Erfahrungsbericht von vampire-lady
Necroscope I
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Endlich durfte auch ich als Teil der deutschen Leser an einer der „erfolgreichsten Horror-Serien der Welt“ teilnehmen – um mal mit dem Klappentext zu beginnen. Der erste Teil der Serie Necroscope hat den Titel „das Erwachen“ und ist 2001 im Festa-Verlag erschienen. Das englische Original erschien bereits 1986 unter dem sinnigen Titel „Necroscope 1“. Brian Lumley gilt als Bestseller-Autor. Das Buch besteht aus nur 173 Seiten, ist aber recht klein gedruckt und kostet gegenwärtig DM 19,90. Dieser Preis gilt auch für die Folgetitel, momentan ist die Serie auf sechs Teile angewachsen – Preis jeweils wie gehabt.
Um noch einmal auf den Klappentext zurückzugreifen, handelt es sich bei dieser Buch-Serie um die „ultimative Vampirsaga“ – nur (zumindest in Teil 1) erstmal ohne Vampire. Häh?? Ich las und las und las, aber keiner unserer possierlichen kleinen Freunde mit den spitzen Zähnen ließ sich blicken. Die erste Hälfte des Buchs lag hinter mir, als endlich dann der gute alte Dracula sich teils quengelnd, teils mit unheilschwangeren Andeutungen aus seiner Gruft heraus meldete, um zumindest mit seinem „Sohn“ zu sprechen.
Warum ich das Buch nicht einfach in die Ecke geschmissen habe? Ganz einfach: es war zu interessant. Trotz der geringen Seitenzahl verfolgt der Autor mehrer verschiedene Handlungsstränge, die in verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten spielen. Diese Stränge scheinen zunächst völlig ohne Zusammenhang, und fügen sich nur langsam zu einem Bild zusammen – aber keineswegs zu einem vollständigen. Schon allein, weil der Leser mehr zu wissen glaubt, als die Hauptfiguren, die sich gar nicht kennen – wobei ich aber wieder nicht sicher bin, ob der Leser wirklich mehr weiß. Alles klar, keiner weiß Bescheid...
Man kann dieses Buch nicht einfach als Buch betrachten, es ist wirklich nur der Auftakt zu einer Serie, auf die der Leser so richtig neugierig gemacht wird – Mysterien werden aufgeworfen und bleiben zum Ende ungeklärt, einen richtigen Abschluß gibt es nicht. Gefällt einem das Buch bleibt nur eines: Weiterlesen! Teil 2 besorgen! Ach so besorgen: kann etwas schwierig werden, denn der eine oder andere Händler vermag die Bücher nicht aufzutreiben. Amazon liefert gegenwärtig zumindest vier Bände, lt. Info im Buch kann man die Reihe aber auch unter www.romantruhe.de versandkostenfrei beziehen. Man sollte sich aber bewußt sein, daß es sich um eine Serie, nicht aber um abgeschlossene Teile handelt.
Zum Inhalt:
Die Rahmenhandlung hat mir zunächst die Schuhe ausgezogen, denn was haben wir da? Eine englische Geheimorganisation, die sich mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigt. Wie sollte es auch anders sein, ist ja nahezu Trend heutzutage (vgl. Akte X, Highlander – die Serie, Poltergeist – die Serie, Anne Rice und ihre Talamasca undundund...).ohne derartige Läden geht’s anscheinend gar nicht mehr (grummelz). Nun ist der Obremotz dieser Organisation verstorben und sein Nachfolger Alec Kyle, der leichte hellseherische Fähigkeiten besitzt, hat Muffensausen ob der neuen Aufgabe, zumal er befürchtet, daß die Organisation wegrationalisiert wird. Es begibt sich so, daß er von einer Akte Harry Keogh „träumt“, die zum Erhalt der Organisation führen wird. Angesichts der Akte, die er tatsächlich auch im Büro vorfindet, erscheint ein geisterhaftes Wesen, welches einiges zu erzählen hat:
Harry Keogh: der Waise ist schon als Kind seltsam, was ihm auch jeder bestätigt. Er wird verfolgt von einem Traum, der ein Familiengeheimnis andeutet, ist offensichtlich verträumt, schwach und dumm. Mit beginnender Pubertät wird deutlich, daß Harry ein Genie (und ziemlich frühreifes Früchtchen) ist, was er einer speziellen Fähigkeit zu verdanken hat. Harry hört den Toten zu, die nach dem Tod in Ruhe das zu Ende denken (wollen), wozu sie zu Lebzeiten keine Zeit hatten, die aber nun froh sind, wenn wenigstens einer noch ihnen zuhört. So versteht er auf einmal Mathmatik, schreibt in jungen Jahren, Romane und Geschichten unter verschiedenen Pseudonymen und kommt dem alten Geheimnis auf die Spur. Harry bezeichnet sich inoffiziell als Necroscope. „Ein Denker, dessen Gedanken, wenn sie auch gegen den Strom der Allgemeinheit schwammen, nichtsdestotrotz wahr waren“.
Währenddessen lernt der werte Leser Harry’s Gegenpart kennen: Dragosani, aha Drago – Drache – Dracula! Genau - Dracula betrachtet Dragosani als seinen Sohn, da er einen gewissen Anteil an dessen Zeugung hatte. Dragosanis Eltern sind rumänische Zigeuner – die Mutter setzte den Kleinen aus. So wuchs auch Dragosani ohne Eltern auf. Papa Dracula nahm von seiner Gruft aus Kontakt zu Dragosani auf, um ihn eine Fähigkeit zu lehren, die der Harry’s nahekommt, aber in der Praxis „geringfügig“ ekliger ausfällt – was Dragosani wiederum zu einer reichen und hochgestellten Figur in einer russischen Geheimorganisation werden lässt. Dragosani ist der einzige geistig und körperlich gesunde Nekromant des Ostblocks – und abgesehen davon, wohl die Figur die Dracula zu seiner Rechten zu sehen wünscht.
Gerade die letzten beiden Handlungsstränge wurden so gut und so dicht erzählt, daß ich die Rahmenhandlung um Alec Kyle völlig vergessen habe. Zum Ende des Buches gibt es einen Einschub über Kyle und seinen Besuch und ich mußte – trotz der geringen Seitenzahl – zurückblättern, um überhaupt zu wissen, was noch mal los war. Auf der anderen Seite gibt die Rahmenhandlung auch nicht viel interessantes her – zumindest noch nicht, doch die Andeutungen lassen tief blicken.
Ich bin nun gespannt, wie sich die Fragen, die das Buch aufwirft, geklärt werden. Ich möchte wissen, ob die beiden (Harry und Dragosani) Freund oder Feind werden, ob der olle Graf sich noch einmal der Erde erhebt, und was mit den beiden Geheimclubs wird, also keine langen Texte mehr jetzt, ich gehe weiterlesen, Teil 2 bis 5 liegen schon bereit und warten.
Noch ein Wort zur Aufmachung: ganz klassisch rote Schrift auf schwarzem Grund, daß Cover geschmückt durch eine Fratze, die mich an einen wildgewordenen Kampf-Piranha erinnert (ebenfalls in Rottönen).
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 19:14:08 mit dem Titel Gefährliche Liebschaften
Intrigen über Intrigen:
„Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos erschien 1782 unter dem französischen Titel „Les Liaisons dangereuses“. Der Diogenes Taschenbuchverlag veröffentlichte 1985 eine deutsche Ausgabe auf dessen Cover das Bild „L’Odalisque brune“ von Francois Boucher (1745) abgebildet ist: eine dickliche Frau in zerwühltem Bett mit nacktem Hintern. Echt nicht mein Fall, obwohl die Szene zu einem Abschnitt im Buch passt!
Gelesen habe ich den alten Schinken, nachdem ich eine der Filmversionen des Buches gesehen hatte. Verfilmt wurde der Roman meines Wissens nach dreimal:
Mit „Buffy“-Blondchen unter dem Titel „Eiskalte Engel“. Hier wurde das Thema ins heutige Amerika transferiert.
Von Milos Forman unter dem Titel „Valmont“, mit Colin Firth und Annette Benning, als Kostümfilm.
Und von Stephen Frears unter dem Buchtitel, mit Glenn Close, John Malkovic und Michelle Pfeiffer, ebenfalls als Kostümstreifen. Es gab insg. 3 Oscars. Ist meiner Ansicht nach bestens besetzt und zählt nicht nur deshalb zu meinen Lieblingsfilmen.
Den Verfilmungen gemeinsam ist, daß sie zunächst ziemlich öde, weil unspektakulär sind – will heißen: wenig Action, viel Gelaber! Man muss sich wirklich darauf einlassen der Geschichte und den Gesprächen (dem Gelaber) zu folgen, um die kleinen Fiesheiten zu erfassen – für die man vielleicht eine Portion schwarzen Humores oder Schadenfreude braucht.
Auf jeden Fall kam ich letztens, weil ich sowieso im Bücherladen stand auf die Idee, daß Buch (zu dem die vorgenannte Aussage genaus zutrifft) mal zu bestellen:
Die Geschichte:
Sie ist eigentlich eine prima Grundlage für eine Seifen-Oper a la „Verbotene Liebe“. Die Marquise de Merteuil ist eine Intrigantin aus Leidenschaft – kleine Gemeinheiten anzetteln und mal gucken, was passiert. Ihr zur Seite steht ihr Ex-Lover, der Vicomte de Valmont – nicht minder fies. Beide haben im Roman ihre eigenen miesen Pläne, die teilweise aus Zufall, teilweise von der Merteuil gelenkt, dazu führen, daß beide sich gegenseitig die Bälle zuspielen.
Die Merteuil zieht ihre Fäden eher im Hintergrund, schließlich muss sie als Dame der hohen Pariser Gesellschaft ihren ausgezeichneten Ruf waren, der sie nahezu unantastbar macht. Für ihre Stellung in der Gesellschaft ist sie allerdings außergewöhnlich gebildet und hat es geschafft, nach einer kurzen Ehe auch als Frau unabhängig zu bleiben.
Valmont hat es als Mann etwas leichter, so wird er trotz seines Rufes als schnöder Frauenverführer gesellschaftlich akzeptiert. Er dient als verlängerter Arm seiner „Freundin“.
Die bösen Pläne:
Valmont hat sich als nächstes Opfer Mme de Tourvel ausgeguckt, die als Strohwitwe auf dem Landgut seiner Tante den Herbst verbringen will. Da diese als überaus ehrbar und tugendhaft gilt, sieht er in ihrer Verführung ein ehrgeiziges Ziel, daß seinem diesbezüglichen „Können“ entspricht. Deshalb hat er auch leider keine Zeit sich um die Merteuil zu kümmern, die ihn um die Lösung ihres Problems bittet:
Die Merteuil hat noch eine Rechnung mit einem Exliebhaber (Gercourt) offen, welcher plant eine 15jährige Klosterschülerin zu heiraten. Valmont solle doch bitte dafür sorgen, daß eben diese Klosterschülerin nicht mehr so ganz jungfräulich in die Ehe ginge. Da Valmont – wie gesagt – dafür keine Zeit hat, schlägt ihm die Merteuil wenigstens eine Wette vor:
Bekommt Valmont sein Zielobjekt, die Tourvel herum, darf er zusätzlich auch noch mal mit der Marquise de Merteuil persönlich. Im Laufe des Romans werden aber die beiden Pläne durch zufällige Bekanntschaften der betroffenen Figuren untereinander miteinander verflochten (was für Valmont zu gewissen Zeiten ziemlich stressig wird).
Bleibt zu hoffen, daß die fiesen Intriganten ihr Fett wegbekommen!? Hm!? Und so gute Freunde sind die beiden auch nicht, wie sich später herausstellt.
Der Roman setzt sich aus 176 Briefen zusammen, die aus der Korrespondenz der auftretenden Figuren untereinander besteht. Durch die persönlichen Aufzeichnungen erhält man einen guten Einblick in die einzelnen Charaktere, so gibt sich der Autor die Mühe die Sprache der Briefe an die verschiedenen Figuren anzupassen, was recht gut gelingt. Leider merkt man der Ausdrucksweise an, daß der Roman vor 200 Jahren geschrieben wurde, weshalb das Lesen der altmodischen Ausführungen etwas anstrengend ist. Genau das werden aber andersrum wieder einige Leser besonders schätzen.
Einige Briefe – besonders die der „harmlosen“ Figuren – stellen sich dabei als besonders lang und langweilig heraus. Wirklich interessant dagegen ist die Korrespondenz von Valmont/Merteuil, weil hier die wirklichen Pläne enthüllt werden und der eiskalte Zynismus der Beiden zu Tage tritt. Die Briefe der anderen teilen dagegen eher die Entwicklung der Pläne und die Folgen auf das Seelenleben der anderen Figuren, die gegen die beiden Intriganten wie deren Schachfiguren wirken, mit.
Fazit: vielleicht nur ein Buch für Fans, nicht zum Nebenherlesen.
Zum Autor:
Choderlos de Laclos (1741-1803) hinterließ abgesehen von diesem Buch keine besonderen literarischen Werke. Der Roman löste beim Publikum seiner Zeit wohl den ein oder anderen Herzriss aus – der Skandal war mittelprächtig. Lt. Nachwort muss „Gefährliche Liebschaften“ bei der Gesellschaft der damaligen Zeit, die klar emotional geprägt war, eingeschlagen sein, wie eine Bombe. So stellt der Roman die emotionale Basis klar gegen „die Macht leidenschaftsloser Intellektualität“.
Witzig ist die Vorbemerkung des Autors, die darauf hinausläuft, daß alle Charaktere frei erfunden sind. Sämtliche Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig und waren nicht beabsichtigt.
Na denn: Mahlzeit
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 21:02:17 mit dem Titel Necroscope II
Ich weißt ja gar nicht ob ihrs wusstet, aber ich kämpfe mich gerade durch eine der „erfolgreichsten Horror-Serien der Welt“ – d. h. ich bin sage und schreibe bei Teil 2 angelangt. Die Serie selbst heißt Necroscope und besteht aus mittlerweile 13 Teilen, wovon zumindest schon mal die ersten fünf auch in Deutschland erschienen sind. Teil 2 ist unter dem deutschen Titel „Vampirblut“ (Necroscope 2) erschienen – 2001 Blitz-Verlag – und kostet DM 19,90 (welcher auch für alle anderen Teile der Serie gilt). Die englische Version des Autors Brian Lumley stammt aus dem Jahr 1986. Da die Bücher etwas schwierig zu bekommen sind, hier eine im Buch angegebene Internetadresse: www.romantruhe.de.
Nach Teil 1 war ich etwas irritiert, daß in der als ultimative Vampirsaga angepriesenen Buchserie erst einmal gar kein Blutsauger auftauchen wollte. Nun in Teil 2 haben wir dann allerdings 2, leider wenig prickelnde Vertreter dieser Spezies. Einer ist noch im Werden, der andere liegt wehrlos unter der Erde begraben – und ist der Papa des ersteren (irgendwie).
Währenddessen werden dem geschätzten Leser dagegen die beiden Hauptfiguren aus Teil 1 der Serie nähergebracht – und die beiden haben es wirklich in sich. Bereits der erste Teil der Serie ist durch einen ausgesprochenen Einfallsreichtum des Autors aufgefallen, der Leser wird nahezu mit Ideen bombardiert und zum Weiterlesen genötigt – indem der Autor zahlreiche unzusammenhängende Handlungsstränge nebeneinander herlaufen läßt. In Vampirblut nun nähern sich die Stränge an, treiben aufeinander zu, puzzeln sich zusammen – aber nicht vollständig, schließlich will man dem Leser noch was neues bieten. Einige Fragen werden geklärt, dafür werden neue aufgeworfen. Genau hier sollte man also nicht vergessen, daß man es mit einer Buchserie zu tun hat. Da steckt zuviel Potential drin, um die Dinge zu früh aufzulösen.
Zum Inhalt:
Diesmal erlebt der Leser, wie es zu den Dingen kam, die die Rahmenhandlung des ersten Teils der Serie zur Folge hatten. Ach so ja: der Autor folgt nicht unbedingt der linearen Zeitlinie! Nicht verwirren lassen! Schließlich treffen wir auch den toten Wissenschaftler Möbius mit der Theorie der Zeitschleife. Wie nun ein gewisser Harry Keogh hat die Gabe mit den Toten zu sprechen (=Necroscope)– wovon die Toten so begeistert sind, daß sie ihn richtig mögen und ihm alles erzählen und lehren, was er wissen will, ist ein richtig netter Junge! Seine Fähigkeit hilft ihm, den Mord an seiner Mutter zu rächen, was zum Verscheiden seines Stiefvaters führt. Harry’s Fähigkeiten sollen aber nicht unbemerkt bleiben, schließlich gibt es im England der 70er eine Akte-X-mässige Organisation, die sich mit ESP und deren Möglichkeiten im Spionagebereich befasst. Harry soll für diese Organisation arbeiten.
In Rußland sind die Jungs natürlich auch hart am Ball – die Russen haben eine diesbezügliche Gegenorganisation. Womit wir bei Harry’s russischem Gegenspieler wären. Dragosani (=Necromant) hat eine ähnliche Fähigkeit, wie Harry – nur nicht ganz so schön, nicht ganz so effektiv, aber ziemlich eklig. Die Toten können ihn nicht leiden. Außerdem hat er sich noch ein Vampir-Ei verpassen lassen – die einzige Nachzucht des in der Erde gefangen Vampirs Thibor. Dieser gedenkt aber mit Dragosanis Hilfe aufzuerstehen.
Was führt Dragosani und Keogh zusammen und gleichzeitig Teile der vielzähligen Handlungsstränge? Keoghs verstorbener Stiefvater stellt sich als desertierter russischer Spion heraus hinter dem Dragosani her war. Blöderweise geht auch noch ein enger Freund Keoghs drauf – Harry erkennt, daß er seine Möglichkeiten eigentlich noch nie richtig genutzt hat und bläst Dragosani (zunächst) mal den Marsch...
Lumley schafft es über weite Strecken den Leser immer wieder neugierig zu machen und wartet immer wieder mit neuen Ideen auf. Auch Lumleys Vampire weichen von den Vorbildern, die man durch Dracula oder Rice kennt, deutlich ab. So findet man sich eher an Stargate oder an Akte X erinnert wieder. Um es dann nicht ganz so einfach zu machen, bringt er dann auch noch Sachen wie „Zeitschleifen“ in die Geschichte mit ein... also mich hat „zurück in die Zukunft“ schon mehr als strubbelig gemacht. Ich bleibe gespannt.
Abschließend noch zum Umschlag: Dieser ist schwarz und wird von einem Gesicht geziert, dessen Aufmachung entfernt an die Figuren von Alien-Designer Giger erinnert. Eingerahmt ist das düstere Gesicht von Fledermausflügeln. hm - nicht schön, aber selten!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 21:12:38 mit dem Titel Das Phantom der Oper
Alarm im Operhaus
„Das Phantom der Oper“ ist der berühmteste Kriminalroman des französischen Juristen und Journalisten Gaston Leroux. Der Roman erschien erstmals 1939 in Frankreich. Die erzählte Geschichte schrie eigentlich geradezu danach vermusicalt zu werden, was auch an Andrew Lloyd Webber nicht vorbeiging. Der Stil des Buches ist typisch für die französische Literatur, was ich nach einer Sendung des literarischen Quartetts (es ging nicht um dieses Buch, nur um den französischen Roman an sich) denn auch noch zur Kenntnis nehmen konnte.
Die Geschichte:
Erik, das Phantom der Oper, lebt relativ ruhig und zufrieden in den unterirdischen Gängen der alten Pariser Oper, wo er seine Hässlichkeit vor der restlichen Welt versteckt, aber seinen Interessen – vor allem Musik – ungehindert nachhängen kann. Die Chefs der Oper haben das Haus bei ihm gepachtet, er hat seine eigene Loge und gibt teilweise über kleine Briefchen Anweisungen an die Direktion. Gehorcht man nicht, macht Erik im verborgenen Terror. Das Buch beginnt an einer Stelle, an der sich Eriks friedvolles Leben in vielerlei Hinsicht entscheidend ändert:
- die Direktion der Oper wechselt und die Neuen wollen ihm nicht so recht gehorchen und auch die Pacht nicht bezahlen
- ein Bühnenmitarbeiter kommt ihm in die Quere, was leider mit dessen Tod endet
- das Phantom verliebt sich in Christine, eine junge unbekannte Sopranistin, der es Gesangsunterricht gibt, und zwar als Engel der Musik. Natürlich will Erik sie auf der Bühne sehen
Leider verliebt sich Christine aber in den jungen Grafen Raoul, der sich nicht scheut gegen das Phantom vorzugehen, als Erik das Mädchen in die Unterwelt der Oper entführt, wo sie als seine Frau leben oder mit ihm das Ende finden soll. Am Ende wird Erik einmal eine lebende Frau geküsst haben – aus Liebe lässt er Raoul leben und Christine mit ihm gehen.
Das Musical ist im übrigen dem Original sehr nahe. Selbst die quakende Operndiva Carlotta – eine Feindin Christines oder der tieffliegende Kerzenleuchter sind keine Erfindungen Webbers, sondern dem Originalroman entnommen. Lesen lohnt sich wirklich.
Um noch einmal auf den Klappentext zurückzugreifen, handelt es sich bei dieser Buch-Serie um die „ultimative Vampirsaga“ – nur (zumindest in Teil 1) erstmal ohne Vampire. Häh?? Ich las und las und las, aber keiner unserer possierlichen kleinen Freunde mit den spitzen Zähnen ließ sich blicken. Die erste Hälfte des Buchs lag hinter mir, als endlich dann der gute alte Dracula sich teils quengelnd, teils mit unheilschwangeren Andeutungen aus seiner Gruft heraus meldete, um zumindest mit seinem „Sohn“ zu sprechen.
Warum ich das Buch nicht einfach in die Ecke geschmissen habe? Ganz einfach: es war zu interessant. Trotz der geringen Seitenzahl verfolgt der Autor mehrer verschiedene Handlungsstränge, die in verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten spielen. Diese Stränge scheinen zunächst völlig ohne Zusammenhang, und fügen sich nur langsam zu einem Bild zusammen – aber keineswegs zu einem vollständigen. Schon allein, weil der Leser mehr zu wissen glaubt, als die Hauptfiguren, die sich gar nicht kennen – wobei ich aber wieder nicht sicher bin, ob der Leser wirklich mehr weiß. Alles klar, keiner weiß Bescheid...
Man kann dieses Buch nicht einfach als Buch betrachten, es ist wirklich nur der Auftakt zu einer Serie, auf die der Leser so richtig neugierig gemacht wird – Mysterien werden aufgeworfen und bleiben zum Ende ungeklärt, einen richtigen Abschluß gibt es nicht. Gefällt einem das Buch bleibt nur eines: Weiterlesen! Teil 2 besorgen! Ach so besorgen: kann etwas schwierig werden, denn der eine oder andere Händler vermag die Bücher nicht aufzutreiben. Amazon liefert gegenwärtig zumindest vier Bände, lt. Info im Buch kann man die Reihe aber auch unter www.romantruhe.de versandkostenfrei beziehen. Man sollte sich aber bewußt sein, daß es sich um eine Serie, nicht aber um abgeschlossene Teile handelt.
Zum Inhalt:
Die Rahmenhandlung hat mir zunächst die Schuhe ausgezogen, denn was haben wir da? Eine englische Geheimorganisation, die sich mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigt. Wie sollte es auch anders sein, ist ja nahezu Trend heutzutage (vgl. Akte X, Highlander – die Serie, Poltergeist – die Serie, Anne Rice und ihre Talamasca undundund...).ohne derartige Läden geht’s anscheinend gar nicht mehr (grummelz). Nun ist der Obremotz dieser Organisation verstorben und sein Nachfolger Alec Kyle, der leichte hellseherische Fähigkeiten besitzt, hat Muffensausen ob der neuen Aufgabe, zumal er befürchtet, daß die Organisation wegrationalisiert wird. Es begibt sich so, daß er von einer Akte Harry Keogh „träumt“, die zum Erhalt der Organisation führen wird. Angesichts der Akte, die er tatsächlich auch im Büro vorfindet, erscheint ein geisterhaftes Wesen, welches einiges zu erzählen hat:
Harry Keogh: der Waise ist schon als Kind seltsam, was ihm auch jeder bestätigt. Er wird verfolgt von einem Traum, der ein Familiengeheimnis andeutet, ist offensichtlich verträumt, schwach und dumm. Mit beginnender Pubertät wird deutlich, daß Harry ein Genie (und ziemlich frühreifes Früchtchen) ist, was er einer speziellen Fähigkeit zu verdanken hat. Harry hört den Toten zu, die nach dem Tod in Ruhe das zu Ende denken (wollen), wozu sie zu Lebzeiten keine Zeit hatten, die aber nun froh sind, wenn wenigstens einer noch ihnen zuhört. So versteht er auf einmal Mathmatik, schreibt in jungen Jahren, Romane und Geschichten unter verschiedenen Pseudonymen und kommt dem alten Geheimnis auf die Spur. Harry bezeichnet sich inoffiziell als Necroscope. „Ein Denker, dessen Gedanken, wenn sie auch gegen den Strom der Allgemeinheit schwammen, nichtsdestotrotz wahr waren“.
Währenddessen lernt der werte Leser Harry’s Gegenpart kennen: Dragosani, aha Drago – Drache – Dracula! Genau - Dracula betrachtet Dragosani als seinen Sohn, da er einen gewissen Anteil an dessen Zeugung hatte. Dragosanis Eltern sind rumänische Zigeuner – die Mutter setzte den Kleinen aus. So wuchs auch Dragosani ohne Eltern auf. Papa Dracula nahm von seiner Gruft aus Kontakt zu Dragosani auf, um ihn eine Fähigkeit zu lehren, die der Harry’s nahekommt, aber in der Praxis „geringfügig“ ekliger ausfällt – was Dragosani wiederum zu einer reichen und hochgestellten Figur in einer russischen Geheimorganisation werden lässt. Dragosani ist der einzige geistig und körperlich gesunde Nekromant des Ostblocks – und abgesehen davon, wohl die Figur die Dracula zu seiner Rechten zu sehen wünscht.
Gerade die letzten beiden Handlungsstränge wurden so gut und so dicht erzählt, daß ich die Rahmenhandlung um Alec Kyle völlig vergessen habe. Zum Ende des Buches gibt es einen Einschub über Kyle und seinen Besuch und ich mußte – trotz der geringen Seitenzahl – zurückblättern, um überhaupt zu wissen, was noch mal los war. Auf der anderen Seite gibt die Rahmenhandlung auch nicht viel interessantes her – zumindest noch nicht, doch die Andeutungen lassen tief blicken.
Ich bin nun gespannt, wie sich die Fragen, die das Buch aufwirft, geklärt werden. Ich möchte wissen, ob die beiden (Harry und Dragosani) Freund oder Feind werden, ob der olle Graf sich noch einmal der Erde erhebt, und was mit den beiden Geheimclubs wird, also keine langen Texte mehr jetzt, ich gehe weiterlesen, Teil 2 bis 5 liegen schon bereit und warten.
Noch ein Wort zur Aufmachung: ganz klassisch rote Schrift auf schwarzem Grund, daß Cover geschmückt durch eine Fratze, die mich an einen wildgewordenen Kampf-Piranha erinnert (ebenfalls in Rottönen).
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 19:14:08 mit dem Titel Gefährliche Liebschaften
Intrigen über Intrigen:
„Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos erschien 1782 unter dem französischen Titel „Les Liaisons dangereuses“. Der Diogenes Taschenbuchverlag veröffentlichte 1985 eine deutsche Ausgabe auf dessen Cover das Bild „L’Odalisque brune“ von Francois Boucher (1745) abgebildet ist: eine dickliche Frau in zerwühltem Bett mit nacktem Hintern. Echt nicht mein Fall, obwohl die Szene zu einem Abschnitt im Buch passt!
Gelesen habe ich den alten Schinken, nachdem ich eine der Filmversionen des Buches gesehen hatte. Verfilmt wurde der Roman meines Wissens nach dreimal:
Mit „Buffy“-Blondchen unter dem Titel „Eiskalte Engel“. Hier wurde das Thema ins heutige Amerika transferiert.
Von Milos Forman unter dem Titel „Valmont“, mit Colin Firth und Annette Benning, als Kostümfilm.
Und von Stephen Frears unter dem Buchtitel, mit Glenn Close, John Malkovic und Michelle Pfeiffer, ebenfalls als Kostümstreifen. Es gab insg. 3 Oscars. Ist meiner Ansicht nach bestens besetzt und zählt nicht nur deshalb zu meinen Lieblingsfilmen.
Den Verfilmungen gemeinsam ist, daß sie zunächst ziemlich öde, weil unspektakulär sind – will heißen: wenig Action, viel Gelaber! Man muss sich wirklich darauf einlassen der Geschichte und den Gesprächen (dem Gelaber) zu folgen, um die kleinen Fiesheiten zu erfassen – für die man vielleicht eine Portion schwarzen Humores oder Schadenfreude braucht.
Auf jeden Fall kam ich letztens, weil ich sowieso im Bücherladen stand auf die Idee, daß Buch (zu dem die vorgenannte Aussage genaus zutrifft) mal zu bestellen:
Die Geschichte:
Sie ist eigentlich eine prima Grundlage für eine Seifen-Oper a la „Verbotene Liebe“. Die Marquise de Merteuil ist eine Intrigantin aus Leidenschaft – kleine Gemeinheiten anzetteln und mal gucken, was passiert. Ihr zur Seite steht ihr Ex-Lover, der Vicomte de Valmont – nicht minder fies. Beide haben im Roman ihre eigenen miesen Pläne, die teilweise aus Zufall, teilweise von der Merteuil gelenkt, dazu führen, daß beide sich gegenseitig die Bälle zuspielen.
Die Merteuil zieht ihre Fäden eher im Hintergrund, schließlich muss sie als Dame der hohen Pariser Gesellschaft ihren ausgezeichneten Ruf waren, der sie nahezu unantastbar macht. Für ihre Stellung in der Gesellschaft ist sie allerdings außergewöhnlich gebildet und hat es geschafft, nach einer kurzen Ehe auch als Frau unabhängig zu bleiben.
Valmont hat es als Mann etwas leichter, so wird er trotz seines Rufes als schnöder Frauenverführer gesellschaftlich akzeptiert. Er dient als verlängerter Arm seiner „Freundin“.
Die bösen Pläne:
Valmont hat sich als nächstes Opfer Mme de Tourvel ausgeguckt, die als Strohwitwe auf dem Landgut seiner Tante den Herbst verbringen will. Da diese als überaus ehrbar und tugendhaft gilt, sieht er in ihrer Verführung ein ehrgeiziges Ziel, daß seinem diesbezüglichen „Können“ entspricht. Deshalb hat er auch leider keine Zeit sich um die Merteuil zu kümmern, die ihn um die Lösung ihres Problems bittet:
Die Merteuil hat noch eine Rechnung mit einem Exliebhaber (Gercourt) offen, welcher plant eine 15jährige Klosterschülerin zu heiraten. Valmont solle doch bitte dafür sorgen, daß eben diese Klosterschülerin nicht mehr so ganz jungfräulich in die Ehe ginge. Da Valmont – wie gesagt – dafür keine Zeit hat, schlägt ihm die Merteuil wenigstens eine Wette vor:
Bekommt Valmont sein Zielobjekt, die Tourvel herum, darf er zusätzlich auch noch mal mit der Marquise de Merteuil persönlich. Im Laufe des Romans werden aber die beiden Pläne durch zufällige Bekanntschaften der betroffenen Figuren untereinander miteinander verflochten (was für Valmont zu gewissen Zeiten ziemlich stressig wird).
Bleibt zu hoffen, daß die fiesen Intriganten ihr Fett wegbekommen!? Hm!? Und so gute Freunde sind die beiden auch nicht, wie sich später herausstellt.
Der Roman setzt sich aus 176 Briefen zusammen, die aus der Korrespondenz der auftretenden Figuren untereinander besteht. Durch die persönlichen Aufzeichnungen erhält man einen guten Einblick in die einzelnen Charaktere, so gibt sich der Autor die Mühe die Sprache der Briefe an die verschiedenen Figuren anzupassen, was recht gut gelingt. Leider merkt man der Ausdrucksweise an, daß der Roman vor 200 Jahren geschrieben wurde, weshalb das Lesen der altmodischen Ausführungen etwas anstrengend ist. Genau das werden aber andersrum wieder einige Leser besonders schätzen.
Einige Briefe – besonders die der „harmlosen“ Figuren – stellen sich dabei als besonders lang und langweilig heraus. Wirklich interessant dagegen ist die Korrespondenz von Valmont/Merteuil, weil hier die wirklichen Pläne enthüllt werden und der eiskalte Zynismus der Beiden zu Tage tritt. Die Briefe der anderen teilen dagegen eher die Entwicklung der Pläne und die Folgen auf das Seelenleben der anderen Figuren, die gegen die beiden Intriganten wie deren Schachfiguren wirken, mit.
Fazit: vielleicht nur ein Buch für Fans, nicht zum Nebenherlesen.
Zum Autor:
Choderlos de Laclos (1741-1803) hinterließ abgesehen von diesem Buch keine besonderen literarischen Werke. Der Roman löste beim Publikum seiner Zeit wohl den ein oder anderen Herzriss aus – der Skandal war mittelprächtig. Lt. Nachwort muss „Gefährliche Liebschaften“ bei der Gesellschaft der damaligen Zeit, die klar emotional geprägt war, eingeschlagen sein, wie eine Bombe. So stellt der Roman die emotionale Basis klar gegen „die Macht leidenschaftsloser Intellektualität“.
Witzig ist die Vorbemerkung des Autors, die darauf hinausläuft, daß alle Charaktere frei erfunden sind. Sämtliche Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig und waren nicht beabsichtigt.
Na denn: Mahlzeit
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 21:02:17 mit dem Titel Necroscope II
Ich weißt ja gar nicht ob ihrs wusstet, aber ich kämpfe mich gerade durch eine der „erfolgreichsten Horror-Serien der Welt“ – d. h. ich bin sage und schreibe bei Teil 2 angelangt. Die Serie selbst heißt Necroscope und besteht aus mittlerweile 13 Teilen, wovon zumindest schon mal die ersten fünf auch in Deutschland erschienen sind. Teil 2 ist unter dem deutschen Titel „Vampirblut“ (Necroscope 2) erschienen – 2001 Blitz-Verlag – und kostet DM 19,90 (welcher auch für alle anderen Teile der Serie gilt). Die englische Version des Autors Brian Lumley stammt aus dem Jahr 1986. Da die Bücher etwas schwierig zu bekommen sind, hier eine im Buch angegebene Internetadresse: www.romantruhe.de.
Nach Teil 1 war ich etwas irritiert, daß in der als ultimative Vampirsaga angepriesenen Buchserie erst einmal gar kein Blutsauger auftauchen wollte. Nun in Teil 2 haben wir dann allerdings 2, leider wenig prickelnde Vertreter dieser Spezies. Einer ist noch im Werden, der andere liegt wehrlos unter der Erde begraben – und ist der Papa des ersteren (irgendwie).
Währenddessen werden dem geschätzten Leser dagegen die beiden Hauptfiguren aus Teil 1 der Serie nähergebracht – und die beiden haben es wirklich in sich. Bereits der erste Teil der Serie ist durch einen ausgesprochenen Einfallsreichtum des Autors aufgefallen, der Leser wird nahezu mit Ideen bombardiert und zum Weiterlesen genötigt – indem der Autor zahlreiche unzusammenhängende Handlungsstränge nebeneinander herlaufen läßt. In Vampirblut nun nähern sich die Stränge an, treiben aufeinander zu, puzzeln sich zusammen – aber nicht vollständig, schließlich will man dem Leser noch was neues bieten. Einige Fragen werden geklärt, dafür werden neue aufgeworfen. Genau hier sollte man also nicht vergessen, daß man es mit einer Buchserie zu tun hat. Da steckt zuviel Potential drin, um die Dinge zu früh aufzulösen.
Zum Inhalt:
Diesmal erlebt der Leser, wie es zu den Dingen kam, die die Rahmenhandlung des ersten Teils der Serie zur Folge hatten. Ach so ja: der Autor folgt nicht unbedingt der linearen Zeitlinie! Nicht verwirren lassen! Schließlich treffen wir auch den toten Wissenschaftler Möbius mit der Theorie der Zeitschleife. Wie nun ein gewisser Harry Keogh hat die Gabe mit den Toten zu sprechen (=Necroscope)– wovon die Toten so begeistert sind, daß sie ihn richtig mögen und ihm alles erzählen und lehren, was er wissen will, ist ein richtig netter Junge! Seine Fähigkeit hilft ihm, den Mord an seiner Mutter zu rächen, was zum Verscheiden seines Stiefvaters führt. Harry’s Fähigkeiten sollen aber nicht unbemerkt bleiben, schließlich gibt es im England der 70er eine Akte-X-mässige Organisation, die sich mit ESP und deren Möglichkeiten im Spionagebereich befasst. Harry soll für diese Organisation arbeiten.
In Rußland sind die Jungs natürlich auch hart am Ball – die Russen haben eine diesbezügliche Gegenorganisation. Womit wir bei Harry’s russischem Gegenspieler wären. Dragosani (=Necromant) hat eine ähnliche Fähigkeit, wie Harry – nur nicht ganz so schön, nicht ganz so effektiv, aber ziemlich eklig. Die Toten können ihn nicht leiden. Außerdem hat er sich noch ein Vampir-Ei verpassen lassen – die einzige Nachzucht des in der Erde gefangen Vampirs Thibor. Dieser gedenkt aber mit Dragosanis Hilfe aufzuerstehen.
Was führt Dragosani und Keogh zusammen und gleichzeitig Teile der vielzähligen Handlungsstränge? Keoghs verstorbener Stiefvater stellt sich als desertierter russischer Spion heraus hinter dem Dragosani her war. Blöderweise geht auch noch ein enger Freund Keoghs drauf – Harry erkennt, daß er seine Möglichkeiten eigentlich noch nie richtig genutzt hat und bläst Dragosani (zunächst) mal den Marsch...
Lumley schafft es über weite Strecken den Leser immer wieder neugierig zu machen und wartet immer wieder mit neuen Ideen auf. Auch Lumleys Vampire weichen von den Vorbildern, die man durch Dracula oder Rice kennt, deutlich ab. So findet man sich eher an Stargate oder an Akte X erinnert wieder. Um es dann nicht ganz so einfach zu machen, bringt er dann auch noch Sachen wie „Zeitschleifen“ in die Geschichte mit ein... also mich hat „zurück in die Zukunft“ schon mehr als strubbelig gemacht. Ich bleibe gespannt.
Abschließend noch zum Umschlag: Dieser ist schwarz und wird von einem Gesicht geziert, dessen Aufmachung entfernt an die Figuren von Alien-Designer Giger erinnert. Eingerahmt ist das düstere Gesicht von Fledermausflügeln. hm - nicht schön, aber selten!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 21:12:38 mit dem Titel Das Phantom der Oper
Alarm im Operhaus
„Das Phantom der Oper“ ist der berühmteste Kriminalroman des französischen Juristen und Journalisten Gaston Leroux. Der Roman erschien erstmals 1939 in Frankreich. Die erzählte Geschichte schrie eigentlich geradezu danach vermusicalt zu werden, was auch an Andrew Lloyd Webber nicht vorbeiging. Der Stil des Buches ist typisch für die französische Literatur, was ich nach einer Sendung des literarischen Quartetts (es ging nicht um dieses Buch, nur um den französischen Roman an sich) denn auch noch zur Kenntnis nehmen konnte.
Die Geschichte:
Erik, das Phantom der Oper, lebt relativ ruhig und zufrieden in den unterirdischen Gängen der alten Pariser Oper, wo er seine Hässlichkeit vor der restlichen Welt versteckt, aber seinen Interessen – vor allem Musik – ungehindert nachhängen kann. Die Chefs der Oper haben das Haus bei ihm gepachtet, er hat seine eigene Loge und gibt teilweise über kleine Briefchen Anweisungen an die Direktion. Gehorcht man nicht, macht Erik im verborgenen Terror. Das Buch beginnt an einer Stelle, an der sich Eriks friedvolles Leben in vielerlei Hinsicht entscheidend ändert:
- die Direktion der Oper wechselt und die Neuen wollen ihm nicht so recht gehorchen und auch die Pacht nicht bezahlen
- ein Bühnenmitarbeiter kommt ihm in die Quere, was leider mit dessen Tod endet
- das Phantom verliebt sich in Christine, eine junge unbekannte Sopranistin, der es Gesangsunterricht gibt, und zwar als Engel der Musik. Natürlich will Erik sie auf der Bühne sehen
Leider verliebt sich Christine aber in den jungen Grafen Raoul, der sich nicht scheut gegen das Phantom vorzugehen, als Erik das Mädchen in die Unterwelt der Oper entführt, wo sie als seine Frau leben oder mit ihm das Ende finden soll. Am Ende wird Erik einmal eine lebende Frau geküsst haben – aus Liebe lässt er Raoul leben und Christine mit ihm gehen.
Das Musical ist im übrigen dem Original sehr nahe. Selbst die quakende Operndiva Carlotta – eine Feindin Christines oder der tieffliegende Kerzenleuchter sind keine Erfindungen Webbers, sondern dem Originalroman entnommen. Lesen lohnt sich wirklich.
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