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Erfahrungsbericht von Mathi15

Dialoginterpretation Emilia Galotti

Pro:

s.o.

Kontra:

s.o.

Empfehlung:

Nein

Gotthold Ephraim Lessing begann dieses Werk der Aufklärung im Jahre 1752 zu schreiben und vollendete es in den Jahren 1771 bzw 1772.
Der Prinz Hettore Gonzagas begehrt leidenschaftlich Emilia Galotti. Er ist es gewohnt sich seinen Launen und Leidenschaften hinzugeben, doch stehen ihm zwei Hindernisse im Weg. Zum einen die bisherige Mätresse Gräfin Orsina und zum anderen der Verlobte Emilias - Appiani. Mit der Gestalt des Kammerherren Marinellis steht dem Prinzen ein Werkzeug zur Verfügung, um seine Pläne zu verwirklichen. Es scheint leicht sich Gräfin Orsinas zu entledigen, doch erst mit Hilfe Marinellis in Szene gesetzten Schurkenstreiches scheint es möglich Emilia in die Arme des Prinzen zu bringen. Ein Überfall wird vorgetäuscht, bei dem Appiani getötet wird. Die dabei scheinbar gerettete Emilia und ihre Mutter, werden auf das Schloss des Prinzen gebracht. Doch die Gräfin Orsina durchschaut das Geschehen und offenbart es Odoardo Galotti, dem Vater Emilias, der vom Überfall informiert wurde. Die Gräfin übergibt Odoardo einen Dolch um somit ihre persönliche Rache zu fordern. Nach einem Gespräch zwischen dem Prinzen und Odoardo, kommt es zu einer Auseinandersetzung und schließlich zu einer Einsicht zwischen Emilia und ihrem Vater. Der Prinz wendet sich von Marinelli ab, da er nicht bereit ist, seinen Teil der Schuld auf sich zu nehmen. Mit den letzten Atemzügen dankt Emilia ihrem Vater, bevor sie stirbt und das Trauerspiel beendet ist.


1. Aufzug, 6. Auftritt
Dieser Dialog findet zwischen Hettore Gonzaga, dem Prinzen von Guastalla, und seinem Kammerherren namens Marinelli im Kabinett des Prinzen statt. Der Initiator dieses Gesprächs ist der Prinz, da er seinen Kammerherren zu sich bestellt. Nachdem sich Marinelli für dessen Verspätung entschuldigt, fragt der Prinz nach Neuigkeiten. Nach kurzer Überlegung antwortet Marinelli mit der Feststellung, dass die Gräfin Orsina, die Geliebte Gonzagas, in der Stadt wäre. Als Vorwand für die zuletzt distanzierte Haltung zur Gräfin gibt der Prinz an, dass er durch die kurz bevorstehende Vermählung mit der Prinzessin von Massa, den Kontakt zu Gräfin Orsina abbrechen müsse. Gleich in diesen ersten Worten des Prinzen erkennt man seine Skrupellosigkeit, denn der wahre Grund für die besagte Distanz ist eindeutig seine Liebe zu Emilia Galotti. Denn die baldige Hochzeit mit der Prinzessin von Massa, beklagt er jetzt schon und er sieht sich als Opfer elenden Staatsinteresses. Nun erläutert Marinelli den genauen Inhalt, des gestrigen Gesprächs mit der Gräfin. So sei sie sichtbar gekränkt über die bevorstenhende Vermählung des Prinzen, versuche aber dies nicht zu zeigen. Doch Gonzaga meint, dass sie früher oder später eh verrückt geworden wäre und möchte das Thema wechseln. Auch hier handelt er rücksichtslos und sieht die Gräfin lediglich als weggelegtes Spielzeug an. Dabei gebraucht er den Ausspruch: \"Und nun genug von ihr. Von etwas anderm!\" Vielmehr möchte er von interessanteren Neuigkeiten aus der Stadt hören. Zaghaft spricht der Kammerherr nun die bevorstehende Vermählung des Grafen Appiani mit einer unbedeutenden Bürgerlichen mit wenig Vermögen und geringem Ansehen an. Doch dies weckt die Neugier des Prinzen und er möchte genauer aufgeklärt werden. Als er erfährt, die Braut sei Emilia Galotti, brodelt es in ihm und er ist außer sich. Denn in den vorherigen Szenen schwirrt Emilia bereits in seinem Kopf herum. So unterzeichnet er nur deshalb eine Bittschrift an ihn, weil die Betreffende Emilia mit Vornamen heißt. Nach genauem Nachfragen stellt sich heraus, dass es sich wahrhaftig um die betreffende Emilia Galotti handelt. Nachdem Marinelli den Ort der Hochzeit bekannt gibt, bricht der Prinz sein schweigen und offenbahrt sich seinem Bediensteten. Er gesteht seine Liebe zu Emilia und meint, er sein nun verloren. Aus Verzweiflung bittet er Marinelli um Rat und erhält als Antwort, er solle auf sein Schloss in Dosalo fahren und wälzt damit die Verantwortung auf den Kammerherren selbst. Da der Prinz keinen weiteren Ausweg als passend ansieht, macht er sich augenblicklich auf den Weg zu seinem Schloss. Doch zuvor meint Marinelli, ein Gesandter müsse zur bevorstehenden Vermählung nach Massa geschickt werden und dieser solle der Graf Appiani selbst sein. Mit dieser Vereinbahrung endet zugleich diese Szene.
Beide Gesprächspartner haben eindeutige Ziele ins Visier genommen haben, erkennt man bei genauerer Betrachtung. So erhofft der Prinz zunächst mittels Neuigkeiten unterhalten zu werden und will später genaueres über die Personen Emilia Galotti und Graf Appiani wissen. Der Kammerherr hingegen will den angesprochenen Grafen aus dem Weg schaffen, doch dabei werden die Gründe nicht genauer beleuchtet. Desweiteren ist zu erkennen, dass dieser Bedienstete die einzige Vertrauensperson des Prinzen ist, denn ihm offenbahrt er als erstes die Liebe zu Emilia. Dabei wirft er sich seinem Untertan zu Füßen und sagt: \"Liebster, bester Marinelli, denken sie für mich\". Doch auch hier zeigt sich erneut, dass Gonzaga in all seiner Verzweiflung, seine egoistischen Ziele dennoch durchsetzen will. Denn eigentlich will er Marinellis Vertrauen gewinnen, um weitere Informationen über die baldige Hochzeit zwischen seiner Liebe und dem Grafen zu erhalten. Somit stellt er sich nur zu seinem eigenen Vorteil auf die Stufe seines Bediensteten. Deshalb lässt sich eine Wendung in diesem Dialog feststellen. Denn zunächst wirkt er eher belanglos und für die weitere Handlung des Stücks unwichtig, da zu Anfang nur unbedeutende Themen wie der Besuch der Gräfin Orsinas angekündigt wird. Doch durch diese Unterredung gerät die Handlung erst ins Rollen und das blutige Ende wird prophezeit. Denn auf diese Szene baut sich das darauffolgende Geschehen des Stücks auf. Ohne den Entschluss Marinellis sich an dem Grafen Appiani zu rächen, hätte das blutige Ende verhindert werden können. Die Aufgewühltheit des Prinzen lässt sich in Aussprüchen wie \"Ernsthaft, Marinelli, ernsthaft, oder\" erkennen, da er häufig Wörter wiederholt oder nicht flüssig spricht. Diese Nervösität schwappt am Ende auch auf dessen Untertan mit Worten wie \"so, denk ich - - doch, doch; ich glaube\" über.
Desweiteren erkennt man bei genauerer Betrachtung die Veränderung der Gesprächsanteile. So spricht zu Beginn des Dialogs größtenteils der Prinz und Marinelli wirkt verunsichert und irritiert, was sich in seiner geringen Gesprächsbereitschaft zeigt, doch mit Fortschreiten der Unterredung wechseln diese Rollen und der Prinz wird schweigsamer. Auch der Satzbau ändert sich im Laufe des Gesprächs. So spricht der Prinz zunächst in langen, verschachtelten Sätzen. Doch am Ende fallen die kurzen Sätze bzw. Elipsen Gonzagas ins Auge wie \"Henker! Diese? Diese Emilia Galotti wird heute?\".
Das besondere weiterhin an diesem Dialog ist die Tatsache, dass ein gewöhnlicher Kammerherr einen so großen Einfluss auf seinen Herrn hat. Denn er ist es schlussendlich, der den Prinzen dazu überredet zum Schloss nach Dosalo zu fahren. Man erfährt außerdem mittels dieses Dialogs sehr viel über die momentane Stimmungslage und Charaktereigenschaften des Prinzen. Denn schon zu Beginn kann er sich nicht so recht auf das Gespräch mit Marinelli konzentrieren, sondern denkt ständig an Emilia. So ergötzt er sich regelrecht an einem Bild dieser Bürgerlichen in seinem Monolog der vorherigen Szene. Er besitzt eine harte Schale, aber einen weichen Kern. Denn als er bemerkt, dass es keinen Ausweg mehr aus seinem Schweigen gibt, gesteht er seine Liebe zu Emilia und handelt scheinbar unkontrolliert. Außerdem ist es ihm völlig egal, wie sein Kammerherr die scheinbar aussichtslose Situation zugunsten seines Herren retten soll. Ich denke schon, dass der Prinz sowieso versucht hätte den Grafen von Appiani aus dem Weg zu räumen, um Emilia zu besitzen. Doch das Marinelli diese Bluttat ausführen soll, kommt Gonzaga natürlich nur entgegen. Ein weiteres Merkmal für das rücksichtslose Handeln des Prinzen zeigt die Tatsache, dass er von seiner Geliebten der Gräfin Orsina und seiner Verlobten, die Prinzessin von Massa plötzlich nichts mehr wissen will. Er wirft sie wie unbrauchbaren Müll ins Abseits und macht sich keine Gedanken über die Folgen. Doch auch Marinelli handelt nicht viel besser, denn auch er sieht keinen anderen Ausweg als die Ermordung Appianis, und umschreibt diese Mordtat mit den Worten \"Ich glaube, er geht in diese Falle gewiss.\" Beide Charaktere verwenden einen gehobenen Sprachstil und Sietzen sich gegenseitig. Dies deutet auf keine wirkliche Freundschaft, sondern viel eher auf eine Vereinbahrung der beiden zum gegenseitigen Vorteil. Somit würde ich zusammenfassend sagen, dass beide ein bestimmtes Ziel verfolgen und diese Chance zu Realisierung in diesem Moment nutzen wollen. Denn obwohl der Prinz alle Fäden in der Hand hält, wälzt er die Verantwortung lieber von sich ab.

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