieht oder nicht und nicht wirklich, welche Arterie nun genau getroffen wurde, oder?
Alles in allem eine sehr mittelmäßige Story, mich würde es überhaupt nicht reizen von dieser Autorin weiteres zu lesen.
Mit 3 Punkten ist dieses Buch noch recht wohlwollend bewertet.
Trotzdem: Wer es lesen möchte:
May B. Lund, Fingerübungen, Goldmann-TB, ISBN-Nr. 3-442-44587-6, letztes Jahr 14,90 DM, 255 Seiten, übersetzt von Gabriele Haefs.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-04 09:00:43 mit dem Titel Lennox, Judith: Tildas Geheimnis - Starke Frauen?
Starke Frauen?
Das Buch „Tildas Geheimnis“ von Judith Lennox war ein Geburtstagsgeschenk. Ich hatte zuvor von dieser Autorin noch nichts gehört und gelesen, allerdings war mir das bei Piper aufgelegte Taschenbuch aufgrund des ansprechenden Covers bereits auf den Ladentheken der Buchhandlungen aufgefallen.
Eine einsame Frauengestalt in rotem Mantel oder Cape spaziert in der Kulisse eines blutrot gefärbten Himmels über einen Wanderweg an einem See entlang. See, Wald und Weg sind in blauen Farbtönen gehalten, das ganze diffus, aber eher in der Art der naturalistischen Malerei gehalten. Farben und Stimmung erzeugen Interesse und deuten eine spannende Geschichte an.
So war ich also neugierig auf dieses Buch.
Die Autorin Judith Lennox wurde in England geboren. Sie studierte Englisch in Lancaster und arbeitete spätere als Pianistin in einer Ballettschule. Später begann sie mit dem Schreiben und konnte sich nach einigen erfolgreichen Romanen vollkommen darauf verlegen. Andre Bücher von ihr sind z. B. „Am Strand von Deauville“ oder „Bis der Tag sich neigt“.
Bei „Tildas Geheimnis“ handelt es sich nicht um einen Krimi, sondern viel mehr um eine Art weitreichenden und wohl als historisch zu bezeichnenden Familienroman. Auf über 500 Seiten werden zwei Geschichten miteinander verquickt.
Das ist Rebecca, eine junge Schriftstellerin, die als Biographin bisher eher wenig erfolgreich war, jedoch erste Schritte unternommen hat. Gerade hat sie eine schmerzliche Trennung hinter sich, als sie einen weiteren Auftrag erhält. Sie soll die Biographie von der sogenannten Dame Tilda verfassen. Tilda Franklin hat sich einen Namen gemacht, weil sie sich Zeit ihres Lebens für sozial benachteiligte Kinder engagiert hat. In verschiedenen Projekten, aber auch indem sie einige selbst als Pflegekinder aufgezogen hat. In der Zeit des zweiten Weltkrieges hat sie sich um aus Deutschland gerettete jüdische Kinder gekümmert, doch auch danach immer wieder neue Projekte unterstützt und ins Leben gerufen.
Rebecca ist zunächst begeistert von der Aussicht ihre Biographie schreiben zu dürfen, wenngleich sie auch noch von der Trennung und einer gerade abgebrochenen Schwangerschaft geschwächt ist und wenig Energie verspürt. Doch der neue Auftrag hilft ihr mehr als sie glaubte, darüber hinwegzukommen.
Bald schon stößt sie auf ein dunkles Geheimnis in Tildas Vergangenheit. Sie mutmaßt, dass Tilda und vor allem ihre Neffe Patrick sie nur deshalb als Biographin engagiert haben, da sie hofften, dass Rebecca dieses Geheimnis nicht aufklären würde. Hat sich Patrick auch nur deshalb auf eine Affäre eingelassen?
Beide Geschichten werden hier, wie gesagt, miteinander verquickt. Die aktuelle von Rebecca in ihren Zusammenkünften mit Tilda und deren Familie wechselt immer wieder mit der wirklichen Biographie und Geschichte Tildas ab.
Mein Urteil:
Das Buch lässt sich gut lesen, da es flüssig und interessant geschrieben ist. Insgesamt ist aber die tatsächliche Biographie und Geschichte deutlich spannender, als die aktuellen Einschübe, in denen es um Rebeccas Leben geht, welches ich als weniger interessant empfunden habe. Wenngleich dies sicherlich kein Schnulzenroman ist, sind doch gewisse Elemente vor allem in der angedeuteten Liebesgeschichte enthalten, die mir arg romantisiert und unrealistisch anmuteten. Die Story als solche ist nicht dumm, es fehlte mir aber ein tieferes Eingehen auf die zeitpolitischen Themen, die allesamt angedeutet sind. Die Evakuierung jüdischer Kinder, Zeitzeugnisse aus verschiedenen europäischen Ländern in der Zeit des zweiten Weltkrieges und viele weitere Themen, die hier angeschnitten werden, hätten vertieft werden können und dem Buch damit mehr Anspruch geben können. Dafür hätten einige weit ausholende persönliche Geschichten vielleicht ein wenig mehr in den Hintergrund treten können.
Insgesamt fehlt es an hinreichender Spannung, um das Buch als Krimi lesen zu können. Und das ist es auch nicht. Für eine Familiengeschichte oder einen „Gesellschaftsroman“ (siehe Klappentext) fehlt aber in meinen Augen der oben beschriebene Tiefgang und die politische und gesellschaftliche Dimension.
Alles in allem hat sich Judith Lennox eine interessante Geschichte ausgedacht, die nicht alltäglich ist, aber leider an manchen Stellen ins Schnulzige abdriftet. Das habe ich als schade empfunden.
Ich bewerte mit 3 Sternen, wobei 3 ½ sicherlich angebracht wären, dass Schreibart und Schlüssigkeit eigentlich recht gut sind.
„Tildas Geheimnis“ ist bei Piper als Taschenbuch unter der ISBN-Nr. 3-492-23219-1 erschienen. Es kostet 9,90 €.
Es ist schon ein Weilchen her, dass ich mir dieses Buch bei einem Supermarkt-Einkauf noch gegen Ende in den Wagen schmiss. Hatte ich schon einmal von der Norwegerin May B. Lund gehört? Nein, hatte ich nicht. Aber mich blenden lassen von dem Vergleich mit Ingrid Noll, der auf der Rückseite des Einbandes zu lesen war. „Norwegens Antwort auf Ingrid Noll“, war dort zu lesen und da ich zuvor einiges von Ingrid Noll lächelnd verschlungen hatte, machte es mich neugierig.
Die Autorin wurde 1949 geboren, arbeitet als Ärztin in Oslo und hatte vor diesem ersten Krimi schon einen weiteren Roman veröffentlicht. Der Krimi „Fingerübungen“ soll in Skandinavien ein Bestseller gewesen sein. Aber wieso eigentlich?
Zum Inhalt:
Die 100 kg schwere Lillemor arbeitet als Sekretärin in einem Krankenhaus. Sie ist allgemein respektiert und geachtet, weil sie sehr arbeitsversessen, außerordentlich pflichtbewusst und genau ist, eben die willkommene Arbeitnehmerin. Allerdings ist sie persönlich nicht gerade beliebt, hat wenig Kontakte und es scheint, als würde es außerhalb der Arbeit nicht viel mehr in ihrem Leben geben.
Niemand denkt ernsthaft darüber nach, dass auch Lillemor Sehnsüchte oder gar Liebesgefühle entwickeln könnte. Niemand macht sich Gedanken über das Innenleben dieser Frau. Sie ist für alle einfach das Arbeitstier, dass man gut gebrauchen kann, aber nicht pflegen muss.
Doch in ihrem Innenleben sieht es ganz anders aus. Verliebt in einen Arzt des Krankenhauses ist sie durch verschiedenen Kleinigkeiten und Details, die sie in ihrem Sinne deutet, überzeugt davon, dass dieser ihre Liebe erwidert. So meint sie schließlich auch, dass es ganz in seinem Sinne sein müsste, wenn sie seine „ungeliebte“ Ehrfrau ins Jenseits befördert.
Doch wie auch bei ihrer Arbeit als Sekretärin ist sie auch hier genau und pedantisch. Damit das ganze Unternehmen auch wirklich klappt, muss zunächst einmal geübt werden. Zwei Frauen müssen sozusagen als „Versuchsobjekte“ zunächst mal dran glauben, bevor sie zur eigentlichen Tat schreiten kann.
Die Polizei tappt im Dunkeln, haben sie doch ein psychologisches Täterprofil entwickelt, welches eindeutig auf einen männlichen Täter hinweist.
Soviel zunächst zum Inhalt um nicht zuviel vorwegzunehmen.
Meine Meinung:
Der Vergleich mit Ingrid Noll hinkt gewaltig. Sicher, auch von ihr sind wird mordende Frauen gewohnt, die oft ungeliebte Rivalen oder Rivalinnen zur Strecke bringen und nicht unbedingt an einem allzu schlechten Gewissen leiden. In diesem Punkt mag hier eine Ähnlichkeit der Story zu finden sein. May B. Lund gelingt es aber nicht, wie ich finde, den Leser mit ihrer Story zum Lachen zu bringen. Der gelungene schwarze Humor, den Noll gekonnt einsetzt, fehlt ihr schlicht. So sind ihre Beschreibungen der Tat zwar makaber, entbehren aber dieses Fünkchens Humor und erscheinen eigentlich nur abwegig.
Die Hauptperson ist kühl, berechnend und dabei neurotisch gestört – sicher finden sich auch in Nolls Geschichten solche Personen, doch gelingt es Noll uns die Personen sympathisch zu machen, so dass wir ihnen selbst übelste Taten schnell vergeben. Lillemor hingegen wurde mir zu keinem Zeitpunkt wirklich sympathisch, so dass ihre Taten das bleiben was sie sind, nämlich sinnlose Grausamkeiten.
Die Figur wird an keiner Stelle wirklich überzeugend dargestellt – alles bleibt abwegig und irrational, hat aber auch nicht soviel Phantasie oder Witz, dass man die Story trotzdem als spannend oder humorvoll verfolgen kann.
Das Buch ist nicht wirklich schlecht geschrieben, aber eben auch nicht so, dass ich behaupten könnte, es verschlungen zu haben. Der Spannungsaufbau zwar vorhanden, aber nicht überwältigend. Die Story als solche scheint tatsächlich angelehnt an das, was zum Zeitpunkt des Erscheinens gerade Aufmerksamkeit und Beliebtheit hatte, schafft es aber nicht das gleiche hervorzurufen.
Als Ärztin hat die Autorin Erfahrung und Wissen genug, um die Morde vom anatomischen Gesichtspunkt her schlüssig zu beschreiben – aber wen verlangt es schon wirklich danach eine so detaillierte Mordbeschreibung zu erhalten. Letztlich ist entscheidend, ob ein Mord geschieht oder nicht und nicht wirklich, welche Arterie nun genau getroffen wurde, oder?
Alles in allem eine sehr mittelmäßige Story, mich würde es überhaupt nicht reizen von dieser Autorin weiteres zu lesen.
Mit 3 Punkten ist dieses Buch noch recht wohlwollend bewertet.
Trotzdem: Wer es lesen möchte:
May B. Lund, Fingerübungen, Goldmann-TB, ISBN-Nr. 3-442-44587-6, letztes Jahr 14,90 DM, 255 Seiten, übersetzt von Gabriele Haefs.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-04 09:00:43 mit dem Titel Lennox, Judith: Tildas Geheimnis - Starke Frauen?
Starke Frauen?
Das Buch „Tildas Geheimnis“ von Judith Lennox war ein Geburtstagsgeschenk. Ich hatte zuvor von dieser Autorin noch nichts gehört und gelesen, allerdings war mir das bei Piper aufgelegte Taschenbuch aufgrund des ansprechenden Covers bereits auf den Ladentheken der Buchhandlungen aufgefallen.
Eine einsame Frauengestalt in rotem Mantel oder Cape spaziert in der Kulisse eines blutrot gefärbten Himmels über einen Wanderweg an einem See entlang. See, Wald und Weg sind in blauen Farbtönen gehalten, das ganze diffus, aber eher in der Art der naturalistischen Malerei gehalten. Farben und Stimmung erzeugen Interesse und deuten eine spannende Geschichte an.
So war ich also neugierig auf dieses Buch.
Die Autorin Judith Lennox wurde in England geboren. Sie studierte Englisch in Lancaster und arbeitete spätere als Pianistin in einer Ballettschule. Später begann sie mit dem Schreiben und konnte sich nach einigen erfolgreichen Romanen vollkommen darauf verlegen. Andre Bücher von ihr sind z. B. „Am Strand von Deauville“ oder „Bis der Tag sich neigt“.
Bei „Tildas Geheimnis“ handelt es sich nicht um einen Krimi, sondern viel mehr um eine Art weitreichenden und wohl als historisch zu bezeichnenden Familienroman. Auf über 500 Seiten werden zwei Geschichten miteinander verquickt.
Das ist Rebecca, eine junge Schriftstellerin, die als Biographin bisher eher wenig erfolgreich war, jedoch erste Schritte unternommen hat. Gerade hat sie eine schmerzliche Trennung hinter sich, als sie einen weiteren Auftrag erhält. Sie soll die Biographie von der sogenannten Dame Tilda verfassen. Tilda Franklin hat sich einen Namen gemacht, weil sie sich Zeit ihres Lebens für sozial benachteiligte Kinder engagiert hat. In verschiedenen Projekten, aber auch indem sie einige selbst als Pflegekinder aufgezogen hat. In der Zeit des zweiten Weltkrieges hat sie sich um aus Deutschland gerettete jüdische Kinder gekümmert, doch auch danach immer wieder neue Projekte unterstützt und ins Leben gerufen.
Rebecca ist zunächst begeistert von der Aussicht ihre Biographie schreiben zu dürfen, wenngleich sie auch noch von der Trennung und einer gerade abgebrochenen Schwangerschaft geschwächt ist und wenig Energie verspürt. Doch der neue Auftrag hilft ihr mehr als sie glaubte, darüber hinwegzukommen.
Bald schon stößt sie auf ein dunkles Geheimnis in Tildas Vergangenheit. Sie mutmaßt, dass Tilda und vor allem ihre Neffe Patrick sie nur deshalb als Biographin engagiert haben, da sie hofften, dass Rebecca dieses Geheimnis nicht aufklären würde. Hat sich Patrick auch nur deshalb auf eine Affäre eingelassen?
Beide Geschichten werden hier, wie gesagt, miteinander verquickt. Die aktuelle von Rebecca in ihren Zusammenkünften mit Tilda und deren Familie wechselt immer wieder mit der wirklichen Biographie und Geschichte Tildas ab.
Mein Urteil:
Das Buch lässt sich gut lesen, da es flüssig und interessant geschrieben ist. Insgesamt ist aber die tatsächliche Biographie und Geschichte deutlich spannender, als die aktuellen Einschübe, in denen es um Rebeccas Leben geht, welches ich als weniger interessant empfunden habe. Wenngleich dies sicherlich kein Schnulzenroman ist, sind doch gewisse Elemente vor allem in der angedeuteten Liebesgeschichte enthalten, die mir arg romantisiert und unrealistisch anmuteten. Die Story als solche ist nicht dumm, es fehlte mir aber ein tieferes Eingehen auf die zeitpolitischen Themen, die allesamt angedeutet sind. Die Evakuierung jüdischer Kinder, Zeitzeugnisse aus verschiedenen europäischen Ländern in der Zeit des zweiten Weltkrieges und viele weitere Themen, die hier angeschnitten werden, hätten vertieft werden können und dem Buch damit mehr Anspruch geben können. Dafür hätten einige weit ausholende persönliche Geschichten vielleicht ein wenig mehr in den Hintergrund treten können.
Insgesamt fehlt es an hinreichender Spannung, um das Buch als Krimi lesen zu können. Und das ist es auch nicht. Für eine Familiengeschichte oder einen „Gesellschaftsroman“ (siehe Klappentext) fehlt aber in meinen Augen der oben beschriebene Tiefgang und die politische und gesellschaftliche Dimension.
Alles in allem hat sich Judith Lennox eine interessante Geschichte ausgedacht, die nicht alltäglich ist, aber leider an manchen Stellen ins Schnulzige abdriftet. Das habe ich als schade empfunden.
Ich bewerte mit 3 Sternen, wobei 3 ½ sicherlich angebracht wären, dass Schreibart und Schlüssigkeit eigentlich recht gut sind.
„Tildas Geheimnis“ ist bei Piper als Taschenbuch unter der ISBN-Nr. 3-492-23219-1 erschienen. Es kostet 9,90 €.
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