Erfahrungsbericht von RainWoman
Bewusstseinserweiternde Droge: Alan Lightman "Und immer wieder die Zeit - Einstein's dreams&quo
Pro:
ungewöhnlich, spannend, faszinierend, mitreissend, gedankenanregend, bewusstseinserweiternd, schööööön
Kontra:
wenn man sein Bewusstsein nicht erweitern möchte ...
Empfehlung:
Nein
Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, wie unsere Welt aussehen würde, wenn die Zeit rückwärts laufen würde? Wenn sie sich immer wiederholte? Oder wenn die Zeit gar nicht objektiv existierte und für jeden anders ablaufen würde? – Dann ist dies DEIN Buch!
Alan Lightman: „Und immer wieder die Zeit“ (Einstein’s Dreams)
~ Das Buch: die Dimensionen der Zeit ~
Dieses Buch ist eine Aneinanderreihung von kurzen Gedanken – oder Träumen. Die Idee ist schlicht, doch gerade deshalb so eindrucksvoll: welche Richtungen und Formen könnte der Verlauf der Zeit nehmen, abgesehen von der uns vertrauten Zeit-Vorstellung?
Jede einzelne Geschichte – wenn man sie überhaupt so nennen kann – umfaßt nur wenige Seiten; wenige Seiten voller Faszination. Jedesmal wird ein Bruchstück einer Welt erschaffen, in der die Zeit ihren ganz speziellen Lauf nimmt.
So entsteht eine Vielfältigkeit verschiedener Wirklichkeiten – neu, ungeahnt und gleichzeitig vollkommen glaubwürdig.
Da ist eine Welt, in der die Zeit langsamer fließt, je weiter man sich vom Erdmittelpunkt entfernt, so dass alle Menschen hoch oben in den Bergen leben.
In einer Welt läuft die Zeit im Kreis, alle Geschehnisse wiederholen sich wieder und wieder und wieder.
In einer anderen ist die Vergangenheit veränderlich, beliebig steuerbar allein durch die Gedanken, so dass sich alles im Nachhinein immer wieder wandelt.
Wir betreten eine Welt, in der Ursache und Wirkung vertauschbar sind, in der das Ergebnis vor dem Auslöser geschieht – eine Welt der vollkommenen Verwirrung.
In einer anderen Dimensionen werden Menschen durch die Zeit geweht wie Laub im Wind. Es gibt Welten, da ist die Zeit eine feste Substanz, in anderen wieder ist sie allein vom subjektiven Empfinden abhängig oder ist ein Vogel, den jeder einzufangen sucht. In einer Welt ohne Vergangenheit notieren die Menschen ihr Leben in dicken Büchern.
Jede einzelner der Welten hat eine eigene Realität – oder mehrere oder gar keine – und mit dem Lesen wächst die Faszination der ungeahnten Vielfalt, die die Zeit aufweisen könnte.
~ Die Sprache ~
Kurze Sätze, kleine Worte. Aneinandergereiht malen sie Bilder, erschaffen Welten, scheinbar mühelos.
Die Sprache dieser Geschichten ist so klar, das man sie kaum wahrnimmt – beim Lesen fließen die Worte nur so dahin und tragen einen davon, in die faszinierenden Dimensionen der Zeit, die der Autor wie selbstverständlich kreiert.
Die Geschichten leben von einzelnen Szenen, die schattenhaft umrissen werden, ineinander übergehen und die dargestellten Realitäten greifbar und lebbar erscheine lassen. Immer wieder, wenn ich in dem Buch lese, tauche ich sofort in diese Sprache ein. Sie ist atemberaubend schlicht, in ihrer Klarheit fast perfekt. Man beginnt bald, ebenso reden zu wollen.
In der Tat ist der Stil, gerade weil er so mühelos dahinfließt, fast unmöglich zu beschreiben – und da ich keine besseren Worte dafür finden kann, empfehle ich einfach nur: selber lesen!
~ Ein Buch für ... ~
... jeden, der ungewöhnliche Gedankengänge liebt und der bereit ist, sich auf Möglichkeiten einzulassen, die fern des Wirklichkeitszustands liegen, den wir ‚Realität‘ nennen.
... jeden, der sich gern mit der Relativitätstheorie befasst, sich für Philosophie begeistern kann und sich nach neuer Nahrung für das flackernde Gedankenfeuer sehnt.
... jeden, der mal einen kleinen Blick über den Tellerrand wagen will und dafür einfach einen kleinen, und dennoch genialen, Denkanstoß sucht.
KEIN Buch für Geradeaus-Denker!!!
~ Der Autor ~
Alan Lightman ist nicht nur Schriftsteller, sondern Professor der Astrophysik am Massachusetts Institute of Technology (hört! hört!).
Dies ist sein erstes belletristisches Buch; jedoch habe ich später von ihm auch ein anderen – Der gute Benito – gelesen.
Daneben veröffentlicht er auch wissenschaftliche Essays und Gedichte.
Vielseitiger Mann, oder?
~ Allgemeine Informationen ~
Alan Lightman
„Und immer wieder die Zeit“
Originaltitel: Einstein’s Dreams
Erschienen im Heyne Verlag, 1994.
A5-klein, 207 Seiten.
Kostenpunkt: damals 5 DM,
ISBN 3-453-14403-1
Erschienen ist das Buch auch in anderen Verlagen. Amazon führt es zum Beispiel momentan als gebundene Ausgabe der Droemersche Verlagsanstalt, allerdings für stolze 15 Euro. Guckt euch mal um, sicher kann man es auch billiger erstehen.
~ Fazit ~
Das Buch, das man mindestens zweimal kaufen muss – denn es ist ein wunderbares Geschenk, aber gleichzeitig kann man einfach nicht anders, als es auch selbst zu behalten.
Ein Buch, dass man immer wieder lesen wird, über das man staunt, das einen verwirrt und herausfordert, zum Nachdenken und Philosophieren zwingt, das einem durch Gedanken und Träume spukt, Gänsehaut garantiert. Und die Schreiber unter uns werden nach der Lektüre nicht anders können, als eigene Zeitgeschichten zu erfinden.
Dieses Buch ist tatsächlich mehr als nur eine Aneinanderreihung von buchstabenbedruckten Seiten – es ist eine Droge, die die Wahrnehmung erweitert und die Phantasie in ungeahnte Höhen jagt.
Ich hoffe, dies hat Euch ein wenig neugierig gemacht. :-)
~ PS in eigener Sache ~
Wie immer freue ich mich sehr über Kommentare und Anregungen (ganz besonders hier, weil ich Buchberichte recht schwierig finde, dies ist auch erst mein zweiter dieser Art).
Vor allem aber würde ich mich über Äußerungen von denen freuen, die das Buch selbst gelesen haben, zwecks Gedankenaustauschs.
Die Kategorien unten sind mal wieder völlig unangebracht, achtet also nicht so sehr darauf.
Vielen Dank fürs Lesen und einen spannenden Tag, egal, in welcher Zeitdimension ihr Euch befindet.
Eure RainWoman
Ausserhalb der Bewertung und zum „Anfüttern“ - Leseprobe:
„... In einer Welt ohne Zukunft ist jeder Abschied eines Freundes ein Tod, jedes Lachen das letzte Lachen. In einer Welt ohne Zukunft liegt jenseits der Gegenwart das Nichts, und die Menschen klammern sich an sie, als hingen sie an einer Klippe.
Wer sich die Zukunft nicht vorstellen kann, der kann auch die Folgen seines Handelns nicht abwägen. Das wirkt auf manche lähmend bis zur Untätigkeit. Sie liegen den ganzen Tag im Bett, sind hellwach, haben aber Angst, sich anzuziehen. Sie trinken Kaffee und betrachten Fotos. Andere dagegen springen morgens aus dem Bett, völlig unbekümmert darum, daß jegliches Handeln ins Nichts mündet, unbekümmert darum, daß sie ihr Leben nicht planen können. Sie leben den Augenblick, und jeder davon ist erfüllt ...“
Alan Lightman: „Und immer wieder die Zeit“ (Einstein’s Dreams)
~ Das Buch: die Dimensionen der Zeit ~
Dieses Buch ist eine Aneinanderreihung von kurzen Gedanken – oder Träumen. Die Idee ist schlicht, doch gerade deshalb so eindrucksvoll: welche Richtungen und Formen könnte der Verlauf der Zeit nehmen, abgesehen von der uns vertrauten Zeit-Vorstellung?
Jede einzelne Geschichte – wenn man sie überhaupt so nennen kann – umfaßt nur wenige Seiten; wenige Seiten voller Faszination. Jedesmal wird ein Bruchstück einer Welt erschaffen, in der die Zeit ihren ganz speziellen Lauf nimmt.
So entsteht eine Vielfältigkeit verschiedener Wirklichkeiten – neu, ungeahnt und gleichzeitig vollkommen glaubwürdig.
Da ist eine Welt, in der die Zeit langsamer fließt, je weiter man sich vom Erdmittelpunkt entfernt, so dass alle Menschen hoch oben in den Bergen leben.
In einer Welt läuft die Zeit im Kreis, alle Geschehnisse wiederholen sich wieder und wieder und wieder.
In einer anderen ist die Vergangenheit veränderlich, beliebig steuerbar allein durch die Gedanken, so dass sich alles im Nachhinein immer wieder wandelt.
Wir betreten eine Welt, in der Ursache und Wirkung vertauschbar sind, in der das Ergebnis vor dem Auslöser geschieht – eine Welt der vollkommenen Verwirrung.
In einer anderen Dimensionen werden Menschen durch die Zeit geweht wie Laub im Wind. Es gibt Welten, da ist die Zeit eine feste Substanz, in anderen wieder ist sie allein vom subjektiven Empfinden abhängig oder ist ein Vogel, den jeder einzufangen sucht. In einer Welt ohne Vergangenheit notieren die Menschen ihr Leben in dicken Büchern.
Jede einzelner der Welten hat eine eigene Realität – oder mehrere oder gar keine – und mit dem Lesen wächst die Faszination der ungeahnten Vielfalt, die die Zeit aufweisen könnte.
~ Die Sprache ~
Kurze Sätze, kleine Worte. Aneinandergereiht malen sie Bilder, erschaffen Welten, scheinbar mühelos.
Die Sprache dieser Geschichten ist so klar, das man sie kaum wahrnimmt – beim Lesen fließen die Worte nur so dahin und tragen einen davon, in die faszinierenden Dimensionen der Zeit, die der Autor wie selbstverständlich kreiert.
Die Geschichten leben von einzelnen Szenen, die schattenhaft umrissen werden, ineinander übergehen und die dargestellten Realitäten greifbar und lebbar erscheine lassen. Immer wieder, wenn ich in dem Buch lese, tauche ich sofort in diese Sprache ein. Sie ist atemberaubend schlicht, in ihrer Klarheit fast perfekt. Man beginnt bald, ebenso reden zu wollen.
In der Tat ist der Stil, gerade weil er so mühelos dahinfließt, fast unmöglich zu beschreiben – und da ich keine besseren Worte dafür finden kann, empfehle ich einfach nur: selber lesen!
~ Ein Buch für ... ~
... jeden, der ungewöhnliche Gedankengänge liebt und der bereit ist, sich auf Möglichkeiten einzulassen, die fern des Wirklichkeitszustands liegen, den wir ‚Realität‘ nennen.
... jeden, der sich gern mit der Relativitätstheorie befasst, sich für Philosophie begeistern kann und sich nach neuer Nahrung für das flackernde Gedankenfeuer sehnt.
... jeden, der mal einen kleinen Blick über den Tellerrand wagen will und dafür einfach einen kleinen, und dennoch genialen, Denkanstoß sucht.
KEIN Buch für Geradeaus-Denker!!!
~ Der Autor ~
Alan Lightman ist nicht nur Schriftsteller, sondern Professor der Astrophysik am Massachusetts Institute of Technology (hört! hört!).
Dies ist sein erstes belletristisches Buch; jedoch habe ich später von ihm auch ein anderen – Der gute Benito – gelesen.
Daneben veröffentlicht er auch wissenschaftliche Essays und Gedichte.
Vielseitiger Mann, oder?
~ Allgemeine Informationen ~
Alan Lightman
„Und immer wieder die Zeit“
Originaltitel: Einstein’s Dreams
Erschienen im Heyne Verlag, 1994.
A5-klein, 207 Seiten.
Kostenpunkt: damals 5 DM,
ISBN 3-453-14403-1
Erschienen ist das Buch auch in anderen Verlagen. Amazon führt es zum Beispiel momentan als gebundene Ausgabe der Droemersche Verlagsanstalt, allerdings für stolze 15 Euro. Guckt euch mal um, sicher kann man es auch billiger erstehen.
~ Fazit ~
Das Buch, das man mindestens zweimal kaufen muss – denn es ist ein wunderbares Geschenk, aber gleichzeitig kann man einfach nicht anders, als es auch selbst zu behalten.
Ein Buch, dass man immer wieder lesen wird, über das man staunt, das einen verwirrt und herausfordert, zum Nachdenken und Philosophieren zwingt, das einem durch Gedanken und Träume spukt, Gänsehaut garantiert. Und die Schreiber unter uns werden nach der Lektüre nicht anders können, als eigene Zeitgeschichten zu erfinden.
Dieses Buch ist tatsächlich mehr als nur eine Aneinanderreihung von buchstabenbedruckten Seiten – es ist eine Droge, die die Wahrnehmung erweitert und die Phantasie in ungeahnte Höhen jagt.
Ich hoffe, dies hat Euch ein wenig neugierig gemacht. :-)
~ PS in eigener Sache ~
Wie immer freue ich mich sehr über Kommentare und Anregungen (ganz besonders hier, weil ich Buchberichte recht schwierig finde, dies ist auch erst mein zweiter dieser Art).
Vor allem aber würde ich mich über Äußerungen von denen freuen, die das Buch selbst gelesen haben, zwecks Gedankenaustauschs.
Die Kategorien unten sind mal wieder völlig unangebracht, achtet also nicht so sehr darauf.
Vielen Dank fürs Lesen und einen spannenden Tag, egal, in welcher Zeitdimension ihr Euch befindet.
Eure RainWoman
Ausserhalb der Bewertung und zum „Anfüttern“ - Leseprobe:
„... In einer Welt ohne Zukunft ist jeder Abschied eines Freundes ein Tod, jedes Lachen das letzte Lachen. In einer Welt ohne Zukunft liegt jenseits der Gegenwart das Nichts, und die Menschen klammern sich an sie, als hingen sie an einer Klippe.
Wer sich die Zukunft nicht vorstellen kann, der kann auch die Folgen seines Handelns nicht abwägen. Das wirkt auf manche lähmend bis zur Untätigkeit. Sie liegen den ganzen Tag im Bett, sind hellwach, haben aber Angst, sich anzuziehen. Sie trinken Kaffee und betrachten Fotos. Andere dagegen springen morgens aus dem Bett, völlig unbekümmert darum, daß jegliches Handeln ins Nichts mündet, unbekümmert darum, daß sie ihr Leben nicht planen können. Sie leben den Augenblick, und jeder davon ist erfüllt ...“
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