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Erfahrungsbericht von ewka78

Primo Levi - Ist das ein Mensch? - Ein Appell an das Gewissen

Pro:

schwer zu sagen...

Kontra:

schwer zu sagen...

Empfehlung:

Nein

Eigentlich schreibe ich lieber Meinungen, die unterhalten sollen, aber manchmal fällt mir etwas in die Hände, wo ich einfach das Gefühl habe, dass ich ungeachtet dessen, dass es sich um ein sehr ernstes Thema handelt, was keineswegs eigentlich wirklich unterhaltsam ist, dennoch es vorstellen sollte. Das gilt auch für das Buch 'Ist das ein Mensch?' von Primo Levi, einen italienischen Juden, was ich vor kurzer Zeit gelesen habe und bei mir selbst eigentlich einen solchen Eindruck hinterlassen hat, wie kaum ein Buch, was sich mit der düsteren Vergangenheit den 3. Reiches beschäftigt.

Primo Levi wurde am 31.07.1919 in Turin geboren und studierte dort Chemie. Er war im 2. Weltkrieg in der Resistenza tätig und wurde dann im Dezember 1943 verhaftet. Er wurde dann in das Konzentrationslager Ausschwitz deportiert und er überlebte dort auch. Nach der Befreiung kehrte er nach Italien wieder zurück und arbeitete bis 1977 in der chemischen Industrie. Danach wurde er Schriftsteller und schrieb auch zahlreiche Gedichte, die in einer anderen Publikation harausgebracht wurden. Am 11. April 1987 starb er durch Selbstmord.

Das Buch 'Ist das ein Mensch?', was als erstes 1958 in Italien herausgekommen ist und 1961 ins Deutsche übersetzt wurde, beschreibt sein eigenes Schicksal von seiner Verhaftung an bis zu dem Tag, an dem die Rote Armee in das Konzentrationslager stürmte und die verbliebenen Gefangenen befreite. Es ist ein Buch, was an vielen Stellen zeigt, dass obwohl Primo Levi versucht in diesem Buch sein Erlebtes zu verarbeiten, ihn dennoch sehr viele Sachen, die er in dem Jahr erlebt hatte, eigentlich nie verstanden hat, obwohl er durchaus auch es versucht hatte. Hier dazu ein Auszug aus seinem Brief an die Übersetzer, die das Buch ins Deutsche übersetzt haben:

'... Vielleicht haben Sie gemerkt, dass für mich das Lager und vom Lager geschrieben zu haben ein bedeutendes Erlebnis gewesen ist, das mich zu tiefst verändert, mir Reife und ein Lebensziel gegeben hat. Mag es Anmassung sein: aber jetzt kann ich, Nummer 174 517, durch Sie zu den Deutschen sprechen, kann sie an das erinnern, was sie getan haben, und ihnen sagen: >> Ich bin am Leben, und ich möchte euch verstehen, um euch beurteilen zu können <<...'

Es kam mir manchmal vor, als ob Primo Levi zwar versuchte nicht anklägerisch zu wirken, sind dennoch einige Passagen mit einer Art Grell gegenüber seinen Peinigern untermalt, in denen er häufig zu fragen wagte, wie Menschen zu solchen Grausamkeiten überhaupt fähig sind. Er gibt auch Beispiele für die Unmenschlichkeit des Lagers, wo Menschen profane Dinge versuchen, um überhaupt ihre menschliche Würde zu behalten. So beschreibt er einen Mithäftling, der sich täglich ohne Seife 'wäscht', weil er sagt, dass wenn man es nicht tun würde, dann würde man ihn wirklich nicht mehr von Tieren unterscheiden können. Ein anderer Häftling, der beschrieben wird, stellt er wieder als Beispiel vor, für jemandem, der schon längst mit seinem Leben abgeschlossen hat und eigentlich nur noch auf den Tod wartet. Dazu möchte ich mal zitieren:

'...Es ist Null Achtzehn. Nur so heisst er: Null Achtzehn, die letzten drei Ziffern seiner Nummer; als sei sich ein jeder Mensch bewusst geworden, dass nur ein Mensch es verdient, einen Namen zu haben und dass Null Achtzehn kein mehr ist. Ich glaube, er selber hat seinen Namen vergessen, denn so benimmt er sich. Seine Sprache und sein Blick erwecken den Eindruck, als sei sein Inneres leer, als bestehe er nur noch aus der Hülle, wie die Reste mancher Insekten, die man, mit einem Faden an einem Stein hängend, an den Ufern der Teiche finde, und der Wind hat sein Spiel mit ihnen...

Alles ist ihn so gleichgültig, dass er sich gar nicht mehr darum kümmert, Mühen und Schläge zu vermeiden, oder Nahrung zu suchen. Er führt jeden Befehl aus, den er bekommt, und wenn sie ihn in den Tod schicken werden, so wird er wahrscheinlich mit derselben völligen Gleichgültigkeit hingehen...'

Er beschreibt mit einer Art, die einen fast schon das Blut in den Adern gefrieren lässt, den Hunger, den chronischen Hunger, der jeden Häftling in seinem Dasein begleitet und niemals verschwindet. Davon, wie manche Nachts davon träumen, dass sie essen und wie manche noch der letzten Speise vor ihrer Deportation nachtrauern, weil sie sie nicht ganz aufassen. So entstand auch ein reger Handel mit verschiedenen Waren, wobei die Brotration immer die Währung war. Er beschreibt auch hier, wie einige Häftlinge Sachen ins Lager schmuggelten, um diese dann gegen Brot, oder Suppe einzutauschen.

Auffällig ist auch immer Levis Vergleich des Lagers mit dem Babel Turm, denn auch sprachlich gesehen ist das Lager für viele eine Überwindung, denn wie man auch aus der Geschichte weiss, war das Lager in Auschwitz für Menschen aus ganz Europa die Endstation gewesen und so kam es auch dazu, dass entsprechend viele Sprachen gesprochen wurden und manche gar manchmal noch nicht mal ihre Befehle verstanden haben und entsprechend auch manchmal bestraft wurden. Überhaupt erschütternd ist die kühle Art, mit der Levi die Regeln des Lagers beschreibt, wo die kleinsten Verstösse schon zu den schwersten Strafen führen.

Am Ende blieb eigentlich mal wieder nur noch die Fassungslosigkeit zurück, vor allem, weil ich mal vor einigen Jahren dieses Lager besucht hatte und dieses Buch lieferte mir die Bilder zu den Bilder, an die ich immer erinnern werde. So bekommt einfach das Lager für mich ein Gesicht durch die Erlebnisse von Primo Levi, die manchmal einfach so unfassbar sind, dass man sich kaum wirklich vorstellen kann, dass sie wirklich real sind. Darum möchte ich eigentlich wirklich jedem ans Herz legen dieses Buch mal wirklich zu lesen, denn auch wenn viele manchmal sagen, dass zu viel darüber gesprochen wird und man sollte endlich die Vergangenheit ruhen lassen, bin ich der Meinung, dass man gerade über solche dunklen Zeiten in der Vergangenheit sprechen muss, damit niemand von uns je vergisst, zu was für Grausamkeiten Menschen überhaupt fähig sind und das soetwas nie wieder vorkommen darf.








©ewka - 29.10.2002

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